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Die praktischen Seiten des Reisens: Tagesablauf einer Familien-Langzeitreise

Was macht man eigentlich so den ganzen Tag, wenn man monatelang mit seinen Kindern durch die Weltgeschichte reist? Wie viel Zeit nehmen die alltäglichen Dinge ein, wie viel bleibt fürs Sightseeing und wie viel – ganz wichtig – geht für die Schule drauf?
Mir war schon klar, als wir diesen Trip planten, dass sich unsere Vorstellungen und die Praxis wahrscheinlich unterscheiden würden, und dass wir unsere Erfahrungswerte aus den drei- bis vierwöchigen Sommerurlauben nicht direkt würden übernehmen können. Aber ich habe es mir doch ein bisschen einfacher vorgestellt mit dem Zeitmanagement. Meine treuen Leser merken es: Zeit fürs Bloggen bleibt jedenfalls nicht viel.

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Tage wie dieser

Unter dem Motto „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ (#WMDEDGT?) sammelt Frau Brüllen Tagebuch-Beiträge, die Blog-Leser einen Tag in unserem Leben hautnah miterleben lassen. Nun ist family4travel ein Familien-Reiseblog und es ist durchaus diskussionswürdig, ob solch ein Alltags-Eintrag hier etwas zu suchen hat. Ich denke mir: Ihr dürft gerne zur Kenntnis nehmen, dass ich (je nach Sichtweise) ein fleißiges Bienchen oder ein armes Würstchen bin; hauptsächlich aber zeige ich euch meinen heutigen Tag als Antwort auf die Frage, warum die Blog-Frequenz hier in den vergangenen zwei Wochen so stark nach unten gegangen ist. Tage wie dieser sind nämlich im Moment leider eher die Regel als die Ausnahme…

 

6.15: Der Wecker klingelt. Alle Mann aufstehen! Morgenroutinen.

7.00: Die Jungs und ich verlassen das Haus, sammeln auf dem Weg zur Schule zwei weitere Mitschüler ein.

7.50: Pünktlich liefere ich vier Kinder an der Waldorfschule ab. Das erste Soll des Tages ist erfüllt – yay!

8.00: In meinem liebsten Bäckerei-Café bestelle ich eine Müslistange und einen schwarzen Tee. Am Laptop redigiere ich den Blogbeitrag über Weimar für morgen und mache mir als Elternvertreterin der ersten Klasse Gedanken über die Faschingsfeier. Was brauchen wir zum Dekorieren, was fürs Büffet?

9.00: Schnell los, bevor die kostenlosen Parkplätze in Innenstadtnähe alle vergeben sind! Ich ergattere den vorletzten, laufe in die Altstadt. Eine gute Stunde habe ich bis zum nächsten Termin zu überbrücken. Passt: Ich brauche noch Geburtstagsgeschenke für Schwiegervater, Mutter und Schwiegermutter.

9.15: Ich versacke in der Buchhandlung. Definitiv keine weiteren Probleme, Zeit totzuschlagen.

10.15: Mit einer viel zu schweren Tüte in der Hand laufe ich zum Mindener Museum.

10.30: Der LWL führt in die neue Wanderausstellung „100 Jahre Erster Weltkrieg“ und das dazugehörige museumspädagogische Programm ein (sehr empfehlenswert für alle Schulklassen der Sekundarstufe I!).

13.00: Um einiges schlauer eile ich zum Parkplatz zurück. Ich hab sogar an meine Einkaufstüte gedacht und bin ein bisschen stolz auf mich.

13.15: Pünktlich sacke ich die Kinder wieder ein. Eins hat eine kaputte Brille. Leider ist es eins von meinen.

14.00: Zu Hause. Der Augenarzt sagt, wenn, dann jetzt gleich vorbei kommen. Silas drücken wir Opa aufs Auge.

14.15: Die Dame an der Anmeldung verspricht, dass es nicht lange dauert.

14.50: Ich werde nervös: Um drei hab ich einen Presse-Termin.

15.00: Mit Rezept für neue Brillengläser stehen wir auf der Straße.

15.10: Fast pünktlich und in Begleitung eines unfreiwilligen Praktikanten trete ich meinen Termin in der Bank-Geschäftsstelle an. Bis allerspätestens Freitag soll das ein Unternehmensportrait für die lokale Wirtschaftsseite werden.

15.45: Der Termin ist erledigt. Die Keksschale auf dem Konferenztisch ist leer gefuttert. Janis ist auf Zucker.

16.00: Neue Brillengläser sind bestellt. Macht 64 Euro. Janis zuckt die Schultern. „Braucht ihr mir nichts zum Geburtstag zu schenken“, sagt er gönnerhaft.

16.15: Im Bioladen besorgen wir schnell was zum Abendessen und pflegen soziale Kontakte. Restliche noch heute dringend benötigte Dinge kaufen wir im Discounter (Milch und Tulpen).

16.25: Zu Hause halten wir nur ganz kurz, schnappen Janis’ Sportsachen, stellen im Auto fest, dass es die falschen sind, ich sprinte wieder ins Haus und tausche sie um. Ausnahmsweise bringe ich Janis mit dem Auto zum Judo, weil’s schon so spät ist.

16.35: Ich stelle den versprochenen Kuchenteller für die sehr liebe und sehr kranke Nachbarin zusammen, drücke ihn Silas in die Hand und schicke ihn schon mal über die Straße. Ich atme tief durch. Dann schmiere ich mir zwei Scheiben Brot, und während ich zu Mittag esse, checke ich E-Mails, höre die Mailbox ab und führe drei Telefongespräche für weitere Terminabstimmungen.

17.00: Eigentlich will ich nur kurz Silas wieder abholen, bleibe dann aber doch eine Stunde. Es gibt Dinge, für die man sich einfach Zeit nehmen muss, wenn sie dran sind.

18.00: Silas und ich gehen wieder rüber. Martin und Janis kommen nach Hause. Dankenswerterweise lädt uns Oma zum Essen ein.

19.00: Ich schicke die Jungs zum Zähneputzen und Umziehen. Die Tulpen und die Milch fallen mir wieder ein, die noch im Auto liegen.

19.15: Ich erinnere die Jungs, dass sie sich nicht kloppen, sondern umziehen und ihre Zähne putzen sollen.

19.30: Die Jungs liegen im Bett. Wir zelebrieren unser allabendliches Vorlese-Ritual (aktuelle Lektüre: „Harry Potter and the Prisoner of Azkaban“). Martin verabschiedet sich zur Schul-Versammlung (Fluch der Waldorf’schen Basis-Demokratie sind die zahlreichen Abendveranstaltungen).

20.00: Eigentlich würd ich jetzt auch gern ins Bett gehen. Da ist aber noch eine meterlange To-do-Liste, und im Haushalt habe ich heute auch noch keinen Handschlag getan. Beides muss warten, denn zuerst einmal muss ich die Unterrichtsvorbereitung erledigen – morgen ist mein Lehrer-Tag. Stattdessen tippe ich erstmal in epischer Breite meinen Tagesbericht (und fühle mich plötzlich, als hätte ich heute richtig was geleistet :) ).

Wenn ich mich ranhalte, liege ich vielleicht um elf im Bett, und morgen gibt es trotzdem endlich mal wieder einen (anständigen) Blog-Beitrag!