Stadtbummel: 8 Stunden in Regensburg

Die erste Station unserer Europareise ist reichlich unexotisch, aber deshalb nicht weniger lohnenswert. Regensburg zählt zu den schönsten Städten Bayerns. Die Unesco hat die Altstadt mit der Steinernen Brücke und der Donau-Insel Stadtamhof als Weltkulturerbe eingestuft, und wie viele, viele andere Besucher sind auch wir ganz angetan von dieser hübschen Stadt im angenehmen Format. Das Protokoll eines netten Tagesausflugs.

10 Uhr: Regensburger Dom

Von unserem Parkhaus schlendern wir Richtung Altstadt und stolpern als erstes über den imposanten Dom. Schon um 700 soll hier eine erste Kirche mit Bischofssitz gestanden haben, wodurch Regensburg zu den ältesten Bistümern im deutschen Raum zählt. 1273 begann der Bau der Kathedrale im gotischen Stil, und nach rund 250 Jahren war das Werk dann auch endlich vollbracht. Die Jungs, beide Kunstbanausen vor dem Herrn, stehen ehrfurchtsvoll vorm Hauptportal und bewundern die reichen Verzierungen. „Das muss ganz schön Arbeit gemacht haben“, stellt Janis trocken fest. Innen suchen wir den lachenden Engel, sehen uns in der Bischofsgrablege konservierte Menschenknochen an und fragen uns vergeblich, was es wohl mit dem Brunnen mitten in der Kirche auf sich hat. Wir liebäugeln mit der Führung, die täglich außer sonntags um 10.30 Uhr (und 14 Uhr) beginnt, entscheiden uns dann aber doch dagegen, weil wir uns nicht sicher sind, ob die Jungs heute 75 Minuten Kirchengeschichte aushalten. Stattdessen lassen wir einfach nur die imposanten Säulen und das 32 Meter hohe Kirchenschiff auf uns wirken.

Der Regensburger Dom gehört zu den imposantesten Kirchen Deutschlands. Die Details im Eingangsportal künden von der Pracht im Inneren.
Der Regensburger Dom gehört zu den imposantesten Kirchen Deutschlands. Die Details im Eingangsportal künden von der Pracht im Inneren.

11 Uhr: Chillen an der Donau

Wir erreichen das Ufer der Donau und lassen uns auf eine Bank fallen. Zum ersten Mal seit Tagen ist es sonnig, und wir genießen das Wetter, indem wir faul dem Fluss beim Fließen zusehen. Normalerweise hätten wir von hier auch prima Regensburgs Wahrzeichen im Blick: die Steinerne Brücke. Die aber ist im Moment fast komplett eingerüstet. Macht nichts, die Kinder finden die Bauarbeiten ohnehin interessanter als eine uralte Steinbrücke. Auch sonst gibt es einiges zu Gucken auf dem Wasser. Immerhin ist die Donau nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Immer wieder gleiten Schiffe an uns vorbei. Gerade sind es vor allem kleine Motorboote, aber auch große Flusskreuzfahrer müssen dabei sein, wie uns die zahlreichen Touristengruppen mit entsprechenden Insignien überall in der Stadt vermitteln. Ein Schiff liegt vor Anker, das Silas’ Aufmerksamkeit erregt. „Schifffahrts-Museum“ buchstabiert er sich mit großer Ausdauer zusammen. „Können wir da rein?“ bettelt der 7-Jährige. Martin und ich wiegeln ab. Ein Schifffahrtsmuseum haben wir in Rostock bei Oma und Opa vor der Haustür, dafür müssen wir nicht nach Bayern fahren. Wir versuchen, dem Kulturkind stattdessen das Historische Museum schmackhaft zu machen. Aber der Kleine ist hartnäckig. Er fragt selbstständig an der Kasse nach den Eintrittspreisen und kommt mit stolzgeschwellter Brust zurück. „Es kostet nur sieben Euro für uns alle!“ verkündet er. Martin und ich seufzen. Unsere Kinder mit Macht von einem Museumsbesuch abzuhalten, gehört nicht zu unserem Erziehungskonzept.

Kurios: Das kleine Schifffahrtsmuseum auf der Donau lag selbst zwölf Jahre auf dem Grund derselben.
Kurios: Das kleine Schifffahrtsmuseum auf der Donau lag selbst zwölf Jahre auf dem Grund derselben.

