Archiv der Kategorie: Deutschland

Lübeck mit Kindern: Marzipan und mehr

Es ist kalt in Lübeck, und schon auf dem Weg vom Parkhaus bis zum Holstentor frieren meine kleinen Zehen ein. „Tja, so ist das im Norden“, sagt Philip Kroll vom Lübecker Stadtmarketing und strahlt, als er mir (Stichwort „Blogger Relations“) eine Tasche mit allerlei Info-Material überreicht. Er hat dafür gesorgt, dass wir die glamouröseste aller Hansestädte heute mit einer Stadtführung erleben dürfen. Eine normale Stadtführung mit Kindern? Wir wollen’s mal ausprobieren.

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Bildungslücke Fußballstadion und wie wir sie schlossen (in Rostock, Deutschland)

Eigentlich wollten wir ja ins Theater, aber die Familienvorstellung ist ausverkauft. „Hansa spielt“, sagt Opa. „Ist doch so ähnlich wie Theater.“ Martin und ich sehen uns an. Keiner von uns hat auch nur die leiseste Ahnung von Fußball. Wir waren noch nie im Stadion. Zeit, diese Bildungslücke zu schließen, oder?

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Sächsische Schweiz: Von Höhen und Tiefen und zwei glücklichen Jungs

Die Sächsische Schweiz ist spektakulär und auf jeden Fall eine Reise wert. Es ist ein wunderschöner Landstrich, vor allem jetzt im Herbst. Wir sind vor zwei Jahren dort gewesen, und im Nachhinein würde ich auch steif und fest behaupten, dass es uns allen dort sehr gefallen hat – aus diesem Grund schließlich habe ich die Gegend für meinen „Dienstag in Deutschland“-Eintrag diese Woche ausgesucht (und weil sie auf dem Reise-Wunschzettel der Raumfee steht). Wie trügerisch Erinnerungen sein können, erkannte ich allerdings an meinem erschreckend kurz angebundenen Eintrag in mein Reisetagebuch vom 24. Oktober 2011:

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Berlin: Zwei volle Tage auf der Museumsinsel mit Kindern

Es ist nie zu früh, um Kinder an Kultur zu gewöhnen. Museen, selbst klassische, können  auch und gerade für Familien zu einem großen Abenteuer werden. Im April widmeten wir ein ganzes Wochenende der Erkundung der Berliner Museumsinsel und hatten eine Menge Spaß dabei. 

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Dienstag in Deutschland: Weißt du, wie viel Sternlein stehen (im Planetarium von Jena, Deutschland)

Wir sind in Jena, und wer in Jena ist, der muss ins Planetarium. Das zweitgrößte Europas ist es (nach dem in Moskau), das viertälteste der Welt (nach denen in Wuppertal-Barmen, Leipzig und Düsseldorf, die es aber alle schon nicht mehr gibt), seit 1926 in Betrieb und überhaupt: Karl Zeiss und so. Ich zücke mein Handy, schmeiße die Suchmaschine an und weiß wenig später, dass der bei Ortsansässigen und besser Gebildeten wohlbekannte Herr im 19. Jahrhundert Präzisionsmikroskope produzierte und eine Firma schuf, die sich ab 1913 der Entwicklung eines Planetariumsprojektors widmete. Also gut, gerne: Wir gehen ins Planetarium.

The planetarium of Jena is the second largest in Europe and also the oldest one that's still working.
The planetarium of Jena is the second largest in Europe and also the oldest one that’s still working.

Bisher bin ich nur ein einziges Mal in einem solchen Etablissement gewesen, und an diesen Besuch erinnere ich mich gut. Ich war zehn, ging in die vierte Klasse, und wir fuhren auf Klassenfahrt ins Ruhrgebiet. Auf den Ausflug nach Bochum ins Planetarium freute ich mich am meisten. Obwohl ich gar nicht so recht wusste, was das war. Als wir es uns alle auf den merkwürdigen Liegesesseln bequem gemacht hatten, wartete ich die ganze Zeit darauf, dass die Kuppel über uns sich öffnen und wir in den Sternenhimmel würden schauen können. Dass stattdessen lausige Lichtpunkte an die Decke projiziert wurden, empfand ich als glatten Betrug. Trotzdem lernte ich dort die Reihenfolge der Planeten unseres Sonnensystems, die ich heute noch auswendig kann.

