Lemgo ist eine von diesen zuckersüßen Städtchen im →Weserbergland, die immer einen Ausflug lohnen – auch mit Kindern. Ich war jetzt einmal im Winter da mit meinen Jungs (12 und 9), und einmal Jahre später im Sommer mit meinem Mädchen (7). Beide Male hatten wir richtig viel Spaß in der „Hexenstadt“. Hier kommen deshalb meine Tipps für Lemgo mit Kindern aus persönlicher Erfahrung. 

Highlights für Lemgo mit Kindern

Gleich gibt es hier zwei authentische Erfahrungsberichte zum Preis von einem über Lemgo aus Familiensicht. Lest unbedingt meine Café-Warnung, um nicht auch Opfer dreisten Tortendiebstahls zu werden! Und meinen allerbesten Tipp für einen Ausflug nach Lemgo mit Kindern habe ich aus logistischen Gründen jetzt ganz hinten im Artikel verstecken müssen. Scrollt auf jeden Fall durch bis zum Junkerhaus! (Ich meine natürlich: Lest euch den ganzen ausgesprochen hilfreichen Artikel Wort für Wort durch. *hust*)

Hier vorne jedenfalls gebe ich allen Eiligen einmal die Kurzzusammenfassung meiner Tipps für Lemgo mit Kindern.

  • Stadtmuseum im Hexenbürgermeisterhaus (kostenlos)
  • Museum im Junkerhaus (freier Eintritt für Kids + kostenloses Erlebnis-Malbuch)
  • Geocaching
  • Shopping“ in all den herrlichen Stöberläden
  • Kaffee und Kuchen in den netten Cafés
  • Spielplatz am Abteigarten (Klettern und viel Sand)
  • Bücherschrank auf dem Waisenhausplatz
  • Interaktiver Kanzlerbrunnen am Ostertor

Noch auf unserem Wunschzettel fürs nächste Mal: Schloss Brake mit dem Weserrenaissance-Museum.

Wer keine langen Texte lesen und trotzdem einen guten Eindruck von Lemgo als Ausflugsziel bekommen möchte, kann sich auch einfach mein →Lemgo-Highlight in meinem Instagram-Profil family4travel anschauen. 

Familienfreundliche Unterkünfte in Lemgo

Da Lemgo für uns in Reichweite für einen Tagesausflug liegt, habe ich leider keine konkreten Tipps für familienfreundliche Übernachtungsmöglichkeiten. Ich würde einfach bei Booking* schauen. Dort gibt es meiner Erfahrung nach die größte Auswahl und die besten Vergleichsmöglichkeiten. Für unsere →Städtetrips mit Kindern buchen wir meistens darüber – oder in der →Jugendherberge. Aber die nächste Jugendherberge von Lemgo aus ist in Detmold.

lemgo fassaden fachwerk

Lemgo ist eine hübsche Stadt. Wer Glück hat, findet eine Übernachtungsmögichkeit hinter so einer schicken Fassade. Es gibt Hotels und etliche Ferienwohnungen in der Innenstadt. In →Hann.-Münden hatten wir mal eine tolle Unterkunft in einem Fachwerkhaus.

Lemgo im Winter

Wir beginnen mit dem älteren Reisebericht – weil wir damals mit den Kindern die typischen Sehenswürdigkeiten in Lemgo abgefrühstückt haben. Der Text stammt aus dem Jahr 2017. Alle harten Fakten habe ich im September 2026 überprüft und aktualisiert. Die Erzählung belasse ich genau so, wie wir es erlebt haben. Wo ich inhaltlich etwas ändere, kennzeichne ich das durch kursive Schrift. 

Klar, im Sommer macht jedes Ausflugsziel mehr her. Wir brauchen aber eins Anfang Januar. Der Dreikönigstag ist traditionell bei uns ein Tag für einen Familienausflug. (Wie genau unser liebgewonnenes Familienritual funktioniert, habe ich zum Nachmachen hier erklärt: →Dreikönigstag als Familientradition mit Kuchen und Ausflug.) Die Mandel im Kuchen krönt unseren Jüngsten zu König Silas II. (denn sein Findeglück war ihm schon vor drei Jahren hold.)

