Auf dem Skulpturenweg (in Obernkirchen, Deutschland)

„Typisch meine Stadt“ heißt das Motto des Fotoprojekts bei den Shootingqueens, und das passt prima, denn ich wollte hier schon länger über etwas ganz Obernkirchen-typisches schreiben: über unsere Sandsteinskulpturen nämlich.

Dass wir hier jede Menge davon rumstehen haben, von abstrakt bis naturgetreu, von altbekannt bis nagelneu, das verdanken wir dem guten Obernkirchener Sandstein und dem alle drei Jahre stattfindenden Bildhauersymposion (IOBS). Vom alten Steinbruch habe ich hier schon mal erzählt. Und endlich haben wir es an einem leidlich sonnigen Nachmittag nun auch geschafft, uns zu einer kleinen Foto-Safari aufzuraffen.

The shootingqueens asked for photos "typical for my town" - and for Obernkirchen, that must be sandstone sculptures. This one is by Isamo Fujimoto and Frida Schlange and is called "Free Wind".
The shootingqueens asked for photos „typical for my town“ – and for Obernkirchen, that must be sandstone sculptures. This one is by Isamo Fujimoto and Frida Schlange and is called „Free Wind“.

Unser erstes Ziel ist die Info-Galerie in der Friedrich-Ebert-Straße (das ist da, wo früher mal Fußgängerzone war und heute die meisten Geschäfte leer stehen). Wir besorgen uns den Wander-Flyer „Skulpturenweg Obernkirchen“. Der ist nicht mehr ganz aktuell, eignet sich aber trotzdem prima als Grundlage für eine Schnitzeljagd.

Wir sind mit dem Fahrrad unterwegs und sausen an manchem Kunstwerk vorbei. Und das ist auch schon der Haken an der Sache: Die Jungs haben keine Lust auf Foto-Stopps. „Es ist zu kalt, um hier blöd rumzustehen!“ motzt Silas und bestätigt damit die Worte der Dame aus der Info-Galerie. „Machen Sie das doch lieber im Sommer“, hat die nämlich gesagt. Dann soll es auch geführte Spaziergänge auf dem Skulpturenweg geben, so dass man auch mehr erfährt als maximal Künstler und Titel des Werks aus dem Handzettel.

Every three years there is the International Obernkirchen sculpturist's symposion. This is one of the works from 2012, called "Agape" by Gideon Gomo, Zimbabwe.
Every three years there is the International Obernkirchen sculpturist’s symposion. This is one of the works from 2012, called „Agape“ by Gideon Gomo, Zimbabwe.

Aber noch sehe ich nicht ein, dass wir die Sache abblasen. Die Kunstwerke verteilen sich über das komplette Stadtgebiet, zieren Plätze und Verkehrskreisel, bieten Hingucker am Wegesrand, die wir Einheimischen sträflicherweise längst als selbstverständlich hinnehmen. 48 Eintragungen weist der Flyer auf. Seit dessen Druck hat sich einiges getan, aber so ungefähr dürfte die Zahl doch hinkommen. Zwar findet sich außerhalb des Symposion-Trubels im finanzschwachen Städtchen eher selten ein Käufer für die Schmuckstücke im höheren vier- bis fünfstelligen Bereich. Aber hin und wieder passiert es eben doch, und dann fehlt plötzlich ein altbekanntes Steingesicht. Dafür sind die verbliebenen Werke von 2012 dazugekommen, die in dem Schriftstück noch nicht verzeichnet sind (und wer Interesse hat: hier gibt’s die komplette Preisliste dazu).

"Raincloud" by Emil Adamec, "Pocket Bag" by Algimantas Slapikas, Silas all by himself and "Folding Fun" by Isamo Fujimoto and Pascal Schmidt.
„Raincloud“ by Emil Adamec, „Pocket Bag“ by Algimantas Slapikas, Silas in philistine mode and „Folding Fun“ by Isamo Fujimoto and Pascal Schmidt.

Die Jungs meutern weiter, und sobald ich meine Handschuhe zum Fotografieren abstreife, werden mir die Finger in der unzulänglichen, aber doch ungemütlichen Januarkälte steif. Nach einer kurzen Fahrrad-Schleife bis zum Rand der Innenstadt schließen wir einen Kompromiss und beschränken uns auf den Kirchplatz. Hier stehen die Skulpturen dicht an dicht, denn hier kommen sie her. Den Rahmen bilden lauter Gebäude, die ebenfalls „typisch meine Stadt“ sind: Die Stiftskirche St. Marien, natürlich auch aus Sandstein erbaut. Das Fachwerk-Trafo-Häuschen mit Zwiebelturm, das heute zu bestimmten Gelegenheiten als Kultur-Café genutzt wird. Der Backsteinbau der „Roten Schule“, heute Gemeindezentrum. Und die „Weiße Schule“, die das Berg- und Stadtmuseum beherbergt.

Two beauties in front of the old electricity transformer house ("Imagine of beauty" by Tutani Mgbazi).
Two beauties in front of the old electricity transformer house („Imagine of beauty“ by Tutani Mgbazi).

Tja, weiter sind wir diese Woche leider nicht gekommen. Irgendwann holen wir das nach, versprochen. Im Sommer, am liebsten mit der in Aussicht gestellten fachkundigen Führung.

Die Infogalerie in Obernkirchen hat montags bis samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet, montags, dienstags, donnerstags und freitags zusätzlich von 15 bis 18 Uhr. Und wie mir erst jetzt in dieser Minute auffällt, gibt es den Skulpturenweg-Flyer sogar online im pdf-Format. Termine für die erwähnten Führungen stehen aktuell keine fest.

There are quite a few more sculptures scattered all over the church square and the entire town. And of course the church is made of sandstone, too.
There are quite a few more sculptures scattered all over the church square and the entire town. And of course the church is made of sandstone, too.

Noch mehr Tipps für kostenlose Familienausflüge in Schaumburg haben die Kollegen von den Schaumburger Nachrichten hier gesammelt.

2 Gedanken zu „Auf dem Skulpturenweg (in Obernkirchen, Deutschland)“

  1. Hallo Lena!

    Die vielen Skulpturen in Obernkirchen fand ich bei meinem Besuch im vergangenen Herbst auch ganz toll. habe auch viele Fotos davon mit nach Hause genommen und mir voegenommen, diesen Sommer alle zu erkunden.

    Liebe Grüße aus dem benachbarten Lipperland
    Martina

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