Auf dem Weg ins Zeiss-Planetarium Jena vermittele ich meinen Jungs also genau, was sie erwartet. „Das ist wie Kino, nur dass die Leinwand oben an der Decke ist“, sage ich. Janis sieht mich skeptisch an, und Silas runzelt die Stirn. Ich denke kurz nach und mir fällt ein, dass mein Sechsjähriger noch nie in seinem Leben im Kino war. Das liegt vor allem daran, dass mein bisher einziger Besuch dort mit seinem großen Bruder vor einigen Jahren auf dessen inständigen Wunsch hin schon nach wenigen Minuten endete. Oha, das kann ja was werden. Aber das Programm, das wir uns ausgesucht haben, heißt: „Entdecker des Himmels. Von Stonehenge zur Raumstation“. Mit Stonehenge können sie was anfangen, da waren wir neulich erst. Und Raumstation zieht bei Jungs im Grundschulalter doch immer, oder?

Es ist Sonntag, und der Parkplatz direkt vor der Tür des Kuppelbaus ist nicht nur frei, sondern auch noch kostenlos. Perfekt. Die Jungs springen aufgeregt die Stufen hinauf und zappeln beim Schlangestehen entsetzlich. Der eine piekt dem anderen in die Seite, der andere haut dem einen auf die Rübe, der eine brüllt. „Da drin müsst ihr aber still sein!“ zische ich. „Sonst gehen wir sofort wieder raus“, füge ich hinzu und sehe schon vor mir, wie sich das Desaster von Janis’ erstem Kinobesuch wiederholt.

Die Vorstellung ist nicht ausgebucht, und so bleiben wir dankenswerterweise in unserer Sitzreihe unter uns. Es gibt extra ausgewiesene Familienprogramme, aber unser Zeitfenster ist nicht groß, und so haben wir ein „Bildungsprogramm“ erwischt. Hier drücken selbst Martin und ich den Altersdurchschnitt noch nach unten. Das einzige andere Kind, das ich beim Hereinkommen sehe, setzt sich brav und wohlerzogen neben seine Mutter und gibt keinen Laut von sich. Neben mir erprobt Janis, wie oft er den Sitz quietschend runterklappen und scheppernd hochschnappen lassen kann, bevor ich die Geduld verliere. Er ist nahe daran, es herauszufinden, als die Vorstellung endlich beginnt. Der außerirdisch anmutende Projektor kommt in Bewegung, surrt und dreht sich. Ein junger Mann mit Dreadlocks nimmt ein Mikrofon in die Hand und erklärt uns die Technik, die uns den kommenden Filmgenuss ermöglicht.

This thing that looks like a UFO can precisely project thousands of stars into the dome of the planetarium.
This thing that looks like a UFO can precisely project thousands of stars into the dome of the planetarium.

Dann wird es dunkel, und buchstäblich tausende von Sternen erstrahlen. Die Jungs, inzwischen getrennt durch zwei erwachsene Puffer, schauen andächtig in die Kuppel. 900 Quadratmeter Leinwand sind das da oben, 23 Meter im Durchmesser. Der Projektor zeigt uns den Sternenhimmel so, wie wir ihn in der freien Wildbahn kaum je zu sehen kriegen: ohne Wolken, ohne Streulicht, exakt und präzise. Die Darstellungen der Planetenkonstellationen wechseln sich ab mit Film-Sequenzen und Einspielern von Besucher-Interviews. Das ist wie ein guter Dokumentarfilm auf einem gigantischen Fernsehschirm. Nur besser, denn das Sound-System ist klasse, und auch die Bilder wirken irgendwie krass dreidimensional. Wir folgen den Entdeckungen der Himmelsforscher von der Antike über die großen Pioniere Kopernikus, Galilei und Co., fliegen mit Neil Armstrong auf den Mond und tauchen in die unvorstellbare Hitze der Sonne ein. Die Jungs sind völlig in den Bann gezogen. Aber völlig ruhig sind sie nicht. „Ah, da ist der Fersenstein, an den kann ich mich noch erinnern!“ kräht Janis aufgeregt, als der Filmsprecher die Ausrichtung von Stonehenge auf den Sonnenaufgang am Mittsommertag erklärt. Als Barack Obama verkündet, dass es bis spätestens 2030 bemannte Flüge zum Mars geben werde, bölkt Silas entzückt: „Da fliege ich mit!“ Aber ansonsten benehmen sie sich, zum Glück, und als eineinhalb Stunden später das Licht wieder angeht, strahlt Janis mich an und sagt: „Das war toll!“

