Labyrinthe sind für die meisten Kinder faszinierend. Die Wonne besteht darin, sich in den verwirrenden Gängen zu verirren und sich schließlich doch zurechtzufinden. Die Herausforderung zu meistern. Erwachsene durchschauen ein Labyrinth hingegen meist schnell oder sind sowieso zu groß und können über die kümmerlichen Hecken hinwegblicken. Im Labyrinth-Park im dänischen Kalvehave auf der Insel Seeland (Sjælland) ist das anders. Hier kann wirklich die ganze Familie das Verlorengehen und Wiederfinden zelebrieren – und das auch noch auf völlig unterschiedliche Weisen.

Wir haben den Labyrinth-Park in den Herbstferien 2019 besucht, als wir eine Woche auf der Insel Møn verbracht haben. Das Ausflugsziel befindet sich im äußersten Südosten Seelands, der größten dänischen Insel (auf der auch Kopenhagen liegt). Die kleine Stadt Kalvehave ist von der Mitte der beliebten Ferieninsel Møn aus nur rund 20 Minuten entfernt. Bis Kopenhagen sind es gut hundert Kilometer.

Familiäres Familien-Ausflugsziel

Im ersten Moment dachte ich, der Labyrinth-Park wäre so ein Retortending, wo irgendwas in die Landschaft gezimmert und dann bei Touristen nach Kräften abkassiert wird. Tatsächlich aber regiert hier eher Understatement. Der Park ist ein kleiner Familienbetrieb, bei dem der Chef selbst die Besucher begrüßt. Bestellt jemand ein Panini, geht er rüber in die Küche, während seine Tochter die Kasse übernimmt.

Draußen vor der Tür liegt ein Gelände in der Größenordnung mehrerer Fußballfelder. Hier „wachsen“ die Labyrinthe, die Carsten Nøhr Larsen und seine Familie mit viel Leidenschaft über Jahre hinweg angelegt haben. Hauptattraktion ist das große Efeu-Labyrinth. Weitere, teils sehr ungewöhnliche Labyrinthformen gilt es darüber hinaus zu erkunden. Jede Menge Spielmöglichkeiten erhöhen die Verweildauer (und den Spaß!) und machen aus dem möglichen Programmpunkt für den Familienurlaub einen vollwertigen Tagesausflug.

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Auf die Plätze, fertig, los!

Das große Efeu-Labyrinth

Eigentlich sind es ja nur ein paar begrünte Bretter. Aber sie sind so geschickt angeordnet, dass man sich wirklich nicht ohne weiteres zurechtfindet. Je nach Orientierungssinn sollte man für das große Labyrinth allein schon eine Stunde Zeit einplanen. Wir laufen blauäugig drauf los, trennen uns ohne nachzudenken auf, um erst diese, dann jene Abzweigung zu erkunden – und sind nach wenigen Minuten alle verloren. Wer Panik bekommt, könnte immer noch auf Händen und Knien unterhalb der Bretterwände ins Freie kriechen, oder rüber zu Mama oder Papa. Wer das Rätsel des Labyrinths anständig lösen möchte, ist hingegen eine gute Weile beschäftigt.

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Sehr cool: Wie der Name schon sagt, bietet der Labyrinth-Park mehrere echte Labyrinthe, in denen die Orientierung ernsthaft herausgefordert wird. Das ist aber längst nicht alles…

Es gilt, die in verschiedenen Sackgassen versteckten Buchstaben zu finden und mit den dort stationierten Lochzangen die Eintrittskarte abzustempeln. Wer alle Lochstempel vorweisen kann, erhält ein Diplom.

Martin und ich arbeiten mit der Methode, die wir bei Sherlock Holmes gelernt haben: immer eine Hand an der Wand und jede einzelne Abzweigung auf diese Weise ablaufen. So findet man aus jedem Labyrinth heraus. Aber man gelangt nicht notwendigerweise an jeden Ort im Inneren. Janis, der aufs Geratewohl und in seinem üblichen Schlenderschritt durch die Gänge schlurft, ist von uns Vieren nachher der einzige, der sein Labyrinth-Diplom entgegennehmen darf.

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Das letzte, was ich für eine ganze Weile von Silas sehe…

Auf meine Frage, wie denn die allgemeine Erfolgsquote der Besucher sei, sagt der Chef schmunzelnd: „Das schaffen schon die meisten…“

Noch mehr Labyrinthe!

