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Empfehlungen: Irland-Reiseführer und Bücher über Irland

Wer überlegt, Urlaub in Irland zu machen oder sogar schon ganz konkret eine Reise auf die grüne Insel plant, braucht jede Menge Informationen. Die bekommt man heutzutage problemlos im Internet – zum Beispiel hier im family4travel-Reiseblog. Aber es gibt gute Argumente, auch auf klassische Bücher aus Papier und Druckerschwärze zurückzugreifen. Wir jedenfalls nutzen immer beides. Und wir informieren uns auch gerne auf allen möglichen Ebenen über unsere Reiseländer. Deshalb gebe ich hier nicht nur Tipps für Reiseführer, sondern auch für Unterhaltungsliteratur und Romane zum Thema Irland. (Und ich mache natürlich Werbung für meinen eigenen Familien-Reiseführer „Irland mit Kindern“, klar – aber nicht nur, versprochen!)

Zunächst ein Hinweis in eigener Sache

Ich stelle hier vor allem die Irland-Bücher und Reiseführer vor, die ich zufällig kenne. Einige habe ich mir selbst gekauft, einige geschenkt bekommen. Die meisten, vor allem die Hörbücher, habe ich aus der Bücherei ausgeliehen und dort Vorlieb mit dem  genommen, was nun einmal da war. Die Auswahl ist also nicht so richtig repräsentativ. Um die Sache auszugleichen, habe ich ein paar Titel rausgesucht, die ich nicht selbst gelesen habe – das steht dann aber jeweils dabei. Insgesamt ist jedenfalls so viel zusammengekommen, dass ich die Kategorie der Kinder- und Jugendbücher ausquartieren musste (und mit meinem üblichen  Veröffentlichungsdatum am Sonntag auch so gar nicht hingekommen bin). Die Kinder- und Jugendbücher kommen also demnächst in einem gesonderten Beitrag.

Ein Klick auf die Buchcover bringt euch zu Amazon, wo es die aktuellen Details, Preise und natürlich auch die direkte Bestellmöglichkeit gibt.*

(Und mit der Bebilderung dieses Mammut-Beitrags hat es auch so gar nicht geklappt… Ist im Moment alles ein bisschen schwierig hier mit dem Mitarbeiterstamm.)

Wieso Reiseführer, wenn man Reiseblogs hat?

Ich finde, Reiseblogs und Reiseführer ergänzen sich ganz prima. Deshalb schreibe ich auch beides: im Internet hier auf family4travel, wo es zum Thema Irland mit Kindern mittlerweile eine beachtliche Auswahl an Beiträgen zu allgemeinen wie ganz speziellen Fragen der Reiseplanung gibt (eine Übersicht bietet mein Beitrag Irland mit Kindern: Unsere gesammelten Erfahrungen und Tipps). Und für die Familien-Reihe des Naturzeit-Verlags schreibe ich „echte“ Reiseführer (siehe unten).

Wenn wir selbst auf Reisen sind, nutzen wir ebenfalls beides: Reiseblogs bei der Vorbereitung zu Hause und für die Antworten auf ganz spezielle Fragen, die nicht in Reiseführern stehen. Reiseführer brauchen wir für die ganz konkrete Tagesplanung und als spontane Entscheidungshilfe vor Ort.

(Beinahe wäre mir hier ein Foto gelungen.)

Und vor allem mögen wir es, uns schon im Vorfeld auf unser Urlaubsland einzustimmen, indem wir Hintergrundinformationen einholen und Bücher lesen oder Hörbücher hören, die in unserem Reiseland spielen.

In diesem Blogbeitrag stelle ich deshalb für Irland alle Reiseführer vor, die ich selbst bisher genutzt habe (und meinen eigenen natürlich), außerdem ein paar Titel für die Annäherung an die irische Kultur im Vorfeld. Am Schluss gebe ich Hinweise für Unterhaltungsliteratur, die in Irland spielt.

