Schlagwort-Archive: Kinder

Eisbären, Gorillas und Mammuts: Der Rostocker Zoo mit Darwineum

Der Rostocker Zoo platzt vor allem an Regentagen im Sommer aus allen Nähten, wenn der Ostseestrand den Urlaubern zu ungemütlich ist und sie „nichts Besseres zu tun haben“. Dabei ist der 1899 eröffnete Tiergarten spätestens seit der Fertigstellung des Darwineums selbst schon ein veritabler Reisegrund!

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Die Errungenschaft des 16-Stunden-Arbeitstags und ein Gebiss zur Konfirmation (in Bergen, Norwegen)

Auch wer nur ein oder zwei Tage Zeit hat für Bergen, sollte sich das Freilichtmuseum Gamle Bergen nicht entgehen lassen. Gerade für Familien ist das ein entspannter und zugleich äußerst lehrreicher Ort.

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Völklinger Hütte: fantastische Welten aus rostigem Stahl

„Und etwas außerhalb von Saarbrücken, aber auch noch sehr zu empfehlen, ist dann natürlich noch die Völklinger Hütte.“ Diesen Satz hatte uns unsere Couchsurfing-Gastgeberin Sandrine geschrieben, als wir locker per Mail das Programm für unseren Familien-Kurzurlaub in der saarländischen Landeshauptstadt planten. Der Begriff „Völklinger Hütte“ sagte mir, offen gestanden, überhaupt nichts. Ein kurzes Googeln ergab, dass es sich um ein altes Stahlwerk handelt. Klingt ja nicht so spannend, dachte ich. Oh, wie ich mich da geirrt habe! Zum Glück nämlich hatten alle alternativen Kulturprogramme montags zu, so dass wir letztlich doch im ersten Unesco-Welterbe der Industrie landeten – und einen der großartigsten Familienausflüge erlebten, an die ich mich erinnern kann.

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Dauerregen auf der Windschutzscheibe (in Røldal, Norwegen)

Zwei Urlaubs-Horror-Vorstellungen: den ganzen Tag mit kleinen Kindern im Auto sitzen und Dauerregen. In Kombination ging’s aber eigentlich.

Man könnte sagen, das Gute am Mistwetter ist, dass man nicht viel davon sieht. (You could say that the good thing about bad weather is that you don't have to see much of it...)
Man könnte sagen, das Gute am Mistwetter ist, dass man nicht viel davon sieht. (You could say that the good thing about bad weather is that you don’t have to see much of it…)

Auto-Tag. Die Kinder benehmen sich ausnehmend gut. Wir fahren nach Bergen, durch Nebel und Regen und eine Unzahl beängstigend langer Tunnel. Schlagartig fiel mir wieder ein, dass der ADAC seit Jahren die fatalen Sicherheitsmängel norwegischer Straßentunnel ankreidet. Aber sie führen ungelogen kilometerlang durch nacktes Granitgestein, natürlich ist da nichts mit Sicherheitsröhre. Wenigstens gibt es selten Gegenverkehr, so dass ein Unfall eher unwahrscheinlich ist.

Dieser hier ist zwar durchaus einer der imposanteren Wasserfälle entlang unserer Strecke, aber auch nur einer von vielen, vielen, vielen. (This one is one of the more impressive falls but then again, it's just one of many many many more.)
Dieser hier ist zwar durchaus einer der imposanteren Wasserfälle entlang unserer Strecke, aber auch nur einer von vielen, vielen, vielen. (This one is one of the more impressive falls but then again, it’s just one of many many many more.)

In Røldal haben wir eine kurze Pause gemacht und uns eine eher unspektakuläre Kirche angesehen – von außen, denn sie wollten 50 Kronen Eintritt. Dabei sind wir gründlich nass geworden (eigentlich schon in der Sekunde, als wir aus dem Auto stiegen).

Jetzt fahren wir am Hardanger Fjord entlang. Die Nebelsuppe ist so dick, dass wir teilweise das Wasser nicht sehen können, obwohl die Straße direkt am Fjord entlang führt. Dafür sehen wir viele, viele winzige Obstplantagen. Die steilen Hänge sind mit Bäumen übersät, und an allen Ästen hängen dicke Äpfel. Eine kurze Regenpause haben wir klugerweise sofort für unser mittägliches Picknick genutzt. Martin hat unser einziges Handtuch fürs Grobe auf einer Nacktschnecke platziert und die Kinder sich draufsetzen lassen.

