DFDS Schottland Fähre Amsterdam Newcastle

Mit der Fähre nach Schottland: Erfahrungen mit DFDS Amsterdam Newcastle

Es gibt viele gute Gründe, mit dem eigenen Auto nach Schottland zu fahren statt zu fliegen: Es ist viel besser für die Umwelt (ja, trotz Schwerölfeuerung), man kann so viel mehr Gepäck mitnehmen, und auch den Hund, wenn man einen hat. Und wenn man die Fähre von Amsterdam nach Newcastle nimmt, verliert man gar nicht mal so viel Zeit, denn über Nacht kommt man dem Traumziel Schottland so nahe, wie es mit Auto und Schiff nur geht.

Die Strecke Amsterdam-Newcastle bedient DFDS mit den beiden großen Fähren King Seaways und Princess Seaways. Täglich verlässt eine der beiden Amsterdams Hafenstädtchen IJmuiden (sprich: „EiMÖden“), um über Nacht nach Norden zu schippern. Die Fähre legt jeweils in beide Richtungen am späten Nachmittag ab und kommt am frühen Vormittag an ihrem Ziel an.

Inhaltsverzeichnis

  • Kann man überhaupt mit der Fähre nach Schottland fahren?
  • Lieber Amsterdam-Newcastle oder lieber Calais-Dover?
  • Wie lange vorher sollte man buchen, und was kostet die Überfahrt?
  • IJmuiden-Amsterdam als Abfahrtshafen
  • Wie ist das mit der Verladung auf der Autofähre?
  • Wie ist das Richtung Schottland mit dem Seegang?
  • Welche Kabine wählt man am besten – mit Kindern?
  • Was sollte man alles mit in die Kabine nehmen?
  • Wie vertreibt man sich die Zeit an Bord?
  • Was gibt es auf der DFDS-Fähre speziell für Kinder?
  • Wie sieht es mit der Verpflegung auf der Fähre aus?
  • Wie sicher ist es auf der Fähre?
  • Wo ist der Haken?
  • Passkontrolle: Zeitplanung für den Ankunftstag
  • DFDS-Fähre mit Hund
  • Unser Fazit zur „Schottland-Fähre“
  • Transparenzhinweis

Kann man überhaupt mit der Fähre nach Schottland fahren?

Wer „Fähre nach Schottland“ oder „Schottland-Fähre“ googelt, muss schnell enttäuscht feststellen: Ganz nach Schottland kommt man mit dem Schiff überhaupt nicht. Kein Anbieter fährt näher als bis Newcastle an den nördlichsten Teil Großbritanniens heran. Bis zur schottischen Grenze sind es von dort eineinhalb Stunden Fahrtzeit, von Newcastle bis Edinburgh sind es immer noch knapp zweieinhalb Stunden Autofahrt.

King Seaways DFDS, Fähre nach Schottland
Die King Seaways – zumindest ein Teil davon.

Lieber Amsterdam-Newcastle oder lieber Calais-Dover?

Tja, was ist besser? Über Nacht per Fähre von den Niederlanden bis in den äußersten Norden Englands, oder lieber mit dem Auto bis nach Frankreich, nur das Nötigste mit dem Schiff und dann acht Stunden lang quer durch England? Das ist natürlich Geschmackssache. Wir haben beides schon gemacht, und auch die Roadtrip-Variante hat einiges für sich. Schließlich hat auch England schöne Ecken, die gerade im Vergleich mit Schottland spannend sind. Auf der Strecke liegen London und der wunderschöne Peak District. Wer eine zusätzliche Woche entbehren kann, sollte sich den Spaß ruhig mal gönnen.

Wer nur nach Schottland will, fährt meiner Meinung nach mit der „großen Fähre“ mit dem PKW auf jeden Fall günstiger, und vor allem bequemer und stressfreier. Im Einzelfall einfach mal zusätzliche Spritkosten und die in jedem Fall nötige Zwischenübernachtung gegenrechnen. Wer von Dover bis Edinburgh in eins durchbrettern will, braucht dafür laut Google Maps achteinhalb Stunden (wenn er bei London über die kostenpflichtige Maut-Brücke fährt, sonst noch eine halbe Stunde länger).

