Mit Kindern ins Museum: Unsere Top Ten der besten Museen in Deutschland

Es gibt so großartige Museen in Deutschland! Und wir gehen sehr gerne mit der ganzen Familie ins Museum, schon immer. Fünf Jahre bin ich jetzt als Reiseblogger dabei und habe in dieser Zeit über eine zweistellige Zahl von Museen gebloggt, nachdem wir sie mit den Kindern besucht haben. Aus Jux und Tollerei (und um mein persönliches Sommerloch zu füllen) habe ich jetzt in einem komplexen Verfahren unsere Top Ten der familienfreundlichen Museen in Deutschland ermittelt.

Empirik: Unser Auswahlverfahren

Ich gebe zu: So ein ganz ernstzunehmendes Ranking ist das nicht. Für unsere Abstimmung habe ich einfach 20 deutsche Museen auf einen Zettel geschrieben: 20 Museen, die mir so einfielen, wo wir in den letzten Jahren waren, die ich im Blog zumindest ausführlich erwähnt habe, und die uns positiv in Erinnerung geblieben sind. Für die jeweilige Wertung gab es dann Kästchen zum Ankreuzen: +++, ++, +, o, -. Nach den Kreuzchen sollte jeder Proband auf seinem Wahlzettel seine persönlichen Top Ten nummerieren.

In der Auswertung gab es also für jedes Museum von jedem Teilnehmer einen Zahlenwert zwischen 1 und 11 (11 = alle, die in den persönlichen Top Ten jeweils nicht genannt wurden). Diese Zahlenwerte habe ich addiert. Der erste Platz kam auf fünf Punkte, der zehnte auf 37. So also kommen unsere Museums-Top-Ten zustande.

Archäologisches Nationalmuseum Athen mit Kindern
Hinter ehrwürdigen Säulen liegen kulturelle Schätze der Vergangenheit.

Die Jury: Wir

Besonders repräsentativ, was die deutsche Durchschnittsfamilie angeht, sind wir nicht, fürchte ich. Als Museums-Prüfungskommitee fungierten also

  • ein Maschinenbau-Ingenieur
  • ein 13-jähriger Teenager mit altersgerecht entwickelter Lustlosigkeit und etwas technischem Sachverstand
  • ein 11-Jähriger mit ungewöhnlich großem Interesse an Politik und Gesellschaft
  • eine Reisebloggerin mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund, die einige Jahre in der Museumspädagogik gearbeitet hat

    family4travel Familienfoto Schweiz
    Eins der wenigen Familienfotos, die ich bieten kann: Wir letztes Jahr Ostern in der Schweiz. Lena, Janis, Silas und Martin.

Unsere Top Ten der Museen in Deutschland

Während wir uns familienintern auf den ersten Plätzen ziemlich einig sind, kommen auf den niederen Rängen die Vorlieben einzelner Familienmitglieder zum Tragen.

Unsere Top Ten verteilen sich übrigens auf acht Bundesländer (Bremen und NRW sind doppelt vertreten).

Ein paar der schönsten Museen musste ich aber leider doch von der Liste streichen, da die Jungs und ich sie ohne Martin besucht haben. Erst dachte ich, ich würde das entsprechend rausrechnen können, dann erschien es mir aber doch nicht gerechtfertigt. Rausgeflogen sind auf diese Weise das Darwineum im Rostocker Zoo (das bei beiden Jungs hoch im Kurs stand), das Übersee-Museum in Bremen (das ich liebe und zumindest Silas auch in seine Top Ten gewählt hatte, obwohl unser Besuch schon mehrere Jahre her ist) und das hervorragend aufbereitete Fugger- und Walser-Museum in Augsburg (das zugegebenermaßen nur in meinen Top Ten auftauchte).

Überseemuseum Bremen mit Kindern
Das supertolle Übersee-Museum in Bremen darf deshalb nur außer Konkurrenz mitspielen.

Platz 10: Europälisches Hansemuseum Lübeck

Das Hansemuseum ist noch recht neu: Im Mai 2015 hat es in Lübeck eröffnet. Wir haben es Anfang des Jahres auf einem Zwischenstopp in Richtung Ostsee besucht.

