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Abmeldung: Wir sind dann mal Couchsurfen in der Schweiz

Wenn dieser Artikel online geht, dann haben wir die lange Zugfahrt gen Süden schon hinter uns und sind im Land der Berge, Almwiesen und teuren Lebenshaltungskosten angekommen. In den Osterferien unternehmen wir nämlich ein ganz besonderes Abenteuer. Zum ersten Mal machen wir so einen richtigen Backpacking-Trip mit Kind. Und das kam so…

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Reisevorbereitung

Egal, ob eine kleine oder ganz große Reise mit Familie ansteht, eine gründliche Vorbereitung ist die halbe Miete (sagt die, die das Auslandsjahr innerhalb von sechs Wochen von Amerika auf Europa umgeplant hat). Hier kommt die Übersicht, was es zum Thema Reisevorbereitung hier im Blog zu lesen gibt…

 Reisevorbereitung allgemein

Reisevorbereitung unserer Langzeitreise mit Kindern

  • Langzeitreise: USA-Visum für Anfänger – Inzwischen kann ich drüber lachen. Wie man ein Touristen-Visum nicht beantragen sollte (ohne zu wissen, wo der Fehler gelegen haben könnte, abgesehen von der Wahl des Reiselands). Minutiöse und absolut tatsachengebundene Berichterstattung unseres Visumsinterviews in der amerikanischen Botschaft in Berlin.
  • Startschuss: family4travel geht auf Langzeitreise – Als der Knoten platzte… Ein paar Worte zum Thema Langzeitreise mit Familie und Schulbefreiung.
  • „Was sagen eigentlich die Kinder dazu?“ – Ein Interview mit Janis (10) und Silas (7) zu unserer bevorstehenden Langzeitreise durch Europa.
  • Sabbatical mit Familie: Ein kurzer Baustellenwegweiser – Die ganz subjektive Zusammenfassung unserer Entwicklung von einer ganz normalen Durchschnittsfamilie zu Aussteigern auf Zeit. Hier erzähle ich, wie unsere Planungen verlaufen sind, welche Schwierigkeiten sich uns in den Weg gestellt und wie wir die überwunden haben. Übrigens der meistgelesene Beitrag auf family4travel.
  • Unsere Bucketlist für ein Jahr Auszeit – Das war der Plan, oder besser gesagt, der Wunschzettel, mit dem wir losgefahren sind. Was davon wir alles schon geschafft haben und was nicht, könnt ihr hier vergleichen.

Erfahrungsbericht: Wie sicher ist Rumänien als Urlaubsland?

Als wir etwas überstürzt unsere Europa-Reise planten, waren wir uns anfangs unsicher: Ist Rumänien ein sicheres Reiseland für Familien? Irgendwie hatten wir so viele Vorurteile im Kopf, obwohl wir selbst nicht recht wussten, wie die dahin gekommen waren. Ziemlich genau vier Wochen sind wir dann durch das große Land zwischen Karpatenbuckel und Donaudelta gereist und konnten (fast!) alle Punkte vor Ort schnell relativieren.

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Sabbatical mit Familie – ein kurzer Baustellen-Wegweiser

Wir werden auf Langzeitreise gehen. 11 Monate lang wollen wir mit unseren beiden Jungs, 7 und 10 Jahre alt, durch Südeuropa tingeln. Ein paar Worte zur Reisevorbereitung…

Vorab: Wer hier Checklisten und Pack-Anleitungen erwartet, den schicke ich gleich weiter zur Hudson-Family. Die haben ein praktisches Reisehandbuch zum Download erarbeitet mit allem, was man für die Familien-Langzeitreise bedenken muss. Dem habe ich wenig hinzuzufügen. Stattdessen will ich einfach nur anhand unseres Fallbeispiels berichten, wie komplex und wie ausufernd die Planung für ein Jahr Auszeit mit Familie werden kann. Damit die, die das auch durchziehen wollen, wenigstens vorgewarnt sind, und diejenigen eine Ausrede bekommen, die in Wirklichkeit doch lieber in ihrer Comfort-Zone bleiben.

Vom Mut, zu gehen

„Das ist aber eine mutige Entscheidung“, sagen viele, wenn sie von unseren Reiseplänen hören. Sie haben Recht. Wer ernsthaft mit der ganzen Familie lange reisen möchte, braucht Mut. Das alleine reicht aber nicht. Viel Durchhaltevermögen ist ebenfalls nötig, mitunter Haare auf den Zähnen. Und viel, viel Kraft. Manchmal bin ich fix und fertig nach einem Tag voller Planung, voller organisatorischer Rückschläge, voller neuer Hürden, die aus dem Nichts auftauchen, wenn man denkt, jetzt sei endlich alles geregelt. Und wir sind noch nicht einmal losgefahren! Der Nachteil, wenn man erst im gesetzten Alter reist und eben nicht als unabhängiger Mensch Anfang 20, ist ja, dass man eigentlich im gemachten Nest sitzt. Und für eine verantwortungsvolle Mutter und Frau mitten im Leben laufen eine Menge Dinge, aus denen man nicht mal so eben raus kommt.

Die Comfort-Zone des Alltagslebens zu verlassen, kostet Überwindung. Ich war immer jemand, der sein Leben aktiv gestaltet, der Dinge einfach ändert, wenn sie mir nicht passen. Viele jammern ja nur und tun nichts dagegen. Aber ein solches Reiseprojekt ist keinesfalls etwas, das man „einfach mal so macht“. Mein Chef hat mir mal vorgeworfen, ich ginge so gerne mit dem Kopf durch die Wand, ohne zu gucken, ob vielleicht die Tür offen ist. Das habe ich mir zu Herzen genommen, und in der Tat öffnen sich etliche Türen, wenn man höflich anklopft. Manche aber auch nicht, und es gibt Mauern, da sind einfach keine Durchlässe vorgesehen. Wer die ausgetretenen Pfade, wer die geregelten Lebenswege verlässt, der muss sich seiner Sache schon sehr sicher sein. Und wer auf Dauer keine Kopfschmerzen will, sollte genügend Zeit einplanen, um immer wieder Leitern bauen zu können, um, wenn nicht durch die Wand, dann wenigstens oben drüber zu gelangen. Vor allem, wenn Kinder im Spiel sind, wenn nicht nur die Verantwortung für den eigenen Lebensentwurf auf den Schultern lastet.

