Archiv der Kategorie: Slowenien

family4travel in Slowenien

Slowenien hat uns positiv überrascht. Wir haben das kleine Alpenland von Nord nach Süd durchquert und uns eine Woche lang gewundert, wie schön und wie vielseitig es dort ist.

In der Tat, ich habe kürzlich meine Leidenschaft fürs Kartenzeichnen entdeckt (ich sage nicht, dass ich gut darin bin...).
In der Tat, ich habe kürzlich meine Leidenschaft fürs Kartenzeichnen entdeckt (ich sage nicht, dass ich gut darin bin…).

Folgende Texte sind dabei fürs Blog entstanden:

Slowenien mit Kindern: Berge und Höhlen und freundliche Menschen

Slowenien mit Kindern – ist das eine gute Idee? Wir hatten keine Ahnung, als wir zum ersten Mal einen Fuß in das kleine Alpenland setzten. Wir hatten uns wenig Gedanken über das Alpenland gemacht, das für uns während unserer arg kurzen Planungszeit mehr oder weniger nur Transitgebiet auf dem Weg an die Adria darstellte. Immerhin eine Woche haben wir uns Zeit genommen, den jungen Staat kennenzulernen. Und siehe da: Slowenien mit Kindern entpuppt sich als großartige Idee! Wunderschöne Bergpanoramen, spektakuläre Karst-Landschaften, moderate Preise und freundliche Menschen, die sich über Touristen freuen (und im Gegensatz zu Italienern, Franzosen und Deutschen noch am hinterletzten Bergsee englische Hinweistafeln aufstellen). Wir verlassen Slowenien mit dem festen Vorsatz, auf jeden Fall bald einmal wiederzukommen!

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Ljubljana: Die Hauptstadt mit Seele UND Flair

Sloweniens Hauptstadt ist vielfältig: gemütlich und aufregend, beeindruckend und übersichtlich, abenteuerlich und angenehm berechenbar. Mit gerade einmal 280.000 Einwohnern ist die Metropole wenig mehr als halb so groß wie Hannover. Und doch ist sie vor allem eins: sehenswert!

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Idrija: Faszination Quecksilber mitten in der Natur

Der kleine Ort Idrija ist der Mittelpunkt eines beeindruckenden Naturschutzgebiets. Wo heute dichte Wälder die Flanken halsbrecherischer Schluchten bewachsen, wurde fast 500 Jahre lang Quecksilber abgebaut. Die Balance zwischen atemberaubender Landschaft und prekärer Industriegeschichte ist auf jeden Fall einen Blick wert!

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Ländliches Slowenien: Burg Kamen und die Tür mit dem Herzchen

Slowenien ist nicht metropolitisch. Abseits der Hauptstadt Ljubljana (die mit ihren rund 280.000 Einwohnern immer noch halb so groß wie Hannover ist) gibt es wenig städtischen Trubel. Dafür hat das kleine Land etwas anderes zu bieten: ländliche Idylle. Eine gute Kelle voll davon haben wir uns im Draga-Tal gegönnt, nur wenige Kilometer hinter der österreichischen Grenze, nahe des (absolut sehenswerten) Bleder Sees.

Unsere Couchsurfing-Hosts sind Ana und Anže. Sie wohnen in einem winzigen Dorf im Draga-Tal. Schon die Anfahrt gestaltet sich abenteuerlich. Elise, unser neues Navi, besteht darauf, dass wir in einen ungeteerten Waldweg abbiegen. Die heftigen Regenfälle des Sommers haben den steinigen Boden überspült. Neben uns fällt der Weg einige Meter steil in ein Flussbett ab. „Hier schon solche Zustände?“ flucht Martin neben mir. „Solche Verhältnisse hätte ich erst in Rumänien erwartet.“ Später stellt sich heraus, dass Elise noch viel lernen muss (oder wir über Elise), denn natürlich hätte es auch eine befestigte Zufahrt nach Zgoša gegeben. So ganz falsch ist der erste Eindruck aber auch nicht, denn die Ortschaft mutet in der Tat beinahe archaisch an. Bauernhöfe mit traditionellen Holzscheunen reihen sich aneinander. In der Mitte plätschert ein kleines Bächlein. Wir finden Anas und Anžes Haus. Es ist ein „Neubau“ aus den 80ern, errichtet auf dem Grundstück des elterlichen Hofs. Wir parken neben dem Hühnerauslauf, und noch bevor uns Ana herzlich in Empfang nimmt, begrüßt uns das Blöken der drei Schafe.

