Best Blog Award: 11 Fragen

BestBlogAward1Eigentlich wäre hier jetzt eine weitere (F)AQ-Frage dran – da hab ich noch einige von in petto, denn je bekannter family4travel wird, desto mehr Menschen sprechen mich drauf an und haben Fragen, vor allem „in echt“. Aber diese Woche hat mich Jennys Blogstöckchen eiskalt am Hinterkopf erwischt: Die Neuseeland-Expertin vom Weltwunderer-Blog hat damit geworfen, und auch ich stehe auf ihrer Liste der Familien-Reiseblogger, die gleich eine ganz Reihe von Fragen zu beantworten haben.

  1. Was bedeutet Reisen für dich?
    Reisen ist für uns mehr als ferne Orte zu erkunden und fremde Menschen kennenzulernen. Es ist auch für uns als Familie ein wichtiger Prozess. Im Alltag geht jeder seiner Wege – Schule, Arbeit, Hobbys – und obwohl wir versuchen, auch unter der Woche Familienzeit zu zelebrieren, merken wir so richtig gründlich nur im Urlaub, dass wir vier zusammengehören. Wahrscheinlich deshalb zählen für uns kleine Wochenendausflüge und sogar der ganz normale Sonntagsspaziergang gefühlt als „Reisen“: Reisen ist für uns einfach gleichbedeutend mit Familienzeit.
  2. Warum machst du dir den Stress des Reisebloggens?
    Ein Reisetagebuch habe ich schon immer geführt. Nach dem Urlaub habe ich es dann abgetippt, anfangs ausgedruckt und in Fotoalben geklebt, später komfortabler in Fotobüchern verarbeitet. Die machten dann im Freundeskreis die Runde, jeder wollte sie mal lesen. Irgendwann hat mich dann eine liebe Freundin und erfolgreiche Bloggerin zur Seite genommen und gesagt: „Warum um alles in der Welt bloggst du nicht einfach?“ Und tatsächlich: So rum ist es viel weniger Stress! :)
    Was ich am Bloggen sehr mag, ist der Akt der Selbstdisziplin. Klar, niemand zwingt mich dazu, mich an mein Schema zu halten und regelmäßig zu posten. Aber für mich ist es jeden Tag aufs Neue ein kleiner Sieg, den ich als solchen auch genießen kann, wenn wieder ein Text, mit dem ich mehr oder weniger zufrieden bin, mehr oder weniger pünktlich online geht.
  3. Was willst du deinen Kindern mitgeben, wenn sie aus dem Haus gehen?
    Als Mutter sehe ich meine Hauptaufgabe darin, meinen Kindern zu helfen, glückliche Menschen zu werden. Ich wünsche mir, dass sie ihren eigenen Weg finden, ihren eigenen Platz in der Welt. Janis möchte eine reiche Frau heiraten, damit er frei von finanziellen Sorgen ungestört einem Kunsthandwerk nachgehen kann. Silas plant, als „Weltalloge“ den Nobelpreis für die Erfindung des Überlichtgeschwindigkeitsreisens entgegen zu nehmen. Auch wenn ich als anständige Mutter beiden zutraue, diese hehren Ziele zu erreichen, halte ich es ebenso für möglich, dass sich an diesen Wünschen noch etwas ändert… :) Es kommt auch gar nicht so auf die Ziele an, finde ich. Viel mehr auf die Fähigkeit zum Glücklichsein, und genau die möchte ich den Jungs wirklich mit auf den Weg geben. Wir üben es täglich. Auf unseren Reisen gelingt uns das sehr gut, und das ist – Gott sei Dank – auch (fast immer) im Alltag so.
  4. Wohin reist du am liebsten und warum?
    Das Wohin ist uns eigentlich gar nicht so wichtig. Viel mehr interessiert uns das Wie. Und da lautet die Antwort: mit offenen Augen und offenen Herzen. Oje, ich drifte schon wieder arg ins Kitschige ab. – Was ich meine, ist: Egal wo wir sind, es gibt immer etwas zu entdecken, zu erfahren und zu lernen. Das Freilichtmuseum von New Lanark ist ein prima Lernort zur britischen Industriegeschichte. Aber die Schwingtür in der Jugendherberge daneben eignet sich hervorragend fürs eigenhändige Erfahren der Hebelgesetze. Und ja, dazu braucht man eigentlich nicht nach Schottland fahren, sondern kann das auch auf dem Spielplatz um die Ecke nachvollziehen.
    Na gut, jetzt noch mal ohne philosophische Anflüge: Wir mögen am liebsten gemäßigtes Klima, worunter wir mehr oder weniger alle Temperaturen und Wetterlagen unter 30 Grad verstehen. „Richtung Norden“ kann also gut als Faustregel gelten.
  5. Was muss immer dabei sein, wenn ihr verreist?
    Mein analoges Reisetagebuch natürlich. Und, zumindest bei allen „richtigen“ Reisen: eine mobile Kühltruhe, die sich sowohl an die Auto-Steckdose als auch ans normale Stromnetz anschließen lässt. So sind wir als Selbstversorger unabhängig, und die Jungs können trotzdem jeden Morgen ihr Müsli mit der „richtigen“ Milch löffeln (frische Vollmilch, 3,5 % Fett, falls ihr euch fragt, was „richtige“ Milch ist).
