Urlaub im Allgäu: In Roßhaupten mit Drachen und in Lechbruck mit Flößern

Tag 2 unseres Allgäu-Urlaubs verbringen wir mit einer Familienwanderung auf dem Drachenweg rund um Roßhaupten und mit einer Partie Flößer-Golf. Ob wir Drachen gefunden haben und wie Flößer so golfen? Erzähle ich euch jetzt in aller Ausführlichkeit.

Dieser Bericht ist Teil unserer Serie über unseren Urlaub mit der KönigsCard, der auf Einladung des Verbands erfolgte (Details im letzten Absatz).

Unser Urlaubstag beginnt wieder recht früh, denn wir sind zum Wandern verabredet. In der Tourist Information von Roßhaupten wartet Egon Ganahl auf uns. Der erfahrene Bergführer nimmt uns heute mit auf den Drachenweg, der rund um das Dorf am Forggensee verläuft. Einmal in der Woche bietet die Gemeinde die Tour als geführte Wanderung an, die für Inhaber der KönigsCard kostenlos ist. Bis zu 20 Leute sind es mitunter im Sommer, erzählt unser Wanderführer, meistens aber eher zwei, drei Familien. Heute sind es ganz exklusiv nur wir.

Wandern mit Kindern im Allgäu, Drachenweg Roßhaupten
Der Drachenweg rund um Roßhaupten ist eine der Hauptattraktionen des Dorfes.

Warum es in Roßhaupten von Drachen wimmelt

Wer Urlaub in Roßhaupten macht, kommt um die Erkenntnis kaum drum herum: Das Dorf steckt voller Drachen. Am Ortseingang an der Bundesstraße gleich hinter der Tiefentalbrücke grüßt das erste steinerne Riesenreptil vom Straßenrand. Im Ortsbild verstecken sie sich überall auf Bänken und Schildern, in der Tourist Information hocken sie als Tonfiguren und süße Kuscheldrachen im Regal, das Emblem des Stadtmarketings und selbst das Etikett des lokalen Honigs („Drachengold“) ziert ein Drachenkopf.

Drachenweg, Roßhaupten, Wandern mit Kindern im Allgäu
Drachen gibt es in Roßhaupten quasi an jeder Straßenecke.

Das liegt daran, dass Roßhaupten quasi ein alter Drachenhort ist, erzählt uns Egon Ganahl. Das Untier hauste in vorchristlicher Zeit in der Tiefentalschlucht und fraß mit schöner Regelmäßigkeit das Vieh der Dorfbewohner. Besonders auf Pferde war es offenbar aus, oder vielleicht auch gerade nicht, jedenfalls ließ es deren Köpfe immer auf unappetitliche Art und Weise übrig – daher der Ortsname Roßhaupten. Erst der Heilige Magnus machte Schluss mit diesen unseligen Tischmanieren, indem er den Lindwurm erschlug, mit Gottes Hilfe versteht sich. Das hat dem frühchristlichen Missionar einen festen Platz in den Herzen der Einwohner eingebracht und sichert ihm bis heute Verehrung (wenngleich man sich dem Eindruck nicht entziehen kann, dass sein unterlegener Kontrahent sich heute noch größerer Beliebtheit erfreut, aber das könnte daran liegen, dass sich Kuscheldrachen einfach besser verkaufen als Kuschelheilige).

Kuscheldrache aus Roßhaupten
Diesen wunderbar kuscheligen Gesellen gibt es in der Tourist Information in Roßhaupten (und jetzt auch im Kinderzimmer von family4travel).

Jetzt mal ernsthaft – was ist dran an Roßhaupten und dem Drachen?

In Wirklichkeit ist natürlich alles genau so gewesen.

