Die Wartburg ist wohl die bekannteste Burg in Thüringen und gilt deutschlandweit als Must-See. Hier übersetzte Martin Luther die Bibel in die deutsche Sprache. Auch vorher und nachher passierte auf der Ritterburg wie aus dem Bilderbuch so einiges, was in die Geschichte einging. Aber lohnt sich eine Besichtigung für Familien? Was genau gibt es zu sehen und wie bereitet man sich am besten vor? In diesem Blogbeitrag berichte ich von unseren Erfahrungen bei der Besichtigung der Wartburg mit Kindern.

Wer wir sind und wie wir auf die Wartburg kamen

Wer regelmäßig bei family4travel liest, weiß das. Aber erfahrungsgemäß landet ein Großteil der Leser hier, weil er „Wartburg mit Kindern“ oder verwandte Suchbegriffe googelt. Also fasse ich ganz kurz zusammen: Wir haben die Wartburg im Oktober 2020 an einem Samstag in den Herbstferien besichtigt. Mit dabei waren zwei Teenager und ein Kleinkind: Die Kinder in unserer Familie sind 16, 13 und ein Jahr alt. (Ich gebe mir aber Mühe, hier für Kinder jeden Alters „mitzudenken“.)

thüringen wartburg family4travel familienfoto

Das sind wir: (von links) Silas, Martin, Lena, Janis, Franka.

Wie wir als Niedersachsen zu unserem Thüringen-Roadtrip gekommen sind und was wir in neun Tagen mit vier verschiedenen Übernachtungsorten erlebt haben, habe ich in meinem ausführlichen Reisebericht erzählt: Familienurlaub in Thüringen – der ultimative Roadtrip mit Kindern.

familienurlaub in thüringen roadtrip

Eine bilderlastige Zusammenfassung gibt es auch auf Instagram als Highlight in meinem Profil.

Eigentlich wollte ich hier ja nur einen Erfahrungsbericht über Eisenach mit Kindern schreiben, der die Wartburg, die Drachenschlucht und die Stadt selbst in einem Abwasch abhandelt. Aber im Moment habe ich so wenig Zeit, und paradoxerweise gelingt es mir dann immer so schlecht, mich beim Tippen zu zügeln. So bringt es die Wartburg also doch auf einen eigenen Beitrag in meinem Reiseblog. Weil ich das so nie vorhatte – und weil ich als akkreditierter Reiseblogger zwar eine Fotoerlaubnis besaß, der Andrang und die vorwurfsvollen Blicke der anderen Besucher mich aber doch die meiste Zeit vom Fotografieren abhielten – gibt es hier leider nur sehr wenige Bilder aus dem Inneren der Wartburg. Wer mehr sehen möchte, begibt sich einfach auf den virtuellen Rundgang (siehe unten).

thueringen wartburg burghof

Hier gibt es vor allem Außenansichten und später ein paar fragwürdige Paparazzi-Fotos.

Die Wartburg: Geschichtsträchtiges Highlight

Die Wartburg gehört definitiv zu den Top-Sehenswürdigkeiten von Thüringen. Die mittelalterliche Burg ganz nah bei Eisenach war mehrmals Schauplatz wichtiger historischer Ereignisse. Aufgrund ihrer historischen Bedeutung ist die Wartburg seit 1999 als UNESCO-Welterbe klassifiziert. Drei Episoden stechen heraus, die uns auch bei der Besichtigung und in der Audio-Tour mehrmals begegnen.

Bevor ich von unseren ganz persönlichen Erfahrungen bei der Besichtigung der Wartburg mit Kindern erzähle, gehe ich ganz kurz auf diese drei Aspekte ein, die die Wartburg schließlich zu etwas so Besonderem machen.

thueringen wartburg erster blick

Das war unser erster Blick auf die Wartburg beim Aufstieg vom P3-Parkplatz. Dort thront sie seit mehr als 950 Jahren.

Martin Luther auf der Wartburg

Am bekanntesten ist die Wartburg wohl als Zufluchtsort von Martin Luther. Nicht zuletzt wegen des öffentlich zelebrierten Lutherjahres 2017, in dem sich der Beginn der Reformation zum 500. Mal jährte, rückten der Geistliche, sein Werk und auch seine Wohnorte ins Bewusstsein vieler Menschen.

