Schlagwort-Archive: Städtetripp

Dresden: Kultur und Geschichte für die ganze Familie

Dresden gilt als Perle des Barock und manchen gar als schönste Stadt der Europas. Als Kulturhochburg zieht die sächsische Landeshauptstadt jährlich Touristenmassen mit einer Stückzahl in Millionenhöhe an. Aus aller Welt kommen Menschen, um sich das „Elbflorenz“ anzuschauen: den Zwinger, das Grüne Gewölbe, die hochsymbolische Frauenkirche. Aber ist Dresden auch ein gutes Ziel für einen Städtetripp mit der Familie? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht.

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Lüneburg: Dass schnödes Salz so spannend sein kann!

Mit der charmanten Mischung aus geschichtsträchtigen Backsteinfassaden, quirligem Studentenleben und landschaftlicher Idylle zählt Lüneburg in der Tat zu meinen deutschen Lieblingsstädten. Es ist das Salz, dem die alte Hansestadt ihren Platz in der Geschichte verdankt. Im Deutschen Salz-Museum haben wir eine Menge darüber erfahren.

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Bergen: Familienausflug in die Regen-Stadt

Ein Stadtbummel durch die regenreichste Stadt Europas ist meistens nass, aber immer interessant. Die hölzerne Altstadt der Brygge, der Fischmarkt und Håkons Halle lohnen einen Besuch, und auch für Kinder gibt es viel zu entdecken und zu erkunden.

Nachdem wir den Vormittag bei wechselhaftem Wetter im höchst interessanten Freilichtmuseum Gamle Bergen verbracht hatten,  fuhren in die Innenstadt. Auf der kurzen Fahrt prasselte der Regen auf die Windschutzscheibe. Die Tiefgarage war in den nackten Fels gesprengt. Ein sehr merkwürdiges Gefühl, quasi in einer Höhle zu parken, die weiß angestrichen und mit ein paar Stahlbetonträgern ausgestattet ist. Wenn man sich vorstellt, wie viel Arbeit nötig war, um das Ding in Existenz zu bringen, verwundern auch die exorbitanten Parkgebühren nicht mehr.

Typischer Anblick: Nasse Gestalten blicken über den Hafen auf die Brygge. (Typical view: wet people in front of Bergen's Brygge panorama.)
Typischer Anblick: Nasse Gestalten blicken über den Hafen auf die Brygge. (Typical view: wet people in front of Bergen’s Brygge panorama.)

Als wir die Felsengrotte verließen, zeigte sich Bergen von seiner wirklich garstigen Seite. Es goss in Strömen und hörte für Stunden nicht wieder auf. Wir patschten durch die Pfützen, die sich auf dem Weg zum Hafen aneinander reihten, und bis wir den berühmten kleinen Fischmarkt erreicht hatten, waren wir trotz Regenjacken einmal mehr nass bis auf die Knochen. Der Markt war zum Glück halbwegs überdacht – überraschend provisorisch übrigens. Generell finde ich es sehr amüsant, wie die Bergener mit ihrem harten Witterungsschicksal umgehen. Einerseits ist es völlig normal für Menschen jedes Alters, Gummistiefel und Regenhose beim alltäglichen Einkaufsbummel zu tragen. Und andererseits tun sie dann wieder so, als wäre es vollkommen unvorhersehbar, dass es regnen könnte. Sie stellen Wäsche raus, und in mehreren Gärten habe ich unüberdachte Sitzecken gesehen.

Meerestiere aller Art gibt es auf dem Fischmarkt. (All kinds of seafood is available at the fish market.)
Meerestiere aller Art gibt es auf dem Fischmarkt. (All kinds of seafood is available at the fish market.)

Auf dem mit Sonnenschirmen und Plastikplanen gedeckten Fischmarkt aßen wir Fischbrötchen und bestaunten all die riesigen Krebsscheren und anderen Meerestiere, die zum Verkauf angeboten wurden. Ein Norweger mit offensichtlichem Migrationshintergund schwatzte uns in verdächtig perfektem Deutsch ein himmlisch schmeckendes Stück Wildlachs auf, kalt geräuchert, für umgerechnet 20 Euro, das wir dann später zum Abendbrot mit frischem Brot vertilgten.

Hinter der berühmten Häuserzeile beginnt ein hölzernes Labyrinth. (Bergen's Old Town is a wooden maze.)
Hinter der berühmten Häuserzeile beginnt ein hölzernes Labyrinth. (Bergen’s Old Town is a wooden maze.)

