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Isle of Arran mit Kindern: Schottland im Hosentaschenformat

Die Isle of Arran – kurz einfach nur Arran – ist die südlichste der größeren Inseln in Schottland. Formal zählt sie nicht zu den Inneren Hebriden, da sie östlich der Halbinsel von Kintyre liegt, im Firth of Clyde, noch ein gutes Stück südwestlich von Glasgow. Deutsche Urlauber haben das kleine Eiland deshalb oft gar nicht recht auf dem Schirm. Wer die Trauminsel aber einmal entdeckt hat, ist meistens begeistert. Hier kommen unsere Erfahrungen und Tipps für Arran mit Kindern.

Wir haben Arran 2017 auf unserer großen Recherchereise für unseren Reiseführer „Schottland mit Kindern“* erkundet. Mit dabei waren Janis (damals 13) und Silas (noch 11). Die Zusammenfassung der ganzen Reise gibt es hier: Schottland-Roadtrip – Alleine mit Kindern durch Highlands und Islands.

Alle meine – inzwischen mehr als 30 – Blogbeiträge über Schottland mit Kindern sind hier aufgeführt: Schottland mit Kindern – Unsere gesammelten Erfahrungen.

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Die Jungs auf dem Weg ins Machrie Moore auf der schottischen Insel Arran.

Achtung: Die schottische Insel Arran wird leicht verwechselt mit den Aran Islands in Irland. Jene haben hier im Blog ihren eigenen Artikel! ;)

Warum Urlaub auf Arran mit Kindern?

Tatsächlich ist die Isle of Arran meine ganz persönliche Lieblingsinsel in Schottland. – Oder na ja, zumindest eine meiner drei Lieblingsinseln, denn Jura und Mull mag ich auch ganz schrecklich gerne. Aber Arran als Reiseziel ist wirklich etwas Besonderes.

Auf 32 Kilometern Länge und 16 Kilometern Breite bietet Arran landschaftlich quasi ganz Schottland im Hosentaschenformat: zerklüftete, bergige Wildnis im Norden, Steilküste und ein Moor voller prähistorischer Schätze im Westen, liebliche Landschaften im Süden und schmucke Dörfer mit weißgetünchten Cottages und einem Bilderbuchschloss im Westen. In gut erreichbarer Nähe zur Fähre in Newcastle und zu den Großstädten Glasgow und Edinburgh liegt hier ein eigener kleiner Kosmos im Meer. Schottland für Anfänger sozusagen. Und weil alles so nah beieinander liegt, eignet sich Arran ideal auch schon für eine Woche Familienurlaub in Schottland.

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Ein traumhaft abgelegenes Cottage im Norden Arrans bei Lochranza.

Isle of Arran mit Kindern: Sehenswürdigkeiten

Die schönsten Ecken von Arran finden sich in jedem Reiseführer – auch in unserem. Natürlich freue ich mich, wenn ihr euch den kauft, wenn ihr euch denn für einen Familienurlaub auf Arran mit Kindern entscheidet. Dort gibt es Tipps für alle Sehenswürdigkeiten, die ich auch hier aufführe. Vor allem aber bietet das 360 Seiten dicke Büchlein insgesamt 66 Wander- und Entdeckertouren im gesamten Westteil Schottlands, vier davon auf Arran.

Für die exklusiv ausgearbeiteten familientauglichen Wandertouren gibt es detaillierte Karten und Wegbeschreibungen inklusive Koordinaten zur Anfahrt des Parkplatzes. Meiner Meinung nach sind es nämlich vor allem die Naturschönheiten, die Arran zu einem so wunderbaren Reiseziel für Familien machen.

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Das ist an der Ostküste der Insel Arran, ich glaube in dem kleinen Dorf Lamlash. Auch das Nirgendwo und das Nichtsbesondere ist auf Arran sehenswert, finde ich.

Aber hier soll es jetzt vor allem ganz allgemein um die Sehenswürdigkeiten auf Arran gehen.

