Gespensterwald und Babykugeln (in Nienhagen, Deutschland)

Nach unserem ausgiebigen Badestopp fuhren wir Richtung Nienhagen durch den Gespensterwald. Die Jungs pesten die weichen Waldwege entlang, die sich immer wieder verzweigen und im Grünen verschwinden.

The "Wood of Ghosts" right next to the cliff got its name by the storm-bent beech trees.
The „Wood of Ghosts“ right next to the cliff got its name by the storm-bent beech trees.

Wir Großen bewunderten den windgepeitschten Wuchs der Buchen, der dem Waldstück seinen Namen verliehen hat. Von den Steilklippen aus sahen wir den Segelbooten zu, die malerisch auf den Wellen schaukelten.

Here you can find some solitude even in high season.
Here you can find some solitude even in high season.

Nienhagen hat den Schritt zum Urlaubsort schon vor Börgerende vollzogen. Zwar liegt es an der Steilküste, aber der neue Strandaufgang ist kinderwagen- und behindertengerecht und sieht sogar schick aus. Ich war schon lange nicht mehr unten und kann über die direkte Strandqualität nichts sagen. Das gehäufte Menschenaufkommen im Wasser lässt jedoch darauf schließen, dass die Parameter stimmen.

Nienhagen is a down-to-earth seaside resort. A board walk leads down the cliff.
Nienhagen is a down-to-earth seaside resort. A board walk leads down the cliff.

Das Eiscafé Merci ist unserer Meinung nach das beste im Umkreis. Es liegt ein ganzes Stück vom Strand weg, und die meisten Naschkatzen lassen sich schon von diversen Buden und Straßenverkäufern abspeisen. Es lohnt sich aber durchzuhalten. Es gibt nicht viele Tische und das Ambiente ist eher bodenständig, aber mit etwas Glück lässt sich auf der Terrasse ein Tisch mit Strandkorb ergattern. Die Eiskugeln gibt es in verschiedenen Größen, und es gibt auch mehr als Eis. Mein Papa schwört auf die Schokolade Dante (eher schon ein Cocktail als eine Kaffeespezialität), und wer kein Eis mag, kann auch einen Teller Suppe löffeln. Ich selbst schwärme für die „kleine Nascherei“: fünf Babykugeln abenteuerlichster Sorten mit Eierlikör, gebrannten Mandelsplittern ohne Sahne. Genau die richtige Menge und mit drei Euro ein super Preis-Leistungs-Verhältnis.

Auf dem Rückweg pflückten wir noch einen opulenten Wiesenblumenstrauß für unser ebenso opulentes Strandpicknick.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 26. Juli 2013 verfasst.

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.

Beeindruckende Kletterpartien – von uns und den Preisen (in Kühlungsborn, Deutschland)

Wo so viele Urlauber zusammenkommen, klettern die Preise erwartungsgemäß in astronomische Höhen. Entsprechend schlugen wir hinten lang über, als wir uns in der Warteschlange des Kletterwalds so weit vorgearbeitet hatten, dass wir die aktuelle Preistafel erkennen konnten. Eine Familienkarte (zwei Erwachsene, zwei Kinder) kostet derzeit 62 Euro. In unserem drei Jahre alten Flyer war von 44 Euro die Rede gewesen. Die meisten Wertsachen hatten wir im Auto gelassen (da Taschen und Rucksäcke quasi-öffentlich und ohne Haftung außen ans Kassenhäuschen gehängt werden), und so joggte ich die 300 Meter zum Parkplatz zurück und wieder her, um noch einen Zehner nachlöhnen zu dürfen. Wir waren nicht die einzigen, denen das so erging. Und obwohl es mich natürlich ärgert, als Feriengast dermaßen geschröpft zu werden, muss ich das junge Kassenpersonal loben, das bei allen Schockäußerungen geduldig und verständnisvoll reagierte. Während ich den Geldnachschub besorgte, wurden Anna und die Jungs schon mit Klettergurt und Handschuhen ausgestattet und hörten sich die Sicherheitseinweisung an. Beim zweiten Mal durfte ich mich problemlos vorne anstellen, und so rann uns nicht allzu viel unserer kostbaren Parkzeit durch die Finger.

