Ich überlege schon die ganze Zeit: Wie erzählt man so etwas im Blog, wenn noch nicht einmal Familie und Freunde alle Bescheid wissen? Eigentlich wollten wir schon zu Weihnachten den großen Rundumschlag machen und im Jahresrückblick damit rausrücken, aber da sah es plötzlich so schlecht für uns aus. Jetzt aber steht die Sache so fest, wie sie zu diesem Zeitpunkt nur feststehen kann. Deshalb nutze ich den Bericht über unseren traditionellen Familienausflug zum Dreikönigstag, um aus dem Nähkästchen zu plaudern, was sich bei family4travel Gewaltiges hinter den Kulissen tut.

Es ist Tradition, dass wir den 6. Januar nutzen, um am Ende der Weihnachtsferien noch einmal einen schönen Tag mit der ganzen Familie zu verbringen. Ich backe einen Dreikönigskuchen oder etwas in der Art und verstecke darin eine ganze Mandel. Wer die findet, ist König des Tages. Der König – oder die Königin – bestimmt dann das Programm. Um die absolutistische Herrschermacht etwas einzuschränken und Spaß für alle zu garantieren, gibt es dafür eine Liste, aus der der Monarch wählen darf. Die legen wir vorher zusammen an, und es kommen nur Vorschläge drauf, gegen die keiner ein Veto einlegt.

Dreikönigstag Kuchen

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal einen echten Dreikönigskuchen südfranzösischer Tradition gebacken (ist ein bisschen dunkel geworden).

König Silas III. hat ein gutes Gespür für Mandeln im Kuchen.

Ganz geruhsam: In die Insekten-Sonderausstellung auf der Eulenburg

Silas III. also darf unser Programm bestimmen. Viele haben unseren Tag ja auch schon „live“ als Instastory verfolgt (da muss man aber immer auf der Hut sein, denn das bleibt nur 24 Stunden lang online; im normalen Instragram-Feed bleiben nur ein paar einzelne Fotos übrig, immerhin).

Die parlamentarisch abgesegnete Liste für 2019 ist jedenfalls denkbar kurz. Ein Highlight aber erwählt der Monarch des Tages zielsicher: die Sonderausstellung „Kleine Giganten. Insekten, Spinnen & Co.“ des Museums Eulenburg in Rinteln.

Insekten Sonderausstellung Eulenburg Rinteln

Eine Gottesanbeterin, die sich als Blatt tarnt. Das „Wandelnde Blatt“ sieht noch krasser aus, aber da ist das Foto leider total unscharf geworden. Ich hatte bloß das Handy mit zum Fotografieren.

Bis dahin ist es für uns nicht weit. Das kleine Regional-Museum ist immer gut für einen Schuss aus der Hüfte. Die Sonderausstellungen sind meistens richtig gut. Oft richten sie sich gezielt an Kinder und bieten viele interaktive Möglichkeiten zum Mitmachen, wie beispielsweise das Mini-Mathematikum über den vergangenen Jahreswechsel und auch die Ausstellung „Hochspannung!“, über die ich sogar mal gebloggt habe. So ist der Vorschlag für uns einerseits eine Verlegenheitslösung, andererseits entpuppt er sich als echt guter Ausflugstipp für Familien im Schaumburger Land.

Insekten Sonderausstellung Eulenburg Rinteln

Lebende Tiere beobachten, dazu den Begleittexten interessante Infos entnehmen – für uns geht das Konzept gut auf.

Über 30 Terrarien umfasst die aktuelle Sonderausstellung auf zwei Stockwerken. Darin befinden sich kuriose wie alltägliche Insekten, Spinnen, Krebstiere und Gliederfüßer. Im Erdgeschoss faszinieren uns sofort die Tarnungsexperten wie das „Wandelnde Blatt“, das wirklich und wahrhaftig wie ein solches aussieht. Museumsleiter Dr. Stefan Meyer lässt es über seinen Unterarm laufen und hätte es durchaus auch einmal an uns herübergereicht. Wir lehnen jedoch gesammelt dankend ab. Beim Füttern wiederum gucken die Jungs nur zu gerne zu.