12 Uhr: Schifffahrtsmuseum im Ex-Wrack

Wir bereuen diese Entscheidung nicht, denn in dem kleinen Museum erfahren wir nicht nur etliches über die Eigenheiten der Donau-Schifffahrt, sondern dürfen auch das alte Dampfschiff selbst von oben bis unten erkunden. Als die Ruthof 1923 in Dienst gestellt wird, treibt noch Kohlenfeuerung die zwei Schaufelräder links und rechts des Schiffes an. Der große Schornstein lässt sich abklappen, um unter den Brückenbögen durchzukommen. Im zweiten Weltkrieg lief das Schiff in Ungarn auf eine Mine auf und sank. Zwölf Jahre später wurde es gehoben, aufgemöbelt und fuhr noch etliche Jahre unter ungarischer Flagge. Ein Regensburger Förderverein rettete die Ruthof vor der Verschrottung und richtete in ihrem Rumpf das kleine Museum ein. Modelle und andere Exponate vermitteln die Geschichte der lokalen Schifffahrt – da geht es beispielsweise ums Treideln, und um die Tradition des Flößens. Die Jungs – vor allem der Maschinenbau-Ingenieur unter ihnen – begeistern sich für die alte Technik im Maschinenraum, und auch Mannschaftsquartiere und Kombüse sind durchaus einen Blick wert.

Für die Mama gibt’s Texte und Exponate über die Geschichte der Donau-Schifffahrt, den Papa interessiert mehr die Technik des alten Dampfschiffs. Die Jungs hören sich ergeben die Vorträge beider Eltern an.
Für die Mama gibt’s Texte und Exponate über die Geschichte der Donau-Schifffahrt, den Papa interessiert mehr die Technik des alten Dampfschiffs. Die Jungs hören sich ergeben die Vorträge beider Eltern an.

13 Uhr: Insel-Hopping

Heute erstreckt sich Regensburg auf beiden Seiten des großen Flusses. Ursprünglich war die Stadt, die ihre erste Karriere bereits als Römer-Kastell erlebte, auf die südliche Uferseite beschränkt. Mehrere Inseln erleichterten an dieser Stelle die Überquerung der Donau: die so genannten Wörthen. Auch hier siedelten sich bald Menschen an. Die Steinerne Brücke, seit 1146 begehbar und damit anscheinend die älteste Steinbrücke dieses Kalibers nördlich der Alpen, sorgte für lukrative Handelswege. Auch die anderen Wörthen sind mit Stegen und Brücken untereinander verbunden. Wir mäandern durch die engen Gassen, die fast durchgängig mittelalterlich anmuten, und stellen uns vor, wie es wohl wäre, hier zu wohnen.

In Regensburgs Altstadt lohnt sich immer ein Blick nach oben an den Häuserfassaden empor.
In Regensburgs Altstadt lohnt sich immer ein Blick nach oben an den Häuserfassaden empor.

14 Uhr: Mittagessen in Stadtamhof

Schließlich landen wir in Stadtamhof, der größten Donau-Insel. Bis der Europa-Kanal zur Umgehung der Brückenstrudel gebaut wurde, lag die Siedlung am Nordufer. Die bajuwarischen Herzöge, die mit den bischöflichen Herrschern der Stadt sowie dem erstarkenden Bürgertum im Clinch lagen, gründeten die Stadt neben der Stadt, um Regensburgs hohen Zöllen zu entgehen. Hier errichteten sie ihren eigenen Salzstadel – das „weiße Gold“ war es vor allem, das für den Reichtum der Handelsstadt sorgte. Uns treibt an diesem Tag der Hunger her, denn etwas abseits des allgemeinen Touristengewusels erhoffen wir uns günstigere Mittagskarten. An Gastronomie herrscht in diesem Stadtteil jedenfalls kein Mangel, und auch qualitativ sind wir mit dem von uns erwählten Italiener völlig zufrieden (Tagesgericht Pizza, Pasta oder Salat inklusive kleinem Getränk 7,40 Euro).

Stadtamhof, die künstliche Donauinsel auf der anderen Seite des Flusses, ist zu Fuß über die Steinerne Brücke zu erreichen.
Stadtamhof, die künstliche Donauinsel auf der anderen Seite des Flusses, ist zu Fuß über die Steinerne Brücke zu erreichen.

15 Uhr: Welterbe Steinerne Brücke

Das Wunderbauwerk selbst ist derzeit, wie gesagt, aufgrund von Renovierungsarbeiten blickdicht verhüllt. Wir überqueren die Donau auf einer Behelfsbrücke dicht daneben und begeben uns dann ins Besucherzentrum im alten Salzspeicher, das über die aktuellen Bauarbeiten, aber auch über das gesamte Weltkulturerbe und seine Geschichte informiert. Ein interaktives Modell zeigt die Entwicklung der Stadt im Lauf der Jahrhunderte. Nach der Gründung durch römische Legionen siedelten sich schnell Handwerker und Händler an der verkehrsgünstigen Mündung des kleinen Flusses Regen an. Im Mittelalter verfügte Regensburg bereits über 20.000 Einwohner und war damit eine der größten Städte des Kaiserreichs. Nach der Blütezeit, die bis in die frühe Renaissance dauerte, war es aber auch vorbei mit dem herausragenden Reichtum – für uns heute ein Glücksfall, denn dadurch blieb das spätmittelalterliche Stadtbild erhalten und wurde nur sehr vereinzelt von modernerer Pracht verdrängt. Wir lernen, welche Gefahren die Pfeiler der 14 Brückenbögen für die Schifffahrt mit sich brachten, und wie die findigen Regensburger die erhöhte Fließgeschwindigkeit gleich für sich nutzten, indem sie Mühlräder in der Donau installierten. Und wir erfahren, dass der 13. Brückenbogen als Hinrichtungsstätte für Kindsmörderinnen diente – die wurden in einen Sack gesteckt und kurzerhand versenkt.