Auch mir hat die Vorstellung richtig gut gefallen. Ich habe einiges gelernt, und ein astreines Erlebnis war das obendrein. Mit Kino nicht zu vergleichen!

Übrigens: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto. Warum ich die Reihenfolge der Planeten immer noch auswendig kann? Weil uns der Erklärer damals den Merkspruch beigebracht hat: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten.“ Da es deren nach Plutos unwürdigem Abgang aus der elitären Riege seit einiger Zeit nur noch acht sind, lautet die Eselsbrücke heutzutage: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere Nachbarplaneten.“ Und? Gemerkt?

Das Zeiss-Planetarium Jena hat derzeit acht verschiedene Bildungsprogramme („Dokumentarfilme“) im Angebot und ebenso viele Familienprogramme, die teilweise schon  für Kinder ab fünf Jahren geeignet sind. Die Familienkarte kostet 25 Euro.

Wer auf den Geschmack gekommen ist, aber in nächster Zeit keinen Besuch in Jena plant, kann hier alle Standorte der rund 100 Planetarien in Deutschland erfahren.

Unabhängig davon, wohin die Reise in diesem Theater sonst gerade geht – dienstags ist Deutschland dran. An diesem Tag berichte ich von Kurztripps, Ausflügen und Urlaubsreisen in unserem eigenen Heimatland, entweder ganz aktuell oder rückblickend aus der jüngeren Vergangenheit.

PS: Diesen Artikel adelige ich nachträglich zum Beitrag der Blog-Parade zum Thema Urlaubs-Tipps bei kidsaway.de.

Ausflugstipp: Die Varusschlacht in Kalkriese

Dass die Römer damals in Germanien irgendwie nicht recht erfolgreich waren, ist bekannt. Manchem hallt auch noch der markige Satz: „Varus, gib mir meine Legionen wieder!“ durch den Kopf, wenn er in den Tiefen seines Geschichtswissens kramt. Und „Hermann der Cherusker“ hatte irgendwas damit zu tun, oder? Wir wollten’s genau wissen und fuhren nach Kalkriese, dem Ort der schicksalsträchtigen „Varusschlacht“.

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Dienstag in Deutschland: Paddeln im Spreewald

Unabhängig davon, wohin die Reise in diesem Theater sonst gerade geht – dienstags ist von jetzt an Deutschland dran. An diesem Tag berichte ich von Kurztripps, Ausflügen und Urlaubsreisen in unserem eigenen Heimatland, entweder ganz aktuell oder rückblickend aus der jüngeren Vergangenheit. Den Anfang macht ein Ausschnitt aus unseren vorletzten Herbstferien, in denen wir den Osten der Republik erkundeten. 

Ein wunderschöner Urlaubstag liegt hinter uns. Heute haben wir uns an allen Spreewald-Klischees bedient.

Nach dem Frühstück fuhren wir zu dem Bootsverleih, den uns ein Stammgast in unserer Jugendherberge am Abend zuvor empfohlen hatte. Die Zahl der Anbieter ist unüberschaubar groß, und ich hab jetzt schon wieder vergessen, wie unser Laden jetzt hieß. Jedenfalls mieteten wir uns zwei Paddelboote: eins für Martin und Silas, eins für Janis und mich. Die Jungs kriegten jeder ein kurzes Alibi-Holzruder, wir Erwachsenen richtige Paddel. Dazu bekamen wir noch eine Karte, mit Hilfe derer wir uns dann in dem Gewirr aus Fließen, Gräben und Kanälen zurechtfinden konnten.

