Zeitreise: Das Archäologische Museum von Thessaloniki

Ein Mistwettertag vor dem Herrn! Was gibt es bei Regenwetter besseres als ein Museum? Wir nehmen den Bus in die Innenstadt – unsere supernetten Vermieter haben uns den Weg zur Haltestelle genau beschrieben, und so wissen wir trotz griechischer Buchstaben auch, an welchem Schild wir aussteigen müssen.

Das Archäologische Museum von Thessaloniki wartet nicht mit Superlativen auf und ist uns gerade deshalb auf Anhieb sympathisch. Die Dauerausstellung ist modern konzeptioniert und mit unterhaltsamen Multimedia-Elementen unterstützt, aber nicht damit überfrachtet. Im Mittelpunkt stehen materielle Zeitzeugen Jahrtausende alter Geschichte, wie sich das gehört (was nicht selbstverständlich ist, das haben wir auch schon anders gesehen).

Anfassen verboten, gucken erlaubt: Die Konzeptionierung des Archäologischen Museums von Thessaloniki hat mich überzeugt.
Anfassen verboten, gucken erlaubt: Die Konzeptionierung des Archäologischen Museums von Thessaloniki hat mich überzeugt.

Alte Steine und moderne Technik

An einem Touchscreen klicken sich die Jungs durch ein clever gemachtes Programm, das ihnen den Aufbau der antiken Stadt vermittelt  – zumindest nachdem wir dem wilden Knöpfedrücken Einhalt gebieten, gemeinsam die englischen Texte übersetzen und über das Gesehene sprechen. Kinder in Museen völlig frei laufen zu lassen und dann zu erwarten, dass sie viel Bildung dabei mitnehmen, funktioniert im Ausland freilich noch weniger als in Deutschland. Auch auf mich als „gelernte Historikerin“ (allerdings mit Schwerpunkt ganz woanders als in der Antike) warten etliche Aha-Effekte. Gemeinsam mit den Jungs lerne ich, wie im alten Griechenland die Zeitrechnung funktionierte (erstaunlicherweise gaben die Chronisten ihre Jahreszahlen nicht mit „378 v. Chr.“ an), und alleine – weil die Jungs lieber vor den Vitrinen mit den Waffen campieren – lerne ich, wie sich die wandelnde Haarmode anhand von Stauen verfolgen lässt.

Aus den bildlichen Darstellungen lässt sich jede Menge Alltagsgeschichte ablesen.
Aus den bildlichen Darstellungen lässt sich jede Menge Alltagsgeschichte ablesen.

Dreieinhalb Stunden später stehen wir wieder im strömenden Regen. Wir unternehmen einen ebenso tapferen wie kurzen Versuch, uns durch die Wassermassen in die Altstadt durchzuschlagen. Dann quetschen wir uns in den überfüllten Bus, fahren zurück in unsere Ferienwohnung und trinken im Trockenen eine herrliche heiße Schokolade, selbstgemacht. Hat auch was.

Wir haben der Geschichte ins Auge geblickt. - Alle Fotos dieses Beitrags sind mit Einverständnis des Museums veröffentlicht.
Wir haben der Geschichte ins Auge geblickt. – Alle Fotos dieses Beitrags sind mit Einverständnis des Museums veröffentlicht.

Praktische Hinweise

Das Archäologische Museum von Thessaloniki befindet sich an der Ecke Hanth-Platz bzw. in der Manoli Andronikou-Straße 6, ganz in der Nähe des Messegeländes mit dem markanten hässlichen Turm und der eckigen Weltkugel. Öffnungszeiten: Montag (!) bis Sonntag 9 bis 16 Uhr. Erwachsene zahlen 6 Euro Eintritt, in Kombination mit dem Museum für Byzantinische Kulur 8 (empfehlenswert und fünf Tage gültig). Kinder bis 18 Jahre sind generell frei.

Mehr Thessaloniki

In Thessaloniki schließen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit Griechenland. Zum Eingewöhnen verordnen wir uns eine Woche in einem schönen kleinen Apartment, das wir über AirBnB gemietet haben. Zwei Tage lang gehen wir praktisch kaum vor die Tür, denn während wir entlang der türkischen Westküste eine Ruinenstadt nach der anderen abgeklappert haben, ist eine Menge Arbeit liegen geblieben. Effektiv bleiben uns fünf Tage, um die zweitgrößte Stadt Griechenlands zu erkunden.

Tag 1: Stadtbummel mit Kindern (und Schokolade)
Tag 2: Ausflug nach Pella: Die Kinderstube Alexanders des Großen
Tag 3: Zeitreise: Das Archäologische Museum von Thessaloniki
Tag 4: Chalkidiki: Sonne, Strand und mehr
Tag 5: Museum für Byzantinische Kultur – „Was is’n das?“

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