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Familienurlaub an der Algarve: Relaxen und Bummeln in Lagos

Auf unserer großen Reise durch Europa erreichen wir die Algarve zu einem Zeitpunkt, an dem wir eine Pause gut gebrauchen können. In den letzten zwei, drei Wochen haben vor allem große Städte auf unserem Programm gestanden: Barcelona, Valencia, Toledo, Madrid und Lissabon. Alle super spannend und echt eine Reise wert – aber sind jetzt doch selbst wir Langzeitreisenden ein bisschen urlaubsreif. Das trifft sich prima, denn die traumhafte Südküste Portugals eignet sich hervorragend zum Relaxen. So kommt es, dass wir vier Tage lang ganz klassischen Familienurlaub an der Algarve machen.

Na ja, so klassisch es halt geht, wenn man zwischendurch immer noch Schulaufgaben einbauen muss…

Travelschooling auf dem Balkon in Portugal.
Travelschooling auf dem Balkon in Portugal.

Familienurlaub an der Algarve – was heißt das?

Wir haben uns in einer der vielen Ferienanlagen eingemietet. Die Auswahl ist riesig und reicht von spartanisch und günstig bis opulent in jeder Hinsicht. Natürlich neigt sich bei unserem Budget unsere Unterkunft eher dem erstgenannten Ende der Fahnenstange zu. Trotzdem genießen wir einigen Luxus: zwei Schlafzimmer, Spülmaschine und ein Gemeinschaftspool gehören dazu. Das Preisniveau für Familienurlaub an der Algarve ist natürlich höher als auf dem Balkan, aber verglichen mit Italien beispielsweise bekommen wir mehr für weniger Geld.

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Bloggen am Pool unserer Ferienanlage Marina Park in Lagos.

Es ist Mai, und das ist eine sehr gute Reisezeit für die Algarve. Die Sonne scheint warm genug, dass Martin und die Jungs sich im Pool vergnügen. Aber die Temperaturen bleiben artig unterhalb der 30-Grad-Marke, so dass Wanderungen und Stadtbesichtigungen nicht zu anstrengend werden.

Was ist eigentlich die Algarve?

Die Algarve umfasst die komplette Südküste des langen, schmalen Landes. Ein Zipfelchen westliche Atlantikküste ist auch noch dabei, aber der touristische Schwerpunkt liegt im Süden. Eigentlich bezeichnet „Algarve“ eine von sieben Regionen Portugals (also quasi das Äquivalent zu unseren Bundesländern) und ist im Portugiesischen männlich („der Algarve“ – klingt komisch, oder?).

Der maurisch inspirierte Mudejar-Stil ist in Lagos verbreitet.
Der maurisch inspirierte Mudejar-Stil ist an der Algarve verbreitet.

Die Geschichte dieses Landesteils ist stark maurisch geprägt, da er – wie der Großteil der iberischen Halbinsel – im Mittelalter jahrhundertelang unter der Herrschaft der Nordafrikaner stand. Angeblich scheint hier europaweit am häufigsten die Sonne. Das und die herrlichen Sandstrände zwischen teils bizarren Felsformationen machen wohl den großen Reiz der Urlaubsregion aus. Jedenfalls wundert es mich nicht, dass sich die Einwohnerzahl der Verwaltungseinheit Algarve in den Sommermonaten verdreifacht.

Wir und die anderen Touristen

Während unseres Aufenthalts im Mai ist aber noch alles paletti, selbst für uns als Touristen-Allergiker (was eine umso schlimmere Beeinträchtigung darstellt, wenn man selbst einer ist). Unsere Ferienanlage liegt in Lagos, einem der Hauptferienorte. Aber sie ist nur halb ausgelastet, und auch in den Straßen der kleinen Stadt fühlen wir uns nicht bedrängt.

Im Mai ist durchaus noch genug Platz auf den Straßen von Lagos.
Im Mai ist durchaus noch genug Platz auf den Straßen von Lagos.

