Endlich wieder Familienurlaub in Schottland! Gut zwei Wochen lang haben wir diesmal vor allem den Norden erkundet. Nach kurzen Stationen in Edinburgh, Fife und Inverness haben wir uns viel Zeit für Sutherland und Caithness an der Nordküste sowie die Orkney-Inseln genommen. Zurück ging es über Aberdeen mit Besuch von Balmoral in den Cairngorms. Unser achter Roadtrip durch Schottland, diesmal mit siebenjährigem Kind und 19-jährigem Teenager – und wieder mal hochgradig herrlich! Hier kommt unser Erfahrungsbericht samt Route und vielen Tipps zum Nachmachen für eure eigene Planung.

Familienurlaub in Schottland als Roadtrip

Wir lieben Schottland als Reiseland mit Kindern! Fast alle unsere Familienreisen in den Norden Großbritanniens haben wir als Roadtrip unternommen. Das Land eignet sich ziemlich gut dafür.

Schottland mit kindern und teenager, wandern, nordschottland moor

Schottland besitzt diese herrliche Weite. Natürlich kann man dort auch prima wandern – aber das lässt sich mit einem Roadtrip hervorragend kombinieren.

Bestimmt macht es auch Spaß, sich eine Woche oder länger ein Cottage zu mieten und dort mit der Familie die direkte Umgebung zu erkunden. Für ein paar Tage machen wir das auch. Aber ich zumindest denke mir immer: Wenn ich schon mal hier bin, dann möchte ich auch was sehen von meinem Reiseland. Schottland besitzt so viele interessante Regionen. Überall sieht es ein bisschen anders aus. Uns auf einen einzigen Ort zu beschränken, käme uns vor wie verschenktes Potenzial. Also planen wir auch diesmal wieder einen Roadtrip mit insgesamt fünf Übernachtungsstationen plus drei Übernachtungen auf der Fähre.

schottland cupar

Wir übernachten in Ferienwohnungen und Hostels in kleinen Städten und Dörfern. (Das hier ist Cupar.)

Und schnell die Gelegenheit nutzen, meinen Affiliate-Link unterzukriegen, bevor meine Ausführlichkeit alle verscheucht: Unsere Unterkünfte buchen wir meistens ganz klassisch über Booking.* Funktioniert auch in Schottland einfach am zuverlässigsten und die Auswahl ist auch im unteren Preissegment groß. (Na ja, sofern es bei Übernachtungen in Schottland überhaupt ein unteres Preissegment gibt.)

Wer schreibt hier überhaupt?

Alle alten Hasen hier wissen das und scrollen bitte einfach weiter. Wer über Google oder andere Wege hier gelandet ist: Herzlich willkommen – ich bin Lena. :) Großer Schottland-Fan, Mutter von drei Kindern, seit 13 Jahren Reisebloggerin und eine Hälfte des Autorinnen-Teams, die den Familienreiseführer „Schottland mit Kindern“* für den Naturzeit Verlag verfasst hat.

Das bin ich in St. Andrews in den Sommerferien 2026 in Schottland mit meiner Reisecrew: Silas (19), Franka (da noch nicht ganz sieben) und Martin. Kind Nummer drei bzw. eins muss arbeiten und hütet die Katze. Und hat außerdem mittlerweile einen dichteren Bart als sein Vater Haare auf dem Kopf.

Warum in Schottlands Norden?

Der Roadtrip in den schottischen Norden ist für mich die achte Reise in mein Lieblingsland. (Eine Übersicht über unsere anderen Schottland-Trips gebe ich in diesem Artikel: →Schottland mit Kindern – unsere gesammelten Erfahrungen. Wenn ihr das erste Mal einen Roadtrip durch Schottland plant, schaut euch unbedingt meine Tipps dafür hier an: →Schottland-Rundreise – die beste Route für einen Roadtrip.)

beste route für die erste schottland rundreise

In jenem Beitrag gibt’s die beste Routenplanung für den ersten Schottland-Roadtrip, inklusive Programmtipps.

Trotzdem betrete ich diesmal auch Neuland. Denn sowohl im alten Kingdom of Fife als auch im hohen Norden von Sutherland und Caithness bin ich nie zuvor gewesen. Auf den →Orkneys waren wir 2015 so kurz, dass es kaum zählt. Und auch Aberdeen sehe ich zum ersten Mal.

Während mich die Reiseführer-Recherche immer wieder an die Westküste zieht, sind wir diesmal tatsächlich „privat“ unterwegs und haben endlich auch mal Zeit für Schottlands B-Seite.

Wenn wir im Auftrag des Verlags unterwegs sind, ist unsere Reise meist echt streng durchgetaktet. Diesmal haben wir tatsächlich auch mal Zeit zum Durchatmen und Genießen. (Wobei ich gerade selber lachen muss, denn irgendwas ist beim Verkleinern des Fotos passiert. Sieht ja aus, als würde ich eine unzufriedene Schnute ziehen. Dabei war ich da am Ring of Brodgar auf Orkney voll glücklich! Egal, ich lass das jetzt so.)

B-Seite ist natürlich etwas provokant. Aber es stimmt schon: Die Ostküste gilt als weniger spektakulär. (Ganz ehrlich: Wenn ihr euch entscheiden müsst, fahrt nach Westen! Und das sage ich nicht nur, um mehr meiner Reiseführer zu verkaufen. Davon abgesehen ist auch der Osten schon toll – nur eben ein Stück weniger großartig als die highlands and islands im westlichen Teil des Landes. Finde ich. Wer mir widersprechen möchte, darf das gerne in der Kommentarspalte tun. :) )

aberdeen mit kindern streetart

Dafür gibt es im Osten andere Überraschungen. (Hier in Aberdeen.)

Der Norden ist schön, aber auch sehr karg und vor allem spärlich besiedelt. Die Infrastruktur ist nicht völlig desolat, aber wie auf den meisten →Hebriden-Inseln sind die Unterkünfte eher spärlich gesät. Es ist nicht unbedingt ein „Schottland für Anfänger*innen“.

Für uns ist unsere Route diesmal perfekt.

Schottland mit dem E-Auto

Zum ersten Mal sind wir 2026 mit dem Elektroauto in Schottland unterwegs. Das Reisen mit E-Auto ist für uns längst keine Herausforderung mehr. (In den vergangenen Jahren sind wir mit unserem Skoda Enyaq schon →quer durchs Baltikum, mehrmals durch →Frankreich und BeNeLux sowie →durch Österreich und Südtirol getingelt. Unsere generellen Erkenntnisse daraus stehen hier: →Reisen mit E-Auto – so funktioniert der Urlaub elektromobil.)

schottland mit e-auto

Einen anderen Ladestecker oder einen Adapter braucht ihr zum Laden fürs E-Auto in Schottland übrigens nicht, auch wenn dieses Bild anderes suggeriert.

Ein Problem haben wir allerdings: Drei Wochen vor unserer Schottlandreise zeigt unser E-Auto einen Fehler in der Elektronik an. Obwohl reichlich Zeit zu sein scheint, schafft es die Werkstatt es nicht, das ominöse Problem rechtzeitig zu beheben. Alles Ärgern hilft nichts: Wir müssen mit einem Mietwagen nach Schottland fahren. Immerhin ergattern wir ein E-Auto. So reisen wir diesmal kurzfristig in einem BMW iX1.

Fazit: geht auch. Die Reichweite von etwa 400 Kilometern nach dem Vollladen langt für einen Schottland-Roadtrip völlig – selbst im infrastrukturschwachen Norden. Auch wenn die Fahrten lange dauern, verbraucht man auf der kurvigen single track road einfach nicht so viel. In allen größeren Städten gibt es Lademöglichkeiten. Zwar deutlich weniger als in Westeuropa und im Baltikum, leider. Aber doch so viele, dass wir niemals extra umplanen müssen oder es kritisch wird.

e-auto bmw

Nur der Kofferraum unseres Mietwagens ist leider kleiner, als wir es vom Enyaq gewohnt sind. Blöd auf einem Roadtrip mit zwei Kindern.

Ein Downer allerdings sind die Strompreise. Die britische Regierung verhindert erneuerbare Energien mehr, als sie sie fördert. Während in der öffentlichen Ladestruktur in Deutschland aktuell Preise um die 52 Cent pro Kilowattstunde im Mittelwert normal sind, zahlen wir in Großbritannien durchschnittlich 73 Cent an der Ladesäule. Sicher könnte man da mit einigem Aufwand die Route nach Ladekosten optimieren, denn auch im UK schwanken die Preise je nach Anbieter stark. Obwohl Martin da sonst gerne pfennigfuchst, lassen wir das aufgrund des doch noch recht schlecht ausgebauten Netztes. Wir fahren dahin, wo wir was anschauen wollen, und lassen unser Ausflugsprogramm nicht von der günstigsten Ladesäule im erreichbaren Umkreis bestimmen.

