Wollt ihr euch vor (oder auch statt) einem Schottlandurlaub nach Schottland träumen? Ich habe ein paar Tipps für Romane gesammelt, die in Schottland spielen: Krimis, Liebesromane, Fantasy. Ergänzt mir gerne eure eigenen Lesetipps per Kommentar!
Normalerweise geht es in meinem Reiseblog ja um Erfahrungsberichte zum Reisen – zum Beispiel über →Schottland mit Kindern. Ausnahmsweise geht es hier aber um Bücher. Schon lange war mein Plan, zusätzlich zu unserem eigenen Naturzeit-Reiseführer „Schottland mit Kindern“* noch einen weiteren Reiseführer empfehlen, der ganz Schottland samt kulturellen Sehenswürdigkeiten umfasst. Und bei der Gelegenheit, dachte ich mir, könnte ich ja auch noch Rezensionen für die zwei, drei Romane mit Schottland-Handlung einfügen, die ich so gelesen habe.

Das bin ich, by the way: Lena. Reisebloggerin, Autorin eines Familien-Reiseführers für Schottland* und generell großer Schottland-Fan. Außerdem Leseratte. (Aber keine große Freundin von Selfies. Dieses hier ist auch schon älter und stammt aus dem Schmetterlingshaus am →Steinhuder Meer. Ich dachte mir nur, die folgenden Buch-Tipps sind so subjektiv und persönlich, da schulde ich euch ein Gesicht zu. :) )
Aus den zwei, drei Romanen wuchs mir wie so oft ein größeres Projekt unter den Händen. Immer mehr Bücher fielen mir zu, vor allem aus dem Bereich der Belletristik. Und dann auch noch →Kinderbücher über Schottland, die inzwischen schon ihren eigenen Beitrag haben. Insgesamt werden es jetzt drei unabhängige Beiträge. (Der Reiseführer-Beitrag kommt irgendwann auch noch. Wahrscheinlich. Vielleicht.)

Lesen geht immer. (Dieses Foto stammt eigentlich aus meinem Reisebericht von der dänischen Insel →Bornholm – auch schön da. ;) )
Romane über Schottland mit einem Schuss Magie
Ich bin von Haus aus absoluter Fan von Fantasy-Literatur. Am liebsten mag ich dabei Geschichten, die in der realen Welt spielen, die logisch nachvollziehbare Handlung aber mit magischen Elementen würzen. Je nach Gemengelage nennt der Buchhandel das Urban Fantasy, Magical Realism oder Contemporary Fantasy. Das gibt es auch vor der wunderbaren Kulisse Schottlands. Und weil das mein liebstes Genre ist, fangen wir gleich damit an.
„Eilean Mhaigh. Muscheln, Zauber und ein Stein“ von Kristina Maria Dahl und Stefanie Biermann
Der Debüt-Roman der beiden deutschen Autorinnen spielt in St. Andrews an der Ostküste. In erster Linie, könnte man sagen, ist das Buch eigentlich ein Liebesroman. Hier geht es aber endlich mal nicht um die immer gleichen Klischees. Das gilt auch für die Schottland-Kulisse, obwohl Kultur, Natur und lokale Eigenheiten wunderbar präsentiert werden. Vor allem das übliche Lovestory-Strickmuster „Frau trifft tollen Typen und verliebt sich, es gibt ein paar Hindernisse, dann Happy End“ wird amüsant durchbrochen.

Da ich das Buch auf dem Kindle gelesen habe, hab ich mir das Coverfoto dankenswerterweise bei den Autorinnen besorgen dürfen.
Liebe, Mystik, Umweltthemen an der schottischen Ostküste
Dabei beginnt der Roman wie jede 08/15-Chick-Lit: Meeresbiologie-Studentin Maggie geht aus, trifft den wahnsinnig gutaussehenden Gavin. Sie vermasselt die Begegnung, aber trifft ihn unvermittelt in anderer Rolle wieder. Während sie sich schwer in ihn verliebt, erscheint gleichzeitig der mürrische Vogelkundler Johnathan auf der Bildfläche. Die Sorge um die lokale Seerobbenpopulation macht die drei zu einem Team.
Während es zunächst noch so aussieht, als sei die einzige Frage, wen von beiden sie denn nun langfristig abkriegt, nimmt die Handlung sowohl auf romantischer als auch auf Plot-Ebene überraschende Wendungen. Es geht ein bisschen um Umweltthemen, vor allem aber um Mystik und eine gute Portion Magie. Obwohl diese Elemente manchmal auf mich ein bisschen willkürlich zusammengewürfelt wirken, ergeben sie am Ende ein interessantes Potpourri. Ein Fantasy- und Liebesroman über Schottland abseits des Mainstreams.
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Update: Inzwischen ist auch Band 2 erschienen: „Eilean Mòr: Whisky, Träume und ein Rabe„.*
„Der magische Besen des Ian McCormack“ von Lilly Labord
Fantasy plus Schottland – da greife ich schnell zu. Die Autorin hat im Dark-Contemporary-Fantasy-Genre mit ihrer Reihe um Mr. Dalton schon etliche Bestseller abgeliefert. Entsprechend routiniert schreibt sie. Handwerklich ist der eher kurze Roman praktisch perfekt.
Es geht um Sylvie, Anfang 30, die nach gescheiterter Ehe eine Wanderung durch die Highlands unternimmt. Dabei stößt sie unversehens auf das leerstehende Cottage von Ian McCormack, dem lokalen Hexer eines wunderbar porträtierten Dorfes, der vor sechs Jahren spurlos verschwand. Nur sein Besen ist noch da, dem die Einheimischen magische Kräfte zuschreiben. Wo ist Ian hin? Was passierte in der Nacht, als er verschwand? Und was hat der Besen für Pläne mit Sylvie?
Obwohl Fantasy-Elemente durchaus eine Rolle spielen, liest sich der Roman über weite Strecken eher wie ein Lokal-Krimi. Das fiktive Highland-Dorf samt Einwohnerschaft ist so großartig gezeichnet! Natürlich kommt es auch zur unvermeidlichen Romanze, die sich aber nicht in den Vordergrund drängelt. Die Handlung nimmt ein paar unverhoffte Wendungen und am Ende ist alles gut. Tolle Urlaubslektüre für die Schottlandreise für alle, die realistische Geschichten mit einem Schuss Magie mögen.