Den mit Abstand größten Anteil der anderen Urlauber stellen die Briten. Die Algarve scheint traditionell eine ihrer liebsten Urlaubsregionen zu sein. Viele Restaurants sind auf die Bedürfnisse des Klischee-Engländers zugeschnitten. In unserer Ferienwohnung wirbt ein Flyer auf Englisch für „original Sonntagsbraten mit Kartoffelbrei und gestampften Erbsen, so wie die Briten es mögen“. „Und was ist mit Bratwurst und Sauerkraut? Keiner denkt an unsere Bedürfnisse!“ beschwert sich Martin in gespielter Enttäuschung.

Familienurlaub an der Algarve: An touristische Bedürfnisse in Sachen Kitsch ist jedenfalls ausreichend gedacht.
An touristische Bedürfnisse in Sachen Kitsch-Shopping ist jedenfalls ausreichend gedacht.

Urlaub in Lagos

Aber dann werden wir doch schwach, als wir dem wahrgewordenen Traum jedes typisch deutschen Touristen gegenüberstehen: Am Rande der Altstadt von Lagos befindet sich eine deutsche Bäckerei. Nach fast neun Monaten Entzug stürmen wir den Laden augenblicklich und kaufen selig deutsches Vollkornbrot und lange entbehrte Backwaren. Inhaber sind Elke und Winfried Schelhorn, die sich vor vielen Jahren an ihrem liebsten Ferienort niedergelassen haben.

Wer im Urlaub typisch Portugiesisches bevorzugt, wird natürlich auch fündig. Um ein authentisches Restaurant zu finden, das diesen Begriff nicht gezielt als Verkaufsförderung benutzt, muss man allerdings ein wenig länger suchen.

Auch die Seitenstraßen außerhalb des kleinen Stadtzentrums sind in Lagos einen Bummel wert.
Auch die Seitenstraßen außerhalb des kleinen Stadtzentrums sind in Lagos einen Bummel wert.

Wir ziehen das durch mit der Touristen-Nummer. In der Innenstadt kaufen wir uns in vier verschiedenen Souvenirgeschäften jeder einen Strohhut. Den Rest des Sommers leisten die uns zuverlässige Dienste (bis Martins auf der Bogenbrücke von Carcassonne vom Kopf geweht wird und buchstäblich den Bach runter geht).

Familienurlaub an der Algarve: Fliesen an den Häuserwänden sind typisch für ganz Portugal - hier in Lagos.
Fliesen an den Häuserwänden sind typisch für ganz Portugal – hier in Lagos.

Ein tieferer Blick in die Geschichte von Lagos lohnt sich aber auch. Besonders interessant ist das Kapitel des Sklavenhandels, in dem die kleine portugiesische Stadt eine große Rolle spielte. Die nigerianische Stadt Lagos, benannt nach dem portugiesischen Vorbild und heute mehr als zehn Mal so groß, war Ausgangspunkt der traurigen Fracht, die im heute noch zu besichtigenden Sklavenmarkt-Gebäude weiterverkauft wurde. Erst 1820 war es mit dem Menschenhandel vorbei.

Ein Stadtbummel offenbart viele hübsche Häuser, oft Portugal-typisch mit Fliesen verkleidet.

In der Fußgängerzone von Lagos.
In der Fußgängerzone von Lagos.

Die Algarve: der Strand

Besonders ausgiebig genießen wir natürlich den Strand, für den die Algarve so berühmt ist. Spektakuläre Steilküsten, an deren Füßen mächte Wellen auf feinstem Sand auslaufen.

Da unsere Ferienwohnung direkt in Lagos liegt, auch noch außerhalb des Zentrums oben am Hang, müssen wir für den Strandbesuch eh ins Auto steigen. Also fahren wir gleich durch bis zu dem, den ein weiterer Flyer in unser Unterkunft als besonders cool anpreist: Den Praia do Camilo. Für den Familienurlaub an der Algarve eignen sich andere Strände besser, lese ich später (siehe unten). Aber wir sind äußerst glücklich mit dem Stückchen am Fuße der Steilküste.

Familienurlaub an der Algarve: Wenn die Steilküste gegen Abend ihre Schatten wirft, sind wir ganz alleine am Praia do Camilo.
Wenn die Steilküste gegen Abend ihre Schatten wirft, sind wir ganz alleine am Praia do Camilo.