Insekten Sonderausstellung Eulenburg Rinteln

Selbermachen macht schlau: Silas an der Mikroskopierstation.

Die Insekten-Sonderausstellung in der Eulenburg in Rinteln läuft noch bis zum 28. April 2019. Das Museum ist dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, sonntags schon ab 11 Uhr. Erwachsene zahlen 4 Euro Eintritt, Kinder von sieben bis 17 Jahren 1 Euro, darunter frei. Mehr Informationen gibt es auf der Homepage des Museums.

Begleitprogramm: Kaffeetrinken in Krankenhagen und heimische Gemütlichkeit

Knapp drei Stunden verbringen wir im Museum. Schließlich wollen wir uns alle Tierchen ausführlich angucken, vom Ofenfischchen bis zur Goliath-Vogelspinne. Und ein Rundgang durch die Dauerausstellung muss auch noch sein, denn Rinteln hatte interessanterweise lange eine Universität, die hier zu Ehren kommt. Und das teuflische Kapitel der Hexenverfolgung ist in Rinteln auch so dick, dass es einen spannenden eigenen Bereich bekommen hat.

Museum Eulenburg Rinteln

Das Stadtmodell von Rinteln in der Dauerausstellung.

Dann wünscht sich König Silas III. (nach einem zarten Wink der Königsmutter) eine Einkehr im Café. Das ist in Rinteln immer ein bisschen unbefriedigend, denn obwohl die kleine Stadt (aufgrund vieler eingemeindeter Dörfer) als Schaumburgs größte Ortschaft gilt, gibt es keine so richtig schöne Einkehrmöglichkeit nach unserem Geschmack. Nach etlichen Enttäuschungen in der Innenstadt testen wir uns da bei passenden Gelegenheiten jetzt durch die Dörfer. Am Dreikönigstag fällt unsere Wahl auf das Antik-Café Ritter in Krankenhagen. Im ersten Moment haben wir zwar das Gefühl, in einem Ramschladen für Haushaltsauflösungen gelandet zu sein, aber der Apfelkuchen ist dann doch richtig, richtig lecker.

Antik-Café Ritter in Rinteln-Krankenhagen

Eine Erfahrung für sich: Kaffeetrinken im Antik-Café Ritter in Rinteln-Krankenhagen.

Den Rest des Tages verbringen wir dann zu Hause. Der König darf uns Cocktails mixen – seine große Leidenschaft seit unserem Kreuzfahrt-Abenteuer. Wir bestellen Pizza und schauen zum Abschluss noch einen Film. Es ist ein richtig schöner Tag – obwohl wir so viel weniger machen als an anderen Dreikönigstagen.

Gemütlicher Ausklang unseres Dreikönigstags.

Katze aus dem Sack

Aber warum jetzt diese Zurückhaltung? Wo wir doch sonst so gerne in die Vollen gehen, total gerne Wandern und uns kaum ein Weg zu weit ist, um ihn eben schnell zu Fuß zurückzulegen?

Tatsache ist: Ich komme im Moment nicht so gut mit. Anders gesagt: Ich bin ein rohes Ei, oder fühle mich zumindest so. Ich bin nämlich schwanger. Dass das mit 36 nicht mehr die beste aller Ideen ist, war mir schon vorher klar. Aber dass sich mein Körper so sehr anstellen würde, hab ich nicht erwartet.

Noch könnte man das Bäuchlein für ein Überbleibsel der Weihnachtsfeiertage halten. (Sorry, ich bin mies in Selfies, und sonst will mich immer niemand fotografieren hier – mit Neid sehe ich auf Leute wie Fee ist mein Name, die ihre Schwangerschaft in wunderschönen Bildern dokumentieren können.)

Okay, der Rest dieses langen Beitrags ist eine ausufernde Auseinandersetzung mit unserer Entscheidungsfindung und den zahlreichen Problemen in der Frühschwangerschaft und gehört eigentlich überhaupt nicht in einen Familien-Reiseblog. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! Trigger-Warnung Fehlgeburt.