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Mangels Coverfoto – da auf Kindle gelesen – musste ich jetzt aber ganz tief in mein Foto-Archiv greifen, um eine allzu lange Textwüste zu verhindern. Das einzige Bild, das ansatzweise einen Besen zeigt, stammt immerhin aus einem →Schottlandurlaub vom Boden unserer Ferienwohnung in →Helensburgh! :)
„Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit“ von Natasha Pulley
Das ist eines meiner Lieblingsbücher, obwohl ich gleichzeitig seitenweise Kritik daran üben könnte. Aber ich liebe die Story, wie ich das meiste von der britischen Autorin liebe.
Komplizierte Zeitreisen auf die Äußeren Hebriden
Es geht um einen komplizierten Zeitreise-Plot und parallele Wirklichkeiten. Napoleon hat die Schlacht von Trafalgar und alle folgenden gewonnen und England erobert. Der britische Adel wurde in Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit exekutiert, seine Nachkommen versklavt. Einer davon ist Joe Turnier, der eines Tages am Bahnhof von Londres steht und nicht mehr weiß, wer er ist. Visionen von Straßenschildern und Graffiti in englischer Sprache plagen ihn, und von einem Mann, der an einem felsigen Strand auf ihn wartet. Während er sich trotz seiner anhaltenden Amnesie ein Leben aufbaut, erreicht ihn eines Tages eine fast hundert Jahre alte Postkarte aus dem aufständischen Schottland, die ihn zu einem Leuchtturm auf den →Äußeren Hebriden zitiert.
Dass Lewis and Harris eine prominente Rolle in dem Fantasy-Roman spielt, hat ihm in meinen Augen schon mal viele Vorschusslorbeeren verschafft. Allerdings werden die Insel und auch der plotwichtige →Leuchtturm von Eilean Glas so rudimentär beschrieben, dass ich Zweifel habe, ob die Autorin jemals dort war. Die Inselhauptstadt →Stornoway wird (zumindest in der englischen Erstauflage) konsequent falsch geschrieben (und nein, nicht auf französische Schreibweise, das habe ich überprüft). Schade.
Der Großteil der Handlung spielt in →London und später auf dem Meer. Und der mutige Zeitreise-Parallelwelten-Plot ist ambitioniert gestrickt, fällt aber beinahe zwangsweise in etliche Logiklöcher. Wie gesagt, es gibt reichlich Kritik. Ich liebe das Buch vor allem für die grandiosen Charaktere und die fein gesponnene Beziehung der beiden Protagonisten.
Für die Urlaubsvorbereitung eignet sich dieser Roman also leider nicht wirklich. Aber wer Bock auf mutige Fantasy mit interessanten Alternate-History-Ideen hat, sollte sich das Buch ruhig mal ansehen!
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„Die Nebel von Skye“ von Katharina Herzog
Dieses Buch ist definitiv ein Jugendbuch, aber auch für Erwachsene finde ich es sehr lesenswert. Das auch namentlich so real existierende Setting von Dunvegan Castle auf der beliebten Urlaubsinsel Skye bezieht einerseits echte Reise- und Ausflugsziele ein, nimmt sich andererseits sehr viele künstlerische Freiheiten. Die Geschichte selbst ist spannend und authentisch erzählt. Es ist ein Roman unter dem neuerdings so beliebten Siegel Romantasy, der sich vor allem um die erste große Liebe dreht, bereichtert um Fantasy-Elemente wie Geister und Wahrsagerei.
Romantische Geister auf Skye
Die 16-jährige Enya wird von ihrer reichen Großtante mit ihrer ganzen Familie auf ein echtes Schloss in Schottland eingeladen. Eigentlich hatten alle andere Pläne für Silvester. Aber Tante Mathilda lässt durchblicken, dass sie ihre Millionen lieber noch mit warmen Händen verschenken will. Also gibt es auch für Enya und ihre wunderschöne und so beliebte große Schwester kein Vertun. Angekommen auf der schottischen Insel gruselt sich Enya ausgiebig in ihrem Zimmer auf Dunvegan Castle (das in Wirklichkeit kein Hotel ist, sondern eine zu besichtigende Tourismusattraktion) und begegnet mehreren Geistern und einer tollpatschigen Fledermaus.
Außerdem trifft sie Jona, den Enkel der Wahrsagerin aus dem Camp der Irish Travellers. Gemeinsam finden sie heraus, was es mit den diversen anderen Hotelgästen auf sich hat, welcher Spuk echt und welcher warum inszeniert ist und welches dramatische Geheimnis Tante Mathilda mit sich herumträgt.
Das alles ist wirklich nett und glaubwürdig aus Enyas Ich-Perspektive erzählt. Ein paar Mal musste ich laut lachen. An das echte Dunvegan Castle hat mich allerdings wenig bis gar nichts erinnert. Wer seine Teeny-Tochter für einen →Urlaub auf Skye motivieren will, könnte mit diesem Roman allein schon durch die Erwähnung diverser Instagram-Fotospots Erfolg haben.
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„Die Meerjungfrauen von Edinburgh“ von Ben Aaronovitch
Seit Ben Aaronovitch mit „Die Flüsse von London“ in den Bestsellerlisten stand, bin ich Fan seiner lässigen Magie-Krimis in einem zeitgenössischen Großbritannien. Je nachdem, ob man die Graphic Novels mitzählt, gibt es inzwischen auf jeden Fall eine zweistellig Anzahl von Büchern, die in der fast mit unserer identischen Parallelwelt mit der auf Magie spezialisierten Sondereinheit der Londoner Polizei spielen.
Familienurlaub und magische Wesen in Aberdeen
Im neuesten Roman um Constable Peter Grant und seinen Lehrmeister Thomas Nightingale geht es endlich auch einmal nach Schottland. Dort will Peter mit seiner ihm angetrauten Flussgöttin und den Zwillingen eigentlich nur Urlaub machen.
