Guadix: Als wir zu Höhlenmenschen wurden

Fünf Tage lang sind wir Höhlenmenschen. In der andalusischen Stadt Guadix, die mitten in einer Mondlandschaft am Rand der einzigen europäischen Wüste liegt, ist das so üblich. Seit Menschengedenken haben die Einwohner die weichen Felsen ausgehöhlt, um darin ihre Wohnzimmer einzurichten. Eine dieser Höhlen haben wir gemietet, ganz bequem über AirBnB*.

Im Zentrum der kleinen Stadt sieht alles noch ganz normal aus. Dann biegen wir zweimal rechts ab, fahren bergauf, und plötzlich ragen lauter Schornsteine aus den Felsen. Von der anderen Seite sehen wir die Fassaden der Wohnhöhlen. Sie sehen aus wie kleine, weiß getünchte Schuppen. Dass es dahinter meterweit in den Berg geht, ist von außen kaum zu erahnen. Manche sind hübsch zurechtgemacht mit Blumenkübeln und Terrassen, andere befinden sich noch sichtbar in einem Zustand vor jedem Versuch der Gentrifizierung. Dort tummeln sich Hühner vorm Höhleneingang, und der Aushub der letzten Erweiterung türmt sich zusammen mit alten Autoreifen in dem Bereich, der ein schöner Vorgarten sein könnte. Ein großer neuer Busparkplatz am Fuße des Höhlenviertels zeigt an, in welche Richtung die Entwicklung geht.

Die Nachbarhöhle sieht noch... traditioneller aus.
Die Nachbarhöhle sieht noch… traditioneller aus.

Komfort im Berg

Unser unterirdisches Mietobjekt liegt am Ende einer steilen, geschotterten Auffahrt. Die makellos weiße Fassade mit dem Weinstock, dem blühenden Hibiskusbusch und den Olivenbäumen davor bezaubert mich sofort. Unsere Vermieterin, eine Engländerin, zeigt uns, was wir hier für erstaunlich schlanke 35 Euro pro Nacht bekommen [Update: Inzwischzen sind es 45 Euro]: Sieben kleine Räume, die dank der weißen Wandfarbe gar nicht mal so dunkel sind. Elternschlafzimmer und Bad besitzen eine Tür, alles andere geht offen ineinander über. Von der Eingangshalle mit dem großen runden Tisch gelangen wir ins Kaminzimmer und weiter in die Küche. Die hat sogar ein Fenster und auch sonst alles, was man in einer Küche so braucht: Kühlschrank, Herd, selbst eine Spülmaschine! Das Bad befindet sich in einem Anbau nach vorne raus und lässt ebenfalls nichts an dem üblichen Komfort vermissen.

Von der Eingangshalle geht es ins Kaminzimmer. Die Einrichtung mit viel Liebe zum Detail schließt selbst Topfblumen mit ein.
Von der Eingangshalle geht es ins Kaminzimmer. Die Einrichtung mit viel Liebe zum Detail schließt selbst Topfblumen mit ein.

Die Jungs haben es sich schon auf der Couch bequem gemacht, die eigentlich mehr eine gepolsterte Nische im Felsen ist. Hinter einem Vorhang befinden sich im nächsten Hohlraum die Kinderbetten, die nach ähnlichem Prinzip gestaltet sind. Es ist sauber und angenehm kühl, während draußen die südspanische Hitze brütet. Wir haben unser neues Domizil kaum betreten, da wissen wir schon, dass es sich hier um die coolste Unterkunft unserer Reise handelt.

Unterirdisch und trotzdem sehr gemütlich: Blick in die Wohn- und Kinderzimmer unserer Höhle.
Unterirdisch und trotzdem sehr gemütlich: Blick in die Wohn- und Kinderzimmer unserer Höhle.

Offline in der Steinzeit

Einen Haken hat die Angelegenheit allerdings: Es gibt kein Internet. Wir stellen diese Tatsache kurzerhand in den Rahmen unseres Selbsterfahrungsprojekts Reisen ohne Smartphone, das wir nun eine knappe Woche lang noch einen Schritt weiter führen. Fünf Tage werfe ich keinen Blick auf meine facebook-Timeline, bin auch über Skype nicht zu sprechen – und überlebe auch das problemlos (wenn ich dadurch auch ein Großereignis im engsten Freundeskreis verpasse, was mich durchaus wurmt). Mein Blog bricht ob der Nichtbeachtung auch nicht zusammen (die Klickzahlen sinken allerdings schon). In unserer Funkloch-Einsamkeit schaffe ich es, etliche Beiträge zu verfassen, die ich später, zurück in der Zivilisation, online stellen kann. Abends gehen wir früh ins Bett, schlafen aus und haben trotzdem viel vom Tag. Sehr heilsam, diese Offline-Erfahrung. Einen Fernseher gibt es übrigens auch nicht. Das Handy hat immerhin in der Fensternische der Küche Empfang. Generell ist der Rückzug aber viel zu schnell vorbei, um ernsthafte Aussagen treffen zu können.