There are seven different ropes courses in the adventure climbing park of Kühlungsborn. The easiest is suitable for five-year-olds. The photo was taken on the second parcours where you have to be at least 1,25 m high.
There are seven different ropes courses in the adventure climbing park of Kühlungsborn. The easiest is suitable for five-year-olds. The photo was taken on the second parcours where you have to be at least 1,25 m high.

Die Anlage in Kühlungsborn ist der einzige Kletterpark, in dem ich bisher gewesen bin (das allerdings schon drei Mal jetzt). Vergleichswerte habe ich also keine, und so kann ich nur sagen, dass es durchaus ein großes Vergnügen ist, hier auf den verschiedensten Seil-Hindernis-Elementen durch die Baumwipfel des Küstenwalds zu klettern. Insgesamt sieben Pfade stehen zur Auswahl. Kinder ab fünf Jahren dürfen mit dem „Kids-Parcours“ wenige Meter über dem Boden starten. Für Strecke Nummer zwei („Training“) sollte man schon 1,25 messen, und der macht auch schon Erwachsenen Spaß. Der dritte Pfad („Spaß“) ist ab 1,35 Metern Körpergröße ausgeschrieben. Silas fehlte eine gute Handbreit, trotzdem hat er ihn fast problemlos bewältigt. Allerdings brauchte er an einigen Stellen meine Hilfe, da er nicht an die vorgesehenen Ösen reichte, um seine Sicherheitsseile einzuhaken. Auf Parcours Nummer vier („Aktion“) kommt man um die erforderlichen 1,35 Meter hingegen nicht mehr drum herum, weil die Halteseile entsprechend hoch hängen und die Schrittlänge groß genug sein muss. Generell würde ich das Klettern als Familien-Event nur empfehlen, wenn der oder die Kleinste etwa 1,30 Meter misst und über einige Unerschrockenheit verfügt.

Brave kids of 1,25 m can manage track number 3 if a grown-up helps them fasten the security hooks way over their heads.
Brave kids of 1,25 m can manage track number 3 if a grown-up helps them fasten the security hooks way over their heads.

Ansonsten ist es auch möglich, für entsprechend weniger Eintrittsgeld den Kindern das Vergnügen auf den kleinen Strecken zu gönnen und als Eltern mit dem Fotoapparat zu folgen. Oder ein banges Familienmitglied am Boden mit der Aufsichtspflicht für die Kleinen zurücklassen, damit man selbst auch die herausfordernderen Kletterpfade ausprobieren kann. Bis zum Sechser („Fitness“) habe ich es vor ein paar Jahren mal gebracht, und trotz meiner signifikanten Höhenangst macht das höllisch viel Spaß. Spätestens der schwierigste Parcours („Risiko“) erfordert allerdings ernsthaft Kraft, vor allem in den Armen. Dafür warten hier auch Kuriositäten wie Seil-Surfen und Fahrradfahren auf einem schmalen Holzsteg in 10 Metern Höhe.

For course number 4 you do need to be at least 1,35 m, else you won't be able to hold on to the ropes.
For course number 4 you do need to be at least 1,35 m, else you won’t be able to hold on to the ropes.

Zweieinhalb Stunden beträgt die Nutzungsdauer, die man für den stattlichen Eintrittspreis erwirbt. Im ersten Moment löst diese Restriktion vielleicht ein Kopfschütteln aus: So viel zahlen, und dann nicht mal so lange bleiben dürfen, wie man will. Zweieinhalb Stunden reichen allerdings durchaus hin, um sämtliche Muskeln in einem untrainierten Körper so zu beanspruchen, dass die Arme zittern und die Handflächen trotz Handschuhen zu schmerzen beginnen.

