Erfahrungsbericht: Wie sicher ist Rumänien als Urlaubsland?

Als wir etwas überstürzt unsere Europa-Reise planten, waren wir uns anfangs unsicher: Ist Rumänien ein sicheres Reiseland für Familien? Irgendwie hatten wir so viele Vorurteile im Kopf, obwohl wir selbst nicht recht wussten, wie die dahin gekommen waren. Ziemlich genau vier Wochen sind wir dann durch das große Land zwischen Karpatenbuckel und Donaudelta gereist und konnten (fast!) alle Punkte vor Ort schnell relativieren.

Kriminalität

„Rumänische Räuberbanden“ war so ein Schlagwort, das sich irgendwann Mitte der 90er in meinem Hirn festgesetzt haben muss. Tatsächlich ist die Kriminalitätsrate in Rumänien nicht sonderlich hoch. Transsilvanien (die für eine Familienreise wohl am besten geeignete Region) gilt noch dazu in jeder Hinsicht als Vorzeige-Provinz. Nirgendwo in Rumänien hatten wir ein schlechtes Gefühl, unser Auto auf offener Straße zu parken. In der dunklen Jahreszeit waren wir etliche Male lange nach Sonnenuntergang in Innenstädten und Außenbezirken unterwegs. In Timişoara sind wir an einem Freitag um Mitternacht mehrere Straßenblocks von einer Abendeinladung nach Hause gelaufen und dabei viel Jungvolk begegnet, ohne uns irgendwie bedroht zu fühlen.

Ein großes, meist blickdichtes Tor vor der Einfahrt ist in Rumänien selbstverständlich, um unerwünschte Besucher auf zwei oder vier Beinen abzuhalten.
Ein großes, meist blickdichtes Tor vor der Einfahrt ist in Rumänien selbstverständlich, um unerwünschte Besucher auf zwei oder vier Beinen abzuhalten.

„Zigeuner“

Politisch korrekt heißt es natürlich „die Minderheit der Roma und Sinti“, und politisch korrekt versuchen wir natürlich aus Prinzip, diesen dortzulande so arg diskriminierten Menschen offen gegenüberzutreten. Leider tun diese im Stadt- und Landschaftsbild überall präsenten Menschen wenig, um ihren schlechten Ruf zu widerlegen. Offiziellen Statistiken zufolge beträgt ihr Anteil an der rumänischen Bevölkerung 3,3 Prozent. Dem subjektiven Empfinden nach sind es wesentlich mehr. Es gibt Dörfer und Vorstädte, die von den Roma dominiert sind. Man erkennt sie ohne jeden Zweifel an den haarsträubenden baulichen Zuständen und daran, dass ganze Familien vor den windschiefen Gartenzäunen an der Landstraße sitzen, während die Kinder auf dem Seitenstreifen in der 100-Zone Fangen spielen. „Ethnografisch interessant“ ist wirklich die freundlichste Floskel, die mir dazu einfällt. Aber ich bin auch jemand, der sofort Beklemmungen kriegt, wenn mir fremde Menschen auf die Pelle rücken und mich zwingen, unfreundlich zu werden, weil sie ein freundliches „no, sorry“ nicht akzeptieren. Wir haben auch etliche Gruselgeschichten gehört, von Trickbetrügereien bis zur Blutrache-Lynchjustiz an eigentlich unschuldigen Autofahrern. Mehr als penetrantes Gebettel können wir ihnen aus eigener Erfahrung aber nicht vorwerfen.

Verkehr

Reale Gefahr stellt dagegen der Straßenverkehr dar. Hier wird gedrängelt und an den unübersichtlichsten Stellen wild überholt. Wir sind mehrmals nur knapp einem Verkehrsunfall entgangen (aber all das gilt ganz genauso auch für Slowenien und Kroatien).
Wann immer es sich vermeiden lässt, sollte man auf Nachtfahrten verzichten, denn auch wenn der Straßenzustand generell gar nicht so übel ist, werden Schlaglöcher selten aufgefüllt, Baustellen oft nicht oder unzulänglich beleuchtet; gleiches gilt für allgegenwärtige Pferdefuhrwerke und Radfahrer, die sich völlig schmerzfrei ohne jede Lichtquelle und oft selbst ohne Reflektoren nach Einbruch der Dunkelheit in den Verkehr stürzen. Oft drängte sich uns in dieser Beziehung der Verdacht auf, dass „der Rumäne an sich“ kein Interesse daran hat, ein hohes Alter zu erreichen.
Wer für sich und seine Kinder ein Taxi ruft oder einen Mietwagen nimmt, sollte vorher das Thema Kindersitze und Anschnallgurte auf der Rückbank ansprechen, denn weder das eine noch das andere ist in Rumänien selbstverständlich.

Auto fahren ist in jeder Hinsicht eine Herausforderung in Rumänien.
Auto fahren ist in jeder Hinsicht eine Herausforderung in Rumänien.

Straßenhunde

Immer wieder wird in Reiseführern und auf Internetseiten vor Straßenhunden gewarnt. In der Tat hat es laut unseren Couchsurfern in der Region Bukarest vergangenes Jahr zwei (einzelne) Fälle von tötlichen Angriffen auf Kinder gegeben. Offenbar rotten sich die Biester mancherorts zu großen Rudeln zusammen. Von denen sollte man sich dann wirklich fernhalten (wir haben keine gesehen).
Allgegenwärtig sind dagegen einzelne Streuner. Auch wir sind unzähligen wilden Hunden begegnet. Wann immer wir uns zum Picknick auf eine Bank setzten, waren sofort ein, zwei, drei Hunde zur Stelle, um uns aus traurigen Augen demütig die Bissen in den Mund zu zählen. Aber niemals ist uns ein solches Tier aggressiv oder auch nur unfreundlich begegnet. Nicht ein einziges Mal ist einer von ihnen aufdringlich geworden; sie haben immer respektiert, dass sie von uns nichts bekamen. Viele dieser Straßenhunde sahen allerdings ziemlich zerrupft aus. Wir haben unseren Kindern sehr deutlich eingetrichtert, dass kein wildes Tier gestreichelt wird.