Oder vielleicht ist auch ein klein wenig Symbolik im Spiel. Unser Wanderführer erzählt uns, dass es hier ganz in der Nähe früher ein heidnisches Heiligtum der Alamannen gegeben haben soll. Magnus gelang es, den kriegerischen Stamm zu missionieren und davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee sei, die bereits christlichen Roßhauptener in Ruhe und die eigene religiöse Stätte in Flammen aufgehen zu lassen. Alles Nichtchristliche wurde damals ja gern als Teuflisch deklariert und dieser durch den Drachen verbildlicht. Et voila: So hatte Magnus den Drachen getötet.

Drachenweg, Roßhaupten, Wandern mit Kindern im Allgäu
Hier soll er gehaust haben: unterwegs auf den Spuren des Drachen in der Tiefentalschlucht.

Aber warum heißt dann Roßhaupten Roßhaupten?

Woher dann der Name Roßhaupten kommt? Auch dafür weiß Egon Ganahl eine Erklärung: Der Heilige Magnus hat auch Know-How über die Eisenverarbeitung mitgebracht und den Ort seiner Drachentötung zu einem frühen Industriestandort der Verhüttung gemacht. Jedenfalls fand man bei Arbeiten am Fundament des Maibaums in neuerer Zeit eine ganze Halde von historisch passenden Schlacke-Rückständen, die diese Theorie stützen. Dann käme Roßhaupten von „rösten“, Metall schmelzen. Nicht ganz so schön wie die Drachengeschichte… Außerdem ziert bis heute ein Pferdekopf das Stadtwappen, was ich als 1a-Beweis für den Drachen werte! :)

Familienfreundliche Wanderung auf dem Drachenweg

Wir haben inzwischen das Dorf hinter uns gelassen und erreichen das Steinerne Kreuz – ein Wahrzeichen Roßhauptens, das überhaupt nichts mit Drachen zu tun hat. Oder vielleicht doch. Die gängige Erklärung ist, dass ein historisch verbrieftes Einwohnerpaar hier im 17. Jahrhundert ihrem Dank für die Geburt eines Kindes Ausdruck verliehen hat. Den Felsbrocken, auf dem das Kreuz errichtet ist, hat aber der Sage nach der Teufel selbst dort hin geworfen. Eigentlich hatte er auf die neu erbaute Kirche gezielt, aber da waren die Glocken schon fertig und läuteten zum ersten Mal, und der Stein fiel zu Boden.

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Das Steinerne Kreuz ist eine der wenigen Sehenswürdigkeiten von Roßhaupten, die nichts mit Drachen zu tun haben. Oder vielleicht doch…

Die ganz neue Legende des Drachenwegs weiß das besser: Der Drache Flunkerfurz hat ihn seiner Auserwählten als Geschenk mitgebracht. Damals handelte es sich um einen Glitzerstein, nur ist das Glitzern im Laufe der Jahrhunderte verflogen. So haben es Mona, Larissa, Klara und Lucie aus der 3. Klasse der Roßhauptener Grundschule aufgeschrieben, und so steht es auf der Infotafel des Drachenwegs am Steinernen Kreuz zu lesen. Jede Station der Wanderroute ist mit kurzen Drachengeschichten aus Schülerhand bestückt – eine ganz und gar grandiose Idee, wie ich finde!

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Irgendwann ist jede Legende noch neu: Die Stationen des Drachenwegs sind mit Geschichten aus Schülerhand bestückt.

Abstieg in die Drachenschlucht

Wir wenden der Brücke an der Bundesstraße den Rücken zu und steigen in die Tiefentalschlucht hinab. In mehreren Kehren führt Egon Ganahl uns hinunter und erzählt uns dabei nicht nur viel Wissenswertes über Drachenlegenden, sondern auch über die Geschichte des Ortes und des Forggensees. Letzterer wurde in den 1950ern aufgestaut, als man sich um die archäologischen Schätze noch nicht so scherte, die dadurch verloren gingen.

Drachenweg mit Egon Ganahl, Roßhaupten, Wandern mit Kindern im Allgäu
Mit dem Wanderführer Egon Ganahl auf dem Drachenweg rund um Roßhaupten unterwegs: ein Abenteuer!