Dann aber häufen sich Tierkadaver mit magischer Signatur, und das vermutete Todesopfer einer Kneipenschlägerei hat eindeutig Kiemen. Schnell wird klar: Das ist ein Fall für die „Abteilung für abstrusen Scheiß“, wie die inoffizielle Fachbezeichnung lautet. Statt der netten Familienauszeit, die sich Peter erhofft hatte, hat er auf einmal doch wieder das ganze Team unter seinen Füßen. Cousine Abigail, die ihm mit ihrer magischen Begabung sowieso schon immer Ärger macht, verliebt sich währenddessen unsterblich in eine Verdachtsperson. Und die Füchse der Highlands sprechen Scots, was sonst?
Ben Aaronovitch beschreibt Aberdeen und Umgebung gewohnt detailliert und humorvoll. Im Fischerdorf Fittie (Footdee) am Rande von Aberdeen kenne ich mich jetzt voll gut aus – und weiß Bescheid, welche Kneipen ich ohne den richtigen magischen Hintergrund besser meiden sollte. Auf jeden Fall hat mir das Buch so viel Lust auf Aberdeen gemacht, dass wir im August hinfahren.
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Das Buch habe ich tatsächlich mal „in echt“ gelesen. Dieses dilettantische Beweisfoto stammt von meinem Ausflug nach →Bielefeld, als ich es im Zug gelesen habe.
„Das Flüstern der Magie“ von Laura Kneidl
Urban Fantasy und und Romantasy sind die beiden Stempel, die ich dieser soliden Geschichte aufdrücken würde. Wahrscheinlich bin ich hier wieder zu hart, weil mir das Handwerk zu glatt ist und das Setting zu sehr Young Adult.
Magische Artefakte und Große Liebe in Edinburgh
Fallon ist 19 und hat das magische Antiquariat ihrer Eltern geerbt, die ihrer gefährlichen Arbeit als Archivare nicht mehr nachgehen dürfen. Nun ist es an ihr, riskante Artefakte aufzuspüren und aus dem Verkehr zu ziehen. Schließlich sollen mächtige Gegenstände nicht in falsche Hände geraten. Dass der attraktive Reed genau solche besitzt, ist sich Fallon sicher. Trotzdem entwickelt sich zwischen ihnen schnell eine Anziehungskraft, die ebenso magisch ist wie die Tarotkarten, die seit Reeds Auftauchen spurlos verschwunden sind.
Dass der Roman der deutschen Bestseller-Autorin Laura Kneidl in Edinburgh spielt, klingt nett, tut aber meinem Empfinden nach eher wenig zur Sache. Objektiv gut geschrieben. Ich bin wohl einfach die falsche Zielgruppe.
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In der Onleihe als Hörbuch gehört, Buchcover auf der Verlagswebsite runtergeladen (und gelernt, dass man das meistens einfach so kann).
„Die Bibliothek von Edinburgh“ von T. L. Huchu
Ob die fantastische Geschichte in einer dystopischen Parallelwelt oder der näheren Zukunft spielt, wird zumindest im ersten Buch nicht ganz klar. (Den Folgeband „Das Hospital von Edinburgh“ habe ich noch nicht gelesen.)
Toten-Magie in einem dunklen Nicht-Edinburgh
Auf jeden Fall ist die unmittelbare Umgebung der 14-jährigen Ropa düster. Rohstoffe sind knapp, Elektrizität Luxus. Von Staat und Obrigkeit ist nichts Gutes zu erwarten. Dafür besitzt Ropa Magie. Um das ehrbare Handwerk richtig zu erlernen, reicht es nicht. Aber immerhin kann sie Geister austreiben und mit Toten sprechen. Mit dieser nicht autorisierten Dienstleistung bringt sie sich, die kleine Schwester und ihre Großmutter so halbwegs über die Runden. Dann beginnen immer mehr Kinder zu verschwinden – und nur die Toten wissen mehr…
Trotz der jungen Protagonistin handelt es sich meiner Meinung nach nicht um ein Jugendbuch. Ropa ist krass und notgedrungen abgebrüht. Hier ist so gar nichts kitschig.
Als Reiseführer taugt das Buch bei dem Setting freilich nur sehr bedingt. Wer sich in Edinburgh gut auskennt, wird bestimmt einiges wiedererkennen und Anspielungen verstehen.
Das Buch empfehle ich allen, die nichts gegen etwas Düsternis und eine rotzige Protagonistin haben und sich mal einen neuen Blick auf alte Fantasy- und Mystery-Themen wünschen. Nur ein Hinweis für alle Bücher-Fans: Die namensgebende Bibliothek spielt eine absolute Nebenrolle. (Das Buch trägt meiner Meinung nach schlichtweg den falschen Titel.)
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Leider habe ich von meinem Hörbuch-Cover nicht rechtzeitig einen Screenshot gemacht und bei Penguin Books kann man die Cover nicht einfach runterladen. Meine Anfrage an den Verlag blieb bisher unbeantwortet und einfach so traue ich mich das Cover nicht zu klauen. Also gibt’s stattdessen einfach ein Bild aus Edinburgh, das vielleicht auch eine geheime Bibliothek zeigt. :)
Die absoluten Klassiker
Ach ja: Dass wir an dieser Stelle weder über Harry Potter noch über Diana Gabaldons „Feuer und Stein“* (die Romanvorlage zur Outlander-Serie) sprechen müssen, darüber sind wir uns hier einig, oder? Letzteres habe ich schon vor 20 Jahren verschlungen und geliebt. Und dass wir riesige →Harry-Potter-Fans sind (auch wenn die Autorin den moralischen Kompass leider verloren hat, um es mal vorsichtig auszudrücken), ist auch kein Geheimnis.
Zu den Drehorten der Harry-Potter-Filme gibt es übrigens einen eigenen Reiseführer*, dem ich hier in meinem Reiseblog ebenfalls eine →Rezension gewidmet habe.
Liebesromane über Schottland
In diesem Genre bin ich selbst immer ein bisschen bigott unterwegs. Ich belächele die leichte Unterhaltung für Frauen, die meistens einem bekannten Strickmuster folgt. Dann greife ich doch zu – und verschwinde mitunter komplett in der Story. Auch wenn es oft Massenware ist, gibt es eben durchaus gut gemachte Unterhaltungsliteratur.