Wir wohnen ländlich: Vor dem Fenster blöken die Schafe.
Wir wohnen ländlich: Vor dem Fenster blöken die Schafe.

Der Alltag im ländlichen Slowenien läuft bei dem jungen Paar nicht anders ab als in den meisten Ländern mitten in der Europäischen Union. Anže ist Lebensmitteltechniker und pendelt jeden Tag nach Ljubljana. Ana unterrichtet an der Gesamtschule im nahe gelegenen Radovljica. Sie besitzen WLan und kochen auf einem Induktionsherd. Anžes Vater aber, der im alten Haus nebenan wohnt, geht noch über den Hof und benutzt die Tür mit dem Herzchen neben dem Misthaufen.

Auch ganz typisch für Slowenien: Apfelbäume, jede Menge Apfelbäume!
Auch ganz typisch für Slowenien: Apfelbäume, jede Menge Apfelbäume!

Wir verbringen zwei wunderschöne Tage in Zgoša, machen Ausflüge zum Bleder See und nach Radovljica. Besonders gut aber gefällt uns ein Spaziergang durch die Landschaft gleich hier. Mit Panoramablick auf die Alpengipfel schlendern wir vorbei an lieblichen Feldern, an deren Rändern wir immer wieder überdachte hölzerne Ständer stehen. Die Jungs erkennen gleich, was es damit auf sich hat: „Das ist ein Heu-Regal!“ kräht Janis. „Da wird das Heu getrocknet!“

Noch typischer für Slowenien: die "Heu-Regale".
Noch typischer für Slowenien: die überdachten „Heu-Regale“.

Am Ende des Tals tauchen die Ruinen einer waschechten Ritterburg auf. Die Festung Kamen diente im Mittelalter zur Sicherung des Passwegs über die Alpen, und selbstverständlich auch als Zollstation. Durch den Ausbau des weit entfernten Loibl-Passes verlor der Weg durchs Draga-Tal an Bedeutung. Das Adelsgeschlecht gab den Außenposten auf, das Gemäuer verfiel zunehmend. Erst in den 1950er Jahren wurde der Denkmalschutz tätig und sicherte die Reste mit den Patentlösungen dieser Zeit: Teer und Beton. Seitdem hat sich zwar noch einiges getan, andere Sicherungsmaßnahmen haben bereits ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten. Der wunderbar abenteuerliche Ort eignet sich hervorragend für Expeditionen und Untersuchungen der mittelalterlichen Baugewohnheiten – aber an allen Ecken und Kanten und mitunter auch mitten in der Burg geht es steil nach unten, also Vorsicht!

Wildromantisch: Die Burgruine Kamen ist ein Abenteuer.
Wildromantisch: Die Burgruine Kamen ist ein Abenteuer.

Die Burg Kamen ist frei zugänglich.

Auch für Nicht-Couchsurfer gibt es zahlreiche Unterkunftsmöglichkeiten, zumindest haben wir in den umliegenden Dörfern und in Radovljica viele „Zimmer frei“-Schilder gesehen (mitunter tatsächlich auf deutsch).

Bleder See: Kristallklares Wasser, wildromantisches Panorama und hochkalorischer Kuchen

Der wildromantische Bergsee mit der Marieninsel ist nicht weit von der österreichischen Grenze entfernt und tatsächlich eine der schönsten Wasserflächen, die ich in meinem Leben bisher zu Gesicht bekommen habe.