Familien-Reiseführer

Fangen wir also mit dem – aus meiner Sicht – allerwichtigsten Buch an. Das wäre natürlich mein eigenes. :) Da es sich dabei um ein spezielles Nischenprodukt für naturverbundene Familien mit Kindern handelt (obwohl auch Reisende ohne Kinder viel Nutzen daraus ziehen können, wie mir aus sicherer Quelle berichtet wurde), stellen klassische Reiseführer keine Konkurrenz dar. Als Ergänzung würde ich sogar auf jeden Fall einen „richtigen“ Reiseführer zusätzlich empfehlen.

„Irland mit Kindern“, Naturzeit-Verlag

Die Familienreiseführer des Naturzeit-Verlags sind mehr als normale Reiseführer. Hauptsächlich geht es darin nämlich um verbrauchsfertig vorbereitete Wander- und Erlebnistouren für die ganze Familie.

60 ganz konkrete Tourenvorschläge entlang des Wild Atlantic Way an der irischen Westküste haben Stefanie Holtkamp und ich dafür zusammengestellt. Alle sind selbst ausprobiert und auf Kindertauglichkeit überprüft. Die meisten Touren sind Wanderrouten, in deren Wegbeschreibungen auch Kinder-Highlights wie Spielstationen und Kletterbäume wichtige Orientierungspunkte darstellen. Die Längen der Strecken variieren zwischen zwei und zwölf Kilometern und sind je nach Anspruch für unterschiedliche Altersgruppen empfohlen. Oft haben wir auch Tipps parat, wie man längere Touren mit kleinen Kindern abkürzen kann. Bei einigen Erlebnis-Vorschlägen kommen Fahrräder, Kanus oder ein Ausflugsboot zum Einsatz. Und bei manchen handelt es sich um Orte, an denen gar nicht viel gewandert werden muss, wie zum Beispiel das Herrenhaus von Bantry.

Darüber hinaus geben wir viele, viele Tipps zu kinderfreundlichen Museen, Ausflugszielen und schönen Stränden. Es gibt auch einen allgemeinen Reiseteil, wie man das aus klassischen Reiseführern kennt, mit Anmerkungen zur besten Reisezeit und den besonderen Herausforderungen des Wanderns in Irland – aber immer speziell auf die Bedürfnisse von Familien mit Kindern bezogen. Tipps zur Unterkunftssuche gibt es auch, vor allem mit ganz konkreten Platzbeschreibungen für Camper (für Nicht-Camper ausführlicher hier im Blog).

Klassische Reiseführer

Wie gesagt: Ob ihr nun unseren mit viel Herzblut erstellten Familienreiseführer kauft oder nicht, einen „normalen“ Kompakt-Reiseführer solltet ihr auf alle Fälle auch noch mitnehmen.

Natürlich geht es heutzutage auch ganz ohne. Auf unserer großen Europareise haben wir in einem Jahr 21 Länder bereist, und nicht für jedes haben wir uns einen Reiseführer gekauft. Das ging. Aber oft haben wir uns doch geärgert, dass wir an tollen Sehenswürdigkeiten vorbeigefahren sind, weil wir davon nichts wussten. Oder wir haben mit viel Zeitaufwand Zwischenstopps für eine Tagesetappe aus dem Netz gefischt, die uns ein Reiseführer in handlichen Happen mundgerecht serviert hätte.

Um spontan mal nachzuschlagen, wo man auf der Fahrt von A nach B eine nette Pause einlegen könnte, ist ein Reiseführer praktisch. Oder auch bei der Frage, ob C ein lohnenswertes Ziel darstellt (wenn man zum Beispiel eine unserer Touren in der Nähe absolviert und es zum Ausgleich doch nach ein paar kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten oder Restaurant-Tipps gelüstet, die wir nicht explizit aufführen).

Irland-Reiseführer Michael-Müller-Verlag (Ralph Raymond Braun)

Die Reiseführer aus dem Michael-Müller-Verlag sind mir über die Jahre zu meinen liebsten geworden. Da steckt freilich eine ganze Menge persönlicher Geschmack hinter. Für mich und meinen Reisestil bieten die Bücher mit dem fragwürdigen Regenbogen-Retro-Buchrücken die beste Mischung aus ernsthafter Informationsdichte und kompaktem Überblickscharakter. Mit einzelnen Bänden (also einzelnen Autoren) war ich auch schon mal nicht so zufrieden (Griechenland zum Beispiel, aber der entsprechende Titel ist inzwischen auch vom Markt genommen). Insgesamt kann man aber mit Michael Müller meiner Erfahrung nach nichts falsch machen.