  6. Gibt es auch Ziele, die dich gar nicht interessieren?
    Es gibt einige Blogs, die ich nicht lese, weil die Reiseziele für mich nicht relevant sind. Manchmal bleibe ich doch in einem von denen stecken, und wenn sie gut geschrieben sind, stelle ich oft fest, dass Guatemala, Namibia und – nicht wahr, Jenny? ;) – Neuseeland mich doch interessieren. Insofern: Nee, offenbar nicht.
  7. Ist Neuseeland für dich ein besonderes Land? Warum?
    Als ich 16 war, bin ich mal hemmungslos unvorbereitet in ein Bewerbungsgespräch für ein einjähriges Highschool-Stipendium in Australien geschlittert. Der Interviewer fragte mich damals, ob ich mir auch vorstellen könnte, stattdessen nach Neuseeland zu gehen. „Ähm…“ stotterte ich völlig überfordert, „Gibt es da denn auch Schulen?“ Seitdem hat sich zwar durchaus die eine oder andere Wissenslücke geschlossen. Ich hab wunderschöne Fotos von großartigsten Naturphänomenen gesehen, die durchaus Fernweh auslösen. Neuseeland ist und bleibt aber für mich vor allem eins: unerreichbar weit weg.
  8. Gewissensfrage: Wie stehst du zum Thema Nachhaltigkeit – in Bezug auf das Reisen?
    Genau deshalb. ;) Es gibt so viele außergewöhnliche, spannende, erhellende Orte in Europa zu entdecken – da muss man gar nicht fliegen, finde ich. Bei den Mengen an Diesel, die wir auf unseren Touren durch den Motor jagen, dreht sich natürlich auch mein grünes Parteibuch in der Schreibtischschublade um. Ökologisch gesehen wäre die Camping-Radtour ans Steinhuder Meer am sinnigsten, oder den Weserradweg runter, was wir auch durchaus schon ausprobiert und für gut befunden haben. Aber das reicht uns nicht, und insofern legen wir da eine beschämende Portion Doppelmoral an den Tag. Wenn man sich erst unsere (noch äußerst streng geheimen) Pläne für 2014 anguckt, muss ich den Stuhl des moralisch Erhabenen endgültig räumen…
    In dem kläglichen Versuch, mich zu rechtfertigen, möchte ich aber einwerfen, dass für mich nicht nur ökologische Nachhaltigkeit existiert. Wir reisen nicht, damit wir irgendwo bei ein paar Grad mehr in der Sonne braten, sondern um die Welt zu begreifen. Kein Mensch kann sagen, ob Janis später tiefsinnigere Bernsteinfiguren schnitzt oder völkerverständigendere Marzipanröschen pinselt, weil er als Kind mit kleinen Engländern Trompete gespielt oder mit einer finnischen Freundin am Grill gekokelt hat. Und auch ob Silas’ derzeitige Überlegungen zur Berufswahl eine Dokumentation auf Phoenix nicht genauso beeinflusst hätte, kann man nicht wissen. Aber ich denke schon, dass es für Kinder hilfreich, förderlich, gesamtgesellschaftlich sinnvoll ist, die Welt nicht nur aus den Medien zu kennen, sondern sie selbst im Wortsinne nachhaltig erfahren und begriffen zu haben.
  9. Hand aufs Herz: Sind Reisen ohne Kinder nicht auch mal schön?
    Klar! Ich reise manchmal auch ganz alleine, besuche Freunde und hole tageweise meine wilde Jugend nach, die ich nie hatte. Aber egal, wo ich bin, spätestens nach einer halben Stunde sehe ich etwas und denke: Das würde Janis gefallen. Oder: Das fände Silas interessant. Und dann bedauere ich auch schon, dass die Jungs nicht dabei sind. Am liebsten gehe ich wirklich mit ihnen zusammen auf Weltentdeckertour.
  10. Wohin geht eure nächste Reise?
    Im Januar geht’s nach Hamburg. Anfang Februar nach Thüringen. Und in den Winterferien entweder nach Dresden oder Saarbrücken oder beides. Ostern an die Ostsee. Das ist der „Kleinkram“, der auch immer spannend und erhellend und wunderschön ist. Was dann kommt, davon der erzähle ich erst, wenn es in trockenen Tüchern steckt.
  11. Wo wärst du gern in zehn Jahren?
    In zehn Jahren ist Janis mit der Schule fertig und Silas bereitet sich aufs Abitur vor. Das ist die Zeit, in der Martin und ich so langsam voll durchstarten können. Vielleicht hab ich bis dahin Spanisch gelernt, und wir tingeln ein Jahr lang durch Südamerika. Oder wir tuckern mit einem Containerschiff nach Neuseeland. Vielleicht wagen wir uns doch mal nach Asien vor. Vielleicht hat sich bis dahin aber auch der angeschlagene Gesundheitszustand meines Vaters so weit verschlechtert, dass meine Mutter unsere Hilfe braucht. Oder irgendjemand von uns ist längst gestorben, was jeder Gott in Reichweite verhüten möge! Es gibt keine Sicherheit, nicht finanziell und erstrecht nicht für alles andere. Wichtig ist uns deshalb: Wir schieben nichts auf! Gereist wird JETZT!