Sinneswandlung: Von „wir sind komplett“ zu „ein kömmer noch“

Wenn euch das jetzt überrascht, dass wir noch ein Baby bekommen, dann geht es euch im wesentlichen nicht anders als uns. Wir haben zwar im Herbst bewusst die Entscheidung dafür getroffen, es noch einmal drauf ankommen zu lassen, aber noch im Sommer hätte ich nicht damit gerechnet, dass ich meine Meinung dahingehend noch einmal ändern würde.

Im Spätsommer waren wir bei Freunden zum Spieleabend eingeladen. Wir hatten unsere Jungs dabei, die schon so wunderbar groß sind, dass sie komplexen Strategiespielen nicht nur folgen können, sondern eine echte Bereicherung dabei sind. Ein Paar in unserem Alter beneidete uns darum, denn sie wollten gerade erst mit dem ersten Kind loslegen. „Kleine Kinder sind doch auch was Schönes“, antwortete ich den beiden und sagte später in der Küche im Brustton der Überzeugung zur Gastgeberin: „In diesem Alter noch mal ganz von vorne anfangen? Boah, da hätte ich ja sowas von keinen Bock drauf!“

Im Gegenteil, eigentlich stand fest, dass nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums meiner Verhütungsmethode der Wahl endlich mal Martin an der Reihe wäre, mit der endgültigen Variante. Er hatte sogar schon einen Termin. Ohne mit der Wimper zu zucken unterschrieb ich ihm den Wisch, dass auch seine Ehefrau sich der Konsequenzen bewusst ist und der Sache zustimmt. Zwei Tage vorher kam dann ein Anruf: Irgendwelche Schwierigkeiten mit der Zulassung für die ambulanten OPs, bis auf weiteres keine Eingriffe möglich. Wir telefonierten von Potius nach Pilatus, nirgendwo war 2018 noch ein Termin zur Vasektomie zu kriegen.

„Tja, tut mir leid, da sind wir wohl gezwungen, noch ein Kind zu kriegen“, sagte ich nach dem x. Versuch böse zu Martin, und wir lachten über diese absurde Bemerkung.

Eine Woche später stand ich im Supermarkt, sah ein Neugeborenes in der Babyschale und wäre beinahe in Tränen ausgebrochen. Normalerweise bin ich überhaupt nicht emotional. Und Babys lassen mich seit mindestens zehn Jahren kalt. Nicht einmal, wenn ich meine mittlerweile knapp zweijährige Nichte auf dem Arm hielt, überkam mich das Bedürfnis nach einem eigenen Kind. Und jetzt stand ich mitten im Aldi und hätte heulen können.

Entscheidungsfrage: Ist es sinnvoll, noch ein Kind zu kriegen?

Zu Hause erlaubte ich mir, ernsthaft über die Sache nachzudenken. Ich bin 36 und sehr glücklich. Meine Kinder sind 14 und 12 Jahre alt, in vielen Dingen wunderbar selbstständig und große Hilfen. Ich bin mit dem richtigen Mann verheiratet.

Zeitlich wäre jetzt der Punkt, an dem ich noch mal richtig Karriere machen könnte, wenn ich wollte. Das Problem: Wir haben hier ein schönes Haus auf dem Land, das wir uns mit meinen Eltern teilen, denen wir das Versprechen auf Unterstützung gegeben haben. Mein parkinsonkranker Vater wird in den kommenden Jahren immer mehr Hilfe brauchen, und nichts läge mir ferner, als meine Mutter damit alleine zu lassen. Von Haus aus Religionswissenschaftlerin und Historikerin, brauche ich aber hier in der Gegend gar nicht erst anzufangen, mich nach Jobs in meinem Fach umzusehen. Klar, wenn ich müsste, könnte ich irgendwas arbeiten, keine Ahnung, irgendwo im Büro oder zur Not hinter der Bäckertheke. Aber ich muss ja gar nichts verdienen, wir kommen ganz gut aus mit dem Geld, das Martin nach Hause bringt. Finanziell fällt das bisschen, das ich durch meine Schreiberei, das Bloggen und hin und wieder ein Lektorat verdiene, kaum ins Gewicht, aber es macht mich glücklicher als jeder stupide Bürojob.