Auch im Irland-Band habe ich so gut wie alle Informationen gefunden, die ich gesucht habe. Und praktisch alles, was ich vor Ort selbst recherchiert habe, stimmte mit den knappen Infos im Reiseführer überein. Selten einmal habe ich irgendwo etwas Erwähnenswertes gefunden, das im Buch nicht genannt war – dann handelte es sich meist um ganz neue Angebote. Der Aufbau ist strukturiert und gut zu navigieren.

Ausnahme, aber in fast jedem Rundum-Reiseführer: Die vorgeschlagenen Wandertouren, die diese Bücher in jedem Regionalkapitel ebenfalls bieten, sind definitiv nicht alle in der letzten Zeit vom Autor selbst begangen worden. Macht aber nichts, weil der Überblick eh vage bleibt und eher als Angabe dient, wo man selbst mal nachschauen sollte. (Außerdem öffnet das prima den Markt für spezielle Wanderreiseführer wie unseren. ;) )

Iwanowski’s: Irland (Annette Kossow)

Ich schreibe selbst Reiseführer für einen kleinen Nischenverlag, und deshalb wollte ich bei meiner Vorab-Recherche und auf Recherchereise gerne auch einen anderen Nischenverlag unterstützen. Deshalb entschied ich mich für diesen dicken, eher unbekannten Irland-Reiseführer.

Leider habe ich das bereut. Es endete damit, dass ich mir beim Treffen mit meiner Mit-Autorin in unserer ersten und ihrer letzten Irland-Woche Stefanies Michael-Müller-Führer lieh und diesen hier in die Fußraumkiste verbannte.

Als ich das Buch jetzt für diesen Artikel noch einmal durchgeblättert habe, fand ich die Aufmachung und die Informationsdichte gar nicht mal so schlecht und fragte mich schon, wie ich denn vor zwei Jahren zu meinem harschen Urteil gekommen sei. Aber bei näherem Hinsehen fiel es mir dann wieder auf: Viele Informationen sind veraltet, unvollständig oder schlichtweg falsch. Da schwärmt die Autorin von Stränden, wo in Wirklichkeit überhaupt keine sind, und empfiehlt immer wieder Spaziergänge in Gegenden, wo ich selbst vor Ort händeringend nach Wanderwegen oder auch nur Bürgersteigen gesucht habe.

Ich habe so ein bisschen den Verdacht, dass sie an vielen Orten zwar vielleicht mal gewesen, aber nicht aus dem Auto gestiegen ist. Und die Mullet-Halbinsel hat sie zum Beispiel garantiert ganz ausgelassen oder sich auf lange zurückliegende Besuche besonnen, denn da setzt sie gleich ganze Ortschaften an falsche Stellen.

Ich kann mir schon denken, dass die Erstellung eines vollständigen Allround-Reiseführers über ein ganzes Land für eine Einzelperson eine wahnsinnige Herausforderung ist. Ich meine, wir haben zu zweit ein schmales Buch ohne Universalanspruch geschrieben und haben damit schon ganz schön geschwitzt (weil wir eben sehr wohl jeden einzelnen empfohlenen Wanderweg selbst gelaufen sind). Es kann einem mal die eine oder andere Sache durchflutschen. Aber dass möglichst alles stimmt, was drinsteht, das sollte schon Ehrensache sein!

Eine Anmerkung: Inzwischen hat der Reiseführer eine Neuauflage erfahren (2019). Gut möglich also, dass all meine Kritikpunkte jetzt völlig ausgemerzt sind. 

Dumont Direkt: Irland (B. Biege)

Die „Dumont Direkt“-Reihe setzt auf den anhaltenden Trend hübsch designter Reisebücher mit eher wenig Text und vielen Grafiken zwischen schönen Bildern. Für mich sind das so die typischen Vertreter des Instagram- oder vielleicht besser Pinterest-Zeitalters. Und das muss ja nichts Schlechtes sein.

