Family4travel ist ein Familien-Reiseblog und wird sich ganz bestimmt nicht in ein Mamablog voller Babythemen verwandeln. Aber heute, drei Tage nach der Geburt unseres jüngsten Familienmitglieds, machen wir zur Feier des Tages doch eine Zäsur im regulären Redaktionsplan, um euch einmal ganz kurz unsere Franka vorzustellen.

Das kleine Babymädchen liegt auf dem Sofa und schläft selig. Bis gerade eben habe ich daneben gelegen, denn die Nächte sind natürlich kurz im Moment im Hause family4travel. Gerade als frisch entbundene Mama nehme ich jede Mütze voll Schlaf mit, die ich kriegen kann. Aber nachdem mich eine fiese Nachwehe geweckt hat (die Gerüchte stimmen, dass die mit jedem Kind heftiger werden), möchte ich meine wertvolle Wochenbett-Freizeit doch einmal für einen ganz kurzen Blogbeitrag opfern.

Franka Luise ist seit Donnerstag, 1. August um 1.02 Uhr bei uns. Eingebucht war sie eigentlich schon für den 24. Juli, aber gut Ding will Weile haben.

Ein ungeplant langer Geburtsbericht

Nach den reichlichen Komplikationen der Frühschwangerschaft war ich sehr gerne schwanger. Und auch wenn wahrscheinlich jede Mutter irgendwann ernsthaft genug hat, wäre ich auch mit Franka noch weiter über den Termin gegangen (Janis kam damals auch erst zehn Tage später). Eine leichte Venenentzündung bei mir (man ist halt doch nicht mehr die Jüngste und bedauerlicherweise erblich vorbelastet) und Ebbe in Sachen Fruchtwasser bei Franka sorgten jedoch dafür, dass wir nach einer Woche Überfälligkeit ins Krankenhaus geschickt wurden, um der Sache künstlich ein Ende zu bereiten.

Bei den Jungs war ich noch ziemlich dogmatisch auf der alternativen Schiene unterwegs. Am liebsten hätte ich eine Hausgeburt gehabt (was schon damals leider keine Hebamme in unserem ländlichen Umkreis mehr anbot), und jeden künstlichen Eingriff lehnte ich ab. Zwölf Jahre später bin ich da etwas gelassener geworden. Also fügte ich mich dem ärztlichen Rat und marschierte mit der Kliniktasche auf dem Rücken mit Martin 20 Minuten durch die Feldmark ins Klinikum, um mir und der Kleinen auf die Sprünge helfen zu lassen.

Obernkirchen Vehlen Feldmark Krankenhaus

Das Klinikum Schaumburg liegt für uns zum Glück mehr oder weniger direkt hinterm Haus.

Ferien im Krankenhaus

Ein langer Tag folgte mit vielen Untersuchungen, eineinhalb winzigen Tabletten und etlichen halbstündigen CTG-Sessions. Die Ausschläge auf dem Wehenschreiber verebbten immer wieder, Hebammen und Ärzte sprachen von „einem noch sehr geburtsunreifen Befund“. Ziel sei es, die Kleine heute mit den künstlichen Wehen ins Becken zu holen, kurz gesagt die Geburt ein wenig vorzubereiten, und dann am folgenden Tag mit ernsteren Maßnahmen (Wehentropf) weiterzumachen.

Ich erwartete also wenig. Martin und ich schlugen uns die Freigang-Zeit zwischen unseren „Wellness-Anwendungen“ mit Spaziergängen rund um die Klinik und Abstechern in die Cafeteria um die Ohren. Zwischendurch kam Silas auf dem Fahrrad vorbei, brachte mir Blumen aus dem Garten und die Rommé-Karten mit. Dafür, dass ich ein höchst undankbarer Krankenhauspatient bin, war es eigentlich ein ganz schöner Tag.

Blumen im Krankenhaus

Blumen auf dem Nachttisch vom werdenden großen Bruder. So lieb!

Vorm Abendessen schickte ich Martin nach Hause. Um 22 Uhr sollte ein letztes CTG geschrieben, dann die künstlichen Wehen abgestellt werden und ich eine Nacht lang Kraft für die richtige Geburt am nächsten Tag tanken. Schmerzmäßig befanden meine unregelmäßigen Kontraktionen und ich uns seit einiger Zeit ungefähr auf Menstruationsniveau. Ich lungerte in einer Sitzecke auf dem Flur am offenen Fenster, blickte abwechselnd in den Sonnenuntergang, blätterte in einer unsäglichen Klatschzeitschrift, die jemand liegen gelassen hatte, und nahm huldvoll Anfeuerungen und gute Wünsche auf Instagram entgegen.

Klinikum Schaumburg, Obernkirchen Vehlen, Feldmark

Ein Erinnerungsfoto aus dem Krankenhausfenster an den letzten Sonnenuntergang ohne Franka.

Gespannt war ich in erster Linie auf das Ergebnis der manuellen Untersuchung im Anschluss an das (weiterhin höchst unregelmäßige) CTG. Das war erfreulich: Immerhin hatte Franka es fest ins Becken geschafft. Einigermaßen zufrieden nahm ich gegen 23 Uhr die Buscopan-Tabletten, die innerhalb der nächsten halben Stunde die künstlichen Wehen abstellen sollten. „Falls es doch schon Geburtswehen sein sollten, wirken die nicht“, erklärte mir die Hebamme.