Regenpause mit Picknick am Fjord. Was wir da noch nicht wussten: Silas sitzt gerade eine Nacktschnecke platt. (Picknick stopp in a brief moment of clear skies. What we did not know: Silas was sitting on a slug.)
Regenpause mit Picknick am Fjord. Was wir da noch nicht wussten: Silas sitzt gerade eine Nacktschnecke platt. (Picknick stopp in a brief moment of clear skies. What we did not know: Silas was sitting on a slug.)

Trotz allem bin ich froh und glücklich, denn wir haben Urlaub und sind on the road. Wir fahren vorbei an – gefühlt – tausend Wasserfällen. Manche sind so nah an der Straße, dass man glaubt, man bräuchte nur die Hand nach ihnen ausstrecken.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 31. August 2009 verfasst.

Zur „Unzeit“ in Deutschlands hohem Norden (auf Sylt)

Damals, in den guten alten Zeiten, als uns die Schulpflicht noch nicht in ihren Fängen hatte, haben wir mal drei Wochen auf der wunderschönen Insel Sylt verbracht. Zur „Unzeit“, Ende Februar, Anfang März, als das Wetter ziemlich mies und kalt war. Die Raumfee hat sich neulich mit einem Fotopost an unsere gemeinsame Zeit dort erinnert und hat dabei natürlich auch bei mir die Erinnerung geweckt. Ich habe nachgeschlagen in meinem Reisetagebuch, das ich damals noch ganz privat für mich verfasst habe. Ein paar Ausschnitte teile ich mit euch.  Lohnt sich das, Deutschlands Lieblingsinsel zu dieser Jahreszeit? Auf jeden Fall, hätte ich aus der Erinnerung heraus sofort gesagt. Ein Blick in mein altes Reisetagebuch klang aber doch differenzierter.  

Hübsche Ausblicke aufs Meer gibt es zu jeder Jahreszeit. (Sylt has beautiful spots any time of the year.)
Hübsche Ausblicke aufs Meer gibt es zu jeder Jahreszeit. (Sylt has beautiful spots any time of the year.)

Ich brauchte Zeit, um warm zu werden mit der nordischen Diva. Und ging anfangs ziemlich hart mit ihr ins Gericht.

„Plattes Land ist gar kein Ausdruck. Die Ostseeküste gefällt mir viel, viel besser, weil sie einfach abwechslungsreicher ist. Und hier dieser vielgelobte Wattweg gleich hinterm Haus, na ja, das ist ein asphaltierter Pattweg entlang an einer treibmüllverdreckten Wiese auf der einen und einem Streifen Steine auf der anderen Seite, gefolgt von entweder Wasser oder Wattschlick. Bisher hat Sylt keinen großartigen Eindruck auf mich gemacht. Aber so ganz viel habe ich auch noch gar nicht von der Insel gesehen, zugegebenermaßen.“

Der Wattweg von Keitum.
Der Wattweg von Keitum.

Auch ein gemeinsamer Ausflug mit Raumfee Katja und ihrem Sohn ins Aquarium überzeugte mich nicht so ganz.

„Hammerpreise, und dabei zählte Silas noch nicht mal. Nachdem wir absichtlich sehr getrödelt haben, waren wir nach zwei Stunden wieder draußen. Trotzdem war es schön. Riesige Rochen und kleine Haiarten, die in diesem Tunnelbecken über unsere Köpfe schwebten. Die Kinder waren angemessen fasziniert.“

Das Sylt-Aquarium befindet sich am Schützenplatz in Westerland und hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Inzwischen kostet die Familienkarte (2+2) 35,50 Euro; einzelne Erwachsene zahlen 13,50, Kinder ab 3 Jahren 10 Euro.

Das Aquarium sorgt für Faszination. (Fascinating aquarium.)
Das Aquarium sorgt für Faszination. (Fascinating aquarium.)

„Wir kommen gerade wieder vom Strand. Die Sonne schien, es war herrlich. Wir sind bis zur Sansibar runtergefahren. Dort haben sie einen wirklich schönen Spielplatz, mit Bobbycar-Rampe. Katja und ich haben im Strandkorb gesessen und uns einen Cappuccino für 4,50 € gegönnt, den der Wind binnen zwei Minuten zu kalter Suppe blies, und die kakaobepuderte Schaumkrone trug er auch davon, als ich in memoriam Rudi Carrells (das war doch der mit dem entsprechenden Sketch?) den ersten Schluck außerhalb des Windschattens nahm. Ein bisschen underdressed habe ich mich schon gefühlt, vor allem im Hinblick auf meine Kinder, die in ihren Discounter-Matschhosen ungerührt neben dem Nachwuchs der Primär-Klientel in weißen Marken-Mäntelchen spielte. So verließen wir das Schickimicki-Terrain und begaben uns ein paar Meter weiter über einen feudalen Holzsteg an den Strand, wo die Jungs begeistert buddelten, bis sie (nach sehr kurzer Zeit) nasse Füße hatten.“

Das berühmt-berüchtigte Restaurant Sansibar hat die Adresse Hörnumer Straße 80 im Ortsteil Rantum. Geöffnet ist täglich ab 10.30 Uhr. Wie viel der Cappuccino aktuell kostet, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.