In der Tat habe ich sehr gerne in diesem schmalen, aber durchaus informativen Büchlein geblättert. Da gibt es beispielsweise Infografiken über Irlands Geschichte und wichtige Zahlen. Es kommen sogar einige irische Eigenheiten zur Sprache. 15 Highlights auf der ganzen Insel werden schlaglichtartig angemessen ausführlich dargestellt, und die Auswahl ist gut. Viele andere Tipps gibt es in knappster Form.

Dass dabei etliche empfehlenswerte Orte keine Erwähnung finden, liegt in der Natur der Sache. Irritiert hat mich aber, dass der Autor zum Beispiel über den Skulpturengarten „The Ewe Experience“, der mir echt supergut gefallen hat, keine Zeile verliert – aber ein Foto von dort abgedruckt ist. Die Bildunterschrift bezieht sich auf Cork, wo die abgebildete Skulptur nicht zu finden ist.

Als ausschließliche Vorbereitung für eine Individualreise taugt das schmale Bändchen nicht. Für mich ist es aber die bessere – weil hübschere und unterhaltsamere – Alternative zum Marco-Polo-Kompaktführer.

Gekauft hatte ich diesen Reiseführer eigentlich für die Jungs, damit sie ihren eigenen, „cooleren“ hätten. Die haben sich aber leider für kein Non-Fiction-Buch über Irland interessiert, auch dieses nicht. An sich würde ich diesen Reiseführer schon besonders für junge Leute empfehlen, die entweder von ihren Eltern auf eine Irlandreise mitgeschleppt werden oder sich selbst auf die Insel begeben, zum Beispiel zum Schüleraustausch.

Weitere Irland-Reiseführer

Weitere Irland-Reiseführer, die ich nicht aus der Praxis kenne, die mir aber beim Durchblättern zusagen und mit deren Reihen ich schon in anderen Ländern gute Erfahrungen gemacht habe:

  • Lonely Planet Reiseführer Irland*: In den Klassikern ist in der Regel wirklich jedes Dorf mit mindestens einem Satz beschrieben. Nachteil: Meistens sind es Übersetzungen und die Autoren sind keine Deutschen. Das ist als solches natürlich kein Manko, wirkt sich aber doch manchmal bei der Auswahl und Gewichtung der Themen aus. Ich habe zum Beispiel gerade die Frankreich-Ausgabe am Wickel, und durch die Brille einer Amerikanerin sind dort offenbar doch etwas andere Dinge sehenswert als mich durch meine deutsche interessieren würden.
  • Stefan Loose Reiseführer Irland*: Den hatten wir in Schottland und da hat er mir sehr gefallen. Ähnlich wie die Michael-Müller-Führer, vielleicht noch ein bisschen mehr Fokus auf Outdoor-Aktivitäten. Und die Persönlichkeit der Autoren scheint ein bisschen mehr durch, was mir sehr gefällt.
  • Unterwegs in Irland: Das große Reisebuch*: Diese Bücher sind eher eine Mischung aus Reiseführer und Bildband. Allein schon aufgrund des Formats eigenen sie sich nicht wirklich zum Mitnehmen. Aber zur Inspiration und zum Wecken der Vorfreude bei der Reiseplanung sind sie großartig! Zumindest ging es mir so mit dem Schottland-Band der Reihe, den ich besitze. Die groß angekündigten idealen Routen für Rundreisen beschränken sich allerdings auf wenige Seiten und sind jetzt nicht so hilfreich, wie ich mir das im ersten Moment vorgestellt hatte. Trotzdem, zum Schmökern und Träumen sind diese Bücher perfekt.

Zur inhaltlichen Annäherung an Irland und seine Kultur

Wer sich wirklich tiefgründig mit seinem Reiseland beschäftigen möchte, braucht mehr als einen Reiseführer, der die Sehenswürdigkeiten auflistet.

Irland: Ein Länderporträt (Markus Bäuchle)

Die Reihe aus dem Ch.-Links-Verlag gefällt mir außerordentlich, weil sie sich Ländern und ihren Kulturen wirklich auf umfassende Weise nähert. Es gibt sie für die halbe Welt. Ich kenne ansonsten allerdings nur noch den Frankreich-Titel zum Vergleich, den ich gerade lese. Da die Länderporträts jeweils von einem bestimmten Autoren geschrieben und nicht ganz identisch aufgebaut sind, ergeben sich deutliche Unterschiede.