Das Wetter lässt zu wünschen übrig an diesem einen Tag, den wir Sloweniens nördlichster Top-Sehenswürdigkeit gönnen können. Trotzdem, wenn wir schon einmal hier in der Gegend sind, dürfen wir uns den hochgelobten Anblick des türkisblauen Thermalsees vor dem Alpenpanorama natürlich nicht entgehen lassen. Unsere Couchsurfing-Gastgeber, die uns in einem kleinen Dorf ein paar Kilometer entfernt beherbergen, raten uns, möglichst früh da zu sein. Selbst in der Nachsaison Anfang September und bei suboptimalen Wetterverhältnissen wird es an einem Samstag schnell voll. Wir parken am Campingplatz westlich von Bled. Hier kostet das Ticket fünf Euro und gilt für den ganzen Tag.

Westufer: Jung und hip

Im Gegensatz zum nahe gelegenen Wörthersee auf der anderen Seite der Grenze, an dessen Ufer wir tags zuvor kurz Station gemacht haben, sind hier Alpengipfel und Thermalquellen nicht mit Rentner-Reisebussen gleichzusetzen. Im Gegenteil: Vor allem hier am Westufer, wo sich Campingplatz und Wassersportzentrum befinden, lässt sich eine junge Crowd beim Wakeboarden von hipper Musik beschallen. Wir sehen ihnen eine Weile zu, dann machen wir uns auf zu einem Spaziergang rund um den See. Der dauert rund eine Stunde, und der Weg ist die meiste Zeit so beschaffen, dass Kinder ihn gerne bewandern.

Bleder-See-Wanderweg
Am Südufer führt der Rundweg über Holzbohlen.

Nordufer: Burg und Bad

Am Nordufer laufen wir direkt unter der Burg entlang, die wir erst auf der gegenüberliegenden Seite zu Gesicht bekommen. Die Besichtigung ist möglich, lohnt nach Aussage unserer Couchsurfer aber nur bedingt, deswegen lassen wir das. Auch zum Baden ist es viel zu kalt – leider, denn das unterhalb der Burg befindliche Naturbad sieht sehr einladend aus. Es macht einen modernen, sogar stylischen Eindruck und scheint auch Kindern einiges zu bieten. Zwischen Bad und Bled reihen sich einige Cafés aneinander, die ebenfalls verlockend aussehen. Später bedauere ich es, nicht hier eingekehrt zu sein, denn hier sitzt man – finde ich – mit Abstand am schönsten.

Bleder-See-Strandbad
Schick: Im „richtigen Sommer“ ist das Strandbad unterhalb der Bleder Burg bestimmt der place to be.

Bled: Gar nicht so teuer

Das erste, was wir vom Örtchen Bled sehen, ist ein kleiner Kunsthandwerkermarkt. Wie wir später in Ljubljana feststellen, sind die Preise für bemalte Glasgegenstände, Holzspielzeug und anderen Kitsch hier deutlich günstiger als in der Hauptstadt. Auch das Preisniveau der Gastronomie ist angenehm human (zumindest, wenn man gerade aus Österreich kommt). Die teils gut-bürgerlichen, teils eleganten Restaurants entlang des Ufers im Städtchen zeichnen Hauptgerichte für 10 bis 15 Euro aus.

Von Bled aus ist es eine ganze Ecke bis zur Marieninsel. Wer da lieber rudern lassen möchte, nimmt in einem dieser Pletjna-Boote Platz.
Von Bled aus ist es eine ganze Ecke bis zur Marieninsel. Wer da lieber rudern lassen möchte, nimmt in einem dieser Pletjna-Boote Platz.