Seine Majestät entscheidet sich für einen Ausflug nach Lemgo, um der Sache mit den Hexen auf den Grund zu gehen. Das Zauberwort auf unserer Liste der Möglichkeiten lautet „Hexenbürgermeisterhaus“. Das klingt ziemlich spannend. Und in der Tat ist es das auch.

So passiert es, dass wir Lemgo mit Kindern im Winter erkunden. Spoiler: Kalt ist es, aber doch durchaus zu empfehlen!

Familienausflug nach Lemgo am Dreikönigstag

Das war das alte Beitragsfoto.

Ausflug in die Hexenstadt Lemgo

Lemgo ist eine alte Handelsstadt mit einer reichen Geschichte bis ins frühe Mittelalter. Aber das Thema, das wirklich zieht, ist die Hexenverfolgung. Die hat die kleine Stadt im Lipperland stärker getroffen als die meisten anderen Regionen Deutschlands und Europas. Dokumentiert ist die ganze Misere im Hexenbürgermeisterhaus. Das beherbergt das Museum für Stadtgeschichte.

Geografisch ist Lemgo in Ostwestfalen zu verorten. Bis →Bielefeld ist es nicht weit. Detmold, Herford und →Bad Pyrmont liegen in der Nähe. Heute wohnen in der Stadt rund 41.000 Menschen.

Weserrennaissance in Lemgo

Reich verzierte Fassaden und viel Weserrenaissance: Lemgo war in der frühen Neuzeit eine reiche Handelsstadt. Das sieht man heute noch im Stadtbild.

Geocaching mitten in Lemgo

Bevor wir uns dem in den dunkelsten Farben schillernden Kapitel der Stadtgeschichte zuwenden, hat Silas noch andere Pläne. Ein weiterer Eintrag auf der Liste seiner möglichen Regierungsentscheidungen lautet Geocaching. Tatsächlich kann man das wunderbar mit einem Ausflug nach Lemgo verbinden. Ein kurzer Blick auf unsere App verrät uns, dass die Altstadt voll mit versteckten Mini-Schatzkisten ist. So verwandelt sich mein Handy blitzschnell in eine virtuelle Wünschelrute.

Geocaching, Familienausflug nach Lemgo

Wo bitte geht’s zum Schatz? Beim Geocaching zeigt das Handy die Richtung an. (Das sind übrigens meine damaligen Reisegefährten: Martin, Silas und Janis.)

Wie genau Geocaching funktioniert, habe ich detailliert in meinem Bericht über →Bad Nenndorf beschrieben. Ob genau diese Caches immer noch in Lemgo zu finden sind, habe ich 2026 nicht noch mal überprüft. Aber es gibt ganz bestimmt welche!

Wir betreiben dieses Hobby immer nur so mittel-ernsthaft. So lassen wir im Zweifelsfall den „karibischen Traum“ unberührt hoch über unseren Köpfen hängen. Überhaupt läge unsere Finde-Quote ohne Janis wahrscheinlich bei unter 10 Prozent.

Ausflug nach Lemgo mit Kindern, Geocaching

Der „karibische Traum“ am Ostertorwall beschränkt sich für uns auf einen flüchtigen Blick in die Höhe. – Und dann Abmarsch, schließlich will man keine „Muggel“ auf die Fährte locken.

Da wir den Großen dabei haben, bergen wir wenigstens auf dem Waisenhausplatz ein in herrlich unschuldiger Offensichtlichkeit verborgenes Mikro-Schätzchen. Stolz tragen wir unseren Benutzernamen in das winzige zusammengerollte Logbuch ein. Dann folgt die an belebten Orten selten einfache Aufgabe, das Ding möglichst unauffällig wieder an seinen Platz zurückzustecken.