Das Irland-Porträt jedenfalls liest sich super und ich finde es absolut empfehlenswert für alle, die etwas mehr über die Insel und ihre Bewohner erfahren möchten. Es geht tief in die Geschichte, aber  mindestens genauso tief auch ins Nähkästchen des Autors, der seit vielen Jahren in Irland lebt und arbeitet. Immer wieder lässt er persönliche Anekdoten in seine Länderbeschreibung einfließen. Dadurch ergibt sich ein vielfältiges und doch stimmiges Bild, ohne über Gebühr zu verallgemeinern.

Inwieweit die Beschreibungen der „irischen Seele“ akkurat sind, darf ich mir als doch sehr unregelmäßige Irlandbesucherin, die sich dann vor allem draußen in der Natur herumtreibt, kaum zu beurteilen anmaßen. Aber vieles kam mir beim Lesen doch sehr bekannt vor. Und anderes, was mich jahrelang vor Ort irritiert hatte, kann ich jetzt besser einordnen.

Vom reichlich strapazierten keltischen Erbe über die unvermeidlichen Kapitel der britischen Besatzung und der „Troubles“ bis zum Aufstieg und Fall des Celtic Tigers und deren jeweilige Auswirkungen auf die moderne irische Kultur gibt das Länderporträt Irland einen umfassenden und dabei unterhaltsam geschriebenen Überblick.

Klar, nicht jeder Urlauber braucht so viel Tiefgang. Wer aber Tiefgang mag und die Zeit investieren möchte, versteht nach dieser Lektüre sein Urlaubsland garantiert ein gutes Stück besser.

Weitere Irland-Bücher zur Länderkunde

Natürlich ist das Länderporträt nicht die einzige Reihe, die sich intensiv mit einzelnen Ländern und ihren Kulturen beschäftigt. Es ist nur mehr oder weniger zufällig das Buch, das ich selbst gelesen und für gut befunden habe.

Irische Kulturvermittlung mit Unterhaltungswert

Wer auf akkurate und vor allem aktuelle Informationen zugunsten von Unterhaltungswert verzichten kann und beim Lesen lieber herzhaft lachen möchte, ist mit diesen Büchern aus meinem Regal gut bedient:

McCarthy’s Bar (Pete McCarthy)

Die Reisebeschreibung des Briten Pete McCarthy ist deutlich subjektiver und im Vergleich zum Länderporträt mehr auf Unterhaltung denn auf Bildung des Lesers bedacht. Gleichwohl ist die Auseinandersetzung des Sohns eines englischen Fabrikarbeiters und einer irischen Auswanderin mit seinem „Herzensland“ vielschichtig und auch intellektuell bereichernd.

Wie ach so viele Irlandreisende fühlt McCarthy sich dem Land seiner mütterlichen Familie irgendwie zugehörig, muss sich dieses Gefühl jedoch mit unzähligen Amerikanern auf Ahnenforschung, Zugereisten und spirituellen Sinnsuchern aus aller Herren Länder und sogar ungeliebten deutschen Fahrradtouristen teilen. Auf einem großen Roadtrip nutzt der (inzwische verstorbene) TV-Moderator und Comedian alle möglichen Wege, sich der irischen Kultur anzunähern. Das geht vom irischen B&B mit Familienanschluss bis zum frommen, aber doch irgendwie heidnischen Pilgerseminar. Dreh- und Angelpunkte seiner Reise sind jedoch Pubs, die seinen Familiennamen tragen – und davon gibt es in Irland einige.

Schwäche wie Stärke gleichermaßen für Leser aus deutscher Sicht ist, dass das Hauptaugenmerk des Autors häufig auf der Auseinandersetzung zwischen seiner englischen und seiner irischen Seite und damit auf der kolonialgeschichtlichen Beziehung liegt, die beide Länder verbindet. Das nimmt für meinen Geschmack manchmal zu viel Raum ein, zeigt aber andererseits, wie präsent das Thema in vielerlei Hinsicht noch ist (übrigens auch heute noch, 20 Jahre nach Druck des Buchs).