Im weiterhin strömenden Regen gingen wir weiter zur Brygge, Weltkulturerbe der Unesco und Bergens berühmteste Ansicht. Ein wirklich wunderschöner Ort voller Flair und Magie. Zunächst denkt man, es handele sich einfach nur um einen Straßenzug mit alten Holzhäusern. Zwischen diesen aber führen mehrere enge Gässlein entlang, treppauf, treppab, von einer urigen Boutique zur nächsten. Viele Künstler haben sich dort niedergelassen, auch stylische Cafés, und es gibt tausend Details zu bestaunen. Sehr, sehr hübsch. Im Moment werden die Gebäude aufwändig saniert (sehr rücksichtsvoll übrigens, ausschließlich mit Originalwerkzeug und altertümlichen Materialien und ohne störende Absperrungen). Unter einem Dach trockneten Leinwände, und wir nutzten die Gelegenheit zu einem trockenen Picknick.

Schnell die Kamera raus: ein bisschen blauer Himmel über der Bergen! (Bergen's Brygge in the sunshine!)
Schnell die Kamera raus: ein bisschen blauer Himmel über der Bergen! (Bergen’s Brygge in the sunshine!)

Dann hörte der Regen tatsächlich auf, und wir erkundeten die Brygge bis in die letzten Winkel. Die Jungs waren höchst fasziniert von einem Mineralienladen und von Trollfiguren, die manche Geschäfte als Kundenfänger aufgestellt hatten.

Wir spazierten weiter zur Håkons Halle, Norwegens größtem mittelalterlichen Gebäude. (Da es in Norwegen nur wenige große Dinge gibt, ist man hier mit Superlativen immer schnell bei der Hand.) Die Kinder tobten sich aus, während wir durch den Park schlenderten. Auf dem Rückweg kam dann tatsächlich die Sonne raus! Schon erstaunlich, wie glücklich einen so eine banale Tatsache machen kann, wenn man zwei Tage lang nur Regen und Nebel gesehen hat.

Håkons Halle, Norwegens größtes mittelalterliches Gebäude (um fair zu sein, es gehört auch noch ein Turm mit dazu, der es nicht aufs Bild geschafft hat). (Norway's biggest mediaeval building.)
Håkons Halle, Norwegens größtes mittelalterliches Gebäude (um fair zu sein, es gehört auch noch ein Turm mit dazu, der es nicht aufs Bild geschafft hat). (Norway’s biggest mediaeval building.)

(Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 1. September 2009 verfasst.)

Unterkunft: Das Montana Family and Youth Hostel (in Bergen, Norwegen)

Jugendherbergen im Familienurlaub sind auch in Norwegen vor allem eins: praktisch. Das Zimmer ist Privatbereich der Familie, den Rest der Einrichtung teilt man sich mit (meistens) netten Mitreisenden, nutzt die Gemeinschaftsküche, Waschmaschine und oft auch Spielmöglichkeiten. Wer sich mit seiner Familie ein paar Tage lang Bergen ansehen möchte, ist im Montana Family and Youth Hostel gut aufgehoben – wer skandinavische Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, der natürlich nicht.

Wir sind angekommen in Bergen, der Regenstadt. In jedem Reiseführer fällt spätestens im dritten Satz Bergens ultimativer Titel: die regenreichste Stadt Europas. Sie brüstet sich mit 248 Regentagen im Jahr 2005. Ungewöhnlicherweise empfing uns nur Nieselregen, was uns nach dem fast durchgängigen Dauerregen der sechsstündigen Fahrt sehr falsch vorkam.

Zweckdienlich und vergleichsweise erschwinglich, wenn man mit der Familie in Bergen unterwegs ist: das Montana Hostel. (Absolutely okay for a family trip if you don't want to spend a fortune.)
Zweckdienlich und vergleichsweise erschwinglich, wenn man mit der Familie in Bergen unterwegs ist: das Montana Hostel. (Absolutely okay for a family trip if you don’t want to spend a fortune.)

Wir übernachten im Montana Vandrerhjem oberhalb der Stadt. Ein großer, sauberer, anonymer Kasten mit sterilen, geräumigen Zimmern. Wir kamen zur Abendbrotszeit, und die Gästeküche platze aus allen Nähten. Martin räumte das Auto aus, und ich beschäftigte zwei Kinder, die den ganzen Tag still im Auto gesessen hatten, indem ich mit ihnen mitten im internationalen Gewusel Eierkuchenteig anrührte.

