Einfach [und] lecker (in Masuren, Polen)

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The Dadaj lake in Masuria, Poland, close to our hotel with simple conditions but nice staff and a beautiful view.

Montag, 23. Juli 2012
Vormittags
Ich sitze in der Sonne am Ufer des Jezioro Dadaj, des Sees, an dem unser Hotel liegt.
Alles hier ist einfach, aber schön und ursprünglich. Unser Zimmer ist in hübschen, modernen Farben gestrichen, aber der Teppich hat schon bessere Zeiten hinter sich. Auf der Bettwäsche prangen Schäfchen – zumindest auf der, die nicht schreiend pink ist.

Die Handtücher sind ebenfalls zusammengestoppelt und die Laken, die wir selbst aufziehen mussten, hatten alle unterschiedliche Größen (und eines passte hinten und vorne nicht). Dafür ist es sehr günstig, das Frühstück war lecker und das Personal ist überaus freundlich und strapaziert bereitwillig seine dürftigen Englischkenntnisse. Für die Kinder gibt es ein Trampolin auf dem Rasen und mehrere Tretfahrzeuge. Für großes Entzücken sorgen ein kleiner Hund, vor allem aber eine Katze mit drei Jungen.

Heute wollen wir einen ruhigen Tag einlegen. Gleich fahren wir ins nächste Städtchen namens Biscupiec, um noch einmal Geld abzuheben (das Hotel nimmt keine ec-Karte). Dann wollen wir ein bisschen Spazieren gehen und abends wieder im Hotel essen. Das haben wir gestern Abend auch schon getan. Es gab leckeren gebratenen Fisch – ich weiß nicht, welche Sorte, er war klein und im Ganzen belassen. Für die Jungs sorgte der Anblick der glasigen Augen und toten Flossen für sehr unterschiedliche Reaktionen. Während Silas sich rundheraus weigerte, den Fisch auch nur zu probieren, entgrätete Janis den Toten mit großem Ernst und verputzte sorgfältig jedes Fitzelchen, damit er nicht umsonst gestorben wäre.

 

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.

Von Schlangen und Drachen (in Torun, Polen)

Mittags
Wir sitzen auf einer Restaurant-Terrasse in einem Laden namens Torun ta tu und warten auf unser Essen (schon fast eine Stunde…). Wir haben eine lange Tafel zusammengestellt, damit wir, die Couchsurfer und deren Großeltern alle dran passen. Vor uns stehen immer noch die halbleeren Gläser unserer Vorgänger, genau wie die abgegessenenTeller. Mit Mühe können wir die hungrigen Kinder davon abhalten, sich über die Reste herzumachen. Die Bedienung hegt keine gesteigerte Arbeitsbereitschaft und hat uns schon bei der Bestellung mit schweren Seufzern zu verstehen gegeben, dass sie englischsprachige Kundschaft für eine Zumutung hält.

Soup in a bread bowl is typical for Torun.
Soup in a bread bowl is typical for Torun.

Torun selbst aber ist außerordentlich hübsch. An jeder Ecke begegnet einem hier Kopernikus, der in dieser Stadt geboren wurde. Gegründet wurde sie vor rund 700 Jahren vom Deutschritterorden. Bisher haben wir nur die Fußgängerzone gesehen. Wenn das Essen nicht bald kommt, wird sich daran auch nicht mehr viel ändern, denn vor uns liegen noch vier Stunden Fahrt bis Masuren.

Torun market place.
Torun market square.

Abends
Ein bisschen was haben wir dann doch noch gesehen von Torun, wenn auch längst nicht alles. Hauptsächlich haben wir gewartet. Erst auf das Essen, das dann übrigens auch noch falsch ausgeliefert wurde, dafür aber für uns vier auch nur 15 Euro kostete. Dann in der Schlange des Lebkuchenladens (keine Selbstbedienung), denn Tomek riet uns zum Kauf dieser Toruner Spezialitäten, die eigentlich genauso schmecken wie deutsches Weihnachtsgebäck. Und dann warteten wir noch mal in der Schlange vor der Eisdiele, wo wir uns und unseren Gastgebern eine große Tüte Softeis gönnten.