Die Fährgesellschaft P&O bietet auch noch die Strecke von Rotterdam beziehungsweise Zeebrugge nach Hull an. Hull liegt ein gutes Stück südlicher, von dort aus sind es noch knapp fünf Stunden Fahrzeit bis Edinburgh. In meinen Augen ist das nichts Halbes und nichts Ganzes, aber vielleicht lohnt es sich für den einen oder anderen doch, Preise und persönliches Kosten-Nutzen-Verhältnis durchzurechnen.

Schottland Fähre DFDS
Fahren lassen statt fahren: In unseren Augen eine gute Idee.

Wie lange vorher sollte man buchen, und was kostet die Überfahrt?

Wie überall gilt: Je früher desto günstiger. Allerdings sind Buchungen für die Sommersaison erst ab dem Jahreswechsel möglich.

Wer jetzt aktuell noch eine Fähr-Überfahrt für die Sommerferien buchen will, schlägt lang hin, denn dann ist man für eine vierköpfige Familie in der Innenkabine mit PKW mit gut 1200 Euro dabei (wenn man überhaupt eine Überfahrt findet, die noch nicht ausgebucht ist, und was anderes als Innenkabinen gab es auch nicht mehr, als ich das spaßeshalber grad mal ausprobiert habe). Andererseits: Rechnet da mal Flüge für vier Personen mit derselben Vorlaufzeit gegen, da seid ihr schon ohne Mietwagen locker drüber – ganz abgesehen vom CO2-Fußabdruck.

Anfang Januar wäre unsere letzte Fähr-Überfahrt im Mai/Juni – meine ich – für 720 Euro zu haben gewesen. Leider habe ich es mir nicht aufgeschrieben, und DFDS mag sich „aufgrund unseres dynamischen Preissystems“ nicht auf einen Mindestpreis festnageln lassen, weil nicht nur Faktoren wie der Wochentag eine Rolle spielen, sondern auch die Auto-Maße, und der Preis somit eine sehr individuelle Angelegenheit wird.

Schottland Fähre DFDS
Und natürlich kommt es auf die Art der Kabine an. Manchmal kriegt man zum Beispiel nur noch eine 5-Bett-Kabine, obwohl man zu viert ist.

IJmuiden-Amsterdam als Abfahrtshafen

Die Fähren gen Schottland fahren täglich am späten Nachmittag ab. Der Check-in schließt um 16 Uhr. Für uns bedeutet das, dass wir noch einen halben Tag in Holland haben, wenn wir gleich nach dem Frühstück zu Hause losfahren. Das lohnt sich, denn nur zehn Minuten Fahrzeit vom Fährterminal entfernt befindet sich der Strand von IJmuiden, quasi der Stadtstrand von Amsterdam. Er ist superbreit, so dass sich jeder Andrang gut verläuft, und bietet auch einige richtig schöne Strand-Cafés (unser Favorit: das Beach Inn ein Stück westlich der Hafenmole).

Natürlich wäre vorher auch ein Städtetrip in Amsterdam möglich. Das haben wir bisher nie gemacht, weil wir dem Großstadtverkehr nicht trauen. Trotz Navi ist das ein ganz schönes Autobahn-Gewirr allein schon um Amsterdam rum bis IJmuiden.

In IJmuiden selbst ist der Fährhafen von der Abfahrt aus ausgeschildert und leicht zu finden.

IJmuiden Strand, 10 Minuten Fahrt bis zum DFDS Fährterminal
Na gut, das Wetter hätte besser sein können. Aber die Jungs hatten trotzdem Spaß am Strand von IJmuiden.

Wie ist das mit der Verladung auf der Autofähre?