Auf der Wartburg verbrachte Martin Luther nur einen kurzen Teil seines Lebens. 1521 bis 1522 suchte er unter dem Decknamen „Junker Jörg“ Zuflucht in einer kleinen Kammer über der Burgmauer. Hier vollbrachte er jedoch ein wichtiges Lebenswerk, indem er die Bibel ins Deutsche übersetzte.

Die Lutherstube gilt vielen Besuchern als Höhepunkt der Wartburg-Besichtigung. Zu sehen bekommt man sie ganz am Ende des etwa einstündigen Rundgangs. Wenn viel Andrang herrscht, muss ein kurzer Blick über die Glaswand genügen. Der Tintenfleck an der Wand, den Luther der Legende nach hinterlassen hat, als er mit dem Tintenfass nach dem Teufel warf, ist übrigens nicht mehr erkennbar. Vor einigen Jahrzehnten hat man aufgehört, ihn regelmäßig zu erneuern, und so verblich die angeblich gut 400 Jahre alte Verunreinigung recht fix.

thueringen wartburg corona fenster

Jeder kennt die Ansicht des Lutherzimmers mit dem kargen Schreibtisch und dem Ofen mit den grünen Kacheln. Da braucht es nicht unbedingt auch noch mein Foto, während hinter mir schon andere Besucher warten, die sich dann ärgern, weil SIE nicht fotografieren dürfen – dachte ich und fotografierte nicht. Jetzt fehlt mir dieses Foto doch für diesen Beitrag. Stattdessen zeige ich Silas, der in einer ruhigen Ecke ein paar Fenster weiter einen ähnlich herrlichen Ausblick genießt wie Martin Luther damals.

Die Heilige Elisabeth und das Rosenwunder

Lange vor Luther, Anfang des 13. Jahrhunderts, wirkte schon die Heilige Elisabeth von Thüringen auf der Wartburg. Die ungarische Prinzessin wurde bereits im Jugendalter mit Landgraf Ludwig von Thüringen verheiratet. Verbrieft ist, dass sie sich aufopfernd um die Armen und Kranken kümmerte, sich nach dem frühen Tod ihres geliebten Gatten christlich radikalisierte und schon mit 24 nach der harten Arbeit in ihrem Spital selbst an einer Krankheit starb.

Das ihr zugeschriebene Rosenwunder verherrlicht kurioserweise eine Lüge und ist außerdem eine Wanderlegende, die sich ursprünglich auf eine gleichnamige Heilige aus Portugal bezog. Demnach verbot ihr Mann (der die Thüringer Elisabeth in Wirklichkeit in ihrer karitativen Arbeit unterstützte), den Armen Brot zu bringen, was seine Frau heimlich trotzdem tat. Eines Tages erwischte er sie mit einem Korb unterhalb der Burg auf dem Weg in die Stadt. Die Heilige behauptete, nur Rosen gepflückt zu haben – und als der Landgraf anschuldigend das Tuch hob, hatte sich das Brot tatsächlich in Rosen verwandelt, weil Gott ihr weiterhin das fromme Wirken ermöglichen wollte. Ort des Geschehens soll der Elisabethplan sein, der ganz in der Nähe des Großparkplatzes liegt. Hier befinden sich auch ein nach ihr benannter Brunnen sowie die archäologischen Überreste von Elisabeths Spital sowie eines spätmittelalterlichen Franziskanerklosters.

Symbolfoto.

Wartburgfest der Burschenschaft

Sehr viel später, 1817, feierten nationalistisch gesinnte Studenten auf der Wartburg den Sieg über Napoleon und beglückwünschten sich zu ihrer großartigen Leistung, in Deutschland geboren zu sein. Da hier zum ersten Mal die Flagge ihrer Burschenschaft in den Farben schwarz-rot-gold zum Einsatz kam und in einem (hinterher verfassten) Programm eine konstitutionelle Monarchie gefordert wurde (also eine Verfassung), gilt das Wartburgfest manchen als Geburtsstunde der deutschen Demokratie. (Ich persönlich finde das ein bisschen arg weit hergeholt und sehe die Deutschtümelei, die beim Hochhalten jener Traditionen von damals bis heute mitschwingt, definitiv kritisch. Aber geschichtlich relevant war das Ereignis zweifelsohne.

Und jetzt war es das auch mit Abschweifungen in die Sphäre des Geschichtsunterrichts, versprochen.)

Die berühmte schwarz-rot-goldene Fahne hängt – als Replik – im Konzertsaal der Wartburg.

thueringen wartburg gastwirtschaft

Gastlichkeit findet auf der Wartburg heute hauptsächlich im recht hochpreisigen Romantik-Hotel direkt neben der Burg statt. Das Burg-Café innerhalb der Mauern hatte bei unserem Besuch coronabedingt geschlossen.