Der ausgewiesene Parkplatz ist kostenlos, aber nicht besonders groß. Allerdings: Auch der Strand ist es nicht. Wenn hier alles vollgeparkt ist, wird es bestimmt auch unten am Wasser eng. Dieses Problem haben wir im Mai noch nicht, wobei wir auch jetzt keinesfalls alleine sind. Eine Holztreppe führt etliche Stufen hinab bis ans Wasser.

Eine Tafel warnt vor Lebensgefahr durch Steinschläge. Einen Moment lang sind wir ein bisschen verunsichert. Dann begreifen wir, dass wir hier nach langer Zeit wieder dem westlichen Bedürfnis nach Sicherheit und Risikokontrolle begegnen, das in Ost- und Südeuropa ansonsten nicht häufig vorkommt. Möglich, dass sich hier im Sommer die Briten mit den Deutschen um die wenigen Liegeplätze im grün markierten Bereich balgen. Die Einheimischen (und wir) breiten ihre Handtücher jedenfalls ungerührt im Schatten aus, ohne sich Sorgen zu machen, zufällig von einem herabstürzenden Felsen erschlagen zu werden.

Ein kurzer Tunnel verbindet die beiden kleinen Buchten des Praia do Camilo.
Ein kurzer Tunnel verbindet die beiden kleinen Buchten des Praia do Camilo.

Der Praia do Camilo besteht aus zwei kleinen Buchten, die durch einen künstlichen Tunnel miteinander verbunden sind. Bei Flut wird der mitunter etwas nass, so dass man nicht immer trockenen Fußes vom hinteren Strand zurück zum Auto kommt. Generell zeigt sich der Atlantik hier von seiner wilden Seite und lässt sich keinesfalls mit der Ostsee verwechseln. Während wir unsere deutschen Kuchenstücke auf einem der hinteren Felsen verpicknicken, müssen wir mehrmals die Füße einziehen (zumindest die von uns, die vor den wilden Wellen ein bisschen Muffensausen haben).

Strand-Picknick mit deutschem Kuchen aus der
Strand-Picknick mit deutschem Kuchen aus der Padraia do Wini.

Als wir tags drauf bei Ebbe wiederkommen, haben wir hingegen deutlich mehr Platz und können uns sogar in einen natürlichen Felsendom vorwagen, durch den gestern noch die Brecher getobt sind.

Nicht ganz ungefährlich: Die Brandung des Atlantiks hat es in sich.
Nicht ganz ungefährlich: Die Brandung des Atlantiks hat es in sich.

Dass der Atlantik in der Vorsaison noch zu kalt zum Baden ist, kann ich so nicht bestätigen. Zumindest für uns schien Mitte Mai genügend Sonne, dass sogar ich (uns ja, das ist etwas Besonderes) mich in die Wellen gestürzt habe. Aber da haut es einen dann auch tatsächlich mal von den Füßen, was in unmittelbarer Nähe zu den Felsen nicht ganz ungefährlich ist.

Beweisfoto: Lena im Meer (bevor der Brecher kam und ich auf allen Vieren ans Land zurück robbte).
Beweisfoto: Lena im Meer (bevor der Brecher kam und ich auf allen Vieren ans Land zurück robbte).

Den Jungs war die Brandung zum Glück ohnehin nicht geheuer, so dass sie freiwillig beim Sandburgenbauen blieben. Ich kann mir vorstellen, dass das im Sommer nicht gern gesehen wird, wenn der begrenzte Platz davon eingenommen wird. Aber in der Vorsaison geht das wunderbar.

Wenn die Jungs dürfen, wie sie wollen, errichten sie nicht nur Sandburgen, sondern ausgedehnte Befestigungsanlagen.
Familienurlaub an der Algarve: Wenn die Jungs dürfen, wie sie wollen, errichten sie nicht nur Sandburgen, sondern ausgedehnte Befestigungsanlagen.

Nachdem wir uns vergewissert haben, dass wir den Jungs in dieser Hinsicht vertrauen können, steigen Martin und ich die Treppenstufen wieder hoch und gönnen uns einen Beusch im Café O Camilo, das oben auf der Klippe thront. Es ist eine Win-win-Situation: Mehr Strand-Zeit für die Kinder, eine gemütliche Tasse Cappuccino für mich. Abends verwandelt sich das Etablissement wohl in ein angesagtes Restaurant.