Die meisten der folgenden Titel habe ich in meiner heimatlichen Bücherei aufgespürt. Dabei habe ich mit dem Vorlieb genommen, was eben da war. Entsprechend ist es nicht das Neueste und vielleicht auch nicht das Allerbeste, was der Markt in Sachen Liebesromane mit Schottland-Bezug zu bieten hat. Wir starten mit zwei überschaubaren Taschenbüchern, die es jeweils auch als Hörbuch zu kaufen gibt. Und eine Urlaubslektüre habe ich noch, die ich mir vor Ort selbst gekauft habe. Je nachdem, wie viel Notwendigkeit zum romantischen Wegträumen sich in naher Zukunft so ergibt, erweitere ich diese Sektion möglicherweise. Der Markt gibt noch so einiges her.
„Das kleine Schloss in Schottland“ von Julie Caplin
„Romantic Escapes“ heißt passenderweise der Titel der Serie, in der Julie Caplin gleich reihenweise in beliebte Feriengebiete entführt. Nach „Die kleine Patisserie in →Paris“, „Die kleine Bucht in →Kroatien“ und „Das kleine Cottage in →Irland“ ist nun also Schottland dran. Dort gibt es natürlich ein kleines Schloss, klar.
Renovieren, kochen und Weihnachten feiern in den Highlands
Der Roman spielt in Kinlochleven an der schottischen Westküste, zwischen →Glencoe und Fort William. Die Schottin Izzy hat von ihrem Großonkel ein (fiktives) Schloss in den Highlands geerbt. Leider muss es dringend renoviert werden. Da wäre es toll, wenn die legendären Saphire auftauchten, die der Sage nach irgendwo im Schloss versteckt sind. Da an die niemand so recht glaubt, vermietet Izzys Mutter ein Zimmer an einen unfreundlichen Schriftsteller, während Izzy einen Kochkurs in Irland belegt, um aus dem Schloss ein Hotel mit eigenem Restaurant machen zu können.
Nach ihrer Rückkehr bahnt sich freilich die unvermeidliche Romanze mit Hindernissen an. Außerdem sammelt sich eine kleine found family aus netten Helfenden im Schloss. Da die ersten stinkreichen Gäste schon für Weihnachten gemietet haben, muss bis dahin alles renoviert sein.
Erhebliches Aufkommen von schottischer Kochkunst, viele Details über Inneneinrichtung und ein regelrechter Einkaufsführer für →Edinburgh sind in die Handlung inkludiert. Ansonsten passiert auf oft amüsante Weise eigentlich nicht viel. Das Ende verrate ich nicht, aber es ist die Sorte Buch, bei der das gar nicht nötig ist. Ein echter Feel-good-Roman der Bestseller-Autorin mit Weihnachtsflair vor Highland-Kulisse.
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„Der kleine Strickladen in den Highlands“ von Susanne Oswald
Noch mehr Feel-good-Unterhaltung gibt es im ersten Band der Reihe um den Strickladen von Mairghread. Er spielt in einem fiktiven Highland-Dorf am Ostufer des →Loch Lomond.
Stricken, verlieben und Hunde streicheln am Loch Lomond
Nach einer gescheiterten Beziehung und einem Streit mit ihrer Mutter zieht die 30-Jährige aus der Großstadt in die Highlands. Im Dorf ihrer Großeltern muss sie sich mit ihrer verzwickten Familiengeschichte auseinandersetzen. Währenddessen kommt sie auf die Idee, dort einen Strickladen aufzumachen. Natürlich ist auch Mr. Right dabei, in Gestalt des Schlossbesitzers Joshua. Der muss für sein detailliert beschriebenes Sixpack nur ein paar Schafe scheren und gewinnt dann die Highland-Games, jawohl. Und auch sonst ist er einfach perfekt, kann alles, weiß alles, tut alles für die unverhofft aufgetauchte Fremde im Dorf.
Wie sich die beiden unsterblich ineinander verlieben und dann die unvermeidlichen Missverständnisse langsam aus dem Weg räumen, erfahren wir nicht nur aus Mairghreads, sondern teils auch aus Joshuas Sicht, damit auch so gar nichts unklar bleibt.
Streckenweise geht es detailliert ums Stricken, worüber ich mich bei dem Titel wohl kaum beschweren darf. Und auch die Hunde der beiden Liebenden kommen immer wieder sehr ausführlich vor. Reichlich Herzschmerz, einfühlsam und ausgesprochen ausführlich aus den Perspektiven aller Beteiligten beschrieben, regiert dabei nicht nur in Sachen Liebe, sondern auch bei Freundschaften und Familienbeziehungen.
Um all diesen Baustellen zum Durchbruch zu verhelfen, braucht es offenbar noch mindestens drei weitere Bände. In denen wird, soweit ich das den Klappentexten entnehmen kann, dann das Schicksal der Nebencharaktere in den Fokus gestellt, während auch Mairghreads und Joshuas Geschichte weitererzählt wird. Unterhaltungsliteratur, die sich mal eben so locker wegliest.
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„Das kleine Café in den Highlands“ von Birgit Loistl
„Große Gefühle in Schottland 1“ lautet der Untertitel. Da wisst ihr schon Bescheid. Obwohl die Autorin Deutsche ist, folgt dieser Liebesroman aus dem Jahr 2020 sehr den Mustern amerikanischer RomComs.
Gebäck, Tragik und Familiendramen irgendwo in den Highlands
In der Tat ist Protagonistin Raelyn US-Amerikanerin und reist mit all den üblichen Vorurteilen und Klischees im Gepäck in die schottischen Highlands. Dort hat die Immobilienmaklerin aus Manhattan von ihrer leiblichen Mutter ein Café geerbt. Wo genau der fiktive Ort Duncan liegt, wird nicht verraten, aber vom Flughafen in →Inverness ist es jedenfalls noch eine mehrstündige Fahrt. Anständigen Handyempfang gibt es dort auch nicht. (Damit kommt meiner Erfahrung nach etwa 75 % Fläche der Highlands in Frage…)
Dafür erscheint der wahnsinnig attraktive Colin mit der dunklen Vergangenheit auf der Bildfläche. Außerdem muss Raelyn sich mit ihrem skeptischen Halbbruder und einem abgrundtief bösen Bürgermeister herumschlagen, während sie – lange irgendwie merkwürdig halbherzig, damit die Dramatik nicht zu früh verpufft – das Geheimnis zu ergründen versucht, wieso ihre Mutter sie damals weggegeben hat.