Es gibt in meinem Leben drei Dinge, die ich ziemlich gut hinkriege, finde ich. Da ist zum einen das Schreiben, das mir ein Grundbedürfnis ist. Das mache ich sowieso und werde es immer tun, in der einen oder anderen Form. Dann fand ich mich recht gut in der Lehre, weil es mir offenbar gelingt, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären und Schüler dahin zu führen, dass sie selber merken, was sie wissen (meiner Honorartätigkeit an der Berufsschule trauere ich deshalb immer noch ein bisschen hinterher, aber so schlimm, dass ich jetzt noch mal mit einem Lehramtsstudium anfangen würde, ist es dann doch nicht). Das dritte, was ich ausprobiert habe und was mir doch ganz ordentlich gelungen ist, sind meine Kinder.

Ich meine, klar, Fehler macht man immer, viele, und ob sie wirklich was geworden sind oder nicht, kann man eigentlich erst an den Enkeln ablesen. Aber ich fand mich als Mutter zumindest keine Fehlbesetzung. Und das ist doch eigentlich schon Grund genug, diese Fertigkeit weiter auszubauen, oder?

Außerdem: Wo viele andere Frauen sich aus Karrieregründen gegen ein weiteres Kind entscheiden, kommt es mir für meine Projekte eigentlich eher gelegen. Meine Jungs sind langsam zu groß, um noch einen weiteren Familienreiseführer bebildern zu können. Mit einem neuen Fotomodel hingegen… Gleiches gilt für mein Familien-Reiseblog. So langsam käme hier die Frage auf, wie lange ich die Jungs wohl noch mitschleppen kann, um über Familienurlaub und Reisen mit Kindern zu schreiben, und ob „Reisen mit muffeligen Teenagern“ wohl auch noch Leser interessiert. Stattdessen können wir jetzt einfach wieder ganz von vorne anfangen und lustig Neues im Sektor „Reisen mit Baby“ ausprobieren.

Und was sagt der Papa dazu?

Der Papa, der eigentlich bloß einen Termin zur Vasektomie wollte, fiel natürlich aus allen Wolken, als ich ihm mit meinen Gedankenspielen kam. Ich habe gewartet, bis ich mir ganz sicher war, dass ich wirklich noch ein Kind wollte, bevor ich ihn damit belästigte. Entsprechend niederschmetternd waren unsere ersten Gespräche. Ich, voller Hoffnung und Tatendrang, und er, der den Vorschlag für einen schlechten Scherz hielt.

Unsere Woche in den Herbstferien in Sachsen haben wir genutzt, um viel über das Thema zu sprechen. Und Gott sei Dank zeigte sich, dass sich auch mein lieber Mann nach und nach an die Idee gewöhnen konnte, ein, zwei Jahre nach erbrochener Milch zu riechen und Sex, wenn überhaupt, im Halbschlaf zu vollziehen.

Ist ja noch lange nicht gesagt, dass es klappt

Ab 35 liegt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau innerhalb eines Jahres auf natürliche Weise schwanger wird, bei 30 Prozent. Das ist nicht so richtig viel.

Mein erstes Kind habe ich mit 21 bekommen. Für diese Altersgruppe gibt die Statistik für dasselbe Vorhaben 90 Prozent Trefferquote an. Damals haben wir vier Monate gebraucht. Zwischen den Kindern haben wir uns keine besondere Mühe mit dem Verhüten gegeben, und daher ist es eher Zufall, dass knapp 2,5 Jahre zwischen den beiden liegen.

Nachdem argumentative sowie mechanische Hindernisse aus dem Weg geschafft waren, erwartete ich also eine lange Zeit der Ungewissheit. Und wenn es nicht klappt, sagte ich mir, soll es eben nicht sein, und wir können stattdessen krass reisen und coole Dinge machen.

Da war ich schon schwanger.

