Couchsurfing in der Gemeinschafts-Utopie (in Vejle, Dänemark)

Das erste Land auf unserer Rundtour durch Skandinavien ist Dänemark gewesen. Wir begannen unseren Urlaub mit einem richtig netten Couchsurfing-Erlebnis in Vejle im Süden des Landes, nicht allzu weit entfernt vom Legoland.

Ohne Probleme haben wir die pinke Siedlung gefunden, in der Rikke und Peter mit ihren beiden Mädchen wohnen. Per SMS haben wir uns auf die Zeit verständigt, und so steht Peter schon vorm Haus am Grill, als wir zu Fuß um die Ecke biegen. Autos sind in dem alternativen Wohnprojekt nämlich nicht erlaubt und müssen draußen an der Straße parken.

Etwa 20 Parteien umfasst das Wohn-Projekt, die alle ihr kleines rosa Eigenheim besitzen. (Each of the ca. 20 families has their own little pink house.)
Etwa 20 Parteien umfasst das Wohn-Projekt, die alle ihr kleines rosa Eigenheim besitzen. (Each of the ca. 20 families has their own little pink house.)

Es ist sehr schön, die Familie wiederzusehen (im Juli waren sie schon einmal bei uns zu Gast). Wir klönen, essen, nehmen den Faden da wieder auf, wo wir ihn bei unserer letzten Begegnung abgelegt haben. Anschließend führen uns unsere Gastgeber durch ihr Haus und erzählen von der Community, in der sie hier leben. Etwa 20 von den grellbunt-pinken Häuschen stehen da im Halbrund beieinander und teilen sich eine schöne große Außenanlage. Jede Partei besitzt ihren Teil als Eigenheim, ganz normal ausgestattet mit Schlaf- und Wohnzimmern, Küche, Bad. In der Mitte der Anlage aber befindet sich ein Gemeinschaftshaus. Vier Mal in der Woche essen hier alle zusammen zu Abend. Gekocht wird abwechselnd nach Dienstplan in der dort vorhandenen Profi-Küche.

Was aussieht wie die Villa Kunterbunt, ist das Gemeinschafthaus der Wohn-Utopie von Vejle. (This colorful house is shared by the whole community of the alternative living-project of Vejle.)
Was aussieht wie die Villa Kunterbunt, ist das Gemeinschafthaus der Wohn-Utopie von Vejle. (This colorful house is shared by the whole community of the alternative living-project of Vejle.)

Fürs Essen trägt man sich ein oder aus, wie man möchte. Es ist auch möglich, Gäste anzumelden oder später seine Portion aus dem Kühlschrank zu holen. Im Gemeinschaftshaus, das in seiner farblichen Gestaltung sehr an die Villa Kunterbunt erinnert, befinden sich außerdem Gästezimmer (auch unseres), ein Billardtisch, ein Kicker, eine Tischtennisplatte und mehrere Mehrzweckräume. Das Sozial-Idyll erfordert natürlich einiges an Aufwand, und in vielerlei Hinsicht ist die Gemeinschaft nicht mehr so stark, wie sie früher einmal war, berichten unsere Gastgeber. Bei den regelmäßigen Eigentümerversammlungen kommt es durchaus zu Diskussionen, bisher konnte aber alles zur relativen Zufriedenheit aller Beteiligten geregelt werden. Schon bei ihrem Besuch bei uns haben wir die Familie neugierig ausgefragt. Die Vision jetzt mit eigenen Augen zu sehen, fasziniert uns ungemein. Die Kombination aus Gemeinschaft und Eigenständigkeit gefällt mir so gut, dass ich am liebsten gleich einziehen würde. Rikke lacht. Als sie sich um das Haus bemüht haben, gab es noch eine lange Warteliste. Inzwischen sei es gar nicht mehr leicht, geeignete Mitbewohner zu finden, wenn jemand auszieht, sagt sie. Familien mit Kindern werden bevorzugt, trotzdem wohnen inzwischen nur noch wenige Kinder hier.

Die Gemeinschaft teilt sich Gästezimmer, Hühner, eine Profi-Küche - und auch diesen Kicker. (Inside the shared house there are guest-rooms, a professional kitchen to cook for the whole community and a play-room.)
Die Gemeinschaft teilt sich Gästezimmer, Hühner, eine Profi-Küche – und auch diesen Kicker. (Inside the shared house there are guest-rooms, a professional kitchen to cook for the whole community and a play-room.)

Während Rikke und ich den Abwasch machen, nimmt Peter Martin und die Jungs mit zum Hühnerfüttern. Auch die sind Gemeinschaftsgut, allerdings beteiligen sich nicht alle Familien an der Geflügelhaltung. Dann kocht Rikke Tee und stellt Schokolade auf den Tisch. Janis und Silas spielen mit dem Lego der Mädchen (die schon im Bett verschwunden sind, denn schließlich müssen sie schon wieder zur Schule). Und wie ich so in der Küche sitze, die Kinder erstaunlich friedlich zu meinen Füßen spielend, wird mir so richtig bewusst, dass wir Urlaub haben.

Diesen Eintrag meines Reise-Tagebuchs habe ich am 23. August 2009 verfasst.

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