Zwei müde Mütter nach dem Genuss eines sehr exklusiven Cappuccinos in der Sansibar. (Two tired mums after a very exclusive cappuccino at Sylt's very exclusive café Sansibar.) Foto: Raumfee.
Zwei müde Mütter nach dem Genuss eines sehr exklusiven Cappuccinos in der Sansibar. (Two tired mums after a very exclusive cappuccino at Sylt’s very exclusive café Sansibar.) Foto: Raumfee.

„Westerland ist eigentlich eine recht hässliche Kleinstadt. Überall diese grottigen Legehennen-Hotelklötze, hässlich wie die Nacht. Auch die Gebäude, die die Geschäfte in der Fußgängerzone beherbergen, sind fast durchgängig Bausünden aus den 60ern und 70ern. Keitum ist um Klassen hübscher. Dafür verfügt Westerland über die „grünen Menschen“ auf dem Bahnhofsvorplatz. Wann immer Janis die zu Gesicht kriegt, bricht er in Begeisterungsstürme aus. “

Die "grünen Menschen" auf dem Bahnhofsvorplatz von Westerland waren bei unseren Jungs extrem beliebt. (Our boys loved the "green people" at the place in front of the station in Westerland.)
Die „grünen Menschen“ auf dem Bahnhofsvorplatz von Westerland waren bei unseren Jungs extrem beliebt. (Our boys loved the „green people“ at the place in front of the station in Westerland.)

„Ich dachte mir, wenn es eh so schifft, dass man nicht aussteigen kann, sollten wir nach Hörnum an die Südspitze fahren, die uns als extrem hässlich beschrieben worden war. Je weiter wir nach Süden kamen, desto weniger regnete es allerdings, und als wir im tatsächlich eher unansehnlichen Ortskern von Hörnum ankamen, kam wirklich und wahrhaftig die Sonne raus! Wir parkten zwischen Leuchtturm und Hafen, und ich konnte meine Jungs zu einem kleinen Spaziergang überreden. Es wehte kaum Wind. Eine kurze Strecke gingen wir am Strand und fanden eine Krebsschere. Dann waren wir am Hafen, wo gerade unter Getute ein Fischkutter einlief, was die Jungs faszinierte. Plötzlich rief Janis: „Guck mal, Mama! Eine Seerobbe!“ Und tatsächlich, aus dem fragwürdigen Tümpelwasser des Hafenbeckens sahen uns die großen Augen eines Seehunds entgegen. Später fanden wir heraus, dass „Willy“ die Hauptattraktion des Hörnumer Hafens und wohlbekannt ist, doch in dem Augenblick waren wir alle völlig gebannt von dieser unverhofften Begegnung. Ich könnte mich in den Hintern beißen, dass ich meine Kamera vergessen hatte!“

Ich hab nachgefragt: Willy gibt es noch! Hier gibt es ihn in einem handwerklich schlechten, aber dankenswert kurzen Video bei youtube zu sehen, das jemand anders gemacht hat.

„Nachmittags stürmten wir das Heimatmuseum. Um meinen Stresslevel von vornherein gering zu halten, stopfte ich Silas dazu in den Ergo-Carrier, in den er mit seinen gut zweieinhalb Jahren tatsächlich noch halbwegs reinpasste. (Für Uneingeweihte: Das ist so eine Art Rucksack, in dem Silas in der zweiten Hälfte seines ersten Lebensjahres praktisch gelebt hat.) Silas war hellauf begeistert von dieser Ehre – zum Glück – und spielte abwechselnd Baby und stellte erstaunlich intelligente Fragen zu den Exponaten. Nur in Ausnahmefällen versuchte er, nach diesen zu grapschen oder mit dem Fuß auf Glasvitrinen zu bollern. Mein Kulturkind machte erwartungsgemäß wenig bis keinen Ärger und stürzte sich auf die alten Dinge. Hochgradig entzückt waren die beiden, als es in der Abteilung für Frühgeschichte „Ritterschwerter“ zu sehen gab. Der Höhepunkt für Silas waren die Flaschen mit den Miniatur-Schiffen darin. Für Janis war es die Vorführung der alten Handarbeitsweisen. Eine gute Viertelstunde saß er neben einer der alten Damen und beobachtete sie beim Klöppeln. Das Spinnrad ließ er sich genauestens erklären, und als wir wenig später im Altfriesischen Haus (dank Kombi-Ticket) ein anderes sahen, erklärte er das Ganze noch einmal für seinen Bruder. Dieses zweite Museum ist ein Kapitänshaus im Originalzustand aus dem 18. Jahrhundert, was den Kindern noch besser gefiel als die leblosen Ausstellungsstücke im Heimatmuseum.“

