Island steckt voller großartiger Naturschauplätze. Die ganze Insel ist eine einzige Sehenswürdigkeit. Ein besonderer Ausflugstipp im Norden aber ist Dimmuborgir am Myvatn-See. Wo einst heiße Lava und sumpfige Wassermassen aufeinandertrafen, ist ein weites Gelände voller skurriler Steingebilde entstanden: Dimmuborgir, die Dunkle Burg der Trolle.

Dieser Reisebericht geht zurück auf unseren individuellen Ausflug im Jahr 2015. Auf Facebook und Instagram habe ich meine regelmäßigen Leser gefragt, in welchen Reise-Erinnerungen ich zu Corona-Zeiten denn mal kramen soll. Meistgewünschtes Land war Island. Auch wenn unsere Fotos und persönlichen Eindrücke damit schon etwas älter sind, habe ich den aktuellen Stand der Infos von 2020 (vor Corona) überprüft. Und: Dimmuborgir sieht seit mehr als 2000 Jahren so aus, wie es aussieht. Da hat sich in fünf Jahren zum Glück nicht viel verändert…

dimmuborgir, island, durchgang mit spitzbogen

Diesen Durchgang mit gotisch anmutendem Spitzbogen findet man auf dem „church trail“. Schon erstaunlich, dass das hier alles natürlichen Ursprungs ist. Oder haben vielleicht doch die Trolle mitgebaut?

 

Ausflugsziel für Kreuzfahrer und Individualtouristen

Als Familie mit zwei Kindern haben wir auf unserer Nordland-Kreuzfahrt drei verschiedene Ziele auf Island angesteuert: Reykjavik, Isafjördur und Akureyri. Unseren Landgang haben wir jeweils individuell mit Mietwagen und in Eigenregie geplant – überhaupt kein Problem. Ich kann also aus Erfahrung sagen, dass Dimmuborgir als individueller Ausflug auf Kreuzfahrt von Akureyri aus machbar ist.

Aber auch für „ganz normale Individualtouristen“, die unabhängig anreisen und eine Islandrundreise mit dem Mietwagen unternehmen, ist Dimmuborgir natürlich ein passendes Ausflugsziel. Die beneide ich, weil sie natürlich viel mehr Zeit für das ganze Drumherum haben und nicht wieder pünktlich auf dem großen Schiff ankommen müssen.

dimmuborgir island lena

Das bin übrigens ich, auf dem Wanderweg zwischen Dimmuborgir und Hverfjall. Nur damit ihr wisst, mit wem ihr es hier zu tun habt. ;) Und einen Eindruck, wie das Wetter im Norden von Island Anfang August ist, gibt dieses Foto auch.

 

Massenandrang?

Wer Dimmuborgir individuell besucht – egal ob als Tagesausflug vom Kreuzfahrtschiff aus oder auf der selbst organisierten Rundreise – braucht unserer Erfahrung nach keine Angst vor Menschenmassen zu haben. Zumindest nicht, wenn man ein bisschen Zeit mitbringt und die Wusel-Zone um den Parkplatz herum verlässt.

Unser Eindruck war an allen isländischen Ausflugszielen, dass sehr viel Bustourismus stattfindet – auch, aber nicht nur von Kreuzfahrttouristen. Diese Busse steuern viele Sehenswürdigkeiten im Akkord hintereinander an. Im Gänsemarsch geht es zur Aussichtsplattform, 20 Selfies mit Sehenswürdigkeit, weiter geht’s.

Auch auf unserer Kreuzfahrt konnte man geführte Ausflüge nach Dimmuborgir im Paket buchen und wurde dann mit dem Bus all-inclusive herangekarrt. Das tun pro Schiff aber nur relativ wenige (oder taten es zumindest auf unserer Kreuzfahrt damals). Und diese Besucher bleiben dann in engen Trauben ganz am Rand des Lavafeldes. Das trifft im Übrigen auch auf viele „normale“ Individualtouristen zu, die auf ihrer Island-Rundreise eine lange Bucketlist abhaken möchten.

lavafeld dimmuborgir

An den Ausläufern von Dimmuborgir ist echt weit und breit kein Mensch zu sehen.

 

Wie lange braucht man für Dimmuborgir?