Erschienen ist „McCarthy’s Bar“ im Jahr 2000. Damit ist es schon recht veraltet. Der Celtic Tiger (der irische Wirtschaftsboom) war damals auf dem Höhepunkt und die ganze Atmosphäre im Land eine andere. Das gilt es bei der Lektüre mit Sicherheit zu bedenken. McCarthy selbst ist mit einem Reiseführer aus dem 19. Jahrhundert unterwegs, dessen Beschreibungen er immer wieder mit der Realität abgleicht. Das würde ich auch im Jahr 2020 für eine gute Methode mit diesem Buch halten. Absolut lesenswert finde ich die Reisebeschreibung nämlich auch heute noch.

Mit dem Kühlschrank durch Irland (Tony Hawks)

Auch die Erzählung des englischen Comedians Tony Hawks beruht auf Tatsachen. Heute hätte er die Geschichte wahrscheinlich live verbloggt oder auf Youtube gestellt. Damals hat er anschließend ein Buch über sein Abenteuer geschrieben.

Nach einem feuchtfröhlichen Abend im Pub hat der Autor plötzlich eine Wette am Hacken. Von Freundlichkeit, Verschrobenheit und Pragmatismus der Iren hatte er geschwärmt und behauptet, dass dort sogar Absurditäten wie trampende Kühlschränke kaum für hochgezogene Augenbrauen sorgen würden. In seinem Buch erzählt er die Geschichte seines Beweisantritts, denn er ist tatsächlich mit einem (kleinen) Kühlschrank im Gepäck einmal rund um Irland getrampt.

Nicht nur die Ausgangsgeschichte, auch alles, was dann passiert, ist – zumindest so, wie Tony Hawks es erzählt – zum Brüllen komisch. Dazu muss man natürlich ein Faible für Skurrilität und britischen Humor besitzen.

Und natürlich ist dieses Buch mittlerweile mehr als 20 Jahre alt. Das hier beschriebene Irland existiert so nicht mehr. Viele der lustigen Verwicklungen würden im Handy-Zeitalter nicht mehr passieren (ein Mobiltelefon taucht zum Beispiel erst im zweiten Drittel des Buchs als große Attraktion auf). Heute trampt auch kaum noch jemand in Irland. Um seinen Kühlschrank von A nach B zu transportieren, müsste man sich nun wahrscheinlich Mitfahrgelegenheiten per App organisieren…

Zum Brüllen komisch finde ich das Buch aber auch heute noch. Mag sein, dass es vor allem daran liegt, dass hier das Irland beschrieben wird, in das ich mich als Teenager auf einem Schüleraustausch verliebt habe. Als unterhaltsame Reisevorbereitung halte ich „Mit dem Kühlschrank durch Irland“ jedenfalls immer noch für empfehlenswert.

Einige Abstriche gibt es allerdings. Man darf hier keine tiefgreifende Landeskunde erwarten. Da hat ein junger Mensch damals einfach drauflosgeschrieben. Einzelne Reflektionen finden zwar statt – zum Beispiel als der englische Autor die Grenze zu Nordirland überquert. Hauptsächlich aber geht es um eine unbekümmerte verrückte Aktion. Dabei stößt mir aus meiner heutigen mütterlichen Sicht auch der vollkommen sorglose, verharmlosend dargestellte und im Buch allgegenwärtige Umgang mit Alkohol auf. Dass Menschen (vor allem Tony) penetrant zum Biertrinken genötigt werden, zieht sich unreflektiert wie ein roter Faden durch die Geschichte. Nun, einerseits mag ich da (auch aus eigener Erfahrung) einen gewissen Realitätsbezug nicht ausschließen. Andererseits reduziert sich die irische Kultur natürlich in Wirklich nicht nur auf Guinness in Pubs. Auch da haben sich die Zeiten zum Glück ein bisschen geändert (ein Fakt, dem übrigens Markus Bäuchle in seinem Länderporträt ein eigenes Kapitel einräumt).

