Reisen in Spanien individuell mit Kindern

Reisen in Spanien individuell – das muss man wissen

Andere Länder, andere Sitten. Klar. Wer in den Spanien-Urlaub fährt, der erwartet ja in aller Regel auch keine deutschen Verhältnisse. Diese klischeehafte „Man spricht Deutsch und serviert Jägerschnitzel“-Erwartungshaltung mag es vereinzelt geben, aber wer es bis hierher in ein Reiseblog geschafft hat, dem ist von vornherein klar, dass Reisen in Spanien ein bisschen Anpassung erfordert. Nur: Wo? Inwiefern? Worauf muss man sich als Reisender in Spanien einstellen? Welche Stolperfallen gibt es, auf die man sich besser gleich gefasst macht? In diesem Artikel teilen wir unsere Travel-Hacks, unsere Reise-Tipps für Spanien für Familien mit Kindern (und ohne). Es geht vor allem um Kleinigkeiten, die vielleicht nicht in jedem Reiseführer stehen.

Valencia, Reisen in Spanien mit Kindern
Spaziergang durch die Altstadt von Valencia.

Wir: voll die Spanien-Experten [nicht]

Wir sind eine herkömmliche Familie mit Vater, Mutter und zwei Jungs (heute 13 und elf). Es gibt ganz bestimmt Leute, die sich in Spanien besser auskennen als wir. Tatsächlich sind wir nur ein einziges Mal da gewesen, 2015 auf unserem großen Europa-Roadtrip. Aber damals haben wir das Land immerhin insgesamt knapp sechs Wochen bereist. Trotzdem haben wir längst nicht alles gesehen.

Toledo, Spanien
So viel zu gucken! Hier in Toledo.

Unsere Spanien-Rundreise: die Route

Wir sind Ende April in Barcelona angekommen (mit der Fähre von Sardinien aus), waren dann je ein paar Tage in Valencia, Toledo und (sehr kurz) in Madrid. Da wir eine feste Verabredung in Lissabon hatten, waren wir dann erst einmal – nach der Durchquerung der Extremadura – in Portugal unterwegs, bevor wir uns Ende Mai drei Wochen lang Andalusien zur Brust genommen haben (und es großartig fanden!).

Valencia Spanien moderne Architektur
In Valencia wirkt Spanien ultra-modern.

Noch einmal durch Portugal haben wir uns dann geschnörkelt (weil Portugal auch einfach ein wunderschönes Reiseland ist) und sind erst oben im Nordwesten wieder auf spanischem Boden gelandet. Dort haben wir uns viel zu wenig Galizien angeguckt, Santiago de Compostela, und sind dann mehr oder weniger an der Nordküste entlang Richtung Grenze gefahren – durch die Provinz, die so wenig mit unseren Klischee-Bildern des Spanien-Urlaubs zu tun hat und sehr viel mehr mit den Auswirkungen des Euro-Rettungsschirms und Co. Obwohl die Sehenswürdigkeiten in dieser Gegend nicht wirklich dicht gepackt sind, war es die vielleicht spannendste Etappe unserer Spanien-Rundreise.

Nordspanien, Duenas
Spanien ganz intim da, wo normalerweise keiner hinguckt: die nordspanische Kleinstadt Duenas.

Für Léon haben wir noch einmal einen Umweg gemacht, dann für die zu Unrecht hierzulande unbekannten Berge der Picos de Europa. Einen längeren Aufenthalt hatten wir noch einmal im Baskenland. Dann ging es ab in die Pyrenäen, und von da aus Mitte Juni über die Grenze nach Frankreich (und von da aus nach Hause).

Picos de Europa, Spanien
Die Picos de Europa sind ein kleines Gebirge, das es aber durchaus in sich hat.

Unsere Streckenführung ist sicherlich keine Route zum Nachmachen. Aber wir haben viele sehr spannende Ecken von Spanien gesehen.

Spanien-Rundreise individuell: Entfernungen mit dem Auto

Was man nicht vergessen darf: Spanien ist ein riesiges Land. Die Straßen sind weitgehend okay, man kann schon gut Strecke machen. Aber Städte und Orte sind einfach sehr weit voneinander entfernt.

Gorafe, Andalusien, Spanien
Spanien ist ein weites Land (hier in Gorafe im Nordosten Andalusiens).

Andalusien und das Baskenland in einem einzigen Urlaub zu verbinden, macht ungefähr genauso viel Sinn, wie Sylt und Berchtesgaden in denselben Sommerferien abfrühstücken zu wollen. Kann man schon machen. Aber mit dem Urlaubspensum eines herkömmlichen Arbeitnehmers ist das eigentlich nicht ansatzweise sinnvoll oder auch nur praktikabel.