Allgegenwärtig und wenig gefährlich: Straßenhunde.
Allgegenwärtig und wenig gefährlich: Straßenhunde in allen Farben und Formen.

Tollwut

Einweiteres Thema in Bezug sowohl auf Hunde, als auch auf Wildtiere, ist Tollwut. Mit EU-Mitteln wird diese unweigerlich tötliche Krankheit derzeit in freier Wildbahn versucht einzudämmen, indem Impfköder ausgelegt werden (von denen man sich wegen latenter Ansteckungsgefahr unbedingt fernhalten sollte, das sind so schwarze Plastikdöschen, die normalerweise weit abseits der Wege liegen). In Deutschland wird manchmal zur vorsorglichen Impfung geraten. Das ist möglich, aber die Tollwut-Impfung gilt selbst unter strikten Impf-Befürwortern als nicht ganz ohne. Fakt ist, dass sich auch in Rumänien nur Schäfer und Waldarbeiter impfen lassen. Laut der einzigen Statistik, die ich bei meinen Recherchen dazu im Netz gefunden habe, ist im Jahr 2007 in Rumänien ein (einziger!) Mensch an Tollwut gestorben. Falls es entgegen unser Erfahrung doch zu einer unfreundlichen Auseinandersetzung mit einem Straßenhund (oder – noch unwahrscheinlicher – einem Wildtier) kommt, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. In den ersten Stunden nach einem Biss ist eine Immunisierung nämlich noch möglich.

Bären

Bären sind ein ernsthaftes Thema bei Spaziergängen durch den Wald – für schweigsame Wanderer und fixe Mountainbiker, die ein dösendes Wildtier überraschen könnten. Gerade mit Kindern besteht diese Gefahr in der Regel nicht, da das hochfrequente Geplapper jeden Teddy rechtzeitig in die Flucht schlägt. Wir haben rumänische Familien getroffen, die Waldspaziergänge in Bärengebieten grundsätzlich vermieden haben, und wir haben rumänische Familien getroffen, die regelmäßig mit dem Nachwuchs Wandern gehen. Manch einer kennt jemanden, der jemanden kennt, der mal aus der Ferne einen Bären gesehen hat… Wir selbst haben ungestört ausgiebige Spaziergänge in der herrlichen Natur unternommen – ABER als wir außerhalb eines Dorfes, keine 200 Meter vom letzten Haus entfernt, plötzlich entdeckten, dass wir auf einer Bärenhöhle gepicknickt hatten, wurde uns doch ganz anders. Vor dem Höhleneingang lag ein recht gründlich abgenagtes Schaf (glaube ich), und später erzählten uns die Leute im Dorf, dass sie im Winter wirklich Ärger mit den Biestern haben, die die Schafherden als bequeme Selbstversorger-Quelle betrachten.

"Picknick mit Bären" - was in einem gewissen Buch über die Mentalität der Amerikaner leeres Versprechen bleibt, hätten wir in Rumänien fast selbst erlebt.
„Picknick mit Bären“ – was in einem gewissen Buch über die Mentalität der Amerikaner leeres Versprechen bleibt, hätten wir in Rumänien fast selbst erlebt.

Vor Wölfen muss man, wie überall, überhaupt keine Angst haben (zumindest solange man kein Schaf oder wenigstens Schäfer ist). Zusammenstöße mit Menschen sind praktisch nicht bekannt.

Spuren von Wildtieren in der Wildnis... kommt halt vor in Rumänien.
Spuren von Wildtieren in der Wildnis… kommt halt vor in Rumänien.

Gesundheit

Wer sich gerne vor Krankheiten fürchtet, hat in Rumänien ausreichend Gelegenheit dazu. Wenn man sich richtig viel Mühe gibt, kann man sich im Donaudelta in heißen Sommern sogar mit Cholera infizieren. Malaria ist hingegen ausgerottet. Die Gefahr durch Zecken (Borreliose, FSME) ist genauso groß wie in Deutschland.

Ärztliche Hilfe haben wir zum Glück nicht in Anspruch nehmen müssen. Wir haben allerdings gruselige Geschichten aus den örtlichen Krankenhäusern gehört. Anscheinend ist es besser, für den Notfall selbst sterile Verbände und Einwegspritzen dabei zu haben, da sie bei Arzt oder Klinik nicht immer vorhanden sind. Die Krankenhäuser sind auf Spenden angewiesen, in vielen Supermärkten gibt es entsprechende Sammelboxen.

In einigen Gegenden, so heißt es, kann man das Leitungswasser durchaus trinken. Nachdem wir am selben Ort widersprüchliche Informationen dazu bekommen hatten, haben wir in der Folge konsequent darauf verzichtet (bis auf Martin einmal im Donaudelta, was er aber prompt mit fünf Tagen fiebrigem Durchfall bezahlt hat). Flaschenwasser ist überall in rauen Mengen erhältlich.

Vielerorts stammt das Wasser noch aus dem hauseigenen Brunnen.
Vielerorts stammt das Wasser noch aus dem hauseigenen Brunnen.

Fazit

Rumänien ist Mitgliedstaat der Europäischen Union, und auch wenn es in politischer Hinsicht sicher noch viel aufzuholen gibt (wie in vielen anderen Staaten auch), ist das im alltäglichen Empfinden vor Ort durchaus gerechtfertigt. Vor allem im direkten Vergleich mit Ungarn, Serbien und dem ländlichen Kroatien steht es in zivilisatorischer Hinsicht und vom allgemeinen Sicherheitsgefühl her keinesfalls schlechter dar. Unterm Strich ist Rumänien für einen Familienurlaub unserer Meinung nach absolut geeignet.

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43 Gedanken zu „Erfahrungsbericht: Wie sicher ist Rumänien als Urlaubsland?“

  1. Weisst Du eigentlich, dass letztes Jahr im September bei uns im Garten (im wildromatischen Teil) ein Bär mehrmals zu Besuch war? Hat da Äpfel gefressen und um, Bauchweh gekriegt. Ich war vielleicht 30 Minuten später im Garten und wusste anfangs nicht, was so fürchterlich stinkt und warum meine Katze so schlimm Angst hat – nachdem ich „animal droppings“ googelte, hatte ich auch Angst. Also gibt es mutige Bären nicht nur in Rumänien.
    Wo geht es jetzt hin? Ich freue mich immer so auf Deine Reiseberichte. Wird Janis auch bald „was“ erzählen?