Um die mystische Lavalandschaft von Dimmuborgir angemessen zu erleben, empfehle ich ein Zeitfenster von mindestens zwei Stunden. Das lässt genügend Zeit, sich von den anderen Touristen zu entfernen und auf den ausgewiesenen Wanderwegen in Bereiche vorstoßen, die die allermeisten Besucher links liegen lassen. Gerade wo nicht überall andere Menschen herumwuseln, ist die Landschaft noch schöner als an den Felsformationen rund um den Parkplatz, die jeder von Instagram kennt.

dimmuborgir durchgang

Abseits der „Hauptsehenswürdigkeiten“ bleiben noch genügend spannende Formationen übrig, die wir und unsere einheimische Führer-Familie ganz für uns haben.

Wer wenig Zeit hat, kann natürlich die Selfi-Nummer von der Aussichtsplattform am Parkplatz durchziehen. Für Eilige gibt es auch die barrierefreie Mini-Runde von wenigen hundert Metern, die an den bekanntesten Lavatürmchen und -bögen vorbeiführt.

Anfahrt nach Dimmuborgir

Von Akureyri aus dauert die reine Fahrt knapp 1,5 Stunden. Wir haben zugesehen, dass wir unter den ersten waren, die von Bord gingen. Die Mietwagenstation im Hafen von Akureyri ist fußläufig erreichbar. Hier hatten wir vorgebucht und haben somit innerhalb einer halben Stunde im Auto gesessen und sind Richtung Myvatn gebraust.

Anlegestelle für kreuzfahrtschiffe im hafen von akureyri

Hübsch ist der Ausblick vom Kreuzfahrtschiff im Hafen selten. Das ist die Anlegestelle für die großen Pötte in Akureyri. Bis zur Mietwagenstation ist es nur ein kurzer Fußmarsch.

Die Kunst besteht dann darin, sich nicht von all den Herrlichkeiten links und rechts des Weges ablenken zu lassen. Rund um Akureyri gibt es den Diamond Circle, der – ähnlich wie der Golden Circle rund um Reykjavik – die schönsten Sehenswürdigkeiten in Nordisland zu einer Tagestour verbindet. Wer wirklich nur einen Tag oder sogar nur einen kurzen Landgang auf Kreuzfahrt hat, muss sich dann allerdings mit einer sehr abgespeckten Version zufriedengeben. Oder sehr hetzen. Wir haben uns für ersteres entschieden und lieber weniger besichtigt, dafür aber richtig.

Zwischenstopp am Godafoss

Am Godafoss – oder ordnungsgemäß isländisch gelispelt Goðafoss – mussten wir aber doch mal kurz halten. Der Wasserfall wird in jedem Reiseführer und auf Instagram als herausragende Sehenswürdigkeit gehypet. Durchaus zu recht, denn die Wassermassen, die in hübscher Hufeisenform herabfallen, sind schon beeindruckend.

godafoss island

Wunderschön!

Aber gerade an Tagen, an denen Kreuzfahrtschiffe in Akureyri anlegen, belagern diese bequem zugängliche Attraktion auch Massen von Touristen im Minutentakt. Er liegt halt auch beinahe direkt an der Straße, sodass sich ein „eben schnell mitnehmen“ anbietet.

Die Selfi-Nummer vom Parkplatz aus halt. Hier haben wir sie mitgemacht – aber unser Ding war das echt nicht.

Godafoss island touristisch

Die ganze Wahrheit über den Godafoss.

 

Seinen Namen hat der „Götterfall“ übrigens der Legende nach daher, dass hier die christlichen Missionare die letzten nordischen Götterstatuen hinwegspülten – um zu beweisen, dass Odin und Co. keinerlei weltliche Macht besitzen.

Der Myvatn

Dimmuborgir liegt am Myvatn, einem der größten isländischen Seen. Übersetzt heißt er Mückenwasser. Hat man viel Zeit, lässt sich hier bestimmt auch prima wandern (zumindest wenn er seinem Namen nicht allzu viel Ehre macht). Fantastische Lavaformationen finden sich auch direkt am Ufer. Da wir schnellstmöglich direkt nach Dimmuborgir wollten, haben wir hier nur einen ganz kurzen Fotostopp von weitem eingelegt.

myvatn island

So schön! Da juckt’s mich in den Wanderstiefeln…

Parken und Eintritt

Island ist als Urlaubsland schweineteuer – aber Eintritt für geologische Sehenswürdigkeiten und Naturwunder muss man unserer Erfahrung nach nie zahlen. Auch in Dimmuborgir ist der Eintritt frei.