Damit sind Elektrofahrzeuge in Schottland im Verbrauch jedenfalls nicht günstiger als Verbrenner. (Aber es hat ja auch niemand behauptet, dass es billiger sein muss, die Welt zu retten, als ihr noch länger zuzusetzen. Und gleich noch ein Downer dazu: Wenn euch dieser Preisunterschied Sorgen macht, solltet ihr euch das mit dem Schottlandurlaub generell noch mal überlegen. Schottland ist als Reiseland schweineteuer, vor allem für Familien.)

e-auto laden niederlande

Zum Vergleich: In den Niederlanden liegen wir in unserer privaten Statistik auch bei 72 Cent pro Kilowattstunde (weil wir meistens faul an den Schnelllader an der Autobahn fahren). Zu Hause aus der Wallbox kommt der Strom für 27 Cent. Und wenn die Sonne scheint für 12 Cent vom eigenen Dach.

Welche Route durch Schottlands Norden (und warum die)?

Auf unseren Roadtrips ergibt sich die genaue Route immer aus verschiedenen Faktoren. Zunächst einmal haben wir den Ehrgeiz, die weißen Flecken auf unserer persönlichen Landkarte auszumerzen. Obwohl ich mich gerne als Schottland-Expertin brüste, habe ich da auch in meinem Lieblingsland noch eine ganze Menge.

Und nachdem ich vor über zehn Jahren auf unserer →Aus-Versehen-Kreuzfahrt so begeistert von unserem →Tag auf Mainland Orkney war, möchte ich unbedingt noch einmal dort hoch.

orkney stones of stenness

Ein paar Sehenswürdigkeiten gibt es, die ich mir unbedingt (noch mal in Ruhe) anschauen möchte. Den ältesten Steinkreis Großbritanniens zum Beispiel.

So puzzelt sich unsere Route nach und nach zusammen.

Generelle Tipps für eure Routenplanungen und Familienurlaub mit dem Auto gebe ich ausführlich in diesem Beitrag: →Roadtrips mit Kindern

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Weitere Informationen

Einige Parameter sind gesetzt. So nehmen wir für An- und Abreise immer die →Fähre Amsterdam-Newcastle.

Außerdem ist unsere Reisezeit für uns als handelsübliche Arbeitnehmende begrenzt. Eigentlich haben wir nur zwei Wochen Urlaub. (Mit Überstunden und Ausgleichstagen mogeln wir uns noch drei Tage dazu. Ja, das ist im Zweifelsfall recht hoch gepokert. Aber die Orkneys sind weit.)

Gerade für ein effizientes Zeitmanagement bei einem Schottland-Roadtrip inklusive Orkney-Inseln bietet sich die Nachtfähre Kirkwall-Aberdeen an. So umgehen wir die lange Rückfahrt durch den „leeren“ (aber natürlich auch wunderschönen) Norden. Gleichzeitig nutzen wir eine ohnehin nötige Übernachtung dafür, die wir dann nicht auf der Booking*- oder AirBnB-Rechnung haben.

Romane als Reisegrund

Eine Rolle spielen bei mir auch immer Bücher (oder meistens eigentlich Hörbücher). Kommt mir ein guter Roman unter, möchte ich auch gerne die Orte sehen, an denen die Handlung spielt.

  • St. Andrews wollte ich mir auch vorher schon angucken. Der Urban-Fantasy-Roman „Eilean Mhaigh“* hat mir aber extra Lust darauf gemacht, die örtliche Selkie-Population zu inspizieren.
  • Der magische Krimi „Die Meerjungfrauen von Aberdeen“* hat einiges damit zu tun, dass wir unsere Station an der Ostküste ebendort beziehen.
  • Und auf den Orkneys nehme ich mit der Gezeiteninsel Birsay auch endlich den Ort in Augenschein, an dem mein altes Lieblingsbuch „Der singende Stein“* beginnt.

Mehr Lesetipps habe ich hier: →Romane, die in Schottland spielen.

Erfahrungsbericht: Unser Schottland-Roadtrip durch den Norden mit Familie

Es folgt – so kurz, wie ich es schaffe – eine Tag-für-Tag-Zusammenfassung unseres Familienurlaubs in Schottland. Ich hoffe, dass ich in den nächsten Wochen und Monaten ausführlichere Berichte zu unseren einzelnen Stationen veröffentlichen kann.

Deshalb halte ich mich bei den eigentlich interessanten Orten und Sehenswürdigkeiten kurz (und verlinke dann später auf die Detailseiten). Dafür gehe ich mehr auf die Logistik unseres Roadtrips ein. (Der spielt dann in den einzelnen Erfahrungsberichten keine Rolle mehr.)

nordschottland highland cattle

Los geht’s! Ab jetzt sind die Fotos chronologisch. (So halbwegs.)

Tag 1: Von zu Hause bis IJmuiden bei Amsterdam (und dann übers Meer)

360 Kilometer – ca. 4 Stunden Fahrzeit. Schaumburg – Haarlem 3:30 h, Haarlem – IJmuiden 20 Minuten.

Wir starten an einem Donnerstag morgens um sieben. (Heißt: Wir starten mit dem Losfahren. Bis wir wirklich vom Hof kommen, ist es natürlich wieder halb acht.)

Der ungeplant kleinere Kofferraum des Mietwagens ist voll bis unters Dach.

roadtrip kofferraum

Wer mit Kindern mehrere Wochen verreist, hat immer einen vollen Kofferraum, oder?

Auf die letzten Meter mussten wir einiges wieder auspacken, was wir sonst aus reiner Bequemlichkeit mitnehmen. Franka schmollt ein bisschen, weil sich die Wanderschuhe der ganzen Familie in ihrem Fußraum stapeln.

Nach den ersten paar Kilometern hat sich alles zurechtgeruckelt. Das Kind hört Hörspiele über Amazon Music*, die wir zu Hause im WLAN auf das simkartenlose „Musik-Handy“ zum Offline-Gebrauch heruntergeladen haben. Der Teenager trägt ebenfalls Kopfhörer und hört Podcasts. Streckenweise hören wir drei Großen alle ein Terry-Pratchett-Hörbuch. Einen gemeinsamen Nenner für die ganze Familie (wie in →Schweden mit →Astrid Lindgren oder damals in →Irland mit verschiedenen →irischen Hörbüchern) finden wir diesmal leider nicht.

Macht nichts: Alle sind hinlänglich guter Dinge. Und so weit fahren wir ja gar nicht.

Ein knapper halber Urlaubstag in den Niederlanden

Bei einer Pipipause an der Autobahn gibt es am Schnelllader einen kleinen Boost, der uns problemlos bis nach Haarlem bringt. Dort erledigt ein Langsamlader auf dem Supermarkt-Parkplatz den Rest, während wir unsere eigenen Akkus in einem schönen kleinen Café aufladen.

haarlem mit kind teenager

In die wohl schönere Altstadt schaffen wir es nicht. Aber auch hier ist Haarlem einen kleinen Bummel wert.

Von Haarlem bis zum Fährhafen ist es nicht mehr weit. Der Check-in schließt um 16 Uhr. Wir sind extra früh losgefahren, um noch etwas Urlaubszeit auch in den →Niederlanden verbringen zu können. (Das ist seit ein paar Jahren schließlich zu einem weiteren Lieblings-Reiseland von uns geworden.) Bei unseren vergangenen Schottland-Reisen haben wir den frühen Nachmittag häufig am Strand von →IJmuiden verbracht. Da heute kein Strandwetter angesagt ist, bummeln wir stattdessen durchs nahe Haarlem, das wir noch gar nicht kennen.

Anschließend zaubern wir noch ein kleines Kinder-Highlight aus dem Hut. Direkt in IJmuiden, nur zehn Minuten Fahrzeit vom Fährhafen entfernt, gibt es in der Straße Dennekoplaan einen besonderen Spielplatz. Die naturnahe Spiellandschaft Zeewijk gehört einer privaten Initiative. Für 1,20 Euro Eintritt pro Person gibt es nicht nur Zugang zu hölzernen Kletterparcours und liebevoll gestalteten Spielgeräten, sondern auch saubere Toiletten und einen kleinen Kioskbetrieb. Ein Stündchen dürfen sich Kind und Teenager hier noch austoben, während wir Eltern faul in der Hängematte liegen.

ijmuiden spielplatz

Das Bild zeigt nur einen kleinen Teil vom Abenteuerspielplatz.