Die Job-Frage

Darf man einen sicheren Job kündigen, um die nötige Reisefreiheit zu erlangen? Martin, der Diplom-Ingenieur ist und ganz ordentlich verdiente, hat es gemacht. Ob das eine gute Idee war, können wir jetzt noch nicht sagen. Nötig war es jedenfalls. Leider. Natürlich sollte man sich vor einem solchen Schritt erkundigen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, eine längere Auszeit zu organisieren. In vielen Firmen sind ja mittlerweile Lebensarbeitszeitkonten, befristete Freistellungen und unbezahlte Auszeiten gängige Instrumente. Als wir mit unseren Planungen begannen, sah es auch bei uns noch so aus, als könnte Martin zumindest mit einer Wiedereinstellungsgarantie gehen. Dann übernahm ein amerikanischer Konzern die Führung, 120 Leute mussten gehen, und auch wenn Martin normalerweise nicht darunter gewesen wäre, wurde ihm natürlich keine Extrawurst gebraten. Überhaupt haben sich viele Baustellen, die erst nicht weiter herausfordernd wirkten, später doch als tückisch entpuppt. An jeder Entscheidung hängen viele Konsequenzen.

Meine berufliche Situation war vergleichsweise unproblematisch. Als freie Journalistin ist unser Reisejahr mehr Chance als Problem. Meine diversen anderen freiberuflichen Tätigkeiten sind an keine Kündigungsfristen oder sonstigen Verpflichtungen gebunden. Was im Normalfall schlecht ist, weil keinerlei soziale Sicherheiten bestehen, ist in diesem Zusammenhang einmal gut. Meinem Schulleiter habe ich mitgeteilt, dass ich im kommenden Schuljahr nicht als Dozentin zur Verfügung stehe, und auch im Museum und in der Redaktion musste ich bloß Bescheid sagen, dass sie mir bis zu den Sommerferien keine Aufträge mehr geben brauchen. Ob ich in all die Jobs problemlos wieder rein komme, wird sich zeigen. Hinge meine Seligkeit davon ab, wäre ich nicht gegangen.

Wer eine Langzeitreise plant, sollte jedenfalls von vornherein bereit sein, auch den worst case in Kauf zu nehmen. Schon im Planungsstadium läuft so vieles schief und anders, als man es wollte. Flexibel bleiben, zu Abstrichen bereit sein. Sonst kommt man nicht vom Hof.

Auf Land und Leute vorbereiten

Wer vollkommen unbedarft durch fremde Länder wandelt, dem bleiben viele Erkenntnisse verborgen. Ich bin gerne gut vorbereitet. Zwei Jahre lang habe ich mich der US-Geschichte und der nordamerikanischen Geografie gewidmet, mich durch das Lesen von Romanen, Sachbüchern und sechs umfangreichen Reiseführern mit diesem Kontinent bekannt gemacht. Ich kenne die aktuellen Themen der US-Politik, und ich weiß über das merkwürdige Selbst- und Rechtsverständnis dieser Menschen Bescheid (warum ich dann trotzdem noch hin wollte? – Na ja, ich bin immer bereit, meine Vorurteile zu revidieren und selbst nachzusehen, wie die Dinge wirklich sind, wenn ich denn die Chance dazu bekomme…).

Innerhalb von sechs Wochen hieß es dann umplanen: Wir fahren doch nach Europa. Durch eine zweistellige Anzahl an Ländern, wenn alles klappt. Durch solche wie Slowenien und Montenegro, von denen ich zwar ungefähr weiß, wo ich sie auf der Landkarte markieren müsste, aber über Geschichte, Mentalität und Eigenheiten absolut nicht Bescheid weiß. Rumänien, Serbien – das sind für mich nichts anderes als Sammelbegriffe für Vorurteile, eine Kollektion düsterer Bilder und Klischees. Hastig lesen wir anderer Leute Blogbeiträge, hören Podcasts, sehen uns bei youtube Dokumentationen an. Es bleibt ein Sprung ins kalte Wasser. Wir werden sehen, wie es läuft.

„Wie könnt ihr euch das leisten?“

Das ist nach „Und wie macht ihr das mit der Schule?“ die am zweithäufigsten gestellte Frage. Das Finanzielle ist bei Langzeit-Reiseabenteuern natürlich der springende Punkt.

Wir werden von unseren Ersparnissen leben. Die anzuhäufen war ein Akt der Selbstdisziplin. „Reich werden fängt damit an, kein Geld auszugeben“, sagt mein Vater immer. Martin ist ein echter Sparfuchs, der meistens mehr als drei Alternativen durchrechnet, bevor er eine Entscheidung trifft, und der jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, damit wir uns den Zweitwagen sparen können. Das allein ist schon mal die halbe Miete – die wir übrigens auch nicht zahlen müssen, da wir bequemerweise ein schuldenfreies Haus geerbt haben. Wir befinden uns also in einer sehr luxuriösen Ausgangslage, die wir durchaus zu schätzen wissen.

Dazu kommt eiserner Sparwille, von den Klamotten, die ich prinzipiell second hand oder wenigstens im Sonderangebot kaufe, bis hin zum Deko-Schnickschnack, den ich mir verkneife. Im Reise-Magazin KidsAway haben verschiedene Reise-Familien mal zusammengetragen, wo man überall Geld einsparen kann, das man dann für Reisen wieder raushaut. Klingt so zusammengefasst ziemlich hardcore, aber tatsächlich haben wir das meiste davon jahrelang umgesetzt.