Allein von Cadiz nach Granada innerhalb Andalusiens sind es ja schon knapp 300 Kilometer. Von Sevilla bis Madrid fährt man fünf Stunden (534 Kilometer), bis Barcelona fast doppelt so lange (994 Kilometer).

Nordspanien Kühe auf der Straße
Und es kann schon auch immer was dazwischenkommen. Eine Herde Kühe, die von einem alten Mann über die Straße getrieben wird – im Norden Spaniens ein recht gewöhnliches Bild.

So ungern ich als Nichtflieger das sage: Die häppchenweise Erkundung von bestimmten Zentren aus ist für Normalsterbliche die einzig sinnige Herangehensweise. Hinfliegen, Mietwagen nehmen.

Will man Spanien in einem Stück sehen (was irre spannend ist!), sollte man sich schon ernsthaft Zeit reservieren. Unsere sechs Wochen waren für ganz Spanien eigentlich immer noch viel zu wenig.

Kathedrale von Leon, Spanien
Und dann gibt es an jedem einzelnen Ort ja auch noch so viel zu entdecken! (Hier die Kathedrale von Léon.)

Jetzt aber: Unsere Reise-Tipps und Travel-Hacks für Spanien

In knapp sechs Wochen Spanien ist uns einiges aufgefallen. Besser, wenn man das vorher weiß. Unsere Tipps und Travel-Hacks für Spanien.

Santiago de Compostla, Reisen in Spanien individuell
Auf den ersten Blick ist Spanien manchmal ein bisschen ungewohnt, unübersichtlich, überwältigend (hier in Santiago de Compostla).

In Spanien unterwegs: Das sollte man wissen

  • Parken in Parkhäusern zahlt man oft minutenweise. Das ist auf den ersten Blick ungewohnt, funktioniert ansonsten aber meist genauso wie bei uns zu Hause mit einer Karte, die vor dem Verlassen an einem Automaten ausgelesen und abgezahlt wird.
  • Öffentliche Toiletten findet man in der Tourist Information und oft auch in Parkhäusern, jeweils gratis.
  • Verständigung mit Einheimischen ist in Spanien schwierig, wenn man kein Spanisch spricht. Selbst in international bekannten Städten und Touristenorten ist es absolut keine Selbstverständlichkeit, jemanden aufzutreiben, der Englisch (oder gar Deutsch) spricht. Mein über die Wochen geformtes Patentrezept zur Kommunikation mit Spaniern: Ich spreche Englisch, sehr langsam, und wiederhole dabei jedes Schlüsselwort auf Italienisch und/oder Französisch (wenn ich denn kann, denn auch diese Sprachen spreche ich eigentlich nicht). Da die meisten Spanier gerne bereit sind, sich Mühe zu geben, klappt das spätestens beim Einsatz von Pantomime erfahrungsgemäß recht gut.
  • Spielplätze gibt es viele in Spanien. Leider scheint bei der Planung nie jemand auf Beschattung zu achten, denn ganz viele liegen in der prallen Sonne. Ganz oft sind Spielplätze in Spanien zweigeteilt oder auf benachbarte Örtlichkeiten aufgeteilt: hier für Kleinkinder bis etwa drei oder vier Jahre, dort für die Größeren. Trifft man auf einen von der „falschen“ Sorte, lohnt es sich, die Straße etwas hoch und runter zu gucken, denn fast immer befindet sich der Gegenpart ganz in der Nähe.

    Spielplätze in Spanien mit Kindern
    Hier in Santiago kann man die spanische Spielplatz-Aufteilung ein bisschen nachvollziehen: vorne der Bereich für die älteren Kinder, hinten auf dem Absatz der Kleinkind-Spielplatz.