    1. Oje, ja, da würde ich auch nervös werden, wenn ich zu Hause Bärenbesuch bekommen würde…
      Jetzt gerade sind wir in Sarajewo in Bosnien, wunderschöne Stadt! Aber die Streckenplanung nimmt so viel Zeit ein, dass ich kaum zum Schreiben komme. Janis hat schon einen neuen Artikel fertig geschrieben, aber ich hab kein passendes Bild…
      Viele Grüße nach Estland!

    1. Was für Erfahrungen haben sie gemacht, dass sie dieser Ansicht sind?
      Ich möchte mit dem Wohnmobil durch Rumänien.
      Danke für eine Antwort

        1. Wir reisen seit 2000 immer mit einem Renault Twingo durch Europa, Rumänien haben wir mehrfach durchquer, in jeder Himmelsrichtung. Wir übernachten immer in kleinen Unterkünften, selten in großen Städten. Es gab nie Probleme.

          http://mirnix.info

          1. Oh, sorry, ich war irgendwie immer davon ausgegangen, dass ihr mit WoMo unterwegs seid. Dabei hab ich neulich erst gelesen, was du über die Unterkünfte in Bulgarien geschrieben hast. Denkfehler…

      1. Außer in Prag haben wir nie schlechte Erfahrungen gemacht. Wir übernachten auch sehr selten in großen Städten. Wir reisen in einem Renault Twingo, also unauffällig. Die Hotels u d Pensionen in kleinen Städten haben meinst einen Hinterhof, auf dem man sein Auto abstellen kann. Aber auch sonst hätte ich keine Bedenken, wie gesagt, fast 15 Jahre…

        In den Jahren 2000-2005 hatten die Hotels in Polen z.T. bewachte Parkplätze, die sind mittlerweile verschwunden… Also wohl nicht mehr nötig.

    2. Endlich auch jemand der realistisch diese Berichte liest. Leider ist dieses Land nicht so zu bereisen wie hier beschrieben. In Deutschland muss (noch) der Staat eine Schuld beweisen, in Rumänien ist ein Staatsbediensteter unterbezahlt und ein Westeuropäer eine tolle zusätzliche Einnahmequelle. Beispiel, Landstraße, Polizeikontrolle. Delikt- angebliches zu schnell gefahren. Kein Messgerät ect. zumal man weiß,nicht zu schnell fahren. Egal, er ist das Gesetz, diskutieren gerne, er hat auch Handschellen und schnell mal mit auf die Wache. Also gibt man ohne Quittung das Geld und fährt in die größere Stadt , zur Polizei. Dort wartet man und bekommt zur Antwort; Was aus Deutschland, ihr habt doch genug Geld. Natürlich kommt nun wieder irgend ein Mensch aus Deutschlands Spaß Gesellschaft und sagt, Aufnahmeerscheinungen. Schön wäre es ja, alle EU Länder so zu bereisen , wie durch Deutschland. Geht aber nicht, diese sozialen Absicherungen haben alle diese Länder nicht. Da sie auch Hunger haben, also was sollen sie machen. Da gibt es auch kein Mitleid, selbst wenn es ein Spenden LKW ist, für ein Kinderheim ist. Ein bisschen Geld für die Polizei und man fährt weiter. Ich möchte richtig verstanden sein, man soll das wissen, um Fehler zu vermeiden. Dann hat man auch Freude an diesen Reisen. Besser richtig die Wahrheit dokumentieren und kein ständiges rosarotes Beschreiben, überall ist es ja besser als im eigenem Land. Man denkt das die anderen Menschen nicht betrübt sind und sich über unserem Wohlstand freuen, sehr naiv. Reisebeschreibungen aus einer Reisegruppe sind noch schlimmer;uns ist nie etwas passiert, wir waren immer über 50 Mann, also alles falsch, was die anderen schreiben. Alleinreisende sind und werden auch in der Zukunft immer im Fokus für die Missstände in diesen Ländern, potentielle zusätzliche Einnahmequelle sein. Kennen wir alle , aus Italien und Spanien, aber das wird als Kavaliersdelikt hinterher erzählt und nächstes Jahr, wieder hin. Leider ist die Welt nicht so, wie wir alle uns das wünschen, aber eine realistische Beschreibung ist immer hilfreicher, als;War alles toll, mir ist nichts passiert, ist natürlich die Hauptsache. Wenn sich der Reisende sich an so etwas nur orientiert, besteht ein höheres Risiko, als wenn man doch weiß , was passieren kann.