Torun is an amazingly beautiful town full of historic buildings.
Torun is an amazingly beautiful town full of historic buildings.

Dann haben wir uns noch kurz eine Kirche angesehen, in der der seliggesprochene Stefan Wincenty Frelichowski verehrt wurde – der Schutzpatron der Pfadfinder. Vor dem zweiten Weltkrieg war er der Priester der Gemeinde und Führer der Pfadfinder in Pommern. Ich hab nicht so wirklich herausgefunden, wie genau es dazu kam, aber er starb jedenfalls in Dachau im KZ, und heute ist ihm eine große Stele mit Kapelle in der Altstadt-Kirche von Torun geweiht.

Und einige Drachen haben wir auch noch gesehen. Die Kameraden aus Keramik oder Metall erinnerten an das Untier, das im Jahr 1746 zwei Toruner Bürger nach amtlicher Aussage unabhängig voneinander gesehen haben. Ein Zimmermeister und die Frau eines Soldaten beschrieben eine etwa zwei Meter lange Kreatur mit glänzender, dunkelgrüner oder brauner Haut und vier Beinen. Sie sei im Bach geschwommen und schließlich Richtung Festung davon geflogen.

Dragon-spotting in Torun is a favourite pass-time since the 18th century.
Dragon-spotting in Torun is a favourite pass-time since the 18th century.

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Kartoffeln und Koloss-Kakerlaken (in Poznan, Polen)

Sonntag, 22. Juli 2012
Nach der Zugfahrt waren wir gestern in einem Kartoffelhaus. Offenbar ist Poznan so bekannt für seinen Kartoffelanbau, dass die Stadtbewohner im Rest des Landes damit aufgezogen werden. Zumindest hat Tomek uns das erzählt. Bei dem Kartoffelhaus handelte es sich um eine Art Schnellrestaurant mit Selbstbedienung. Wir saßen nett im Innenhof. Unsere Kinder hatten Kartoffelpfannkuchen, Martin einen interessanten Kartoffelsalat, ich Pellkartoffeln mit einem regionaltypischen Kräuterfrischkäse – war superlecker. Zu viert sind wir gut satt geworden und haben inklusive Getränke 16 Euro dafür bezahlt.

Giant insects in a park in Poznan.
Giant insects in a park in Poznan.

Danach haben die Kinder gemeinsam auf einem kleinen Spielplatz gespielt und wir Eltern haben geklönt. Später haben wir uns noch einen Park angeguckt, in dem Rieseninsekten ausgestellt waren. Daneben stand ein neues, sehr modernes Einkaufszentrum. Dort haben wir auch noch einiges eingekauft. Es war schon deutlich günstiger im polnischen Supermarkt, obwohl wir in einer Art Luxus-Laden gelandet sind, mit bemannter Obsttheke und großer Delikatessabteilung im Marktstand-Look. Nur die Bio-Eier waren noch teurer als zu Hause.

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The entrance to one of the most modern shopping malls of Poland.

Wieder bei unseren Couchsurfern haben wir mit Tomeks Hilfe gekocht, während die Kinder oben gespielt haben. Tomek scheint hier der Hausmann zu sein, zumindest in der Küche. Er arbeitet als Web-Administrator bei einer Logistikfirma. Gosia ist in der Marketingabteilung tätig. Sie kümmert sich morgens um die Kinder und fährt zur Arbeit, sobald die in der Schule sind. Tomek fängt schon um sechs Uhr an zu arbeiten, dann ist er um zwei fertig und rechtzeitig zu Hause, um die Kinder von der Schule abzuholen. Gosia kommt erst zum Abendessen wieder nach Hause.

Gerade fahren wir nach Torun. Unsere Couchsurfer fahren vor uns. Sie haben uns auf diesen Ausflug eingeladen, weil sie sich heute ohnehin dort mit den Großeltern treffen, die in der mittelalterlichen Stadt zur Kur sind. Torun befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Poznan und Olsztyn, in deren Nähe wir heute und morgen übernachten.

In Torun verabschieden wir uns dann auch von unseren polnischen Gastgebern. Witzig ist, dass wir dort tatsächlich zu jeder einzelnen Mahlzeit (auch beide Male zum Frühstück) Würstchen und Bigos serviert bekamen. Es war sehr schön und interessant mit ihnen.

