Die Schillat-Höhle nahe Hessisch-Oldendorf bei →Hameln ist die nördlichste Tropfsteinhöhle, die ihr in Deutschland mit euren Kindern besichtigen könnt. Seit 2004 gibt es Führungen durch die gut zugängliche Höhle im ehemaligen Steinbruch. Gerade einmal 22 Jahre später gucken wir uns die Sache dann auch mal an…
Schillat-Höhle mit Kindern: Die wichtigsten Tipps zuerst
Weil ich weiß, dass die meisten von euch keinen langen Erfahrungsbericht wollen, sondern schnelle Tipps bevorzugen, kommt hier das Wichtigste zuerst.
- Ja, ein Besuch in der Schillat-Höhle lohnt sich! (Ihr dürft nur nicht zu viel erwarten.)
- Besser vorbuchen: geht bequem online (und „einfach so hinfahren“ ist bei uns 2x schiefgegangen).
- Zeitpuffer einplanen, denn ihr lauft ein kleines Stückchen vom kostenlosen Parkplatz aus.
- Die Führung startet mit einem 20 Minuten langen 3D-Film über den Naturraum Süntel.
- Ihr fahrt mit dem Fahrstuhl runter, kommt zwischendurch auf anderen Wegen an die frische Luft und nachher mit dem Fahrstuhl wieder zurück.
- Kinderwagen und Buggys dürfen nicht mit runter. Es gibt Stufen.
- Die zurückgelegte Strecke beträgt nur ein paar hundert Meter.
- Zu sehen gibt es in der Schillat-Höhle erst viel interessantes Gestein hinter Glas (lokale Fundstücke) und später dann durchaus ernstzunehmende Tropfsteine.
- Direkt an der Höhle gibt es ein nettes Café und einen kleinen Spielplatz.
Unser Besuch in der Schillat-Höhle Hessisch-Oldendorf mit Kindern
Wir lauern buchstäblich seit Jahren darauf, die Schillat-Höhle zu besichtigen. Unser großer Sohn ist 2004 geboren. Damals war die lokale Tropfsteinhöhle die Attraktion. Wir wollten erst einmal den Hype vorbei lassen und warten, bis das Kind ordentlich laufen kann. Dann kam das nächste Baby. Und wir drüber weg.
Als Reisebloggerin aus dem →Schaumburger Land mit starkem Lokalbezug habe ich später mehrere Anläufe unternommen, über das Ausflugsziel nahe meinem Heimatort zu berichten. Da meine Anfragen unbeantwortet blieben, wurde nichts daraus. (Die Lust auf Höhlenabenteuer der Jungs stillten wir stattdessen im Urlaub, etwa in der →Iberger Tropfsteinhöhle im Harz, in der →Barbarossa-Höhle und in der →Drachenhöhle Syrau im sächsischen Vogtland.)
Nun haben wir wieder ein kleines Kind, das Höhlen spannend findet. Trotzdem hat es weitere Jahre gedauert, bis wir endlich Nägel mit Köpfen machen und sie Schillat-Höhle besichtigen. Erst ist wegen Corona geschlossen. Dann haben wir leichtsinnigerweise nicht vorgebucht und alle Führungen sind voll. Die nächsten zwei, drei Mal, die wir kurzfristig einen Ausflug anpeilen und wenigstens vorher ins Netz gucken, ist auch schon alles ausgebucht. Im Winter hat die Schillat-Höhle geschlossen.
Aber dann! An einem Samstag Anfang März schaue ich mal wieder ins System – und siehe da: noch ganz viel frei! Spontan beraumen wir einen Familienausflug an. Sogar der große Teenager kommt mit!
Anfahrt, Parken, Tickets für die Schillat-Höhle
Die Schillat-Höhle liegt mitten im Grünen. Unser Handy navigiert uns problemlos zum großen Parkplatz. Das Parken ist kostenlos. Weit ist es nicht bis zum Höhleneingang, aber es ist schon ein Stück durchs Freie. Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist, läuft vielleicht zehn Minuten.
Der Zugang erfolgt über das Infozentrum. Dort werden unsere Online-Tickets gescannt, die wir vorher über die Website gebucht haben. Der Eintritt kostet 2026 für Erwachsene 10 Euro. Kinder von vier bis 17 Jahren zahlen 5,50 Euro. Achtung: Ältere Jugendliche zahlen den vollen Preis, auch wenn sie noch zur Schule gehen oder studieren.
Die Führung dauert eine gute Stunde. Wir gehen deshalb lieber alle noch mal aufs Klo, denn unten gibt’s natürlich keins.
3D-Film „Mit den Augen eines Uhus“
Weiter geht’s in einen Nebenraum mit Leinwand. Wir bekommen 3D-Brillen. Was bei der Eröffnung 2004 State of the Art war, weckt bei uns Eltern eher nostalgische Gefühle. Die sechsjährige Franka erlebt den Effekt zum ersten Mal und ist begeistert. „Das ragt ja mitten in den Raum! Wie geht das denn?!“
Der Film zeigt sehr schöne Naturaufnahmen aus der (überirdischen) Natur im Süntelgebirge, das die Schillat-Höhle umgibt.