Nach gut zwei Stunden reichte ich freiwillig als erste mein Geschirr zurück (Anna und Janis vergnügten sich noch auf Parcours Nummer vier, Silas war zwei Mal mit mir Nummer drei geklettert und wollte sich noch einen Abschluss auf dem zweiten gönnen). Da inzwischen die Sonne schien und das Mittagstief herrschte, gab es tatsächlich gerade keine Schlange. Der freundliche Kletterknabe fragte, ob ich Spaß gehabt hätte; ich bestätigte dies und ergänzte, dass ich das nächste Mal garantiert wieder außerhalb der Saison käme. Witzigerweise wirkt es oft Wunder, sich als (Semi-)Einheimische zu erkennen zu geben. So kamen wir ins Gespräch, und er erzählte mir, dass die drastische Preiserhöhung der einzige Weg sei, den Warteschlangen halbwegs Herr zu werden. Selbst so hatten sie an diesem Tag zeitweise keine Geschirre mehr zu vergeben, und gerade in den unteren Kletterstrecken verbrachten die Leute an jedem Element mehr Zeit mit Warten als mit Klettern. Und klar: Solange so viele Menschen zahlen, ist die Schmerzgrenze noch nicht erreicht. (Ich werde allerdings erst wiederkommen, wenn entweder die Kinder nicht da sind und ich mich an die höheren Pfade wagen darf, oder die Jungs selbst groß genug dafür geworden sind – und ich die Höhe des Eintrittspreises vergessen habe.)

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 26. Juli 2013 verfasst.

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Gammeltag mit „Kompromissnick“ (in Rethwisch-Börgerende, Deutschland)

Es ist dann gestern doch auf einen Gammeltag hinausgelaufen. Wir haben das Planschbecken aufgebaut, und unser sorgsam vorbereitetes Picknick haben wir auf der Sonnenterrasse im hinteren Teil des Gartens abgehalten – ein Kompromissnick. Immerhin gab es selbstgebackene Kekse und den Rest selbstgebackenes Weißbrot vom Frühstück. Den Knust konnten wir bequemerweise gleich als Stein benutzen…

Almost as nice as on the beach: after some tiredness-related troubles we decided to have our picknick just on the patio.
Almost as nice as on the beach: after some tiredness-related troubles we decided to have our picknick just on the patio.

Heute am frühen Morgen hat es geregnet, und auch jetzt sieht das Wetter unbeständig aus. Nach drei Tagen Sommerhitze ist das verzeihlich. Wir müssen nur überlegen, was wir machen. Immerhin werden die Touristenscharen, die normalerweise der Ostseestrand bindet, heute auch alle unterwegs sein. Ich wette, auf Karl’s Erdbeerhof kriegt heute niemand ein Bein an die Erde, und auch der Rostocker Zoo wird sich heute endlich über Besuchermassen freuen können. Da wir diesmal hauptsächlich Anna von der Schönheit der Gegend überzeugen wollen, stehen beide Kinderparadiese nicht zur Diskussion, ebenso wenig wie der Pandino Indoor-Spielplatz in Bargeshagen.

Oh, und große Freude bereitet der Besuch, den wir über Nacht bekommen haben: zwei Frösche sind im Planschbecken eingezogen.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 25. Juli 2013 verfasst.

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Warum in die Ferne schweifen… (in Rethwisch-Börgerende, Deutschland)

…wenn der Silas heult so nah… Eigentlich hatten wir für heute einen straffen Ausflugsplan durchorganisiert: Wir wollten mit dem Fahrrad fahren, mittags unterwegs am Strand picknicken und bis nach Warnemünde radeln (ca. 17 km eine Strecke). Dort wollten wir ein bisschen am Alten Strom bummeln, uns dazu beglückwünschen, kein Teil der Mallorca-artigen Strandbestückung zu sein, und uns mit Zwischenstopp an der Eisdiele in Nienhagen wieder auf den Heimweg machen.

Stattdessen forderte schon wenige Kilometer nach dem Start (ungefähr zwei…) der unsolide Lebenswandel der Jungs seinen Tribut. Silas rutschte von den Pedalen ab, stürzte, kam zwar ziemlich unverletzt wieder auf die Füße, aber beschloss von da an, dass alles furchtbar sei und er nur noch nach Hause wolle. Kein Zureden half, und als er sich allzu bereitwillig auf meine Drohung einließ, dass er zu Hause keineswegs spielen dürfe, sondern sich ins Bett legen müsse, sah ich ein, dass mein armes Kind wohl schlichtweg zu erledigt für eine weite Fahrradtour war. Alleine wollten Anna und Janis den Ausflug auch nicht machen, und so verlegten sie sich auf eine gründliche Besichtigung von Börgerende, während Silas und ich den Heimweg antraten. Zurück im Ferienhaus schlich Silas tatsächlich ohne zu murren ins Bett (in meins natürlich, aber es sei ihm gegönnt), und ich leg jetzt ein bisschen die Füße hoch und genieße die sturmfreie Bude.