Mehr Ideen, wie ihr die Pufferzeit vorm Check-in als Familie gut nutzen könnt, stelle ich hier vor: →IJmuiden – Sonne, Strand und große Schiffe.

Überfahrt IJmuiden-Newcastle

Die Fahrt mit der Fähre verläuft einmal mehr problemlos. Wir beziehen unsere Innenkabine mit vier Kojen – die günstigste Möglichkeit auf der DFDS Princess Seaways. Mit drei Metern Wellenhöhe spüren wir das Schaukeln heute schon ein bisschen. Statt lange über das Schiff zu torkeln, gehen wir deshalb alle früh ins Bett, hören alle noch ein bisschen unsere jeweiligen Hörbücher und Podcasts und lassen uns dann von der Nordsee in den Schlaf wiegen.

dfds ijmuiden check-in

Wir reihen uns meist so eine Viertelstunde vor Check-in-Schluss in die Warteschlange ein und sind damit immer gut gefahren. Wenn euch das zu heiß ist, stellt euch ruhig früher an. Ihr kommt dann auch früher aufs Schiff und könnt euch einen guten Fensterplatz sichern.

Am nächsten Morgen hat sich die See beruhigt und unserem vorgebuchten Frühstücksbuffet steht nichts im Wege. Da unser Auto durch Glück (und nicht zu frühes Einchecken) nicht auf dem Zwischendeck gelandet ist, gehören wir zum ersten Schwung derer, die von der Fähre rollen. (Aus Erfahrung wissen wir: Das macht seit Brexit-bedingtem Verschärfen der Passkontrollen bis zu eine Stunde Wartezeit aus.)

dfds fruehstueck faehre

Das Frühstücksbuffet ist nicht billig, aber in unserem persönlichen Kosten-Nutzen-Universum rentiert es sich. Die Auswahl ist groß und das Essen recht gut.

Mehr Erfahrungen von unseren Fährüberfahrten auf dieser Strecke teile ich in diesem Artikel: →Mit der Fähre nach Schottland: Amsterdam – Newcastle mit DFDS.

Tag 2: Von Newcastle bis Edinburgh (und dann nach Fife)

240 Kilometer – ca. 3:45 h Fahrzeit. Fährhafen – Edinburgh 2:30 h, Edinburgh – Cupar 1:15 h.

Gegen halb zehn Ortszeit (die eine Stunde hinter unserer Zeit zu Hause liegt) sind wir auf der Straße nach Norden. Die zahlreichen Kreisel in den Ortsteilen North Shields und Tynemouth lassen Martin auf dem Weg zur Autobahn schnell wieder in den Linksverkehr finden. Schon sind wir auf der A1, die hier verlockend einfach nur als „The North“ ausgewiesen ist.

Etwa eineinhalb Stunden fahren wir, bis ein Straßenschild uns in Schottland begrüßt. (Die ersten Male haben wir auf dem dazugehörigen Rastplatz angehalten und Fotos gemacht.)

Schottland, beste route erste rundreise roadtrip

Hello Scotland – hier geht’s lang!

Eine weitere Stunde später sind wir schon mitten in Edinburgh.

Übernachten in Edinburgh?

Die schottische Hauptstadt ist ein extrem beliebtes Reiseziel – gerade im Juli und August. Hotelzimmer sind hier verdammt teuer. (Wir haben nichts unter 220 Euro pro Nacht gefunden. Und dabei haben wir zu dem Zeitpunkt über ein halbes Jahr vorher noch für zwei Erwachsene und eine Sechsjährige geplant. Hier könnt ihr selbst bei Booking schauen.*)

edinburgh innenstadt

Edinburgh ist ein beliebtes Reiseziel.

Wer nach einem Quartier zur Selbstversorgung sucht, wird in den Außenbezirken Edinburghs durchaus fündig. Das Preis-Leistungsverhältnis ist nach unserem Dafürhalten jedoch nicht mit dem Rest des Landes vergleichbar. Außerdem ist da dann wieder die ethische Frage der Wohnraumverknappung durch AirBnB. Und überhaupt wissen wir aus Erfahrung, dass wir viel lieber im Grünen übernachten als in der Großstadt.

Ziemlich schnell entscheiden wir uns bei der Planung deshalb dafür, Edinburgh mit einem Tagesausflug auf der Durchreise abzufrühstücken.

Tagesausflug nach Edinburgh!

Das klappt dann auch in der Praxis gut. Martin hat ein zentrales Parkhaus mit Lademöglichkeiten rausgesucht (Q-Park Omni). Das ist zwar alles andere als billig. Aber dafür können wir so ziemlich bequem und ohne großen Aufwand einen Städtetrip im Miniaturformat in unseren Schottland-Roadtrip integrieren.

Wir verbringen ein paar wunderbare Stunden in Edinburgh. Zuerst widmen wir uns dem klassischen Sightseeing in der Altstadt. Dann machen wir ein nettes Café und einen schönen Spielplatz ausfindig. Anschließend erkunden wir die grüne Idylle von Dean Village und den Waters of Leith.

edinburgh spielplatz castle

Den Spielplatz mit der besten Aussicht von Edinburgh haben wir jedenfalls gefunden!

Live“-Eindrücke davon gibt es in meinem →Edinburgh-Highlight auf Instagram. Hier im Blog gibt es schon jetzt einen Beitrag über →Edinburgh mit Kindern. – Der wartet aber aktuell noch darauf, dass ich unsere neuesten Erfahrungen von 2026 einarbeite.

Wie man es nicht machen sollte

Entgegen unserer ursprünglichen Planung bleiben wir so lange in Edinburgh, dass uns abends der Hunger überkommt. (Anfängerfehler: Wir haben die Stunde Zeitverschiebung nicht einberechnet.) Natürlich gibt es in der Großstadt überall was zu essen. Blöderweise schieben wir die Entscheidung aber zu lange auf. Als wir uns der Realität beugen, befinden wir uns in einem Viertel ohne viel Auswahl.

edinburgh mit kind und roller

In den authentischen Wohnvierteln abseits des Trubels gefällt es uns richtig gut – aber dort finden wir so schnell nichts zu essen…

Hungrig stürmen wir dann das nächstbeste Restaurant, das einen Tisch für uns hat. (An einem Samstagabend ist das nämlich auch so eine Sache. Wer nett Essen gehen möchte, sollte in Edinburgh wie in den meisten Städten besser vorher einen Tisch reservieren.)

Nicht weit von der Princess Street in der Neustadt von Edinburgh dinieren wir so prinzipiell nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich gut. Und die uneingeplanten 120 Euro für drei Hauptgerichte und ein Kindermenü plus jeweils ein Getränk tun unserem Budget schon ein bisschen weh. Denn eigentlich wären Nudeln mit Tomatensoße in der Ferienhausküche angedacht gewesen.

edinburgh mit kindern stadtmodell

War jetzt nicht schrecklich oder so. Nur ein bisschen dumm gelaufen. Das sind wir hinterher: durchaus glücklich und zufrieden. Immerhin einiges haben wir doch von Edinburgh gesehen in unserer kurzen Zeit vor Ort.

Aber so ist das halt manchmal. Das Beste ist da, die Erfahrung abzuhaken und für die Zukunft zu lernen. Deshalb erzähle ich euch auch nur davon: Nicht um mich zu beschweren, sondern in der Hoffnung, dass die Geschichte euch als entscheidender Hinweis dient, entsprechend vorzuplanen. Denn mit etwas Recherche und cleverer Routenplanung beim Stadtspaziergang lässt sich garantiert auch in Edinburgh ein gutes, günstiges und kinderfreundliches Abendessen auftreiben.

(Wenn ihr mit knappem Budget kalkuliert und das Wetter ein Picknick erlaubt, werdet ihr zum Beispiel in jedem Supermarkt fündig. Nur solltet ihr rechtzeitig daran denken. Denn auch in Edinburgh ist der nächste Convenience Store nicht in jeder einzelnen Straße vorhanden.)

Von Edinburgh nach Fife

Unsere erste Ferienwohnung liegt in der Kleinstadt Cupar in der Region Fife. Die wiederum befindet sich nordöstlich von Edinburgh, jenseits des Firth of Forth. Cupar mit seinen knapp 10.000 Einwohnenden liegt recht mittig darin. Die Kleinstadt ist nicht wahnsinnig sehenswert, aber eine gute Basis für ein paar Tage in Fife.

schottland ferienwohnung cupar

So ein schickes Ferienhaus mit drei Schlafzimmern hätten wir in St. Andrews nicht bezahlen können.

