Neanderthal-Museum mit Kindern

Neandertal: Ausflug in die Frühgeschichte der Menschheit

Wer „Neandertal“ hört, der weiß sofort, wohin die Reise geht: in die Vorzeit. Das hübsche Tal im Grünen direkt vor den Toren von Düsseldorf ist so fest mit dem Namen des Frühmenschen verbunden, dass man kaum auf die Idee kommt, dass es da noch etwas anderes geben könnte. Also, bei mir war das jedenfalls so. Zu meiner Freude haben wir in Form des hervorragenden Neanderthal-Museums genau diese Zeitreise in die Frühgeschichte gefunden – und noch ein bisschen mehr…

Auf unserem Städtetrip nach Düsseldorf mit Kindern haben wir uns das Neanderthal für den Abreisetag aufgehoben. Von unserer Jugendherberge fast im Zentrum aus sind wir mit dem Auto in einer knappen halben Stunde da. Das Neanderthal-Museum liegt bei Mettmann, westlich von Düsseldorf und fast schon auf halber Strecke nach Wuppertal.

Für uns niedersächsische Landeier ist das dicht besiedelte Ballungsgebiet eine Sehenswürdigkeit an sich. Dass es hier so kurz nach Passieren des Ortsschilds so grün wird, überrascht uns. Wir fahren durch die Düsselauen und rollen schließlich in einem wunderschönen Waldgebiet auf einen großen Parkplatz.

Neanderland, Neandertal
Landschaftlich ist das Neandertal total schön! (Zumindest da, wo der frühindustrielle Kalkabbau Landschaft übrig gelassen hat.)

Das Neanderthal-Museum

Es ist ein schöner Spätsommertag. Trotzdem verziehen wir uns jetzt für mehrere Stunden nach drinnen.

An der Kasse nehmen wir unsere Kopfhörer in Empfang. Im Neanderthal-Museum gibt es nämlich keine Audio-Guides im engeren Sinne. Stattdessen tragen wir unser Kopfhörer-Kabel mit uns und verbinden uns mit jeder einzelnen Station, um die Informationen abzurufen.

Neanderthal Museum Düsseldorf mit Kindern
Von außen ist das Neanderthal-Museum modern und klotzig.

Die Sache mit dem h – Neanderthaler oder Neandertaler?

Hätte man das Tal weiterhin Hundsklipp oder „das Gesteins“ genannt, bräuchten wir uns heute nicht um das leidige h streiten. Im 19. Jahrhundert aber wollte man den Kirchenkomponisten Joachim Neander ehren, der 1680 die wildromantische Schlucht als erster beschrieben hatte. Von da an und bis ins frühe 20. Jahrhundert war dann dank altdeutscher Schreibweise das h mit von der Partie.

Ob man es nun immer noch mitschleppen oder sich lieber modern geben möchte, ist offenbar mehr oder weniger Geschmackssache. In der Fachwelt schreibt man im Deutschen jedenfalls mittlerweile über Neandertaler, während sich das Museum, welches sich eben jenem in der Hauptsache widmet, die althergebrachte Schreibweise gewählt hat und sich Neanderthal-Museum nennt.

Der Fund des ersten Neandertalers

Unser Rundweg durchs Museum beginnt mit einem Nachbau der Fundstelle. Die Geschichte der Umstände ist spannend. Wie so oft hätte auch alles ganz anders laufen und der Ruhm an dem kleinen Ort vorbeigehen können. Immerhin war auch der erste Neandertaler gar nicht der erste Neandertaler – schon vor dem schicksalsträchtigen Fund bei Düsseldorf im Jahr 1856 waren in Gibraltar und Belgien Neandertaler-Schädel zutage gekommen, die jedoch als „Deformation“ mehr oder weniger achtlos zur Seite gelegt wurden.

Vor dem Fund der berühmten Knochen stand einer großer Natur-Frevel: Die enge, wildromantische Hundsklipp-Schlucht wurde durch systematischen Kalkabbau zerstört. Erste Naturschutz-Versuche kamen zu spät – aber dafür betrat der Homo neanderthalensis die Weltbühne (erneut, nachdem er sie ungefähr 30.000 Jahre zuvor verlassen hatte).

Neanderthal-Museum Düsseldorf
Blogger meets Neandertaler: Das rechts bin ich (die da gerade offenbar wieder schlimm an Selfie-Schmerzen leidet…).