Dokumentation eines historischen Moments. Da wusste ich noch nicht, was mir in den kommenden Wochen blühen würde.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

Eine Woche lang dachte ich, ein Test würde sich noch gar nicht lohnen, das könne schließlich gar nicht sein, dass das gleich beim allerersten Versuch was wird. Außerdem tat mir alles weh. Erst als mir kotzübel war, gab ich dem kleinen Pappstreifen eine Chance. Der verfärbte sich schneller, als ich gucken konnte. Jetzt war ich doch ein bisschen überrumpelt.

Nur eine Woche später schien sich die Sache zu erledigen. Die ständigen Schmerzen bis hin zu echten Krämpfen hatten mich ohnehin vorsichtig gestimmt. Dann lief das Blut. Ich seufzte, verkorkte die Angelegenheit mit einem Tampon (was man übrigens in dem Fall nicht tun sollte, wie ich später gelesen habe) und fuhr zu meiner Theater-AG in die Schule.

Auch das Fehlgeburtsrisiko ist ab 35 stark erhöht, und ohnehin trifft jede fünfte Mutter dieses Schicksal. Ich bin familiär vorbelastet, und außerdem hatte ich Hinweise, dass mit meiner Schilddrüse nicht alles in Ordnung ist, was das Risiko weiter erhöht. Nach unserer Entscheidung für ein Kind hatte ich mir zwar sofort einen Termin zur Untersuchung geben lassen, aber sowas dauert ja immer ewig (erst Dienstag bekomme ich endlich die Ergebnisse von meinem Hausarzt, nachdem ich wochenlang auf einen Termin in der Radiologie gewartet habe, wo dann wegen der Schwangerschaft letztlich auch nur ein kurzer Ultraschall gemacht und Blut abgenommen wurde).

Frisches, rotes Blut verheißt selten etwas anderes als das Ende der Schwangerschaft, hatte mir mein Frauenarzt in meiner ersten Schwangerschaft erklärt. Bräunliche Schmierblutungen seien ein Zeichen für Schwierigkeiten, die man oft noch in den Griff kriegen könne. Da sei keine Panik angebracht. Nur bei frischem, roten Blut. Ich ging also davon aus, dass es keinen Grund mehr zur Eile gab.

Eine Woche später hatte ich einen Termin bei meiner neuen Frauenärztin (der alte war zwischenzeitlich längst in Rente, Janis war damals sein erstes „Enkelkind“ gewesen, also das erste Kind einer Patientin, deren Mutter er schon die gesamte Schwangerschaft über betreut hatte). Eigentlich wollte ich nur wissen, wie lange wir wohl auf den natürlichen Abgang warten könnten, denn so eine Ausschabung (was technisch gesehen dieselbe Prozedur ist wie eine Abtreibung) wollte ich nach Möglichkeit vermeiden. Es hatte schon nach einem Tag wieder aufgehört zu bluten und war seitdem nicht über besagte Schmierblutungen hinausgelangt, obwohl ich alle möglichen menstruationsfördernden Maßnahmen ergriffen hatte, vom heißen Bad bis zum Zimt-Tee. Erfahrungsberichte über Fehlgeburten im Internet sagten mir ein paar unangenehme Tage voraus, wenn es denn erst soweit wäre – und dass das Einsetzen des Abstoßungsprozesses nach Absterben des Embryos noch mehrere Wochen dauern könne. Das wollte ich auch wieder nicht, zumal mein Körper in der Zwischenzeit immer noch meinte, schwanger zu sein, und mir weiterhin kotzübel war.

Erstaunlicherweise teilte meine Frauenärztin die Meinung meines Körpers. Sie fand in meiner Gebärmutter einen kleinen hellen Fleck mit Herzschlag, der allen Blutungen und allen wehenfördernden Maßnahmen getrotzt hatte.