Ich legte mich in mein ungeliebtes Krankenhausbett und war mir relativ schnell klar: Da entspannte sich wenig. 20 nach elf erhob ich mich, weil Liegen langsam doof wurde. Außerdem wollte ich zurück in meine Flurnische mit Internet-Empfang (den ich auf dem Zimmer nicht hatte), um Martin in Kenntnis zu setzen, dass er sich wahrscheinlich doch noch mal für eine Nachtschicht aufraffen müsse.

Kaum stand ich, verabschiedete sich die Fruchtblase. Gut, das sorgte wenigstens für klare Verhältnisse. Mit Umweg über Badezimmer und Internet-Nische („Komm JETZT bitte sofort!“) tigerte ich zurück zum Kreißsaal.

Und dann kam Franka

Dann ging alles ganz schnell. Um halb zwölf schaltete mein Körper beinahe mit hörbarem Knacken in den Geburtsmodus: Die Wehen wurden – sagen wir euphemistisch: effektiv. Es ließ sich aber immer noch alles aushalten, ich konnte sogar noch reden unter den Wehen (also, schimpfen hauptsächlich).

Um Schlag Mitternacht stieß Martin zu uns. Kurz darauf wurde es ernsthaft unangenehm. Im Gegensatz zu vorher fand ich keine Position mehr, in der ich einigermaßen gut über die Wehenkämme kam.

„Schmerzmittel erscheinen plötzlich so verlockend und ich will partout nicht mehr“, sagte ich in einer kurzen Pause zur Hebamme. „Ich kann doch nicht schon bei acht Zentimetern sein, oder?“

(Für alle Nicht-Insider: In der Eröffnungsphase muss sich der Muttermund auf insgesamt zehn Zentimeter dehnen, und bei acht Zentimetern tritt die Frau in eine Phase, in der sie traditionell nach Schmerzmitteln oder wahlweise dem erlösenden Bolzenschussgerät schreit. Bei Erstgebärenden rechnet man mit einem Zentimeter pro Stunde, bei weiteren Geburten geht es oft schneller.)

„Schauen wir doch mal“, schlug die Hebamme vor – zufällig und großartigerweise übrigens dieselbe, mit der ich schon Silas auf die Welt gebracht habe.

Mit vereinter Kraft wuchteten wir mich aufs Gebärbett (bisher war ich unstet durch den Kreißsaal getigert). Noch während ich mich zur Untersuchung bereitwurschtelte, kam eine nächste Wehe, die so überhand nahm, dass ich – zum ersten Mal während dieser Geburt – laut schreien musste. Völlig ohne Kontrolle spürte ich, wie sich eine warme Flut aus mir ergoss. Oh nein, dachte ich, hast du hier jetzt etwa alles vollgepinkelt?

„’Tschuldigung!“, stammelte ich, sobald ich nach der Wehe wieder Atem dafür hatte.

„Köpfchen ist fast da“, entgegnete die Hebamme.

Ich war schon ein bisschen überrumpelt. Aber zwei Presswehen später lag tatsächlich Franka vor mir.

Ab hier gibt’s keine unhygienischen Details mehr ;)

Ach je, jetzt bin ich doch wieder ins Erzählen geraten. Das ist ja das Furchtbare mit diesen Müttern, dass sie immer wieder ihre Veteranen-Storys raushauen und ungefragt ihre Umwelt damit beglücken. Und die Blogger unter ihnen schreiben gleich das ganze Internet damit voll… Zum Glück gibt es ja die Scroll-Funktion. ;)

Jetzt sind wir jedenfalls zu fünft. Die beiden großen Brüder sind natürlich stolz wie Bolle. Mein Wochenbett genieße ich zu Hause. Und auch wenn all die Wehwehchen und Anlaufschwierigkeiten beim dritten Kind, zumindest nach so einer langen Pause, sich nicht einfach in Wohlgefallen auflösen, bin ich doch sehr glücklich und zufrieden mit meinem Baby, meiner ganzen Familie und allem Drum und Dran.

So geht’s weiter bei family4travel

Hier im Blog geht es dann ab nächster Woche weiter wie gehabt. Ich habe noch eine ganze Reihe schöner Berichte in petto, die schon fix und fertig in den Startlöchern stecken. Es geht zurück nach Irland, Schottland, Dänemark und in die Schweiz, außerdem nach Tübingen und in die Steinzeit. Und nächste Woche (wenn ich denn den Feinschliff noch rechtzeitig schaffe) schwelge ich in Erinnerungen an unsere allererste Reise mit Baby und Kleinkind vor zwölf Jahren – das hat mich in den letzten Tagen vor der Geburt nämlich noch beschäftigt.

Wann wir das erste Mal mit der kleinen Franka verreisen, wissen wir noch nicht. Spätestens wohl in den Herbstferien. Gebucht ist noch nichts, und es wird wohl auf eine relativ spontane Sache hinauslaufen. Dass auch unsere Franka zu einem Reisekind wird, bezweifelt hier niemand. Was die Kleine selbst davon hält, können wir eh nur ausprobieren.

So, und jetzt widme ich mich wieder meinen mütterlichen Pflichten. Seit einer Weile trägt der Papa das Baby herum, das aus wachen Augen in die Gegend guckt und erstaunlich geduldig darauf wartet, dass es Zeit für die nächste Mahlzeit ist. – Okay, jetzt fängt sie doch an, nach der Milchquelle zu suchen. Also wird es wohl Nachmittag, bis der neue Blogpost erscheint. Macht nichts. Fürs erste ist Franka hier der Chef, der unseren Lebensrhythmus bestimmt.