[redaktionelle Kooperation] →Wolfenbüttel bei →Braunschweig gehört für mich erklärtermaßen zu den schönsten Zielen für einen gemütlichen Städtetrip mit Kindern. Ein Grund dafür ist das AHA-Erlebnismuseum, das von Kindern für Kinder gemacht ist. Die aktuelle Ausstellung 2026 heißt „Abgeguckt. Naturtalent trifft Erfinder*in“. Wir haben das Museum mit dem außergewöhnlichen Konzept zum zweiten Mal besucht – und waren wieder hochgradig begeistert. Absoluter Ausflugstipp!
Die Kurzversion: Was ist das AHA-ERLEBNISmuseum Wolfenbüttel und für wen lohnt es sich?
Gleich kommen unsere persönlichen Eindrücke. Aber wir beginnen mit den harten Fakten.
- Ausflugsziel für Familien mit Kindern von etwa 5 bis 12 Jahren
- auch Jüngere und Ältere können viel Spaß haben
- jedes Jahr eine neue Mitmach-Ausstellung
- ganz unterschiedliche Themen, von Naturwissenschaften bis Kultur und Gesellschaft
- Kinder und Ehrenamtliche gestalten die Ausstellungen maßgeblich
- Eintrittspreis 2026: Familienticket (4 Personen) 20 Euro
- Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 – 12 und 15 – 17:30 Uhr, samstags 14 – 17 Uhr und sonntags 11 – 14 Uhr.
- Für aktuelle und verlässliche Infos schaut am besten auf die Website des Museums.
Museum – oder Indoor-Spielplatz?
Wir betreten den Eingangsbereich des AHA-ERLEBNISmuseums, das in einem großen Zweckbau außerhalb des Stadtzentrums untergebracht ist. Was zuerst nach Industriebetrieb aussah, erscheint uns nun eher wie ein Kindergarten. Wir packen unsere Sachen in ein Schließfach, verstauen unsere Schuhe im Schuhregal. Für Kinder gibt es Stoppersocken in der Leih-Tonne, für Erwachsene wahlweise bequeme Filzpantoffeln oder bunte Plastiküberzieher für die eigenen Straßenschuhe.

Sieht ein bisschen so aus wie ein alternativer Kinderladen und war ursprünglich auch nur als provisorische Übergangslösung gedacht – ist aber jetzt seit über 20 Jahren eine feste Institution in Wolfenbüttel.
Während wir noch mit der netten Frau an der Kasse plaudern, schlüpft Franka schon in den Ausstellungsraum. Wir finden sie einen Moment später in einem Sandkasten, der statt Sand Hackschnitzel enthält. Die Sechsjährige sitzt auf einem kleinen mechanischen Bagger und schaufelt Holz.
Auf dem Rand sitzt ein Maulwurf aus Plüsch. Denn er ist das Naturtalent, das als Vorbild zur Baggerschaufel dienen kann. Den Zwischenschritt bilden Handschuhe mit verstärkten Krallen aus Plastik. Natürlich probiert Franka auch sie aus. „Das geht echt viel besser, mit denen zu buddeln als ohne die“, erkennt sie an.
Eine echte Mitmach-Ausstellung
Diesem Prinzip folgt die gesamte Ausstellung: An jeder Station erleben Kinder Physik und/oder Technik zum Ausprobieren und können gleichzeitig die Vorbilder aus der Natur erforschen.
- Eine Flummi-Hochsprung-Testmaschine ermittelt die Sprunghöhe verschieden harter Untergründe.
- Mit Pipette und Wasser lässt sich der Lotus-Effekt im Vergleich zur ordinären Topfprimel ergründen.
- Eisbär und Schwarzbär aus Modelliermasse verdeutlichen unter Zuhilfenahme von Wärmelampe und Oberflächenthermometer die unterschiedliche Wärmeentwicklung von hellen und dunklen Hintergründen.
- Unter dem großen „Spinnenschirm“ können wir die Reißfestigkeit verschiedener Naturmaterialien testen, selbst ein Netz weben und versuchen, ohne Klingelalarm durch ein „Spinnennetz“ hindurchzuschlüpfen.

Ein bisschen schummerig ist es (und damit nicht leicht zu fotografieren für einfach Handyknipserinnen wie mich) – aber überall gibt es was Neues zu entdecken.
Und das ist längst noch nicht alles. Die ganze Ausstellung wimmelt nur so von Mitmach-Angeboten, Experimenten und Spielstationen. Bei einigen überwiegt der Spaßfaktor, etwa beim Krabbeltunnel im „Wurzelwerk“. Andere sind ernsthaft wissenschaftlich fundiert, beispielsweise die Eiswürfel-Experimente, die Kinder mit ihren Eltern in Eigenregie durchführen können. Vieles klappt intuitiv, wie die Saugnapf-Schuhe nach Tintenfisch-Vorbild. Manches entfaltet seinen lehrhaften Nutzen erst für Kinder, die bereits lesen können (oder vorgelesen bekommen). Am besten klappt die Entdeckungsreise deshalb im Eltern-Kind-Team. So sind auch wir Erwachsenen mit vollem Einsatz und viel Spaß dabei.