Der Zeitrahmen

Der Traum einer Langzeitreise formte sich bei uns mit der Zeit. Durchs Couchsurfing lernten wir eine ganze Handvoll Familien kennen, die länger gereist sind. Sie alle hatten auffällig tolle, aufgeschlossene, kluge Kinder. Der Erfolg gab ihnen Recht, und alle sagten sie, es sei die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen, gemeinsam auf Reisen zu gehen. Das wollten wir auch. Nach unserer Irland-Reise 2010 und dem Besuch bei der Weltreisefamilie Blanke beschlossen wir, die Sache ernsthaft in Angriff zu nehmen. Als gute Deutsche gingen wir natürlich sehr verkopft an die Angelegenheit heran. Man riet uns, die Sache gleich durchzuziehen, bevor Janis im Sommer eingeschult und damit aktenkundig würde. Aber wir entschieden uns dagegen. Wir wollten nichts übers Knie brechen, und vor allem wollten wir, dass die Jungs alt genug wären, um sich an alles zu erinnern. Nach etlichen Planänderungen legten wir schließlich das Jahr 2014/15 als idealen Zeitpunkt fest. Es ist Silas’ zweites Schuljahr, die Grundlagen sind gelegt, er ist an regelmäßiges konzentriertes Arbeiten gewöhnt, das auch unterwegs funktionieren wird. Janis ist in der fünften Klasse, verpasst als Waldorfschüler aber keinen übermäßig wichtigen Umbruch zwischen Unter- und Mittelstufe.

Seit zwei Jahren sitzen wir jetzt an der konkreten Planung. Es ist sicher sinnvoll, sich früh genug Gedanken zu machen, um die Schul-Auszeit und vor allem den finanziellen Sparplan rechtzeitig im Blick zu haben. Auch an vieles anderes muss man denken, Dinge wie Auslandskrankenversicherung, Steuererklärungen, mobile Telefonverträge und so weiter, und so fort. Für die Routenplanung und Unterkunftssuche reichen aber auch ein paar Wochen. Hoffe ich. 🙂

Zur Not: Plan B

Reisen mit Kindern erfordern sowieso immer einen Plan B, der bei Bedarf flexibel aus dem Hut gezaubert wird. Da kann es immer mal sein, dass ein paar Windpocken den Aufenthalt in der Bretagne verlängern oder ein Infekt den Abstecher an Estlands Nordküste verhindert. Auch wer mit einer Einreise in die USA liebäugelt, muss mit irrationalen Paranoia seitens der Visumbehörde rechnen und im Zweifelsfall, als persona non grata deklariert, jahrelange Planungen über den Haufen werfen. Flexibel bleiben, sich auf gar nichts versteifen, kristallisiert sich also bereits in der Planungsphase als Schlüsselqualifikation fürs Reisen heraus.

Und ganz, ganz wichtig ist uns auch, dass wir das Experiment bei Bedarf jederzeit abbrechen können. Gerade jetzt, wo wir in Europa bleiben, sind wir im worst case nach zwei Fahrtagen wieder in der Heimat. Unser Zuhause wartet auf uns, wir können jederzeit zurück. Ja, wir sind die Warmduscher unter den Langzeitreisenden. Aber wir mögen das so.

Unsere Bucket-List für ein Jahr Auszeit

Jeder Reiseblogger, der etwas auf sich hält, führt eine Bucketlist. Was das ist? Früher nannte man das Wunschzettel. Für unsere große Reise habe ich jetzt auch mal einen entworfen.

 

–         Der Herzenswunsch der Jungs ist offenbar der Besuch eines Vergnügungsparks. Das ist so ziemlich das letzte, was mir persönlich einfallen würde, aber wenn’s denn sein muss…

–         Silas möchte nach Rom (Warum? Weil da Bud Spencer wohnt, natürlich! Wieso sollte man sonst nach Rom wollen?) Mal sehen, ob wir da vorbei kommen. Eigentlich liebäugeln wir ja mit einer anderen Route.

–         Janis möchte gerne im Meer baden. Ich bin gespannt, ob das dieses Jahr noch was wird, oder ob wir bis nächsten Frühling warten müssen.

–         Martin möchte in die Karpaten, überhaupt will er ständig in die Berge. Na gut.