Die Bücherei in der Telefonzelle

Ein schöner Nebeneffekt bei der GPS-gestützten Schatzsuche in Innenstädten ist, dass Eltern sich in aller Ruhe die Stadt ansehen können, während die Kinder beschäftigt sind. Auf diese Weise bekomme ich alle hübschen Weserrenaissance-Fassaden zu sehen, die ich möchte.

Ausflug nach Lemgo mit Kindern, Marktplatz

Lemgo ist schon ziemlich hübsch. Bei meisem Wetter Anfang Januar kommt das freilich nicht so recht zur Geltung.

Am besten gefällt mir aber die Sehenswürdigkeit direkt auf besagtem Waisenhausplatz: eine ausrangierte englische Telefonzelle, die die Mitarbeitenden der Lemgoer Stadtbibliothek zu einer Außenstelle umfunktioniert haben. Hier dürfen alle selbstständig Bücher ausleihen. „Innerhalb angemessener Zeit“ sollen sie zurückgegeben werden – oder auch durch eigene Lektüre ersetzt. Das Vertrauensprinzip funktioniere ganz gut, erzählt mir ein Mitarbeiter. Der will zufällig gerade nach dem Rechten schauen, als unsere Jungs den kleinen Lesetempel stürmen.

„Hat ein bisschen was von Harry Potter“, urteilt Silas entzückt.

bücherschrank waisenhausplatz lemgo

Update: Inzwischen ist aus der alten Telefonzelle ein modernerer Bücherschrank geworden. Die Geschichte erklärt aber das Telefonzellen-Design.

Jetzt aber: Hexenbürgermeisterhaus

Inzwischen sind wir angemessen durchgefroren und museumsreif. Also machen wir uns auf den Weg zum Stadtmuseum von Lemgo, das in besagtem Hexenbürgermeisterhaus untergebracht ist. Es liegt ein bisschen außerhalb in der Breiten Straße. Von der Hauptfußgängerzone in der Mittelstraße ist es vielleicht fünf Minuten Fußmarsch entfernt.

Auf jeden Fall lohnt sich der Weg, allein schon für einen Blick auf die Fassade. Adam und Eva frohlocken unterm Apfelbaum, und oben unterm Dach thront der auferstandene Christus. Das Haus stammt aus dem Jahr 1571 und gilt als das schönste Bürgerhaus von Lemgo.

Lemgo mit Kindern, Hexenbürgermeisterhaus .

Schnappschuss mit sehr kalten Fingern: Die Fassade des Hexenbürgermeisterhauses in Lemgo.

Innen wird es noch interessanter. In der 2007 völlig neu gestalteten Dauerausstellung erfahren wir alles über die Lemgoer Stadtgeschichte – und natürlich endlich auch alles über die Hexen.

Bürgermeister Cothmann und die Hexen

Dass es hier nicht um abenteuerlich-niedliche Geschichten a la →Harry Potter geht, ist den Jungs von vornherein klar. Aber als wir uns die Leidenswege der Menschen vergegenwärtigen, die schon nach kleinsten Anschuldigungen erst auf der Streckbank und dann fast unweigerlich auf dem Scheiterhaufen landeten, verwandelt sich die Neugier auf ihren Gesichtern doch schnell in Betroffenheit.

272 Frauen und Männer sind in Lemgo während des Hexenwahns innerhalb weniger Jahrzehnte zum Tode verurteilt worden. – Bei damals nicht einmal 5000 Einwohnenden eine stattliche Zahl.

Nachdem die reiche Stadt durch den 30-Jährigen Krieg und mehrere Pestwellen einen wirtschaftlichen Niedergang erleben musste, machte sich eine Atmosphäre des Misstrauens und der Angst breit. Als dann der Rechtsgelehrte Hermann Cothmann 1666 erst Vorsitzender des Gerichts und dann auch noch Bürgermeister wurde, nahm das Unheil richtig seinen Lauf.