„Edutainment“ heißt ja das Zauberwort der Museumspädagogik, Ziel ist eine gelungene Mischung aus Wissensvermittlung und Unterhaltung. Dem Hansemuseum gelingt die Balance ganz gut. Am Eingang kann man seine Eintrittskarte auf eine bestimmte Hansestadt aus der langen Liste prägen. An verschiedenen Themen-Stationen im Museum lassen sich damit dann spezifische Infos zur Lieblingsstadt abrufen: Wie war es zum Beispiel genau in Rostock mit dem Stapelrecht, der Pest, dem Zusammenwirken von Bürgertum, kirchlicher und weltlicher Macht? Außerdem ist die Ausstellung sehr aufwendig und stimmungsvoll gestaltet (teilweise ein bisschen arg düster, aber hey, die Zeiten waren nun mal hart). Eine ausführlichere Beschreibung hab ich hier: „Museums-Tipp: Europäisches Hansemusem Lübeck“.

europäisches hansemuseum lübeck
Im Europäischen Hansemuseum in Lübeck ist man wirklich mittendrin in der Geschichte.

Platz 9: Museumsinsel Berlin

Die Berliner Museumsinsel in der Spree umfasst gleich fünf Museen: das Pergamon-, das Alte, das Neue und das Bode-Museum sowie die Alte Nationalgalerie. Wir waren 2013 zwei Tage lang sehr ausführlich in allen fünfen (wobei wir durch die Galerie nur kurz durchgelaufen sind). Ischtartor, Pergamon-Fries und Nofretete-Büste behandeln meine Jungs seitdem als alte Kumpel.

Die Berliner Museen auf der Museumsinsel sind Häuser mit großer Tradition und Weltklasse-Exponaten. Ägyptische Mumien, antike Vasen und Marmorbüsten erfüllen die Erwartungen ans Museums-Klischee (ebenso wie übereifriges Wachpersonal). Zur Abwechslung mal richtig „Hochkultur atmen“ finde ich aber durchaus sinnvoll, auch für Kinder. Und zumindest für die Sonderausstellung zur Nofretete damals gab es auch eine gut gemachte Audio-Führung für Kinder.

Übrigens waren es witzigerweise die Stimmen der Jungs, die die Berliner Museumsinsel in unsere Top Ten gewählt haben. Obwohl ich die Museen ebenfalls sehr mag, kamen sie auf meinen ersten zehn Plätzen genauso wenig vor wie auf Martins.

Einer meiner ersten Blogbeiträge handelt von unserem Museumsbesuch damals: „Berlin: Zwei volle Tage auf der Museumsinsel mit Kindern“.

Pergamon-Tempel, Museumsinsel Berlin
Die Jungs auf den Stufen des Pergamon-Tempels auf der Museumsinsel.

Platz 8: Das Neanderthal-Museum

Das Neanderthal-Museum liegt ebendort im Neandertal zwischen Düsseldorf und Bergischem Land. Wir haben es im vergangenen September auf dem Rückweg unseres Städte-Trips nach Düsseldorf besucht.

Das Museum befindet sich (fast genau) an der originalen Fundstelle des ersten Neandertalers, der seiner Frühmenschen-Gattung den Namen gab. Folgerichtig stehen er und seine nähere und weitere Verwandtschaft im Zentrum der Ausstellung. Statt Knochen in Glasvitrinen gibt es aber ganze Menschen zu sehen, die selbst zu Wort kommen: als lebensechte Wachsfiguren, die uns über den Audioguide ihre (Fund-)Geschichten erzählen. Und wenn so ein Neandertler einen Anzug trägt, dann halte ich ihn aus den Augenwinkeln auch schon mal für den Museumsdirektor…

Ausführlich habe ich hier darüber gebloggt: „Neanderthal: Ausflug in die Frühgeschichte der Menschheit“.

Janis trifft seine Vorfahren.

Platz 7: Varusschlacht Kalkriese

„Museum und Park Kalkriese“ liegen im Osnabrücker Land im Nordwesten Deutschlands – eben dort, wo kurz nach der Zeitenwende die schicksalsträchtige Schlacht zwischen Römern und Germanen stattgefunden hat. Wir haben 2013 einen Ausflug dorthin unternommen, dessen Eindrücke bis heute nachhallen.