Brodick und das Isle of Arran Heritage Museum

Brodick ist der Hauptort der Insel Arran. Rund 850 Menschen leben hier. Entlang der Dorfstraße gibt es ein paar Cafés, Restaurants und Geschäfte, die durchaus auf Urlauber ausgerichtet sind: ein netter Ort zum Bummeln.

Ebenfalls direkt an der Hauptstraße liegt das Isle of Arran Heritage Museum. Das kleine Freilichtmuseum widmet sich der Geschichte der Insel. Ein Wohnhaus, eine Schmiede und die alte Dorfschule sind „wie zu Urgroßmutters Zeiten“ eingerichtet. In separaten Ausstellungsgebäuden geht es um Themen wie Archäologie, die Anfänge des Tourismus und Arrans (ziemlich unbedeutende) Rolle in den Weltkriegen. Für Kinder gibt es einen schönen Spielplatz, auch mit überdachtem Bereich.

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Im Inneren des Heritage Museum in Brodick.

Brodick Castle

Hauptsehenswürdigkeit Brodicks, wenn nicht der ganzen Isle of Arran, ist Brodick Castle. Der herrschaftliche Familiensitz geht auf eine alte Wikingerburg zurück. Seine heutige Erscheinungsform nennt sich „Scottish Baronial“, was der schottischen Version der Neogotik aus dem 19. Jahrhundert entspricht. Seit dem 15. Jahrhundert herrschten hier die Herzöge von Hamilton. 1957 starb die letzte Besitzerin, Mary Louise Hamilton, und vermachte das überdimensionierte und schwer zu unterhaltende Wohnhaus dem Staat. Seitdem ist es Glanzstück und gleichzeitig Sorgenkind des National Trust for Scotland, denn trotz hochwertiger Ausstellungen kommen einfach nicht genügend Besucher auf die Insel und ins Schloss, als dass sich die Angelegenheit rechnen würde.

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Ob es draußen oder drinnen auf Brodick Castle schöner ist, können wir nicht recht beurteilen, da bei unserem Besuch das Schloss noch wegen Renovierung geschlossen war. Draußen ist es jedenfalls wunderschön, das können wir mit Gewissheit sagen!

Gerade erst ist die Anlage über mehrere Jahre aufwändig saniert und restauriert worden. Erst seit dieser Saison ist das Innere von Brodick Castle der Öffentlichkeit wieder zugänglich.

Brodick Castle Bayerisches Gartenhaus mit Tannenzapfen an der Decke
Das Gartenhaus im angeblich „bayerischen Stil“ machte der Duke of Hamilton seiner von dort stammenden Frau zum Hochzeitsgeschenk. Auf jeden Fall sehenswert!

Besonders schön sind aber auch die Außenanlagen des Landschaftsparks, der Brodick Castle umgibt. Auch sie kosten Eintritt, der sich jedoch lohnt. Ganz neues Highlight für Kinder ist ein riesiger Abenteuerspielplatz, der mit seinen hölzernen „Geheimgängen“ ein ganzes Tal überspannt. Außerdem gibt es noch mehrere historische Gartenhäuser – darunter eins mit beeindruckender „Tannenzapfenkunst“ in der Deckengestaltung –, den Nachbau eines bronzezeitlichen Rundhauses und eine überdachte Ausstellung zum Naturraum auf Arran, die mit etlichen Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder auch für Regenwetter daherkommt.

Brodick Castle Abenteuerspielplatz isle of arran mit kindern
Brodick Castle Abenteuerspielplatz.

Holy Isle

Ein beliebtes Ausflugsziel auf Arran ist die Holy Isle, ein kleines Inselchen ein Stück südlich von Brodick. Hier befindet sich hauptsächlich ein buddhistisches Zentrum, das Sinnsuchenden ohne Ansehen der Herkunft offensteht und diverse Meditationskurse anbietet. Tagesbesucher sind ebenfalls willkommen. Es gibt ein paar Spazierwege, die teilweise von farbenfrohen Felszeichnungen und anderen Überraschungen im buddhistisch-hinduistischen Stil gesäumt sind.

