Janis erzählt euch was: Über Bosnien-Herzigowina

Während ich tapfer unsere weitere Reise plane, Verabredungen im Süden Kroatiens und im Kosovo anbahne und versuche, in Bulgarien eine nette Couchsurfing-Familie aufzutreiben, die uns übers Weihnachtsfest Asyl gewährt, springt zum zweiten Mal mein kleiner Gastblogger ein. „Meine Blogbeiträge sind viel aktueller als deine“, sagt Janis stolz, und ist böse mit mir, weil ich es dann doch nicht auf die Reihe kriege, am selben Tag noch passende Fotos rauszusuchen und das ganze online zu stellen. Ein weiterer Text von ihm liegt schon fix und fertig auf der Festplatte und wartet nur noch auf eine angemessene Bebilderung. Heute berichtet mein 10-Jähriger aber erstmal über seine Eindrücke aus unserem derzeitigen Reiseland: Bosnien und Herzigowina.

Willkommen bei einer neuen Folge von

Janis erzählt euch was!

Gestern sind wir auf dem Weg von Sarajevo nach Banja Luka durch viele Dörfer gefahren, und da haben wir auch zerbombte Häuser gesehen. An manchen Stellen sind noch Minenfelder. Der Krieg ist zwanzig Jahre her, und trotzdem sind die Minen immer noch eine Gefahr für die Menschen. Das ist sehr schlecht, und ich finde, dass Minen eine sehr brutale, fiese und gefährliche Waffe sind.

Während der Fahrt begleitete uns meistens auf der linken Seite eine höllisch tiefe Schlucht, und auf der rechten Seite eine Felswand. Die Schlucht war schon schön, aber sie war halt tief und ich möchte keinen Abstecher da runter machen.

An der Grenze zwischen der Föderation Bosnien-Herzgovina und der Republik Srpskia liegt die Schlucht über dem Fluss Ugar - sieht auf unprofessionellen Fotos leider nicht halb so spektakulär aus wie in echt.
An der Grenze zwischen der Föderation Bosnien-Herzgovina und der Republik Srpska liegt die Schlucht über dem Fluss Ugar – sieht auf unprofessionellen Fotos leider nicht halb so spektakulär aus wie in echt.

Insgesamt ist Bosnien sehr schön, aber die Bosnier schmeißen ihren Müll oft einfach in die Gegend, und das ist nicht gerade schön. Bosnien ist schon eine Reise wert, denn es gibt, neben den nicht so schönen Ecken, auch schönere Ecken, genauso wie in Deutschland.

Die nach dem Krieg frisch neuerrichtete serbisch-orthodoxe Erlöser-Kirche von Banja Luka.
Die nach dem Krieg frisch neuerrichtete serbisch-orthodoxe Erlöser-Kirche von Banja Luka.

Heute haben wir uns Banja Luka angesehen. Obwohl Banja Luka in Bosnien liegt, wird die Stadt hauptsächlich von bosnischen Serben bewohnt. Es ist die Hauptstadt der Teilrepublik Srpska. In Bosnien-Herzigowina leben muslimische Bosniaken, orthodoxe Serben und katholische Kroaten. Jede dieser Volksgruppen hat einen eigenen Präsidenten und sogar auch eigene Minister. Und das, obwohl das Land kleiner ist als Niedersachsen! Das heißt, Bosnien-Herzigowina ist ein ganz bisschen größer als Niedersachsen, aber Niedersachsen hat mehr als doppelt so viele Einwohner.

Moscheen und christliche Kirchen auf einen Blick in Bosniens Hauptstadt Sarajevo.
Moscheen und christliche Kirchen auf einen Blick in Bosniens Hauptstadt Sarajevo.

Ich hoffe es geht allen, die diesen Blogbeitrag lesen, gut, und allen anderen auch!

Viele Grüße,
Janis

7 Gedanken zu „Janis erzählt euch was: Über Bosnien-Herzigowina“

  1. Einfach spitze Janis ! Deine Beobachtungsgabe in Kombination deine Gedanken in Worte zu fassen ist schon beeindruckend. Toll! Juliana hat übrigens folgende Frage an dich: Schreibst du das alles etwa selbst oder diktierst du es deiner Mama? Und Matilda lässt ausrichten: Wenn es mit Eurer Couchfamilie zu X-mas nicht klappen sollte, könnt ihr zu uns kommen. „Käsespätzle zu Weihnachten hat was !“ Anm.d. R.

    Herzliche Herbstgrüsse aus der Heimat

    1. Ich schreibe das schon selber! Aber Mama korrigiert mich oft, damit ich keine Rechtschreibfehler in den Wörtern habe. Viele Grüße an euch alle aus Banja Luka! 🙂

  2. Einwandfrei Janis. Danke der Nachfrage, uns geht es gut. Oma hatte eine Knie-OP am 05.11. und Emily am 4.11. eine Augen-OP. Emily war gestern und ist heute bei Oma, damit ich bisschen Arbeiten kann. Da versorgen sich quasi die beiden „kranken“ selbst. Viele Grüße von Oma & Opa soll ich Euch sagen. Über Eure Karte haben sie sich sehr gefreut. Vielleicht könnt ihr ja noch mal eine Karte schreiben, wo ihr halt gerade seid oder du schreibst mal einen Brief 😉
    Liebe Grüße
    Kristina

  3. Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich hier stöbere. Es ist mehr als ein Reiseblog. Der Entschluss, mit den Jungs loszufahren, es einfach zu tun … und dann natürlich diese Ergebnisse. 👌

    1. Danke! Aber weißt du was? Das geht mir ganz genauso! Gerade wo ich jetzt unser Buch veröffentlichungsfertig gemacht habe und jetzt, wo ich für die Foto-Beiträge so viel durch unser Bilder-Archiv gucke – da bin ich immer wieder baff, was wir tatsächlich alles gemacht und erlebt und gesehen haben. Dass wir das alles so durchgezogen haben, dass wirklich alle vier mit Feuereifer dabei waren, dass WIR das waren, die das alles hingekriegt haben! Das muss ich mir immer wieder vergegenwärtigen, weil es eigentlich ziemlich unglaublich ist. 🙂

      Und wir zehren immer noch davon, jeden einzelnen Tag. Silas hat gerade die griechische Antike in der Schule und merkt jetzt ganz konkret, wie sehr er von den praktischen Erfahrungen profitiert, weil er zu den im Unterricht genannten Orten eine Beziehung hat, und einen Grundwissensschatz, in den sich neue Informationen sehr leicht einfügen. Und wie Janis seiner Uroma letztens aktuelle politische Entwicklungen mit Referenzen an den Balkan-Krieg erläutert hat, das hat mich echt stolz gemacht (nicht alles 100%ig historisch korrekt natürlich, aber differenzierter als mancher Erwachsener).

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