(Tipp: Bei Booking* sind ziemlich viele familienfreundliche Unterkünfte in Cupar und Umgebung verzeichnet, die ich euch hinter dem Affiliate-Link zu Ansichtszwecken schon mal vorsortiert habe. Dort zahlt ihr ein ganzes Stück weniger als in St. Andrews oder in den malerischen Küstenorten. Und sowohl in der historischen Universitätsstadt als auch im wunderschönen East Neuk am Meer seid ihr aufgrund der verkehrsgünstigen Lage ruckzuck.)

Tag 3 + 4: Fife – die Fischerdörfer im East Neuk, St. Andrews und ein Atom-Bunker

Insgesamt vier Nächte verbringen wir in unserer schönen Ferienwohnung mitten in Cupar. Da wir spät abends ankommen und am Abreisetag gleich nach dem Frühstück wieder verschwinden (müssen, um die Tagesstrecke zu schaffen und genügend Zeit fürs Zwischenziel zu haben), bleiben leider nur zwei volle Tage für die Region.

Wenn ihr mehr Zeit zur Verfügung habt, gönnt Fife auf jeden Fall mindestens drei Tage! Besser eine ganze Woche. Auch wenn ich hier immer motze, dass die schottische Westküste schöner ist – Fife ist ein absolut sehenswertes Fleckchen Erde!

st monans east neuk fife kirche

Die wunderschöne kleine Kirche am Meer in St. Monans.

Unsere Roadtrip-Highlights in Fife

Weil mir im ersten Anlauf alles wieder viel zu ausführlich geraten ist, habe ich unsere Erfahrungen an dieser Stelle radikal zurückgeschnitten auf eine Stichwortliste. Die ausführliche Version gibt es dann demnächst als eigenständigen Blogbeitrag. (Wenn ich für euch zu langsam bin, gerne per Kommentar Bescheid sagen. Wenn ich weiß, dass jemand darauf wartet, beeile ich mich!)

Die Kurzversion meiner Ausflugstipps für Fife:

  • gemütliches Sightseeing in St. Andrews (funktioniert bestens einfach mit dem Reiseführer aus dem Reise-Know-How-Verlag*)
  • Kaffeetrinken dort im Jarvis‚ (aber vor 16 Uhr)
  • Schwimmen im kostenlosen Meerwasserschwimmbad von Cellardyke
  • Bummel durchs malerische Fischerdorf Pittenweem
  • Besichtigung der Höhle St. Fillan’s Cave
  • Spaziergang auf dem Weitwanderweg Fife Coastal Path (mit Robben-Sichtung)
  • St. Monans mit dem kuriosen Superlativ „nächst am Meer gelegene Kirche Großbritanniens“
  • Scotland’s Secret Bunker (sehr teurer Eintritt, für kleine Kinder suboptimal, für geschichtsinteressierte Erwachsene sehr spannend)

In meinem →Instagram-Profil habe ich auch noch mal ein extra Fife-Highlight für euch.

tidal pool cellardyke fife

Badeurlaub ist in Schottland möglich, aber recht frisch. Mindestens für Kinder lohnt sich deshalb die Investition in einen Neopren-Shorty.* Den tragen im kostenlosen Meerwasserschwimmbad von Cellardyke und auch im Rest von Schottland und Irland die meisten Kinder am Strand.

Tag 5: Von Cupar bis Inverness (mit Stopp in Kingussie, Cairngorms)

220 km – Fahrzeit ca. 3 Stunden. Cupar – Kingussie 2 Stunden; Kingussie – Inverness 1 Stunde.

Der nächste Reisetag auf unserem Roadtrip durch Schottland führt uns nun endlich in den versprochenen Norden. Nachdem wir gefrühstückt und unsere Ferienwohnung in einen besenreinen Zustand versetzt haben, verlassen wir das liebliche Fife. Auf der gut ausgebauten Straße geht es nordwärts.

schottland norden roadtrip

Schnell wird es bergig auf der A9.

Schon bald wird die Landschaft rauer und die Berge kommen in Sicht. Die Strecke führt uns vorbei an Pitlochry. Das ebenfalls schöne „Tor zu den Highlands“ beehren wir diesmal nicht. Stattdessen fahren wir immer weiter nach Norden, am Rande des Cairngorm-Nationalparks.

Der ist verkehrstechnisch eher unzugänglich. Bisher haben wir es nie geschafft, ihn ernsthaft in unsere Roadtrips integrieren. Wir sind immer nur auf der A9 hindurchgebrettert.

Highland Folk Museum Kingussie

Diesmal haben wir immerhin einen Zwischenstopp eingeplant. Am späten Vormittag erreichen wir das Highland Folk Museum in Newtonmore bei Kingussie. Das Freilichtmuseum zeigt Wohn- und Nutzgebäude aus dem 18., 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bekannt ist vor allem das Highland-Dorf Baile Gean auf Stand des 18. Jahrhunderts. Hier treffen sich die Outlander-Fans, denn die sehr einfachen Bauernkaten dienten der Serie oft als Drehort.

schottland freilichtmuseum kingussie

Erinnert mich eher an die Nachbauten der Bronzezeit-Häuser im Freilichtmuseum von Hitzacker, war aber in den schottischen Highlands offenbar im 18. Jahrhundert noch state of the art.

Laut Google verbringen Leute hier durchschnittlich zwei bis drei Stunden. Ich frage mich, wie die das alle schaffen, diesen herrlichen Ort so schnell wieder zu verlassen. Wir kommen gegen elf und lassen uns um kurz vor fünf seufzend hinauskehren.

Das Highland Folk Museum verdient definitiv einen eigenen Beitrag. Sobald ich einen geschrieben habe, verlinke ich ihn hier. Bis dahin könnt ihr selbst auf der Website nachschauen.

Von Newtonmore/Kingussie bis Inverness

Der letzte Teil unserer Tagesetappe ist dann gar nicht mehr weit. Etwa eine Stunde fahren wir noch bis nach Inverness.

Dabei sehen wir auch einige Rauchwolken am Horizont, denn bei Aviemore tobt ein großer Waldbrand. Der Klimawandel ist auch in Schottland deutlich spürbar. Viel zu wenig Regen ist gefallen in einem Ökosystem, das auf reichlich Niederschlag ausgerichtet ist. Was dem Tourismus zugute kommt mit einer zunehmenden Zahl an heiteren Wandertagen, fehlt der Natur. Auch in Fife haben wir die extreme Trockenheit schon bemerkt. Im Nationalpark hat ein Zigarettenstummel oder eine Glasscherbe gereicht, um die Dürre in ein Inferno zu verwandeln. Seit mehreren Tagen schon ist der Waldbrand in der weglosen Wildnis nicht unter Kontrolle zu bringen. Erst zwei Tage später löschen ihn dann doch endlich Regenfälle.

waldbrand schottland

Wie Sie sehen, sehen Sie (fast) nichts. Wir können also prima alle weiter den Kopf in den Sand stecken und uns einreden, da war praktisch gar nichts…

Die Vorbeifahrt an der Brandkatastrophe ist für uns unproblematisch. „Bei Aviemore“ heißt in diesem Fall auch 40 Kilometer weit weg. Die Grampian Mountains sind weitläufig. (Und ein Teil ist jetzt kahl. Genau wie große Teile Südfrankreichs und Griechenlands, wo es freilich noch viel schlimmer ist. Aber auch Schottland ist in der Klimakrise eben keine Insel der Seligen.)

Übernachten in Inverness

Wir fahren direkt zur Jugendherberge* von Inverness, wo wir eine Nacht gebucht haben. Sowohl die Stadt als auch das Hostel kennen wir schon von früheren Reisen. Unser Familienzimmer ist zweckdienlich und für eine einzelne Zwischenübernachtung okay. Immerhin ist es für Familien günstiger als die meisten Hotels (weil auch mehrere ältere Kinder in ein Familienzimmer dürfen). Und im Gegensatz zum klassischen B&B verfügt die Herberge über eine Gästeküche zur Selbstverpflegung. Das senkt die Ausgaben im Schottlandurlaub tatsächlich immens.

inverness jugendherberge

Eine Übernachtung in der Jugendherberge von Inverness* ist vor allem zweckmäßig.

Die sozialen Kontakte, wegen denen ich früher mal großer Fan der →britischen Jugendherbergen war, gibt es zumindest in dem großen, anonymen Haus jedoch kaum noch. Inzwischen scheint es nicht einmal mehr üblich, sich beim Betreten der Gemeinschaftsräume einen guten Morgen zu wünschen. Schade.

Tag 6: Von Inverness bis Portskerra

214 km – Fahrtzeit ca. 3 Stunden. Inverness – Wanderparkplatz Fyrish Monument 40 Minuten, von dort bis Portskerra durchs Strath Halladale 2:30 h.

Ein Vormittag in Inverness

Inverness ist nicht unsere Lieblingsstadt in Schottland. Die „Hauptstadt der Highlands“ nehmen wir eher als verkehrsgünstig gelegenen Versorgungspunkt wahr.