Cothmann lebte in besagtem Bürgerhaus, das er nach einigen Querelen von seinen Eltern übernommen hatte. Seinen Vater hatte wirtschaftlicher Ruin ereilt, nachdem die Mutter als Hexe hingerichtet worden war. Voll krass, wenn man mal darüber nachdenkt – einerseits, dass der Sohn einer „Hexe“ überhaupt Bürgermeister werden konnte, als wäre nichts gewesen. Und andererseits, dass der dann zum erbittertsten Hexenverfolger der Stadtgeschichte wird.

Unter seinen Opfern waren nicht nur (wie auch andernorts üblich) viele unbescholtene Frauen, sondern auch Amts- und Würdenträger wie der Pfarrer, der Apotheker und ein Lehrer. (Der wiederum belastete unter der Folter 17 seiner Schüler belastete, was unweigerlich für weitere Tragödien sorgte.)

Öffnungszeiten des Museums im Hexenbürgermeisterhaus: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. Eintritt frei (auf Spendenbasis). Und, gerade auf der Museumswebsite gesehen: Es gibt neuerdings auch dort ein kostenloses Mitmach-Heft für Kinder. Wir werden garantiert auch bald mal wieder reinschauen!

Ins Café mit Kindern in Lemgo

Ich bin ein riesengroßer Fan von Kaffee und Kuchen in schönen Cafés – auch mit Kindern. (Einen Erklärungsversuch für diese Leidenschaft gebe ich in meinem →Café-Guide für meine Heimatregion Schaumburg.) Lemgo hat mehrere schöne Cafés zu bieten, durch die wir uns wohl noch mehrere Ausflüge lang durchprobieren könnten. Das Café Mia gibt es immer noch. Von unserer zweiten – durchwachsenen – Erfahrung erzähle ich im Anschluss. Und dann geht es von da aus weiter mit unseren aktuellen Erlebnissen im Jahr 2026.

Lecker: Café Mia

Ich bin diejenige mit dem ernsthaften Hang zu Schokoladentorte in hübschen Cafés. Als erfolgreiche Mutter habe ich diese Liebe offenbar vererbt. „In ein schönes Café gehen“ ist deshalb ein weiterer ausdrücklicher Wunsch von König Silas.

Wir entscheiden uns für das Café Mia, weil es bei Google Maps sehr gute Bewertungen hat. Außerdem liegt es auf dem Weg zurück zum Parkplatz. Die Entscheidung ist gut, denn der Kuchen ist hervorragend. (Vor allem die Schokoladen-Erdnuss-Torte!) Die Inhaberin ist wirklich nett. Und es gibt heiße weiße Schokolade (ein absolutes Café-Qualitätsmerkmal für unsere Jungs).

Cafe Mia, Breite Str. 63, Lemgo. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 9:30 bis 17 Uhr.

Café Mia, Lemgo Café-Tip

„Jetzt beeil dich mit dem Fotografieren, Mama! Ich hab Hunger!“

Und so ist unser Dreikönigstag fast schon wieder vorbei. Mal sehen, ob wir nächstes Jahr mal ein wenig Abwechslung in die Ämtervergabe kriegen…

Schoko-Reinfall: Komplizen der Region

2026 kehren die siebenjährige Franka und ich in das Laden-Café „Komplizen der Region“ ein. Es befindet sich direkt in der Haupt-Fußgängerzone (Mittelstraße). Zum einen ist es ein nettes Café mit ziemlich vielen Tischen plus Kaffeegarten nach hinten raus. Zum anderen umfasst das Konzept Miet-Regale, in denen Kunsthandwerker*innen und Produzent*innen aus der Region Selbstgemachtes anbieten. Hier kommen also Genuss und Erlebniseinkauf zusammen.

lemgo kaffeegarten komplizen

Wer nach hinten durchgeht, findet diesen schönen Kaffeegarten.