Marieninsel: Rudern oder gerudert werden

Die Preise für Ruderboote sinken proportional zur Entfernung des Hauptorts. Direkt in Bled kostet eine Stunde 15 Euro, am Ortsrand schon nur noch 12. Am schönsten und gleichzeitig günstigsten sind mit 10 Euro die Stunde die hölzernen Schwanenhals-Boote am Campingplatz. Von dort aus ist auch der Weg zur „heiligen Insel“ am kürzesten; trotzdem braucht man mindestens zwei Stunden, wenn man die berühmte Kirche auf dem bewaldeten Felsen im See auch noch besichtigen will. An allen Uferseiten legen außerdem die typischen Pletjna-Boote mit gewölbter Dachplane ab (da rudert der Gondoliero gleich eine ganze Gruppe, nach den Preisen hab ich allerdings nicht gefragt). Die kleine Insel ist ein Wallfahrtsort und Maria geweiht – was wohl vor allem damit zu tun hat, dass sich bereits in vorchristlicher Zeit der Tempel einer weiblichen Gottheit hier befand. Fast 100 Stufen sind es hinauf zur Kapelle, die als sehr sehenswert gilt. Eine Glocke aus dem 16. Jahrhundert soll Frischverliebten Glück bringen.

8: Die Marieninsel im Bleder See ist immer noch ein Wallfahrtsort.
8: Die Marieninsel im Bleder See ist immer noch ein Wallfahrtsort.

Bleder Kuchen: Gar nicht so lecker

Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit und ein beschränktes Budget, deshalb müssen wir abwägen: Bootfahren oder Kuchenessen? Wer uns kennt, weiß, wie die Entscheidung zwangsläufig ausfällt. Wir kehren ein und probieren den Bleder Kuchen, mit dem fast jedes einzelne Lokal hier Werbung macht. Er besteht aus Puddingcreme mit einer dicken Schicht Sahne, oben und unten eingerahmt von einem Hauch Alibi-Blätterteig. Bei so viel Matschepampe verzichte ich wohlweislich von vornherein. Meine Männer ordern jeder ein Stück, und zum ersten Mal seit Jahren passiert es, dass Silas Kuchen übrig lässt. Selbst Janis schafft sein Stück nicht ganz. Und was wirklich noch nie vorgekommen ist: Martin verputzt zwar noch die Überbleibsel des einen Kinderkuchens, verzichtet aber beim zweiten selber dankend. Nee, Bleder Kuchen ist nicht so unser Fall.

Geht so: Der Bleder Kuchen ist wohl der Verkaufsschlager der Region, kommt bei family4travel aber nur so mittelmäßig an.
Geht so: Der Bleder Kuchen ist wohl der Verkaufsschlager der Region, kommt bei family4travel aber nur so mittelmäßig an.

Südufer: Titos Prestigeobjekt

Auf dem Rückweg kommen wir noch an der Villa Bled vorbei. Tito ließ die ehemalige Adelsresidenz zum Prestigeobjekt ausbauen, um diplomatische Gäste zu beeindrucken. Immerhin galt der Bleder See als eine der Schokoladenseiten Jugoslawiens. Heute dient der eher sachlich gestaltete Bau als Luxushotel.

Bleder-See-Vila-Bed
Auch zu Titos ehemaligem Palast führen eine Menge Stufen hinauf. Die Ähnlichkeit zum benachbarten Wallfahrtsort ist bestimmt nicht zufällig.

Gut gelaunt vollenden wir unsere Runde. Wieder am Auto stellen wir erfreut fest, dass wir alles richtig gemacht haben: Der Parkplatz ist wegen Überfüllung geschlossen. Im Uferbereich des Wassersportzentrums kriegt man schon kaum noch ein Bein an die Erde. Ansonsten verläuft sich der Andrang zum Glück, bis hierher sind uns keine Menschenmengen negativ aufgefallen. Trotzdem sind wir froh, den Trubel jetzt hinter uns lassen zu können. Nächster Halt: Radovljica, die schöne Altstadt mit dem Bienenmuseum.