Ein großer Parkplatz ist ausgeschildert. Er ist ebenfalls gratis. Dort gibt es auch ein Café und eine kostenlose Toilette.

burgtor dimmuborgir island

Was aussieht wie das Burgtor und damit der Eingang zu Dimmuborgir, steht in Wirklichkeit ziemlich weit draußen. Vom Parkplatz habe ich leider kein Foto gemacht.

Dimmuborgir besichtigen

Das Lavafeld von Dimmuborgir ist rund vier Quadratkilometer groß. Übersetzt heißt das, man kann sich durchaus verlaufen, aber endlos ist es nun nicht. Bei einem Tagesausflug kann man sich alle Highlights gründlich ansehen.

Wir hatten bei unserem Besuch einheimische Führer (nämlich meine alte Brieffreundin Hildigunnur, die ganz in der Nähe aufgewachsen ist und zu dem Zeitpunkt mit ihrer Familie zufällig ihre Eltern besuchte; ich hatte sie in unserer Planungsphase angeschrieben, um sie nach Insider-Tipps rund um Akureyri zu fragen, heraus kam grandioserweise das persönliche Treffen). So haben wir uns von den Einheimischen leiten lassen, die uns meiner nachträglichen Recherche zufolge eine Kombination aus „church trail“ und „crooked trail“ gezeigt haben.

Dimmuborgir Wanderweg mit Höhle und Durchgang

Unsere kleine Reisegruppe bestand also aus sieben Personen – und viel mehr haben wir abseits der Mini-Runden auch nicht gesehen.

Eine Übersicht über alle Wanderwege gibt es auf einer großen Infotafel am Parkplatz. Im Reiseblog Moose around the World sind sie so gut beschrieben, dass ich hier darauf verzichte.

Wichtig ist jedenfalls, dass man als Besucher immer auf den Wegen bleibt. Das gehört sich einerseits schon aus Naturschutz. Auf dem zerklüfteten Untergrund ist Querfeldeinlaufen aber auch nicht ganz ungefährlich. Die Lavakruste bildet teilweise nur eine dünne Decke über Hohlräumen, in denen unbedachte Wanderer einbrechen könnten. Stolpert man auf dem unebenen Boden und fängt sich dann mit den Händen ab, schneidet man sich leicht an den scharfen Kanten. Gerade wenn man Dimmuborgir mit Kindern besichtigt, sollte man das im Blick haben. Wir haben bei unserem Besuch einen entsprechenden Unfall bei einem Kind beobachten müssen, das sich beim Klettern eine tiefe und stark blutende Verletzung eingehandelt hat.

gelände dimmuborgir

Schlechtes Handyfoto aus der Hüfte heraus geschossen, das aber die Unwegsamkeit des Geländes zeigt. In vielen dieser Spalten lagerten übrigens Anfang August noch Schneereste.

Was ist Dimmuborgir jetzt eigentlich?

Das mystisch anmutende Lavafeld ist erdgeschichtlich ein junger Hüpfer. Vor 2300 Jahren, also zu einer Zeit, als Alexander der Große die Perser besiegt und sich Griechen namens Plato und Aristoteles Gedanken über die Beschaffenheit der Welt machen, öffnete sich hier unter einem großen Sumpfgebiet der Zugang zu einem Vulkansystem.

Lava floss über feuchte Matschepampe. Das Wasser verdampfte, suchte sich einen Weg nach oben und bildete dabei Tunnel und „Schornsteine“. Um das Wasser herum härtete die Lava schneller aus und wurde mit dem austretenden Dampf teilweise mit emporgetragen. So entstanden die Türme der Dunklen Burg.

gelände dimmuborgir felsformation

Trollhaus am Wanderweg. Glaube ich.

Wo weniger Wasser im Spiel war und der Boden fortwährend Lava austreten ließ, blieb diese länger heiß und flüssig. Sie wälzte sich unter der oben an der kühleren Luft erhärtenden Oberfläche fort. So bildeten sich die Durchgänge und Höhlen.