Warum ich so schlecht auf den Laden zu sprechen bin, versteht wohl nur, wer mich gut kennt. Ich LIEBE Schokotorte. Bevor wir uns für die Einkehr bei den Komplizen entscheiden, schauen wir extra in die Tortenauslage. Genau ein Stück herrliche Schokoladentorte ist noch da. Schnell ordere ich es, zusammen mit einem Stück Käsekuchen für Franka. Bezahlt wird sofort am Tresen. Kein Problem.

Nach der Transaktion drehen wir uns um und wollen uns an den Tisch setzen, den wir der netten Bedienung genannt haben. Da sitzt aber plötzlich schon jemand – und futtert genau das eine Stück Kuchen, das ich gerade gekauft habe!

Leider bin ich in solchen Situationen immer ein Schaf. Statt den Herrn zur Rede zu stellen oder wenigstens bei der Bedienung nachzufragen, was da schiefgelaufen ist, setze ich mich an einen anderen Tisch und gucke doof.

Nach einer ganzen Weile kommt die junge Frau und entschuldigt sich. Der Chef habe sich auf dem Weg in den Feierabend schnell ein Stück Torte gegriffen und keine Rücksprache gehalten. Kann man drüber lachen. Ich bin aber nachtragend. Denn ich wollte wirklich gerne DIESES Stück Torte. Natürlich darf ich mir ein anderes Stück Kuchen aussuchen. Das kostet einen knappen Euro weniger – den mir niemand erstattet. Auch sonst gibt es keine Geste. Lecker sind Kaffee und Kuchen durchaus. Aber in der Abwicklung ist hier offenbar Luft nach oben.

Nächstes Mal gehen wir wieder zu Mia oder in ein anderes Café in Lemgo.

lemgo mit kindern cafe

War schon auch lecker. Aber nicht die Schokotorte, für die ich bezahlt habe.

Herrliche Stöberläden: „Shopping“ in Lemgo

Das Laden-Café mit den regionalen Produkten ist längst nicht Lemgos einziges Shopping-Highlight. Ein Ausflug mit Kindern ufert ja eher selten zum Kaufrausch in Klamottenläden aus. Vielleicht mit weiblichen Teenagern – aber so weit sind wir hier noch nicht. Stattdessen bummeln die Siebenjährige und ich durch all die netten Läden in Lemgos Fußgängerzone. Und davon hat die Stadt einige!

Zunächst einmal lockt uns ein Pixibuch-Ständer in den „Kleinen Landbuchladen„. Was für eine grandiose Buchhandlung! Hier stoßen wir auf mit ganz viel Liebe zusammengestellte Bücherregale. Dazu kommt all das Klimbim, das man gerne noch mal mitnimmt. Besonders schön: Überall im gar nicht mal so kleinen Laden finden sich nette Sitzecken. Hätten wir unbegrenzt Zeit, würde sich hier wohl jede von uns ein Buch schnappen und so lange schmökern, bis wir uns festgelesen haben und das Buch unbedingt mit nach Hause muss. Ein Glück für unser Budget, dass der Nachmittag schon fortgeschritten ist.

lemgo der kleine landbuchladen

Hier würde ich wohl gerne mal die Zeit vergessen…

Richtig gut gefällt uns dann auch das „Papphaus„. Ein Schreibwarenladen, ein Deko-Geschäft und ein Unverpackt-Laden für Essig und Öl feiern hier scheinbar dauerhaft eine wilde Party miteinander. Ein Keramikatelier ist auch noch dabei. Dort könnt ihr nach Voranmeldung selbst Porzellan bemalen: ideal auch für Kindergeburtstage. Franka und ich müssen uns echt am Riemen reißen, um nicht alles leerzukaufen. (Ich schaffe es, mich auf zwei wunderschöne Postkarten einer lokalen Künstlerin zu beschränken.)

lemgo shopping

Und alles ist so nett drapiert. Hier macht Shopping echt Spaß!

