Blogparade: Martins Reisen als DDR-Kind

Für meine Blogparade zum Thema „Meine Reisen als Kind“ hoffe ich nicht nur auf zahlreiche teilnehmende Blogger, ich hab auch gleich meine ganze Familie motiviert (was besser klingt als zwangsverpflichtet ;) ), in ihren ältesten Reiseerinnerungen zu kramen. Heute ist Martin dran, der Papa der Jungs, der als Haupt-Sponsor eigentlich das allerwichtigste Mitglied unserer Reisegruppe ist.

Martin beim Wandern in der Hohen Tatra (mit Janis, der etwas unglücklich schaut, weil er sich eine Blase gelaufen hat). Da ich gerade mit den Jungs alleine an der Ostsee bin und hier nur die aktuellen Fotos aus den Sommerferien habe, ist meine Auswahl leider begrenzt, zumal in der Slowakei das Wetter so bombig war, dass der Herr kaum mal ohne Sonnenbrille im Bild ist.
Martin beim Wandern in der Hohen Tatra (mit Janis, der etwas unglücklich schaut, weil er sich eine Blase gelaufen hat). Da ich gerade mit den Jungs alleine an der Ostsee bin und hier nur die aktuellen Fotos aus den Sommerferien habe, ist meine Auswahl leider begrenzt, zumal in der Slowakei das Wetter so bombig war, dass der Herr kaum mal ohne Sonnenbrille im Bild ist.
Kurz zur Einführung: Du bist Jahrgang 1981 und in Pößneck bei Jena geboren. Du bist also in der DDR aufgewachsen. Gab es in dieser Zeit Reisen bei euch?

Als ich drei war, waren wir in Binz auf Rügen. Und das war’s zu DDR-Zeiten. Meine Eltern haben ein Haus gebaut, von 1986 bis 1990. Da war dann einfach kein Urlaub drin, sowohl aus Geld- als auch aus Zeit-Gründen.

Beim Mauerfall warst du acht Jahre alt. Die Reisefreiheit war eines der ganz großen Themen, bei denen sich das für den Einzelnen bemerkbar gemacht hat. Hast du das als Kind wahrgenommen?

Nö. In meinem direkten Umfeld war das nirgendwo ein Thema. Nicht direkt nach der Wende. Später in den 90ern habe ich das schon wahrgenommen. Da ging es dann viel um die typischen Reiseziele: Teneriffa, Mallorca und so. Aber in meinem direkten Umfeld gab es irgendwie keine Reiselustigen.

Was hat sich für euch als Familie verändert in Sachen Reisen?

Für uns hat sich nichts geändert.

Aber ihr seid doch schon auch mal in den Westen gefahren.

Das schon. Wir wohnten ja nicht weit von der Bayrischen Grenze, also sind wir direkt nach der Wende mal rüber gefahren, zum Aldi, und haben Milchschnitte gekauft. Halt all das, was wir im Westfernsehen in der Werbung gesehen haben. Von der Milchschnitte war ich total enttäuscht. Ich hatte Knäckebrot erwartet, und dann war das total labberig.

Und einmal haben wir noch ein Wochenende lang unsere Westverwandtschaft besucht, meine Großtante in Fürth. Da haben wir unser Begrüßungsgeld abgeholt. Wir mussten in drei verschiedene Banken, weil die Franken nicht erwartet hatten, dass sich die Ossis so weit vorwagen, und dort niemand wusste, wie man das abwickelt.

Das erste Mal ins Ausland, daran kannst du dich noch gut erinnern. Erzähl mal!

Das erste Mal kann man eigentlich gar nicht zählen. Das war 1990, als ich mit meiner Oma und meinem Opa eine Woche lang in Rostock Urlaub gemacht habe. Einen Tag sind wir mit der Fähre von Rostock nach Gedser in Dänemark gefahren. Dort sind wir dann einmal die Hauptstraße hoch und wieder runter spaziert und mit dem gleichen Schiff wieder zurück gefahren. Eigentlich war das bloß ein Bootsausflug.

Ihr ward doch aber auch mal in Polen, oder?

In den 90ern waren wir einmal in Wandlitz bei Berlin, wo die Bonzensiedlung gewesen war. Da hatten wir eine Hütte auf einem Campingplatz. Dort haben wir eine polnische Familie aus der Nachbarhütte kennengelernt, und die haben uns dann zu sich nach Hause eingeladen. Da waren wir ein Jahr später also Couchsurfen, sozusagen. Das war meine erste echte Auslandsreise. In der Plattenbauwohnung, das war witzig. Für mich als Kind war das cool, denn der Sohn der Familie hatte einen Computer, und da durfte ich „Prince of Persia“ spielen. An Gorzow, die Stadt, kann ich mich nur noch ein bisschen erinnern. Es war ziemlich hässlich, etwa so wie Gera. Grau. Was wir alles so gemacht haben, weiß ich nicht mehr. Mir war es wichtiger, wieder zu dem Computer zurück zu kommen.