Hoffnungslos unscharf, aber zum Thema 3D-Film passts. :) Das sind wir, by the way: Lena, Franka, Martin.
Mit dem Fahrstuhl in die Tiefe
Anschließend nimmt uns unsere Höhlen-Führerin in Empfang. Wir dürfen uns alle einen möglichst passenden Helm aussuchen. Dann begibt sich die kleine Gruppe zum Fahrstuhl. Maximal 20 Personen sind es pro Tour.
Zwei Wände des Fahrstuhls sind verglast. So können wir unseren bequemen Abstieg 50 Meter in die Tiefe verfolgen. Gesteinsschichten rauschen an uns vorbei, während unsere Führerin mit den Erklärungen beginnt.
Ich leide zum Glück nicht unter Platzangst. (Ja, ich weiß, eigentlich heißt es Raumangst.) Trotzdem habe ich das Gefühl, all dieser Stein laste plötzlich auf meinen Schultern. Noch tiefer und noch tiefer geht es hinab.
Unten angekommen betreten wir einen angenehm breiten Gang. Unsere Führerin erzählt uns ein paar Dinge zur Erschließung und zum Hintergrund der Höhle. Dann führt sie uns ein Stück weiter – und durch einen Durchgang hinaus ins Freie. Huch? Was mir nicht klar war: Das Infozentrum steht praktisch direkt an der Abbruchkante des Steinbruchs. Wir sehen es 50 Meter über uns.
So sind wir zwar einerseits tief unter Tage, andererseits aber nie wirklich weit von der frischen Luft entfernt. Das eingebildete Gewicht auf meinen Schultern ist verflogen.
Was ist die Schillat-Höhle überhaupt?
Die Schillat-Höhle wurde Anfang der 90er Jahre bei Sprengungen im Steinbruch gefunden. Ihr Entdecker Hartmut Brepohl benannte die Sensation bescheiden nicht nach sich selbst, sondern nach seinem Freund und Kollegen, Bodo Schillat. Der hat schon 1963 die Riesenberghöhle entdeckt (und auch nicht nach sich selbst benannt). Jene liegt ebenfalls im Süntel, ist geologisch deutlich wertvoller als die Schillat-Höhle, aber nicht gut zugänglich. Um sie für künftige Forschungen sicher zu verwahren, wurde sie wieder verschlossen. Unserer Führerin zufolge war der alte Mann hocherfreut über die Ehre und hat die feierliche Eröffnung in seinem Rollstuhl noch erlebt.
Die natürliche Form der Schillat-Höhle ist ziemlich flach. Sie entstand im porösen Karstgestein durch einen unterirdischen Wasserlauf. Die ersten Höhlenforscher*innen robbten hier auf dem Bauch durch die engen Hohlräume voller Sedimentablagerungen. Heute ist der bequem begehbare Weg nach unten erweitert, sodass die Tropfsteine sich auf Augenhöhe ausbreiten.
Mineralien und Fossilien hinter Glas
Nachdem wir draußen auf dem Steinbruchsvorplatz schon ein paar ziemlich interessante Steinblöcke untersuchen durften, fühlen wir uns in der ersten Hälfte der Schillat-Höhle nun eher wie in einer Ausstellung. Im Hohlraum hinter dicken Glasscheiben sind verschiedenste Mineralien und Fossilien ausgestellt. Die meisten davon stammen direkt aus der Schillat-Höhle oder zumindest hier aus der Region, versichert mir unsere Führerin.
Dicke Stalagmiten und Stalaktiten sind irgendwo abgebrochen und hier aufgereiht. Ein Highlight vor allem für die Kinder in unserer Gruppe sind verschiedene fluoreszierende Steine, die im Schwarzlicht grellbunt leuchten.
Auch etliche Versteinerungen sind in der Schillat-Höhle ausgestellt. Es gibt Ammoniten, prähistorische Tier- und Pflanzenabdrücke – und natürlich auch Dinosaurierspuren. Schließlich sind die (in Fachkreisen) weltberühmten →Dino-Fährten von Obernkirchen nicht weit.
Und endlich: Tropfsteine in der Tropfsteinhöhle
Gerade als ich mich zu fragen beginne, ob der Part mit der Tropfsteinhöhle nicht doch eher eine Mogelpackung ist, verlagern wir uns in den hinteren Teil der Schillat-Höhle. Und der verdient die Bezeichnung Tropfsteinhöhle absolut. Getropft hat es aus dem porösen Kalkstein freilich auch weiter vorne ausgiebig. Nun aber begegnen uns immer mehr „echte“ Stalagmiten und Stalaktiten: steinerne „Eiszapfen“.
Unser ehrliches Fazit zur Schillat-Höhle mit Kindern
Ganz ehrlich: Mit dem farbenfrohen Spektakel in den →Saalfelder Feengrotten kann die Schillat-Höhle ebenso wenig mithalten wie mit den →unterirdischen Kathedralen im slowenischen Karst. Aber für ein Ausflugsziel am Sonntagnachmittag ohne lange Anfahrt ist die kleine Tropfsteinhöhle mitten in Niedersachsen definitiv eine Empfehlung wert!