Der Kanzlerbrunnen von Lemgo

Am Ende der Fußgängerzone am Ostertor treffe ich auf alte Bekannte. Ich weiß, dass ich schon als Kind in Lemgo gewesen bin. 40 Jahre später erinnere ich mich an wenig. Aber wie meine kleine Schwester und ich die Figuren am Brunnen immer wieder in neue Posen gebogen haben, das weiß ich noch!

Eigentlich zeigt das 1977 geschaffene Kunstwerk von Bonifazius Stirnberg den „Streit um die Tonne“. Die Begebenheit spielt in der Stadtgeschichte um das Jahr 1600. Die lange schwelende Auseinandersetzung zwischen Bürgertum und lippischer Landesherrschaft bracht sich Bahn in einem konkreten Streit um ein Fass Bier aus Minden. Der Rat der Stadt hatte beschlossen, vermögende Bürger mit einer Trunksteuer zu legen: auch die Beamten des Grafen und den dekadenten Kanzler Knaust. Wie genau die Auseinandersetzung verlief, da scheiden sich die Geister. Kinder und alle anderen können sich heute ihre eigene Version des Streites bauen.

lemgo mit kindern kanzlerbrunnen

Die Figuren des Brunnens lassen sich verschieben und an ihren metallenen Gelenken verbiegen.

Das mittelbare Resultat ist jedenfalls zunächst recht tragisch für Lemgo: Die Landesherrschaft verlegt ihren Sitz von Schloss Brake nach Detmold. Das ist bis heute die Kreisstadt.

Der Bedeutungsverlust ist ein Wegbereiter für die oben beschriebene Hexenverfolgung. Er sorgt aber auch dafür, dass die Hausbesitzer*innen folgender Jahrhunderte weniger Geld haben, um ihre Fassaden der neuesten Mode nach zu renovieren. So bleibt in Lemgo viel Weserrenaissance erhalten. (Klar, wiegt die Sache nicht auf. Ich bin bloß immer bestrebt, was Positives zu finden. – Solange man mir meinen Schokoladenkuchen lässt.)

Ausflugstipp Museum im Junkerhaus

So. Jetzt kommen wir endlich zu meinem absoluten Highlight und Tipp für einen Ausflug nach Lemgo mit Kindern. Das Junkerhaus steht etwas abseits des Stadtzentrums in der Hamelner Straße. Hier hat sich der ungewöhnliche Künstler Karl Junker selbst ein Denkmal gesetzt. Und was für eins!

lemgo junkerhaus

Das Junkerhaus in Lemgo sieht erst einmal nur etwas werkwürdig aus. Und schon auch cool. Sehenswert. Aber wartet erst einmal ab, bis ihr drin seid!

Wer ist dieser Karl Junker?

Karl Junker wurde 1850 in Lemgo geboren. Pfiffig muss er gewesen sein, denn als Sohn eines Schmieds schaffte er es aufs Gymnasium. Seine Eltern starben früh und er wuchs bei seinem Großvater auf. Nach dessen Tod machte er eine Tischlerlehre und ging dann nach →Hamburg. Dort verliebte er sich in die Tochter seines Meisters. Auf diese Weise den Betrieb zu übernehmen, wäre nichts Ungewöhnliches gewesen. Aber irgendwas muss nicht gepasst haben. Jedenfalls brach Junker alle Zelte ab und zog alleine zunächst nach →München. Dort studierte er Kunst, ging dann nach →Italien, fasste aber nirgendwo so richtig Fuß. Schließlich kehrte er in seine Heimatstadt zurück und begann ein Leben als exzentrischer Künstler und komischer Kauz.

Von 1889 bis zu seinem Tod im Jahr 1912 baute er an seiner Vision eines modernen Traumhauses. Dass kaum jemand echtes Verständnis für seinen eigenwilligen Stil zeigte, kümmerte ihn wenig. Er war überzeugt, einfach seiner Zeit voraus zu sein. Schon zu Lebzeiten diskutierte man, ob der produktive Eigenbrötler noch ganz bei Verstand war.

lemgo junkerhaus treppe

Das Innenleben des Junkerhauses besteht fast vollständig aus Schnitzereien.