      1. Lieber Herbert, so geht das nicht. Wir können hier über vieles reden, aber wenn du mir meine Glaubwürdigkeit absprichst, werde ich echt fuchtig. Wenn ich auf eines stolz bin an meinem Blog, dann ist es meine 100%ige Ehrlichkeit. Wenn dann einer kommt und sagt: „Leider ist dieses Land nicht so zu bereisen wie hier beschrieben. (…) Besser richtig die Wahrheit dokumentieren und kein ständiges rosarotes Beschreiben, überall ist es ja besser als im eigenem Land“ – boah, da schlägt’s bei mir echt 13! Wir sind gut vier Wochen quer durch Rumänien gereist. Das macht uns nicht zu Experten für dieses Land. Aber es hat uns doch einen Einblick gegeben, und die daraus entstandenen Erfahrungen habe ich hier aufgeschrieben. Wenn du anderes erlebt hast, bin ich dir für einen ergänzenden Kommentar sehr dankbar. Auch, wenn du schlechte Erfahrungen gemacht hast. Verschiedene Blickwinkel helfen, ein runderes Bild zu bekommen. Nur, dass du hier reinplatzt und implizierst, ich hätte (absichtlich!) Mist geschrieben, das ist absolut unterste Schublade!
        Behördenwillkür haben wir in Rumänien nicht erlebt, nur in der US-Botschaft in Berlin. Und in Albanien, aber da witzigerweise andersrum (tatsächlich schneller als erlaubt gefahren, von Polizei angehalten worden, nach einem lustigen Gespräch augenzwinkernd verwarnt und weitergeschickt worden – echt wahr, ich dachte auch, ich bin im falschen Film). Auf unser gesamten Reise haben wir niemanden bestechen müssen, weder in Rumänien noch in Spanien oder sonstwo. Und wir wurden nirgends bestohlen. Die einzige schlechte Erfahrung in der Hinsicht war die eingeschmissene Scheibe in Rom. Vielleicht lag es daran, dass wir als Familie unterwegs waren. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall habe ich persönlich nichts Schlimmes zu erzählen. Sonst würde ich. Schließlich ist es mein Ziel, meinen Lesern einen möglichst authentischen Eindruck von unseren Reisezielen zu geben.
        Und noch etwas zu deiner oben zitierten suggestiven Behauptung, lieber Herbert: Nach 11 Monaten Europareise plus all die vorangegangenen kürzeren, die mich immerhin durch insgesamt 35 europäische Länder geführt hat (extra für dich hab ich grad noch mal nachgezählt und nur die mitgerechnet, in denen ich voll aufnahmefähig als Erwachsener gewesen bin) – nach allem, was ich im europäischen Ausland gesehen und erlebt habe, bin ich der Ansicht, dass Deutschland das beste Land zum Leben ist (ein paar andere wären auch nicht verkehrt, und in ein paar Punkten bin ich sicher dieser Ansicht, weil ich hier sozialisiert worden bin, aber unterm Strich stehe ich vollumfänglich zu dieser Aussage). Aber das nur nebenbei.
        Zurück zum Thema: Wir haben Rumänien so erlebt, wie im Artikel beschrieben. Ich erhebe kein Monopol auf meine Rumänienmeinung und spreche dir deine Erfahrungen nicht ab. Aber wenn du mir meine absprichst, kriegen wir beide Ärger miteinander.

  2. Naja, in Italien haben sie uns die Scheibe am Auto eingeschlagen. Vermutlich dank Alarmanlage wurde nichts entwendet – es war ohnehin kaum etwas im Wagen, aber es ist dennoch sehr ärgerlich. Ähnliches hört man häufiger von Spanien und Südfrankreich, auch oder gerade von Einheimischen. Ich bin gespannt, was uns in letztgenannten Gegenden noch widerfahren wird.
    Der Balkan jedoch ist nach meiner Meinung eher sicherer als die altbekannten touristisch erschlossenen Regionen, in denen es bei vielen Touristen viel zu holen gibt…

    1. Wer beraubt werden möchte, sollte sein Auto nachts in Prag abstellen. Ein 100%iger Erfolg… 🙂 unsere tschechischen Freunde haben hinterher nur den Kopf geschüttelt. Aber da wir sonst nie in großen Städten übernachten, hat es uns sonst in Europa nie getroffen.

      http://mirnix.info

  3. Ein schöner Beitrag, vielen Dank dafür! Ich überlege nämlich gerade, als Backpacker nächsten Sommer Rumänien und Moldawien zu bereisen, und da ich nun schon so viele unterschiedliche Ansichten über die Sicherheit in diesen Ländern gehört habe (von „vollkommen sicher“ über „die Innenstädte sind zwar sicher, der Rest aber eher nicht“ bis hin zu „als Frau dort nie nie nie nie niemals allein hinfahren!“), mache ich mich gern weiter schlau.
    Meine geplanten Reiseziele sind Timisoara, Chisnau und Bukarest, von Ort zu Ort will ich mit dem Bus reisen… gibt’s da evtl. Tips, was ich beachten sollte?
    Danke und weiterhin gute Reise! :o)

    1. Ich glaube, als Familie wird man doch ganz anders wahrgenommen und reist insgesamt unbehelligter. Es kann schon sein, dass man als alleinreisende Frau dort ein Problem hat. Ich habe keine Andeutungen dafür wahrgenommen und die Rumänen (und Ungarn, von denen es dort überraschend viele gibt) als sehr zivilisiert erlebt, aber ich war auch nur zwei Mal ohne Mann unterwegs und hatte immer meine Jungs dabei.
      Was dagegen ein Problem sein könnte, ist der Bus. Jedenfalls wurden mir die unglaublich vielen Tramper mit dem unzureichenden Busverkehr erklärt. In Rumänien ist es völlig normal, an der Straße auf eine Mitfahrgelegenheit zu warten. Männer, Frauen, Kinder, alles steht am Straßenrand und winkt, teilweise sogar Leute mit Aktentasche unterm Arm, die von der Arbeit kommen.
      Timisoara ist eine sehr schöne Stadt, auch wenn ich noch gar nichts dazu geschrieben habe. Das Freilichtmuseum ist toll, die Street Art am Fluss, die Innenstadt ist bestimmt immer noch Großbaustelle. Mit Bukarest sind wir nicht recht warm geworden. Da gibt es einen Bericht zu hier im Blog. Ganz entschieden empfehle ich noch Sibiu!
      Auf jeden Fall viel Spaß! Rumänien ist ein tolles Reiseland.

      1. Viseu de Sus! Die Wassertalbahn, gerade für Kinder. Und jede Menge Geschichte. Siebenbürgen.

        Wir sind ja nun schon mehrfach in alle Richtungen durch Rumänien gereist. Aber nie sahen wir jemanden, der mitgenommen werden wollte, nie gab es Anzeichen für irgendeine Gefährdung durch Menschen. Durch Schlaglöcher schon…

        Es ist auch sicher ein Unterschied, ob man Stadt- oder Umland-orientiert reist. In Städten besteht eher die Gefahr, beklaut zu werden. Überall auf der Welt. Besonders in den als zivilisiert geltenden…

        1. Das finde ich jetzt aber witzig, Reinard – ihr habt in Rumänien nie Tramper gesehen? Für uns war das absolut landestypisch, vom Eindruck her.
          Und auch bei der Gefährdung durch Menschen möchte ich dir widersprechen: Die haben wir sehr wohl erlebt, beispielsweise in Form unbeleuchteter Radfahrer auf Hauptverkehrsstraßen. 😀
          Ansonsten: d’accord.