Wir fahren auf der Landstraße (Autobahnen gibt es in Polen immer noch kaum), durchqueren viele Dörfer, und ich bleibe bei meinem ersten Eindruck, dass es in Deutschland deutlich schlimmere Ecken gibt. Mal sehen, ob es im Osten Polens unansehnlicher wird, aber noch würde ich sagen, das Hinterland von Mecklenburg-Vorpommern sieht schlimmer aus.

Einige Eigenheiten des Landes haben wir aber doch schon gesichtet. So haben Zebrastreifen hier eine andere Bedeutung: nämlich gar keine. Und es fällt auf, dass die Polen heute am Sonntag fast ausnahmslos schick herausgeputzt sind.

 

 

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Von Ziegen und Zügen (in Poznan, Polen)

Abends
Poznan hat etwa 600.000 Einwohner und steht einer deutschen Großstadt in nichts nach. Man müsste nur die Beschilderung austauschen, und schon gäbe es wenig Anhaltspunkte, dass man sich in Polen befindet. Im Gegensatz zu süd- und westeuropäischen Ländern finde ich es hier auch auffallend sauber.

menschenmasse
Poznan city hall – at noon a little door beneath the clock opens to show two fighting goats that once alarmed the residents to a nightly fire and thus safed the city – the gratitude still carries on.

Der Marktplatz ist ausgesprochen hübsch mit seinen bunten Häuschen und dem prächtigen Rathaus. Um zwölf Uhr versammelten sich dort erstaunliche Menschenmengen, um einem Türchen zuzujubeln, hinter dem zwei Blechziegen zum Vorschein kamen.

Die Legende sagt, dass im Mittelalter eines Nachts Bürger von zwei kämpfenden Ziegen geweckt wurden und daraufhin ein Feuer bemerkten, das andernfalls wahrscheinlich die Stadt zerstört hätte. Die Dankbarkeit für diese Rettung hält bis heute an, und überall in Poznan sind zwei Ziegen anzutreffen…

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Everywhere you look there are goats in Poznan.

Danach ritten Männer in alten Soldatenuniformen auf den Marktplatz und hielten eine lange Rede auf Polnisch. Tomek erklärte uns später, offenbar habe sich zwischen den Weltkriegen eine Begebenheit abgespielt, bei der besonders treue Soldaten irgendwen im Rathaus bewacht und somit Treue zu ihrem Vaterland bewiesen hätten, woran nun erinnert werden sollte. Tomek hatte vorher auch noch nicht davon gehört und war über diesen Auftritt genauso überrascht wie wir.

Wir waren zu früh da für das Ziegenwunder, und so gingen wir erst einmal in ein Museum für Musikinstrumente, das sich in einem der bunten Häuser am Marktplatz befand. Da Sonntag war, war der Eintritt frei. Die Ausstellung war riesig und ging über drei Stockwerke. Zu sehen gab es allerlei Altertümliches und Exotisches, vom Doppelflügel bis zum Zupfinstrument mit Schildkrötenpanzer. Etwas kurios fand ich, dass in diesem Musik-Museum kein einziger Ton zu hören war, jedenfalls kein musikalischer. Das Konzept war, vorsichtig ausgedrückt, sehr konservativ.

In einer barocken Kirche hörten wir ein paar Minuten der Orgel zu. Später fuhren wir etwas aus der Innenstadt raus und besichtigten Polens älteste Kathedrale auf der Dom-Insel. Hier soll die Christianisierung des Landes begonnen haben, und in der Krypta sind die ersten christlichen Herrscher bestattet worden. Wir haben ihre Sarkophage gesehen, und auch eine Ausstellung über die verschiedenen Bauabschnitte.

The cathedral's foundations date back to 968 AD, which makes it Poland's oldest church and the cradle of Christianisation.
The cathedral’s foundations date back to 968 AD, which makes it Poland’s oldest church and the cradle of Christianisation.