Natürlich gibt es durchaus gute Gründe für einen Besuch. Ein paar neue finden wir bei unserem Stadtspaziergang am Morgen. Endlich schaffen wir es mal in Leakey’s Bookshop, das berühmte Antiquariat in der ehemaligen Kirche.

inverness leakeys bookshop

Für Bücherwürmer wie mich ein echtes Highlight!

Der Hauptgrund, warum wir uns bei unserem Schottland-Roadtrip durch den Norden Inverness als Übernachtungsstopp ausgesucht haben, ist neben der verkehrsgünstigen Lage aber ein anderer: das unscheinbare Café The Grain and Grind. In der kleinen Kette (auch 4x in und um Glasgow und einmal in Bridge of Allan bei Stirling) gibt es den besten selbstgerösteten Kaffee und absolut umwerfende Brownies und Traybakes. Schottlands Tea Rooms und Coffeeshops sind ein wichtiger Grund, warum ich das Land so liebe – und was bei The Grain and Grind über den Tresen geht, ist schlicht das Beste davon.

cafe grain and girnd inverness

Noch mehr als Bücherwurm bin ich scharf auf Schokoladenkuchen. Deshalb ist das sogar noch mehr mein Happy Place.

Unsere „Live“-Eindrücke gibt es bei Instagram in meinem Inverness-Highlight. Und die meisten Tipps für einen schönen Tag in der Stadt stehen schon hier in meinem Reiseblog: Inverness mit Kindern. Ein Update folgt auch hier (hoffentlich) bald.

Wanderung zum Fyrish Monument

Eigentlich wollen wir an diesem Tag ja Kilometer machen und auf unserem Roadtrip endlich im hohen Norden Schottlands ankommen.

Allerdings fängt das Neuland für uns schon wenige Kilometer nördlich von Inverness an. Die →Black Isle haben wir zwar bei früherer Gelegenheit kennengelernt. Und auf dem Weg nach Ullapool Richtung →Äußere Hebriden sind wir mal einen nördlichen Bogen gefahren (um die →Bone Caves mitzunehmen). Alles nördlich von Invergordon haben wir bei den Recherchereisen aber meiner Co-Autorin Stefanie überlassen.

fyrish monument schottland mit kindern reiseführer

Bisschen paradox: mit unserem eigenen Reiseführer auf neuen Wegen zum Fyrish Monument. (Wie klein Silas auf dem Cover noch ist!)

Deshalb gelingt es uns, diesmal mit unserem eigenen Reiseführer* eine neue Tour zu laufen. Auf familienfreundlichen drei Kilometern pro Strecke flitzen wir einmal hinauf zum Fyrish Monument, um die gigantische Aussicht über den Cromarty Firth zu genießen. Stefanies Wegbeschreibung bringt uns zuverlässig hinauf zu der künstlichen Ruine. Wie auch der Folly von →Oban wurde sie von einem umsichtigen Landbesitzer 1782 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Krisenzeiten geplant.

schottland wandern mit kind heide cromarty

Unser Ehrgeiz bei den →Naturzeit-Reiseführern besteht darin, richtig schöne und familienfreundliche Wanderrunden vorzustellen, die einfach funktionieren.

NC500 und ab durch die Mitte

Von Invergordon aus fahren wir ein Stück weit die Küstenroute NC500. Hier ist die Straße gut und die Aussicht hervorragend. Die meiste Zeit über haben wir das Meer im Blick. Nicht umsonst gilt diese Strecke entlang der nördlichen Ostküste vielen als schönster Roadtrip durch Schottland.

In Lothbeg allerdings biegen wir links ins Inland ab. Da wir nach Portskerra bei Melvich wollen, ist es so herum kürzer. Für weitere Zwischenstopps haben wir ohnehin keine Zeit. Und hier oben kennen wir alles noch nicht. So oder so haben wir ordentlich was zu gucken.

strath halladale nordschottland roadtrip

Für Instagram hab ich so viele Videos von der Fahrt gemacht, dass ich ordentliche Fotos fürs Blog vergessen habe. Das hier ist schon abseits der Küstenstraße im Strath Halladale.

Wie sich zeigt, ist auch die Strecke durchs Strath Halladale absolut sehenswert. Rund 60 Kilometer weit durchqueren wir die Einöde zwischen den historischen Grafschaften Sutherland und Caithness, um die schottische Nordküste zu erreichen. Das passiert fast durchgängig auf einer Single Track Road. Die Gegend ist kaum besiedelt. Nur ab und zu fahren wir an einzelnen Bauernhöfen und noch seltener an winzigen Dörfern vorbei. Hier oben ist Schottland ernsthaft einsam – und wunderschön.

Als wir bei Melvich wieder auf die Route der NC500 stoßen, glauben wir uns zurück in der Zivilisation. Immerhin besteht die Straße hier wieder aus zwei Spuren. Meistens. Hier oben wird einfach nicht so viel Infrastruktur benötigt.

caithness roadtrip nc500

Caithness, der Nordostzipfel, ist außerdem überraschend flach.

Dafür ist die Landschaft herrlich. „Strahlend schön“, witzeln manche, denn das berüchtigte Atomkraftwerk Dounreay ist nicht weit.

Urlaub am Atomkraftwerk

In dem Schnellen Brüter gab es in den 60ern und 70ern mehrere Unfälle, die vertuscht wurden und erst Jahrzehnte später ans Licht kamen. Rund um die heute stillgelegte Anlage ist kontaminiertes Gelände abgesperrt. Die Strände ringsum werden immer noch regelmäßig auf radioaktive Strahlung geprüft und ab und zu werden auch Partikel gefunden. Die Einen sagen: fast nie, also ist doch alles in Ordnung, und schließlich leckt den Strand niemand ab. Die Anderen sagen ohgottogott und kämen nie auf die Idee, hier Urlaub zu machen.

doun reay kernkraftwerk schottland

Die Küstenstraße führt ziemlich nah am alten Kernkraftwerk vorbei. Dort läuft gerade der Rückbau. Bis 2300 soll alles erledigt sein.

Wir beziehen eine Zwischenposition und deshalb für vier Nächte ein wunderschönes Cottage zehn Kilometer Luftlinie von Dounreay entfernt. Das kleine Traumhäuschen* würde anderswo an der Küste sicher doppelt so viel Miete kosten. Hier verbringen wir herrliche Tage. (Aber aufs Baden und Buddeln verzichten wir in dieser Region doch lieber.)

ferienwohnung cottage schottland norden

So gemütlich haben wir’s in unserem Zuhause auf Zeit. (Und solange wir nicht runter zum Strand gehen, haben wir das böse Atomkraftwerk gar nicht im Blick. Ernsthaft: Objektiv besteht da bei einem Urlaubsaufenthalt echt keine Gefahr, sagt der Physiker meines Vertrauens.             )

Tag 7 bis 9: An der schottischen Nordküste (Thurso, Dounreay, Smoo Cave)

Unser Reiseabschnitt an der Nordküste wird definitiv einen eigenen Artikel bekommen. Deshalb halte ich mich hier auch wieder sehr kurz.

Von Portskerra aus besichtigen wir an einem Tag das nahe Thurso und dort das Regionalmuseum, das unter anderem eine sehr interessante Ausstellung zur Geschichte besagten Atomkraftwerks besitzt.

thurso museum atomkraftwerk

Für die strukturschwache Region war das Kraftwerk samt Forschungseinrichtung einfach auch ein wichtiger Wirtschaftsmotor, dem viele ernsthaft hinterhertrauern. Im Museum ist der originale Kontrollraum aus den 1950ern zu sehen.

Unseren zweiten vollen Urlaubstag an der schottischen Nordküste nutzen wir für einen Ausflug zur 85 Kilometer entfernten Smoo Cave, die fast an der Nordwestspitze des schottischen Festlands liegt. Der weite Weg lohnt sich definitiv!

smoo cave schottland

Die größte Höhle Schottlands macht wirklich was her!

An Tag drei unseres natürlich auch wieder viel zu kurzen Aufenthalts fahren wir noch einmal zurück ins Strath Halladale. In der Einöde dort befindet sich nämlich auch das größte intakte Deckenmoor Europas, Forsinard Flows. Nach einer kleinen Wanderung besuchen wir Elizabeth, unsere Vermieterin. Sie betreibt hier eine kleine Farm mit Schafen, Highland-Kühen, ein paar Hühnern und Enten. Und wir kehren in einem supersüßen kleinen Tea Room in der Forsinard Lodge* ein.

forsinard flows moor schottland

Das Flow Land ist eine großartige Gegend! (Wir lieben eh alle Wege durchs Moor.)