Begegnungen auf Augenhöhe

Nachdem wir die Fundgeschichte begriffen haben, treffen wir auf die Protagonisten des Museums. Als lebensechte Wachsfiguren stehen sie vor uns. Janis und ich stöpseln sofort unsere Kopfhörer in die Stele vor einer sympathisch wirkenden Frau mittleren Alters ein. Ihre Nase ist breit, ihr dunkles Haar fast grau, ihr Mund kurvt sich in ein verschmitztes Lächeln. Über den Kopfhörer lauschen wir ihrer Stimme, die uns von ihrem Leben im prähistorischen Gibraltar erzählt. Und dann berichtet sie – das ist ein bisschen skurril – auch davon, was nach ihrem Tod mit ihren Knochen passierte und wie ein Engländer sie 1848 in einem Steinbruch fand.

Neanderthal Museum Wachsfigur
Die erste unserer „Gesprächspartner“.

Ein bisschen bedauerlich ist, dass nur zwei Buchsen vorhanden sind. Martin und Silas müssen warten oder einfach mit einem Kollegen der Dame beginnen. Sechs Frühmenschen stehen zum Interview bereit, darunter auch die weltberühmte Lucy, die mit ihren 3,2 Millionen Jahren definitiv die älteste im Bunde ist.

Das Neanderthal-Museum für Kinder

Nach diesen Vorstellungen geht es auf dem Museums-Rundweg weiter durch verschiedene Themenbereiche. Das Hören über Kopfhörer steht weiterhin im Vordergrund, aber auch alle anderen Sinne werden angesprochen.

Immer wieder gibt es speziell für Kinder Mitmach-Stationen. Meine Jungs sind von jeher Museums-Kinder und wissen interaktive Wissensvermittlung zu schätzen. Vom Konzept des Neanderthal-Museums aber sind sie besonders angetan, weil es alles bequem auf die Ohren gibt, und noch dazu eine Menge zum Ausprobieren.

Neanderthal Museum mit Kindern
Janis hört einem frühen Vertreter des Homo sapiens sapiens aufmerksam zu.

Die Neanderthaler waren nicht blöd

Sehr gut gefällt mir, dass in der Ausstellung immer wieder deutlich wird: Die waren nicht blöd, die Neandertaler. Unsere Vorfahren – und das sind sie, denn mittlerweile gilt wohl als sicher, dass sie nicht nur entfernte Cousinen und Cousins sind, sondern in jedem von uns ein kleiner Anteil Neandertaler steckt. Unsere Vorfahren also waren nicht nur besonders stark, sondern auch wesentlich intelligenter, als ihr manchmal als Schimpfwort gebrauchter Name glauben macht.

Dass zumindest wir vier wohl kein Problem damit hätten, die Frühmenschen in unsere Mitte zu integrieren, fällt mir auf, als ich über die Brüstung des Lichthofs auf die andere Seite des Museumsrundgangs blicke, wo unsere Jungs stehen. Sie waren ein bisschen schneller als wir Eltern und warten jetzt auf uns, damit wir gemeinsam den nächsten Themenbereich in Angriff nehmen können. Irritiert gucke ich genauer hin, denn zwischen den beiden steht ein Anzugträger. Wartet da etwa ein Museumsmitarbeiter auf uns, kriegen wir als Blogger vielleicht doch eine Sonderführung oder so? Nein, es ist nur eine weitere Wachsfigur: ein modern gekleideter Neandertaler.

Neanderthal Museum Düsseldorf mit Kindern
Fremdkörper?

Sonderausstellungen im Neanderthal-Museum

Nach rund zweieinhalb Stunden sind wir mit der Dauerausstellung durch (aber wir sind meistens überdurchschnittlich gründlich und brauchen länger als die meisten Familien).

Im unteren Bereich gibt es immer noch eine Sonderausstellung. Die, die wir uns angesehen haben, ist inzwischen schon vorbei. Jetzt läuft noch bis zum 22. April „Löwe, Mammut und Co. Eine Eiszeit-Safari“.

Eiszeitliches Wildgehege im Neandertal

Bevor wir in die Sonderausstellung gehen, genießen wir aber erst einmal eine Mittagspause in der Sonne. Dafür ist das Eiszeitliche Wildgehege ideal.

Eiszeitliches Tiergehege Neandertal.
Mittagspause im Eiszeitlichen Tiergehege.

Der Rundweg beginnt fast direkt vorm Museum (er ist ausgeschildert). Bis wir zu den ersten Tieren gelangen, müssen wir ein wenig laufen – macht nichts, denn der Weg führt an der hier bildschönen Düssel und an einigen witzigen Kunstwerken entlang (den „Kunstweg“ gibt es nämlich auch noch).

Schon seit 1935 kümmert sich hier ein Verein um möglichst ursprüngliche Tierrassen. Auerochsen und Tarpane (also Wildpferde) wurden zumindest der Optik nach aus ihren Nachfahren rück-gezüchtet. Auch Wisente sind zu sehen.