          1. Habe gerade nochmal mit meiner Frau gesprochen, die ja auch während der Fahrt fotografiert: wir können uns in Rumänien an keinen einzigen Anhalter erinnern, weder In- noch Ausländer. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich/wir Anhalter fast ausnahmslos mitnehmen, wenn wir Platz haben. Oft die alte Oma von Dorf zu Dorf und so.

            Und was Gefährder durch fehlende Lichter angeht: da sind die Griechen Weltmeister. Wir haben das hier auf Naxos als Normalzustand.

            Wir fahren offenbar auf ganz anderen Straßen als Ihr…

          2. Interessant! 🙂 Ich finde das immer wieder spannend, dass man im selben Land so viele unterschiedliche, teils auch gegenteilige Erfahrungen machen kann.
            In Griechenland kann ich mich widerum nicht an unbeleuchtete Fahrzeuge erinnern. Aber da waren wir auch nur auf dem Festland unterwegs, und kaum mal in der Dunkelheit, glaube ich.

  4. Also ich finde Rumänien ist ein nicht sooooooo sicheres Land (wegen Roma usw..) aber ich habe selbst dort 7 Jahre gelebt und ich finde dass mit den Krankheiten bisschen übertrieben ich meine wer wird sich so viel Mühe geben und sich mit dieser Krankheit aus dem Donaudelta zu infizieren? Ich komme aus Transilvanien und leider gibt es dort viele Straßenhunde doch die waren nicht agressiv. Mit der Roma ist es ein anderes Problem…… Zwischen mir oder meinen Freunden ist nie ein Problem mit den roma passiert…. Die haben nur Ungarisch gesprochen, also eingentlich kommen sie aus Ungarn.

    1. Danke für die Einschätzung aus Langzeit-Sicht. 🙂
      Die Roma-Problematik ist sehr komplex und keine rein rumänische Sache, denke ich. Wollte man die Situation dieser Minderheit wirklich zum Guten wenden, müsste man grenzübergreifende Aufklärungs- und Bildungsprojekte auflegen – etwas, das ich unter den derzeitigen Gegebenheiten nicht besonders hoch auf der Prioritätenliste der Politik der betroffenen Länder sehe (leider). Da müsste eigentlich viel passieren, und es gäbe eine Menge anzuprangern, zu hinterfragen und zu diskutieren. An dieser Stelle hier ist mein Blickwinkel ein rein touristischer.

      1. Eigentlich wollte ich mich schlaumachen über die rumänische Schwarzmeerküste. Bin zur Zeit grad in Bulgarien (Burgas) und begeistert. Dachte nun eben, dass ev. Auch Rumänien Badeküste hat. Aber nach allen Berichten oben konnte ich nun nichts entnehmen darüber. Und auch wegen der Sicherheit kann ich keine Uebereinstimmung finden. Gut ich denke als Familie seid Ihr im Vorteil. Meistens nicht alleine unterwegs. Als Alleinstehende Person vir allem als Frau ist es sicher schwieriger. Man ist allein und hat ein bestimmtes Kontingent an Geld dabei…
        Kann jemand über die Schwarzmeerküste Auskunft geben oder seine Erfahrung mitteilen?

        1. Liebe Marianne, an der rumänischen Küste sind wir leider nicht gewesen, deshalb kann ich nichts aus erster Hand darüber sagen. Ich habe einige schwärmen gehört, und ich weiß sicher, dass es Badeorte und Strände gibt, aber darüber hinaus kann ich jetzt auch nur auf google und Reiseführer verweisen.
          Welche Erfahrungen hast du denn bezüglich der Sicherheitslage gemacht, dass du so gar keine Übereinstimmungen feststellen kannst?
          Viel Spaß noch in Bulgarien! Und in Rumänien, falls du dich dafür entscheidest.

  5. Hallo Lena, ich fand den Titel „Wie sicher ist Rumänien als urlaubsziel“ sehr interessant und wurde neugierig was eine Familie aus Deutschland darüber sagt. Nachdem ich die erste hälfte gelesen habe verlor ich jedoch die Hoffnung auf ein Happy End. Zum Glück gab es aber doch ein positives Fazit.
    In den letzten 4 Jahren habe ich mit meinen Kindern jeden Sommer in Rumänien verbracht und zwar 6 Wochen am stück. In den ersten 3 Wochen ist mein Mann auch dabei aber danach muss er wieder ins Büro. Ich bin (english) Lehrerin also darf ich den rest des Sommers in Rumänien genießen 🙂 Wir wurden nur ein mal ausgeraubt – in Frankreich…
    Ich finde Rumänien klasse! Vielleicht liegt es schon teilweise daran das ich rumänin bin aber vielleicht liegt es auch daran das ich mich nicht von ein paar Hunde oder die vielen Möglichkeiten die eventuell eintreten könnten beirren lasse. Was das Gesuntheit angeht möchte ich nur sagen das es nicht so schlimm ist wie manche behaupten. Mag sein das es hier und da an Geld fehlt aber bestimmt nicht an Kompetenz. Deutschland hat in den vergangenen 2 Jahren 5.000 Ärzte aus Rumänien unter Vertrag genommen. Bestimmt nicht weil sie schlecht sind…Da ich letztes jahr dort operiert wurde, kann ich,glaube ich, etwas dazu sagen.
    Ich möchte jetzt nicht alles mit der rosa roten Brille beschreiben. Man kann das wilde Verkehr die bettelnden Zigeuner (nicht überall) und die Kriminalität die, wie überall, in Großstädten zuhause ist, nicht weg denken aber ich würde Rumänien auch nicht als ein unsicheres land bezeichnen. Danke dafür, liebe Lena 🙂
    Ich lebe seit 16 Jahren in Deutschland und jedes mal wenn ich nach Rumänien fuhr, wurde ich von dem Vortschritt sehr überrascht. Ich möchte nur das es anerkannt wird. Da steckt viel arbeit drin.
    Man weisst hierzulande sooo wenig über Rumänien … Hier noch ein paar Fakten:

    Rumänien ist sehr gut in dem IT Bereich. Dieses Jahr haben ein Paar IT-ler aus Transylvanien die Möglichkeit gefunden, durch eine programierte „Sound umwandlung“ das Internet in den ärmsten Ländern zu bringen. Google und Facebook waren sprachlos.