Bis ich dazu komme, unsere Abenteuer an der schottischen Nordküste in einen ordentlichen Blogbeitrag zu packen, könnt ihr euch mein Nordküsten-Highlight bei Instagram anschauen.

Tag 10: Von Scrapster nach Stromness auf die Orkneys

Portskerra – Scrapster 30 km, ca. 30 Minuten. Fährüberfahrt Scrapster – Stromness ca. 2 Stunden. Stromness – Kirkwall 22 km, ca. 25 Minuten.

Siebter Geburtstag in Schottland

Am nächsten Tag müssen wir weiterreisen – und Franka wird sieben. Wie feiert man den Geburtstag eines Kindes unter solch eher widrigen Umständen? Wir haben etwas Übung darin. (Auf unserer →11-monatigen Reise durch Europa hat Silas seinen →achten Geburtstag in Kroatien verbracht. Franka selbst ist in der →Normannischen Schweiz in Frankreich sechs geworden.) So richtig großartig ist ein Kindergeburtstag unterwegs unserem Erleben nach leider nie.

Unser Geburtstagskind beschwert sich nicht.

Bevor wir zusammenräumen, darf Franka ein kleines Geschenk auspacken. Aufgrund unserer Gepäcksituation sind es diesmal zwei winzige Päckchen. Das Kind ist trotzdem entzückt. Eine Playmobilfigur wandert direkt zu den anderen im Spiel-Rucksack. Außerdem gibt es ein Skizzenheft mit leeren Seiten und einer Highland-Kuh darauf, das wir tags zuvor heimlich im Kreativ-Regal des Cafés gekauft haben, nachdem Franka es so innig bewundert hatte.

Die Fahrt zum Fährhafen in Scrapster, einem Ortsteil von Thurso, ist nicht der Rede wert. Die Zeit zwischen Check-out in der Ferienwohnung und Check-in am Fährhafen um zwei Uhr verbringen wir mit einer Einkehr im Community Café in Thurso. Das Sozialprojekt einer christlichen Gemeinde bietet nicht nur hausgebackenen Kuchen an, sondern auch einen kleinen Indoor-Spielplatz. Ideales Geburtstagsprogramm!

thurso indoor spielplatz

„Soft Play“ genannte kleine Indoor-Spielplätze haben wir in Nordschottland einige entdeckt.

Überfahrt Scrapster – Stromness

Die Überfahrt mit Northlink Ferries ist überraschend unproblematisch. Die Abwicklung funktioniert bestens. Das Schiff ist modern und gut ausgestattet. Allerdings ist der Seegang hier oben berüchtigt. Zwei Stunden sind jedoch gut zu überstehen. Es gibt ausreichend Sitzplätze in verschiedenen Bereichen und sogar eine recht gut ausgestattete Spielecke.

orkney fähre scrabster stromness

Ab aufs Boot! So klein ist die Nussschale zum Glück gar nicht.

Unser Geburtstagskind lässt sich lieber von den Wellen in einen ungewohnten Mittagsschlaf schaukeln. Wir Erwachsenen behalten den Horizont durch die Panoramafenster im Blick und kommen so auch ohne ernste Unannehmlichkeiten über die Runden. Außerdem sehen wir so die Steilküste von Hoy mit dem Old Man, einem besonders hoch aufragenden Felsen vor den Klippen.

Tipps für den Umgang mit Seekrankheit habe ich bei Bedarf hier gesammelt: →Übelkeit auf Fähren und Kreuzfahrtschiffen

Ankunft auf den Orkney-Inseln

Pünktlich erreichen wir Stromness und rollen von der Autofähre. Die Orkney-Inseln sind nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen. Schon immer erzeugen sie ihren eigenen Strom. Heute sind sie Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien. Im Gegensatz zum britischen Festland fahren hier bereits richtig viele Elektrofahrzeuge. Auch die Dichte der Ladesäulen ist entschieden höher. (Nur viel günstiger ist das Laden leider auch nicht.) Wir nutzen deshalb gleich die Gelegenheit und tanken einmal voll, während wir Stromness erkunden.

e-auto schottland ladesäule stromness

Oft ist die Parkdauer an den Ladesäulen auf eine Zeitspanne begrenzt, in der man bei der vorhandenen Ladegeschwindigkeit nicht vollladen kann. Wir haben es nie drauf ankommen lassen, sondern einfach immer überall da eine Mütze Strom mitgenommen, wo wir eh parken wollten. Passte für uns immer.

Am frühen Abend fahren wir schließlich einmal über die Hauptinsel bis nach Kirkwall. In der Inselhauptstadt haben wir für vier Nächte ein Familienzimmer in der Jugendherberge gebucht.

Tag 11 – 14: Auf den Orkney-Inseln (Mainland, Burray, South Ronaldsay)

Bei vier Übernachtungen haben wir diesmal fast fünf volle Tage vor Ort – oder jedenfalls viereinhalb.

Unser wahnsinnig wundervolles Ausflugsprogramm streiche ich hier wieder gnadenlos auf eine Stichwortliste zusammen. Es folgt ein detaillierter eigenständiger Bericht, versprochen.

ring of brodgar orkney

Nein, natürlich wird das Bild einer ollen Ladesäule in Stromness den Orkney-Inseln nicht gerecht. Wie gesagt, ich reiche detaillierte Berichterstattung über die Orkneys als Reiseziel nach. Das hier ist schon mal der Ring of Brodgar bei absolutem Traumwetter. (Das hat auf den Orkneys allerdings auch im Sommer Seltenheitswert.)

Unsere Roadtrip-Highlights auf den Orkney-Inseln:

  • Stromness
  • Ring of Brodgar (drittgrößter Steinkreis Großbritanniens nach →Avebury und →Stonehenge)
  • Skara Brae (hervorragend erhaltene Siedlung aus der Steinzeit und UNESCO-Welterbe)
  • Skaill House (schickes Herrenhaus, im Kombiticket mit Skara Brae)
  • Gezeiteninsel Birsay mit Wikinger-Ruinen und potenziellen Sichtungen von Papageientauchern
  • Stones of Stenness (vermutlich ältester britischer Steinkreis)
  • Kirkwall mit mittelalterlicher Kathedrale und Bischofspalast
  • Hügelgrab Maes Howe (rechtzeitig zu Hause vorbuchen, empfehlenswert, aber nicht unbedingt mit kleinen Kindern)
  • Ausflug über die Churchill Barriers auf die südlichen Inseln Lambolm, Glimps Holm, Burray und South Ronaldsay
  • Orkney Fossil and Heritage Centre (nettes kleines Museum, auch für Kinder)
  • Wideford Hill Cairn (frei zugängliches Hügelgrab, bessere Option mit Kindern als Maes Howe)
  • Broch of Gurness (empfehlenswert)
  • Betty’s Reading Room im Hafen von Tingwall

Wenn ich erst mal damit anfange, von den Orkneys zu schwärmen, höre ich so bald nicht mehr auf. Nur schon mal so als Warnung. :)

Tag 14: Von Kirkwall nach Aberdeen

Fährüberfahrt ca. 7 Stunden. Auf dem Roadtrip mit Kindern vor allem herausfordernd im Hinblick aufs Zeitmanagement.

Der Tag unserer Abfahrt von den Orkney-Inseln ist mindestens genauso ausgefüllt wie die vorherigen. Das liegt daran, dass die Nachtfähre nach Aberdeen erst kurz vor Mitternacht in Kirkwall ablegt. Was für Erwachsene nicht weiter tragisch ist, stellt Familien mit kleineren Kindern vor ein logistisches Problem. Wer keine stundenlange Auseinandersetzung mit übermüdetem Nachwuchs auf dem Rücksitz in der Warteschlange ausfechten möchte, muss sich etwas einfallen lassen.

Da die Cafés in Großbritannien wie die Museen spätestens um 17 Uhr schließen (die meisten schon um 16 oder sogar 15 Uhr), müssen wir bei anhaltendem Regen kreativ werden. Natürlich könnten wir einfach in einen Pub einkehren. Das ist in Schottland auch mit Kindern bis 20 oder 21 Uhr erlaubt, wenn die Familie denn zur Einnahme einer Mahlzeit vor Ort ist und die Kneipe eine entsprechende Familienlizenz besitzt. (Einfach beim Betreten nachfragen – bzw. wenn nicht, werdet ihr sofort gebeten zu gehen.)

fähre kirkwall aberdeen orkney

Das Boarding der Fähre beginnt erst nach 23 Uhr. Natürlich könnt ihr euch auch Stunden vorher in die Warteschlange stellen. Oder ihr lasst euch was einfallen.