Der Weg ist abenteuerlich gewunden und macht richtig Lust aufs Wandern (mir und Anna zumindest, die Jungs sind heute irgendwie nicht so recht bei der Sache). Am besten gefällt mir die urwüchsige Natur direkt am karibisch-türkisfarbenen Bernmoosbach, der durch das enge Tal plätschert. Hier entdecken wir auch handfeste Fußspuren des Drachen (und manch andere Kuriosität).

Drachenweg, Roßhaupten, Wandern mit Kindern im Allgäu
Ganz eindeutig: Wir wandern auf den Spuren des Drachen!

Wer nicht gut zu Fuß ist oder einen Kinderwagen dabei hat, kann übrigens eine alternative Route obenrum nehmen (verpasst dabei aber das beste Stück vom Drachenweg).

Am Drachen-Brünnerle vorbei führt der Weg im Bogen zurück nach Roßhaupten. Er ist überall ausgeschildert und daher auch ohne professionelle Begleitung begehbar. Mit wenig mehr als drei Kilometern ist die Wanderung absolut kindertauglich und auch für Kleinere geeignet. Man kann es so einrichten, dass sie auf dem neu angelegten Abenteuerspielplatz am Kurpark endet (weil es ja immer gut ist, die Kinder beim Wandern mit einem Ziel zu motivieren).

Familienurlaub in Roßhaupten, Spielplatz am Kurpark, Allgäu
Die Spielgeräte des Spielplatz am Roßhauptener Kurpark sind hübsch in die Landschaft integriert.

Buch-Tipp fürs Wandern mit Kindern im Allgäu

Übrigens (kleine nicht ganz uneigennützige Werbung am Rande): Noch mehr Vorschläge für familienfreundliche Wanderungen im Allgäu gibt es in Stefanie Holtkamps Buch „Mit Kindern im Allgäu. 42 Wander- und Entdeckertouren für Familien“*. Im Februar erscheint die neue Auflage, in der dann auch der Drachenweg in Roßhaupten vertreten ist (und der eine oder andere bildliche Gastauftritt unserer Jungs). ;)

Flößer-Golf in Lechbruck

Nach dieser herrlichen kleinen Wanderung machen wir vier erst einmal Mittagspause in der Ferienwohnung. Anna und ich widmen uns mitgebrachter Arbeit, während die Jungs die Gunst der Stunde nutzen, in der sie den kleinen Pool einmal ganz für sich alleine haben.

Erst am Nachmittag setzt sich unser vollzeittouristisches Pflichtgefühl wieder durch, und wir machen uns mit unserer KönigsCard auf den Weg. Diesmal fahren wir nach Lechbruck. Der kleine Ort ist nur etwa eine Viertelstunde entfernt und bietet praktischerweise auch gute Einkaufsmöglichkeiten durch einen großen Supermarkt.

In erster Linie aber interessiert uns die Flößergolf-Anlage. Die Jungs haben sich den Spaß im KönigsCard-Heft rausgesucht. Eigentlich handelt es sich um das, was ältere Kaliber (wie Anna und ich) unter dem Begriff Minigolf kennen. Es sieht nur alles etwas schicker und moderner aus, die Bahnen sind offener gestaltet und mit den Sehenswürdigkeiten des östlichen Allgäus im Miniaturformat bestückt. So kicken wir unsere Bälle mitten durch Schloss Neuschwanstein und um Almhütten herum, über Gebirgsbäche und (nicht) im Slalom über die Skipiste.

Flößergolf Lechbruck, Familienurlaub im Allgäu
Altes Spiel im neuen Gewand: Der Ball muss immer noch ins Loch.

Und warum jetzt Flößer-Golf?

Lechbruck ist, wie wir lernen, von jeher der Ort der Flößer. Junge Männer unternahmen riskante Fahrten auf dem damals noch unregulierten Lech und brachten Holz und andere Baumaterialien Richtung Augsburg und von dort mitunter die Donau hinab bis nach Wien, Budapest und Belgrad. Im Flößermuseum lässt sich ihre Geschichte nachverfolgen, allerdings hat das nur von April bis September geöffnet, und selbst dann nur donnerstags und sonntags für wenige Stunden (Eintritt 2,50 Euro, mit KönigsCard frei).