Das Café-Restaurant O Camilo befindet sich direkt am Strandzugang.
Das Café-Restaurant O Camilo befindet sich direkt am Strandzugang.

Die Kombination aus bildschönem Strand und Cappuccino sorgt dafür, dass wir die anderen Strände rund um Lagos gar nicht erst angucken. Der Praia do Camilo ist drei Tage hintereinander unser Ziel.

Dann sind unsere herrlichen Tage an der Algarve auch schon wieder vorbei. Im Prinzip ist das nicht schlimm, denn mit unserer Rundreise durch Andalusien beginnt ein mindestens ebenso toller Abschnitt unseres Europa-Roadtrips. Aber in Sachen Relaxen und Ausspannen ist die Algarve wirklich unschlagbar!

Praktische Hinweise

Unsere Ferienanlage in Lagos hieß Marina Park. In der Vorsaison haben wir pro Nacht 53 Euro bezahlt.

Die deutsche Bäckerei Padraia do Wini hat die Adresse Rua S. Goncalo 10 in Lagos. 

Den Strand Praia do Camilo findet ihr, wenn ihr euer Navi mit den Koordinaten 37.086623, -8.669096 füttert (oder einfach den Straßenschildern folgt). Als geeignetere Familien-Strände mit besserer Infrastruktur gelten der große Praia do Sao Roque und der Praia do Porto de Mós – die wir aber beide nicht mit eigenen Augen gesehen haben, weil wir am Camilo-Strand so glücklich waren. 🙂

Das Café-Restaurant O Camilo hat die Adresse Estrada da Ponta da Piedade in Lagos und ist täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Mehr Erfahrungsberichte vom Familienurlaub an der Algarve

 

Transparenz-Hinweis: An der Algarve ging alles zu 100% auf unsere Kappe, für die Empfehlungen bekommen wir weder Geld noch Vergünstigungen.Das ist der Normalfall auf family4travel, und inhaltlich macht das eh keinen Unterschied – aber ich mag es, wenn meine Leser immer wissen, woran sie sind. 😉

5 Gedanken zu „Familienurlaub an der Algarve: Relaxen und Bummeln in Lagos“

  1. Oh wie schön, Portugal, das Land von Riesenmuscheln, Orangenbäumen und Hundekot! Dort möchten wir mal wieder gern hin, diesmal mit Kindern. Habt Ihr ausser deutschen Kuchen auch etwas Landestypisches gegessen und wie war es? Z. B. Flan, das während unseres Aufenthaltes als eggs-pudding odes auch ex-pudding bezeichnet wurde, fand ich damals gar nicht exotisch genug – mir wäre auch ein deutsches Kuchen lieber gewesen.

    1. Als Hochburg des Hundekots ist mir Quedlinburg in Erinnerung geblieben. In dieser Hinsicht kann ich mich über Portugal nicht beschweren.
      Natürlich haben wir auch portugiesisches Essen probiert. Die Pasteis de Belem aus Lissabon sind großartig, diese kleinen Pudding-Törtchen! Und Aletria, eine Art Nudelkuchen, die zu Silas‘ Lieblingssüßspeise geworden ist und die ich auch zu Hause jetzt öfters mache. Und natürlich Bacalao. Bei unseren Couchsurfern in Arouca haben wir etliche Gerichte kennengelernt. Aber an der Algarve sind wir so in der touristischen Masse aufgegangen, dass wir uns kaum portugiesisch gefühlt haben, ehrlich gesagt. 🙂

  2. Portugal! Mein Gott wie schön! Wenn es nicht so weit weg wäre, ich würde sofort wieder hinfahren. Die Algarve ist natürlich sensationell schön, wie ich damals erwähnte
    https://flohnmobil.wordpress.com/2011/06/05/am-ende-europas/
    aber Portugal hat noch mehr zu bieten.
    Zum Beispiel viel Süsses, wie du auch geschrieben hast.
    https://flohnmobil.wordpress.com/2011/07/01/ach-ist-das-suuuuuss/
    So ein Pasteis de Belem würde ich mir jederzeit wieder zu Gemüte führen.
    Danke für die gedankliche Auffrischung!
    Herzliche Grüsse
    Bea

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