BestBlogAward1Oje, das war eine Menge. Ist da noch jemand, irgendjemand? Der bis hierher durchgehalten hat? Denn ich bin noch lange nicht fertig… Die Netz-Tradition will es, dass ich jetzt nach schönstem Schneeball-Prinzip ebenfalls zehn Blogger das Stöckchen um die Ohren haue. Auch von mir gibt es deshalb elf Fragen, deren Antworten mich echt interessieren täten. Da Blog-Stöckchen schnell zur Pest mutieren können, bin ich jedoch niemandem persönlich böse, der keine Lust drauf hat, schon wieder… Nach diesem Disclaimer verteile ich hemmungslos (in nicht wertender Reihenfolge) meine Best-Blog-Awards an:

  1. Raumfee Katja, die mich mit ihren oft grandios einfachen Deko-Ideen schon oft inspiriert und zu so manch tiefgründigem Gedanken geleitet hat.
  2. Antje von Mee(h)r-erleben, die uns von ihrer England-Reise all die Ecken zeigt, die wir auf der unseren sträflicherweise ausgelassen haben.
  3. Peggy von Entdeckeengland, die sich ihrer Wahlheimat mit Hingabe widmet und deren Blog der interessierte Inselreisende auf jeden Fall zur Vorbereitung konsultieren sollte.
  4. Frau Müller nebst Gatten, die das alltägliche Familienchaos immer herrlich bissig und selbstironisch kommentiert.
  5. Die andere Frau Müller, die von Good Word for Bad World, bei der ich mir schon mal angucken kann, was da in ein paar Jahren auf mich zukommt…
  6. Ulrike Hecker vom bambooblog – eine von denen, die mir durch ihre Schreibweise auch abwegige Reiseziele schmackhaft machen, selbst wenn ich letztlich wahrscheinlich nie einen Fuß auf chinesischen Boden setzen werde.
  7. Nadine, die mit ihrer Hudsonfamily wahrhaft Wahnwitziges hinter sich hat und wahrscheinlich jede Art des Unterwegsseins schon ausprobiert hat – mit den Kindern.
  8. Inka von blickgewinkelt, die aufgrund ihrer Eisverliebtheit schon an den großartigsten (und kältesten) Orten dieser Welt war (worum ich sie innig beneide!) und die toll darüber schreibt.
  9. Reisemeisterin Christina, die zusätzlich zu ihren serviceorientierten Reise-Beiträgen auch noch ein schwasiatisches Kochstudio betreibt.
  10. Anne Zegelman alias Dezembra, die polarisierend und poetisch aus der Parallelwelt einer (noch?) kinderlosen Journalistin und Szene-Frau berichtet.

Schöne Bescherung: Fangt das Stöckchen!

11 Fragen an euch:

  1. Muss man reisen, um die Welt zu entdecken?
  2. In Sachen Reisen: Je exotischer desto besser?
  3. Ausspannen oder volles Programm – „Urlaub“ oder „Reisen“? Wie sieht das idealerweise bei dir aus?
  4. Hast du die Urlaubsplanung schon fertig? Wohin soll’s 2014 gehen?
  5. Egal ob Langzeitreisender oder Gelegenheitsurlauber: Bestimmt hast du unterwegs mal richtig interessante Menschen kennengelernt. Erzähl doch mal von einer schönen, verrückten oder richtig schlimmen Reisebekanntschaft!
  6. Was meinst du: Lohnt es sich, Kinder durch die Weltgeschichte zu schleppen?
  7. Gibt es ein Aha-Erlebnis, das du selbst als Kind beim Reisen, im Urlaub gehabt hast?
  8. Urlaubsfotos anderer Leute sind für viele ein Graus. Was muss stimmen, damit du sie dir gerne anschaust?
  9. Couchsurfing ist nicht jedermanns Sache. Warum ist es nichts für dich? (Oder warum vielleicht doch?)
  10. Zu Hause (Übernachtungs-)Besuch bekommen – No-Go, großer Stress oder nett?
  11. Keine Angst, wir stehen nicht übermorgen auf der Matte – aber nehmen wir mal an, wir kämen zum Couchsurfen vorbei. Welche Sehenswürdigkeiten würdest du uns zeigen?