–         Ich möchte eine ganze Menge…

  • Das Deutsche Museum noch mal ordentlich besichtigen (beim letzten Mal war ich nämlich 15 und hab meinen geistesverwirrten Blick viel lieber auf die bayrischen Jungs als auf die Exponate gerichtet).
  • Mich durch die Gassen von Salzburg drängeln und den Jungs zeigen, wo Mozart geboren ist.
  • Den Ort meiner Kindheitsurlaube in Krungl, Österreich wieder sehen.
  • Sachertorte in Wiener Kaffeehäusern essen.
  • Über den See von Bled zur Heiligen Insel fahren.
  • Am Ufer einer unverschämt türkisblauen Adria seufzen vor Glück.
  • In Triest in Gedenken an meinen Geschichtslehrer anstoßen, der über diese Stadt regelmäßig in Begeisterung ausbrach (über die Krim übrigens auch, aber die lassen wir schweren Herzens aus).
  • Unsere allerersten Couchsurfer wieder treffen, die jetzt in Budapest wohnen.
  • Bei der Gelegenheit auch über die Kettenbrücke spazieren und den ungarischen Jugendstil mit dem in Riga vergleichen.
  • Nachfragen, ob die Schlafanzughose gefunden wurde, die mein Vater 1976 in einer kleinen Pension in Ungarn liegen lassen hat.
  • Pferdegespanne in Rumänien überholen.
  • Im Biosphärenreservat Donaudelta eine Bootsfahrt unternehmen.
  • Die Siebenbürger Sachsen besuchen, und vielleicht auch das Schloss von Draculas Opa in Transsilvanien.
  • Eine halbe Stunde lang faul am Strand des Schwarzen Meeres herumhängen.
  • Griechische Ruinen vergleichen – in Rumänien, Bulgarien, der Türkei und im Mutterland.
  • Den Protzpalast in Bukarest angucken.
  • Mir ansehen, wo vor 100 Jahren der schicksalsträchtige Schuss fiel, der ganz Europa so überaus nachhaltig ins Chaos stürzte.
  • Auf der Brücke von Mostar herausfinden, ob der neue Brückenschlag nicht nur architektonisch, sondern auch gefühlsmäßig gelungen ist.
  • Meinen Kindheitserinnerungen neue Erfahrungen entgegenstellen, denn ich weiß noch gut, wie ich als kleines Mädchen entsetzt vorm Radio saß und mir erklären ließ, was ethnische Säuberungen sind.
  • Das Gerücht der ausgesprochenen Gastfreundschaft der Serben auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen.
  • Auf der verkehrstotenträchtigen Magistrale nicht in eine leitplankenlose Schlucht stürzen.
  • Nachsehen, ob die Bucht von Kotor wirklich so atemberaubend schön ist.
  • Auf Einheimische hören, ob wir durchs Kosovo fahren sollten oder lieber nicht.
  • Herausfinden, ob Bulgarien wirklich so viel mehr wunderschöne Ecken zu bieten hat als die „Perlen am Schwarzen Meer“.
  • Ein orthodoxes Weihnachtsfest mitfeiern.
  • Nachschauen, wie viel Byzanz noch unter Konstantinopel und dem modernen Istanbul zu finden ist.
  • Nach Asien übersetzen. Wenigstens einmal kurz.
  • Die Wiege der Demokratie besichtigen.
  • Der aktuellen Stimmung im Wirtschaftskrisenherd nachspüren und herausfinden, wie es Familien in Griechenland geht.
  • Überprüfen, ob beim „echten Griechen“ genauso viel Fleisch serviert wird wie in Deutschland.
  • Gucken, wie spartanisch es heutzutage in Sparta zugeht.
  • Uns den Olymp von unten angucken und zu Zeus und Konsorten hinaufwinken (ihn besuchen geht nämlich nur im Sommer).
  • Herausfinden, ob der Süden Italiens wirklich so ganz anders tickt als der Norden.
  • Dem Ätna einen respektvollen Besuch abstatten.
  • Die Erkenntnisse von Asterix und Obelix bezüglich der korsischen Befindlichkeiten überprüfen.
  • Französisch in freier Wildbahn hören – und (besser) sprechen lernen.
  • Das kleine Land besuchen, dessen begehrte ANDORRA-Papiertüte ich auf der EXPO2000 damals nicht ergattert habe.
  • In Barcelona Gaudís architektonische Spuren entdecken.
  • Andalusien erkunden, das mir immer als magischer Landstrich erschien, von dem ich dachte, niemals dort hinzukommen (so als Nicht-Flieger und Backofenhitze-Verabscheuer).
  • Mich doch noch kurz in mein Lieblingsurlaubsland mogeln, obwohl ein Gibraltar-Ausflug bei den Kindern wohl „für die Affen“ sein wird.
  • In Lissabon davon ausgehen, dass die Hängebrücke über den Tejo und Straßenbahnen nicht nur an San Francisco erinnern, sondern bestimmt viel schöner sind!
  • Mich langsam wieder auf zu Hause freuen (was mir auf kürzeren Reisen nie so recht gelungen ist).
  • Unseren unverhofften krönenden Kreuzfahrt-Abschluss würdig genießen und mich nicht allzu sehr an dekadenten Luxus gewöhnen.
  • Den ältesten Steinkreis der Welt auf den Orkneys besichtigen.
  • Bei unseren drei Kurz-Stopps wenigstens ansatzweise ein Gefühl für Island entwickeln.
  • Vor Glück völlig aus dem Häuschen von Felsen zu Felsen hüpfen, weil ich nie damit gerechnet hätte, dem Nordpol in diesem Leben so nahe zu kommen wie in Spitzbergen (und mich gleichzeitig fragen, warum Kreuzfahrtschiffe hier oben im fragilen Ökosystem rumschippern müssen).
  • Allen ergriffenen Nordkapp-Touristen im Geiste eine lange Nase drehen, weil ich aus dem Norden anreise.
  • Die kleinen Städte im Norden Norwegens mit 2500 anderen Kreuzfahrtpassagieren teilen und irgendwie trotzdem schöne Ecken finden.
  • Die atemberaubend schönen Lofoten betreten, die mich auf den Fotos von Gabi Reichert immer so beeindrucken.
  • Auf dem Rückweg die Weltumsegler-Familie Müller/Wnuk besuchen und uns nicht anstecken lassen, unsere Tour auch auf 14 Jahre auszudehnen.

Ob wir das hinbekommen? Bestimmt nicht alles. Wir werden sehen.

Die geplante Route unserer Europa-Reise

Unsere Routenplanung lässt sich an unserer Bucket-List ja schon ablesen. Sie ist bisher nur sehr rudimentär ausgearbeitet und wird bestimmt noch mindestens fünf Mal geändert. Unser Ziel ist, wenigstens zwei, drei Wochen im Voraus zu wissen, wo genau wir sein werden.

Über Österreich und Slowenien fahren wir erst einmal nach Istrien im Norden Kroatiens (das war erst anders geplant, aber wenn wir schon mal für eine Woche zum Luxus-Camping eingeladen werden, sagen wir natürlich nicht nein 😉 ). Dann geht es über Ungarn nach Rumänien – ein Land, über das wir so gut wie nichts wussten, das aber unheimlich spannend zu sein scheint. Dann müssen wir sehen, wie wir Serbien und Bosnien-Herzigowina noch abfrühstücken, außerdem mehr von Kroatien und Montenegro zu Gesicht kriegen, denn auf der anderen Seite wollen wir auch unbedingt noch nach Bulgarien und dann weiter in die Türkei. Da unsere Autoversicherung nur bis zum Bosperus gilt, ist der wohl unser östliches Limit (obwohl ich mir wahnsinnig gerne auch noch Troja und Bursa ansehen würde – mal sehen, ob wir nicht doch noch in ein Upgrade investieren). Wieder zurück geht es dann gründlich durch Griechenland. Der Plan ist, von dort aus mit der Fähre nach Süditalien überzusetzen. Dann möchten wir gerne über Sardinien und Korsika weiter nach Südfrankreich. Im nächsten Frühjahr jedenfalls wollen wir in Spanien sein, durch Andalusien und über Gibraltar bis nach Portugal fahren. Dann geht es zurück nach Hause, aber nur kurz (es sei denn, uns verlässt früher die Reiselust). In den Sommerferien folgt noch der krönende Abschluss: unsere umgebuchte Transatlantik-Fahrt, die uns stattdessen jetzt auf die Orkney-Inseln, nach Island und bis nach Spitzbergen (!!) bringt. Mit einem Abstecher nach Norwegen trudeln wir dann endgültig wieder zu Hause ein.