Ob Arminius, besser bekannt als „Hermann der Cherusker“, ein strahlender Held ist, der Germanien von den Invasoren befreite und den Vormarsch des gesamten Römischen Reiches stoppte, oder ein mieser Verräter, der ein Vertrauensverhältnis ausnutzte und viele tausend Menschen brutal abschlachten ließ, das kann man so oder so sehen. Und diese Polarität, die wird im Museum rund um das antike Schlachtfeld hervorragend deutlich. Arminius und Feldherr Varus selbst übernehmen die Führung per Audioguide, kriegen sich über die Hintergründe immer wieder in die Köppe und legen jeder seine Sichtweise dar. Geschichte ist eben nie die eine Wahrheit. In der Ausstellung gibt es zahlreiche Funde zu sehen, die eine prima gemachte Kinderführung erklärt, nämlich „Prof. Dr. Kalkriesel“ als Audioguide.

Unser Erfahrungsbericht von damals ist mit Verlaub (wie ich gerade ein bisschen erstaunt festgestellt habe) einer meiner besseren Texte. :) „Ausflugstipp: Die Varusschlacht in Kalkriese“.

Janis hört dem Audioguide zu, der ihm die Funde erklärt.

Platz 6: Das Ozeaneum in Stralsund

Ein Ausflug in die Hansestadt lässt sich prima auf dem Weg von oder nach Rügen unterbringen. So haben wir es 2015 gemacht, um uns den Hybrid aus Museum und Aquarium anzugucken.

Das Ozeaneum ist gleichermaßen lehrreich wie unterhaltsam. Kinder lieben die vielen Fische – wenn es sich auch (bis auf einen einzelnen Hai) ausschließlich um heimische Arten aus der Nord- und Ostsee handelt, nicht um bunte „Nemos“. Der Audioguide und viele handfeste Ausstellungsstücke vermitteln das Zusammenwirken der Prozesse in den Weltmeeren, warum diese bedroht sind und was jeder einzelne dagegen tun kann. Besonders beeindruckend sind die lebensgroßen Wal-Modelle, unter denen wir in Liegestühlen lümmeln konnten.

Die ganze Geschichte: „Ozeaneum Stralsund: Erfahrungsbericht eines herrlichen Familienausflugs“.

Modell: So tief ist die Ostsee.
Ich bin kein besonders guter Fotograf. Technisch gibt es an diesem Bild einiges auszusetzen. Aber es zeigt, wie sehr sich die Jungs für die Ausstellungsstücke im Ozeaneum interessiert haben.

Platz 5: Das Bremer Geschichtenhaus

Vielleicht ist es ein bisschen gemogelt, das Bremer Geschichtenhaus als Museum zu bezeichnen. Denn eigentlich gibt es hier keine Ausstellung im engeren Sinne, eher Stadtgeschichte zum Erleben. Das Bremer Geschichtenhaus ist Mitmach-Theater, Sozialprojekt und Wissensvermittlung in einem. Von Szene zu Szene laufen wir gruppenweise durch ein altes Fachwerkhaus, werden von Berühmtheiten aus Bremens Vergangenheit und ganz normalen Leuten aus alter Zeit in Empfang genommen, unterhalten, informiert und werden selbst Teil der Bremer Stadtgeschichte. Mittlerweile war ich mehrmals im Geschichtenhaus und weiß: Manche Schauspieler sind besser als andere. Das Projekt hat eine soziale Komponente und rekrutiert seine Mannschaft nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt. Umso großartiger! Ich liebe das Konzept, und auch bei den Kindern kommt es prima an.

Mehr Details (und unser komplettes Bremen-Programm) gibt es zum Nachlesen hier: „Bremen: Mutter-Kind-Trip in 28 Stunden“.

Der Dom brennt! „Konrad“ braucht zum Glück nicht löschen, weil er kein Bremer Bürger ist.

Platz 4: Aquazoo Löbbecke-Museum

Die Institution mit dem sperrigen Namen befindet sich in Düsseldorf und hat erst 2016 nach mehrjähriger Schließung völlig neu konzipiert wiedereröffnet. Eine Woche davor sind wir in den Genuss einer exklusiven Führung durch den Chef gekommen.

