Externsteine: Mein perfekter Familienausflug am Dreikönigstag

Vor zwei Jahren habe ich mir bei der Raumfee den Dreikönigs-Brauch abgeguckt, am 6. Januar einen Kuchen mit eingebackener Mandel zu servieren und den Mandel-Finder zum König des Tages zu krönen. Nachdem wir letztes Jahr auf der großen Reise aus Couchsurfing-Gründen darauf verzichten mussten, haben wir diese alte Familientradition heute wieder aufgenommen. Und ratet mal, wer diesmal die Mandel erwischt hat. Höhö.

Es ist der letzte Ferientag, und deshalb passt das wunderbar. Sogar Martin hat dieses Jahr frei. Schon in den vergangenen Tagen haben wir an der parlamentarischen Liste gearbeitet. Dort sammeln sich die Programmvorschläge für den Dreikönigstag. Denn nur, was es auf diese Liste geschafft hat, darf vom regierenden König auch anbefohlen werden. Die Liste wird in bewährter Methode nach dem familiären Konsensprinzip mit mütterlichem Vetorecht bestückt. Nein, astrein demokratisch geht es bei uns auch an den übrigen 364 Tagen im Jahr nicht zu (nicht umsonst hieß es bei meiner Vorstellung in der Abizeitung damals bei der Berufsprognose „Hausfrau und Mutter oder Diktatorin“ – wenn ich so darüber nachdenke, habe ich diese beiden Ziele gut vereint…).

Drei heilige Könige und zwei hoffnungsvolle Aspiranten auf den Tages-Thron.
Drei heilige Könige und zwei hoffnungsvolle Aspiranten auf den Tages-Thron.

Zum Frühstück backe ich fix ein paar süße Hefeteigbrötchen. Anscheinend gibt es auch ein spezielles Rezept und eine traditionelle Form für den Dreikönigskuchen. Unsere Variante tut den Dienst aber auch. Zwei Stück gibt’s für jeden. Die Jungs stürzen sich aufs erste, und als das jeweils keine Mandel beinhaltet (ebensowenig wie Martins), analysieren sie sorgfältig Form und Größe der verbliebenen Los-Brötchen. Während sie sich eifrig und erwartungsvoll durch den süßen Teig kauen, vergleichen sie ihre Regierungsabsichten. Drei Dinge darf der Monarch des Tages anbefehlen. Beide Jungs spekulieren auf Bowling, und dann auf eher unspannende Sachen wie Kino, DVD-Nachmittag oder schon wieder ins Schwimmbad. Ich hab noch nicht mal in mein erstes Brötchen gebissen, denn ich bin damit beschäftigt, die Geschichte von den Heiligen Drei Königen aus der Bibel vorzulesen – schließlich sollen die Jungs Bescheid wissen, wem sie ihre schulfreien Feiertage verdanken. So kommt es, dass ich das letzte Brötchen vom Teller klaube – und damit den Hauptgewinn abgreife. Königin Lena I., so sieht’s aus. Yay.

Ich hab überhaupt noch nicht darüber nachgedacht, dass das Losglück auch mich treffen könnte. Etwas ratlos gehe ich die Liste durch. Aber doch, ein Ausflug zu den Externsteinen könnte mir gefallen. Da wollte ich schon lange mal hin und bin immer wieder ausgebremst worden, meist aufgrund akuter Unlust meiner Reisebegleiter. Ich habe das Ausflugsziel selbst auf der Liste platziert, ohne echte Hoffnung. Aber jetzt gibt es keine Ausflüchte bei meinen Untertanen. Eine Winterwanderung mit kulturellem Anspruch ist angesagt. Externsteine, wir kommen!

Die Externsteine von hinten: Grottenfelsen, Turmfelsen, Treppenfelsen (von links).
Die Externsteine von hinten: Grottenfelsen, Turmfelsen, Treppenfelsen (von links), dann die alte Kreisstraße, und rechts dann der Felsen mit Wackelstein.

Was sind die Externsteine?

Bei den Externsteinen handelt es sich um eine Klippenformation aus Sandstein, die recht imposant in der Landschaft herum steht. Bis zu 40 Meter hoch ragen sie aus dem Teutoburger Wald bei Horn-Bad Meinberg (Kreis Lippe, Nordrhein-Westfalen). Die geologischen Details erspare ich euch an dieser Stelle, aber um die historischen kommt ihr bei mir – wie immer – nicht drum herum.