Wie auf jeder Autofähre gilt: Hier wird eng gepackt. Die meisten PKWs werden aufs Zwischendeck geladen, welches nachträglich quasi „unter die Decke gezogen“ wird. Vorher quetschen sich die anderen Autofahrer durch die sehr schmalen Durchlässe gen Ausgang. Autobesitzer, für die ein kleiner Kratzer im Lack eine persönliche Katastrophe darstellt, sind hier vermutlich akut herzinfarktgefährdet.

Bei unserem europaweit er-fahrenen blauen Esel lässt sich das nie so mit Gewissheit sagen, aber wir sind bei DFDS bisher noch immer kratzerlos davongekommen (glaube ich). Man gibt sich auch Mühe, polstert Ecken und Kanten mit Schaumstoff ab. Wenn, dann sind es die anderen Leute, die Probleme machen. Es ist bei jeder Fährfahrt immer ein bisschen Glückssache.

Das Rangieren habe auch ich als Fahrer nicht als problematisch empfunden. Die Einweiser machen einen ganz guten Job.

Autodeck, Fähre nach Schottland, King Seaways DFDS
Hier lang geht es zu den Kabinen.

Wie ist das Richtung Schottland mit dem Seegang?

Ich bin die Strecke zwischen Amsterdam und Newcastle jetzt je ein Mal im Mai, Juni, Juli und August gefahren. Und jedes einzelne Mal hatten wir spiegelglatte See. Windstärke 4 bis 5 war das äußerste der Gefühle, und da hat man überhaupt nichts gemerkt.

Klar, die Nordsee kann auch anders. Aber zumindest die King Seaways hat Stabilisatoren wie ein Kreuzfahrtschiff. Und zur Not hängen überall Kotztüten. ;)

Schottland Fähre DFDS Amsterdam-Newcastle
Spiegelglatte See.

Welche Kabine wählt man am besten – mit Kindern?

Als sie schon gereinigt wurde, habe ich im Vorbeigehen mal in so eine Captain’s Suite reingeillert – wenn Geld keine Rolle spielt, sieht die natürlich schon verlockender aus. :)

Im allgemein erschwinglichen Bereich für Familien stellt sich die Frage aber wohl eher, ob man sich für eine Innen- oder Außenkabine entscheidet. Wir hatten beides schon, und ja, es macht einen Unterschied. Bei echtem Tageslicht in der Kabine hat man schon ein anderes Gefühl als in der Schließfach-Atmosphäre einer Innenkabine.

Fähre Innenkabine Sizilien Neapel
Ich musste länger nach einem halbwegs präsentablen Innenkabinen-Foto suchen. Das hier stammt NICHT von der „Schottland-Fähre“, sondern von der Strecke Sizilien-Neapel. Aber ich denke, es zeigt den Schrank-Charakter von Innenkabinen ganz gut. Trotzdem: Auf eigene Kosten buchen wir immer Innenkabinen.

Allerdings lassen sich die Fenster auch in einer Außenkabine nicht öffnen. Oft hängen die Rettungsboote so im Sichtfeld, dass man vom Meer gar nichts sieht. Und je nach Lage laufen manchmal direkt vor dem Fenster andere Passagiere rum. Solange man das Licht nicht einschaltet, können die nicht reingucken (es sei denn, sie drücken ihre Nasen ans Fenster, was zumindest bei Kindern mehrmals passiert ist).

Den absoluten Joker hatten wir bei unserer letzten Fährüberfahrt mit Kabine 6104 auf der Princess Seaways. Die befindet sich ganz vorne mit Bug-Blick. Whale-Watching vom Bett aus, ziemlich grandios (vor allem, wenn man dann auch noch erfolgreich ist – es war definitiv eine Flosse, auch wenn ich nicht schnell genug war, ein Beweisfoto zu schießen).

Schottland Fähre Amsterdam Newcastle
Das war mein Ausblick aus meiner Koje (da noch im Hafen von Newcastle und ohne Wal).

Was sollte man alles mit in die Kabine nehmen?