Das Sylter Heimatmuseum befindet sich am Kliff 19 in Keitum und ist von November bis März mittwochs bis samstags von 12 bis 16 Uhr geöffnet, in der Saison dann wochentags von 10 bis 17 Uhr, am Wochenende ab 11 Uhr. Dieselben Öffnungszeiten gelten auch für das Altfriesische Haus nebenan (am Kliff 13). Der Eintritt ins Heimatmuseum kostet 5 Euro für Erwachsene, 2 für Kinder. Im Kombiticket mit dem Altfriesischen Haus (und Feuerwehrmuseum und Kampener Vogelkoje, die ab April auch wieder geöffnet sind) kostet das Vergnügen für die ganze Familie (2+2) 8,50 Euro.   

Das (einzige) Problem bei der family4travel/Raumfee-WG war die der unterschiedlichen Aufstehzeiten. Um unseren Reisegenossen ein wenig mehr Schlaf zu gönnen, haben wir die Insel mitunter zur frühen Morgenstunde genossen – auch eine interessante Erfahrung.

„Von sechs bis halb sieben steckte ich mich und die Kinder in Klamotten, letztere außerdem in Gummistiefel und Matschhosen. Währenddessen stieß ich Sch-Laute in Dauerschleife aus, so dass ich mir am Ende nicht ganz sicher war, ob ich mich versehentlich in eine Dampflok verwandelt hatte. Schließlich erreichten wir das Auto, wo ich den Lautstärkereglern meiner Jungs wieder ihr Normalmaß erlauben konnte. Ich kenne die maritimen Verhaltensmuster meiner Kinder mittlerweile gut genug um zu wissen, dass sie es keine eineinhalb Stunden am Meer aushalten. Sie hatten sich „den Spielplatzstrand“ gewünscht, welchen ich als den Samoa-Strandaufgang zu interpretieren beschloss. Kurzentschlossen hielt ich an einem Bäcker – auf einem Mieterparkplatz, morgens um halb sieben, für nicht ganz eine Minute, was mir noch beim Bezahlen meiner beiden Schokobrötchen den hämischen Kommentar eines älteren Herren einbrachte, ich könne mich darauf verlassen, gleich abgeschleppt zu werden. Die Schadenfreude dieses Mitmenschen wurde enttäuscht. Keine sekundenschnellen Abschleppkünstler preschten aus dem Hinterhalt, und wir brausten unbehelligt Richtung Samoa-Strand. Dort angekommen, holten wir uns in einem Strandkorb an der geschlossenen Strand-Sauna nasse Hintern (zumindest diejenige, die leichtsinnigerweise keine Matschhose trug) und verspeisten unsere Bäckerbeute. Anschließend holten sich die Jungs trotz Gummikleidung nasse Füße, indem sie in einem Sandpriel – bei Ebbe-Tiefstand – knietief ins Wasser wateten. Trotz der raschen Abwicklung dieses Standard-Strandprogramms war es bei Erreichen des Autos – jubel jubel – nach halb acht, so dass wir uns wieder in unsere Unterkunft zurückwagen konnten.“

(Die Einträge meines Reisetagebuchs stammen aus der Zeit vom 26. Februar bis 14. März 2009.)

Früh im Jahr sind die Strände menschenleer - zumindest morgens um halb sieben. (Empty beaches early in the year - at 6.30 a.m.)
Früh im Jahr sind die Strände menschenleer – zumindest morgens um halb sieben. (Empty beaches early in the year – at 6.30 a.m.)

Natürlich hat Sylt noch mehr zu bieten, auch im Winter oder Frühling. Teil 2 mit unseren Erlebnissen in List und Tinnum folgt.

Unabhängig davon, wohin die Reise in diesem Theater sonst gerade geht – dienstags ist Deutschland dran. An diesem Tag berichte ich von Kurztripps, Ausflügen und Urlaubsreisen in unserem eigenen Heimatland, entweder ganz aktuell oder rückblickend aus der jüngeren Vergangenheit.