Der Weg zur Wartburg

Die Wartburg liegt ganz nah bei Eisenach, aber außerhalb des Stadtzentrums. Ein ausgeschilderter Wanderweg führt aus der Innenstadt auf den Burgberg. Die Strecke ist mit gut 30 Minuten Gehzeit angegeben.

wartburg metilstein

Hinter dem Metilstein liegt Eisenach. Von dem kleinen Berg aus soll man eine sehr schöne Sicht auf die Wartburg haben.

Wer mit dem Auto kommt, sollte sich besser vorher kurz über die örtlichen Gegebenheiten informieren.

Parken an der Wartburg

Die Wartburg hat ihr eigenes Parkleitsystem mit etlichen Schildern und Pfeilen – die uns allerdings ein bisschen verwirrt haben. Die Straße Wartburgerallee führt hinauf auf den Burgberg und auch zum kostenpflichtigen Großparkplatz. Als wir dort abbiegen wollen, versperrt uns eine Schranke den Weg und ein elektronisches Schild informiert uns, dass nur Busse diese umfahren dürften. Da wir an einem Samstagmittag zur Hauptandrangzeit anreisen, ist der Parkplatz vermutlich einfach überfüllt.

Im weiteren Verlauf der Landstraße gibt es Alternativen. Weil auch der nächste Parkplatz voll belegt ist, landen wir schließlich ein ganzes Stück abseits auf dem „Wartburg-Parkplatz P3 Wanderparkplatz Drachenschlucht“. Aus dieser Not lässt sich aber ganz klar eine Tugend machen. Denn erstens sind diese Parkplätze kostenlos und zweitens ist der Anstieg zur Burg von hier aus eine veritable und wunderschöne Mini-Wanderung.

thueringen wartburg wandern familie

Auf dem Weg vom Parkplatz zur Wartburg.

Durch unsere unfreiwillige Parkplatzwahl verpassen wir bei unserer Besichtigung der Wartburg mit Kindern den Elisabethenplan, die (ohnehin coronabedingt geschlossene) Eselei und den Aufstieg zum Metilstein. Aber der Spaziergang zur Burg von hier aus ist so schön, dass ich – ohne die Alternative zu kennen – den Parkplatz Drachenschlucht auch bei Besichtigungsabsicht der Burg direkt empfehle. Denn: Auch wer auf dem Hauptparkplatz unterkommt, muss ein ganzes Stück steil bergan wandern (oder ein Shuttle mieten – die Esel, die sonst kleine Kinder den Berg hoch tragen können, haben schon die ganze Corona-Zeit über wie gesagt Berufsverbot).

Wanderung zur Wartburg

Von unserem „Wanderparkplatz Drachenschlucht“ überqueren wir – vorsichtig! – die Straße und laufen direkt gegenüber in den Wald hinein. Der Pfad ist relativ schmal und auch hier recht steil. Im weiteren Verlauf ist er nicht kinderwagengeeignet (aber das ist die ganze Wartburg nicht, unbedingt die Trage mitnehmen!). Zunächst gibt es nur eine Richtung: bergan. Später zweigen mehrere Wege ab, die teils zur Wartburg, teils auch in andere Richtungen führen. Ich denke, wer sich grob eher rechts und im Zweifelsfall bergauf hält, kommt vermutlich an. Eine Navigations-App (zum Beispiel Osmand oder einfach GoogleMaps) leistet aber gute Dienste.

thueringen wartburg wald

Erst das letzte Stück können wir auf Sicht laufen.

Der goldene Oktoberwald bezaubert uns so, dass die knapp zwei Kilometer lange Wanderung für uns beinahe zum schönsten Teil der Wartburg-Besichtigung wird. Wir laufen an mehreren Gedenksteinen und Plaketten vorbei, die sich auf verschiedene Bewohner und Besucher des geschichtsträchtigen Orts beziehen. Der für uns schönste Teil führt über in den Fels gehauene Stufen. Hier müssen wir nur aufpassen, dass wir nicht zu weit nach links abkommen, sondern in Sichtweite der Straße bleiben. Der Aufstieg ist schon ein bisschen abenteuerlich, bei Nässe vielleicht auch rutschig. Kleine Kinder sollten nicht vorlaufen und zumindest an den Stufen und dort, wo der Weg in Sichtweite der Burg noch einmal recht schmal wird, besser an der Hand gehen.

thueringen wandern zur wartburg

Nichts für Sandalen: Mitunter ist der Pfad eng und erfordert Trittsicherheit.