Wie gesagt, auf dem Autodeck wird eng gepackt. Manchmal geht die Kofferraumklappe nicht mehr auf, weil das Auto dahinter so nah rangewunken wurde. Spätestens in der Warteschlange vor der Fähre sollte man sein Handgepäck so parat legen, dass man an Bord nur noch mit der Tasche in der Hand aussteigen und loslaufen muss. Für uns hat es sich als sinnvoll erwiesen, wenn jedes Familienmitglied Übernachtungs- und Wechselklamotten in einen eigenen Leinenbeutel packt.

Dazu packen wir einen kleinen Unterhaltungs-Rucksack mit mp3-Playern, Büchern und dem Laptop. Wir nehmen außerdem immer ein gründlich vorbereitetes Picknick mit, um uns wenigstens eine der teuren Restaurant-Mahlzeiten zu sparen. Offiziell verbietet DFDS nicht, dass man sein eigenes Essen mitbringt, solange man es in der Kabine verzehrt (aber klar, glücklicher sind sie, wenn du an Bord Essen gehst, und Essen in der Kabine geht nur entweder im Stehen oder mit Krümeln im Bett).

Fähre Amsterdam Newcastle Picknick
Kabinen-Picknick.

Ganz wichtig ist auf jeden Fall viel Wasser, denn was im Kabinen-Bad aus der Leitung kommt, ist nicht wirklich zum Trinken geeignet (da kann man sich dann schon mal auf Schottland einstellen, denn dort schmeckt das Leitungswasser auch in den meisten Gegenden widerlich).

Handtücher und Bettwäsche gibt es in der Kabine.

Egal wie toll das Wetter ist, auf jeden Fall sollte man eine Windjacke mitnehmen, denn auf See pustet es draußen immer gut.

DFDS Fähre mit Kindern
Ausziehen kann man die Jacke immer noch, aber wenn selbst Silas sie anbehält, heißt das was.

Wie vertreibt man sich die Zeit an Bord?

Meine Kinder legen sich immer sofort in die Koje und packen ihre mp3-Player aus, um ihre neuen Hörbücher zu hören. Echt jetzt. Und ja, ich finde das auch ein bisschen merkwürdig.

Unternehmungslustigere Geister finden an Bord jede Menge zu entdecken (zumindest die ersten Male, bis man die Fähre irgendwann auswendig kennt). Neben den unvermeidlichen Restaurants und Bars gibt es erstaunlich viele Spielautomaten, vom einarmigen Banditen bis zu so Dingern, wo man sich reinsetzt und Geld reinschmeißt, um Fahrsimulator zu fahren oder sowas, was jedenfalls auch Kinder schon dürfen. Gut fand ich die Airhockey-Tische, den ich auf der King Seaways gesehen habe.

Schottland Fähre Amsterdam Newcastle, Airhockey
Dieser Bereich scheint neu zu sein, jedenfalls kann ich mich auf unserer Überfahrt letztes Jahr nicht daran erinnern.

Die meisten Passagiere treiben sich vermutlich in den Bars rum, die hübsch gestaltet sind. In manchen gibt es Live-Musik.

In einem großen Shop gibt es nicht nur Souvenirs, sondern von Parfüm über Kleidung bis zu Spielzeug alles mögliche. Trotz der vielen Prozente-Schilder ist das Preisniveau natürlich höher als auf dem Festland.

Richtig super finde ich die Whalewatching-Station der Organisation ORCA auf der King Seaways (auf der Princess Seaways gibt es das leider nicht). In einem abgetrennten Bereich klären Freiwillige über das Vorkommen von Walen und Delfinen in der Nordsee auf. Zu festgelegten Zeiten gibt es Vorträge, Dokumentationsfilme und gemeinsames Whale and Bird Watching. Einmal (in der Hauptsaison) waren wir ganz alleine dort, ein anderes Mal (im Mai) platzte die Observation Lounge aus allen Nähten. Der unabhängige Verein wirbt um Spenden, aber generell ist das komplette Angebot kostenlos.

dfds schottland fähre walbeobachtung
In der Observation Lounge gibt es Informatives über Wale und Delfine, hier zum Thema Häufigkeit der Sichtungen auf unserer Route. (Ja, irgendwann scheuchen wir sie dann doch noch mal aus der Koje.)