Gab es sonst noch Reisen in deiner Kindheit?

In den 90ern waren wir noch zwei oder drei Mal eine Woche in Trassenheide auf Usedom. So wahnsinnig viel haben wir da nicht gemacht. Hin und wieder haben wir einen Ausflug gemacht, ansonsten waren wir viel am Strand. Das war alles low budget bei uns, nie im Restaurant, höchstens mal ein Eis auf die Hand. Und einmal waren wir auch noch auf Rügen, auf dem etwas abgelegenen Zipfel, Möchgut, wo wir auch jetzt im Frühjahr Wandern waren.

Familienurlaub an der Ostsee in den 90ern, und klein Martin mitten drin.
Familienurlaub an der Ostsee in den 90ern, und klein Martin mitten drin.
Du warst doch auch mal im Ferienlager, bist also quasi ohne deine Eltern verreist.

Furchtbar! Kurz nach der Wende muss das gewesen sein, in Neuruppin bei Berlin. Das war total langweilig. Es gab nur Fußball oder Tischtennis als Aktivität, so Ringelpiez mit Anfassen. Und ich bin mit den fremden Kindern irgendwie nicht warm geworden. Es gab keine Schnittmenge, weil ich Fußball nicht mochte. Meine Schwester war zwar mit, aber die war ja vier Jahre älter und hatte natürlich keine Lust, sich mit ihrem kleinen Bruder abzugeben. Ich habe mich furchtbar gelangweilt und die Tage gezählt, bis es vorbei war. Ich glaube, das waren drei Wochen. Für Kinder, die da gut reinpassen, ist das sicherlich was.

Welchen Stellenwert hatte Verreisen für dich als Kind?

Da habe ich nie drüber nachgedacht. War halt Urlaub, macht man halt. War schon ganz nett, denke ich. Wasser, planschen, buddeln, da hab ich mich schon drauf gefreut, glaube ich. Jedenfalls kann ich mich nicht negativ daran erinnern.

Mit 3 war Martin mit seinen Eltern und seiner großen Schwester in Binz auf Rügen.
Mit 3 war Martin mit seinen Eltern und seiner großen Schwester in Binz auf Rügen.

 

Wie ist das passiert, dass aus dir so ein Reisefan geworden ist?

Hm. Wir haben es einfach mal gemacht. Unsere ersten Reisen waren ja unsere beiden Touren nach Großbritannien und nach Schweden, als wir uns kennen gelernt hatten. Und das hat ja ganz gut funktioniert und Spaß gemacht. Pauschal Ringelpiez mit Anfassen ist ja nicht mein Ding, die Erwachsenenversion des Ferienlagers, da könntest du mich heute noch mit jagen. Da setze ich mich lieber in den Garten.

Ist das eine bewusste Entscheidung von dir, mit deinen eigenen Kinder anders zu reisen als du es damals erlebt hast?

Dass sie nicht ins Ferienlager müssen, das ist mir schon wichtig. Wobei ich auch dazu sagen muss, dass meine Eltern mich kein zweites Mal geschickt haben. Ansonsten steht das für mich in keinem Verhältnis, das hat für mich keinen Vergangenheitsbezug. Ich mach das einfach so, wie ich es für richtig halte. Ich reise gerne und nehme die Kinder eben mit.

Glücklich auf Reisen, hier in Belgrad, Serbien: Martin mit Silas 2014.
Glücklich auf Reisen, hier in Belgrad, Serbien: Martin mit Silas 2014.

Wer selbst auch ein paar Kindheitserinnerungen in Sachen Reisen beisteuern möchte, findet hier den Aufruf zur Blogparade sowie alle bisher eingegangenen Texte zum Thema. Die Aktion läuft noch bis zum 1. September 2016.

2 Gedanken zu „Blogparade: Martins Reisen als DDR-Kind“

  1. Spannend, wie unterschiedlich das jeder von euch erlebt hat. Aber weißt du, was mich am meisten überrascht hat? Mit Baujahr 1981 ist Martin jünger als ich! Bei den ganzen Reisen, die ihr schon gemacht habt, dachte ich, ihr müsst schon lange zusammen reisen und deshalb etwas älter… Liebe Grüße! Nina

    1. Wir haben früh angefangen. ;) Als wir uns kennengelernt haben, war ich 17 und er fast 19. Seit dem Abi sind wir dann jedes Jahr drei Wochen gereist, mit Ausnahme von 2004 bis 2006, weil da die Kinder geboren wurden und wir noch glaubten, mit Babys könne man nicht verreisen. Und 2011 ist auch ausgefallen, weil unser Haus eine riesige Baustelle war. Dafür hatten wir dann 2014/15 die ganzen elf Monate Reisezeit.

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