Die ersten Siedlungsspuren finden sich schon aus der Altsteinzeit. Dann kommt allerdings eine ganze Weile nichts, was belastbare Funde angeht. Erst im Mittelalter ist wieder eine Nutzung nachweisbar, als die Felsformation zum christlichen Pilgerort avancierte, vermutlich, weil er die Gläubigen an Jesus‘ Felsengrab in Jerusalem erinnerte. Mehrere Grotten sind in den Fels gehauen, auch eine Grablege, die wohl niemals als solche benutzt worden ist. Am Eingang befindet sich ein großflächiges Relief der Kreuzabnahme Christi, das ich Kunstbanause erstmal souverän auf „typisch Neuzeit“ datiere. Die Infotafel, die etwas abseits an der Vorderseite der Klippen steht, belehrt mich eines besseren: 12. Jahrhundert, genau wie die Grotten, in denen ich locker-flockig große Ähnlichkeit zu den vorchristlichen Siedlungsstätten der anatolischen Phryger erkannt habe. Okay, es hat schon seinen Grund, dass andere in wissenschaftlichen Medien veröffentlichen und ich in einem Reiseblog…

Am Fuß der Externsteine befindet sich der Zugang zu den Grotten und das mittelalterliche Relief.
Am Fuß der Externsteine befindet sich der Zugang zu den Grotten und das mittelalterliche Relief.

Wikipedia neigt im übrigen dazu, dem mindestens ebenso wissenschaftlich beleumundeten Johann Wolfgang Goethe Recht zu geben, der die christlichen Spuren auf die karolingische Zeit datierte, also ins 8. Jahrhundert, als man hierzulande erst zum Christentum konvertierte.

Hartnäckig hält sich die Ansicht (oder der ideologisch motivierte Wunsch), die Externsteine müssten bereits ein germanisches Heiligtum gewesen sein. Und warum auch nicht? Die Örtlichkeit bietet sich mit Sicherheit an. In ihrer natürlichen Erhabenheit nötigt sie selbst dem abgebrühtesten Spaziergänger Bewunderung ab. In einer Zeit, in der man Göttern huldigen möchte, aber noch keine architektonischen Wunderwerke zustande bringt, liegt die Verwendung eines solch besonderen Ortes nahe. Allein: Die Funde geben es nicht her. Und das, obwohl gründlich gesucht wurde. Auch zu Zeiten, in denen man sehr gerne Entsprechendes gefunden hätte, um die wackelige Theorie der germanischen Hochkultur zu belegen.

Die Externsteine als Wanderziel

Wir parken auf dem „Parkplatz Hermannsweg“, wo sich die Altenbekener Straße und die B1 kreuzen. Der ist nämlich kostenlos und bietet einen netten, etwa zwei Kilometer langen Spaziergang zu den Externsteinen. Der ausgewiesene „Parkplatz Externsteine“ kostet zu jeder Jahreszeit 2,50 Euro.

Die Tafeln mit den Karten der Wanderwege sind – Rotzlöffelvandalen sei Dank – in keinem guten Zustand, aber es lässt sich dennoch erkennen, wie man von da aus am schönsten zu den Steinen kommt: links rein, dann gleich rechts den kleinen Pfad hoch, am Ende links, und dann immer geradeaus, bis man oben auf der Klippe steht. Der Weg ist nicht kinderwagentauglich und streckenweise steil, eignet sich aber in Länge und „Abenteuerlichkeit“ ansonsten gut für Familien mit Kindern aller Altersstufen. Wer möchte, kann die Strecke noch mit einem Marsch um den Wiembecke-Teich ausdehnen. Wir verzichten darauf, denn das hübsche Winterwetter, das uns zu Hause hat ins Auto steigen sehen, ist im Kreis Lippe fiesem Schneeregen gewichen.

Wer bei Mistwetter vom Parkplatz Hermannsweg aus zu den Externsteinen wandert, sieht sie so aus dem Nebel auftauchen.
Wer bei Mistwetter vom Parkplatz Hermannsweg aus zu den Externsteinen wandert, sieht sie so aus dem Nebel auftauchen.

Und was macht man, wenn man da ist?

Die Externsteine bestehen aus mehreren Klippen, insgesamt 13. Der typische Postkartenblick umfasst nur die höchsten, und die sind zum Teil begehbar. Grottenfels, Turmfels und Treppenfels – jeweils aus offensichtlichen Gründen benannt – sind über einen Treppenaufgang zu besteigen und mit Brücken verbunden. In der Saison kostet das Eintritt – da wir am verrammelten Kassenhäuschen vorbeimarschiert sind, kann ich nicht sagen, wie viel (aber Google kann: 3 Euro für Erwachsene, für Kinder bis 14 einer). Die Stufen sind vereist, also erlaube ich nur Martin den Aufstieg (und den drei Königen für einen Fototermin, von denen prompt einer suizidale Ideen entwickelt und von Martin in einer waghalsigen Aktion wieder vom Felsvorsprung zurückgeangelt werden muss – zum Glück hab ich das gar nicht mitgekriegt).