Asyl im Pickaquoy Centre

Silas hat schließlich die rettende Idee, als wir drei Großen im leidlichen Regenschutz eines Torbogens auf unsere Handydisplays starren und über die Karte bei Google Maps scrollen. Das Pickaquoy Centre vereint Hallenbad, Kino und Boulderhalle sowie ein Fitnessstudio und mehrere Veranstaltungsräume unter einem Dach. Eine passende Kinovorführung erwischen wir leider nicht. (Das Vergnügen haben wir uns mal in →Kintyre gegönnt – war cool.) Dafür finden wir in dem Mehrzweckgebäude einen veritablen Indoor-Spielplatz. Und der ist nicht nur bis 22 Uhr geöffnet, sondern auch noch kostenlos! Der Abend ist also gerettet.

kirkwall indoorspielplatz

Wäre jetzt nicht der Ort, an dem ich ganze Urlaubstage verbringen möchte. Aber zur Überbrückung der Zeit bei schlechtem Wetter echt Gold wert!

Abendessen in Kirkwall

Da wir auch noch etwas essen müssen, verlassen wir unsere Oase um kurz vor sieben, um in das Restaurant des Albert Hotel* zu wechseln. Dort habe ich tags zuvor per E-Mail einen Tisch reserviert – was auch gut ist, denn der Laden ist knackevoll. Da es sich um ein Hotel handelt, entfällt die verschärfte Jugendschutzproblematik und wir dürfen auch mit Siebenjähriger bleiben, bis wir auf die Fähre müssen.

haggis pie

Haggis Pie. Schottland ist meiner Ansicht nach kein Urlaubsland, das man wegen seiner Kulinarik auswählt. Aber ein paar Spezialitäten lohnen sich doch. (Sage im Hinblick auf Haggis nicht ich, sondern der liebe Allesfresser an meiner Seite. Der lässt ausrichten, es war hervorragend.)

Das Essen ist richtig gut. Der Kellner spricht sogar Deutsch und freut sich, seine Fremdsprachenkenntnisse anwenden zu können. Da ich in meiner E-Mail unsere Situation erklärt habe, haben wir extra einen Tisch mit Eckbank bekommen, auf dem Franka schon mal eine Runde schlafen könnte. (Sie denkt nicht dran, sondern malt ausdauernd in ihr Skizzenheft, während wir Großen Rommé spielen.) So wird aus dem anfänglichen Problemchen einer der schönsten Abende auf unserem Roadtrip durch Nord-Schottland.

Überfahrt Kirkwall – Aberdeen

Es ist wieder eine Northlink-Fähre, mit der wir die Überfahrt antreten. Die Abwicklung ist völlig problemlos. Die nette junge Frau, die uns am Drive-Through-Schalter die Tickets aushändigt und in die Warteschlange schickt, ist wenig später auch diejenige, die uns in Warnweste aufs Schiff lotst.

Silas und mir ist etwas mulmig, denn es sind vier Meter Wellengang angesagt. Das ist zwar noch nicht dramatisch, aber doch schon deutlich spürbar.

Wie sich zeigt, hätten wir uns diese Sorgen sparen können. Im Liegen merken wir kaum etwas davon und schlafen alle vier erstaunlich gut.

fähre northlink kirkwall aberdeen innenkabine

Eng, aber es passt. Für uns bestens. (Die oberen Betten kann man in den Schiffskabinen immer auch hochklappen, so wie auf dem Bild weiter unten auf unserer Rückfahrt.)

Von unserem Schiff bekommen wir so herzlich wenig mit. Unsere Innenkabine ist wie üblich eng, aber überdurchschnittlich bequem. Es gibt sogar die Möglichkeit, sich mit einem Wasserkocher Tee zuzubereiten.

Schon um sieben Uhr morgens legen wir in Aberdeen an. Die größte Schwierigkeit besteht darin, das unausgeschlafene Kind zu wecken. Theoretisch könnten wir recht günstig an Bord frühstücken, müssten dazu aber vorher unseren PKW an Land bringen. Das ist uns zu umständlich.

Außerdem möchten wir auf unserem Schottland-Roadtrip auch einmal „richtig“ frühstücken gehen. Deshalb verlagern wir uns in Bev’s Bistro. Das ist eines der wenigen Cafés in Aberdeen, die schon ab acht Uhr cooked breakfast anbieten – und wie sich zeigt ein echter Volltreffer.

scottish breakfast

Ein Full Scottish Breakfast wäre mitunter übertrieben alles. Bei Bev läuft es so, dass man aus einer Liste bis zu fünf Dinge auswählt. So muss Martin immerhin nicht 4x „black pudding“ essen (gebratene Blutwurst), wie bei früheren Gelegenheiten.

Tag 15 + 16: Aberdeen

Zwei Tage nehmen wir uns für Aberdeen und Umgebung. Unser Reiseführer aus dem Reise Know-How Verlag* hat uns zwar einiges versprochen, ältere Erfahrungsberichte in Reiseblogs und persönliche Kontakte haben unsere Erwartungen allerdings gedämpft. Wir sind jedenfalls echt positiv überrascht von Schottlands drittgrößter Stadt. (Aber wir mögen auch →Glasgow lieber als Edinburgh.)

aberdeen mit kindern

Aberdeen macht richtig was her!

Unsere Roadtrip-Highlights in und um Aberdeen:

  • Princess Park mit Tunnelrutsche und Spielplatz
  • Fittie, die kultige Ex-Fischersiedlung (auch mit Spielplatz)
  • tolles Café im ehemaligen Fort Torry Battery mit grandioser Aussicht samt Ferngläsern für potenzielle Delfin-Sichtungen (ein Tipp aus dem schönen Schottland-Lesebuch Soul Places*)
  • Aberdeens Altstadt rund um die Universität
  • das kleine Naturkundemuseum
  • Seaton Park mit sehr coolem Spielplatz
  • Robben-Kolonie an der Mündung des Don (Bridge of Balgowny)
  • einfach treiben lassen und grau-buntes Flair von Aberdeen genießen
  • Ausflug nach Dunotter Castle
  • Bummel durch Stonehaven
dunnottar castle

Einen Ausflug machen wir auch zur berühmten Burgruine von Dunnottar Castle.

Natürlich gibt es auch ein Instagram-Highlight von Aberdeen im family4travel-Profil. 

Tag 18: Ausflug nach Balmoral in die Cairngorms

80 km, Fahrtzeit ca. 1:30 pro Strecke.

An unserem letzten echten Urlaubstag nehmen wir uns noch ein größeres Abenteuer vor. Bei der Planung unseres Schottland-Roadtrips habe ich hin und her überlegt und mich dann eigentlich gegen einen Tagesausflug in die Berge entschieden. In und direkt um Aberdeen gibt es genügend zu sehen, dachte ich mir.

Das stimmt auch. Aber dann haben wir das Wichtigste, was ich sehen wollte, doch schon nach zwei Tagen abgeklappert. Das Wetter ist nett. Und Martin checkt die Balmoral-Website und stellt fest, dass so kurzfristig und am Tag vor der Saisonschließung tatsächlich noch ein einziges Zeitfenster für vier Personen buchbar ist – morgens um zehn, wie wir es am besten gebrauchen können. Also fahren wir doch hin!

balmoral castle schottland

Schon schick: Balmoral Castle. Und wir waren kurzentschlossen auch da!

Denn als echter Schottland-Fan muss man ja schon mal im Lieblingsschloss der Queen gewesen sein, oder? Der Ort, an dem Elizabeth II. so gerne war und an dem sie auch gestorben ist, ist erst seit 2024 für den Pöbel geöffnet. Vom Schloss, dem privaten Ferienhaus der Royals, bekommen wir trotzdem wenig zu sehen. Nur den Festsaal dürfen wir besichtigen. Dort wird eine Ausstellung mit Bildern aus dem Leben der verstorbenen Königin gezeigt. (Ganz ähnlich war es auch, als wir vor Ewigkeiten Sandringham Castle besichtigt haben, das andere Privatschloss der königlichen Familie in Norfolk.) Vor allem die Gärten sind es, durch die zahlende Kundschaft wandeln darf. Und ja, das lohnt sich durchaus. (Also, finden wir.) So richtig cool und absolut sehenswert ist der Gemüsegarten, in dem auch Charles, Bio-Bauer und amtierender König von Großbritannien, selbst gerne mal herumwerkelt.

balmoral dee

Spaziergang am (oder im) Dee.