Dann gibt es auch noch zwei kleine Kinos an Bord, in dem aktuelle Filme gezeigt werden. Die Tickets kosten knapp 9 Euro.

Was gibt es auf der DFDS-Fähre speziell für Kinder?

Auf den beiden Fähren sehen die Kinderbereiche leicht unterschiedlich aus, sind sich aber im wesentlichen ähnlich. Im hinteren Bereich des Cafés gibt es jeweils ein Bällebecken, eine Trickfilm-Ecke und Maltische. Auf der King Seaways habe ich Legotische gesehen, auf der Princess Seaways auch, aber ohne Lego.

Die Spielecke auf der Princess Seaways.
Die Spielecke auf der Princess Seaways. Nicht im Bild: das Bällebecken.

Speziell für Kinder bietet DFDS eine „Kidz‘ Card“ an, die für 15 Euro Beschäftigung an Bord verspricht, in Form von Gutscheinen für kleine Snacks in verschiedenen Bars, Bingo, Kino, Spielkarten und ein paar Souvenirs.

Auf der King Seaways gibt es außerdem in der ORCA Lounge ein großes Quiz-Spiel, das meine Jungs toll fanden, und eine kleine Spielecke mit Kuscheltieren und Bilderbüchern zum Thema (allerdings alles auf Englisch).

dfds schottland fähre walbeobachtung
Die Spielecke von ORCA.

Wie sieht es mit der Verpflegung auf der Fähre aus?

Essen und Trinken sind generell recht teuer auf der Fähre. Ein Cappuccino im Starbucks-Bordcafé (ein anderes gibt es nicht) kostet über vier Euro. Abendessen im Bistro-Restaurant (Zwei-Gänge-Menü) begann ab 34 Euro pro Person.

Bei der nachträglichen Recherche auf der Homepage für diesen Artikel hab ich einen Hinweis gefunden, dass es in der „Explorer’s Kitchen“, dem günstigsten Bord-Restaurant, bei Vorbuchung das Dinner-Buffet für 19,99 Euro pro Person gibt (an Bord zehn Euro mehr).

Aus eigener Erfahrung kann ich nur über das Frühstücks-Buffet berichten. Hier gibt es reichlich Auswahl vom Rührei bis zum Gebäckstückchen. Feinste Sterneküche ist das dann natürlich nicht, aber dass sich an Bord jemand hinstellt und fürs Rührei echte frische Eier aufschlägt, ist ja wohl generell eine romantisch-nostalgische Vorstellung.

Tipp: Auch hier gilt: Wer vorbucht, spart. Wer das Frühstück gleich mit dem Ticket bucht, zahlt 9,95 Euro, Kinder 6,95 Euro. Wer sich lieber nicht festlegen will, bevor er den aktuellen Seegang sicher abschätzen kann, darf sich aber auch kurzentschlossen morgens noch zum Frühstück anmelden. Dann kostet das Buffet 14.95 Euro pro Person.

DFDS Fähre mit Kindern, Frühstück
Janis am Frühstücksbuffet.

Wie sicher ist es auf der Fähre?

Dass Fähren untergehen, ist mindestens ebenso selten wie Flugzeugabstürze. Mit all den ausgeschilderten Fluchtwegen und Rettungsbooten ist die subjektive Sicherheit jedenfalls sehr hoch.

Reellere Probleme für die persönliche Sicherheit an Bord sind wohl eher Auseinandersetzungen mit anderen Passagieren. Auf der Hinfahrt wunderte ich mich gerade erst noch über gleich mehrere gut trainierte Stewards, an deren Seiten Handschellen und Gummiknüppel baumelten. Denn im Allgemeinen geht es auf einer Fähre natürlich genauso gesittet zu wie in jedem normalen Hotel oder vergleichbaren Etablissements.