Wir fahren übrigens auch Floß, mitsamt unserer Golfschläger: Um von einem Teil der Bahnen zum nächsten zu gelangen, müssen wir einen kleinen Teich überqueren. Also besteigen wir die schwimmenden Baumstämme, und Silas und Janis ziehen uns am Seil hinüber, bis wir etwa zwei Meter weiter das rettende Ufer erreichen.

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Minigolf mal anders: quer durch Neuschwanstein. Im Hintergrund sieht man ein bisschen was vom ominösen Floß.

Dafür, dass es sich eigentlich um schnödes Minigolf handelt, macht die Angelegenheit echt Spaß. Doof nur, dass die Frau an der Kasse sehr deutlich gemacht hat, dass sie eigentlich „wegen der Kälte“ gerne schon geschlossen hätte. Da außer uns noch ein weiteres Paar spielen wollte (und sich noch zwei weitere Familien bereits auf der Bahn befanden), konnten wir sie zwar überreden, uns ungeachtet der kühlen Witterung noch mit Schlägern und Bällen auszustatten, aber mir sitzt bei sowas dann immer der Druck im Nacken, und ich versuche es möglichst allen Beteiligten recht zu machen, den Kindern ihren Spaß zu gönnen und mich andererseits zu beeilen, um nicht noch mehr Unannehmlichkeiten zu verursachen… Dieses Gefühl also trübt das Erlebnis für mich, während die Jungs rundum zufrieden damit sind (zumindest der, der nicht zwischendurch die Geduld verliert, weil er zweimal hintereinander nicht mit der Höchstzahl der Schläge im Loch ankommt). Am Ende sind wir übrigens früher fertig als die andere Familie, die schon vor uns da war. Tschaka.

Der Spielplatz in Lechbruck mit Lech-Blick.
Der Spielplatz in Lechbruck mit Lech-Blick.

Die Flößergolf-Anlage liegt mitten im Ort und direkt am Lech. Gleich nebenan befindet sich ein schöner neuer Spielplatz, auf dem sich die Kinder noch ein bisschen austoben können, bevor es dämmert und die herbstliche Kälte dann tatsächlich spürbar wird.

Fazit: Familienurlaub mit KöngisCard, Tag 2

Nach unserem Power-Programm am ersten Tag unseres Allgäu-Urlaubs haben wir diesmal also ein deutlich sachteres Pensum absolviert, sind unterm Strich aber doch wieder sehr zufrieden mit unserem Familienurlaub im Allgäu.

Drachenweg, Roßhaupten, Wandern mit Kindern im Allgäu
Drachen und andere Gestalten.

Mehr Wanderungen mit Kindern im Allgäu

Mein Literatur-Tipp für Familien, die im Allgäu-Urlaub gerne mehr Zeit draußen verbringen und dabei gerne auch ein bisschen Wandern wollen, ist der Familien-Wanderführer „Allgäu mit Kindern“ aus dem Naturzeitverlag:

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Auch hier ist der Drachenweg als eine der 47 Wander- und Entdeckertouren vertreten (und ratet, wer die Fotos dafür gemacht hat! ;) ).

Mehr Familienurlaub im Allgäu

Hier geht es direkt weiter zu unseren anderen Erfahrungsberichten zum Familienurlaub im Allgäu.

Transparenz-Hinweis: Wir haben die KönigsCard auf Einladung der Betreiber getestet und mussten entsprechend vier Nächte lang für unsere Unterkunft nichts bezahlen (die fünfte Nacht haben wir auf eigene Kosten dazugebucht). Das bedeutet aber keineswegs, dass meine Meinung gekauft ist, denn ich lege sehr viel Wert darauf, dass die immer meine eigene bleibt.

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