Heute gibt es eigens den Begriff der Outsider-Kunst für das getriebene Schaffen psychisch auffälliger Menschen, die zwischen Genie und Wahnsinn pendeln. (Ein grandioses Beispiel dafür haben wir mal auf Sizilien besichtigt: →Castello Incantato – das Schloss der tausend Köpfe.) Ob Karl Junker wirklich schizophren war oder einfach nur ein eigenwilliger Charakter mit einer selbstbewussten Mission, lässt sich heute natürlich nicht mehr mit Sicherheit sagen.

Warum sollte man das Junkerhaus besichtigen?

Karl Junkers Lebenswerk lässt sich heute in seinem Haus mit angeschlossenem Museum besichtigen. Das Gesamtkunstwerk ist absolut überwältigend. Die Atmosphäre im Junkerhaus ist einzigartig. Auf manche wirkt es so befremdlich, dass sie Angst bekommen und sofort wieder gehen. Andere fallen von einem Entzücken ins nächste.

lemgo junkerhaus schlafzimmer

Das vom Künstler selbst komplett eingerichtete Junkerhaus war schon immer ein Museum. Zwei moderne Neugierige sind hier im Spiegel des Schlafzimmers zu erspähen.

Franka und ich fallen in die zweite Kategorie. Abwechselnd bewundern wir Details der Wandgestaltung, der teils bizarren Möbelstücke, der integrierten Gemälde. Ein kurzer Film hat uns in das Leben und Wirken des Lemgoer Künstlers eingewiesen. Franka erfüllt die Aufgaben in ihrem Heft (siehe unten). Ganz viel entdecken wir auch alleine in unserem eigenen Tempo.

Von Anfang an hat Karl Junker das Haus nicht als sein Wohnhaus, sondern als Ausstellungsstück konzipiert. Die Musterwohnung umfasst eine für damalige Verhältnisse recht moderne Küche mit Innenwasserpumpe und gusseisernem Herd, ein je nach Geschmack gemütliches Wohnzimmer, ein kleines Kinder- und ein Schlafzimmer samt Wiege. Das Familienheim stand leer, denn Junker hatte keine Beziehungen, keine Kinder. Er selbst lebte in einer unscheinbaren Dachkammer, die nicht mehr zu besichtigen ist.

Schon zu seinen Lebzeiten standen Neugierige Schlange, um das „Haus des Verrückten“ zu sehen. Junker zeigte es ihnen für ein kleines Eintrittsgeld.

lemgo junkerhaus mit kindern

Im Inneren des Junkerhauses gibt es so viel zu entdecken! Das Heft für Kinder hilft dabei.

Warum lohnt sich das Junkerhaus gerade mit Kindern?

Als ich zum ersten Mal vom Junkerhaus in Lemgo höre, denke ich, dass ich da besser mal alleine hinfahre, ohne Kinder. Etliche Zeit später suche ich nach einem schönen Ausflugsziel für einen gemeinsamen freien Tag – und stoße zum Glück auf den Hinweis, dass es im Junkerhaus ein tolles neues Begleitheft für Kinder gibt. Perfekt!

In der Tat macht das neue Mitmachheft aus dem gemeinsamen Besuch eines besonderen Hauses einen richtig tollen Familienausflug mit Lerneffekt. So macht Museumspädagogik richtig Spaß! Einige Seiten sind wie ein Malbuch mit bestimmten Aufgaben konzipiert und ermutigen beispielsweise zum Entwurf eines eigenen Traumhauses. Andere sind eher als Quiz aufgebaut, geben Suchaufgaben oder ermuntern zur schriftlichen Auseinandersetzung. Alle Sinne werden angesprochen. Echt jetzt: ganz, ganz großes Lob! 

junkerhaus lemgo für kinder heft

Das Mitmach-Heft für Kinder gibt es beim Besuch im Junkerhaus kostenlos dazu.