Der Spaziergang entlang der weitläufigen Weideflächen ist etwa eineinhalb Kilometer lang und gratis.

Neanderthal Museum, Eiszeitliches Tiergehege, Tarpir-Fohlen
Am Stall der Tarpire haben wir Glück und erwischen ein Fohlen in Knipsreichweite. Da die Gehege groß sind, ist es nicht verkehrt, ein Fernglas (und ggf. das Tele-Objektiv) mitzunehmen.

Die Fundstelle

Ein zweiter kleiner Spaziergang, den wir nach unserem Museumsbesuch noch kurz unternehmen, führt zur Fundstelle der namensgebenden Neandertaler-Knochen. Wer seinen Kopfhörer aus dem Museum mitnimmt, kann unterwegs sogar noch zusätzliche Audio-Informationen hören.

Auf großteils etwas abseits der Straße angelegten Fußwegen laufen wir einen knappen Kilometer bis dort hin, wo früher die wunderschöne Felsklamm gewesen ist. Kaum vorstellbar, dass sie einfach so der Industrialisierung zum Opfer gefallen und schlichtweg verschwunden ist.

Fundstelle Neandertal
Ein ganz paar wenige Felsen sind noch übrig. Gerade so viele, dass man eine Gedenkplakette dranhängen konnte.

Da der Kalkabbau auch nach den archäologischen Funden weiter vorangetrieben und das Landschaftsbild dermaßen verändert wurde, war man sich lange Zeit gar nicht mehr sicher, wo denn nun ganz genau die Knochenfragmente aufgetaucht waren. 1997 bis 2000 gab es Nachgrabungen, bei denen die Frage einwandfrei geklärt werden konnte, und bei denen noch einmal einiges zutage kam.

Die Stelle selbst ist heute eine Art Park, der frei zugänglich ist. Wer sich vorher nicht die ganzen Infos im Museum geholt hat, wird vom Besuch aber vermutlich nicht allzu viel haben.

Fundstelle Neandertal Park
Die rot-weißen Stangen lokalisieren den genauen Fundort.

Gastronomie im Neandertal

Für die Einkehr vor, nach oder während des Besuchs im Neanderthal-Museum gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich sag es gleich: Wir haben letztlich gar keine genutzt (weil wir für mittags noch ein Lunchpaket aus der Jugendherberge dabei hatten).

Das Museumscafé direkt im Museumsgebäude wirkt sehr nüchtern und funktionell.

Einen sehr guten Eindruck hat das Café „Neandertal No. 1“ auf uns gemacht, an dem man direkt vorbei kommt, wenn man vom Parkplatz zum Museum läuft. Das Ambiente schillert zwischen hip und gemütlich, rustikal und stylish und wäre genau unser Ding – und leider auch das vieler anderer, denn als wir eine Stunde vor Feierabend reinschneien, ist praktisch alles schon aus. Also lieber rechtzeitig dort einkehren, wenn man denn möchte!

Unser Fazit: Lohnt sich ein Besuch im Neandertal und im Neanderthal-Museum mit Kindern?

Auf jeden Fall! Das Museum ist toll gemacht: lehrreich und mit Unterhaltungswert. Uns vieren hat der Rundgang gut gefallen.

Die Angebote auf dem Außengelände machen das Neandertal zu einem vollwertigen Tagesausflug. Die Spaziergänge durchs Grüne zur Fundstelle und durchs eiszeitliche Tiergehege sollte man (wenn das Wetter denn halbwegs mitspielt) nicht auslassen.

Alles Wichtige bezüglich Öffnungszeiten, Eintrittspreise und so weiter liefer aktuell und bequem die Webseite des Museums.

Fundstelle Neandertal, Zeit-Pfad
Der Spaziergang zur Fundstelle beinhaltet einen maßstabsgetreuen „Entwicklungs-Pfad“.

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Transparenz-Hinweis: Unser Besuch im Neanderthal-Museum war Teil einer individuellen Blogger-Recherchereise, die  Düsseldorf und das Neanderland für uns auf die Beine gestellt haben. Wir mussten also keinen Eintritt zahlen. Dieser Fakt beeinflusst unsere Meinung nicht, ich war in meiner Berichterstattung völlig frei (normal halt).

2 Gedanken zu „Neandertal: Ausflug in die Frühgeschichte der Menschheit“

  1. Liebe Lena, das ist ein toller Bericht mit tollen Fotos. Ich glaube, wir müssen unbedingt einmal dort hin! Es hört sich an, als wäre das Museum genau nach unserem Geschmack.
    Liebe Grüße, Nina

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