Herrje, ich schreibe schon wieder viel zu viel. Natürlich möchte ich auch über unseren Ausflug nach Balmoral und die Cairngorms noch einen richtigen Blogbeitrag schreiben. Also zwinge ich mich dazu, hier nicht schon all mein Pulver zu verschießen, sondern liste nur unsere Highlights auf:

  • (sehr) kurzer Familienerlebnisweg Squirrel Path
  • über die Steine am Dee klettern, wo Königs gerne fischen
  • Spaziergang übers weitläufige Gelände
  • Bummel durch das lebhafte (und sehr touristische) Städtchen Ballater
  • Besichtigung des königlichen Wartesaals von Queen Victoria samt Klo
  • die Landschaft!
grampian mountains cairngorms nationalpark

Die Grampian Mountains im Cairngorm Nationalpark sind schon krass schön. Vor allem, wenn im Spätsommer die Heide blüht.

Tag 19: Von Aberdeen nach Newcastle (und übers Meer)

400 Kilometer – ca. 5 Stunden Fahrzeit. Ohne Zwischenstopp – mit Kindern suboptimale Idee.

Am folgenden Tag zahlen wir den Preis dafür, dass wir auf unserem Roadtrip durch Schottland so lange im Norden geblieben sind. Bis 16 Uhr müssen wir es jetzt in einem Rutsch nach Newcastle schaffen.

Bei fünf Stunden reiner Fahrzeit ist das gut machbar. Schön ist es nicht.

roadtrip nordschottland

Ab nach Hause! (Keiner hat Lust.)

Wir kommen früh genug auf den Patt. Das ist nicht unser Problem. Während Autofahrten in unserer Familie sonst erstaunlich harmonisch verlaufen, ist heute aber der Wurm drin. Frankas Kopfhörer ist kaputt, weshalb wir seit Tagen ihre Pony-Hörspiele mithören und sie langsam selbst mitsprechen können. Unser Versuch, sie stattdessen für ein Terry-Pratchett-Hörbuch zu begeistern, schlagen fehl. Stattdessen gibt es Wut und Tränen. Dazu muss ständig jemand aufs Klo. Alle haben schlechte Laune. – Schön, dass wir den obligatorischen Tiefpunkt unseres Familienurlaubs an einem Tag erledigen, von dem eh nicht viel zu erwarten ist. Außerdem merken wir so mal, wie fantastisch bisher alles geklappt hat.

Durch den Northumberland Nationalpark

Als sich die Wogen schließlich geglättet haben, genießen wir die Fahrt mitten durch den Northumberland Nationalpark. Der liegt schon auf englischer Seite der Grenze. Die kargen, mit Heide bewachsenen Hügel sind trotzdem sehenswert. Nur für eine längere Pause fehlt uns nach all den Pipi- und Heul-Stopps (und eh von vornherein) die Zeit.

northumberland nationalpark england

Hätte mit mehr Muße und bei besserem Wetter möglicherweise Highlight-Potenzial. Vielleicht.

Letzte Pause in North Shields

Ein bisschen Zeitpuffer haben wir aber noch, bevor um 16 Uhr der Check-in der Fähre schließt. Den verbringen wir nur wenige Minuten Fahrzeit entfernt vom Terminal in dem kleinen Lui’s Café (Livingstone View). Ein letzter entkoffeinierter Flat White, ein letzter glutenfreier Brownie, ein letztes Mal pures Glück.

luis cafe newscastle north shields kuchen

Glück kann man nicht essen. Aber manchmal doch.

Überfahrt Newcastle – Amsterdam

Auf der Rückfahrt der Fähre können wir uns über das Wetter echt nicht beschweren. Es herrscht praktisch null Seegang.

dfds außenkabine fähre amsterdam newcastle princess seaways

Und wir haben diesmal sogar eine Außenkabine. Die sind etwas teurer. Aber obwohl wir echt früh gebucht haben (Januar?), waren schon alle Innenkabinen aus.

Ein anderes Problem drängt sich uns auf, nachdem wir unsere Kabine bezogen haben: Was ist eigentlich mit Abendbrot? Wir wollten doch noch mal an einem Supermarkt halten! Irgendwie haben wir das in unserem Chaos total verpeilt. Einer von vier ist bereit, einfach ohne Essen Schlafen zu gehen. So ist schnell die Mehrheitsentscheidung gefallen, dass wir doch mal das teure Abendbuffet im Bordrestaurant in Anspruch nehmen. Das kostet zwar 36 Euro pro Person exklusive Getränke, Kinder 17,50 Euro. (Wer gleich vorbucht, zahlt gut fünf Euro weniger.)

Dafür ist es dann auch richtig, richtig lecker. Es gibt zwar all die üblichen Publikumslieblinge aus der Fritteuse. Aber auch richtig viel Gemüse und Salate, Fisch und Meeresfrüchte. Sogar Sushi. Die Auswahl ist riesig, für alle Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es spätestens auf Nachfrage Alternativen. So wird aus diesem suboptimalen Reisetag doch noch mal ein echtes Highlight.

abendbuffet dfds fähre newcastle amsterdam

Nur ein winziger Teil der Auswahl. Viel Gutes dabei!

Tag 20: Von IJmuiden bei Amsterdam zurück nach Hause (über Deventer)

365 Kilometer, Fahrzeit ca. 3:45 Stunden. IJmuiden – Deventer ca. 1:30 h, Deventer – Schaumburg ca. 2:15 h.

Unseren allerletzten Tag beginnen wir dann gleich mit dem vorgebuchten Frühstücksbuffet – obwohl wir vom Vorabend eigentlich noch satt sind. Beide Dekadenzen hintereinander müssten es in meinen Augen nicht sein.

Jetzt ist es nun einmal so. Nächstes Mal werden wir aber fürs Abendessen wieder ein Kabinen-Picknick besorgen und die Kosten (und Kalorienzufuhr) so geringer halten. Durch das Frühstück an Bord nutzen wir unsere Zeit jedenfalls optimal: Nachdem wir um zehn Uhr in IJmuiden von der Fähre rollen, können wir direkt heimfahren.

Das heißt, irgendwo müssen wir unterwegs noch mal laden. Natürlich könnten wir das an der Autobahn in 20 Minuten am Schnelllader erledigen. Unersättlich, wie wir sind, nutzen wir das jedoch als Ausrede, um noch einen allerletzten kleinen Ausflug einzuschieben. Strategisch günstig liegt Deventer. Die kleine Stadt gehört eh zu unseren Lieblingszielen in den Niederlanden. Und verkehrsgünstig gelegen am Ortseingang befindet sich ein Parkhaus mit Lademöglichkeit. Perfekt! Wir bummeln durch die Stadt, gehen noch ein allerletztes Mal Kaffeetrinken und erkunden anschließend die Vogelinsel im Stadtpark, die wir noch nicht kennen.

deventer mit kindern

Letzter Stadtbummel in diesem Familienurlaub.

Dann geht es aber wirklich nach Hause. Am späten Nachmittag ist unser Roadtrip durch den Norden von Schottland mit Kind und Teenager vorbei. Schade. Aber schön war’s! Und wir freuen uns jetzt schon aufs nächste Mal! (In ein paar Jahren, wenn wir das dafür leider nötige Budget angespart haben…)

Mehr über Familienurlaub mit Kindern in Schottland und Europa

Respekt für alle viereinhalb Leute, die tatsächlich bis hier her alles durchgelesen haben. (In meinem Word-Dokument ohne Bilder sind es 14 Seiten.) Wenn ihr tatsächlich noch mehr Informationen und Erfahrungsberichte über Schottland mit Kindern wollt: Ich habe noch einiges zu bieten! :)

Bevor ich alle über 40 Blogbeiträge zu spezifischen Regionen und Ausflugszielen aufzähle, schaut am besten hier in meine Übersicht: Schottland mit Kindern.

schottland mit kindern, tipps und erfahrungen

Hier findet ihr alle Tipps, die wir für Schottland mit Kindern auf Lager haben, inklusive Kartenansicht mit unseren verlinkten Erfahrungsberichten.

Und wir sind auch in anderen Ländern als Familie unterwegs. Fantastische große Roadtrips haben wir in den vergangenen Jahren auch durch Frankreich, Schweden, Südtirol und das Baltikum gemacht. Allgemeine Tipps für Familienurlaub als Rundreise gebe ich hier: Roadtrips mit Kindern.

Roadtrip mit Kindern, Familienurlaub mit Auto, unsere Erfahrungen, Tipps und Tricks

Roadtrips mit Kindern, Familienurlaub mit Auto: unsere Erfahrungen, Tipps und Tricks.

Wer nicht (immer) ganz so weit fahren möchte, kann sich in meinem Reiseblog auch reichlich Inspiration für Familienurlaub in Deutschland holen. Eine Übersicht über unsere mehr als 230 Erfahrungsberichte aus allen 16 Bundesländern findet ihr hier: Familienurlaub in Deutschland.

Familienurlaub in Deutschland

Hier ist wirklich für jede und jeden etwas dabei.

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