Unsere Wohnhöhle in der Abenddämmerung. Der erste Blick von außen zeigt gar nicht, dass sich der Großteil des Hauses im Berg befindet.
Unsere Wohnhöhle in der Abenddämmerung. Der erste Blick von außen zeigt gar nicht, dass sich der Großteil des Hauses im Berg befindet.

Zentral im Nirgendwo gelegen

Obwohl wir uns in unserem Berg weit weg von allem fühlen, ist Guadix gar nicht so abgelegen. Genau eine Stunde fahren wir nach Granada, wo wir die atemberaubende Alhambra besichtigen. Und die Region selbst ist ebenfalls nicht arm an Ausflugszielen. Die Sierra Nevada, Spaniens höchstes Gebirge, liegt direkt vor der Haustür. Reiche archäologische Fundstätten aus der Bronzezeit befinden sich ebenfalls ganz in der Nähe in Gorafe (im neuen Dolmen-Museum allerdings tendiert der an sich lobenswerte Infotainment-Ansatz für meinen Geschmack zu deutlich auf die Unterhaltungsschiene, vor lauter Multimedia-Erlebnis werden kaum noch Informationen vermittelt). Und die Landschaft in unmittelbarer Nähe der Höhle ist so skurril, dass sich selbst anders herum ein Tagesausflug von Granada aus lohnen würde.

Die Landschaft vor der Haustür is spektakulär.
Die Landschaft vor der Haustür is spektakulär.

Wer auch eine Höhle mieten will…

Wenn ich schon so von unserer Unterkunft schwärme, muss ich natürlich auch verraten, wo und wie sie zu bekommen ist. Hier ist der Link direkt zur Ferien-Höhle. Wer noch kein Profil bei AirBnB erstellt hat, kann sich über diesen Link hier anmelden und bekommt 35 Euro Rabatt für die erste Buchung – egal wo. Wir bekommen dafür von AirBnB ebenfalls 35 Euro gutgeschrieben.

Höhlenmenschen beim Frühstück.
Höhlenmenschen beim Frühstück.

Transparenz-Hinweis: Diesen Post habe ich aus eigenem Anlass und nicht zu Werbezwecken geschrieben. Für das Veröffentlichen bekomme ich weder Geld noch Vergünstigungen vom Vermieter oder AirBnB (leider ;) ). Der eine Link ist allerdings ein Affiliate-Link. Das heißt, wenn du da drauf klickst und dich (erstmalig) bei AirBnB anmeldest, erhalte ich ein paar Euro Provision (und du ein Startguthaben).

Mit diesem Beitrag nehme ich an der Blogparade zum Thema „Außergewöhnlichste Unterkünfte“ bei Mit Kind im Rucksack teil.

6 Gedanken zu „Guadix: Als wir zu Höhlenmenschen wurden“

  1. Der Tipp ist ja klasse, vielen Dank für diesen tollen Einblick. Air BnB finde ich auch total spannend und habe schon einiges gutes gehört. Selber registriert sind wir noch nicht. Wenn, dann mache ich es aber über Euren Link.

    Euch weiterhin viel Spaß,
    liebe Grüße Tanja

    1. Danke, liebe Tanja! AirBnB ist große klasse, aber man kann auch ins Klo greifen. Wir haben die Nummer ja mittlerweile quasi in ganz Europa durch, und es gibt ein paar miese Maschen, die sich immer wiederholen. Ich will schon lange einen Beitrag schreiben, worauf man in solchen Buchungsportalen achten sollte. Eines Tages komme ich dazu… Auf jeden Fall bietet dieses Portal ganz tolle Möglichkeiten, die über die im Hochglanzkatalog der Pauschalreiseanbieter weit hinausgehen.

    2. Danke, liebe Tanja. AirBnB ist klasse, aber es gibt auch ein paar Maschen, bei denen man aufpassen muss und die uns bei unseren – mittlerweile, keine Ahnung, 20? – Buchungen immer wieder untergekommen sind. Ich will schon ewig einen Beitrag darüber schreiben. Irgendwann komme ich dazu… Aber hier lief z.B. alles wie am Schnürchen, absolut empfehlenswert! ;)

  2. Das sieht nach einer tollen Unterkunft aus, hab schon ganz oft von solchen Höhlenwohnungen gehört und finde es echt spannend. Das merk ich mir auf jeden Fall. Danke das ihr bei der Blogparade mitgemacht habt.

    LG aus Norwegen
    Ina

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