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Reisephilosophie-Quickie mit Joachim Ringelnatz

Bei uns gibt's heute Ringelnatz zum Samstagskaffee.
Bei uns gibt’s heute Ringelnatz zum Samstagskaffee.

Ich weiß keine Details darüber, wie Herr Ringelnatz auf unserem Esstisch gelandet ist. Der Tisch ist der Mittelpunkt unseres Hauses, das Gravitationszentrum. Alles, was uns etwas bedeutet, liegt dort früher oder später so rum. Die meisten Dinge – die Tageszeitung, Kinderbücher und immer wieder der Weltatlas – räume ich regelmäßig wieder weg. Ringelnatz durfte bleiben, weil er so schön rot ist und zu den Kerzen passt. Und ein bisschen auch zu uns, denn der Mann, der eigentlich Hans Gustav Bötticher hieß, ist leidenschaftlich gerne gereist. (Das war’s dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten, denn gegen Ringelnatz sind wir hoffnungslos spießig. Er versuchte sich in mehr als 30 verschiedenen Berufen, war lange Seemann, kurz in einem Reisebüro angestellt. Später tourte er als Kabarettist durch Deutschland und Europa. Er ein ziemlicher Herumtreiber, und seine Biografie taugt nicht als Vorbild für eine Künstlerkarriere – oder irgendetwas sonst.)
Als Dichter zählt er jedenfalls zu meinen Lieblingen. Zum Thema Reisen hat Herr Ringelnatz ganze Gedichtbände geschrieben. Eins von 1927 heißt „Reisebriefe eines Artisten“, und darin enthalten ist dieses Gedicht mit dem Titel „Antwort an einen Kollegen“, das mir besonders gut gefällt:

Ob du Artist, ob du Franz Liszt,
Ein Christ, ein Mist, ein sonst was bist, –
Bezweifle es. Und dir zum Heil
Bezweifle auch das Gegenteil.

Was dir die Ideale nimmt,
Der Satz: daß nichts, was zutrifft, trifft,
(Ein Satz, der darum selbst nicht stimmt)
Ist nur für Überlegene Gift.

Doch hüte dich, an diesen Satz
Zu glauben, gar ihn zu betonen.
Freu dich an Hatz und Schmatz und Spatz,
An Unzucht oder Kaffeebohnen.

Doch sollte etwas in dir wohnen,
Bewirkend, daß du mich verstehst
Und lachst und dankbar weitergehst
Und dennoch etwas Bessres weißt,
Dann glaub ich, daß du richtig reist.

Joachim Ringelnatz

Reisen ist horizonterweiternd - aber nicht allerhellend. Der Sonnenuntergang von gestern Abend passt wunderbar zu Ringelnatz' Gedicht - und in die himmlische Sammlung der Raumfee.
Reisen ist horizonterweiternd – aber nicht allerhellend. Der Sonnenuntergang von gestern Abend passt wunderbar zu Ringelnatz‘ Gedicht – und in die himmlische Sammlung der Raumfee.

Ich hätte große Lust, die Verse wie damals im Deutschunterricht auseinanderzupflücken und eine vollendete Interpretation hinzulegen. Die Erkenntnis, dass niemand sich das durchlesen möchte, hält mich davon ab. :) So beschränke ich mich auf die Bemerkung, dass Ringelnatz’ Worte für mich unsere Erkenntnisse beim Erkunden anderer Länder und Kulturen widerspiegeln: Wir fahren los mit einem bestimmten Bild im Kopf, wie unser Reiseziel ist, wie die Menschen dort sind, wo wir selbst im Vergleich dazu stehen – und dann ist alles ganz anders – und doch wieder nicht, denn häufig liegen die Klischees und Vorurteile erschreckend nah an der Wirklichkeit – aber die Dinge auf einer immer viel zu kurzen Reise ganz zu ergründen, bleibt trotz bester Absichten aussichtslos. Das beste ist, die Widersprüche einfach anzunehmen, daraus zu lernen und zu genießen.

Der faule Samstagspost #9

So ganz faul darf ich heute gar nicht sein, denn es steht Arbeit auf dem Programm. Nach fast zwei Wochen Ferien ist das auch durchaus legitim. So haben wir gestern schon würdig den Abschied von den Osterferien mit einem kleinen Picknick im Garten zelebriert. Insofern ist das abgebildete Getränk für Ninjas Sammlung streng genommen kein Samstagskaffee, aber da ich sowieso immer bloß Tee trinke, kommt es darauf nun auch nicht mehr an, denke ich mir. :)

Samstagskaffee am Freitag und mit Tee. Also, Picknick im Garten als Osterferien-Abschiedsfeier.
Samstagskaffee am Freitag und mit Tee. Also, Picknick im Garten als Osterferien-Abschiedsfeier.

Vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle eine Ferien-to-do-Liste aufgestellt. Und wie so oft müssen wir feststellen, dass uns unsere Spontaneität einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die, und die Erkältung, an die ich zwei Tage der ersten Ferienwoche verloren habe. Immerhin zwei der neun Vorhaben haben wir absolviert: Wir haben eine Fahrrad-Expedition zur geheimnisvollen Grabpyramide im Schaumburger Wald unternommen und die noch geheimnisvolleren Geheimnisse der Himmelsscheibe von Nebra ergründet. Dann kam Ostern, wir fuhren in den Harz und hängten spontan noch ein paar Tage bei Oma und Opa an der Ostsee dran. Von dort stammt auch das „in heaven“-Bild, das ich diese Woche zur Raumfee schicke: Sonnenuntergang am Strand von Börgerende.

Sonnenuntergang über der Ostsee bei Börgerende.
Sonnenuntergang über der Ostsee bei Börgerende.

Der faule Samstagspost #8

Gestern gab es Osterferien. Bis auf ein paar Tage im Harz haben wir noch nichts Festes vor, überraschenderweise. Das gibt uns immerhin Gelegenheit für eine Reihe von Tagesausflügen in der näheren und weiteren Umgebung. Wir haben uns also hingesetzt, die gute „Erlebniskarte Schaumburger Land“ zu Rate gezogen und einen Wunschzettel angefertigt:

  • eine Führung durch das Stift Obernkirchen
  • die Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer
  • das Bückeburger Mausoleum, in dem ich zuletzt als kleines Kind gewesen bin
  • Schloss Baum im Schaumburger Wald, mit der „Grabpyramide“ von Graf Wilhelm
  • das Bergbau-Museum in Lindhorst, das wir prima mit einem Besuch bei Omama verbinden können
  • eine Erlebnisführung, die Geschichte mit Geschichten verbindet, z.B. in Stadthagen
  • der alte Steinbruch in Liekwegen
  • die Schwefelquelle bei Wendthagen
  • nicht in Schaumburg, aber trotzdem ganz weit oben auf unserem Wunschzettel: die neue Sonderausstellung im Mindener Museum zur Sonnenscheibe von Nebra, die heute Abend eröffnet
Langweilig wird uns bestimmt nicht. Die Erlebniskarte Schaumburger Land liefert Ideen zur Gestaltung der Osterferien.
Langweilig wird uns bestimmt nicht. Die Erlebniskarte Schaumburger Land liefert Ideen zur Gestaltung der Osterferien.

Ich denke, wir werden die Ferien schon ganz gut rumkriegen, selbst wenn wir nur die Hälfte von dem schaffen, was wir uns vorgenommen haben.

Mehr Samstagskaffee gibt es, wie jede Woche, hier.

Für die Raumfee habe ich auch wieder in den Himmel geguckt. Ein bisschen verwackelt, aber gerade deswegen wie gemalt und wie „in heaven“:

Irgendwie unscharf, aber irgendwie schön: mein Blick gen Himmel diese Woche.
Irgendwie unscharf, aber irgendwie schön: mein Blick gen Himmel diese Woche.

Der faule Samstagspost #7

„Können wir jetzt endlich essen?“
„Gleich, ich will eben nur noch kurz ein Foto für den Samstagskaffee machen.“
Noch eins? Du hast doch schon eins gemacht!“
„Ja, aber das ist nichts geworden. Da stand deine Tasse im Bild, und die ist blau, und blau passt nicht dazu. Es soll doch schön aussehen.“
„Ich verhungere!“
„Warte, ich arrangiere das hier grade noch mal…“
„Nein! Ich will jetzt was essen!“
Das ist der Grund, warum anderer Leute Blogfotos immer schöner aussehen als meine… ;) (Wobei, okay, es könnte auch daran liegen, dass die fototechnisch besser wissen, was sie tun.)

Wenn die Familie Hunger hat, bleibt keine Zeit für ausgeklügelte Foto-Arrangements.
Wenn die Familie Hunger hat, bleibt keine Zeit für ausgeklügelte Foto-Arrangements.

Der Himmel ist zum Glück ein geduldigeres Fotomodell. Den Sonnenuntergang muss man zwar auch immer minutengenau abpassen, aber dann gibt’s während des Fotoprozesses von ihm wenigstens kein Gemotze. Mehr schönen Himmel gibt’s wie immer samstags bei der Raumfee.

Motzt nicht: Sonnenuntergang vorm Fenster.
Motzt nicht: Sonnenuntergang vorm Fenster.

Der heute etwas eiligere Samstagspost (Auf nach Lüneburg!)

Als ich heute morgen aus dem Bett gekrochen bin, war es noch fast dunkel, und die Familie schlief. Inzwischen ertönt in Janis‘ Zimmer schon wieder Kampfgetümmel aus dem neuen Flohmarkt-Schnäppchen-Collosseum. Aber ein friedliches Dreiviertelstündchen hatte ich doch, um unseren heutigen Tagestripp vorzubereiten.