Neben der Hauptattraktion gibt es weitere Labyrinthe. Ein klassisches aus Buchenhecken ist da, nach historischem Vorbild aus dem 18. Jahrhundert. Ein Zen-Labyrinth, dessen Spiralgänge nur durch auf dem Boden liegende Steine begrenzt werden. Und witzige Varianten, die den Begriff neu interpretieren und zum Spielen einladen. Beim Kompass-Labyrinth zum Beispiel schicken uns unscheinbare Pfeile quer über das Gelände auf die Suche nach bestimmten Origami-Figuren.

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Auch ein Labyrinth?

Wir haben besonders viel Spaß mit dem Einbahnstraßen-Labyrinth, in dem wir die Rolle von Taxifahrern übernehmen, die zwischen beschilderten Institutionen wie Flughafen, Post und Rathaus hin und her wechseln müssen. Die Luftlinie ist kurz und frei – aber auf dem Boden zeigen Pfeile die einzige erlaubte Richtung an, und die wechselt an beinahe jeder Straßenecke.

Fake-Views

Den Labyrinth-Park gibt es seit 2006. Um vor allem einheimische Besucher immer mal wieder herzulocken, lassen sich Dorthe und Carsten Nøhr Larsen alle paar Jahre etwas Neues einfallen. Ganz frisch sind daher die „Fake Views“, die mit Perspektiven und dem Gelände spielen.

Wenn wir Kamera, Handy oder einfach unsere Augen zu einem bestimmten Punkt bewegen, sieht es so aus, als agierten unsere Lieben in einem völlig anderen Kontext. So leisten sich Martin und Silas ein dramatisches Gerangel an einem Schornstein hängend. Janis trägt Mutter, Bruder und Schwester auf der Handfläche. Und beide Jungs lehnen lässig am Zaun, allerdings in komplett unterschiedlichen Größenordnungen.

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Ganz ohne Photoshop…

„Brettspiele“

Größenordnung ist auch das richtige Stichwort für die „Brettspiele“, die der Park außerdem bietet. Klassiker wie Schach und Mühle in Überlebensgröße hat vielleicht jeder schon einmal gesehen. In Kalvehave gibt es noch viel mehr solcher Spiele für eine oder zwei Personen auf einzelnen Holzplattformen. Tic-Tac-Toe zum Beispiel, Origami, Käsekästchen. Auch das Knobelspiel „Rush Hour“*, das wir zu Hause jeder einzeln schon durchgespielt haben (und das sich, nebenbei bemerkt, auch hervorragend als Reisespiel für Einzelkinder eignet), ist hier zu unserer Freude in der Mega-Version präsent.

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Ziel: Das rote Auto vom Parkplatz fahren lassen, obwohl keiner Kurven fahren kann.

Allein mit dieser Spielesammlung könnten wir mehrere Stunden verbringen.

Essen, Trinken und Co.

Überall auf dem Gelände befinden sich Picknicktische. Mitgebrachtes Essen zu konsumieren, ist (wie eigentlich überall in Dänemark) vollkommen okay.

Wer nichts vorbereitet hat, wird im Labyrinth-Park trotzdem satt. Im Kassengebäude kann man diverse warme und kalte Snacks bestellen und drinnen oder auf der schön angelegten Sonnenterrasse verzehren. Wir sind am letzten Öffnungstag der Saison da, als das Sortiment schon sehr eingeschränkt ist. Trotzdem bekommen wir sehr leckere, frisch zubereitete Paninis und hinterher ein leckeres Eis.

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Im Bistro direkt im Kassenhaus gibt es frisch zubereitete Snacks – und weitere Knobeleien.

Im rustikalen, aber schön zurechtgemachten Innenbereich lässt sich auch die eine oder andere Regenhusche gut aussitzen. An kalten Tagen wird der Holzofen angeheizt. Kleine Knobel- und Geduldspiele vertreiben die Wartezeit. (An ausgemachten Regentagen ist der Besuch des Labyrinth-Parks aber eher nicht zu empfehlen, denn überdacht ist außer dem Kassenhaus nichts.)

Alter der Kinder und Kinderwagentauglichkeit

In meinen Augen ist der Labyrinth-Park in Kalvehave etwas für Familien mit Kindern in allen Altersklassen. Für das große Labyrinth ist allerdings schon einiges Durchhaltevermögen gefragt, und mit den meisten „Brettspielen“ können die ganz Kleinen höchstens zweckentfremdet spielen. Kleine Geschwister werden sich trotzdem gut beschäftigen können. So richtig lohnt sich der Besuch meiner Einschätzung nach aber vor allem für Familien mit Kindern ab dem Schulalter.