Und so geht es weiter

Die tradierten Regeln für den Best-Blog-Award lauten:

  1. Einfach einen Post zum Thema verfassen, das Bildchen vom Award einfügen und mit demjenigen verlinken der ihn dir verliehen hat.
  2. Elf Fragen beantworten.
  3. 10 weitere Blogger taggen und ihnen 11 Fragen stellen.
  4. Die 10 Glücklichen mit einem Kommentar auf den Award aufmerksam machen.

9 Gedanken zu „Best Blog Award: 11 Fragen“

  1. Liebe Lena, ich habe interessiert bis zum Ende gelesen (Ehrensache, wo ich doch gefragt hatte.) Besonders deine Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit finde ich wunderbar einleuchtend. Es muss doch besser sein, einen Langstreckenflug zu investieren, um Kinder „weltklug“ zu machen, als wegen des Umweltgewissens zu Hause zu bleiben und dafür aber Klamotten aus Bangladesh, Obst aus NZ usw. zu konsumieren.
    Deine eigenen Blogstöckchen-Fragen finde ich wiederum so interessant, dass ich ganz traurig bin, den Stock nicht noch ein zweites Mal aufheben zu können ;-) Werde also dem Schneeball folgen!

    1. Weltklug – was für ein schönes Wort! :)
      Ich hätte das Auszeichnungssttöckchen auch gerne wieder zurückgeschmissen, und überhaupt wären da noch viele andere tolle Blogs, die ich jetzt nicht genannt habe, z.B. weil du sie schon genannt hast. ;)

  2. Jajaja, ich habs schon gesagt, wirklich interessante Fragen, lieben Dank! Aber auch Deine Antworten: Ebenfalls dito zu meinen Vorrednern, Deine Nachhaltigkeitsantwort kann ich so sehr nachvollziehen! Und die Berufswünsche Deiner Kinder sind übrigens einfach phänomenal! :D
    LG /inka

    1. Danke, Inka! Ich würde supergerne deine Antworten auf meine Fragen lesen, kann’s aber auch nachvollziehen, wenn du keine Lust dazu hast. Ich hab ganz schön unterschätzt, wie lange ich daran gesessen habe, mit allem drum und dran.

  3. Interessante Fragen und spannende Antworten. Dir kann ich mein ebenfalls zugeworfenes Blogstöckchen ja nun leider nicht mehr reichen. Und die Jobwünsche Deiner Kids sind der Hit. Bei uns reicht es gerade mal für Müllmann beim Kleinen und Astronaut beim Großen ;). GlG und schöne Weihnachten, Nadine

    1. Ja, wenn du’s nicht schon gehabt hättest, hättest du von mir selbstverständlich auch ein Stöckchen gekriegt. Aber so warte ich fein ab, was du auf dieselben Fragen antwortest… ;) Müllmann stand, glaube ich, vor ein paar Jahren auch mal auf Janis‘ Wunschzettel, und Silas will seinen Lichtgeschwindigkeitsantrieb freilich auch selbst testen…

  4. Liebe Lena und Familie

    Sehr schönes Interview mit sehr schön gesprochenen (oft auch mir aus dem Herzen) Antworten. Das werd ich jetzt grad weiterteilen. Vielen Dank auch für dein Stöckchen, das hat mich nicht nur gefreut, sondern auch geehrt. Da ich in wenigen Tagen mein berufsbegleitendes Studium zur Primarlehrerin beginne, herrscht bei mir schon seit ein paar Wochen grobe Zeitknappheit (vielleicht schon seit ein paar Jahren, wenn ich jetzt darüber nachdenke ;-)…). Ich werde mich einfach geehrt fühlen und das Stöckchen im Moment auf die Seite legen. Irgendwann wird der richtige Zeitpunkt zum Beantworten kommen.

    In der Zwischenzeit wünsche ich euch eine gute Reise! Glg Nadine

    1. Oh, na dann alles Gute fürs Studium! Wahrscheinlich kommt der Drang, das Stöckchen rauszukramen, pünktlich zur ersten Klausurenzeit über dich. ;) (Oder vielleicht schließe ich auch wieder nur von mir auf andere…)

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