Zwischendurch gab es einen lauten Knall, als der Topf der vier Koreaner explodierte. Die nahmen fast alle Kochplatten ein, um eine große Menge sperriger Meerestiere zuzubereiten, was sie mit pausenlosem, sehr aufgeregten Gesabbel taten. Ein älterer Italiener, der mich mit seinem süffisanten Grinsen allzu sehr an seinen Landesherren erinnerte, hatte plötzlich seine langen mafiösen Finger in unserer Klappkiste und unsere Nudeln in der Hand. Als ich ihn höflich mit der Tatsache konfrontierte, dass es sich um unsere Teigwaren handele, entschuldigte er sich wortreich in einem Schwall mit viel Italienisch und wenig Englisch, ließ die Nudeln jedoch nicht los. Stattdessen versprach er mir, morgen für Ersatz zu sorgen. Ich bezweifele, dass ich ihn oder irgendwelche Kompensationen je wiedersehen werde. Dafür hat mir eine Britin, die morgen abreist, ihre noch fast volle Packung Schwarztee geschenkt.

Und die Eierkuchen schmeckten trotz minimaler Küchenausstattung (und mit Schneebesen gerührt) recht gut. Die Kochplatten übrigens funktionieren nur, wenn man zehn Kronen einwirft, und Gläser gibt es überhaupt keine.

Nach dem Essen war es schon nach zehn, aber die Kinder mussten dringend noch mal raus. Also stiefelten wir durch den lauwarmen Nieselregen und unternahmen eine Nachtwanderung zu einem Aussichtspunkt, von wo aus wir über die regenblassen Lichter der Stadt sehen konnten.

Die Regenstadt von oben, ganz in der Nähe des Hostels. (Bergen seen from the viewpoint close to the hostel.)
Die Regenstadt von oben, ganz in der Nähe des Hostels (hier nicht um halb zehn am Abend fotografiert). (Bergen seen from the viewpoint close to the hostel.)

Am Morgen wurde die Regenstadt ihrem Ruf gerecht, denn er begann mit peitschendem Sturm und – Regen. Wir dagegen begannen den Tag mit einem sehr guten Frühstück, das im Preis der Jugendherberge enthalten ist. Heringshappen in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen, typisch norwegischem brunost-„Karamellkäse“, Apfelsinenmarmelade, Müsli mit Dickmilch und allerlei gewöhnliches Frühstückszeug.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 1. September 2009 verfasst.

Das Montana Family ande Youth Hostel hat die Adresse Johan Blytts vei 30, 5096 Bergen. In der Hauptsaison (1. Mai bis 30. September 2014) kostet ein Familienzimmer (2 + 2 oder 3) umgerechnet rund 120 Euro (oder in der Spar-Version mit Gemeinschaftsbad auf dem Flur 108 Euro).

Familienausflug zum Dialog im Dunkeln (in Hamburg, Deutschland)

„Stell dir mal vor, du wärst echt blind“, sagt Janis, als wir uns gegen die steife Brise durch die Häuserschluchten von Hamburgs Speicherstadt kämpfen. In den kommenden 90 Minuten müssen wir unsere Vorstellungskraft nicht bemühen – wir kommen dieser Erfahrung so nahe, wie man das als dankenswerterweise gesunder Mensch nur schaffen kann: Wir haben einen „Dialog im Dunkeln“ gebucht.

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Familienausflug ganz links außen (in Saarbrücken, Deutschland)

Dienstag in Deutschland. – Wer in Deutschland verreist, will meist entweder ans Meer oder in die Berge, zu kulturellen Höhepunkten in die großen Städte oder in Gegenden von herausragender landschaftlicher Schönheit. Aber ins Saarland, ganz links außen auf der Landkarte? Da ist doch nichts Besonderes, oder? Zugegeben, wir sind auch nur hingefahren, weil uns das Unbekannte lockte. Gefunden haben wir ein hübsches Fleckchen mit einer ausgesprochen netten, unaufgeregten Landeshauptstadt. Ein Reisebericht aus dem zu Unrecht touristisch weitgehend ignorierten Saarbrücken.

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Kiel: Wo Engel ein „Ritterschwert“ führen und Pinkeln hinter der Kirche verboten ist

Auf dem Weg nach Skandinavien kommen wir heute erstmal nur bis in den hohen Norden Deutschlands. Bei einem Zwischenstopp haben wir Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt erkundet. Ein Stadtspaziergang durch Kiel mit kleinen Kindern.

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