So spät im Jahr waren nur wenige Boote unterwegs. Ein einziger dieser typischen Spreewald-Touristen-Kähne kam uns entgegen in den drei Stunden, die wir unterwegs waren, und weniger als zehn Paddelboote oder Kanus. Die allermeiste Zeit hatten wir die sagenhaft idyllischen Wasserläufe für uns allein. Verfahren haben wir uns auch nicht, keiner ist reingefallen, alles war gut.

A heavenly autumn day in the Spreewald, exploring the river and its many side streams.
A heavenly autumn day in the Spreewald, exploring the river and its many side streams.

Ein paar Mal mussten wir durch Schleusen. Für Ungeübte kann das eine Herausforderung sein, zumal man aus dem wackeligen Boot klettern muss. Oft aber ist die Selbstbedienung gar nicht nötig. Das erste Mal haben uns zwei Kinder geschleust, die 50 Cent dafür bekommen haben. Beim zweiten Mal war gerade ein einzelner Einheimischer vor uns in der Schleuse, der, als er mitbekam, dass wir keinerlei Erfahrung hatten und uns unsicher waren, gleich anbot, er könne das gern machen. Beim dritten Mal musste Martin dann ran, allerdings war die Herausforderung für einen Ingenieur gering. Einen extra Umweg sind wir gefahren, um auch so ein Rollwehr mal mitzumachen. Hier steigt man aus und hievt sein Boot dieselbe Art Bahn mit lauten Rollen hinauf, auf der mitunter der Einkauf nach dem Scannen an der Supermarktkasse  landet.  Die Kinder fanden das enorm witzig, und das funktionierte problemlos. Ganz zum Schluss mussten wir wieder durch die erste Schleuse, die dann auch nicht mehr besetzt war. Da hat Janis die Schleuserarbeit dann übernommen und war natürlich stolz wie Oskar.

Wir haben nur eine kleine Tour gemacht, vornehmlich durch den Hochwald. Dort ist Naturschutzgebiet, dahin kommt man wirklich nur mit dem Boot, oder streckenweise noch über Fahrradwege. Ich wollte ihn wirklich gern sehen, Martin sowieso, aber nachher hat mir das offenere Gelände viel besser gefallen. Im Hochwald war es halt trotz eigentlich herrlichen Sonnenscheins ziemlich dunkel. Eine Pinkelpause haben wir eingelegt, bei der ich mich davon überzeugen konnte, dass Spree und Wald tatsächlich sehr eng beieinanderliegen. Die Wurzeln der Bäume hängen ins Wasser, und an Land zwischen den Bäumen ist es auch alles andere als trocken. Überall Morast, und eine Kröte ist mir über den Fuß gesprungen. Sehr… interessant.

Während wir unter dem sich färbenden Herbstlaub übers Wasser paddelten, musste ich an die Kahnpartie denken, die Theodor Fontane in seinem Roman „Irrungen, Wirrungen“ beschreibt. Viele Gaststätten, Straßen und sonstige Einrichtungen nehmen hier Bezug auf den Autor.

Wir hatten uns die Option offen gehalten, die Tour zu vergrößern und bis Leipe zu fahren – eins der Dörfer, die bis vor wenigen Jahrzehnten nur über Wasser erreichbar waren. Das Paddeln war aber doch ganz schön anstrengend, das Sitzen im Boot unbequem, so dass wir uns entschlossen, dann aufzuhören, wenn es am schönsten ist. So kamen wir uneingeschränkt glücklich wieder am Anleger an.

Nach Leipe fuhren wir dann mit dem Auto. So umwerfend fand ich die Siedlung nun nicht, eher etwas heruntergekommen und lieblos, gemessen an den Touristenströmen. Aber wir fanden das witzige Café „Zur Spreewälderin“, das einrichtungsmäßig zwischen früher Nachwendezeit und türkischem Imbiss changierte, wo aber eine sehr nette Wirtin himmlisch leckere Plinsen servierte.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 18. Oktober 2011 verfasst.

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.