In Spanien ins Restaurant

  • Siesta heißt: Die Geschäfte sind zu. Im Allgemeinen sind Läden, oft auch Restaurants, ungefähr von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr (manchmal auch bis 17 Uhr) geschlossen. Es gibt keine einheitliche Regelung bezüglich Siesta-Zeiten. Je nach Region gibt es mancherorts schon noch „irgendwas“. Aber oft eben auch nicht. Zwei Mal waren wir zu spät dran, uns Mittagessen zu besorgen, und haben dann auch wirklich nichts gefunden. Das war einmal in einer gottverlassenen Kleinstadt, wo man vielleicht darauf gefasst ist, aber einmal auch in der Großstadt Léon, wo wir erst nach über einer Stunde Suchen schließlich eine Burgerbude auftrieben, die uns auch nach 14 Uhr noch etwas zu Essen verkaufte.
  • Ein bisschen tückisch bei Restaurants: Nur selten findet man schon draußen einen Aushang mit der Speisekarte, um das Preisniveau zu checken. Wir sind dann oft einfach reinmarschiert und haben uns eine Karte geben lassen, um nach einem ersten Blick zu entscheiden, ob wir gehen oder bleiben. Keine Ahnung, ob wir damit sehr schlechte Manieren bewiesen haben, aber es hat für uns jedenfalls gut funktioniert.
  • Getränke stehen oft allerdings gar nicht in der Karte, und wenn, dann ohne Preise. Da im Allgemeinen das Preisniveau niedriger ist als in Deutschland, kann man als deutscher Tourist damit aber ganz gut leben.
  • Wie auch in Italien und Frankreich öffnen „richtige“ Restaurants erst spät am Abend. Gerade mit Kindern ist das schwierig, denn vor 20.30 Uhr kriegt man einfach schwierig einen Teller vor die Nase. Unsere Patentlösung: Tapas-Bars. Die öffnen meist gleich nach der Siesta schon am frühen Abend, und das Prinzip der Kleinigkeiten zum Kombinieren und Tauschen kommt bei Kindern sowieso gut an. Unsere mochten am liebsten Tortilla („Kartoffel-Auflauf“) und patatas alioli (Kartoffeln in Knoblauch-Mayonaise).
  • Bestellt man nur Getränke in einer (Tapas-)Bar, bekommt man fast immer automatisch ein paar Häppchen dazu. Die sind im (Überraschungs-)Preis mit drin. Je nach Umfang der Bestellung und Örtlichkeit geht es dabei um ein Schälchen mit Nüssen oder Chips (meistens) bis hin zur kleinen Vorspeisenplatte mit abgezählten Köstlichkeiten pro Person (selten).

    Reisen in Spanien individuell: churros con chocolate
    Und das absolute Highlight in kulinarischer Hinsicht sind natürlich (nicht nur für Kinder) churros con chocolate (hier in Toledo).

Mehr Erfahrungen von unserer Spanien-Rundreise

Ich hab immer noch viel zu wenig gebloggt über unsere Reiseerfahrungen in Spanien. Unterwegs habe ich mir zwar fleißig Notizen gemacht, war aber doch zu sehr mit Reisen und Genießen beschäftigt, um nach all unseren Erlebnissen abends auch noch fundierte Blogberichte rauszuhauen. Und seit unserer Rückkehr vor drei Jahren sitze ich hier mit einem gigantischen Fundus an Fotos und Aufzeichnungen und arbeite den Berg nach und nach ab…

Die Plaza de Espanol in Sevilla, einer der schönsten Plätze Spaniens.

Bisher sind folgende Artikel und Erfahrungsberichte aus Spanien im family4travel-Blog erschienen:

Dali Thatermuseum Figueres mit Kind
Janis trifft auf Kunst – und er selbst erzählt darüber.
Andalusien mit Kindern, Spanien individuell bereisen
Andalusien war für uns ehrlich gesagt schon der schönste Teil Spaniens.
Spanien, La Mancha, Mohnblumen
Im Mai ist Spanien voller Mohnblumen…
Auf geht’s! Family4travel an Tag 1 der Reise.

Mehr über unsere Familien-Reise durch Spanien und ganz Europa…

… steht in unserem gerade erscheinenden Buch „Die Entdeckung Europas“. In fünf der 42 Kapitel geht es um Geschichten, die wir in Spanien erlebt haben. Dabei stehen die Begegnungen mit den Menschen vor Ort im Mittelpunkt, die ich im Blog immer nur kurz angerissen habe.

Da geht es um

  • unsere Couchsurfing-Gastgeber in einer nordspanischen Kleinstadt, die eine riesige Casa Rustica vermieten, während sie sich zu viert in einem winzigen Häuschen drängen
  • einen spanischen Polizisten, der um seinen Arbeitsplatz bangt
  • ein katalanisch-rumänisches Paar, das in der seperatistischen Großwetterlage in Barcelona seinen gemeinsamen Weg sucht
  • ein Zusammentreffen mit einer deutschen Aussteiger-Familie, die in Andalusien fern der deutschen Schulpflicht ihr hardcore-veganes Freilerner-Leben genießt
  • und unsere Begegnung als Nicht-Pilger mit dem Pilgerphänomen in Santiago de Compostela

Den aktuellen Stand der Dinge bezüglich unseres Buchs inklusive Bestellmöglichkeit gibt es hier: Die Entdeckung Europas – unser Buch. 

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2 Gedanken zu „Reisen in Spanien individuell – das muss man wissen“

    1. Wir hatten ja den direkten Vergleich, und für mich war Andalusien schon die schönste Ecke Spaniens – aber auch Galizien ist richtig, richtig schön, Kalalonien auch, und das Baskenland. Und die Pyrenäen erst! Dahin möchte ich auf jeden Fall noch mal. Ich hatte letztens einen Pyrenäen-Reiseführer im Lektorat, da bin ich regelmäßig dahingeschmolzen vor Sehnsucht…

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