Kranke Kinder unterwegs: Estland, 40 Grad

Kranke Kinder auf Reisen sind nie schön. Total abgelegen mitten in der estnischen Wildnis ist das noch mal eine Spur unangenehmer…

Mit Eimerchen und vom Fieber beschlagenen Brillengläsern - armer Janis!
Mit Eimerchen und vom Fieber beschlagenen Brillengläsern – armer Janis!

Heute haben wir einen Ruhetag eingelegt. Silas ist mit 40 Grad Fieber aufgewacht. Janis geht es schon etwas besser, aber er hat auch noch knapp 38 Grad. Martin ist mit dem Auto in der Werkstatt, und das nimmt mit der Wartezeit auch fast den ganzen Tag in Anspruch. Die Jungs sehen sich Timmy das Schäfchen an.

A large garden for vegetables is very common in Estonia.
A large garden for vegetables is very common in Estonia.

Ich habe Reet ein bisschen bei der Gartenarbeit geholfen. Wir haben Erbsen gepflückt und dabei geklönt. Sie versichert mir immer wieder, dass es völlig okay ist, dass wir ihnen jetzt den ganzen Tag unter den Füßen sind. Wir hatten selbst auch schon mal eine kranke Couchsurfer-Familie zu Gast; von daher weiß ich, dass es zwar ärgerlich ist, aber in dem Moment dann halt nicht zu ändern.

A quiet day in while the boys recover, helping Reet with some gardening work.
A quiet day in while the boys recover, helping Reet with some gardening work.

Gestern haben wir Käsespätzle gemacht, dann sind wir recht früh schlafen gegangen.
Jetzt liegen meine Jungs leidend im Bett, der Fernseher ist aus. Raul, der Große, hat Silas gerade sehr süß seine Kuscheltiere angeboten. Silas hat sie dankend abgelehnt, und jetzt kommt der jüngere Bruder Rasmus an und bringt einen ganzen Arm voll von seinen.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 31. Juli 2012 verfasst.

Weiterlesen? –> Rabenmutter-Trip nach Tartu

Passiv-Reisen nach Korea

Reisen hat nicht immer unbedingt damit zu tun, möglichst viel Strecke zwischen sich und seinen Wohnort zu bringen. Gerade beim Couchsurfen ist Hosten – also anderen Menschen gratis eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten – immer ein bisschen so, als werde einem der Urlaub nach Hause gebracht. Passiv-Reisen. Man entdeckt die Welt, ohne sich vom Fleck zu bewegen.

Kürzlich haben wir auf diese Weise exotische Gefilde entdeckt: Unsere Gäste kamen aus Südkorea.

Da bei Europäern offenbar keinerlei Hoffnung besteht, sich koreanische Namen zu merken oder sie auch nur annähernd korrekt auszusprechen, hatte sich die Familie westliche Vornamen zugelegt. Vater Ivan arbeitet für ein paar Jahre in Weißrussland, seine Frau Anna, Tochter Soyoon und den kleinen Andruscha hat er natürlich mitgenommen. Von dort versuchen sie so viel Europa zu erkunden wie möglich, und so ging es diesen Sommer nach Berlin und Paris – mit Zwischenstopp in Schaumburg.

Anna from Korea couchsurfed with us together with her family - and she prepared a delicious Korean stew for us.
Anna from Korea couchsurfed with us together with her family – and she prepared a delicious Korean stew for us.

Die meisten Couchsurfer nehmen die Sache mit dem Kulturaustausch ernst und geben sich Mühe, ihren Gastgebern ein Stückchen Lebensart aus ihrem Heimatland mitzubringen. Nachdem Anna und ihre Familie sich in einem der Kinderzimmer häuslich eingerichtet hatten, begleitete ich sie als erstes in den Supermarkt. Sie kaufte Zwiebeln, Knoblauch, Weißkohl, Karotten, Kartoffeln, Zucchini, Äpfel, Champions, Paprika, Hähnchen und Reis. Und es macht immer wieder Spaß, einen ganz normalen deutschen Supermarkt durch die Augen eines ausländischen Touristen zu sehen. Warum muss man das Gemüse in diese Plastiktüten packen, und wieso dürfen sich Zucchini und Paprika die Tüte nicht teilen? Warum gibt es in Deutschland –zig Sorten Reis, obwohl er in unseren traditionellen Gerichten kaum vorkommt und selbst die koreanischen Viel-Reis-Esser mit zwei, drei Sorten auskommen?

The family even brought their own rice cooker, a very foreighn sight for us.
The family even brought their own rice cooker, a very foreighn sight for us. Janis was fascinated.

