Schwarzwald: 6 Klischees, die jeder Tourist mitmachen muss

Schwarzwald: 6 Klischees und unser persönlicher Score

Der Schwarzwald ist ja so eine Sehnsuchtsregion, hauptsächlich bei unseren Mit-Touristen aus dem Ausland. Klischees über Klischees, die als typisch deutsch gelten – das darf man sich auch als Deutscher ruhig mal angucken. Hier kommen sechs Klischees, die jeder Schwarzwald-Tourist mitmachen „muss“.

Wenn man (wie wir) nur einen Wochenend-Kurztipp in den südwestlichsten Zipfel der Republik unternimmt, schafft man es dann überhaupt, „den Schwarzwald“ zu sehen?

Oder, mit einem Augenzwinkern gefragt: Welche Voraussetzungen muss man als Tourist denn erfüllen, um wirklich im Schwarzwald gewesen zu sein? Und inwiefern dürfen wir das behaupten, die wir doch bloß ein langes Wochenende auf einer Pressereise im Familien-Hotel Feldberger Hof gewesen sind – zur Eröffnung der „Fundorena“, einer Indoor-Funsport-Halle, drinnen.

1. Kuckucksuhren

Um sich als rechtmäßiger Schwarzwald-Tourist fühlen zu dürfen, braucht es auf jeden Fall Kuckucksuhren. Die ersten davon tauchen in der Geschichtsschreibung Anfang des 17. Jahrhunderts auf und lassen sich nicht wirklich mit der Region Schwarzwald verbinden. Spätestens aber seit dem 19. Jahrhundert ist verbrieft, dass Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald ein regelrecht gehypetes Handelsgut darstellten.

Hier sind wir auf der sicheren Seite, denn im Feldberger Hof hängen mindestens zwei Stück. Mein liebstes Exemplar lässt sich im Haupt-Treppenhaus auf halber Höhe ins Untergeschoss besichtigen.

Schwarzwälder Klischees, Kuckucksuhr, Feldberger Hof
Was für eine herrliche Kuckucksuhr! Komplett mit erschossenem Hasen und Rebhuhn sowie gekreuzten Flinten. Yay.

Wer mehr Kuckucksuhren braucht, um sich im Schwarzwald wohlzufühlen, besucht das Kuckucksuhrenmuseum in Furtwangen [externer Link]. Mal sehen, ob wir da nächstes Mal vorbeischauen.

2. Schwarzwälder Kirschtorte

Biskuitteig, Kirschen, Schokoladenraspel und sehr viel Sahne: Supertypisch und allgegenwärtig ist die Schwarzwälder Kirschtorte – aber überhaupt nicht kindertauglich, wie wir gelernt haben. Ins Originalrezept gehört nämlich jede Menge Kirschwasser: Schnaps. Da das meiste davon in der Sahne landet, verkocht auch nichts. Vielleicht ist genau das das Geheimnis, das die Konditorware zu einem solchen Erfolg gemacht hat? Man weiß es nicht.

Heutzutage ist es beinahe schwierig, eine echte Schwarzwälder Kirschtorte zu bekommen, weil alles kinderfreundlich und Muslim- und Alkoholiker-safe ohne Alkohol zubereitet wird.

Schwarzwälder Kirschtorte, Feldberger Hof
Schwarzwälder Kirschtorte an der Wand im Treppenhaus – näher sind wir ihr leider nicht gekommen.

Wir sind bei unserer Stippvisite weder an eine Fake-Torte noch an das Original gekommen (erst in der Schweiz ein Vierteljahr später habe ich in Thun ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte gegessen, die durchaus lecker war – aber eben nicht aus dem Schwarzwald kam).

3. Schwarzwälder Schinken

Schwarzwälder Schinken ist ein beliebtes Urlaubsmitbringsel, das es auch zu Hause in jedem Supermarkt zu kaufen gibt (falls man vergessen hat, rechtzeitig welchen zu besorgen, oder im Zug nicht so schwer schleppen möchte…).

Das Besondere am Schwarzwälder Schinken ist zum einen tatsächlich, dass er im Schwarzwald hergestellt wurde – seit 1997 ist der Titel nach EU-Recht eine geschützte geografische Angabe. Auch inhaltlich aber muss er bestimmten Kriterien entsprechen, so dass er nachher schmeckt, wie eben nur Schwarzwälder Schinken schmeckt.

In unserem Hotel gab es welchen am Buffet. Und ja, er schmeckte gut.

Schwarzwälder Schinken Museum Feldbergturm
Und ganz in der Nähe im Feldbergturm gibt es sogar ein eigenes Schinkenmuseum! Ob es gut ist, kann ich nicht sagen, denn wir waren nicht drin.

4. Schwarzwaldromantik

Unter diesem Punkt fasse ich mal all die optischen Klischees zusammen: Schwarzwaldhäuser, Schwarzwaldtrachten, Schwarzwaldklinik.