Wir selbst haben den Ausflug zur Holy Isle leider nicht geschafft. Zur eigenen Recherche empfehle ich die Homepage des Meditationszentrums, die auch Auskünfte über die Fähre nach Holy Isle gibt.

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Mit diesem Boot geht’s sicher nicht rüber zur Holy Isle, aber ich glaube das links am Bildrand ist sie.

Die Wasserfälle von Glenashdale

In dem winzigen Küstendorf Whiting Bay beginnt der Wanderweg zu den Glenashdale Falls. Der höchste Wasserfall der Insel stürzt sich über zwei Absätze insgesamt 45 Meter in die Tiefe. Von einer hölzernen Aussichtsplattform lässt sich das Spektakel beobachten. Die unserer Meinung nach schönste Art, die vorhandenen Wege zu einer familientauglichen, gut fünf Kilometer langen Rundwanderung zu verknüpfen, hat Eingang in unseren Reiseführer gefunden.

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So ganz fotogen sind die Wasserfälle von Glenashdale für Amateure nicht, weil auch das Hochformat nicht hoch genug ist…

Die Steinkreise im Machrie Moore

Das Moor voller prähistorischer Monumente ist eine weitere Top-Sehenswürdigkeit der Insel Arran. Auch Machrie Moore ist eine eigenständige Tour in unserem Reiseführer: Nicht weniger als vier Steinkreise lassen sich hier auf einem einzigen vergnüglichen Spaziergang erkunden. Dazu kommen weitere Standing Stones und Hügelgräber sowie eine durchaus ebenfalls spannende Farmhaus-Ruine aus neuester Zeit. Infotafeln geben Hinweise auf die Erbauer, die in der Bronzezeit ganz in der Nähe siedelten. Alle Monumente sind frei zugänglich.

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Der dritte Steinkreis am Wegesrand ist mit seinen bis zu drei Meter hohen Menhiren der eindrucksvollste.

Wer die trockenen Pfade verlässt, kann hier noch mehr vorzeitliche Hinterlassenschaften finden (holt sich dabei aber wahrscheinlich nasse Füße, denn das Moor ist abseits der Wege eben schon ein Moor). So sind es insgesamt sechs Steinkreise, die über Jahrhunderte hinweg genutzt worden sein müssen. Aller Wahrscheinlichkeit nach gingen sie auf noch ältere Vorgängerbauten aus Holz zurück. Warum sich die megalithischen Monumente hier derart häufen, ist ein Rätsel. Vieles ist noch ungeklärt und etliches noch gar nicht ausgegraben. Superspannend!

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Früher verlief der Feldweg mitten über dieses prähistorische Hügelgrab. Inzwischen ist es abgesperrt und mit einer Infotafel versehen. Archäologisch ausgegraben wurde es nie. Es gibt hier einfach zu viele davon.

King’s Cave: Das königliche Geheimversteck

Ein weiterer wunderschöner Spaziergang (zu dem unser Reiseführer ebenfalls die ausführliche Wegbeschreibung inklusive Abstechern zu „Geheimtipps“ bietet) ist der zur King’s Cave ganz in der Nähe zu Machrie Moore an der Westküste von Arran. Hier soll sich der spätere schottische König Robert the Bruce nach einer verlorenen Schlacht vor den Engländern versteckt haben.

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Es gibt da unten eine ganze Reihe von Höhlen. Welche historisch gesehen die richtige ist, lässt sich schlecht sagen. Die Nachwelt hat sich geeinigt, dass es wohl die größte gewesen sein muss, die einst den König beherbergte. Das Metallgerüst ziert den Eingang, schließt ihn aber entgegen des ersten Eindrucks nicht ab.

Achtung: Passt man nicht auf und biegt an der entsprechenden, blöderweise nicht ausgeschilderten unscheinbaren Abzweigung vom Wanderweg zum Strand ab, läuft man zwar einen netten Rundweg, verpasst aber die Hauptsehenswürdigkeit. Gute Vorbereitung ist hier nötig!

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Ein ganzes Stück weit läuft man über unhandliche Kieselsteine am Meer. Es lohnt sich aber!