Wartburg besichtigen mit Corona-Beschränkungen

Schließlich stehen wir direkt vor der Wartburg und genießen die Ansicht der langgestreckten Burgmauer, die wir von so vielen Bildern kennen. Der bekannte Fotospot befindet sich direkt an der Zugbrücke. Der eine oder die andere aus der Generation Instagram schafft es nur bis hierher für ein Selfie vor dem Monument. Manchmal soll man dafür schon anstehen müssen. An diesem Samstag in den Herbstferien finden aber selbst bei eingehaltenem Corona-Abstand alle Knipswilligen noch ein fotogenes Plätzchen an der Mauer.

thueringen wartburg beliebte ansicht burgmauer

Die berühmte Ansicht der Wartburg haben wir am Fotospot direkt an der Zugbrücke (hier ohne störende Menschen).

Über die Zugbrücke betreten wir die Burg schließlich. Wir ziehen hier schon unsere Masken auf. Vorschrift ist das erst im Inneren, aber bereits im Burghof kommt es immer mal wieder zu Situationen, in denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann (fast ausschließlich deshalb, weil unser Gegenüber nicht mitdenkt und nicht zur Seite geht – das Übliche halt).

Die Corona-Beschränkungen begrenzen die Personenzahl, die sich im historischen Gemäuer aufhalten darf. Daher kommt es vor allem am Wochenende zu Wartezeiten. Eine Stunde wird uns am Ticketschalter als voraussichtliche Wartezeit genannt. Der Vater vor uns dreht deshalb mit seinen zwei kleinen Kindern genervt ab. Ganz so lange dauert es dann aber gar nicht, als wir im inneren Burghof in der Schlange stehen, die sich um die mittelalterliche Zisterne windet. Außerdem vergeht uns die Zeit wie im Flug, denn wir hören schon einmal die Einführung der Audio-Tour, die passenderweise ohnehin im Burghof beginnt. Die haben wir uns dank eines guten Tipps schon zu Hause auf unsere Handys geladen (siehe unten).

thueringen wartburg schlange

Franka verschläft das Warten zum Glück.

Innen sind wir mit der üblichen Bitte um Abstand uns selbst überlassen und dürfen selbstständig und im eigenen Tempo die Wartburg besichtigen – mit Maske, selbstverständlich. Es gibt Personal, das auf die Einhaltung der Abstände achtet. Ansonsten entfaltet sich der mittlerweile allerorts nötige Corona-Tango von Lücke zu Lücke, der hier auch nicht stressiger ist als zu Hause auf dem Wochenmarkt.

Wartburg mit Kindern besichtigen

Unser Kleinkind tut uns den Gefallen und schläft die erste Hälfte der Besichtigung in seiner Trage. Die beiden Teenager hören mehr oder weniger brav ihrem Audio-Guide zu und motzen ab und an, es sei ihnen zu voll und sie hätten anderswo schon viel spektakulärere Burgen besichtigt.

Spätestens in der Elisabeth-Kemenate, in der einst die Heilige geschlafen haben soll, taut der 13-jährige Silas aber auf. Die Wände sind hier über und über mit goldenen Mosaiken gestaltet, die Elisabeths Lebenslauf darstellen. Das ist „neu“ und entstammt dem 19. Jahrhundert, als die Wartburg Bedeutung als Nationalsymbol bekam und rundum aufgehübscht wurde. Silas entwirft den Plan, sehr schnell sehr reich zu werden, die Burg zu kaufen und hier sein privates Hamam einzurichten. Auch die historistisch ausgeschmückten Prunkräume im Obergeschoss des Palas finden seine Zustimmung.

wartburg mit kindern elisabethkemenate

Nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus der Elisabeth-Kemenate. Wir wollen ja nicht spoilern…

Der 16-jährige und derzeit notorisch desinteressierte Janis hingegen erlebt eine kleine Sternstunde ausgerechnet, als er im Museumsbereich vor mehreren Cranach-Bildern steht. Wir sind eine Familie voller Kunstbanausen und in dieser Hinsicht eigentlich für die Kultur verloren – dachte ich immer. Aber auf Augenhöhe mit dem Luther-Portrait des alten Meisters kommt mein Sohn völlig überraschend ins Schwärmen. „Schau dir mal den Schattenwurf an und die Mimik! Wie realitätsnah! Was für ein Unterschied zu den mittelalterlichen Bildern! Jetzt verstehe ich endlich, was die immer mit ‚Wende der Malerei in der Renaissance‘ meinen. Das sieht ja aus wie gestern gemalt!“