Just enjoying the piece of the small garden in my parents' summer house.
Just enjoying the piece of the small garden in my parents‘ summer house.

Anna und Janis gucken sich wahrscheinlich ein paar Pferde im Börgerender Reitcamp an. Außerdem gibt es vorne am Wasser noch einen Haufen neuer, schicker Ferienapartments, und auch ein paar urlaubstypische Geschäfte inklusive Eisdiele sind aus dem Boden gestampft worden. Am Campingplatz gibt es einen sehr netten öffentlichen Spielplatz, und in der Ortsmitte bei der Minigolfanlage einen zweiten. So ein, zwei Stündchen werden die beiden sich dort wohl beschäftigen können. Mal sehen, was wir dann für ein Nachmittagsprogramm aus dem Hut zaubern, wenn Silas ausgeschlafen hat.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 24. Juli 2013 verfasst.

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Kunst, Kommerz und komische Käuze (in Glashagen, Deutschland)

Heute ließen wir es eher ruhig angehen. Einziger Punkt auf der Agenda war ein Ausflug ins Quellental. Ich war seit drei Jahren nicht dort gewesen und mir nicht mehr hundertprozentig sicher, wo es zu finden war. Auf die Schnelle fand ich keine Flyer, das mobile Internet hier im Ferienhaus ist sehr mau, und so diente uns das schnell als Ausrede, heute mit dem Auto zu fahren.

In der Tat kostete es mich einige Gurkerei, aber schließlich machte ich die gut ausgeschilderte Abzweigung hinter Bad Doberan landeinwärts ausfindig. Rund vier Kilometer vom Ort entfernt hat sich hier eine Künstlersiedlung entwickelt. Vom Parkplatz aus ist es noch eine kleine Strecke, die zuerst an der „HofGalerie Glashagen“ vorbeiführt, wo einzigartige Terrassenmöbel aus (Südsee-)Treibholz gefertigt werden. Ein gutes Stück weiter hinten bieten eine Töpferwerkstadt und eine Glasbläserei ihre Waren an. Zum ersten Mal hier war ich vor 15 Jahren, als die freischaffenden Künstler noch froh waren über jeden Urlauber, der sich in ihre Werkstätten verirrte. Inzwischen hat längst die Kommerzialisierung um sich gegriffen, und vom sich ausbreitenden Touristenpack zeigt man sich zunehmend genervt, während die Ausstellungsfläche Stück für Stück erweitert wird.

Back in the middle ages there were always glassblowers in Glashagen, naming the place. There were none for most of the 20th century, but now you can watch them performing their craft in their workshop.
Back in the middle ages there were always glassblowers in Glashagen, naming the place. There were none for most of the 20th century, but now you can watch them performing their craft in their workshop.

Handwerklich sind beide Fertigungsstätten durchaus interessant. In der Töpferei entsteht vor allem rustikal-abstrakte Gebrauchskeramik mit künstlerischem Mehrwert, deren Stil man mögen muss. Die Preise sind hier wie dort verständlicherweise durch die Decke gegangen in den vergangen eineinhalb Jahrzehnten. Hauptsehenswürdigkeit ist der Skulpturengarten hinter der Töpferwerkstatt. Über 40 Künstler stellen hier auf einem verwunschen-verwilderten Areal von 1,5 Hektar ihre Werke aus. Dazwischen hoppeln ein paar Haasen, und Schafe gibt es, glaube ich, auch noch. Höhepunkt ist der selbstgebaute Steinkreis, an dem auch regelmäßig esoterisch angehauchte Heilungsrituale abgehalten werden. 2010 war ich zuletzt dort, und es war schon ein durchaus netter Spaziergang. Damals kostete der Eintritt aber auch noch drei Euro pro Person. Das fand ich schon grenzwertig. Inzwischen sind es fünf.

Next to the glassblowers' workshop there is a beautiful garden displaying pieces of their work - you will be asked to leave though if you sit on the grass and talk.
Next to the glassblowers‘ workshop there is a beautiful garden displaying pieces of their work – you will be asked to leave though if you sit on the grass and talk.