In ihrer heutigen Erscheinungsform ist die Königshöhle eher durch ihre Verwendung als „Heckenschule“ und geheime katholische Kirche im 18. und 19. Jahrhundert geprägt, als die Engländer solche Eigenständigkeiten im besiegten Schottland verboten. Wer eine Taschenlampe dabei hat und weiß, wo er oder sie suchen muss, kann aber immer noch Spuren der mittelalterlichen Nutzung finden, wie etwa ein eingeritztes Kreuz in der Höhlenwand.

Die Höhle ist frei zugänglich. Sogar der Parkplatz ist gratis, wenn ich mich recht erinnere.

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Arrans Westküste ist halt generell einfach wunderschön!

Lochranza Castle

Die Nordspitze der Isle of Arran gefiel uns am besten, denn sie ist rau, wild und ungekämmt. Lochranza ist mehr oder weniger die einzige dauerhafte Ansammlung menschlicher Anwesenheit dort. Zumindest das Rotwild nimmt die Siedlung trotzdem nicht ernst und spaziert in Seelenruhe über die Hauptstraße und den Golfplatz.

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Arran ganz im Norden.

Die Meeresbucht Loch Ranza bildet einen natürlichen Hafen und bot damit einen naheliegenden Siedlungsplatz. Im 13. Jahrhundert entstand die Burg, die heute die Ansicht des kleinen Ortes prägt. Wer sie erbaute, ist nicht ganz klar. Lange unterstand sie der schottischen Krone, als es denn eine gab, und wurde unregelmäßig als Jagdschloss genutzt. So richtig am Herzen lag das typisch schottische Turmhaus aber anscheinend niemandem. Schließlich wurde Lochranza Castle zu einem Kreditpfand, und spätestens seit dem 18. Jahrhundert kümmerte sich niemand mehr, sodass die Burg verfiel.

Lochranza Castle, Insel Arran, Schottland
Wie ein unregelmäßig geformter Bauklotz trutzt Lochranza Castle auf der Landzunge, die die kleine Brackwasser-Bucht abschließt.

Besichtigen kann man sie nicht, es gibt ohnehin nicht viel zu sehen. Als Fotomotiv ist sie beliebt. Für uns war sie Ausgangspunkt einer schönen Wanderung (deren detaillierte Beschreibung es natürlich wieder im Reiseführer gibt). Jener Spaziergang führte uns außerdem zu einem „Feenportal“ und manch anderem magisch anmutenden Ort rund um die Nordspitze von Arran.

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Ich will nicht zu viel verraten. Aber es gibt diesen alten „Fairy Dwell“, an dem Einheimische und Besucher heute noch kleine „Opfergaben“ deponieren. Er ist leicht zu übersehen, auf unserer Wanderkarte im Reiseführer aber eingezeichnet. ;)

Goat Fell

Der Goat Fell, wahlweise auch Goatfell geschrieben, ist der höchste Berg der Insel Arran. 874 Meter hoch ist er und besteht aus Granit. Die kürzeste Route hinauf beginnt am Brauerei-Parkplatz nördlich von Brodick. Rund fünf Kilometer lang ist dann die Strecke hinauf zum Gipfel. Ob man sich die Sache mit Kindern wirklich antun möchte, sollte man sich gut überlegen. Das Wetter ändert sich schnell. Und nicht umsonst leitet sich der Name des Berges nicht etwa von harmlosen Ziegen, sondern vom gälischen gaoth = Wind ab. Außerdem beklagen Naturschutz-Organisationen die Erosion der empfindlichen Vegetationsdecke durch allzu viele Wanderer. Wir persönlich haben das als willkommene Ausrede genutzt, uns den anstrengenden Aufstieg zu ersparen. ;) Aber wer einmal oben steht, soll bei (rarem) guten Wetter bis nach Irland und zum Loch Lomond blicken können.

Lochranza, Insel Arran, Schottland
Die Goat Fell von Lochranza Castle aus gesehen.