Auf der Rückfahrt sah ich aber prompt einen davon im Einsatz, als sich in der Kabine nebenan ein Familiendrama entfaltete. Es war ein wirklich schlimmer Klassiker: Mann kommt nachts besoffen nach Hause, randaliert und pöbelt die Frau an, drei Kinder heulen und sie kreischt: „Don’t hit the baby!“ Das war der Moment, in dem ich aus unserer Kabinentür stürmte, um – wie auch immer – einzugreifen. Aber da kam mir der Mann vom Sicherheitsdienst schon zuvor. Keine zehn Minuten nach Ausbruch der Krise wurde der Delinquent einkassiert und kam auch nicht wieder. Daumen hoch!

Schottland Fähre DFDS, Gang
Recht hellhörig, aber kurze Wege, wenn es drauf ankommt.

Wo ist der Haken?

Klar gibt es auch was zu meckern. In den engen Kabinen ist der Schlaf nicht so erholsam wie in den meisten Hotelbetten. Matratzen und Decken fand ich in Ordnung, aber vor allem die Luft wird trotz Lüftung sehr schnell schal (vor allem, wenn seit dem späten Nachmittag zwei müffelnde Teenager in den Kojen liegen). Ich hab das Gefühl, dass das auf der Princess Seaways ein größeres Problem war als auf der King Seaways, vielleicht lag es aber auch nur an unserer Kabine. Jedenfalls bin ich nachts mehrmals aufgestanden und hab mit einem Handtuch aus dem Gang frische Luft reingewedelt, bevor ich aufgegeben und einen Schuh in die Tür gestellt habe.

Dann sind die Zimmer viel hellhöriger als normale Hotelzimmer. Auf der Hinfahrt hatten wir eine deutsche Familie neben uns, die sich prinzipiell nur brüllend zu verständigen schien. Da haben wir jedes Wort verstanden. Von der anderen Seite hingegen hörten wir nichts als das gelegentliche Poltern, wenn die Leiter ans Bett gestellt wurde, die Toilettenspülung oder mal ein kurzes Lachen.

Und haltet eure Kinder vom Schloss der Kabinentür fern! Einmal hat es Janis geschafft, den Mechanismus irgendwie so zu manipulieren, dass das Schloss einschnappte und sich von innen nicht wieder öffnen ließ. Im Nachhinein schätze ich, dass das ein technisch vorgesehener Kniff war, um solche Randalierer wie den gewalttätigen Familienvater in einer Kabine festzusetzen. Wir mussten damals jedenfalls lautstark um Hilfe rufen, bis uns unsere Nachbarn von außen befreiten. Eine unangenehme Erfahrung, die man sich ersparen kann, wenn man auf „Ich hab nur geguckt, was passiert, wenn man hier in diese Richtung und gleichzeitig da nach oben…“ verzichtet.

DFDS Schottlandfähre Kabine
Das war die Kabine, die wir letztes Jahr etwas gründlicher von innen kennengelernt haben, als uns lieb war. Mit dem Türschlossfummler.

Passkontrolle: Zeitplanung für den Ankunftstag

Die Fähre legt morgens um 9.15 Uhr in Newcastle an. Das heißt aber nicht, dass man um halb zehn auf dem weiteren Weg ist. Diesen blöden Denkfehler habe ich beim letzten Mal gemacht, nachdem ich das Mal davor zu den ersten Autos gehörte, die von der Fähre rollten.

In Newcastle müssen alle noch einmal ihre Papiere vorzeigen: Personalausweis beziehungsweise bei den Kindern ein anderer gültiger Lichtbildausweis, also der Reisepass. Man sollte denken, das könnte man schon in einem Rutsch im niederländischen Hafen erledigen, wie das unserer Erinnerung nach auf der Strecke Calais-Dover durchaus geschieht. Ist aber nicht so.

Das Entladen selbst dauert seine Zeit, je nachdem, wohin es das eigene Auto verschlagen hat. Die Passkontrolle tut das übrige.

Auf unserer letzten Hinfahrt hatten wir die Ehre, buchstäblich das letzte Auto zu sein, das die Prozedur hinter sich bringt. Unsere Fähre legte pünktlich um 9.15 Uhr in Newcastle an. Wir verließen das Hafengelände um 10.48 Uhr.