    Es ist tatzächlich so das man in Rumänien das schnellste Internet Europas hat. 😉 Ja, das ist mein ernst.

    In Rumänien findet derzeit eine explosive Entwicklung im dem ökologischen Lanwirtschaft Bereich statt und hat deshalb, auf die weltweit größte Bio-Fach Messe in Nürnberg, die auszeichnung „Land des Jahres“ bekommen. Sogar der Bundespräsidend Deutschlands war begeistert. Das weiß ich nur weil mich die Bio Landwirtschaft interessiert. Meine Eltern produzieren Bio – Lavendel.

    Und das sind nur (wenige) Fakten von 2016. Ich fange gar nicht erst an über die Geografie, die Bergen mit den natürlichen thermal Quellen oder die unfassbare Geschichte mit den Riesen Skeletten die in Bucegi ausgegraben wurden sonst verderbe ich euch die ganzen tollen Überraschungen 😉

    Meine lieben, bitte, habt keine Vorurteile. Seit neugierig und bereit ein wunderbarer Schatz mitten in Europa zu entdecken. Es wird euch nicht Leid tun.

    Falls ihr noch Fragen habt was Rumänien angeht, helfe ich gerne!

    adela@self-love.eu 😉

    1. Vielen Dank, liebe Adela, dass du deine Erfahrungen und deinen Blickwinkel mit uns teilst. Dass Rumänien sich in Riesenschritten entwickelt hat, glaube ich gerne. Wir waren von der pro-europäischen Grundeinstellung und der Bereitschaft zum Ärmelhochkrempeln sehr positiv überrascht.
      Und dass Rumänien ein super Internet hat, kann ich bestätigen! Irgendwo hab ich das auch geschrieben, dass es das Land mit dem schnellsten Internet und den zuverlässigsten Verbindungen auf unserer Reise war. 🙂

  6. Hallo zusammen,

    Wir überlegen dieses Jahr mit dem Auto nach Rumänien zu reisen. Unter anderem um eine befreundete Dame in Baja Mare zu besuchen, die dort ein privates Tierheim betreibt.
    Was uns aber richtig Kopfschmerzen bereitet ist die Lage der Straßenhunde. Nicht weil wir Angst vor ihnen hätte, eher ganz im Gegnteil. Wir lieben Hunde und helfen eigentlich wo wir können. Ganz ehrlich, ich weiß nicht ob ich/wir das seelisch verkraften würden, dort Hunde zu sehen die mehr Tod als lebendig sind.
    Das klingt jetzt vielleicht sehr dramatisch ist aber wirklich ein Problem für uns. Ansonsten würden wir uns gerne diees Land ansehen.
    Kann uns jemand speziell zu diesem Thema vielleicht mehr Infos geben?

    Gruß aus Duisburg

    Toddi

    1. Hallo Toddi, für Tierfreunde kann Rumänien schon hart sein, fürchte ich. Wenn man da zart besaitet ist, stelle ich mir das sehr belastend vor. Und im Urlaub kann man da wenig tun, außer Hunde im Vorbeigehen daran gewöhnen, dass sie von Touristen mit Essen versorgt werden, was sie irgendwann dazu bringt, es zu erwarten und sich im Zweifelsfall selbst zu bedienen, wenn ein Kind ein Wurstbrot in der Hand hält. Schwierig. Von den privaten Tierheimen vor allem deutscher Tierfreunde habe ich schon gehört, da gibt es ja (zum Glück) einige. Langfristig ortsgebunden zu arbeiten, ist da sicherlich die bessere Variante. Aber ja, wenn ihr in Rumänien unterwegs seid, werdet ihr immer wieder Straßenhunde sehen, auch kranke. Mal hier einer mit einem Geschwür, mal da einer mit entzündeten Augen, mal dort einer mit räudigem Fell. Insgesamt fand ich es aber wesentlich weniger dramatisch, als ich es erwartet hätte. Hunde gehören in Rumänien einfach zum Straßenbild dazu. So wie bei uns die Enten im Park rumlaufen.

  7. Ich möchte Ihnen für die sehr gelungenen Texte mein herzliches Kompliment aussprechen: sehr gut geschrieben, mit Talent, Intelligenz, Humor, einfach Quality !
    Nun, ich hätte auch eine Frage, wenn Sie erlauben. Sie haben eine beachtliche Erfahrung mit Familientourismus gesammelt, daher meine Frage: im europäischen Vergleich, wie sicher ist es mit Kindern nach Deutschland als Tourist zu fahren. Wir haben nämlich vor, im nächsten Jahr mit zwei Kinder (6 u.8) Deutschland zu erkündigen.
    Ich danke bereits für Ihre Anwort.

    1. Danke! Und gute Frage. 🙂 Ich denke, zumindest bei Reisen innerhalb Europas bestehen die Gefahren vor allem da, wo man von zu Hause aus anderes erwartet und auf Unvorhergesehenes trifft, dass man dann vielleicht nicht einschätzen kann. Insofern halte ich z.B. die unbeschränkten Autobahnen in Deutschland für heikel, wenn man es nicht gewohnt ist, dass Autos auf der Überholspur gerne auch mal mit 180 km/h oder mehr unterwegs sind. Ansonsten ist Familienurlaub in Deutschland für Südosteuropäer vermutlich weniger unsicher als gelegentlich enttäuschend, weil alles mögliche reguliert und „zu Ihrer eigenen Sicherheit“ verboten ist.
      Womit ihr allerdings rechnen müsst, sind gewisse Vorurteile gegenüber Rumänen, die auf Unwissenheit basieren. Ich könnte mir vorstellen, dass manche Vermieter ihre Ferienwohnung z.B. lieber nicht an Rumänen vermieten würden, weil das einzige, was sie je über Rumänen gehört haben, Zeitungsberichte über „rumänische Diebesbanden“ waren. Deshalb finde ich, dass viel, viel mehr rumänische Familien in Deutschland Urlaub machen sollten! 🙂 Um wirklich in ausländerfeindliche Gewalt verwickelt zu werden, müsstet ihr euch jedenfalls schon große Mühe geben, gerade wenn ihr Kinder dabei habt. Im europäischen Vergleich halte ich Deutschland für Familien für ein sehr sicheres Urlaubsland.