Der nächste Programmpunkt sollte vor allem der Kinderbelustigung dienen: An dem künstlich angelegten Maltanskie-See fuhr eine Dampfeisenbahn in Kleinformat entlang. Für ein verhältnismäßig teures Familienticket tuckerten wir also unter viel Geruckel in einer Viertelstunde bis zur Endstation. Dort kaufte Tomek den Kindern drei Tüten Chips, die sie jetzt auf der Rückfahrt verschlingen.

 

 

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Entwicklungsland (in Poznan, Polen)

Samstag, 21. Juni 2012
Morgens
Wir sind zu Gast bei einer tollen Couchsurfing-Familie außerhalb von Poznan. Vor kurzem haben Tomasz und Gosia mit ihren drei Kindern Dominika, Maya und Igor noch im Stadtzentrum gewohnt, doch wie so viele Familien haben sie sich jetzt ein Eigenheim im Grünen geleistet. Der Kredit läuft jedenfalls – einziehen konnten sie bisher nicht, weil die Immobilienfirma nun doch ein paar Monate länger braucht als abgesprochen, um die Anlage mit den Eigentumswohnungen fertig zu stellen. Eigentlich wollten sie im Mai einziehen, ihre Innenstadt-Wohnung haben sie fristgerecht gekündigt und auch geräumt. Inzwischen sind auch schon die Fenster im Rohbau eingebaut… Bis die Handwerker den Rest auch noch geschafft haben, wohnen unsere Gastgeber in einer Mietwohnung in der Nähe, die auch sehr hübsch ist. Das ganze Neubaugebiet umfasst mehrere Straßenzüge und wurde von einem einzigen Entwicklungsunternehmen um ein kleines Dorf herum aus dem Boden gestampft. Die Häuser sind zweckmäßig, aber modern und sogar hinlänglich schick. Nur eines haben sie vergessen: die Straßen zu asphaltieren. Gosia sagt, es habe Unklarheiten im Vertrag zwischen Entwickler und Stadt gegeben, und jetzt behaupte jeder, der andere müsse für die Infrastruktur sorgen. So lange das nicht geklärt ist – und sie zumindest glaube nicht an eine Einigung in näherer oder auch fernerer Zukunft – heizen die stolzen Eigenheimbesitzer eben über staubige Feldwege, um nach Hause zu kommen.

Wir haben das Kinderzimmer der Mädchen bekommen. Die Jungs haben feste Kinderbetten, wir haben unser Luftbett aufgepumpt und sind sehr zufrieden mit dem Arrangement. Zu unserem Empfang gestern Abend gab es Bigos: ein typisch polnisches Gericht aus Hackfleisch und Sauerkraut, das auch mir ziemlich gut schmeckt, obwohl ich sonst weder ein Fan des einen noch des anderen bin. Die Jungs freuten sich über eine Auswahl ebenfalls landestypischer Würstchen, und Salzgurken gab es auch.

essen

Nach dem Essen machten wir einen Spaziergang zum nächsten Spielplatz. Die Kinder kamen gut miteinander klar, begannen gleich im gemischten Duo zu wippen. Früher dauerte es besonders bei Janis meist lange, bis er mit anderssprachigen Kindern Kontakt aufnahm. Mittlerweile sind die Jungs aber wirklich alte Hasen in Sachen Couchsurfing und finden sich gleich wunderbar zurecht.

Jetzt wollen wir gleich los und uns zusammen Poznan angucken.

 

 

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Grenzerfahrung (in Frankfurt/Oder, Deutschland)

Freitag, 20. Juli 2012
7.35 Uhr
Und los geht’s! Wir haben lange gepackt, ich bin um halb zwei ins Bett und um fünf wieder aufgestanden. Jetzt fahren wir vom Hof.

8.10 Uhr
Wir sind auf der Autobahn und fahren in den ersten Stau. Das Thermometer zeigt 16 Grad. Mal sehen, ob das besser wird…
Wunstorf/Luthe, und wir stehen. Silas knabbert Äpfel, Janis hat seine schon alle verputzt und vergnügt sich mit dem Rätselblock, den er sich gestern noch beim Last-Minute-Einkauf aussuchen durfte. Unser Navi Werner sagt, wenn wir ohne Pause durchfahren, sind wir um 15 Uhr da.