Diese typischen alten Bauernhäuser mit den Geranien an den Balkonen haben wir immerhin gesehen. Ohne Geranien, denn es war ja Winter. Ganz oben vom Feldberg blickt man auch auf alte Bauernhäuser. Und gar nicht mal so weit entfernt vom Hotel befindet sich ein originalgetreu restaurierter Hof (in Privatbesitz, aber als romantisches Fotomotiv aus der Ferne eignet er sich doch ganz gut).

Schwarzwald-Klischees, Schwarzwald-Romantik, Schwarzwaldhaus
Na ja, wenigstens ein ganz bisschen Schwarzwald-Romantik kommt da auf, oder?

Was den Rest angeht, Schwarzwaldmädel mit Bommel-Kronen und so: Dafür mussten wir unser Hotel nicht einmal verlassen. Der Speisesaal ist mit allem nötigen ausstaffiert. Retorte? Vielleicht. Aber auch nicht mehr als in anderen Gasthöfen und Touristen-Hotspots, nehme ich an.

5. Der Feldberg

Der Schwarzwald als solcher ist ja ein Mittelgebirge, und zwar das höchste, das Deutschland so zu bieten hat. Höchste Erhebung ist der Feldberg, 1493 Meter über dem Meeresspiegel.

Weiter unten gibt es einen kleinen Ort gleichen Namens. Von dort aus erreicht man die Talstation der Seilbahn in wenigen Minuten mit dem Auto. Das dann dort zu parken, soll recht teuer sein.

Der ganze Komplex des Feldberger Hofs drapiert sich um den Skilift (was natürlich Blödsinn ist zu sagen, denn erstens sind der Klotz und seine Nebengebäude mindestens ebenso markant wie die Seilbahn, und zweitens ist das Hotel mehr als 150 Jahre alt und war somit zuerst da).

Familienurlaub im Schwarzwald, Feldberger Hof, Skigebiet
Das ist das Skigebiet auf dem Feldberg, Anfang Dezember noch ohne Schnee. Es liegt wirklich direkt vor der Haustür, aufgenommen habe ich das Foto von unserem Balkon.

Fußgänger dürfen mit dem Lift nur fahren, solange kein Schnee liegt. Im Winter gibt es hier also ein kleines familienfreundliches Skigebiet.

Im Sommer ist eine Wanderung zum Feldbergturm und dann rüber zum „echten“ Feldberg-Gipfel nett. Von hier aus kann man bei guter Sicht bis zum Mont Blanc gucken, nach Frankreich also, und rüber in die Schweiz sowieso. Wer im Hotel wohnt, kann das locker zwischen Frühstück und Mittagsbuffet erledigen.

Familienurlaub im Schwarzwald, Feldberger Hof, Ausblick vom Feldberg
Der Ausblick vom Feldberg-Gipfel, allerdings Richtung Norden (der Mont Blanc war dann doch ziemlich klein, und ich hatte nur die Kompaktkamera ohne Zoom-Objektiv dabei).

6. Schwarzwald

Vor lauter Touri-Klischees wollten zumindest wir nicht vergessen, dass die Schwarzwaldregion in erster Linie ein Naturraum ist. Wenn man oben auf dem Feldberg steht und auf die bewaldeten Hänge hinabblickt, wird einem das schon ganz gut bewusst. Und auch die Anreise mit dem Zug durch das Höllental ist in dieser Hinsicht ein Erlebnis.

Vor allem, wenn man so zentral in der Natur logiert wie wir, ist die Sache ganz einfach: Tür auf, Familie raus, Familie glücklich. Meine zumindest. In allen Richtungen befinden sich Wanderwege, viele davon kindgerecht aufgemöbelt, wie beispielsweise der Wichtelpfad, der hinter dem Kletterwald auf dem Feldberg beginnt.

Familienurlaub im Schwarzwald, Feldberger Hof, Wandern mit Kindern
Ab nach draußen: Vor der Hoteltür wartet der ganze Schwarzwald!

Unser persönlicher Schwarzwald-Klischee-Score

Unser Fazit: 5 von 6. Nicht schlecht.

Trotzdem hätten wir nichts dagegen, noch einmal wiederzukommen und die Region ausführlicher zu erkunden. Nicht (nur) wegen der Torte. Denn natürlich reicht ein Wochenende für einen ganzen Schwarzwald nicht aus. Aber ein guter Anfang ist es schon mal. Immerhin.

Familienurlaub Feldberger Hof, Sonnenuntergang
Sonnenuntergangsromantik auf dem Feldberg (Blick auf das Haus der Natur).

Transparenz-Hinweis: Wir waren zur Pressereise in den Feldberger Hof eingeladen. Da wir dort ausgesprochen verwöhnt wurden und wir außerhalb des Hotels in der begrenzten Zeit dann doch nicht so viel sehen konnten, kann ich nicht ausschließen, dass mein Schwarzwaldbild dadurch rosarot beeinflusst wurde. Ich werde das bei nächster Gelegenheit überprüfen. 🙂

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