Die Schottland-Kulisse spielt dabei keine allzu große Rolle. Als großer Fan von britischen Tea-Rooms habe ich mich zwar durchaus im Soup Dragon am Loch Lomond oder im Wobbly Dog auf Lewis gesehen. Ganz viel Landschaftsbeschreibung oder typisch schottische Eigenheiten kommen aber nicht vor.
Ich bin mir nicht sicher, ob es daran liegt, dass ich mit dem seichten Genre mittlerweile überfüttert bin. Jedenfalls war ich von dieser Geschichte ehrlich gesagt nicht übermäßig angetan. Wer es gerne plakativ und viel Dramatik in kräftigen Farben mag, wird sich auch mit diesem Roman bestimmt gut unterhalten fühlen.
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„Der Gesang der Wellen nach dem Sturm“ von Kirsty Wark
Der Roman der schottischen BBC-Journalistin heißt im englischen Original „The Legacy of Elizabeth Pringle: a story of love and belonging on the Isle of Arran“*. Wenn die →Insel Arran auf eurer Reiseroute steht (was sie durchaus sollte, hier ist →meine Empfehlung für eure Routenführung) und ihr auf Frauenliteratur steht, ist das die richtige Urlaubsvorbereitung für euch.
In der Vergangenheit suchen und sich selbst finden auf Arran
Die Handlung begleitet das Leben einer mittelalten Journalistin auf den Spuren einer kürzlich verstorbenen alten Dame. Natürlich geht es auch hier um ein Schloss, aber immerhin um das reale und sehr sehenswerte →Brodick Castle. Und logisch, dass es auch hier zur unvermeidlichen Romanze kommt, sowohl für Journalistin Martha als auch in den Rückblenden für die verstorbene Elizabeth.
Im Vergleich mit den anderen beiden Unterhaltungsromanen oben ist diese Geschichte ein bisschen ernster, glaubwürdiger, tiefgehender (aber nicht viel). Solide Unterhaltung für weibliches Zielpublikum und ideale Urlaubslektüre für alle, die nach Arran reisen.
Link zu „Der Gesang der Wellen nach dem Sturm“ bei Amazon* (auf Deutsch nur gebraucht erhältlich).
„Schottenküsse – Durch die Highlands ins Glück“ von Sina Grave
Wie bei dieser Sorte Liebesromanen üblich, ist der Titel Programm und die Handlung vorhersehbar. – Wohlfühl-Literatur im besten Sinne. Sina Grave schreibt Liebesromane mit Schottland-Bezug (aktuell fünf!) im Selbstverlag. Was früher Geschmäckle hatte, ist heute für alles abseits des wirtschaftlich tragfähigen Massen-Mainstreams pure Notwendigkeit und oft hoch professionell. So sind Sinas Bücher als Taschenbuch, E-Book und sogar als Hörbuch erhältlich. Ich hatte das E-Book am Wickel und qualitativ unterschied es sich nicht von den oben beschriebenen Verlagswerken selbiger Kategorie.
Schottlandurlaub mit Glücksgarantie
Luna liebt Ordnung und geregelte Verhältnisse, doch das Leben hat etwas anderes mit ihr vor. So fliegt sie statt in die minutiös geplanten Karibik-Flitterwochen mit ihrer Oma nach Schottland. Die vielleicht doch nicht mehr ganz so rüstige Seniorin droht sich mit ihrem dickköpfig geplanten Roadtrip selbst zu überfordern – zumindest befürchtet Luna das. Überfordert ist stattdessen zunehmend Luna selbst. Unter anderem irritiert sie ein attraktiver Schotte, der sich nicht abschütteln lässt und zufälligerweise mit seinem ebenfalls alleinstehenden Großvater unterwegs ist.
„Schottenküsse“ taugt als Urlaubsvorbereitung ziemlich gut, denn Sina beschreibt die selbst bereisten Kulissen sehr realistisch und detailliert. Dank dieses Romans weiß ich jetzt beispielsweise, was ich beim Edinburgh Tattoo zu erwarten hätte. Auch um sich einfach mal eine Runde nach Schottland zu träumen, sind diese Bücher perfekt.
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„The Jewel Secrets“ von Jana Hoch
Ich finde diese aktuelle Sitte englischer Titel von deutschsprachigen Autorinnen doof. Und ich bin auch nicht Zielgruppe oder größter Fan des Genres Young Adult. Außerdem habe ich mal wieder den Klappentext vorm Ausleihen nicht ordentlich gelesen und dachte, es wäre ein Fantasy-Roman. Von daher ist es wohl nicht ganz fair, dass ich dieses Buch hier überhaupt rezensiere. Der Verriss des typischen Dark-Romance-Trendbuchs ist vorprogrammiert.
Dabei sind die „Jewel Secrets“ nicht schlecht geschrieben. Sauberes Handwerk mit viel Tempo, Cliffhängern, Plot-Twists, Charakterentwicklung, passender Wortwahl. Auf mich (Ü40) wirkt die Story völlig überfrachtet und überdreht wie ein TikTok-Video. Für junge Leute mit entsprechendem Lebensgefühl ist das Buch wahrscheinlich super.
„The Bachelor“ meets Familiengeheimnis auf schottischer Insel
Darcy ist eine Außenseiterin, der das Schicksal extrem krass mitgespielt hat. Eines Tages sucht sie ein Anwalt auf und erklärt ihr, dass auch sie eine potenzielle Erbin einer berühmten Künstlerin ist. Die ebenso exzentrische wie verstorbene Dame will ihr Anwesen mitsamt der dazugehörigen →schottischen Insel denjenigen vermachen, die bei einer ebendort inszenierten und im TV übertragenen Schatzsuche ein Paar werden. Mit diesem Schachzug will sie auch den hundert Jahre alten Erbschaftsstreit befrieden, indem sie als zweite „Paarungspartei“ die Nachkommen des Clans einlädt, dem die (fiktive) Insel ursprünglich gehörte.