Ohne elterliche Begleitung laufen Kinder Gefahr, einfach so durchzutoben und tiefergehende Erkenntnisse zu verpassen. Wer sich Zeit nimmt zum gemeinsamen Experimentieren, hat mehr davon.
Museum von Kindern für Kinder – wie soll das gehen?
Das Besondere am AHA-ERLEBNISmuseum für Kinder und Jugendliche ist nicht nur das Konzept, das vollständig auf Mitmachen beruht. Es ist auch eine fast komplett ehrenamtliche Institution – und ein Großteil der ehrenamtlich Tätigen sind Kinder ab sechs.
Vor 25 Jahren entstand das Museum aus der Idee einer einzelnen Frau. Heute trägt es ein ganzer Verein. Mit dabei: die Forscher-Kids, die jede Ausstellung maßgeblich mitgestalten.
Jedes Jahr aufs Neue setzen sich Männer, Frauen und Kinder zusammen und überlegen sich ein aktuelles Thema, das alle bewegt. Dazu stellen sie dann gemeinsam eine ganz eigene Ausstellung auf die Beine. Dazu wird wochenlang konstruiert, gewerkelt, ausprobiert und dekoriert. Was den Forscher-Kids Spaß macht, wird fürs Museum perfektioniert.
Über die Jahre hat sich ein riesiger Fundus angesammelt. Weil wir zu einem Social-Media-Event eingeladen sind, dürfen wir hinter die Kulissen gucken – und sind nachhaltig beeindruckt von den Regalen voller Spielideen mit Lerneffekt. Vieles wird in unterschiedlichen Ausstellungen in neuer Funktion nachgenutzt. Immer entsteht aber aus frischen Ideen auch viel Neues.

Ich könnte mir gut vorstellen, mich in diesem Fundus auszutoben. Nur ein kleiner Teil des Arbeitsbereichs hinter den Kulissen des Museums.
Lohnt sich jede Ausstellung im AHA-ERLEBNISmuseum Wolfenbüttel?
Im Gegensatz zum klassischen Science Center oder wissenschaftlichen Mitmachmuseum wie dem →phaeno in →Wolfsburg oder der →phänomenta in Bremerhaven behandelt das AHA-ERLEBNISmuseum nicht nur naturwissenschaftliche Themen. Nachhaltigkeit spiel immer wieder eine maßgebliche Rolle. Auch gesellschaftspolitische Ansatzpunkte wie Kinderrechte, Flucht und Vertreibung, die ganz großen Sinnfragen spielen immer wieder eine Rolle – weil sie die Kinder beschäftigen.
In 25 Jahren hat sich eine beeindruckende Sammlung ergeben. Die vergangenen Ausstellungstitel:
- Wer hat an der Uhr gedreht? Eine Mitmach-Ausstellung zum Sehen und Hören (2002)
- Menschen Kinder – Die Rechte der Kinder (2005)
- Oma, Opa, Enkelkinder. Wir packen einen Koffer (2007)
- Klimafresser. Was Kinder über das Klima wissen wollen (2008)
- Supermarkt Erde. Auf Wasserfußabdrücken einmal um die Welt (2009)
- Starke Kinder – (R)echt cool (2010)
- Der Ohrenseher. Schau mal, wie das klingt (2011)
- Theaterwunderwelten (2012)
- Plastik Pops. Die Erde in der Plastiktüte (2013)
- Ist da jemand? Die geheimnisvolle Reise durchs Universum (2014)
- Kabelsalat. Eine Zeitreise vom Satelliten bis zur Rauchwolke (2015)
- Angekommen. Dein Platz in dieser Welt (2016)
- Schatzkammer Erde. Eiskalt glühende AHA-Effekte (2017)
- Schlüssellochgucker trifft Baumeister*in – Archie & Co. Auf ArchitekTour (2018)
- Tür auf in der (P)ups-Fabrik: Kaufen, schmatzen, ver(sch)wenden (2019)
- Das Superhirn (2020)
- Chamäleonstark – wir sehen uns in der Zukunft (2022)
- Der blaue Murmelplanet. Ohne Wasser geht nix. (2023)
- Switch up – Was wäre, wenn der Strom ausgeht (2024)
- Der kleine Frieden und das große Glück (2025)
- Abgeguckt. Naturtalent trifft Erfinder*in (2026)
Ich bin überzeugt, dass jede einzelne dieser Ausstellungen einen Besuch mit Kindern gelohnt hat. Ganz sicher sagen kann ich das nur für zwei. Um eine Ahnung der Bandbreite zu vermitteln, die die Mitmach-Ausstellungen im AHA-ERLEBNISmuseum Wolfenbüttel umfassen können, füge ich im Folgenden unseren Erfahrungsbericht von unserem ersten Besuch 2019 ein. Bei unserem →ersten Städtetrip nach Wolfenbüttel waren wir noch mit unseren beiden Jungs unterwegs, damals 11 und 14 Jahre alt. (Franka war schon im Bauch mit dabei.)
Unser erster Besuch im AHA-ERLEBNISmuseum Wolfenbüttel
2019 heißt die Mitmach-Ausstellung „Tür auf in der (P)upPs-Fabrik: Kaufen, schmatzen, ver(sch)wenden“. Es geht um Nahrungsmittelproduktion und Verwertung und dabei ganz massiv auch um den Aspekt der Nachhaltigkeit.
Wir nehmen uns einen Einkaufskorb und gehen im Kaufmannsladen nach Herzenslust Shoppen. Anschließend scannen wir unsere Ausbeute an speziellen Stationen. Die zeigen uns an, wie viel Energie und Wasser nötig ist, um unsere ausgewählten Produkte zu erzeugen. Für seine Äpfel bekommt Janis grünes Licht, für Käse und Fleisch muss er sich dagegen deutlich mehr Punkte auf seinem ökologischen Fußabdruck anrechnen. Silas‘ Mango ist ein wenig komplizierter: Ist sie mit dem Schiff eingereist, gilt sie als okay. Als teure Einflug-Ware zur Nicht-Erntezeit sähe das dagegen anders aus. „Da muss man sich beim Einkaufen ja jedes Mal voll viele Gedanken machen!“, lautet die Erkenntnis des 12-Jährigen.
Übrigens: Ein ganz ähnliches Prinzip haben wir im unerwartet spannenden Museum für Zusatzstoffe in der →Hamburger Speicherstadt erlebt.
Die gesamte Ausstellung ist so aufgebaut, dass kleine Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben und dabei eher nebenbei etwas lernen können, während Ältere sich zunehmend mehr Informationen „erspielen“. Auch wir Erwachsenen lernen so noch eine Menge. Zum Beispiel erfahren wir, wie lang ein menschlicher Darm ist. Mikroskope und ein Molekül-Baukasten faszinieren meine Jungs. Kleinere toben währenddessen über Barfuß-Stationen und klettern und rutschen durch ein modellhaftes Verdauungssystem.

