„Achtung Hochspannung!“ – Die Geschichte der Elektrizität zum Ausprobieren (in Rinteln, Deutschland)

Es knistert, es knallt, es blitzt und leuchtet: „Achtung Hochspannung“ heißt die Sonderausstellung im Rintelner Museum Eulenburg, und der Titel kommt nicht von ungefähr.

Lebensgefährlich ist das Erlebnis natürlich nicht, aber wir nähern uns der Vielzahl von skurrilen Apparaturen mit vorsichtigem Respekt. Physik war zu Schulzeiten nicht gerade mein Glanzfach, und wenn ich vor einer Tesla-Spule stehe, habe ich durchaus heute noch Fragezeichen im Gesicht. „Also, das muss auf jeden Fall was mit dem Kupferdraht hier zu tun haben“, analysiert Janis, der im Gegensatz zu mir eine angemessene Portion technisches Verständnis von seinem Vater geerbt hat. „Aber wozu die Kugel? Und die Spitze?“ Wir finden heraus, dass an der Spitze auf Knopfdruck Blitze entstehen. Und wir nehmen zur Kenntnis, dass die Menschen über Jahrhunderte ebenso verwirrt waren wie wir, wenn es um das Thema Elektrizität ging.

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„Was meint ihr denn, wie lange es schon Strom gibt?“ frage ich meine Jungs. „Also, mindestens seit den Griechen, denn Zeus hat ja die Blitze geschleudert“, antwortet Silas. „Quatsch“, sagt sein großer Bruder. „Blitze gab es schon vor den Dinos. Strom gibt es, seit es die Erde gibt.“

Trotzdem dauerte es lange, bis die Menschen sich die Naturgewalt zu Nutze machen konnten. Wir lernen, dass ihre erste Auseinandersetzung mit der ominösen Kraft durch Bernstein stattfand – das griechische Wort dafür lautet „electron“. Dunkel erinnern wir uns, davon schon mal im Deutschen Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten gehört zu haben: „Elektrisiert“ man das fossile Harz, zieht es Fusseln und Papierschnipsel an. Auch mit einer Schwefelkugel funktioniert das, wie die „Elektrisiermaschine“ auf dem Tisch verdeutlicht. Seit der Aufklärung stieg das Interesse der Menschen an Elektrizität, doch dienten Erfindungen wie die Leidener Flasche oder besagte Elektrisiermaschine lange Zeit lediglich dazu, Salon-Gesellschaften zu beeindrucken und wenig erfolgreiche medizinische Behandlungen auszutüfteln. Die erste halbwegs sinnvolle Erfindung ist ausgerechnet eine Strom-Abwehrmaßnahme: der Blitzableiter.

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Anhand von Schautafeln und vielen Experimentierstationen verfolgen wir die Entwicklungen über die bescheidenen Anfänge der Batterie bis hin zum Elektromotor. Dann stehen wir vor einem Morseapparat. „Darüber habe ich mal was bei Oma auf Phoenix gesehen!“ ruft Janis begeistert. Flugs verschwindet er im Obergeschoss, denn sofort hat er den Hinweis entdeckt, dass sich dort ein zweites Gerät befindet. Gleich darauf beginnt das Lämpchen hier unten wild zu blinken. Der Morse-Code sowie Block und Bleistift liegen bereit. Die Nachrichten des Jung-Morsers bleiben unentzifferbar, aber nachdem ich Silas als Meldegänger hochgeschickt habe, gelingt es mir, eine kurze Nachricht ins Obergeschoss zu übermitteln. „’Kommt runter’ sollte das heißen, ne?“ sagt Janis strahlend, als ich kurz darauf nachschaue, wo die verlorenen Söhne geblieben sind. Warum diese die getickerte Anweisung nicht befolgt haben, ist offensichtlich: Auf einem Röhrenmonitor läuft ein uraltes PC-Spiel. Das fesselt. Es gelingt mir, ihre Aufmerksamkeit loszueisen und auf das große Wandregal zu lenken. Elektrogeräte und ihre kabellosen Vorgänger sind hier ausgestellt. Dank Hausstrom ersetzt ein Fön die Handtücher, ein Ventilator den Fächer, ein Staubsauger den Besen. Auf einem Fahrrad-Egometer können wir austesten, wie anstrengend es ist, genügend Strom dafür zu erzeugen. Wie es zuging bei der Elektrifizierung der Weserbergland-Region, erfahren wir auf den Stellwänden. Sehr gefallen hat mir die Anekdote, wie die Oldendorfer Feuerwehr 1879 ausrückte, um einen Brand im Nachbardorf zu löschen – der sich als elektrisch beleuchtetes Schiff auf der Weser herausstellte.

Leider ist es mit Hoch- und Niedrigspannung schon um zwanzig vor fünf vorbei. „Macht das Museum schon zu?“ fragt Janis. „Eigentlich nicht“, sage ich mit Blick auf die Uhr, muss mich aber eines Besseren belehren lassen. Um viertel vor holt uns der Angestellte aus der Ausstellung („Wir schließen jetzt.“ – „Um viertel vor?“ – „Na ja, ich will Sie ja nicht einschließen.“) und geleitet uns freundlich, aber unmissverständlich nach draußen (und als jemand, der selbst im Museum arbeitet und ganz selbstverständlich nach dem gebuchten Programm noch unbezahlt aufräumt, ärgert mich das, ehrlich gesagt, schon ganz schön).

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Nichtsdestotrotz, die Sonderausstellung „Achtung Hochspannung“ ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Bis zum 27. April ist sie noch in der Eulenburg in Rinteln zu sehen, und das dienstags bis sonnabends von 14 bis 17 Uhr (16.45?), sonntags schon ab 10 Uhr.

Auch die Dauerausstellung ist immer einen Besuch wert. Fünf lokale Schwerpunkte stehen hier im Fokus: Ur- und Frühgeschichte Schaumburgs, Stadt und Festung Rinteln, Hexenverfolgungen, die Rintelner Universität und die Weser als Landschafts- und Wirtschaftsraum. Für Familien (2+x) kostet der Eintritt 7 Euro, ansonsten zahlen Erwachsene (mit Sonderausstellung) 3,50 Euro, Kinder und Jugendliche von 7 bis 18 Jahren 1,50 Euro.

Freitags zeige ich euch spannende Ausflugsziele aus Schaumburg und der näheren (und weiteren) Umgebung. Es gibt so viel zu erkunden in aller Welt, aber auch bei uns zu Hause warten genügend kleine, große und völlig unterschätzte Sensationen darauf, entdeckt zu werden. Und vielleicht ist ja genau die richtige Idee für eure Wochenend-Planung dabei?

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