Nichts für schwache Beine (am Steinhuder Meer, Deutschland)

Wohin fährt man mit Familienbesuch von weither, wenn man im Schaumburger Land wohnt? Zumindest, wenn man die Dinospuren und das Bückeburger Schloss schon abgeklappert hat? Ans Steinhuder Meer.

Those paddleboats are popular here on the biggest lake in the North-West of Germany.
Those paddleboats are popular here on the biggest lake in the North-West of Germany.

Natürlich haben einige andere aus dem Großraum Hannover an einem Samstag mit halbwegs gutem Wetter dieselbe Idee. Der große Parkplatz in Steinhude mit 1000 Stellplätzen sorgt jedoch dafür, dass früher oder später jeder in den Genuss des größten Binnensees der Region kommt.

Man ist sich offenbar nicht ganz einig, auf welchem Rang genau das Steinhuder Meer im Größen-Ranking deutscher Seen liegt. Einen Platz in den Top Ten aber spricht ihm keiner ab – zumindest, wenn nicht das Wasservolumen Grundlage der Berechnung ist. Während die Fläche von 29 km² sich noch sehr stattlich anhört, kann das Eiszeit-Überbleibsel in der norddeutschen Tiefebene in punkto Tiefe nicht so ganz mit den alpinen Gletscherseen mithalten: Im Durchschnitt sind es 1,35 m. Wer als Erwachsener hier ertrinken will, muss sich schon arg Mühe geben und nach einem der Gräben in der Seemitte suchen, die bis in die sagenhafte Tiefe von 2,90 m reichen.

Wir hatten jedoch andere Pläne. Es galt, acht Vertretern dreier Generationen einen angenehmen Vormittag zu bereiten. Im Nachgang einer kuchenlastigen Familienfeier entschieden wir uns schließlich fürs Tretbootfahren. Für 10 Euro pro Stunde konnten wir zwischen schneidigen blauen Booten mit funktionierendem Lenkrad und lustigen schwimmenden Badestationen im VW-Beetle-Look mit Rutsche, ohne funktionierendes Lenkrad wählen. Da nur noch ein Käfer vor Anker lag, teilten wir uns auf beide Möglichkeiten auf. Ich saß im herkömmlichen Tretboot und musste mich folglich nicht über die schwer steuerbare Ruderpinne ärgern. Was wir hingegen alle unterschätzt hatten, war das Treten. Tatsächlich ist das ganz schön anstrengend und nicht mit dem leichtfüßigen Demmeln auf dem Fahrrad gleichzusetzen. Der neunjährige Janis konnte schon durchaus hilfreich mittreten. Sein sechsjähriger Bruder gab sich alle Mühe, doch seine Beine sind noch so kurz, dass er in sehr ungesund anmutendem Winkel auf dem äußersten Rand des Sitzes kauern musste. Für seine noch mal eineinhalb Jahre jüngere Cousine war der Fall hoffnungslos. Trotzdem wollten alle drei Kinder natürlich unbedingt am Lenkrad sitzen. Als Erwachsener alleine treten, geht böse in die Beine. Aber gut, wir wollten ja den Kuchen abtrainieren…

The boats are not that easy to handle when you are under 7.
The boats are not that easy to handle when you are under 7.

Wohl um der Fahrgastschifffahrt zur künstlichen Insel Wilhelmstein und nach Mardorf keine Konkurrenz zu machen, ist das Anlegen mit den Tretbooten überall verboten. Wir hatten ohnehin keinen Ehrgeiz, irgendwo anzukommen. Also schipperten wir in der trüben Brühe ein bisschen hierhin, ein bisschen dorthin – wohin Emilys Fahrkünste uns trieben.

Gar nicht so leicht war es, am Ende die richtige Einfahrt zwischen den vielen Stegen wieder zu finden – und das rechtzeitig, denn wer innerhalb der ersten Stunde nicht zurück ist, zahlt natürlich für eine weitere. So mussten wir am Schluss die Kinder doch nach hinten verfrachten und ganz schön Gas geben. Als wir das rettende Ufer erreichten (pünktlich zwei Minuten vor Ablauf unserer Zeit), waren wir klitschnass geschwitzt. Merke: Tretbootfahren ist entschieden nichts für ein erstes Date oder bei Anschlussterminen.

Die Steinhuder Gastronomie an der Uferpromenade ist zahlreich und vielfältig. Wir entschieden uns für das Café-Restaurant Godewind, das tatsächlich Gemüse auf der Kinderkarte feilbietet und die Tomatensoße für die Nudeln separat serviert.

Steinhude is a busy place at the weekends as half of Hannover tends to come here for an outing.
Steinhude is a busy place at the weekends as half of Hannover tends to come here for an outing.

Da sich die Verwandtschaft langsam auf den langen Heimweg machen musste, schlenderten wir gemütlich, aber zielstrebig durch die Fußgängerzone Richtung Parkplatz. Im viel gerühmten Scheunenviertel fand ein Flohmarkt statt. Nachdem wir den Besuch verabschiedet hatten, gönnten wir den Kindern noch ein halbes Stündchen auf dem schönen Spielplatz mit Wasser-Matsch-Station, bevor wir pünktlich zur Kaffeezeit wieder zu Hause waren. Schließlich wartete da noch mehr Kuchen auf uns.

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