Dienstag in Deutschland: Paddeln im Spreewald

Unabhängig davon, wohin die Reise in diesem Theater sonst gerade geht – dienstags ist von jetzt an Deutschland dran. An diesem Tag berichte ich von Kurztripps, Ausflügen und Urlaubsreisen in unserem eigenen Heimatland, entweder ganz aktuell oder rückblickend aus der jüngeren Vergangenheit. Den Anfang macht ein Ausschnitt aus unseren vorletzten Herbstferien, in denen wir den Osten der Republik erkundeten. 

Ein wunderschöner Urlaubstag liegt hinter uns. Heute haben wir uns an allen Spreewald-Klischees bedient.

Nach dem Frühstück fuhren wir zu dem Bootsverleih, den uns ein Stammgast in unserer Jugendherberge am Abend zuvor empfohlen hatte. Die Zahl der Anbieter ist unüberschaubar groß, und ich hab jetzt schon wieder vergessen, wie unser Laden jetzt hieß. Jedenfalls mieteten wir uns zwei Paddelboote: eins für Martin und Silas, eins für Janis und mich. Die Jungs kriegten jeder ein kurzes Alibi-Holzruder, wir Erwachsenen richtige Paddel. Dazu bekamen wir noch eine Karte, mit Hilfe derer wir uns dann in dem Gewirr aus Fließen, Gräben und Kanälen zurechtfinden konnten.

So spät im Jahr waren nur wenige Boote unterwegs. Ein einziger dieser typischen Spreewald-Touristen-Kähne kam uns entgegen in den drei Stunden, die wir unterwegs waren, und weniger als zehn Paddelboote oder Kanus. Die allermeiste Zeit hatten wir die sagenhaft idyllischen Wasserläufe für uns allein. Verfahren haben wir uns auch nicht, keiner ist reingefallen, alles war gut.

A heavenly autumn day in the Spreewald, exploring the river and its many side streams.
A heavenly autumn day in the Spreewald, exploring the river and its many side streams.

Ein paar Mal mussten wir durch Schleusen. Für Ungeübte kann das eine Herausforderung sein, zumal man aus dem wackeligen Boot klettern muss. Oft aber ist die Selbstbedienung gar nicht nötig. Das erste Mal haben uns zwei Kinder geschleust, die 50 Cent dafür bekommen haben. Beim zweiten Mal war gerade ein einzelner Einheimischer vor uns in der Schleuse, der, als er mitbekam, dass wir keinerlei Erfahrung hatten und uns unsicher waren, gleich anbot, er könne das gern machen. Beim dritten Mal musste Martin dann ran, allerdings war die Herausforderung für einen Ingenieur gering. Einen extra Umweg sind wir gefahren, um auch so ein Rollwehr mal mitzumachen. Hier steigt man aus und hievt sein Boot dieselbe Art Bahn mit lauten Rollen hinauf, auf der mitunter der Einkauf nach dem Scannen an der Supermarktkasse  landet.  Die Kinder fanden das enorm witzig, und das funktionierte problemlos. Ganz zum Schluss mussten wir wieder durch die erste Schleuse, die dann auch nicht mehr besetzt war. Da hat Janis die Schleuserarbeit dann übernommen und war natürlich stolz wie Oskar.

Wir haben nur eine kleine Tour gemacht, vornehmlich durch den Hochwald. Dort ist Naturschutzgebiet, dahin kommt man wirklich nur mit dem Boot, oder streckenweise noch über Fahrradwege. Ich wollte ihn wirklich gern sehen, Martin sowieso, aber nachher hat mir das offenere Gelände viel besser gefallen. Im Hochwald war es halt trotz eigentlich herrlichen Sonnenscheins ziemlich dunkel. Eine Pinkelpause haben wir eingelegt, bei der ich mich davon überzeugen konnte, dass Spree und Wald tatsächlich sehr eng beieinanderliegen. Die Wurzeln der Bäume hängen ins Wasser, und an Land zwischen den Bäumen ist es auch alles andere als trocken. Überall Morast, und eine Kröte ist mir über den Fuß gesprungen. Sehr… interessant.

Während wir unter dem sich färbenden Herbstlaub übers Wasser paddelten, musste ich an die Kahnpartie denken, die Theodor Fontane in seinem Roman „Irrungen, Wirrungen“ beschreibt. Viele Gaststätten, Straßen und sonstige Einrichtungen nehmen hier Bezug auf den Autor.

Wir hatten uns die Option offen gehalten, die Tour zu vergrößern und bis Leipe zu fahren – eins der Dörfer, die bis vor wenigen Jahrzehnten nur über Wasser erreichbar waren. Das Paddeln war aber doch ganz schön anstrengend, das Sitzen im Boot unbequem, so dass wir uns entschlossen, dann aufzuhören, wenn es am schönsten ist. So kamen wir uneingeschränkt glücklich wieder am Anleger an.

Nach Leipe fuhren wir dann mit dem Auto. So umwerfend fand ich die Siedlung nun nicht, eher etwas heruntergekommen und lieblos, gemessen an den Touristenströmen. Aber wir fanden das witzige Café „Zur Spreewälderin“, das einrichtungsmäßig zwischen früher Nachwendezeit und türkischem Imbiss changierte, wo aber eine sehr nette Wirtin himmlisch leckere Plinsen servierte.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 18. Oktober 2011 verfasst.

Fragen? Anregungen? Kritik? Selber vor Ort was ganz anderes erlebt? Hinterlasst mir gern einen Kommentar – ich antworte euch, sobald ich kann.

3 Gedanken zu „Dienstag in Deutschland: Paddeln im Spreewald“

  1. Hallo Lena, ich liebe Paddeln. Und gerade habe ich noch einen neuen Grund gefunden, einmal im Spreewald aufs Wasser zu gehen: Die Schleusen. Das hört sich toll und abenteuerlich an. Wart Ihr in Lettland auf der Gauja? Ist für Kinder (jedenfalls zum Teil) auch hervorragend geeignet. Probierts mal aus! Zwischen Cesis und Ligatne inklusive einer der letzten handbetriebenen Holzfähren am Ende. Das ist doch mindestens so toll wie die Schleusen LG, Christina

    1. Die Schleusen sind halt v.a. für die Kinder ein Abenteuer. Deinen Bericht übers Paddeln in Lettland hab ich seinerzeit mit Interesse gelesen. Irgendwann wollen wir mal eine längere Tour auf dem Wasser machen, sind aber auch skeptisch, was Martins Bandscheiben davon halten…

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