Im Anschluss könntet ihr auch im Café einkehren. Die Außenterrasse hat direkten Ausblick in den Steinbruch.
Mehr Ausflugsziele in der Nähe der Schillat-Höhle
Die Schillat-Höhle liegt in einem landschaftlich sehr schönen Gebiet im nördlichen Weserbergland.
Mein heißer Tipp, um aus der Besichtigung der Tropfsteinhöhle einen vollwertigen Tagesausflug zu machen, ist eine anschließende Wanderung zu den Hohensteinklippen. Theoretisch könnt ihr sogar vom Höhlen-Parkplatz aus loswandern. Praktikabler ist es vom nahen Wanderparkplatz aus. Die kleinste Runde umfasst vier Kilometer. – Aber Achtung: Eine ganze Menge Höhenmeter gehören auch dazu. Dafür ist die Aussicht von oben grandios! Bei uns haben Kind und Teenager fast gar nicht gemotzt und hinterher jedenfalls zugegeben, dass sich der Spaziergang gelohnt hat.

Anfang März ist noch nicht die beste Reisezeit für die Hohensteinklippen. Wenn die Bäume erst grün sind, sieht es noch herrlicher aus!
Weitere schöne Vorschläge für Wanderungen in der Gegend habe ich hier gesammelt: →Wandern rund um Rinteln – 11 kurze Touren zwischen Süntel und Wesergebirge.
Ein Abstecher direkt nach Hessisch-Oldendorf bekommt von mir dagegen eher das Label „optional möglich“. Viel Spannendes gibt es in der Kleinstadt nicht. Erwähnenswert ist aber das Café KreativTRaum in der Fußgängerzone nahe der Kirche. Dort gibt es nicht nur hervorragenden Kuchen, sondern vor allem eine tolle Spielecke für Kinder.
Wenn ihr Hameln nicht kennt, solltet ihr der nahen Rattenfängerstadt unbedingt einen Besuch abstatten. Die Altstadt ist sehr hübsch. Mit dem Rattenfängerspiel gibt es auch für Kinder was zu gucken (sogar gratis). Das Museum ist toll. Hier im Blog habe ich einen ausführlichen Artikel: →Hameln mit Kindern – Renzesvous mit dem Rattenfänger.
Und die schönsten Attraktionen und Ausflugsziele im gesamten Weserbergland stelle ich in diesem Bericht vor: →Weserbergland – sagenhafte Ausflugstipps.

Das Titelbild zeigt die Porta Westfalica mit dem →Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Auch ein schöner Ausflug!
Mehr unterirdische Abenteuer mit Kindern in Deutschland
In mehr als 13 Jahren Reisebloggen haben wir schon eine Menge Höhlen und andere unterirdische Attraktionen besichtigt. Über diese hier teile ich meine Erfahrungen hier in meinem Reiseblog:
- Barbarossa-Höhle im Kyffhäuser (Thüringen)
- Drachenhöhle Syrau im Vogtland/Sachsen
- Saalfelder Feengrotten (Thüringen)
- Iberger Tropfsteinhöhle im Harz
- Bergwerk Rammelsberg im Harz
- Lavakeller in Mendig in der Eifel
- Die unterirdische Welt von Zwiesel (Bayerischer Wald)
Transparenz-Hinweis: Wir haben die Schillat-Höhle bei Hessisch-Oldendorf mit unseren Kindern auf eigene Kosten besichtigt. Mit * gekennzeichnete Affiliate-Links – gibt es in diesem Artikel gar nicht. Schade, denn über die kleinen Provisionen finanziert sich mein werbefreies und unabhängiges Reiseblog. (Falls ihr also sowieso gerade was bei Amazon* kaufen wolltet, nehmt sehr gerne meinen Link. ;) Euch entstehen keine Mehrkosten.)










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