Wintersportler-Paradies im Sommer (in Hovden, Norwegen)

Auf der Reise nach Norden machen wir in Hovden Station. Der Ort ist bei Wintersportlern beliebt. Im Sommer herrscht hier ziemlich tote Hose. Das umliegende Setesdal aber gilt als ausgesprochen sehenswert zu jeder Jahreszeit.

Fast den ganzen Tag hat es geregnet. Auf unserer Fahrt hielten wir einmal auf einem hübschen Parkplatz, wo man auf die Stromschnellen der Otra sehen konnte. Mittags aßen wir unsere mitgebrachten Brote in Bygdal auf einem Gräberfeld der Wikingerzeit, mit guter Aussicht auf die Grabhügel von König Hane und seiner heiligen Kuh. Die Ausblicke auf Felswände und Wasserfälle waren immer wieder phänomenal, aber es regnete so stark, dass ich mir gar nicht die Mühe machte, die Kamera rauszukriegen. Außerdem fuhr ich die meiste Zeit, damit Martin auch mal gucken konnte.

Den Kindern machte der Regen wenig aus - Pause muss sein, ein bisschen Bewegung auch - in Bygdal. (This kids never minded the rain, they just had to take some action after a long stay in the car.)
Den Kindern machte der Regen wenig aus – Pause muss sein, ein bisschen Bewegung auch – in Bygdal. (This kids never minded the rain, they just had to take some action after a long stay in the car.)

Am späten Nachmittag kamen wir in Hovden an. Zunächst inspizierten wir den Kiwi Mini Pris, einen Supermarkt, der preislich tatsächlich deutlich unter norwegischem Standard liegt – die Herzinfarktgefährdung an der Kasse ist wenigstens etwas geringer.

Hovden ist nicht groß und außerhalb der Wintersportsaison äußerst ruhig. Das Haugly gjesteheim hatten wir (wie alles) online gebucht und als Wegbeschreibung nur „zentral direkt neben der Shell-Tankstelle“ erhalten. Jene war leicht zu finden, aber nirgendwo war ein Gästehaus-Schild in Sicht. Direkt neben der Tankstelle befand sich nur ein einziges Haus. Ich klingelte, ohne Erfolg. Ich spähte durch die Fenster und fand, dass es schon ziemlich nach Gästehaus aussah. Also beschlossen wir, zunächst einen Bummel durchs Dorf zu machen und später wiederzukommen.

Der kleine Ort Hovden ist recht deutlich auf den Wintersport ausgerichtet. Die geschundenen Berghänge können ein Lied davon singen. (The place is clearly one for winter sports, as can easily be seen even in summer, when the slopes look pretty beaten.)
Der kleine Ort Hovden ist recht deutlich auf den Wintersport ausgerichtet. Die geschundenen Berghänge können ein Lied davon singen. (The place is clearly one for winter sports, as can easily be seen even in summer, when the slopes look pretty beaten.)

Das Dorf war schnell zu Ende, und wir schlenderten einen Waldweg entlang, den alle paar Meter Straßenlaternen säumten. Nach einer Weile ging uns auf, dass es sich hierbei um eine beleuchtete Langlaufloipe handeln musste. Die Berghänge um Hovden sind alle hässlich kahlgefressen von den Abfahrtpisten. Aber der Wald ist sehr hübsch.

Die Otra schlängelt sich durchs ganze Setesdal. (The river Otra runs all through Setesdalen.)
Die Otra schlängelt sich durchs ganze Setesdal. (The river Otra runs all through Setesdalen.)

Zurück am vermeintlichen Gästehaus war dieses immer noch zu. Ich schlich um das Gebäude herum und traf auf einen jungen Mann, der auf der Hintertreppe rauchte und telefonierte. In meinem besten Norwegisch (was freilich nicht viel heißt) fragte ich ihn, ob es sich hier um das Haugly gjesteheim handele. Er bejahte das einsilbig und verschwand. Ratlos ging ich zurück und bemerkte, dass er wohl inzwischen die Haustür geöffnet hatte. Also marschierten wir mal alle hinein. Auch dort fehlte allerdings von dem Mann jede Spur. Erst etwa zehn Minuten später tauchte er wieder auf, und es stellte sich heraus, dass er ebenfalls bloß ein – rumänischer – Gast war. Wenn man nicht Norwegisch mit ihm spricht, kann man sich auch sehr nett mit ihm unterhalten. :) Er kontaktierte die Wirtin für uns, und so kamen wir schließlich doch ordnungsgemäß zu unserem Zimmer. Die Frau Lidtveit ist sehr nett und spricht konsequent Norwegisch mit mir, extra langsam (auch meine E-Mails hab ich immer auf Norwegisch zu schreiben versucht, was sie sehr zu freuen schien). Ich verstehe fast alles und kann erstaunlich viel sagen, sogar nach der Waschmaschine fragen (die es leider nicht gibt). Das Haus ist trotz des verdächtig niedrigen Preises sehr hübsch, sauber und gut ausgestattet. Viel Holz, ein großzügiges Zimmer mit zwei Doppelstockbetten. Das Klo ist übern Flur, wie wir es gewohnt sind, die Duschen im Keller, aber vollkommen in Ordnung. Es gibt sieben Zimmer, laut Beschreibung mit insgesamt 21 Betten. Der Typ, der uns reingelassen hat, und seine kleine Tochter sind die einzigen anderen Gäste.

Das Haugly gjestehus, unsere durchaus wunderbare Unterkunft in Hovden. (Our really okay guesthouse there, nice 4-bedded rooms with bunk-beds, not en-suite but clean and cosy and very low-cost.)
Das Haugly gjestehus, unsere durchaus wunderbare Unterkunft in Hovden. (Our really okay guesthouse there, nice 4-bedded rooms with bunk-beds, not en-suite but clean and cosy and very low-cost.)

Janis und ich waren noch mal im Kiwi und haben für 108 Kronen (ungefähr 12 Euro) alle Zutaten für unser Abendbrot bekommen: Kartoffeln, Brokkoli, Blumenkohl, Hackfleisch (kjøttdeig) und Eis zum Nachtisch. Frisches Gemüse kostet hier ziemlich genau halb so viel wie TK-Ware, mit der ich zu Hause meistens koche. Janis hat ganz toll beim Tischdecken geholfen, und wir haben schön zusammen gegessen.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 28. August 2009 verfasst.

Leider ist das Haugly gjesteheim offenbar mittlerweile geschlossen.

2 Gedanken zu „Wintersportler-Paradies im Sommer (in Hovden, Norwegen)“

    1. In den Bergen haben wir Ende August noch einzelne Schneefelder gesehen. Es ist halt schon ziemlich weit nördlich und ziemlich weit oben.

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