Und als Franka im Konzertsaal erwacht, hat sie zwar wenig Liebe dafür, die Besichtigung noch deutlich in die Länge zu ziehen. Aber sie ist doch bereit, überall die Löwen und Drachen anzusehen, die sich in den Verzierungen des Gestühls und Gebälks verstecken.

wartburg mit kindern konzertsaal

Wieder so ein Paparazzi-Foto: Franka besichtigt den prächtigen Konzertsaal in der Trage. Den hölzernen Drachen hält sie für einen Hund und bellt vergnügt.

Wer die Wartburg mit Kindern im Kindergarten- oder Grundschulalter besichtigen möchte, sollte sich auf jeden Fall die Kinderhefte dazu besorgen. Es gibt zwei: das Wartburg-Malbuch mit 27 mittelalterlichen Motiven und das Wartburgheft. Letzteres richtet sich eher an Grundschüler, die ihre Eindrücke schon selbst in das kleine Heft eintragen können. Beide – und noch viele weitere Bücher, siehe unten – sind im Museumsshop auf der Wartburg erhältlich.

Lohnt sich die Wartburg mit Kindern?

Jetzt aber Butter bei die Fische: Ist eine Besichtigung der Wartburg mit Kindern überhaupt empfehlenswert?

Aus meiner Sicht lautet die Antwort: Ja – aber es gibt vielleicht bessere Burgen für Kinder. Ich finde schon, dass die Wartburg als eine Keimzelle der Reformation und der deutschen Sprache eine Reise wert ist. Auch als Prachtstück einer mittelalterlichen Burg, die über die Jahrhunderte immer neue Aufgaben bekommen hat, ist sie absolut sehenswert.

Ihre Bekanntheit ist aber – nicht nur in Coronazeiten – auch ein Nachteil für die Wartburg, denn es ist ziemlich voll. Um den Besucheransturm zu meistern, ist der Rundgang durchorganisiert und auch das Drumherum hat ein bisschen was von Massenabfertigung.

Das heißt nicht, dass sich gar kein Gefühl für mittelalterliche Abenteuer entwickeln ließe. Das Burggelände ist groß und vor allem draußen auf dem „Tugendpfad“ an der Burgmauer finden sich überall kleine Rückzugsorte und Infotafeln, die überhaupt nicht überlaufen sind.

thueringen wartburg burgenbauplatz

Auf dem (auch kostenlos zugänglichen) Außengelände gibt es auch den Burgenbauplatz, der überhaupt nicht voll ist.

Nur speziell für Kinder bleibt nicht so ganz viel Raum. Außerhalb der Corona-Beschränkungen gibt es wohl auch extra Kinderführungen. Die sind – wie alle Führungen – aber bis auf weiteres ausgesetzt. Da die Wartburg von je her nur mit Guide zu betreten war, fallen die jüngeren Besucher im Moment so ein bisschen hinten runter. Es gibt keine Stationen zum Ausprobieren oder andere Angebote, die sich direkt an Kinder richten.

Umso wichtiger finde ich, dass sich Eltern oder erwachsene Begleiter schon zu Hause ein bisschen auf das Thema vorbereiten oder zumindest die Audio-Tour kindgerecht noch einmal nacherzählen. Literatur-Tipps zur Vorbereitung im Kinderzimmer gibt es weiter unten.

Also: Wartburg oder lieber nicht Wartburg?

Insgesamt halte ich einen Besuch der Wartburg eher für angesagt, wenn die Erwachsenen den geschichtsträchtigen Ort sehen oder dem älteren Nachwuchs nahebringen wollen, wo Martin Luther gewirkt hat. Lautet die Motivation für den Trip, den Kindern eine schöne mittelalterliche Burg zu zeigen, finde ich andere Burgen geeigneter.

thueringen wartburg modell

Schon anschaulich: Im Erdgeschoss des Palas finden viele Kinder die Modelle der Burg aus unterschiedlichen Bauphasen interessant. Anfassen oder selbst ausprobieren dürfen sie aber nichts.