Die Achterbahn geht weiter

Die folgenden Wochen verbrachte ich nun hauptsächlich in der Horizontalen und mit reichlich Medikation. Eine Zeitlang schien alles gut zu gehen, dann akkumulierten sich zu Heiligabend eine schlimme Halsentzündung bei Silas, die ihn die ganze Nacht vor Schmerzen nicht schlafen ließ, ein gründlicher Magen-Darm-Virus bei Martin, der ihn völlig außer Gefecht setzte, und eine Lammkeule, die ja trotz allem doch gemacht werden musste. Janis war der Held des Tages, der putzte und dekorierte und für ein trotz allem schönes Weihnachtsfest sorgte.

Heiligabend kümmert sich Janis um alles, nachdem er einige Tage zuvor schon ganz allein den Baum geschmückt hat.

Aber als ich mich abends fürs Bett fertig machte, bemerkte ich wieder Blut.

Die Ärztin in der gynäkologischen Ambulanz beruhigte mich am nächsten Morgen, was das Blut anging. Dann beunruhigte sie mich, was die Größe des Kindes anging. Das sei viel zu klein, eher 8. Woche statt 10. Könne man jetzt aber nichts dran machen, Herz schlage ja noch. Nach Neujahr zum Facharzt, gucken, ob dann noch was los sei. Mit diesem Weihnachtsgeschenk ging ich nach Hause und bereitete mich wieder auf den Abschied vor.

Am 2. Januar stand ich bei meiner Frauenärztin auf der Matte. Und wieder tat sie mir den Gefallen und fand auf ihrem Ultraschallschirm ein gesundes Kind. Ein bis zwei Tage kleiner als erwartet, was in der normalen Messtoleranz liegt, aber ganz sicher nicht zwei Wochen. Das Kleine hüpfte auf dem Bildschirm auf und ab, zeigte mir Arme und Beine. „Das sieht alles richtig gut aus“, sagte meine Ärztin, und ich brach vor lauter Erleichterung in Tränen aus.

Zu Hause erwarteten mich die Jungs im Hausflur. „Und?“ fragten sie ängstlich-hoffnungsvoll. „Alles in Ordnung“, sagte ich, und beide riefen: „Ja!!“ und fielen mir um den Hals.

Die magische 12. Woche

Nach der 12. Schwangerschaftswoche sinkt das Fehlgeburtsrisiko massiv, von 25 auf unter ein Prozent. Da meine Probleme wohl auf eine schilddrüsenbedingte Gelbkörperschwäche zurückzuführen sind und die nur im ersten Drittel zum Tragen kommt, hätte ich demnach jetzt das Schlimmste überstanden.

Natürlich kann immer wieder was Neues kommen. Jeder kennt genügend Horrorstorys. Ich habe keine Garantie, dass mein Kind den Hormoncocktail, mit dem ich es gut sechs Wochen lang am Leben halten konnte, ohne weitere Nebenwirkungen überstanden hat. Und dass es überhaupt von vornherein gesund ist. Ab 35 ist auch das Risiko eines behinderten Kindes erhöht (aber bis 40 zum Glück nur leicht).

Und überhaupt, wenn das Kind erst einmal geboren ist, kann es hinfallen, von Bäumen in Komposthaufen plumpsen (erbliche Vorbelastung), es könnte sich zu Silvester Maiskörner in die Nase stecken (wie das Nichtenkind), es könnte todkrank werden, und am Ende wird es ganz sicher sterben, wie wir alle. Aber bis dahin möchte ich jeden einzelnen Moment genießen. Oder zumindest so viele, wie ich schaffe, trotz erbrochener Milch, trotz vorzeitiger oder zeitgerechter Wehen, trotz all der Angst und Ungewissheit, die jedes Stadium des Elternseins mit sich bringt.

Ich freue mich wahnsinnig darauf, noch einmal Mutter zu werden.

 

Transparenz-Hinweis: Ich glaube nicht, dass irgendjemand auf die Idee kommt, dieser Artikel könnte bezahlte Werbung sein. Aber noch mal fürs Protokoll: Unser Ausflug ins Museum Eulenburg und ins Café Ritter war ein reines Privatvergnügen, zählt also – möglicherweise, da ist man sich ja immer noch nicht verbindlich einig – höchstens als unbezahlte, unbeauftragte Werbung. Wenn dich interessiert, wie sich dieses Blog finanziert, lies hier.