Ähnlich wie das Ozeaneum ist der Aquazoo Löbbecke-Museum ein Zwitter aus Museum und Aquarium. Als durchgängiges Konzept vollziehen wir als Besucher die Evolution nach, von der Ursuppe über Einzeller, Kopffüßer und Fische bis zum Landgang der Amphibien. Zwischen den Aquarien gibt es immer wieder Exponate, die auf die theoretische Seite eingehen – oft aber ganz nachvollziehbar und zum Anfassen. An alle Altersstufen ist gedacht. Und auch ein paar „spektakuläre“ Tiere wie Krokodile und Pinguine gibt es zu sehen.

Ein eigener Erlebnisbericht steht hier: „Düsseldorf: Ausflugstipp Aquazoo Löbbecke-Museum“.

Ausstellung, Aquazoo Löbbecke Museum Düsseldorf mit Kindern
Es gibt, wie gesagt, auch ganz viele echte Tiere zu sehen – aber eben auch richtig gute museumspädagogische Elemente zum Selbermachen.

Platz 3: Deutsches Museum München

Mit München stehe ich ein bisschen auf Kriegsfuß, aber vom Deutschen Museum habe ich ausgiebig geschwärmt. Wir haben es in den vergangenen Herbstferien auf unserem Bayern-Roadtrip besichtigt.

Das Deutsche Museum ist das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt. Ein Tag dort reicht kaum aus, um die Vielfalt der Ausstellungen auch nur zu erfassen. Mehr als 30 Abteilungen vereint der Komplex, die eigentlich jede ein Museum für sich darstellen könnten: von A wie Amateurfunk und Astronomie bis Z wie Zeitmessung ist einfach alles dabei, auch ein komplett nachgebautes Bergwerk, eine Gießerei und eine begehbare Körperzelle. Mehrmals täglich gibt es Vorführungen, beispielsweise zum Thema Starkstrom und Glasblasen. Gigantisch!

Unser Erfahrungsbericht inklusive Tipps für einen tollen Familientag im Museum gibt es hier: „München: Unsere Praxis-Tipps für das Deutsche Museum mit Kindern“.

Deutsches Museum München
Im Deutschen Museum gibt es unheimlich viel zu sehen – und selbst auszuprobieren!

Platz 2: Völklinger Hütte

Die Völklinger Hütte liegt im Saarland und ist ein stillgelegtes Stahlwerk.

Ich weiß noch, dass ich erst so gar keine Lust hatte, mir dieses olle Industriedenkmal anzugucken. Aber das Ding ist der blanke Wahnsinn und echt ein Erlebnis für sich! In der Gebläsehalle gibt es wechselnde Ausstellungen (aktuell eine über die Inka-Kultur sowie eine zweite über Fotografien von Banksy-Kunstwerken). Das beste aber ist das Ausstellungsgebäude selbst. Das alte Stahlwerk kann von oben bis unten – tatsächlich bis in den Hochofen und auf schwindelerregende Höhen – besichtigt werden. Die entsprechenden Informationen gibt es mit auf den Weg. Die rostige, teils bereits überwucherte Endzeit-Kulisse ist gut gesichert, klar, aber sie vermittelt ein absolutes Gänsehaut-Gefühl.

Die ganze Geschichte gibt es hier: „Völklinger Hütte: Fantastische Welten aus rostigem Stahl“.

Auf sieben Kilometern Laufwegen lässt sich die Völklinger Hütte entdecken.

Platz 1: Klimahaus Bremerhaven

Was gibt es da groß zu sagen? Ich wiederhole mich seit Jahren: Das Klimahaus in Bremerhaven ist für mich das Paradebeispiel gelungenen Edutainments, die beste Institution der Wissensvermittlung, die ich kenne. Das Thema – unser Planet und das Leben darauf – ist so, so wichtig und vielschichtig. Und die Ausstellung ist einfach hervorragend gemacht, hat buchstäblich einen roten Faden, berührt und beflügelt. Es gibt Informationen für alle Sinne, für alle Altersstufen und für alle Interessensgebiete.

Das komplette Loblied steht hier: „Klimahaus Bremerhaven: Unsere Weltreise an einem Tag“.

Klimahaus Bremerhaven mit Kindern, Kamerun mit Varan
Aufwändige Kulissen, Multimedia – und echte Tiere und Pflanzen. Einige der Zutaten aus dem Erfolgsrezept des Klimahauses.

Und wer mir sagen kann, aus welchem (nicht deutschen) Museum das Beitragsbild stammt, kriegt ein Fleißsternchen! :)

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