Anfahrt nach Arran: Die Fähre

Wer zur Isle of Arran übersetzen möchte, muss die Fähre nehmen. Es gibt zwei Strecken. Beide werden von der einen großen Fährgesellschaft CalMac bedient, die praktisch alle Fährrouten im Westen Schottlands auf die Inneren und Äußeren Hebriden befährt. Mit vollem Namen heißt sie Caledonian MacBrayne (das sagt vor Ort aber keiner).

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Die Fähre am Anleger in Brodick.

Fährroute Ardrossan – Brodick

Die meisten Urlauber erreichen die Insel von Ardrossan aus, einer kleinen Stadt in Ayrshire. Das liegt südwestlich von Glasgow, eine knappe Stunde Fahrzeit von der Großstadt entfernt. Vom Fährhafen in Newcastle (wo man als deutscher Urlauber meistens mit der Fähre ankommt, wenn man mit eigenem Auto unterwegs ist und nicht quer durch England gurken möchte), braucht man nicht ganz dreieinhalb Stunden Fahrzeit.

Die Überfahrt selbst dauert eine knappe Stunde. An Bord gibt es einen Imbissbetrieb, sonst nicht viel.

Das Preissystem ist dynamisch, wie es so schön heißt: Es kommt ganz darauf an, wann man bucht und wann man fahren möchte. Mit einer Woche Vorlaufzeit in den Sommerferien wären wir beim Praxistest für eine vierköpfige Familie samt Auto bei 56 Pfund für Hin- und Rückfahrt, aktuell also rund 62 Euro. Das ist nicht viel, wenn man mal ernsthaft darüber nachdenkt (und das liegt daran, dass der Staat die Fähren gut subventioniert, um der Landflucht auf den Inseln entgegenzuwirken).

Fährroute Claonaig – Lochranza

Eine Alternative zur „großen“ Fähre nach Brodick ist die Strecke Claonaig-Lochranza. Von einem winzigen, eigentlich gar nicht wirklich existenten Ort im Nirgendwo auf der Halbinsel Kintyre fährt man über eine Rampe auf eine Nussschale und damit innerhalb von 25 Minuten hinüber nach Lochranza, der nördlichsten Siedlung auf Arran. Hier gibt es keine Vorbuchungen. Bei schlechtem Wetter wird die Abfahrt gerne mal hinauf nach Tarbert verlegt und das nicht unbedingt gut kommuniziert. Zum Glück kennen die Einheimischen das Problem und kümmern sich dann um die paar Touristen in der Warteschlange, damit auch die davon in Kenntnis gesetzt werden.

Arran Fähre Claonaig Lochranza
Ein bisschen chaotisch und nicht unbedingt für Anfänger geeignet: So haben wir die „kleine Fähre“ nach Arran zwischen Kintyre und Lochranza erlebt.

Diese Art der Überfahrten an „unattended ferry ports“ (also Häfen ohne Personal, wo man sich einfach in die Warteschlange einreiht) erfordert schon ein bisschen grundlegende Tiefenentspannung und ist mit deutscher Planungswut und minutiöser Effizienz nicht unbedingt kompatibel. Für eine schöne Schottland-Rundreise bietet sich die Strecke an. Aus Erfahrung gebe ich aber zu bedenken, dass zur Bewältigung der möglicherweise auftretenden Komplikationen eine gewisse Kontaktfreudigkeit sowie gute Englischkenntnisse (und Hörverstehen des lokalen Dialekts!) nötig werden könnten.

Es gibt auch noch (ab und zu und wohl nicht ganz geregelt) die Möglichkeit, von Brodick aus nach Campbeltown im Süden der Halbinsel Kintyre zu fahren. Das haben wir noch nicht ausprobiert.

Arran mit Kindern: Unterkünfte

Natürlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, auf Arran mit Kindern zu übernachten. AirBnB* ist unserer Meinung nach immer ein guter Anlaufpunkt für familienfreundliche Unterkünfte (meine ausführliche Auseinandersetzung mit dem beliebten Vermietungsportal samt Do’s & Don’ts, Tipps und Erfahrungswerten gibt es hier: AirBnB – Top oder Flop?).

