Edinburgh mit Kindern: Tagesausflug bei jedem Wetter

Edinburgh ist – je nach Wetter – eine erdrückend graue oder eine quicklebendige, wunderschöne Stadt. Wir haben sie zu viert erkundet und ein paar Überraschungen erlebt.

Unser Tag in Edinburgh zeigt uns wieder einmal, dass wir uns nicht besonders gut als Großstadt-Touristen eignen. Allerdings ist die schottische Hauptstadt schon ein ganz anderes Kaliber als das, was wir in London erlebt haben. Der Stadtverkehr ist auch für Landeier wie uns zu bewältigen. Parken aber ist ein Problem. Nach etlichen erfolglosen Versuchen, in den Seitenstraßen eine nicht für Anwohner reservierte Lücke zu finden, biegen wir doch ins Parkhaus ein, wo jede angefangene Stunde vier Pfund (!) kostet.

Grey and full of stairs: Edinburgh on a rainy day.
Grey and full of stairs: Edinburgh on a rainy day.

Der Wind bläst uns die Regentropfen ins Gesicht, als wir über den Markt unterhalb der Burg stapfen. Nein, Edinburgh zeigt sich wahrlich nicht von seiner besten Seite. Dazu kommt, dass ich mich hoffnungslos unvorbereitet in dieses Abenteuer begebe. Normalerweise recherchiere ich gern im Vorfeld über die Orte, die wir auf unserer Reise besuchen. Allermindestens lese ich den dazugehörigen Wikipedia-Artikel. Zeitmangel (ehrlich gesagt verursacht durch unseren kurzerhand mehrmals verlängerten Ostsee-Urlaub) hat mich diesmal davon abgehalten, und das ärgert mich. Auf dem Weg in die Innenstadt fotografiere ich also auf gut Glück jedes halbwegs imposant aussehende Gebäude in der Hoffnung, die Details später nachzuschlagen. Mein Wissen über Schottlands meistgelobte Stadt beschränkt sich auf die handelsüblichen Basics: hübsche Burg, nette Altstadt, viel Kultur, und irgendwie gibt es da so ein Kleinkunst- und Theater-Festival, während dem die ganze Stadt aus allen Nähten platzt.

Genau. Dieses Fringe-Festival ist heute. Das heißt, es geht drei Wochen lang, aber da heute Samstag ist, herrscht natürlich enormer Besucherandrang. Die High Street ist für den Autoverkehr gesperrt. Unzählige Menschen schieben sich hier an vielfältigen Kleinkünstlern entlang. Während wir einfach nur versuchen, die Kinder bei uns zu behalten und dem Gedränge zu entkommen, drücken uns enthusiastische Menschen reihenweise Flyer in die Hand, um uns zum Besuch ihrer abendlichen Shows zu bewegen. Silas versucht, Handzettel Nummer drei gegen Handzettel Nummer vier zu tauschen. Ich muss an das Känguru denken: „Vielen Dank, ich haben Ihnen hier auch etwas von meinem Müll mitgebracht.“ Die Verteilerin lacht zwar, lässt sich aber nicht auf diesen Handel ein.

Inzwischen haben wir einen gratis Stadtplan ergattert und folgen dem Weg zum National Museum of Scotland. Wer heute in Edinburgh ist, denken wir, will zum Festival, und geht nicht ins Museum.

Das Museum ist ziemlich großartig und davon abgesehen ein Thema für sich.

In dem Bewusstsein, dass jedes Trödeln die Parkhaus-Rechnung in astronomische Höhen treibt, marschieren wir nach gut drei Stunden Museum zurück Richtung Innenstadt. Der Magen hängt uns in den Kniekehlen, und so kehren wir beim „Piemaker“ ein (38 South Bridge). Der verspricht uns die landesweit größte Auswahl britischer Pasteten und sonstiger Teigtaschen. Für unter zehn Pfund werden wir hier alle in kürzester Zeit satt. Martin hat das Vergnügen einer „haggis pastry“ (Igitt!), die Jungs kriegen sausage rolls, und auch ich als Teilzeit-Vegetarier habe reichlich Wahlmöglichkeiten. Und: Das Personal ist äußerst freundlich und offensichtlich an Touristen gewöhnt, die sich ewig nicht zwischen makkaroni-and-cheese und spinach-and-potatoe entscheiden können.

Upstairs: an ordinary street.
Upstairs: an ordinary street.
Downstairs: another ordinary street, just three levels deeper. Weird.
Downstairs: another ordinary street, just four levels deeper. Weird.

Merkwürdig an Edinburgh ist das entschieden variierende Bodenniveau. Viele Straßen sind steil, viele Fußpfade sind Treppen. Ziemlich verdattert aber sind wir, als wir eine ganz normale Straße mit Häusern links und rechts entlang schlendern und auf eine Brücke treten. Darunter durch führt ebenfalls eine ganz normale Straße mit Häusern links und rechts. Das Eckhaus hat unten, vier Stockwerke tiefer, einen ganz normalen Eingang. Und hier oben, zur anderen Seite, ebenfalls. Haben die einen ganzen Straßenzug aufgebockt? Leider habe ich im Nachhinein nichts darüber in Erfahrung bringen können.

Amazingly picturesque and full of life: Edinburgh on a sunny day.
Amazingly picturesque and full of life: Edinburgh on a sunny day.

Inzwischen hat es aufgehört zu regnen, und plötzlich ist die Stadt uns allen viel sympathischer. Die steinernen Gebäude, die vorher trostlos und erdrückend wirkten, thronen jetzt majestätisch in der Nachmittagssonne. Da uns der Wind nicht mehr ins Gesicht bläst, heben wir die Köpfe und nehmen die hübschen Details an den Fassaden wahr, all die Erker und Türmchen, und im Princess Park richten wir den Blick auf eine (wie wir nachher erfahren: berühmte) Blumen-Uhr.

A working clock made of flowers.
A working clock made of flowers.

Nachdem wir unsere 20 Pfund hohe Parkhausrechnung beglichen haben (in der Tat entspricht das etwa 30 Euro), machen wir uns auf den Heimweg. Eine gar nicht mal unspannende Attraktion stellt der 24/7 geöffnete „asda“-Supermarkt dar, den wir noch beehren. Sehr niedrige Preise (für britische Verhältnisse), zumeist aufs volle Pfund abgerundet oder mit Angeboten wie „buy 2 for 3 £“ ausgeschrieben. Anscheinend richtet sich dieser Discounter vor allem an eine eher schillernde Klientel. Wir sehen viele Schwabbelbäuche in zu engen Tops und T-Shirts, eine Menge großflächige Tattoos, eine junge Frau mit Lockenwicklern im Haar und eine ältere Lady, die bei ihrem Einkauf Plüschpantoffeln mit Leopardenprint trägt.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 17. August 2013 verfasst.

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