Was so schon sehr, sehr konstruiert klingt, ist doch ganz witzig umgesetzt, wird vor Ort aber durch diverse Krimi-Aspekte verkompliziert. Als wäre das alles noch nicht genug für einen Roman, ist Darcy auch noch schwer traumatisiert (Triggerwarnung Kindesmissbrauch). Und eigentlich geht es vor allem um die Enemy-to-Lovers-Geschichte von Darcy und dem perfekt dafür geeigneten Protagonisten.
Der Roman spielt anfangs in Edinburgh und dann auf besagter fiktiver Insel. Obwohl ein Herrenhaus und felsige Küste vorkommen, hielt sich für mich das „Schottlandgefühl“ beim Lesen in Grenzen. Sehr interessant fand ich allerdings die detaillierte Beschreibung der unterirdischen Gasse Mary King’s Close. Das steht für unseren nächsten Edinburgh-Trip im Juli auf meinem Wunschzettel!
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Schottland-Krimis: Mord und Todschlag vor Highland-Kulisse
Ich sage es gleich: Mit Krimis habe ich es nicht so. (Außer mit den witzigen Fantasy-Krimis von Ben Aaronovitch, die in einem magischen England spielen – siehe oben. Und mit Sherlock Holmes, sowohl im ACD-Original als auch in der modernen BBC-Adaption.) Aber natürlich hat das Genre viele Fans. Und es bietet sich absolut an, auch um tiefe Lochs und schroffe Berge ein paar blutrünstige Geschichten zu stricken.
Ich habe mir speziell für diesen Blogbeitrag einen Schottland-Krimi vorgeknöpft, den ich aus Eigeninteresse wohl nicht gelesen hätte. Gestoßen bin ich auf ein ziemlich gutes Buch mit erstaunlich viel Tiefgang – und die Erkenntnis, dass ich vielleicht doch öfters mal Krimis mit (schottischem) Lokalbezug lesen könnte. Diese Rubrik ist also ausbaufähig.
„Das Unrecht von Inverness“ von Douglas Skelton
Den Titel habe ich recht willkürlich ausgewählt, weil der Titel definitiv nach Schottland klang. Erst beim Hören des Hörbuchs habe ich gemerkt, dass es sich um den dritten Teil der Reihe um die investigativ ermittelnde Journalistin Rebecca Connolly handelt. Obwohl der Inverness-Fall auch für sich gelesen werden kann, macht es wahrscheinlich mehr Sinn, mit Teil eins zu starten: „Die Toten von Thunder Bay“.*
Organisiertes Verbrechen, gleichgeschlechtliche Liebe und Mord
„Das Unrecht von Inverness“ jedenfalls handelt von einem Justizirrtum, bei dem vor mehr als zehn Jahren ein junger Mann für den Mord an seinem Geliebten verurteilt wurde, einem unbequemen Rechtsanwalt und Umweltaktivisten. Mit dem posthumen Geständnis eines Kleinkriminellen kommen all die Verwicklungen aus dem organisierten Verbrechen und der Politik wieder ans Tageslicht, die damals schön unter den Teppich gekehrt wurden.
Als Nicht-Krimi-Fan gefällt mir die sorgsam konstruierte Geschichte mit ihren fein gezeichneten Charakteren richtig gut. Dass das Liebespaar im Zentrum des Falles aus zwei Männern bestand, ist anfangs nur ein unbedeutender Fakt, den ich als Freundin einer diversen und aufgeklärten Gesellschaft beifällig zur Kenntnis nahm. Ich will nicht zu viel verraten, aber zwischenzeitlich war ich dann doch mal ein bisschen irritiert, weil plötzlich irgendwie mehr homosexuelle Charaktere vorkamen als andere. Mich stört das zwar nicht per se, aber das geballte Aufkommen nicht nur im Kreis der Verdächtigen (nicht unlogisch, bei der Sachlage), sondern auch auf Seiten der Ermittelnden hatte für mich dann schon wieder was Konstruiertes, Unrealistisches. Aber hey, als Ausgleich zu den ganzen Schnulzromanen oben, in denen jeder Charakter ausnahmslos straight liebt, lebt und schmachtet, schon in Ordnung.
Was die Schottland-Kulisse angeht, ist der Krimi von Douglas Skelton absolut passend für die Urlaubsvorbereitung. Wie der Titel erwarten lässt, spielt →Inverness als Stadt eine Rolle (wenn auch keine tragende). Daneben verschlägt es Teile der Handlung auch an die Westküste und in kleine Highland-Gemeinden. Skandalös: Es kommt kein einziges Schloss vor! (Ach doch, das Stadtschloss von Inverness als Sitz des Gerichts, aber das zählt ja nicht wirklich.) Immerhin wird Nessie am Rande erwähnt.
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Den Schottland-Krimi habe ich mir als Hörbuch in der Onleihe ausgeliehen. Voll gutes System, übrigens! Mit meinem ganz normalen Bücherei-Ausweis erstelle ich mir einen Account und habe Zugriff auf unglaublich viele Hörbücher, die ich mir direkt am Handy anhören kann – mit einem dazugehörigen Player (per App), der richtig gut funktioniert! Ich bin sehr begeistert.
„Hinter diesen Türen“ von Ruth Ware
Als zuverlässige Bloggerin (und mit dem neu entdeckten ernormen Fundus der Onleihe im Rücken) dachte ich mir, ich sollte vielleicht auch noch einen Thriller dazu packen, der in Schottland spielt. Oh weh, da habe ich mich ein bisschen überschätzt. Obwohl ich mir extra eine nicht allzu blutige Story mit nur sehr subtilem Horror ausgesucht habe, hat mich die wohl durchdachte Geschichte der britischen Autorin ziemlich verstört zurückgelassen.
Familie, Technik und Psychoterror in den Cairngorms
Es geht um vielschichtige Familienprobleme in einem problematischen Smart-Home in den einsamen Highlands der Cairngorms. (Als nächste Stadt wird →Pitlochry genannt.) Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der Nanny, die sie ihrem Anwalt einmal von vorne bis hinten ausbreiten will, da die Öffentlichkeit sie als Kindsmörderin bereits vorverurteilt habe. Die Charaktere sind wirklich gut gezeichnet, vor allem auch die vier Kinder der Familie (vom Baby bis zum Teenager) sind glaubwürdig dargestellt.