Allerdings sollte man einen Urlaub auf Arran mit Kindern unbedingt rechtzeitig buchen! So ganz viele Unterkünfte gibt es nämlich schlichtweg nicht. Spaßeshalber habe ich gerade bei AirBnB mal geguckt. Für diesen Sommer ist gar nichts mehr zu wollen, und selbst in den Sommerferien 2020 ist die Auswahl eher schmal und das Preisniveau entsprechend hoch. Unter 100 Euro pro Tag gibt es kaum eine Ferienwohnung oder ein Cottage für vier Personen, normal scheinen eher 130 bis 150 Euro pro Nacht zu sein.

AirBnB Schottland, Erfahrungen mit Kindern
Dieses über AirBnB gemietete Bett steht auf der schottischen Insel Islay, nicht auf Arran. Das Prinzip ist aber dasselbe.

Aus eigener Erfahrung kennen wir auf Arran mit Kindern aber ohnehin nur zwei Unterkünfte der günstigsten Kategorie, die ich an dieser Stelle durchaus empfehlen kann.

Lochranza Youth Hostel

Von jeher sind wir große Freunde der Jugendherbergen, in Deutschland genauso wie in Großbritannien. Tatsächlich schätzen wir die britische Variante noch ein bisschen mehr, denn dort gehört fast immer eine Selbstversorger-Küche zum Konzept. Das senkt die Urlaubskosten enorm, weil man nicht aufs Essengehen angewiesen ist.

SYHA-Hostel in Lochranza, Arran, Schottland
Eine Jugendherberge vom alten Schlag, wenn auch modern durchrenoviert – aber noch so ein echtes Haus mit Seele: das SYHA-Hostel in Lochranza.

Auf Arran gibt es mit dem Lochranza Youth Hostel noch eine richtig, richtig schöne Jugendherberge vom alten Schlag. Sie ist in einer hübschen alten Villa untergebracht. Die Zimmer wie die Treppenhäuser sind verwinkelt und es herrscht ein ganz eigenes Flair. Mehrere Aufenthaltsräume bieten Rückzugsmöglichkeiten wie Gelegenheit zur Geselligkeit und zum Austausch mit anderen Reisenden. Für Kinder gibt es Spielzeugkisten und für alle Gesellschaftsspiele und eine DVD-Sammlung für schlimme Regentage. Die Lage ist super, in unmittelbarer Nähe zu Lochranza Castle.

arran lochranza youth hostel treppenhaus
Ich mag diese typisch britischen verwinkelten Treppenhäuser!

Hier also hatten wir ein Familienzimmer mit eigenem Bad. Wer in den Sommerferien reist, sollte rechtzeitig buchen. Um eine aktuelle Hausnummer für die Preise zu haben, habe ich mich gerade mal durch den Buchungsprozess geklickt. Eine Nacht für eine vierköpfige Familie würde demnach im August 93,50 Pfund kosten (etwa 103 Euro). Dazu kommt noch die Mitgliedschaft im Jugendherbergsnetzwerk (deutsche Mitgliedschaft reicht, auch eine Kurzmitgliedschaft vor Ort ist möglich).

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Unser Familienzimmer in der Jugendherberge von Lochranza ungefähr zehn Minuten nach dem Einzug (bevor erfahrungsgemäß das Chaos ausbricht und alles fürs Blog unfotografierbar wird…).

Kilmory Haven Bunkhouse

Direkt am entgegengesetzten Zipfel der Insel liegt das Kilmory Bunkhouse ganz im Süden von Arran. Es wird von Freiwilligen geführt, beherbergt außerdem einen kleinen, nur am Wochenende geöffneten Café-Bar-Pub, das örtliche Post-Office, und dient bei Bedarf als Gemeindesaal.

Wie in den meisten Hostels heutzutage gibt es private Familienzimmer, die man komplett mietet. Wir hatten ein Dreibettzimmer mit einem Hochbett und einem Einzelbett sowie unserem eigenen Badezimmer. Dasselbe gibt es noch einmal als Vierbettzimmer. Außerdem sind da noch zwei 8er-Schlafsäle, die auch entweder ganz oder bettenweise und nach Geschlechtern getrennt vermietet werden. Eine gut ausgestattete Selbstversorger-Küche ist ebenfalls vorhanden.

arran kilmory haven familienzimmer
Hier waren es schon mehr als zehn Minuten, fürchte ich. Aber man erkennt, worum es geht: ein kleines, aber ausreichend ausgestattetes Familienzimmer auf Jugendherbergs-Niveau.