Zurück blieb nach diesem Kampf zwischen Feuer und Wasser ein Schlachtfeld aus Stein. Allein dieser Fakt ist schon so poetisch! Kein Wunder, dass die Isländer später an das Wirken übermenschlicher Kräfte glaubten und Dimmuborgir als Heimstätte von Trollen und Elfen ansahen. Die ersten Menschen kamen übrigens erst im 9. Jahrhundert auf Island an, und zwar ganz in der Nähe in Husavik.

dimmuborgir kathedrale

Von Feuer und Wasser geformt.

Und was ist mit den Trollen?

Die Trolle müssen wohl nach der Aushärtung der Lavastadt eingezogen sein. Sich in ein gemachtes Nest zu setzen, sieht ihnen ähnlich. Aus den Augenwinkeln meint man sie immer mal wieder zu erahnen. Schaut man genau hin, ist es freilich doch nur ein Lavafelsen. Bestimmt aber duckt sich der echte Troll dahinter und lacht sich ins Fäustchen…

Durchstreift man Dimmuborgir mit Kindern, bietet die Umgebung jedenfalls massenweise Anreize zum Fantasieren und Geschichtenerzählen.

lavafelsen trolle

Suchbild: Wie viele Trolle haben sich hier wohl versteckt?

Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Dimmuborgir

Die Besichtigung des Lavafeldes lässt sich ganz prima verbinden mit der Besteigung des Hverfjall. Das ist ein ganz besonderer Krater aus losem Schotter, wie es weltweit nur wenige gibt. Von Dimmuborgir führt ein Wanderweg zum Aufstieg. Details darüber erzähle ich aber ein anderes Mal, denn der Hverfjall ist mir auf jeden Fall einen eigenen Blogbeitrag wert.

Wanderung von Dimmuborgir nach Hverfjall

Hier entlang führt ein schmaler Wanderweg hinüber zum Hverfjall (und ja, wenn man bedenkt, dass Silas hier auf einem ausgewiesenen Wanderweg klettert, dann ist das Opfer, diese nicht zu verlassen, ja wohl wirklich kein großes).

Sehr detaillierte Reiseberichte von seiner Island-Rundreise schreibt mein Kollege Andreas von Reisewut, der ein echter Island-Experte ist. Er war einmal ausgiebig im Herbst auf dem Diamond Circle unterwegs und hat sich in der Myvatn-Region so ziemlich alles angesehen. Und er hat Dimmuborgir im Winter besucht, was noch einmal einen ganz eigenen Zauber haben muss.

Nur zehn Minuten Fahrzeit von Dimmuborgir entfernt befindet sich die Mondlandschaft von Hverir. Über das beeindruckende Geothermalgebiet hat Marc von Phototraveler.ch geschrieben (auch mit realistischen Fotos inklusive Touristen – so wie es nun einmal aussieht, wenn man selbst als Tourist kommt und nicht um vier Uhr morgens auf der Matte steht, um grandiose Bilder ohne Menschen zu machen).

Eine knappe Stunde entfernt liegt das Dorf Husavik, das nicht nur den Ort des ersten Wikinger-Landgangs markiert, sondern auch als Hauptstadt der Walbeobachtung gilt. Wie diese Touren ablaufen und wie empfehlenswert sie sie findet, erzählt Mandy in ihrem Reiseblog Mandys Abenteuerwelt.

Eine besondere Erfahrung im Norden Islands ist ganz sicher auch ein Ausflug auf die Insel Grimsey, wo die niedlichen Papageientaucher brüten. Davon erzählt Kathrin von Travelinspired und zeigt wunderbare Fotos davon.

Zum Weiterlesen im family4travel-Blog

Folgende Erfahrungsberichte habe ich über unsere Tagesausflüge auf Island geschrieben:

Über die anderen Stationen unserer Nordland-Kreuzfahrt gibt es außerdem folgende Berichte:

Und wer zu Corona-Zeiten lieber erst einmal im eigenen Land bleiben möchte, findet bestimmt Inspiration in unseren mehr als 130 Reiseberichten aus Deutschland mit Kindern. Eine Übersicht, geordnet nach Bundesländern, gibt es hier: