Idrija: Faszination Quecksilber mitten in der Natur

Der kleine Ort Idrija ist der Mittelpunkt eines beeindruckenden Naturschutzgebiets. Wo heute dichte Wälder die Flanken halsbrecherischer Schluchten bewachsen, wurde fast 500 Jahre lang Quecksilber abgebaut. Die Balance zwischen atemberaubender Landschaft und prekärer Industriegeschichte ist auf jeden Fall einen Blick wert!

Unsere erste Begegnung mit der Region Idrija verläuft sehr ambivalent. Wir sind auf dem Weg zu unseren Couchsurfern in Logatec, sind aber zu früh dran und müssen irgendwo noch ein Stündchen hinter uns bringen. Auf dem Wegweiser an der Straßenkreuzung sehe ich das Nationalpark-Symbol neben dem Ortsnamen Idrijas. Ein kurzer Spaziergang im Grünen ist genau das Richtige, entscheiden wir.

Die Straße dorthin ist gut ausgebaut, wird aber immer kurviger. Junge Leute in klapprigen Kleinwagen funktionieren sie zur Rennpiste um, schneiden die Kurven. Nur um Haaresbreite kommen wir mit unserem Rückspiegel davon. Rechts ragt der Fels steil in die Höhe, links geht es abwärts. Immerhin gibt es Leitplanken. Nur die Motorradfahrer rutschen regelmäßig drunter durch, erzählt uns unsere Gastgeberin später, die in Idrija aufgewachsen ist. Das Tal ist schmal, der Fluss an seinem Fuß hat eine tiefe Schlucht daraus gemacht. Immer weiter müssen wir fahren, denn umdrehen? Hier? Unmöglich!

Eine abenteuerliche Hängebrücke, und schon macht den Kindern das Wandern Spaß.
Eine abenteuerliche Hängebrücke, und schon macht den Kindern das Wandern Spaß.

Ein paar Kilometer weiter steht der Verkehr. Die Fahrer vor uns sind schon ausgestiegen. „Unfall“, erklärt uns einer auf Deutsch, nach einem Blick auf unser Kennzeichen. „Kann dauern.“ Irgendwie überrascht uns das nicht. Zum Glück sind wir grade tatsächlich an einer Kreuzung vorbeigekommen. Ohne die Gefahr des Gegenverkehrs schaffen wir es, auf der schmalen Straße zu wenden. Wir biegen ab und halten auf einem winzigen Wanderparkplatz, quasi mitten auf der Kreuzung.

Kleine Wanderung durchs Tal der Idrijca

Eine Karte vermittelt uns, dass hier ganz in der Nähe ein besonderes Naturschauspiel zu sehen ist. Eine unterirdische Quelle entleert jede Menge Wasser in einen kleinen See. Mehr als 160 Meter geht es in dem türkisblauen Loch in die Tiefe, haben Taucher herausgefunden. Um es zu erreichen, müssen wir ein paar Meter unter Einsatz unseres Lebens auf der engen, bürgersteiglosen Straße marschieren, bevor wir zwischen zwei Häusern (!) eine schmale Hängebrücke entdecken.

Wir überqueren den Fluss Idrijca und folgen auf der anderen Seite einem netten Wanderweg. An der felszugewandten Seite eilt uns ein Bächlein entgegen. Es handelt sich um einen Kanal, der wahrscheinlich Wasserkraft für die mechanische Nutzung in Idrija abzwackt. Martin fühlt sich massiv an Madeira erinnert.

Sloweniens kürzester Fluss und der „Wilde See“

Wir folgen dem Weg vielleicht einen Kilometer weit bis zur nächsten Hängebrücke. Dann sind es nur noch ein paar Meter bis zum „Wilden See“. Wir hätten auch bis hierher fahren können, bemerken wir, denn direkt vor dem kurzen Pfad zur Quelle befindet sich ein weiterer Parkplatz. Der Weg über die Brücken ist aber so nett, dass wir ihn keineswegs bereuen.

Der "Wilde See": Loch in unergründliche Tiefen.
Der „Wilde See“: Loch in unergründliche Tiefen.

55 Meter lang ist die Jezernica, Sloweniens kürzester Fluss, der in die Idrijca mündet. Wir gehen ihr entgegen, um zum „Wilden See“ zu gelangen, der auf slowenisch Divje jezero heißt. Über die Mündung führt die Brücke der Autostraße. Links und rechts davon befinden sich kurze Pfade zum See. Beide enden an einer kleinen Aussichtsplattform, von beiden hat man eine hübsche Aussicht auf die türkisblaue Wasserfläche.

Nach heftigen Regenfällen macht der See seinem Namen alle Ehre, wenn so viel Wasser aus der unterirdischen Quelle strömt, dass man an einen brodelnden Hexenkessel denkt. Heute liegt er ganz ruhig da, unergründlich und wunderschön. Nur der breite Strom der Jezernica verrät, dass hier ein reger Durchfluss herrschen muss.

Das Quecksilber-Museum von Idrija

Ein paar Tage später erneuern wir unsere Bekanntschaft mit dem Idrija-Tal. Diesmal schaffen wir es bis in die kleine Ortschaft. Auch hier spannen sich allenthalben kleine Hängebrücken über den Fluss.

Wir folgen den Wegweisern zum Museum und finden direkt davor einen kostenlosen Parkplatz. Es ist in einer Art Burg untergebracht, die jedoch niemals als solche diente, sondern die längste Zeit ihrer Geschichte die Verwaltung des Quecksilberbergwerks beherbergte. Die zweitgrößte Quecksilbermine Europas brachte dem Ort jahrhundertelang bescheidenen Wohlstand, den Bergleuten aber immer auch Krankheit, Tod und Verderben. Die Nervenheilanstalt am Platz war immer gut gefüllt.

In vielen Teilen greift das Museum Ideen aus der modernen Museumspädagogik auf - aber so ganz vermag ein chemisches Element Silas dann doch nicht zu fesseln.
In vielen Teilen greift das Museum Ideen aus der modernen Museumspädagogik auf – aber so ganz vermag ein chemisches Element Silas dann doch nicht zu fesseln.

Das Museum ist weitgehend noch sehr klassisch gestaltet. An etlichen Stellen ist zu spüren, dass jemand sich durchaus Mühe gegeben hat, doch bis die 23 Räume auf einen modernen Stand gebracht sind, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Die Räume mit den meterlangen Schrankwänden, in denen sich Fossilien und Mineralien stapeln, durchlaufen wir in kurzer Zeit. Wirklich interessant aber ist für uns alle das Becken mit der Quecksilbersuppe, in der eine dicke Kanonenkugel schwimmt. Das einzige Metall, das bei Zimmertemperatur flüssig ist, ist außerdem auch doppelt so schwer wie Eisen.

Eine Schüssel, in der eine Eisenkugel schwimmt (ja, es ist ein Deckel drüber, dass die Kinder nicht ins Quecksilber fallen!).
Eine Schüssel, in der eine Eisenkugel schwimmt (ja, es ist ein Deckel drüber, dass die Kinder nicht ins Quecksilber fallen!).

Wir erfahren einiges über die Bedingungen des Abbaus, und was man mit dem merkwürdigen Element alles anstellen kann. Wir denken immer nur an Fieberthermometer, aber vor allem auch im Bergbau hatte das Metall eine wichtige Rolle inne. Gold und Silber lassen sich damit hervorragend aus ihrem Umgebungsgestein lösen (was ihm wahrscheinlich auch seinen speziellen Ruf in der Alchemie einbrachte).

Und andere Handwerkskünste

Auch dem zweiten typischen Berufszweig des Tals sind ein paar Ausstellungsräume gewidmet: dem Klöppeln. Wer will, kann das verwirrende Knotenspiel, bei dem im Idealfall filigranste Spitzendeckchen mit jedem erdenklichen Muster herauskommen, sogar selbst ausprobieren.

Wir erfahren auch einiges über die immer wieder wechselnden Besitzverhältnisse der Region. Nacheinander gehörte Idrija zu Österreich-Ungarn, Deutschland, Italien, Jugoslawien und Slowenien – innerhalb eines einzigen Jahrhunderts.

Nur vom Ort selbst haben wir leider wenig gesehen. Und auch die Umgebung verdiente noch viel mehr Aufmerksamkeit. Aber es warteten ja noch so viele andere Dinge auf uns in unserer kurzen Woche in Slowenien…

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