Horizonterweiterung (in Kaunas, Litauen)

Couchsurfing in Litauen.

Mittwoch, 25. Juli 2012
Wir couchsurfen bei Giedre und Linas und ihren Kindern Rytis, Laimas und Migle. Sie wohnen in einer Ferienhaussiedlung, die unser Navi nicht kennt und die wir eher durch Zufall gefunden haben, als wir in Ermangelung von Alternativen über diesen ungeteerten Waldweg gefahren sind. Das Haus hat ein sehr witziges Layout. Es gibt ein offenes Wohnkochschlafzimmer. Das Elternbett unten haben wir bekommen. Ein Kind schläft in der Besucherritze, das andere auf dem Sofa. Das klappt gut.

The lovely house of our couchsurfers near Kaunas, Lithuania.
The lovely house of our couchsurfers near Kaunas, Lithuania.

Wir kamen gestern erst spät an, die Familie hatte schon gegessen. Es gab eine traditionelle Rote-Beete-Suppe, die sehr gut schmeckte, obwohl ich Rote Beete sonst nicht mag. Den Kindern schmeckte sie allerdings nicht, womit sie auch nicht hinterm Berg hielten, so dass ein kurzer Auffrischungskurs in Sachen allgemeiner Höflichkeit fällig wurde. Der trug heute Morgen dann auch gleich Früchte, als es ihnen gelang, die uns als Porige verkaufte Buchweizengrütze mit einem freundlichen „no, thank you“ abzulehnen. Ich war sehr stolz auf sie, denn das Zeug war schon eine ziemliche Heruasforderung: mit Wasser angerührt, ungezuckert und gesalzen. Heute Abend werden wir uns mit Käsespätzlen revanchieren.

Die litauische Sprache ist so völlig anders als alles, was ich kenne. Polnisch kann ich auch nicht, aber da hat man ja wenigstens einzelne Wörter schon mal gehört. Litauisch hat einfach überhaupt nichts Bekanntes, nicht mal Lehnwörter habe ich gehört. Giedre sagt, Litauisch und Lettisch seien die ältesten Sprachen Europas und mit dem Sanskrit verwandt. Sie hat mir auch erklärt, was ihre Vornamen bedeuten – es sind ganz normale Worte aus der Alltagssprache. Linas bedeutet Flachs (dessen Verarbeitung hier eine große Tradition hat), Giedre so viel wie „strahlender Morgen“. Bei den Kindern bin ich mir nicht mehr ganz sicher. Ich meine, Rytis heißt „Mitternacht“, weil er um die Uhrzeit geboren ist, Laimas „Herbst“ und Migle „Wolke“ oder so.

Janis playing on the "road" of the settlement down the drive of our hosts.
Janis playing on the „road“ of the settlement down the drive of our hosts.

 

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.

 

2 Gedanken zu „Horizonterweiterung (in Kaunas, Litauen)“

  1. Hallo family4travel ,
    die Rote – Beete – Suppe heißt Saltibarsciai ( sprich : Schaltibarschi ) .
    Eine traditionelle kalte Sommersuppe für heiße Tage , gereicht mit warmen Kartoffeln .
    Ein Gedicht ! Käsespätzle als Revanche – auch nicht schlecht .

    Für die litauischen Vornamen habe ich folgende Bedeutungen :
    Linas – der Leinen ( ist Flachs , ich weiß , trifft es aber besser : Leinen -> Linnen -> Linas )
    Rytis – der Morgen ( von litauisch : der Morgen )
    Migle – der Nebel ( Nebelwolke )
    Laimis ( nicht : Laimas ) – das Glück
    Giedre – klarer Himmel / sonnig

    Lehnwörter gibt es im Litauischen jede Menge . Bleibt bei der Historie auch nicht aus . Es gibt auch viele deutsche Lehnwörter :
    Fejerverkas , Buhalteris , Butterbrodas , Schlagbaumas , Fachverkas , Landsaftas
    ( Landschaftas gesprochen ) , Grafas , Sporto Hale , Sale ( Saal ) .
    Aus anderen Sprachen :
    Tualetas , Popierus , Futbolas , Inzinierius , Autobusas , Masina ( Maschina gesprochen ) , Autostrada ( für Autobahn ) , Rakete ( komischerweise im Litauischen auch Bedeutung für Schläger z . B . Badmintono rakete ) fallen mir jetzt spontan ein .

    Die Ferienhaussiedlung war eher eine Gartensiedlung . Sehr populär + heißbegehrt in LT . Die Häuser sind so konzipiert , daß man ein Wochenende dort schön verbringen kann . Die Gärten sind größer als bei unseren Schrebergärten . 600 qm2 und mehr . Einige Familien leben auch dort in diesen Gartensiedlungen , die typischerweise 10 – 30 km von der Stadt entfernt sind , dann aber in besser ausgebauten Häuschen ( winterfest ) .

    Iki ,

    STEF

    1. Vielen Dank für die Ergänzung. Ich glaube, autostrada ist uns tatsächlich untergekommen als Wort. Von Buchhaltern und Butterbroten handelten zufällig keine Texte oder Schilder, die wir während unseres zweitägigen Litauen-Aufenthalts zu Gesicht gekriegt haben.

      Ich glaube schon, dass alle Nachbarhäuser in dieser Gartensiedlung permanent bewohnt waren. Aber ursprünglich waren es Wochenendhäuser, genau, das hat uns Giedre auch erzählt.

      Viele Grüße,
      Lena

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