  8. Ich danke für die prompte und vernünftige Antwort.
    Nun, es ist schon etwas dran, am Autobahnerlebnis in Deutschland: als ich zum ersten mal nach Deutschland kam, habe ich mich von der übermächtigen Blechlawine auf der Autobahn ziemlich überwältigt gefühlt…
    Dass wir Schwierigkeiten kriegen beim Zugang in Hotels oder Ferienwohnungen, weil wir Rumänen sind, darf ich bezweifeln: 20% der Rumänen machen Auslandsurlaub, (Hauptziele in der Rangordnung: It, Bulg, Sp, Griech, Türk, Fr, D…Ö), das sind 1,6-1,7 Millionen jährlich (davon 8% in Deutschland, 5% in Österreich, das sind immerhin über zweihunderttausend): ihr Geld wird überall in Europa restlos sehr gerne angenommen. Im deutschsprachigen Raum liegt der Schwerpunkt des rumänischen Tourismus in den Skiorten. Von Abzocke oder missbräuchlichem Verhalten der Deut. Osterr. Schwz. Hoteliers, war schon die Rede in Rumänien, aber nicht etwa vor einem rumänenfeindlichen Hintergrund, sondern wegen des lieben Geldes, wie überall. Wahr ist auch, dass diese Art von Gastwirten sich mit rumänischen/osteuropäischen Touristen schon ein Fehlverhalten leisten, das sie sich mit den eigenen Leuten nicht zutrauen.
    Wie Sie zutreffend bemerken, Rumänen/Ausländerfeindlichkeit hängt stark vom Sozialmilieu ab: ich werde versuchen von z.B. Bild-leser nach Kräften Abstand zu halten.
    Übrigens, aus eigener Erfahrung weiss ich, dass gegen die rumänenfeindliche Haltung in Deutschland präventiv sehr erfolgreich vorgegangen werden kann. Kleines Beispiel: fragt mich ein Deutscher: „Und woher kommen Sie ?“, dann antworte ich „Aus Rumänien. Und Sie ? Wo kommen Sie her ?“ und schon verkneift er sich jede mögliche Frechheit (da solche Fragen meist nur die Einleitung zu untertönigen oder auch direkten Verbalangriffe darstellen).

    Ehrlich gesagt, etwas Anderes bereitet mir Sorgen: die vielen Pädophilen in Deutschland.
    Gerne sollen Sie sich die Ergebnisse der bundesweit repräsentativen MiKado-Studie der Uni Regensburg anschauen: http://www.mikado-studie.de/ Einige Eckdaten davon: die Zahl der Opfer von Kindermissbrauch in Deutschland beläuft sich auf stolze fünf Millionen Seelen; korrelativ, bewegt sich die dunkle Zahl der Kinderschänder bei 800.000 – 1.000.000, also etwa fünf Kinder pro Kinderschänder, im Durchschnitt (die Zahl der Pädophilen im Sinne einer „Neigung“ geht in die Millionen). Zum Vergleich: das Rumänische Kriminalregister umfasst etwa 100.000 Verbrecher. Für einen rumänischen Kriminellen kommen also neun bis zehn deutsche aktive Kinderschänder.

    Das ist eine Welt der wir nicht gewöhnt sind: bei uns laufen die Kinder frei und sorglos, der Kontakt zu fremden Menschen wird ihnen nicht untersagt, im Gegenteil, die Kinder erwarten von allen Erwachsenen ein schützendes Verhalten und auch eine gewisse Zuwendung. Das ist unsere Kultur, und es ist gut so. Ich werde möglicherweise allein mit meinen beiden quicklebendigen Enkelkinder reisen und bin nicht bereit sie und auch mich unter Stress zu setzen und unsere Reisefreude zu verderben, durch für die Kinder unerklärbare „Schutzmassnahmen“. Ich bin nicht (hoffe ich) absurd oder paranoisch, ich weiss auch, dass Kinderschändung in Deutschland eher im Schutz der Familie stattfindet und uns eine Entführung gleich um die erste Ecke nicht erwartet. Viel vorsichtiger als daheim werde ich auf alle Fälle sein müssen.

    Ich möchte Ihre Geduld nicht weiter strapazieren und wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrem excellenten Blog und überhaupt.

    1. Vielen Dank. Ich finde diese Beiträge aus der anderen Perspektive sehr spannend!

      Dass es in Deutschland prozentual mehr Fälle von Kindesmissbrauch gibt als in Rumänien, bezweifele ich allerdings. Ich denke, der Anteil der Menschen mit dieser schlimmen Neigung ist überall gleich und ist es zu allen Zeiten gewesen, nur die Dunkelziffer und Aufklärungsrate variieren. In Deutschland herrscht gerade unter Eltern ein sehr großes Bewusstsein für dieses Problem, das sich für manche bis zur paranoiden Angst steigert. Dass Kinder in Deutschland in der Regel nur beaufsichtigt auf dem Spielplatz spielen dürfen, hat weniger mit einer realen Gefahr als mehr mit dem Sicherheitsbedürfnis der Eltern zu tun.