Image

14.54 Uhr
Wir haben die Grenze zu Polen überquert. Das erste Mal unfreiwillig, weil wir in Frankfurt falsch abgebogen sind – schon waren wir über die Oderbrücke gefahren und befanden uns in Frankfurts Zwillingsschwester Slublice. Dort fuhren wir einmal um den Kreisel und wieder zurück in unser Heimatland – schließlich war es vor allem die deutsche Grenzstadt, die uns interessierte.

Wir parkten an der Durchgangsstraße nahe dem Zentrum und nahmen überrascht die zweisprachige Beschilderung in Deutsch und Polnisch zur Kenntnis. Tatsächlich besteht ein reger Grenzverkehr über besagte Brücke, sowohl Autos als auch Fußgänger pendeln fleißig hin und her.
Wir schlenderten vorbei an der Konzerthalle (ehemals Garnisionskirche) zur Nikolai-Kirche. Dass Religion in der ostdeutschen Gesellschaft keine große Rolle mehr spielt und in Zeiten knapper Kassen auch finanziell vernachlässigt wird, verdeutlichte das teils kniehohe Unkraut, das zwischen den Ritzen der Pflastersteine auf dem Kirchplatz wucherte. Neben dem sakralen Gebäude informierte eine Tafel, dass auch Frankfurt an der Oder an den St.Jakobs-Pilgerweg angeschlossen ist. Graffiti-Gekrakel machte einen guten Teil des Textes unleserlich.

Entlang des Flussufers spazierten wir Richtung Rathaus. Beim Bäcker kauften wir unser Mittagessen-to-go und sahen uns die Innenstadt an, die zwischen zweckmäßiger Moderne und bedauernswert desolater DDR-Architektur mit eingestreuten sanierten Altbauten schwang. Ein lohnendes Urlaubsziel ist Frankfurt/Oder nicht unbedingt. Aber wir fanden einen lustigen Brunnen, das durchaus sehenswerte Rathaus, und dann verschwanden wir für eine Weile in einer Buchhandlung (die wir nach längerem Suchen gefunden hatten) und kauften uns einen Riga-Reiseführer. Auf der Suche nach einem Klo wurden wir in der Uni fündig. Das Gebäude wurde 1903 für die Stadtverwaltung errichtet, und es bedurfte einiger interessanter architektonischer Kniffe, um 1991 eine Universität daraus zu machen.

Auf dem Rückweg stolperten wir dann noch über die Marienkirche, die eigentlich Frankfurts Hauptsehenswürdigkeit darstellt. Das Innere ist leer, auch das Deckengewölbe fehlt, da die Kirche im zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde. Danach hat sie nur ein neues Dach bekommen, und auch neue Fenster, denn die schönen alten Bleiglasfenster waren sicherheitshalber evakuiert und dann von den Russen konfisziert worden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind drei große Fenster mit insgesamt 111 Bibel-Darstellungen wieder zurückgekehrt. Seit ein paar Jahren strahlen sie wieder im Altarraum. Übrigens ist das der bislang einzige Fall, in dem deutsche Beutekunst aus Russland zurückgekehrt ist.

Jetzt fahren wir auf polnischer Landstraße. Die Landschaft ist hübsch, mutet irgendwie skandinavisch an. Der Wald macht einen sehr aufgeräumten Eindruck. Man sieht kaum Unterholz. Am Straßenrand stehen immer wieder Männer, die aus dem Kofferraum heraus Pfifferlinge und Blaubeeren verkaufen. Vereinzelt gibt es auch Frauen, ohne Autos, deren leichte Bekleidung keinen Zweifel daran lässt, was sie verkaufen.

 

 

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Reisen und Couchsurfing mit Kindern: Wie das bei uns so klappt

Aus unterschiedlichen Motivationen heraus werden wir immer wieder gefragt, wie wir dazu kommen, statt Urlaub auf dem Bauernhof oder im dänischen Ferienhäuschen in der Weltgeschichte herumzugondeln. Und wie das denn so klappt. Auch über die Couchsurfing-Seite habe ich immer wieder Anfragen von Familien bekommen, die vor der ersten Reise gerne mal aus erster Hand hören wollten, wie das denn so funktioniert.

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Das Reiseblog für abenteuerlustige Familien.