Die sparten wir uns und gingen nach nebenan in die Glasbläserei. Auch dort gibt es einen Garten, der öffentlich zugänglich und eintrittsfrei ist. Natürlich ist er wesentlich kleiner, und die hauptsächlich (aber nicht ausschließlich) gläserne Gartenkunst ist schnell besichtigt. Im Inneren der Werkstatt arbeitete ein Künstler mit seiner Schülerin gerade an einer der Birnen, für die die Glashütte bekannt ist. Die Jungs schauten den beiden fasziniert bei der Arbeit zu. Besonders Janis begeisterte sich derart für das hitzeträchtige Handwerk, dass ich ihm schließlich noch zehn Minuten Ofenkino zugestand, während wir drei anderen uns in die kaum weniger heiße Sommerwärme nach draußen zurückzogen. Da die einzige Bank im Garten von anderen Besuchern besetzt war, suchten wir uns ein schattiges Plätzchen auf dem Rasen. Gerade hatte ich Anna zu erzählen begonnen, dass Janis in der Schule kürzlich bei einem Glasbläser-Projekt selbst eine Rosenkugel fertigen durfte, als hinter der Hecke ein Mann auftauchte (dem Gebaren nach der Besitzer), der uns wenig freundlich bat, unser „störendes Gebrabbel“ doch woanders abzuhalten, da er hier mit dem Erweiterungsbau beschäftigt sei. Entsprechend ernüchtert verließen wir diesen Traum-Ort meiner Jugend.

A nice walk through the spring velley leads to sais spring of mineral water that today is bottled and sold in Bad Doberan.
A nice walk through the spring velley leads to sais spring of mineral water that today is bottled and sold in Bad Doberan.

Einen netten Spaziergang durch das Quellental machen wir dann aber doch noch. Direkt am Parkplatz beginnt der Pfad, der bis zum historischen Quellen-Tempel führt. Schon die Mönche aus dem Münster holten hier ihr Wasser. Seit 1906 wird das Glashäger Mineralwasser gewonnen, das heute allerdings zur Abfüllung bis Bad Doberan gepumpt wird.

The "temple" for the spring was built in the 19th century when the posh vacation guests of Bad Doberan needed a romantic place for an outing.
The „temple“ for the spring was built in the 19th century when the posh vacation guests of Bad Doberan needed a romantic place for an outing.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 24. Juli 2013 verfasst.

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Ein perfekter Tag an einem fast perfekten Strand (in Heiligendamm, Deutschland)

Die Jungs drängelten, dass sie zum Strand wollten. Bei diesem herrlichen Sommerwetter wäre alles andere auch eine Sünde gewesen. Wir bepackten unsere Fahrräder – wie LANGE es auch mit Grundschulkindern immer noch dauert, bis man loskommt! – und fuhren Richtung Wasser. Diesmal hatten wir ein noch weiter entferntes Strandstück ins Auge gefasst, das uns bei unserer ersten Fahrrad-Erkundung gestern aufgefallen war.

Lovely beach close to Heiligendamm in the early evening.
Lovely beach close to Heiligendamm in the early evening.

Auf der anderen Seite von Heiligendamm, Richtung Kühlungsborn, geht es an der Meridian-Klinik vorbei zum sogenannten Kinderstrand. Prinzipiell finde ich die um sich greifende Ghettoisierung von Familien ja die Höhe. Aussätzige, Kinder und andere gesellschaftliche Belastungen jenseits der Zumutungsgrenze. Folgerichtig ist der Kinderstrand in Heiligendamm auch noch weiter außerhalb als der Hundestrand, der sich Richtung Strandpromenade unmittelbar anschließt (aber zugegebenerweise steiniger ist als der Kinderstrand). In der Praxis lassen sich die Familien zum Glück keineswegs vom Hauptstrand wegghettoisieren, und niemand verlangt das ernsthaft von ihnen. Und dieser Kinderstrand hat tatsächliche Vorteile. Die Steilküste spendet bis zum frühen Nachmittag Schatten. Es gibt keine Buhnen, die die Kleinen zum Klettern (und Abrutschen) verführen, und trotzdem besteht der Strand ordnungsgemäß aus feinem Sand.