Zu Hause war die Freude groß, als Anna ihren original Hightech-Reiskocher inklusive koreanischer Schriftzeichen auspackte, der sich farblich auch noch wunderbar harmonisch in unsere Küche einfügte. Außerdem kamen aus ihren Taschen Sojasoße, Sesamöl und eine typische Gewürzmischung zum Vorschein. Gemeinsam schnippelten wir das Gemüse (in Dreiecke, wenn immer möglich), während wir uns über Staatenteilung im Allgemeinen und in unseren Ländern im Besonderen unterhielten, über Bildungspolitik, Entwicklungshilfe und das Verhältnis zu unseren Schwiegermüttern. Unsere Kinder spielten derweil im Garten und brauchten wie gewöhnlich kaum auf ihre rudimentären Englischkenntnisse zurückgreifen, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Silas and Andrewsha didn't need a common language to play.
Silas and Andrewsha didn’t need a common language to play.

Am Ende ergaben alle Zutaten zusammen ein köstliches Gericht. Da Anna daran dachte, eine zweite Pfanne ohne scharfe Gewürze zuzubereiten, waren auch unsere Jungs von dem Ergebnis durchaus angetan (na ja, abgesehen von dem Fauxpas, als Janis laut „Bäh!“ rief und sich schüttelte, als er auf einen Pilz biss – aber nachdem er die Champions aussortiert hatte, verlangte er gleich Nachschlag).

Korean ingredients in my kitchen - what a sight! :)
Korean ingredients in my kitchen – what a sight! 🙂

Zum Frühstück gab es dann typisch deutsche Brötchen und typisch deutsches Mett, welches Anna immerhin probierte (aber mal ehrlich – rohes Fleisch zu essen, IST durchaus leicht barbarisch, oder?). Und zum Abschied bekamen wir einen Handspiegel mit Perlmutbesatz in einem traditionellen koreanischen Beutelchen mit traditionellen Knoten-Ornamenten und einen Bambusfächer.

(Vorher war natürlich noch Sightseeing bei den Obernkirchener Dino-Spuren angesagt, aber davon schwärme ich demnächst in einem anderen Beitrag…)

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute (in Börgerende, Deutschland)

Wieder zu Hause machten wir uns ein letztes Mal mit den Fahrrädern auf den Weg ans Meer, um uns von der Ostsee zu verabschieden. Inzwischen war die Sonne wieder rausgekommen, und am Strand war selbst am späten Nachmittag einiges los.

Well, okay, I'm cheating. This is the dog's beach close to Heiligendamm and the beach bar the Sunday before.
Well, okay, I’m cheating. This is the dog’s beach close to Heiligendamm and the beach bar the Sunday before.

Einen kurzen Halt legten wir noch am „Märchen-Laden“ ein, fast direkt vorne am Wasser in Börgerende. Hier gibt es in hübscher Atmosphäre schönen Schnickschnack, Klamotten, Porzellan, Deko – all die Dinge, für die Frauen gerne viel Geld ausgeben. Der Verkaufsraum ist Laden, Café und Frühstückszimmer der angeschlossenen Pension in einem. Die Zimmer sind nach Märchen benannt, und die engagierte Inhaberin bietet auch verschiedene Workshops an. Wir waren kurz vor Ladenschluss dort und hätten sogar noch ein Stück „Aschenputteltorte“ umsonst abstauben können – leider waren wir von unserem Kutscher-Kirschkuchen zu gesättigt. So investierte ich all das durch unsere eher bescheidene Programm- und Speiseplangestaltung eingesparte Urlaubsgeld in einen Baumwollrock mit Spitze, den ich in zwei Wochen mit nach England nehmen werde.

Inviting sign of the "fairytale B&B with shop and café" that we managed to visit on our last day.
Inviting sign of the „fairytale B&B with shop and café“ that we managed to visit on our last day.

Morgen nach dem Frühstück geht es dann fürs erste nach Hause. Zusammengepackt haben wir schon. Vielleicht kommen wir im Herbst noch mal wieder, wenn der große Ansturm auf die Ostseeküste vorbei ist.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 29. Juli 2013 verfasst.

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.

Wo Eis noch 50 Cent kostet und abgeschossene Störche leben (in Rostock, Deutschland)

Dieser Eintrag beginnt schon wieder mit dem Wort eigentlich: Denn eigentlich wollten wir heute in den IGA-Park zum ehemaligen Gartenschau-Gelände. Dort war ich seit Jahren nicht, weiß aber noch, dass es einen hübschen Spielplatz mit Hängematten gibt und außerdem ein Schifffahrtsmuseum, das ich mir noch nie ausführlich angesehen habe.

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