Die kostenlose Ausstellung informiert außerdem interaktiv über die insgesamt mehr als 900 anderen Welterbe-Stätten, die die Unesco ausgezeichnet hat – ein durchaus lohnendes Stündchen lässt sich hier verbringen. Weiterer Pluspunkt: kostenlose, saubere Toiletten.

Interaktiv, interessant und dann auch noch kostenlos: Im Welterbe-Besucherzentrum lässt sich ein lohnendes Stündchen verbringen.
Interaktiv, interessant und dann auch noch kostenlos: Im Welterbe-Besucherzentrum lässt sich ein lohnendes Stündchen verbringen.

17 Uhr: Bummel durch die Altstadt

Richtig viel schöne Altstadt finden wir von der Steinernen Brücke kommend rechter Hand. Während sich auf den Donau-Inseln vor allem Handwerker ansiedelten, lässt sich hier der Reichtum der Regensburger Kaufleute erahnen. Im ewigen Zwist zwischen Kirche, Herzögen und Bürgertum erstarkten die Patrizier im ausgehenden Mittelalter so sehr, dass sie die Stadt mit spektakulären Palästen und Wohntürmen pflasterten. Etliche davon sind heute noch zu sehen. Außerdem lohnt sich ein Bummel durch die vielen niedlichen Lädchen, Kneipen und Cafés.

Einer der schönsten Plätze, die wir in Regensburgs Altstadt gefunden haben: Der Innenhof der alten Bischofsresidenz mit dem Gänsepredigt-Brunnen.
Einer der schönsten Plätze, die wir in Regensburgs Altstadt gefunden haben: Der Innenhof der alten Bischofsresidenz mit dem Gänsepredigt-Brunnen.

Fazit: Regensburg ist ein lohnendes Ziel für einen netten Familienausflug. Die vielen engen Gassen und prächtigen Patrizierhäuser mit ihren reichen Details faszinieren auch Kinder und motivieren zum Stadtspaziergang. In acht Stunden haben wir mit Sicherheit nicht alle Sehenswürdigkeiten der Stadt abklappern können, aber wir hatten einen wunderschönen Tag in der Stadt an der Donau.

 

Praktische Hinweise:

Das Parken im Parkhaus kostet am Dachauplatz 1,80 Euro pro Stunde, 11 Euro pro Tag.

Die kostenlose App „Regensburg Offline-Stadtplan“ liefert genau das und funktioniert einwandfrei.

5 Gedanken zu „Stadtbummel: 8 Stunden in Regensburg“

  1. Unfassbar! Ein Kind, das sich nicht vom gewünschten Museumsbesuch abbringen lässt! Ich bin schwer beeindruckt! Du hast tolle Kinder! Wie macht Ihr das jetzt mit dem „Homeschooling? Wann, wieviel usw? Ich würde mich freuen, mehr darüber zu lesen.
    LG
    Ulrike

    1. Die Schulsachen lassen sich gut an soweit. Gerade sind die Bedingungen sehr gut, da arbeiten wir ein bisschen vor. Nächste Woche werden wir couchsurfen, da wird das zwangsläufig weniger sein. Danach haben wir dann wieder eine Ferienwohnung und machen mehr. Zum normalen Kurrikulum kommen dann die Sachen wie Museumsbesuche, aufmerksame Stadtbesichtigungen, Wanderungen mit Naturbeobachtung und ab und zu landestypische Arbeitseinsätze wie z.B. heute Vogelbeeren ausknipsen für die Weiterverarbeitung. Ich bin guter Dinge, dass die Bildung unserer Jungs nicht zum kurz kommt. :)

  2. Schöner Beitrag!
    Übrigens kann man am unteren Wöhrd (Grossparkplatz) kostenlos parken. Fußweg an der Donau entlang max. 10 Minuten in die Altstadt

    1. In Regensburg? Danke für den Tipp! Genau wegen solchen Dingen würde es sich eigentlich doch lohnen, VORHER schon über Reiseziele zu schreiben (oder wenigstens bei den Kollegen nachzulesen). :D Na ja, jetzt hilft es hoffentlich dem einen oder anderen Leser hier.

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