Die Atmosphäre in dem krass modernisierten alten Herrenhaus schwankt immer wieder zwischen nervenaufreibendem Spuk, liebevoll beschriebenem Nanny-Alltag und psychologischen Abgründen. Mehrere Zickzack-Wendungen und rote Heringe lassen absolut keine Langeweile aufkommen. Am Ende hatte ich sie alle so liebgewonnen, dass ich mich echt zwingen musste, mir den schlimmen Schluss anzuhören. Über den allerletzten Plot-Twist bin ich immer noch nicht hinweg. Für Mütter (nicht nur von Fünfjährigen, wie mich) eine dicke Triggerwarnung.
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„Echo einer Winternacht“ von Val McDermid
„Ein Fall für Karen Pirie“ lautet der Untertitel, der einen typischen Krimi vermuten lässt. Typisch ist er aber keinesfalls, und ich überlege noch, ob ich dem Roman überhaupt das Label Krimi zugestehe. Es geht um einen Mord, der im Jahr 1978 in St. Andrews geschehen ist. Aber eigentlich geht es um ganz andere Dinge (und so gut wie überhaupt nicht um Karen Pirie).
Übrigens gibt es mittlerweile acht Cold-Case-Fälle von Ermittlerin Karen Pirie aus der Feder der Schottin Val McDermid. Alle spielen in Schottland (und sind auch für die BBC verfilmt worden). „Die Straße der Knochen“* zum Beispiel behandelt das Umfeld des schottischen Unabhängigkeitsreferendum. Bestimmt auch spannend!
Männerfreundschaften und alte Wunden in St. Andrews
Deklariert ist die Geschichte als Cold Case: Ermittlerin Karen Pirie rollt einen 25 Jahre alten Fall wieder auf. Bis die Dame zum Zuge kommt, entfaltet sich besagter Fall aber erst einmal in der Vergangenheitsebene. Fast die Hälfte des Buches spielt 1978 – und zwar atmosphärisch und psychologisch dicht. Vier Studenten laufen in der Neujahrsnacht von einer Party ins gemeinsame Wohnheim. Betrunken nehmen sie eine Abkürzung – und stolpern regelrecht über die blutüberströmte Kellnerin, mit der sie früher am Abend geflirtet haben.
Obwohl sie sofort Hilfe holen und ihren grausigen Fund ohne Zögern melden, geraten sie ins Visier der Ermittlungen. Sagen die vier Freunde alle die Wahrheit? Nach und nach kommen allerlei Geheimnisse ans Licht. Nur wer Rosie Duff getötet hat, bleibt offen – und das eine dauerhafte Belastung ihrer Freundschaft.
Als 25 Jahre alles wieder aufs Tapet kommt und sich das Buch doch noch in einen „normalen“ Krimi verwandelt, ergibt sich ein völlig anderes Bild.
Dieser Roman ist kein schnödes Whodunit, sondern eine starke Geschichte darüber, was Zweifel, Verdächtigungen und schlechtes Gewissen mit Freundschaften und dem Leben junger Leute machen. Dass der Mord am Ende selbstverständlich aufgeklärt wird – Nebensache.
Das alles passiert vor der liebevoll ausgeschmückten Kulisse des damaligen wie moderneren St. Andrews und Fife. Auch ein Grund, warum die Region 2026 auf unserer Bucketlist steht.
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Noch mehr Bücher mit Schottland-Bezug
Es folgen noch ein paar Romane und ein Sachbuch über Schottland, für die ich keine rechte Rubrik gefunden habe.
„Schotten dicht“ von Reiner Luyken
„Nachrichten aus Schottland und Achiltibuie“ lautet der Untertitel des erzählenden Sachbuchs, das schon im Jahr 2015 erschienen ist. Der Autor war Korrespondent für die ZEIT und lebt mit seiner schottischen Frau in einem abgelegenen Dorf an der schottischen Nordwestküste. Von diesem Leben erzählt er auf amüsante, manchmal auch gehässige Weise in allen Einzelheiten.
Bissige Beschreibungen, Charakterbilder und nordschottischer Lokalkolorit
Der Blick des Außenseiters hilft ihm dabei, denn so richtig dazugehören kann er als deutscher Fremdling natürlich nie. (Nachdem er dermaßen schonungslos mit seinen Mitbürger*innen öffentlich abgerechnet hat, ganz bestimmt nicht mehr. Denn auch wenn die beschriebenen Charaktere wahrscheinlich nicht unter den angegebenen Namen in Achiltibuie wohnen, wissen vor Ort bestimmt alle, wer für wen reales Vorbild war. – Oder es ist am Ende alles erfunden und erlogen?)
Ich habe mir das Buch vor unserer →ersten Recherchereise nach Schottland gekauft, weil ich mir so etwas ähnliches wie →„McCarthys Bar“ über Irland erhofft hatte: eine ausführliche und unterhaltsame Sozialstudie über Land und Leute. Das ist „Schotten dicht“ auch, schon. Von seinem Blickwinkel aus der schottischen Peripherie heraus streift der Autor immer wieder die große Politik des Landes, die Geschichte, alles. Seine bissige Art ist mir dabei nur leider überhaupt nicht sympathisch. „In echt“ kenne ich so viele nette Schottinnen und Schotten. Reiner Luyken scheint in all den Jahren kein*e einzige*r davon untergekommen zu sein.
Andererseits: Eine bessere Zusammenfassung dessen, was Menschen in Schottland bewegt und ausmacht, habe ich anderswo noch nicht gefunden.
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„Der singende Stein“ von Helga Glaesener
Die Autorin schreibt historische Romane, unter anderem eine Trilogie über die Toskana und dann so Titel wie „Die Rechenkünstlerin“ und „Die Safranhändlerin“, wie sie um die Jahrtausendwende so in Mode waren. „Der singende Stein“ ist 1999 erschienen. Er ist jedoch etwas anderes als die typische Frauenliteratur, die die deutsche Bestsellerautorin sonst verfasst hat. Mit nur 222 Seiten eher schmal, würde ich das Büchlein fast schon als Coming-of-Age-Roman bezeichnen. Er ist eines von ganz wenigen Büchern, das ich mehr als zwei Mal gelesen habe.