Und Kühe melken üben kann man auch – wenngleich Janis sagt, das sei hier deutlich einfacher als an der echten Kuh. Er muss es wissen, denn er hat ein Landbau-Praktikum auf dem Bauernhof hinter sich.
Unser Fazit zum AHA-ERLEBNISmuseum Wolfenbüttel
Ganz klar: Würden wir näher an Wolfenbüttel wohnen, wären wir garantiert Vereinsmitglieder und Franka ein Forscher-Kid! Das Konzept finden wir großartig. Auch wenn manche Stationen vielleicht mal nicht bis ins letzte Detail funktionieren oder gerade kaputtgespielt sind, können Kindern und ihre Eltern hier gemeinsam so viel lernen. Und überall steckt so viel Liebe im Detail.
Das Kindermuseum ist ein ganz heißer Tipp für jeden verregneten Nachmittag in Wolfenbüttel. Und es ist ein hervorragendes Argument, auch einen längeren Anfahrtsweg auf sich zu nehmen.
Mehr Tipps für Wolfenbüttel mit Kindern
Meine Empfehlung lautet in diesem Fall, gleich einen Kurzurlaub daraus zu machen und ein ganzes Wochenende in Wolfenbüttel zu bleiben. Was ihr dort noch alles mit euren Kindern erleben könnt, steht in diesen beiden Berichten:
→Wolfenbüttel mit Kindern: Ein Wochenende in Niedersachsens vielleicht schönster Stadt
→Wolfenbüttel im Sommer: Kurztrip mit Teenangern und Kleinkind
Transparenz-Hinweis: Wir waren 2026 auf Einladung zu einem Social-Media-Tag im AHA-ERLEBNISmuseum. 2019 war der Museumsbesuch Teil unseres Programms bei einer Einladung als Reiseblogger durch die Tourismusförderung von Wolfenbüttel. Wenn wir so eine Einladung annehmen, ist das ein stillschweigendes Versprechen, dass wir berichten, aber nicht wie und in welchem Umfang. Die journalistische Freiheit bleibt gewahrt. Im Gegensatz zu kennzeichnungspflichtiger Werbung ist der Inhalt nicht abgesprochen und freigegeben. Fun Fact: Hätten unsere Freund aus der Nähe von Wolfenbüttel unseren Besuch nicht aus Krankheitsgründen absagen müssen, hätten wir die Ausstellung einige Wochen zuvor auf eigene Kosten besucht – und garantiert genauso begeistert berichtet.








Hinterlasse einen Kommentar