Wer hoch steigt, kann runtergucken (oder -fallen).
Wer hoch steigt, kann runtergucken (oder -fallen).

Die Grotten sind mit einem Gitter verschlossen, durch das hindurch man gut genug sehen kann. Wem das nicht reicht, der kann zu speziellen Terminen auch die Komplettführung bis in die hinterletzten Winkel buchen.

Im Winter haben wir die Sehenswürdigkeit praktisch für uns alleine. Innerhalb der Saison muss man mit etlichen Mittouristen rechnen – Wiki nennt bis zu eine Million Besucher pro Jahr. Dafür hat man dann wohl auch mehr zu gucken, denn unter denen befinden sich den Quellen zufolge – genau wie in Stonehenge und anderen prähistorischen „Kraftorten“ in Großbritannien – etliche „Neuheiden“ und andere Menschen, die meinen, die Weisheit alter Religionen mit Löffeln gefressen zu haben (Entschuldigung, da bin ich immer ein bisschen arg kritisch, aber es ist nun mal unmöglich, auch nur eine einzige handfeste Aussage über Glaubenspraktiken der Germanen hierzulande zu machen, die nicht auf eine gehörige Portion Fantasie zurückgreift).

Und dann natürlich: ins Café

Länger als eine halbe Stunde braucht man sich wirklich nicht an den Externsteinen aufhalten, wenn man kein Picknick dabei hat und man nicht einmal hochklettern will. Und es immer noch nieselt. Also wandern wir zurück zum Parkplatz, und ich als queen of the day gebe das nächste Ziel vor: das Café Gugelhupf in Detmold. Die nächste Ortschaft von den Steinen aus ist Horn-Bad Meinberg, und bestimmt haben die auch ansprechende Gastronomie dort. Aber ins Café Gugelhupf will ich schon, seit wir es bei unserem letzten Besuch im LWL Freilichtmuseum in Detmold nicht mehr dort hin geschafft haben (obwohl es von dort aus quasi nur die Straße runter liegt). Von den Externsteinen (bzw. vom Parkplatz Hermannsweg) aus dauert es mit dem Auto gerade mal eine Viertelstunde bis in die Kreisstadt.

Was wäre ein Familienausflug ohne Cappuccino?
Was wäre ein Familienausflug ohne Cappuccino?

Und der Weg lohnt sich! Das Café Gugelhupf ist eins von der Sorte, wie ich sie liebe: Es gibt Sachertorte (superlecker!), plüschige Sofas und – Extrapluspunkt – einen Kronleuchter, der von der Stuckdecke baumelt. Herrlich! Unter der Treppe gibt es außerdem eine Spielecke für Kinder, mit Autoteppich und Puppenwagen und einem ganzen Stapel Bilderbücher, und auch für Ältere ist was dabei. Unsere Jungs stürzen sich gleich begeistert auf das Schachspiel. Schade, dass wir nicht um die Ecke wohnen.

So muss das: Königin des Tages auf Plüsch-Thron im Café Gugelhupf (photo by Janis).
So muss das: Königin des Tages auf Plüsch-Thron im Café Gugelhupf (photo by Janis).

Und dann auch noch Schlittschuhlaufen

Als dritten Programmpunkt meiner Regentschaft habe ich mir einen Besuch der Eisbahn gewünscht. Da wollten wir sowieso mal wieder hin. Die Jungs und ich waren zuletzt in Bukarest Eislaufen – ein denkwürdiges Vergnügen, das ich gern wiederholen möchte. Von Detmold aus ist es bis Herford gar nicht so weit. Eine detaillierte Beschreibung würde diesen Rahmen sprengen, deshalb beschränke ich mich an dieser Stelle auf ein paar kurze Stichworte:

  • 90 Minuten reichen für Ungeübte absolut aus.
  • Eine deutsche Eisbahn am Dreikönigstag ist deutlich voller als eine rumänische an einem Vormittag in der Woche.
  • Schlittschuhlaufen macht einen Heidenspaß!
Stehaufmännchen.
Entschlossenes Stehaufmännchen.

Der perfekte Familienausflug meiner Wahl liegt also hinter uns, und meine Regentschaft neigt sich dem Ende zu. Ich bin fast ein bisschen geneigt, meinen Bäcker-Vorteil nächstes Jahr auszunutzen, um die Krone erneut für mich zu gewinnen… 🙂

2 Gedanken zu „Externsteine: Mein perfekter Familienausflug am Dreikönigstag“

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