Buchungen werden online angefragt und manuell bestätigt. Und so ein bisschen ist dieses Hostel ein Pendant zum „unattended“- Fährhafen von Claonaig, denn als wir ankamen, waren zwar alle Türen offen und unser Zimmer mit einem Post-it-Zettel mit unserem Namen markiert, aber weit und breit kein Mensch zu sehen. Erst recht spät am Abend schaute eine Mitarbeiterin vorbei, hakte die zwischenzeitlich eingetrudelten angemeldeten Gäste auf ihrer Liste ab und kassierte bei denen, die mit Glück spontan die letzten freien Betten im Schlafsaal ergattert hatten. Dafür ist der Standard für ein Hostel recht ordentlich und der Preis okay (25 Pfund für Erwachsene, Kinder bis zehn Jahre 12 Pfund, bis 16 Jahre 19 Pfund).

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Das Kilmory Haven Bunkhouse von außen.

Für einen längeren Aufenthalt würde ich Kilmory Haven nicht unbedingt empfehlen, allein schon aufgrund der abgeschiedenen Lage im südlichen Nirgendwo im Nicht-wirklich-Dorf Lagg. Für zwei bis drei Tage kann sich eine Familie hier aber bequem einrichten.

Camping auf Arran

Wir selbst haben keine Aktien im Camping, aber meine Kollegin und Mit-Autorin Stefanie Holtkamp ist ausgesprochene Camping-Expertin. Sie hat für Arran fünf familienfreundliche Campingplätze rausgesucht und Kurzbeschreibungen in unseren Reiseführer aufgenommen.

Arran Literatur-Tipps

Das wichtigste Buch, das man auf die Insel Arran mitnehmen sollte, ist natürlich unser Reiseführer. ;) Aber ich hab diesmal auch noch ein paar andere Vorschläge.

Der Gesang der Wellen nach dem Sturm„*

Der Roman der schottischen BBC-Journalistin Kirsty Wark heißt im englischen Original „The Legacy of Elizabeth Pringle: a story of love and belonging on the Isle of Arran“*. Ich habe mir das Buch auf Arran gekauft in einem Moment von überschwänglichem Optimismus, denn ich lese eigentlich überhaupt keine Romane mehr. Entsprechend habe ich auch diesen niemals durchgekriegt und kann nicht wirklich beurteilen, ob er als Reisevorbereitung etwas taugt. Aber dass die Insel in der (laaangweiligen) Handlung über das Privatleben einer mittelalten Journalistin auf den Spuren des Privatlebens einer kürzlich verstorbenen alten Dame sehr liebevoll und detailreich porträtiert wird, das habe ich auf den 154 Seiten doch feststellen können, durch die ich mich durchgequält habe. Solide Unterhaltung für weibliches Zielpublikum, würde ich sagen. Wer gerne liest, hat hier jedenfalls die ideale Urlaubslektüre für Arran.

Reiseführer „Arran for Families“ von David Hilton

Wer seine Hände irgendwie an dieses vergriffene Schätzchen kriegt, sollte unbedingt zugreifen! (Oder na ja, so ganz unbedingt vielleicht nicht, bei Amazon* ist derzeit ein antiquarisches Exemplar für 135 Euro zu haben…) Das Büchlein sieht aus wie selbstgebastelt und ist vom Autor handgeschrieben und illustriert. Es beschreibt die ganze Insel auf Sicht und Bedürfnisse von Kindergarten- und Grundschulkindern zugeschnitten und erzählt viele lokale Sagen nach.

Ich habe es mir in der Jugendherberge von Lochranza angeschaut, wo es Seite für Seite laminiert und in einem dicken (praktisch unklaubaren) Ordner abgeheftet ist.