Richtig toll finde ich die familienfreundliche Preisgestaltung. Der Eintritt ins Junkerhaus ist auch für Erwachsene nicht teuer: 5 Euro pro Person. Kinder bis 18 Jahre zahlen gar nichts – und bekommen das Heft geschenkt! (Natürlich sind Spenden jederzeit willkommen. Erwartet – wie unserer aktuellen Erfahrung nach in schottischen Museen – werden sie aber keineswegs.)

Für aktuelle Infos zum Junkerhaus sowie die Öffnungszeiten schaut am besten auf die Museums-Website

Mehr kinderfreundliche Ausflugsziele zum Thema Architektur und Kunst

Wir sind eigentlich nicht so die Kunst-Fans. Den männlichen Teil der Familie kriege ich kaum in ein Kunstmuseum. Witzigerweise erzieht mich meine Tochter gerade so ein bisschen um, denn im Gegensatz zu ihren großen Brüdern findet sie Kunst aus sich heraus spannend. Seit sie als Kleinkind in der expressionistischen →Böttcherstraße in Bremen vorm →Paula-Modersohn-Becker-Museum stand und unbedingt da rein wollte, habe ich mehr Kunstmuseen besichtigt als in meinen 38 Lebensjahren davor. Über einige habe ich seitdem gebloggt.

Der schönste Spielplatz von Lemgo

Moment! Kein Artikel über Lemgo mit Kindern wäre komplett, ohne ein paar Sätze zu den örtlichen Spielplätzen zu verlieren. Wir haben uns bei unseren Ausflügen vielleicht zu wenig Zeit dafür genommen – aber immerhin zwei haben wir entdeckt.

Spielplatz am Abteigarten

Ich gebe zu: Ob es wirklich der allerschönste Spielplatz zu Lemgo ist, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Ein Besuch am Abteigarten lohnt sich aber auf jeden Fall. Zumindest für Kinder, die gerne klettern und/oder im Sand spielen. Dieser Spielplatz ist zudem recht zentrumsnah. Einmal um die Ecke, und ihr seid am Hexenbürgermeisterhaus.

lemgo mit kindern spielplatz innenstadt

Highlight für etwas größere Kinder ist das Klettergerüst mit Tunnelrutsche.

Für jüngere Kinder gibt es direkt neben dem Klettergerüst für Große einen Spielbereich mit auf Sand. Hier gibt es zwei kleinere Klettergerüste, einen Bagger und mehrere Wipptiere.

Spielplatz an der Karl-Junker-Straße

Einen netten kleinen Spielplatz haben wir auch auf dem Weg vom Parkplatz zum Junkerhaus gefunden. Hier landet ihr unweigerlich, wenn ihr vom kostenlosen Museumsparkplatz (Hamelner Str. 66) dem Pattweg durch den Wald folgt. Es gibt nur eine Rutsche, eine Schaukel und ein Wipptier. Um sich nach längerer Fahrt vorm Museumsbesuch kurz auszutoben, ist es perfekt.

spielplatz lemgo mit kindern Karl-Junker-Straße

Spielplatz an der Karl-Junker-Straße. Von hier sind es nur noch ein paar Schritte zum Museum.

Mehr Ausflugsziele in Ostwestfalen

Zu allen Jahreszeiten sind wir gerne unterwegs. Über die meisten unserer Ausflüge berichte ich. So hat sich über die Jahre ein stattliches Archiv entwickelt. Orte und Ausflugsziele in der Nähe von Lemgo, über die ich geschrieben habe:

Insgesamt gibt es deutschlandweit hier über 250 Berichte über Reise- und Ausflugsziele in ganz Deutschland in meinem Reiseblog. Die komplette Übersicht samt Kartenansicht gibt es hier:

Familienurlaub in Deutschland: Unsere geballten Tipps

Familienurlaub in Deutschland

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