Einen Tipp, wann man einchecken sollte, um früh wieder von Bord fahren zu dürfen, gibt es nicht. Ich hab sogar extra bei DFDS nachgefragt: Je nach Wetter und anderen äußeren Umständen entscheiden die kurzfristig, wie rum sie anlegen und wie sie entladen. Unser subjektiver Eindruck war „last in, first out“ und umgedreht. Aber das hat DFDS dementiert. :)

Fähre Amsterdam Newcastle Verladung
In welche Spur man eingewiesen wird und wo man dann landet, ist anscheinend reines Glücksspiel.

Amsterdam-Newcaste-Fähre mit Hund

Wir haben keinen Hund, deshalb kann ich dazu nichts sagen. Aber meine Reiseblogger-Kollegin Monika von Entdecker(G)reise hat die DFDS-Überfahrt mit Hund gemacht und darüber gebloggt.

Unser Fazit zur „Schottland-Fähre“

Für uns ist die DFDS-Fähre Amsterdam-Newcastle mit Abstand die sinnigste Möglichkeit, nach Schottland zu gelangen. Wir werden sie immer wieder nutzen, wenn wir nach Schottland fahren.

Ein Blick ins Bistro auf der King Seaways.
Ein Blick ins Bistro auf der Princess Seaways.

Mehr Schottland mit Kindern

Was man tun könnte, wenn man dann in Schottland angekommen ist? Da hätte ich ein paar Ideen und Erfahrungswerte, die hier gebündelt sind:

Schottland mit Kindern: Unsere gesammelten Erfahrungen

Schottland mit Kindern, Glen Coe

Transparenzhinweis: Damit wir diesen Artikel schreiben und bebildern können, hat DFDS uns auf unsere letzte Fährfahrt eingeladen. Im Gegensatz zu „Werbung“ oder „sponsored posts“ hatte ich bei der Erstellung des Textes keinerlei Vorgaben und DFDS kein Mitspracherecht, wie viel und wann ich was veröffentliche. Der Artikel entspricht somit journalistischen Standards eines redaktionellen Beitrags, der dank Unterstützung bei der Recherche entstehen konnte. Danke dafür an DFDS!

– So hätte meine Kennzeichnung bis vorletzte Woche ausgesehen. Nach der aktuellen Rechtsprechung herrscht überall große Unsicherheit: Muss ich das eben doch als „Werbung“ kennzeichnen? Ich finde: Nein, weil die journalistische Freiheit gewahrt blieb und ich kein Geld bekommen habe, nur eine Leistung, die mich in die Lage versetzt, überhaupt diesen Artikel schreiben zu können. Und mal ehrlich: Schwärme ich übermäßig viel von DFDS? Als bezahlte und freigegebene Werbung hätte dieser Artikel sicher anders ausgesehen. Gerade im Sinne der Transparenz wäre es nicht in Ordnung, hier einfach „Werbung“ dranzuschreiben, finde ich. Und deshalb lasse ich es auch bleiben.

2 Gedanken zu „Mit der Fähre nach Schottland: Erfahrungen mit DFDS Amsterdam Newcastle“

  1. Ich habe als Schülerin mal ein 2-wöchiges Praktikum auf der DFDS-Fähre zwischen Ijmuiden und Newcastle absolviert – eine der aufregendsten Erfahrungen meiner Jugend ;) . Es gab für mich als 17-Jährige nichts Cooleres als im Chefsessel auf der Brücke zu sitzen und mit dem 1. Offizier über das Leben zu philisophieren, hahah! Auch heute bin ich noch begeisterter Fähre-Fahrer, doch leider gibt es nur noch wenige Fähren, auf dem einen als Passagier auch etwas geboten wird. Ich freue mich über jede Fähre, auf der es noch ein Unterhaltungsprogramm gibt.

    Übrigens, auf „meiner“ damaligen DFDS-Fähre gab es ein Knast-Zimmer ;)! Das sah richtig übel aus, wie im Gefängnis mit Pritsche und Metalltoilette :D . Dein Bericht weckt einige Erinnerungen…

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