Inzwischen wohl eine rare Ansicht: das Titelbild des vergriffenen englischen Reiseführers „Arran for Families“.

Englischsprachige Wanderführer für Arran

Wer richtig Wanderurlaub auf Arran machen möchte, muss auf englischsprachige Literatur zurückgreifen. Es gibt eine knappe Handvoll von Büchern, die auch in Deutschland erhältlich sind. In der Leseecke der Jugendherberge in Lochranza hatte ich einige in der Hand, zum Beispiel „Arran: 40 Favourite Walks“* von Phil Turner.

Wer mit einer deutschen oder alpenländisch geprägten Vorstellung vom Wandern an die Sache herangeht, muss sich allerdings ein bisschen umgewöhnen und wird bei der erstaunlich großen Zahl an Vorschlägen vermutlich von den meisten Touren enttäuscht sein. Briten haben offenbar eine sehr viel höhere Toleranzschwelle fürs Laufen an bürgersteiglosen Landstraßen, genauso wie fürs Wandern in pfadlosen und gerne auch mal extrem nassen Mooren. Für letzteres geben manche Wanderführer bei der Tourenbeschreibung einen „bog factor“ an. Und nicht umsonst ist der typisch schottische Wanderschuh ein hochwertiger Gummistiefel mit Profil.

arran mit kindern lochranza wandern
Auch unsere Wanderungen gehen manchmal über Stock und Stein, lassen sich aber generell mit handelsüblichen Wanderschuhen bewältigen (oder enthalten andernfalls eine explizite Warnung – was aber für unsere Arran-Touren nicht nötig war). Das hier ist auf der Wanderung um Lochranza.

Sicher lassen sich auf Arran noch mehr schöne Wanderungen als die in unserem Wanderführer vorgestellten vier Stück finden. Nachdem ich mir ein paar der von Phil Turner vorgeschlagenen Routen angesehen und verworfen habe, bin ich aber relativ zuversichtlich, dass wir zumindest die schönsten und auch mit Kindern praktikabelsten erwischt haben.

Schottland mit Kindern: Unser Reiseführer

Unser in diesem Artikel möglicherweise das eine oder andere Mal subtil erwähnte Reiseführer heißt mit vollem Titel: „Schottland mit Kindern: 66 Wander- und Entdeckertouren in den Highlands und auf den Inseln“*. Er ist im Mai 2019 im Naturzeit Reiseverlag erschienen, und ich habe ihn gemeinsam mit Stefanie Holtkamp geschrieben. Er ist überall im Buchhandel erhältlich.

Ich lege ihn allen Familien ans Herz, die Schottland mit Kindern bereisen und dabei vor allem die herrliche Natur dieses fantastischen Reiselands genießen wollen.

schottland mit Kindern Reiseführer
Ein bisschen Eigenwerbung darf schon sein, oder? ;) Hier* geht es direkt zur Bestellung bei Amazon.

Transparenz-Hinweis: Dass ich den Reiseführer, den ich im Artikel immer wieder empfehle, selbst geschrieben habe und an dessen Verkauf somit natürlich (leider keine großen Reichtümer) verdiene, kommt jetzt sicher nicht überraschend. Kommt über die mit * markierten Links ein Kauf zustande, erhalte ich außerdem eine Provision von Amazon (dich kostet es nicht mehr). Bei einer Neukunden-Buchung über den AirBnB-Link erhalte ich ein paar Euro Provision, und besagter Neukunde erhält ebenfalls eine Gutschrift. Ansonsten habe ich für das Verfassen dieses Artikels oder die Erwähnung oder Verlinkung bestimmter Orte, Unterkünfte, Anbieter, Bücher etc. pp. keine Vergütung oder sonstige Gegenleistung bekommen. Unsere Reise nach Arran mit Kindern ging komplett auf unsere eigenen Kosten (und amortisiert sich hoffentlich irgendwann über den Reiseführer-Verkauf). Ach doch: Ich hatte damals eine freie Journalisten-Mitgliedschaft des National Trusts und brauchte deshalb auf Brodick Castle keinen Eintritt zahlen.

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