Auf Burg Ehrenberg im österreichischen Reutte zum Beispiel ist alles auf Familien ausgelegt. Wer lieber in Thüringen bleiben will: Ein ganz grandioses Burg-Erlebnis bietet die Jugendherberge Windischleuba bei Altenburg, denn dort können Familien direkt in einer kleinen Wasserburg übernachten.

Auch sonst finden sich in der Region geradezu haufenweise kleinere und größere Burgen mit wesentlich weniger Besucherandrang. Und überhaupt finde ich persönlich es viel schöner und auch pädagogisch und ökologisch wertvoller, unbekanntere Sehenswürdigkeiten abseits des Massentourismus zu erkunden. Da haben dann auch die Einheimischen mehr von.

Davon abgesehen – klar, einmal im Leben „muss“ man schon auf die Wartburg. Wollten wir ja auch.

Wartburg weiße Tauben

Es gibt für Besuchre jeden Alters schon so viele Details zu entdecken. Zum Beispiel weiße Tauben.

Tipps zur Vorbereitung (und für die Wartezeit im Lockdown)

Im November ist die Wartburg wie alle kulturellen Einrichtungen vom Corona-Lockdown betroffen und bleibt geschlossen. Wer partout nicht warten will oder sich einen authentischen Vorgeschmack holen möchte, kann sich auf der Webseite der Burg auf einen virtuellen Rundgang begeben.

Die Audio-Führung, die unter Corona-Bedingungen die einzige Art Führung ist, sollte man sich besser schon zu Hause von der Wartburg-Webseite herunterladen (hier ist der Direktlink). Im Burghof gibt es zwar kostenloses Wlan, aber das ist wohl schnell mal überlastet. Kopfhörer nicht vergessen!

Um Kinder auf den Besuch der Wartburg vorzubereiten, gibt es eine erstaunliche Fülle von Büchern. Für die Kleinsten ist ein Wartburg-Wimmelbuch* erhältlich. „Geheimversteck Wartburg: Jan und Mila auf den Spuren Martin Luthers“* richtet sich an Erstleser. „Die Wartburg – eine Entdeckungsreise in die deutsche Geschichte“* ist für Jugendliche gemacht. Speziell über Martin Luther gibt es noch einen ganzen Stapel weiterer Kinderbücher. Und Erwachsene, die auf Krimis stehen, können sich mit „Das Vermächtnis der Landgrafen“* Ortskenntnis anlesen. (Ich habe leider keins dieser Bücher selbst in den Fingern gehabt, bin aber per se ein großer Fan der Methode, mich und die Kinder literarisch auf Reiseorte vorzubereiten.)

Tipps zum Weiterlesen

Eine Zweitmeinung ist nie verkehrt. Auch andere Reiseblogger haben schon von ihren Erfahrungen bei der Wartburgbesichtigung mit Kindern berichtet.

  • Jenni von der Strandfamilie hat mit ihren sieben und zehn Jahre alten Jungs eine Kinderführung mitgemacht und berichtet außerdem auch von ihrem Abstecher in die Drachenschlucht und dem Lutherhaus in Eisenach.
  • Sabine von Familie auf Reisen war schon 2014 auf der Wartburg mit Kindern, beschreibt aber recht detailliert, wie das Eselreiten und die Turmbesteigung (vor Corona) funktionierten.
  • Andrea von Indigoblau hat das Shuttle den Berg hoch genommen (empfiehlt das aber nicht weiter).
  • Yvonne von Tollabea war im Lutherjahr auf der Wartburg mit Kindern und hat sich die dazugehörige Sonderausstellung angesehen.
wartburg turm

Die Turmbesteigung ist wohl für viele Kinder ein Highlight – geht jetzt wegen Corona bis auf weiteres nicht.

Hier bei family4travel erzähle ich auch bald mehr über Eisenach und die Drachenschlucht, über den wunderbaren Nationalpark Hainich und über Altenburg mit der tollen Burg-Jugendherberge, von der ich oben schon geschwärmt habe. Bis dahin empfehle ich euch als Ausflugstipps in der relativen Nähe der Wartburg:

Europaweit haben wir auch schon manche Burg besichtigt und davon erzählt:

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thueringen wartburg arkaden

Viele bauliche Details entstammen der Fantasie der historistisch-romantischen Bauherren im 19. Jahrhundert. Aber wunderschön ist es trotzdem auf der Wartburg, finde ich!

Transparenz-Hinweis: Als Blogger mit Berichterstattungsabsicht hatten wir freien Eintritt auf der Wartburg und durften im Inneren fotografieren.
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