      Meiner Beobachtung nach besitzen Rumänen offenbar ein viel größeres Urvertrauen. Im Straßenverkehr wird das z.B. immer wieder deutlich: Man glaubt, es werde schon gut ausgehen, ob beim Überholen an unübersichtlichen Stellen oder beim unbeleuchteten Radfahren in der Dunkelheit. Oder eben beim Kinder alleine draußen spielen lassen. In Deutschland ist man grundsätzlich misstrauisch und angstgeleitet. Was man nun für besser hält, kann jeder selbst entscheiden. 🙂

      1. Jetzt habe ich doch einmal einen Kommentar zensiert – nicht, weil er beleidigend gewesen wäre oder mir die Meinung nicht gefällt, sondern weil er sehr lang war und sich fast ausschließlich auf das Thema Kindesmissbrauch beschränkte. Mit meiner leichthin aufgestellten Vermutung, dass Kindesmissbrauch eine Neigung sei, die überall ungefähr gleich oft vorkäme, habe ich bei Romeno offenbar in ein Wespennest gestochen. Er stört sich massiv an dem Wort „Neigung“, der den Tätern biologisch vorgegebene Motivation zuspreche, und will die Taten als kiminelle und soziokulturell zu ahndende Handlungen verstanden wissen. Er hat viele Zahlen parat und ist sich sicher, dass es doch an (irgendwas in) Deutschland liegt, dass hier die offiziellen Missbrauchsraten höher sind als in Rumänien, da die Behörden und Institutionen in Rumänien genauso gut arbeiteten wie in Deutschland (was zu beurteilen ich mir nicht erlauben kann). Es juckt mich, weiter darüber zu diskutieren, aber dafür habe ich leider 1. keine Zeit, und 2. trägt es zum Ausgangsthema „Wie sicher ist Rumänien als Urlaubsland“ wenig bei. Halten wir fest, dass man den Zahlen zufolge dort offenbar weniger Angst vor Kindesmissbrauch haben muss als hierzulande.

        Ich hoffe, das ist für dich in Ordnung so, Romeno! Das ist ein wichtiges Thema, aber mein kleines Reiseblog ist letzlich nicht die richtige Plattform, es zu besprechen. 🙂

  9. Also, ich war 2010 das erste Mal in Rumänien, leider nur in Bukarest. Alle meine Freunde hier in Deutschland haben mich für absolut bekloppt erklärt und ich selbst hab 2 Jahre zuvor nie damit gerechnet, dass ich irgendwann mal nach Rumänien fahre.
    Fazit: ich war total überrascht, in jeder Hinsicht. Alles war ganz anders als wir es hier hören, na ja, vielleicht mit Ausnahme der allgegenwärtigen Korruption.
    Dazu gleich soviel, mitlerweile war ich nun schon 6 mal da und auch dieses Problem hat sich drastisch gebessert.
    Ich war in Bukarest, Sibiu, Brasov, Bran, Tulcea, Galati, Iasi und den Landstrichen die dazwischen liegen.
    Auch das Kinderheim von Peter Maffay habe ich mir angesehen, leider nur von außen.muss man bedeutend vorsichtiger sein.
    Nirgendwo in Rumänien habe ich mich nicht sicher gefühlt.
    Versuche betrogen zu werden hab ich nur einmal im Taxi in Bukarest erlebt. Das passiert aber in den offiziellen Taxies, die auch noch sehr günstig sind, nicht. Hier muss man bedeutend vorsichtiger sein.
    Die Leute dort sind im allgemeinen sehr freundlich, die meisten jüngeren Leute sprechen auch englisch, viele auch italienisch.
    Die Hotels sind gut, mit gutem Frühstück (zumindestens die, die ich kenne) aber eben kein Schnäppchen.
    Ich kann jedem nur empfehlen sich das Land mal selbst anzusehen.
    Da ist für jeden etwas dabei.
    Mein größter Mangel: bitte nicht krank werden (medizinische Versorgung ist nicht wirklich gut) und Verkehrsinfrastruktur (große Straßen sind zwar mittlerweile in Ordnung aber kaum Autobahnen, daher lange Reisezeiten mit dem Auto).
    Also, traut euch, es wird sicher ein schönes Erlebnis.
    Mein Urlaubsziel für die nächste Zeit steht auf alle Fälle fest.
    Ingo

  10. Hallo!

    Endlich mal eine selbst erlebte Meinung! Ich plane gerade einen Roadtrip bis ans Schwarze Meer und mir wurde elterlicherseits nicht unbedingt dazu geraten dort hinzufahren. Das sind noch Erinnerungen aus den 80ern.
    Ich denke das in Rumänien wertigere Autos als Audi A3 gefahren wird.
    Selbst das GRIP Motormagazin hatte neulich einen Beitrag der sehr positiv war.

    1. Hallo alle zusammen,

      Ich habe 10 Jahre in Rumänien gelebt und gearbeitet.
      Ich wurde weder bedroht, noch wurde mir etwas gestohlen.
      Das Vorurteil aller Westeuropäer Rumänen gegenüber ist absolut nicht gerechtfertigt!
      Ich bin auch quer durchs Land gereist und habe in großen Städten sowie auch auf dem Land gelebt. Überall wurde ich mit großer Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft behandelt.
      Das Thema Straßenverkehr wurde bereits ausführlich behandelt und wird von mir auch so bestätigt.(was aber in Kroatien, Italien, usw. auch nicht bedeutend anders ist)
      .
      Zur Gesundheitsversorgung bleibt folgendes zu sagen.
      Staatliche Spitäler (außer einige in Bukarest) sollten nach Möglichkeit gemieden werden.(leider aus Geldmangel nicht gut ausgestattet)
      Alle Privatkliniken sind bestens ausgestattet und nur weiter zu empfehlen! Ich wurde immer bestens versorgt und die sind äußerst günstig .
      Ich kann jedem eine Reise nach Rumänien nur empfehlen!!
      Ich hoffe ich konnte bei der Entscheidung sich nach Rumänien zu trauen einige Zweifel ausräumen.

  11. Ja, und ich werde in der kommenden Woche für 5 Tage nach Bukarest fliegen. Die geschilderten Erfahrungen waren sehr hilfreich. Also. Ich werde vorurteilsfrei rangehen, außer mit Bären habe ich in Europa und Afrika alles schon erlebt. Alles andere kann mir auch in Berlin passieren, Deutschlands kriminellster Großstadt. Ich werde berichten!

    1. Das freut mich! Ganz viel Spaß in Rumänien, viel Erfolg im ÖPNV (der auch leichter zu händeln ist, wenn man nicht ganz weit draußen einsteigen will, hab ich gehört), und ich bin gespannt auf deine Erfahrungen!!

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