Babys hingegen sind überhaupt kein Problem. Das große Efeu-Labyrinth ist kinderwagentauglich, ebenso das historische Labyrinth (wir haben das getestet). Im Kassenhaus gibt es einen Wickeltisch.

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Ein Kinderwagen ist kein Hindernis im Labyrinth-Park.

Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Ausflugsziele aller Art sind in Dänemark nicht billig (es sei denn, man bleibt draußen in der Natur, das ist auch wunderbar und kostet gar nichts). Wie viele organisierte Unternehmungen man in seinen Urlaub einbaut, sollte man sich als Familie also besser im Vorfeld überlegen. Auf Wucherpreise zu schimpfen, nützt nichts: Der Labyrinth-Park ist im Vergleich mit anderen familienfreundlichen Ausflugszielen in Dänemark völlig im Rahmen.

Erwachsene zahlen 100 Kronen, was aktuell etwa 13,40 Euro entspricht. Für Kinder von drei bis zwölf Jahren sind 70 Kronen (rund 9,40 Euro) zu berappen. Kleinkinder haben freien Eintritt.

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Ein Labyrinth braucht nicht unbedingt hohe Mauern.

Von Anfang Mai bis Ende Juni ist der Labyrinth-Park montags und dienstags geschlossen, mittwochs bis freitags von 11 bis 16 Uhr geöffnet, am Wochenende in jede Richtung eine Stunde länger. Im Juli und August ist dann täglich geöffnet, während der dänischen Sommerferien von 10 bis 18 Uhr, danach nur noch bis 16 Uhr. Dann ist bis zu den Herbstferien geschlossen. Während jener öffnet der Park eine Woche lang (üblicherweise die zweite Oktoberwoche) noch einmal täglich von 10 bis 17 Uhr.

Alles ist natürlich auch auf der Webseite des Parks zu finden (nur das Wichtigste auf Deutsch).

Ist Kalvehave sehenswert?

Der Ort Kalvehave ist eine Samtgemeinde (dänisch Sogn) und besitzt gut 2000 Einwohner, die sich auf mehrere Dörfer verteilen. Abgesehen vom Labyrinth-Park gibt es offenbar keine echten Sehenswürdigkeiten. Dort keinen Stopp einzulegen, ist aus meiner Sicht also absolut verzeihlich.

Wir haben einen kurzen Spaziergang durch den Hafen gemacht, der etwas abseits des Hauptorts Gammel Kalvehave direkt an der Brücke zur Insel Møn liegt. Von dort hat man einen guten Blick auf besagte Brücke, die als eine der schönsten des Landes gilt.

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Fischerboote und Freizeityachten im Hafen von Kalvehave, mit Blick auf die hochgelobte Brücke.

Ein paar romantische Fischerboote gibt es noch, und auf der anderen Seite einen guten Ausblick auf die winzige Insel Lindholm. Die machte jüngst von sich reden, weil die nationalpopulistische dänische Regierung dort Asylbewerber kasernieren will. Im Moment befindet sich auf Lindholm eine Tierkörperbeseitigungsanlage, in der bis vor Kurzem Kadaver mit ansteckenden Krankheiten verbrannt wurden. Von Normalsterblichen darf die Insel daher nicht betreten werden.

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Am Horizont liegt das winzige Eiland Lindholm, dahinter schon Møn.

Im Hafen beginnt ein schmaler Fußweg am Meer entlang. Offenbar  handelt es sich um einen Familienwanderweg mit (dänischen) Infotafeln über die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Er führt zum gut fünf Kilometer entfernten Balle Strand. Der bietet jedoch trotz seines Namens keinen Sandstrand, sondern nur einen weiteren, winzigen Hafen und einen schönen Picknickplatz. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir zumindest eine kleine Runde durch den Küstenwald gedreht.

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Dänemark, das bedeutet für mich von jeher Dünen, Wolken, Strand und Meer.

Transparenz-Hinweis: Als Bloggern mit Berichterstattungsabsicht hat uns Visit Denmark dankenswerterweise freien Eintritt im Kalvehave Labyrinth Park vermittelt. Unsere Meinung hat dieser Fakt nicht beeinflusst.