Zum Thema Kooperationen und Unabhängigkeit

Zeitliche Verpflichtungen haben wir bisher wenige. Wir wollen ganz sachte beginnen, und außerdem müssen wir erst herausfinden, wie problemlos sich der Schulalltag in unsere Reisepläne integrieren lässt.

Wie die meisten Reiseblogger mit professionellem Anspruch, sind wir für Kooperationen offen. Das bedeutet, dass wir gerne einmal einen Umweg machen (und uns dann natürlich auch zeitlich festlegen), um in Zusammenarbeit mit dem Tourismus-Marketing oder auch mit Hoteliers oder anderen Anbietern direkt Urlaubsregionen und Unterkünfte vorzustellen (für die Profis gibt es dazu mehr im Menüpunkt „PR“). Natürlich gehen bei solchen Aussagen bei vielen Lesern sofort die Alarmglocken an: Heißt das, dass bei family4travel in Zukunft „alles gekauft“ sein wird? Nein. „Erkauft“ ist damit unsere Aufmerksamkeit, sozusagen Sendezeit im Blog, nicht unsere Meinung. Über die Unterkünfte und Regionen, die wir uns selbst aussuchen und voll bezahlen (und das sind mit Abstand die meisten), berichten wir genauso, nur wahrscheinlich weniger ausführlich. (Ein paar schöne Gedanken über Idealismus und Pragmatismus gibt es zu diesem Thema aktuell in der Reisemeisterei.) Und: Wir freuen uns auch über ganz private Einladungen zum Couchsurfing! 🙂

Übrigens: Wer uns als erster sagen kann, welche Stadt die uralte Straßenkarte im Artikelbild zeigt, bekommt eine Postkarte von dort! 🙂

Langzeitreise: USA-Visum für Anfänger

Wer länger als drei Monate in den USA bleiben will, benötigt ein Visum. Menschen mit unlauteren Absichten bekommen keins, klar. Doch auch wenn das eigene Gewissen rein, die Finanzen geordnet und alle Spielregeln eingehalten sind, heißt das zu Zeiten der NSA-Affäre offenbar noch lange nicht, dass man sein Visum bekommt.

 

Zehn Monate wollten wir durch die USA reisen. Das haben wir uns gut überlegt. Es war schwierig, die Kinder aus der Schule zu bekommen. Es war schwierig, die beruflichen Parameter zu regeln. Aber letztlich haben wir das alles geschafft. Das Visum zu beantragen, ist dann nur noch reine Formalität – dachten wir.

Erst online nackig machen, dann persönlich antanzen

Zunächst füllen wir online die Anträge aus. Das ist eine abendfüllende Beschäftigung. Die amerikanischen Behörden sind sehr neugierig. In welchen Ländern wir schon waren und ob wir jemals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, sind da noch die harmlosen Fragen. Die meisten können wir ruhigen Gewissens mit nein beantworten, da wir unseren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten mit keinen kriminellen Machenschaften verbinden wollen. Am Ende des Tages werden 120 Euro an Gebühren fällig – pro Kopf, und Kinder erhalten keine Ermäßigung, selbst wenn alle gesammelt erscheinen. Dazu kommen die Kosten für einen Berlin-Tripp, denn die persönliche Vorstellung in der amerikanischen Botschaft ist unerlässlich. „Visuminterview“ nennen die Amerikaner diese Angelegenheit, was ein bisschen an der Realität vorbei geht. Aber von vorne.

Der Termin für das Interview ist schnell ausgemacht. Wer zeitlich flexibel ist, braucht nur ein paar Tage zu warten. Wir möchten gern an einem Freitag antreten, um die Reise mit etwas Sightseeing zu verbinden, und nehmen deshalb eine Wartezeit von knapp drei Wochen in Kauf.

Ohne Handgepäck in das sicherste Gebäude Berlins

Morgens um acht finden wir uns vor dem Zaun der amerikanischen Botschaft in Berlin-Wannsee ein. Die lange Liste mit Warnungen und Hinweisen haben wir ernst genommen, und das ist auch nötig, wie sich zeigt. Wir sind eine halbe Stunde vor Terminbeginn erschienen, und die brauchen wir auch, um die Sicherheitskontrollen zu passieren. Da immer nur fünf Leute zur Durchleuchtung in das Häuschen der Beamten zugelassen werden, bewegt sich die Schlange vor dem Eingang nur schleppend vorwärts. Der Mann, der zu den flughafenähnlichen Kontrollen einlädt, erfüllt alle gängigen Klischees: glatzköpfig, Schrankstatur, und eine durchdringende Stimme, mit der er den Wartenden immer wieder zu verstehen gibt, dass bei den auf dem Schild vermerkten Sicherheitsbestimmungen null Ausnahmen gemacht werden. Taschen dürfen nicht mit ins Botschaftsgebäude. Auch keine Handys oder irgendwelche anderen elektronischen Gegenstände. Wer technische Spielereien am Autoschlüssel baumeln hat, zieht sich den Zorn der Security zu und muss ihn draußen lassen. Auch Getränke stehen auf der Liste der verbotenen Gegenstände. Mit nichts in den Händen als unseren Papieren – und je einem Comic für die Jungs – unterziehen wir uns dem Sicherheitscheck. Der läuft genau wie am Flughafen. Wir zeigen unsere Pässe vor, legen all unsere Habe auf das Röntgenband und laufen durch den Metalldetektor. Der schlägt bei mir prompt an. Oh nein, ich habe nicht nachgedacht und ein T-Shirt mit Nietenbesatz angezogen! Auf das Piepen hin drehe ich mich um, zeige auf die schuldigen Metallteile und hebe herausfordernd eine Augenbraue. Ausziehen? Nein, da ist die Prüderie der Amis dann doch größer als das Sicherheitsbedürfnis. Nicht einmal einer Leibesvisitation muss ich mich unterziehen.

Schikane? So nennt man das hier nicht.

Der Sicherheitsmann erklärt uns die nächsten Schritte genau: Zusammenbleiben, hier lang, da lang, klingeln, zum Empfang gehen. Dort zeigen wir erneut unsere Unterlagen vor und dürfen uns dann in die nächste Schlange einreihen. Die führt einmal rund um einen Wartebereich mit Stühlen und geht vergleichsweise zügig voran. Eine freundliche junge Mitarbeiterin hinter einer Glasscheibe nimmt uns unsere Pässe ab und bittet uns zu warten, bis wir namentlich aufgerufen werden. Wir nehmen Platz, die Jungs lesen Comics, wir schauen uns in der Wartehalle um. Sie ist mehr als das, realisieren wir. Auch die „Interviews“ finden hier statt, direkt an einem der Schalter in diesem Raum mit schätzungsweise 40, 50 Menschen darin.

Nachdem wir etwa eine halbe Stunde gewartet haben (an die Einhaltung von Terminen glauben wir schon lange nicht mehr), werde ich an eine der Glasscheiben gerufen. Mein eingereichtes Passfoto und das von einem Kind entsprächen nicht den Normen, werde ich informiert. Fotos mit Brille seien zwar erlaubt, aber nur, wenn absolut nichts spiegele, und das sei bei unseren nicht der Fall. Dass die Bilder im Online-Prüfungsverfahren auf der Homepage der Botschaft als okay eingestuft wurden, hat keine Bedeutung. Wir könnten aber vor Ort neue machen, im ersten Stock sei ein Automat, der aber nur sechs Euro passend nehme. Großartig. Wir haben kein Geld dabei, wir sollten doch nichts mitbringen außer den erforderlichen Papieren. Die Mitarbeiterin stellt mir einen gelben Zettel aus, der mich ermächtigt, das Geld zu holen und mich ohne Wartezeit wieder am Security-Check anzustellen. Ich eile zum Auto – die Parkplatzsituation ist zum Glück so gut, dass wir ganz in der Nähe stehen – kratze zwölf Euro passend zusammen und statte dem Sicherheitsmann einen erneuten Besuch ab. Die Schlange hat sich inzwischen so weit verlängert, dass sie fast bis zur Straßenecke reicht. Der Ton des Personals ist schärfer geworden. „Wir sind schon über der Zeit, weil die Leute alle nicht lesen können oder wollen!“ herrscht der Mann die Wartenden an.

Als alter Hase führe ich meine Reisegruppe ins Innere des Hauses, gebe Martin den Autoschlüssel und nehme Janis mit nach oben zum Fotografieren. Der Automat funktioniert wahrscheinlich genau wie alle anderen Fotoautomaten, regt mich aber auf in seiner Langsamkeit. Damit mein Gesicht genau in den biometrischen Rahmen passt, muss ich mich unwürdig verrenken. Bei meinem 10-Jährigen ist es noch schlimmer. Und das sollen bessere Fotos sein als die, die wir abgegeben haben? Egal, wieder zurück zu Schalter 4. Dort eröffnet mir die Dame, dass sie inzwischen auch bemerkt habe, dass Martins Bild inakzeptabel sei. Er sieht zwar noch genauso aus, aber dass dasselbe Foto im Pass steckt, beweist, dass es ein klein bisschen älter als sechs Monate ist – unzulässig. Also noch einmal ein gelber Schein, bitte, noch einmal zum Auto laufen, noch einmal Security-Check und noch einmal Fotoautomat. Und dann noch einmal eine Stunde warten. Inzwischen reichen die Stühle nicht mehr. Wir haben bei der Reise nach Jerusalem verloren und stehen. Die Luft ist stickig und verbraucht. Es gibt einen Wasserspender, und wir ergattern den vorletzten Becher. Zum Glück werden die Jungs erst jetzt quengelig. Als ein junger Mann aufsteht und zum Schalter geht – und kurz darauf wie so viele mit hängendem Kopf das Gebäude verlässt – schlage ich zu, ziehe mir Silas auf den Schoß und erzähle ihm eine Geschichte von einem Hund, der nach Amerika reist und einen kleinen Jungen namens Silas trifft. Wir freuen uns so auf die Canyons und die Mammutbäume… Endlich, zweieinhalb Stunden nach unserer Ankunft und zwei Stunden nach unserem vereinbarten Termin, werden wir an einen der beiden entscheidenden Schalter gerufen.

2 Minuten Audienz beim Visums-Gott

Die Erwachsenen müssen an einem elektronischen Gerät ihre Fingerabdrücke abgeben. Innerhalb von zwei Minuten dürfen wir dann genau drei Fragen beantworten. Die erste betrifft unsere konkreten Reisepläne. Wir beantragen erstmal sechs Monate Aufenthalt, sagen wir, wahrscheinlich wollen wir das auf zehn Monate verlängern (so ist das Usus, haben wir im Internet gelesen, denn wer gleich zehn Monate verlangt, bekommt sie nicht, und wer beim Verlängern vorher nicht angegeben hat, dass er verlängern will, hat auch ein Problem). Wir möchten so viel wie möglich sehen, erstmal den Norden, dann Florida und den Süden, möglichst auch noch die Westküste. „Und die Kinder und die Schule?“ fragt der Beamte mit hochgezogenen Augenbrauen. Ich berichte, dass es schwer war, die Schulbefreiung durchzubekommen, dass wir das aber endlich geschafft haben. Martin hat die Unterlagen in der Hand, darunter auch Briefe der Klassenlehrer, die offenlegen, wie die Jungs nach ihrer Abwesenheit wieder in ihre Klassen integriert werden sollen. Aber der Beamte winkt ab. Er will lieber unsere Finanzen sehen. Martin reicht ihm Auszüge unseres Tagesgeldkontos mit einer höheren fünfstelligen Summe darauf. Nach einem kurzen Blick auf das Papier setzt er einen Stempel auf ein Formular und verkündet, ohne uns anzusehen: „Wir können Ihren Visumsantrag nicht genehmigen.“ – „Was!?!“ frage ich entgeistert. „Warum denn das nicht?“ Er schiebt einen Zettel durch die Durchreiche, behauptet, die Gründe stünden dort, und entzieht sich weiteren Nachfragen, indem er seinen Platz hinter der Glasscheibe verlässt. Wir haben noch den Eigentumsnachweis unseres Hauses in der Hand, hätten noch mehr Sicherheiten zu bieten, die wir gar nicht vorzeigen durften. Wie vom Donner gerührt stehen wir da. Wir müssen Platz machen für die Nächsten. Eine einmal getroffene Entscheidung ist zu akzeptieren und kann unter keinen Umständen am selben Tag angefochten werden. Das sind die Spielregeln, die wir unterschrieben haben. Wie so viele vor uns verlassen wir den Raum mit den vielen Menschen mit hängenden Schultern.

Begründung? Überbewertet.

In der Lobby bleiben wir stehen und sehen auf den Ausdruck, den wir ausgehändigt bekommen haben. Das kann doch nur ein Irrtum sein. Der Zettel speist uns mit dem Hinweis auf einen Paragrafen ab. Ich will das jetzt aber genauer wissen, beschließe ich. Das war doch eine Farce, die können uns doch nicht einfach so wieder auf die Straße setzen! Das kann doch nicht alles sein, was wir für 480 Euro Bearbeitungsgebühr bekommen! Ich will noch einmal zum Empfangstresen und zusätzliche Informationen verlangen. Aber die schwere Glastür ist zu, von dieser Seite kommt man nur rein, wenn ein neuer Schwarm Visumsbewerber die Klingel betätigt. Der Sicherheitsmann auf der anderen Seite hat ein Einsehen und zieht die Tür auf. Es ist derselbe, der uns drei Mal durch die Sicherheitskontrolle begleitet hat (offenbar ist dieser Job so nervenraubend, dass das Personal rotiert). „Haben Sie etwas vergessen?“ fragt er ausdruckslos. „Ich würde gerne noch einmal nachfragen“, erkläre ich. „Unser Visumsantrag wurde abgelehnt, und wir können uns so gar nicht erklären, warum. Er hatte zwar gesagt, das würde hier drinstehen, aber daraus werden wir auch nicht schlau.“ Der Mann schüttelt den Kopf, hebt abwehrend die Hände, sagt dann aber: „Das kann tausend Gründe haben.“ Auf keinen Fall dürften wir zurück, schärft er uns ein, das macht alles nur schlimmer. Wir wollen ja gar nicht diskutieren und in Frage stellen, wir wollen es nur verstehen, insistieren wir. Tatsächlich wird der Mann freundlicher. Das müsse gar nicht an uns liegen, erklärt er uns. Es reiche, wenn ein Verwandter – Neffe, Onkel, was auch immer – straffällig oder im extremen Spektrum politisch aktiv geworden sei. „Die durchleuchten hier alles“, erklärt er uns. „Bei den Mitarbeitern ist das genauso. So nackig, wie ich mich für die machen musste, war ich noch nie.“ Nun, wir haben durchaus Menschen in der Familie, für deren politische Gesinnung und Vorstrafenregister wir unsere Hand nicht ins Feuer legen würden, weil wir wenig bis gar nichts über sie wissen… „Versuchen Sie es einfach noch mal“, rät uns der Mann. Ja, klar. Ich hätte gerne noch mal die Demütigung für 480 Euro, bitte. Wenn wir hartnäckig genug sind, füllen wir so vielleicht das Haushaltsloch der Vereinigten Staaten.

Die Umkehr der Unschuldsvermutung

Zu Hause schlagen wir den Paragrafen nach und stellen fest, dass wir tatsächlich wegen nicht erkennbarem Rückkehrwillen abgelehnt wurden. Boah, sind wir sauer! Die USA sind so ziemlich das vorvorletzte Land, in das ich auswandern würde. Ich mag mein Heimatland, vielen Dank. Und selbst wenn, dann sollten sich die Amerikaner freuen, eine junge, hoch qualifizierte Familie zu gewinnen. Der Witz an der Sache: Es wäre kein Problem gewesen, über Martins Arbeitgeber eine Versetzung in die Staaten zu erreichen und hochoffiziell auszuwandern. Aber das interessiert den Beamten natürlich nicht. Ebenso wenig wie all die Nachweise in unserer Hand, die uns an Deutschland binden. Ob irgendein Cousin sich eine Glatze scheren lässt, das finden sie heraus, aber der Ämtermarathon, den wir auf uns genommen haben, um eine offizielle, befristete Beurlaubung von der Schulpflicht zu erreichen, damit wir die Kinder problemlos im deutschen Schulsystem behalten können, der bleibt ihnen verborgen. Hätten sie mir antiamerikanische Tendenzen vorgeworfen, das hätte ich besser verstanden.

Pah, sollen die doch mit ihren Canyons und Mammutbäumen selig werden. Ohne uns.