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, dieses Buch zu lesen: Seit 1998 ist meines Wissens und meiner Recherche nach, eventuell abgesehen von „MaCarthy’s Bar“, keine vergleichbare „Reise“erzählung mehr auf den Markt gekommen, die Irland auf so vergnügliche Weise porträtiert.

Irland-Romane

Früher habe ich wesentlich mehr gelesen als heute. Seit der Geburt der Kinder behaupte ich immer, keine Zeit mehr dafür zu haben, aber eigentlich stimmt das nicht. Es ist eher eine Verschiebung der Prioritäten. Jedenfalls hat das zur Folge, dass ich kaum aktuelle Lesetipps für Irland-Romane habe. So sorry!

Eine Möglichkeit, Romane zum Thema zu finden, ist die Suche bei Amazon. Gibt man hier „Irland“ ein und beschränkt die Suche auf „Literatur und Fiktion“, erscheint eine lange Liste (in der auch tatsächlich ein paar Bücher stecken, mit denen man vermutlich etwas anfangen kann).

Besser beraten ist man vermutlich, wenn man einfach beim Buchhändler seines Vertrauens im persönlichen Gespräch nachfragt, denn die sind immer noch um Längen besser als jeder Algorithmus.

Maeve Binchy

Ein bewährter Garant für Frauenromane, die in Irland spielen, ist meiner Erfahrung nach Maeve Binchy. „Irische Freundschaften“* zum Beispiel habe ich in den 90ern geliebt. Das spielt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und dann bis in die 70er. Viele der Binchy-Romane greifen das Irland der 50er und 60er Jahre auf und damit die Zeit, die die Iren selbst heutzutage gern als „gute alte Zeit“ verklären.

Etliche Werke der Autorin gibt es auch als Hörbücher (zum Beispiel „Ein Haus in Irland“*, das allerdings in den frühen 90ern spielt). Zwei davon habe ich vor unserer Irland-Reise sehr günstig auf einem Bücherflohmarkt ergattert. Das immerhin ist der Vorteil, wenn man auf ältere Literatur zurückgreift.

Ein bisschen Herzschmerz, ein bisschen romantisiertes Irland (in dem aber durchaus auch Missstände anklingen) – wer sich einfach nur literarisch auf angenehme Weise in sein Lieblings-Urlaubsland versetzen lassen möchte, ist mit Maeve Binchy gut bedient.

Ruth Nestvold: Flamme und Harfe

Und einen Roman habe ich noch, der ebenfalls zum großen Teil in Irland spielt, allerdings auf der anderen Seite auch ein veritabler Fantasy-Schinken ist. „Flamme und Harfe“ ist eine Neuerzählung des Mythos von Tristan und Ysolde.  Die Geschichte spielt also in mythischer Vorzeit, als die Römer in Britannien herrschten, die Iren Ringforts bauten und – zumindest hier im Buch – vereinzelt noch magische Talente besaßen. Verbotene Liebe, episches Drama vor wildromantischer Kulisse.

Wir haben es, wie so viele Hörbücher, gemeinsam auf der Reise im Auto gehört. Das empfiehlt sich mit Kindern in diesem Fall nicht wirklich, denn in beinahe jedem Kapitel gibt es ausufernde Stellen, die nicht jugendfrei sind. Die haben wir dann übersprungen und so gefühlt nur das halbe Buch mitgekriegt.

Zum Schwelgen in Klischees weiblicher Unterhaltungsliteratur ist das Buch jedenfalls ein Fest. Wer Marion Zimmer Bradleys „Die Nebel von Avalon“* kennt und mag, findet hier eine würdige Lektüre.

Wie gesagt: Das ist nur eine ganz kleine und zugegebenermaßen recht willkürliche Auswahl. Über weitere Empfehlungen in den Kommentaren bin ich sehr dankbar! :)

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Die meisten der vorgestellten und empfohlenen Bücher habe ich selbst gekauft, vor Jahren von Familienmitgliedern geschenkt gekriegt oder aus der Bücherei ausgeliehen. Bei dem Länderporträt und dem erwähnten Rundreise-Buch handelt es sich um Rezensionsexemplare, die mir von den Verlagen kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Woher das Buch jeweils stammt, beeinflusst meine Meinung nicht.

 

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