It's not called "children's beach" for nothing: kids have lots of fun with the little brook running over the beach and inspiring little constructors.
It’s not called „children’s beach“ for nothing: kids have lots of fun with the little brook running over the beach and inspiring little constructors.

Was meine Jungs aber in größtes Entzücken versetzte, war der kleine Bach, der an dieser Stelle in das Meer mündet. Oder münden würde, wenn nicht 15 bis 20 kleine Bauingenieure geschäftig Abläufe in unterschiedliche Richtungen leiten würden, wobei sie sich freilich immer wieder gegenseitig das Wasser abgraben. Als wir ankamen, hatte sich einem Stausee gleich ein größerer Pfuhl gebildet, in den sich Janis und Silas sogleich in größter Begeisterung stürzten. Gemeinsam mit einem netten Opa, dessen Enkelkinder zu seinem Frust schon so groß waren, dass sie nur noch Handy-Daddelnd in der Strandmuschel hockten, nahmen meine Jungs schließlich ein Großprojekt in Angriff und schufen einen mäandernden Bachlauf. Immer mehr Kinder schlossen sich der Sache an, und stolz wie Oskar stieg Janis als einer der Älteren zum Brigadeführer auf.

The only downside of this beach: the water does not look overly inviting, colourwise.
The only downside of this beach: the water does not look overly inviting, colourwise.

Den größten Nachteil der Örtlichkeit bemerkten wir erst ein gutes Stück später, da die Jungs mit dem Bach beschäftigt waren und Anna und ich sowieso bloß unsere Beine in die Sonne halten und ein paar Seiten lesen wollten: Das Meer sah an dieser Stelle nicht besonders lecker aus. In der kleinen Bucht sammelten sich offenbar die Algen, und zwar nicht (nur) diese gemüsige Sorte. Das Wasser wirkte ziemlich unappetitlich, brackig, schlammig, und nur die Tapfersten trauten sich durch die zum Glück schmale Gulaschsuppenzone, hinter der das klare Wasser begann.

Als größter Vorteil hingegen entpuppte sich die Strandbar, die direkt an der Treppe zum Meer hinunter oben auf der Steilklippe thront. Der Deck Beach Club versteht sich als niveauvolle Strand-Lounge, und entsprechend gestaltet sich die rechte Spalte der Getränkekarte. Aber mit 3,10 Euro gilt der Cappuccino in meinem privaten Universum noch als bezahlbar (auch wenn man ihn sich an der Bar selbst holen muss, was sich in den henkellosen Bechern ohne Untertasse leicht schmerzhaft gestaltet). Und der Location-Mehrwert ist einfach der Hammer: Von der Terrasse geht der Blick direkt aufs Meer, während links und rechts die windgebeugten Gespensterbuchen Schatten spenden. Und bei der Auswahl der Tische, Stühle, Sofas und Unmengen Kissen hat sich ganz offensichtlich ein Profi Gedanken gemacht, wie sich mit einfachen Mitteln maximales Urlaubsgefühl destillieren lässt. Einfach herrlich! Es war das erste Mal, dass ich über dieses Etablissement gestolpert bin, und wir waren wirklich begeistert. Der Vergleich mit der Sylter Sansibar drängt sich auf, und wenigstens in meinen Augen gewinnt der Beach Club.

The greatest beach bar, unfortunately not well photographed. You can watch the sea from there, and down some stairs your kids have fun re-directing the little brook.
The greatest beach bar, unfortunately not well photographed. You can watch the sea from there, and down some stairs your kids have fun re-directing the little brook.

So verbrachten Anna und ich selige eineinhalb Stunden mit einem Sanddorn-Cocktail auf dieser schmucken Terrasse, während die Jungs unten fleißig den Bachlauf regulierten. Direkt sehen konnte ich sie von dort oben nicht, aber wenn ich alle zehn Minuten die Treppe runterlief, bedeuteten sie mir jedes Mal schon von weitem, dass ich mich ruhig wieder verziehen könne. Herrlich, wenn die Kinder größer werden…

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 23. Juli 2013 verfasst.

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.

Das Reiseblog für abenteuerlustige Familien.