 

Tipps fürs Visumsinterview

(das würden wir beim nächsten Mal anders machen, wenn wir noch irgendein Interesse an diesem Räuberstaat hätten)

  • vor dem Termin gründlich satt essen und viel trinken – es könnte länger dauern
  • alle Habseligkeiten im Auto lassen, bis auf die Papiere und das Geld
  • entgegen der Anweisungen nicht auf die Fragen des Beamten warten, sondern alle relevanten Unterlagen ungefragt sofort aufdrängen und sagen: „Wir haben Ihnen zahlreiche Nachweise mitgebracht, um unsere gesicherten Finanzen und unseren Rückkehrwillen zu bescheinigen. Bitte sehen Sie sich die an!“
  • oder besser ganz darauf verzichten, ein so himmelschreiend willkürliches Verfahren zu unterstützen und das Ersparte lieber in Länder tragen, die das mehr zu schätzen wissen.

Startschuss: family4travel geht auf Langzeitreise

Es war so lange nicht spruchreif, dass ich immer noch das Gefühl habe, ein Geheimnis zu verraten.  Aber endlich scheint es, als hätten wir alle Hürden genommen. Wir werden reisen.

Im September geht es los. Nächste Woche. Etwa elf Monate lang werden wir ein Nomadenleben führen. Lange haben wir konkret geplant an unserem Familien-Abenteuer. Jahrelang. Es gibt viel zu beachten, wenn man eine so ausgedehnte Reise mit Kindern vorhat – vor allem, wenn man aus Deutschland kommt und mit der Schulpflicht kämpfen muss.

„Wie macht ihr das mit der Schule?“ ist denn auch meistens die erste Frage, die uns die Leute stellen, wenn wir von unserem Vorhaben erzählen. Es ist die Frage, die allen potenziellen deutschen Reisefamilien unter den Nägeln brennt. Dass dazu nur so wenige Informationen im Netz zu finden sind, hat einen Grund. Das Dogma der Schulpflicht ist in Deutschland unantastbar, Ausnahmeregelungen für Unter- und Mittelstufenkinder sind nicht vorgesehen. Wer trotzdem außerhalb der Ferien reisen, wer seine Kinder ein Jahr lang aus der Schule nehmen will, muss gegen Windmühlen kämpfen. Sind Eltern bereit, viele Stunden Arbeit in Recherche, Behördengänge, Telefongespräche, Auseinandersetzungen, Gesetzesstudium und allgemeines Kopfzerbrechen zu investieren, dann geht das irgendwie. Es gibt sogar verschiedene Herangehensweisen – die elegante bei allgemeinem guten Willen aller Beteiligten, die rechtlich einwandfreie auf Kosten des Kindeswohls und des gesunden Menschenverstands, die teure mit „Umzug“ ins homeschooling-freundlichere Österreich und die rabiate, die einen zum obdachlosen Menschen zwischen den Staaten macht. Wir haben uns jetzt für einen Weg entschieden, der vielleicht eine Patentlösung ist, vielleicht aber auch nicht. Sämtliche Beteiligte sind nach ausgiebigem Studium der gesetzlichen Vorgaben einverstanden, unsere Beurlaubung ist offiziell. Wir sind uns einig, dass wir im Sinne des Kindeswohls handeln. Bevor wir den guten alten deutschen Grundsatz herausfordern: „Alles, was nicht explizit erlaubt ist, ist pauschal verboten“, reden wir aber lieber erstmal nicht allzu laut über die Details.  Deshalb vertröste ich alle, die sich in dieser Hinsicht Aufschluss erhoffen, auf nach unserer Reise.

Abgesehen von der Schulpflicht-Frage aus amtlicher Sicht haben wir erstaunlich wenig Gegenwind erhalten. Von der Uroma bis zur entfernten Bekannten im Sportverein, von befreundeten Grundschullehrern bis zum Kinderarzt – alle bewunderten unsere Entscheidung und drückten ihre Überzeugung aus, dass die Kinder in dieser Zeit so viel mehr lernen würden als in der Schule. „Wenn man euch kennt“, sagten einige, „braucht man sich wirklich keine Sorgen um die Jungs zu machen.“ Ich war auf Vorwürfe der Unverantwortlichkeit gefasst gewesen, des Egoismus, auf Fragen nach dem Zustand der geistigen Gesundheit. Manche sagten: „Für mich wär’ das ja nix.“ Andere sagten: „Ihr seid ja schon so viel gereist. Ihr müsst ja wissen, worauf ihr euch einlasst.“ Aber „Seid ihr bekloppt?“ hörten wir überraschenderweise kein einziges Mal.

Das sind wir: Janis, Lena, Martin und Silas.
Wir sitzen quasi auf gepackten Koffern.

Verglichen mit anderen Reisefamilien, die Deutschland ganz den Rücken gekehrt, sich zumindest jahrelang aus ihrem Heimatland zurückgezogen oder den afrikanischen Kontinent von Süd nach Nord durchquert haben, sind unsere Pläne ja auch harmlos. Nachdem wir vor kurzem einmal komplett umplanen mussten – mehr zu unserer denkwürdigen Begegnung mit der amerikanischen Bürokratie gibt es morgen an dieser Stelle – bleiben wir nun durchgängig in Europa. Obwohl wir sie uns wirklich gerne angesehen hätten, lassen wir sogar die Krim aus…

Was ich euch eigentlich sagen wollte: Dieses Blog nimmt eine neue Richtung. Mit dem „Dienstag in Deutschland“ ist es vorerst vorbei. Stattdessen gibt es künftig Neues aus unserem Nomadenleben. Family4travel wird wieder unmittelbarer. Kommt mit auf unsere Reise über unseren Kontinent! Wir fahren los und gucken, was passiert. Schaffen wir es bis nach Istanbul? Wie erfahren wir den „Wilden Balkan“? Was werden unsere Vorurteile in Rumänien erleben? Können wir am Ende unsere Zehenspitzen doch in den Atlantik tauchen? Halten wir es überhaupt fast ein ganzes Jahr auf Reisen aus, oder haben wir nach ein paar Monaten die Nase so voll, dass wir umkehren – eine Option, die wir uns ausdrücklich offen halten wollen. Heute in einem Jahr sind wir auf jeden Fall wieder zu Hause. Aber wie sehr werden wir uns verändert haben? Eine spannende, spannende Zeit beginnt. Wenn ihr Lust habt, seid dabei! 🙂

 

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