Und noch schnell ein Samstagskaffee (bzw. Tee), bevor wir auf die (Tages-)Reise gehen...
Und noch schnell ein Samstagskaffee (bzw. Tee), bevor wir auf die (Tages-)Reise gehen…

Es geht nach Lüneburg. Anlass (und Ausrede) ist der Vortrag der Familie Clavin um 16 Uhr im Hörsaal 2 der Lüneburger Universität. Gemeinsam mit ihren beiden Töchtern haben Annette und Malte Clavin mehrfach mehrere Monate am Stück die Welt bereist, und unterwegs haben gerade die Kinder mehr gelernt, als jede Schule jemals bieten könnte. Sagen sie, und nennen die Live-Reportage daher auch „Weltklasse“. Wir sind gespannt, was wir da heute zu hören kriegen! (Für alle, die es verpasst haben: Es gibt noch mehr Termine an verschiedenen Orten in Deutschland und der Schweiz!)

Und bei der Gelegenheit werden wir uns natürlich auch das hübsche Städtchen Lüneburg mal näher ansehen. Als wir das letzte Mal dort waren, konnten wir noch mit schlafendem Baby im Kinderwagen durch die Geschäfte bummeln…

Etwas Lesestoff habe ich noch: Der Reiseveranstalter „For Family Reisen“ hat uns auf ihrer Webseite zum Thema Reisen und Couchsurfing mit Kindern interviewt.

Der faule Samstagspost #6

Zeit für einen Samstagskaffee – oder besser gesagt einen Tee – habe ich noch. Dann stell ich mich in die Küche, denn heute Abend genießen wir zur Abwechslung mal unser Zuhause mit Freunden, statt durch die Weltgeschichte zu tingeln.

Die Ruhe vor dem Küchen-Sturm. (Time for a cup of tea before the battle in the kitchen - we're going to have guests tonight.)
Die Ruhe vor dem Küchen-Sturm. (Time for a cup of tea before the battle in the kitchen – we’re going to have guests tonight.)

Wenn’s gut läuft, haben wir vom Esstisch aus dann einen ähnlichen Blick auf den Sonnenuntergang wie hier. Der stammt vom Anfang der Woche und ist mein Beitrag für die „in heaven“-Reihe der Raumfee.

Immer wieder spektakulär: der Sonnenuntergang vor unserem Wohnzimmerfenster. (Simply amazing, time and again: the sunset in front of our living-room windows.)
Immer wieder spektakulär: der Sonnenuntergang vor unserem Wohnzimmerfenster. (Simply amazing, time and again: the sunset in front of our living-room windows.)

Abwarten und Tee trinken…

Eigentlich wollten wir ja längst auf dem Weg nach Südwesten sein. Die Jungs haben Ferien, und wir wollen für ein paar Tage ins Saarland. Aber wie das immer so ist, wenn man Kinder hat: Da kommt leicht mal was dazwischen. In diesem Fall wohl die übermäßige Gier am Faschingsbüffet in der Schule gestern, die uns eine unruhige Nacht mit Eimerchen beschert hat. Am nächsten Morgen stellt sich dann die Gewissensfrage: Fahren wir, oder fahren wir lieber nicht? Ist das Kind blass und matt, weil es die halbe Nacht Asterix gucken durfte, um sich von der Übelkeit abzulenken, oder steckt doch ein Magen-Darm-Infekt dahinter? Wir haben die Pläne fürs erste nach hinten verschoben. Nach dem Ausschlafen haben wir gefrühstückt, und jetzt gucken wir mal, was passiert. Abwarten und Tee trinken. Wenn die Lage in einer halben Stunde immer noch so ruhig ist wie jetzt, packen wir zusammen und fahren los.

Wie immer bemühe ich mich, auch an dieser Situation die positiven Seiten zu sehen: Immerhin bleibt so noch Zeit, mich dem Samstagskaffee bei Ninjassieben anzuschließen. Der besteht für mich mal wieder aus grünem Tee, und viel davon. Die Kanne verbirgt sich unter der Hühnerhaube, wo sie schön warm bleibt (grünen Tee soll man nämlich nicht aufs Stövchen stellen – sagen zumindest die, die Hühnerhauben verkaufen wollen ;) ).

Zum Samstagskaffee gibt's bei mir wieder Tee. Den Nachschub hält mir die Henne warm. (Thanks to the chicken cover for the tea pot I can do a lot of the German saying "wait and drink tea" to see if Janis recovers in time to leave for our short trip to the Saarland.)
Zum Samstagskaffee gibt’s bei mir wieder Tee. Den Nachschub hält mir die Henne warm. (Thanks to the chicken cover for the tea pot I can do a lot of the German saying „wait and drink tea“ to see if Janis recovers in time to leave for our short trip to the Saarland.)

Und auch ein hübsches Himmelsbild für die Raumfee habe ich wieder anzubieten, heimische Frischware von gestern Abend.

Gestern zeigte sich die Abenddämmerung mal von ihrer ganz zarten Seite. (Yesterday's sunset was rather gentle and soft.)
Gestern zeigte sich die Abenddämmerung mal von ihrer ganz zarten Seite. (Yesterday’s sunset was rather gentle and soft.)

So. Inzwischen geht’s dem Großen wieder gut, aber jetzt klagt der Kleine über Bauchweh. Hm, was tun? Abwarten und Tee trinken…