Wikinger, Kelten und Freundschaft quer durch Schottland bis nach Irland
Wahrscheinlich liebe ich das Buch so sehr, weil es auf der Handlungsebene die nordschottischen →Orkney-Inseln, die Halbinsel →Kintyre und →Tara Hill in Irland miteinander verwebt. (Alles Lieblingsorte von mir.)
Es geht um Kari, einen jungen Wikinger im 11. Jahrhundert. Von einer Beutefahrt bringt sein Vater den irischen Sklaven Aedan mit, den ein dunkles Geheimnis umgibt. Zaghaft freunden die beiden Jungen sich an und entwickeln nach und nach Verständnis für ihre unterschiedlichen kulturellen Hintergründe. (Und wäre das Buch 20 Jahre später erschienen, hätte sich aus der innigen Freundschaft bestimmt ein bisschen mehr entwickeln dürfen als die zarten Andeutungen, bevor Kari mit dem Holzhammer dann doch eine vorbildliche Herzensdame verpasst kriegt.) Historische Fakten scheuchen die Jungs quer durch Schottland und bis auf die grüne Insel. Ein ganz klein bisschen Magie kommt auch noch ins Spiel.
Wer etwas über die hochmittelalterlichen Verhältnisse in Schottland erfahren will (ohne Anspruch auf absolute historische Korrektheit), kann diesen nett geschriebenen Roman mal eben so weglesen.
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So sieht mein Buch auch aus. Die letzte Auflage hatte dann noch ein anderes Cover (mit einer Halskette drauf, die im Buch überhaupt nicht vorkommt).
„Wer früher geht, verpasst den Schluss“ von P.I. Paris
Eher zufällig spielt diese amüsante Erzählung in Schottland. Als Urlaubsvorbereitung taugt sie daher nicht unbedingt. Andererseits vermittelt sie doch einen lokalen Blick auf das Alter und die damit einhergehenden Probleme. Auf jeden Fall ist der kurze Roman lustig – dann aber teilweise auch wieder ernst bis zur Bedrückung, und immer kurzweilig.
Senior*innen, Sex und Gebührenerhöhung im Altenheim
Das „Highland Home“ ist eine vorbildliche Institution mit kompetentem Pflegepersonal, in dem die dort ansässigen Leute größtenteils gerne ihren Lebensabend verbringen. Die wohlgemute Schicksalsgemeinschaft am Ende ihrer Tage wird dennoch kräftig durchgerüttelt, als die neue Betreibergesellschaft eine kräftige Gebührenerhöhung beschließt. Mehreren langjährigen Bewohner*innen droht der Auszug. Der harte Kern der Rüstigsten geht daraufhin – buchstäblich – auf die Barrikaden.
Vor allem der pensionierten Schulleiterin Miss Ross ist zunehmend jedes Mittel recht, um ihre geliebte Freundin Dorothy bei sich behalten zu können. So gründen die findigen Seniorinnen schließlich eine Sexhotline. Die beiden verkrachten Jugendfreunde Walter und Angus kitten währenddessen ihr Verhältnis über dem Schicksal der jungen Prostituierten Julie. Moralapostel Deirdre und die fast hundertjährige ehemalige Nackttänzerin Mrs O’Reilly, der demenzkranke Andrew und der Bestatter Mr Dunn sowie etliche Weitere bringen ebenfalls ihre Geschichten ein.
Damit bekommt die Story einen episodenhaften Charakter. Während anfangs die komischen Aspekte dominieren, kommen mit zunehmender Charaktertiefe der Protagonist*innen auch bittere bis befremdliche Noten zum Tragen. Mitunter verliert sich der rote Faden fast in Nebensächlichkeiten und ein übergreifender Spannungsbogen trägt die Geschichte nicht komplett. Trotzdem bin ich persönlich sehr angetan: Dieses Buch ist echt mal was anderes!
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Das Leben im Seniorenheim wird hier wahrscheinlich ziemlich romantisiert, macht dafür aber durchaus Lust, bis ins hohe Alter durchzuhalten… (Screenshot aus der Onleihe.)
Transparenz-Hinweise:
Die Auswahl der Bücher ist ehrlich gesagt hauptsächlich dem Vorhandensein in meiner heimatlichen Bücherei sowie der niedersächsischen Onleihe geschuldet. So einen Literaturartikel wie die →über Irland und →Frankreich wollte ich auch über Schottland schon ewig schreiben. Dass ich es jetzt endlich gemacht habe, liegt vor allem daran, dass mir „Eilean Mhaigh“ so gut gefallen hat und ich es empfehlen wollte, auch aus Sympathie und Schicksalsgemeinschaft für die Autorinnen.
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Update: Sina Grave hat mich nach Erscheinen dieses Beitrags gefragt, ob ich eins ihrer Bücher rezensieren möchte, und es mir kostenlos zur Verfügung gestellt.












Toll, da werde ich nach diesen Büchern Ausschau halten!
Zu Liebesromanen würde ich noch zwei von Rosamunde Pilcher empfehlen (Pilcher ist ja sonst auch Klischee, aber diese zwei sind echt nett): „September“ und „Wintersonne“.
Zu Krimis „Blackhouse“ von Peter May, dass auf Insel Lewis spielt.
Fantasy: Victoria E. Schwab „City of Ghosts: Die Geister, die mich riefen“ spielt in Edinburgh.
Alle nur persönliche Meinungen… Und da merke ich, dass ich zu wenige Bücher über Schottland gelesen habe.
Danke für die Tipps!
Von Peter May habe ich „Moorbruch“ angelesen. Das ist, glaube ich, die Fortsetzung von „Blackhouse“. Ich hoffe, dass ich das in die Finger kriege, denn der zweite Teil las sich in den ersten beiden Kapiteln sehr „hebridig“ und ausgesprochen spannend. (Ich bin nur offenbar immer zu doof, den ersten Teil einer Reihe zu identifizieren. Und wenn, dann ist genau der in der Bücherei natürlich immer ausgeliehen.)
„City of Ghosts“ werde ich mir auch gleich mal näher ansehen. :)