Kleingebirge in der norddeutschen Tiefebene (bei Nienburg, Deutschland)

Hosentaschen-Format hat er dann doch nicht ganz, und ein Berg ist er auch nicht. Eher ein etwas zu groß geratener Kieselstein, der da bei Stöckse, ganz in der Nähe von Nienburg (Weser) auf dem Waldboden liegt. Der Giebichenstein ist der größte Findling Niedersachsens. Betrachtet man diesen ungeheuren Brocken, bekommt man eine ungefähre Vorstellung, welche Kraft in den Eiszeitgletschern steckte.

Die Besteigung des Mini-Bergs ist für alle Besucher über vier natürlich Ehrensache. Janis schafft es ohne jede Hilfe. Silas mit seinen kürzeren Beinen greift dankbar auf den Baumstumpf zurück, den andere Entdecker in weiser Voraussicht zurückgelassen haben.

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Die Gegend rund ums Nienburger Moor ist von steinernen Hinterlassenschaften der letzten Eiszeit übersät gewesen. Viele wurden mittlerweile in etwas Nützlicheres verwandelt. Auch dem Giebichenstein rückte man in vergangenen Zeiten mit Dynamit zuleibe, um ihn zu Straßenbaumaterial umzufunktionieren. Hat nicht geklappt. Die Bohrlöcher sind noch gut zu sehen, und die dadurch entstandene raue Struktur an der Seite hilft beim Aufstieg.

Der Legende nach hatte hier übrigens ein beleidigter Riese die Hände im Spiel. Auf der Durchreise erbat er in dem Dorf Wölpe einen Schluck Wasser. Hier wohnten bereits Christen, die mit dem übergroßen Heiden nichts zu tun haben wollten. Grummelig stapfte der Riese weiter. Zu Hause lehrte er dann durstig ein ganzes Fass Wein und kam auf die glorreiche Idee, sich an den knauserigen Christen zu rächen. Er nahm seine Steinschleuder, legte den größten Brocken ein, den er finden konnte, und zielte auf den Wölper Kirchturm. Gemäß dem alten Motto „Don’t drink and shoot“ traf er ein gutes Stück daneben.

The remains of a megalithic tomb.
The remains of a megalithic tomb.

In unmittelbarer Nähe des Giebichensteins befinden sich ein etwas ramponiertes Großsteingrab und ein bronzezeitliches Gräberfeld. Ein etwa ein Kilometer langer Weg (nicht kinderwagentauglich) verbindet die prähistorischen Sehenswürdigkeiten. Direkt neben dem kostenlosen Parkplatz gibt es einen netten kleinen Spielplatz. Von der Ortsmitte Stöckses aus ist der Stein ausgeschildert.

Im Anschluss empfehle ich einen Besuch im wenige Kilometer entfernten Hofcafé „Dat gesellige Hus“ in Schessinghausen. Bei unserem Besuch gibt es dort heiße Schokolade am Stiel in interessanten Geschmacksrichtungen für die Jungs, und gigantische Tortenstücke für uns alle. Wir haben einen Spielzeug-Rucksack dabei, aber in einem Regal stehen auch reichlich Kinderbücher bereit. Ich bin ein großer Fan von Hofcafés, und „Dat gesellige Hus“ ist wirklich ein besonders schönes!

Übrigens: Family4travel ist heute zum Thema Passiv-Reisen bei www.kidsaway.de zu Gast.

Freitags zeige ich euch spannende Ausflugsziele aus Schaumburg und dem Umkreis. Es gibt so viel zu erkunden in aller Welt, aber auch bei uns zu Hause warten genügend kleine, große und völlig unterschätzte Sensationen darauf, entdeckt zu werden. Und vielleicht ist ja genau die richtige Idee für eure Wochenend-Planung dabei?

Ein Gedanke zu „Kleingebirge in der norddeutschen Tiefebene (bei Nienburg, Deutschland)“

  1. Man muss nicht immer ins ausland reisen. Deutschland hat auch wunderbare Ecken. Das Großsteingrab kannte ich gar nicht. Das hätte ich mir (als ich noch im Norden wohnte) auch gern angesehen.

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