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„Was sagen eigentlich die Kinder dazu?“ (Janis und Silas über unsere Langzeit-Reisepläne)

Wenn die Eltern beschließen, dass die Familie verreist, dann ist das so. Die Kinder reisen halt mit. 10 Tage vor Beginn unserer (wahrscheinlich) elf Monate langen Europareise habe ich die Jungs zu einem Interview zwangsverpflichtet. Man will ja schließlich schon wissen, was der Nachwuchs eigentlich so denkt über die Pläne, die man zu seinem Besten anfertigt…

 

Ihr werdet sehr bald sehr lange verreisen – wisst ihr überhaupt, wo es hin geht?

 

Janis: „Nö.“

Silas: „Ähm… Spitzbergen.“

Ich: „Ja, aber Spitzbergen kommt doch erst ganz zum Schluss.“

Janis: „Istanbul!“

Silas: „Und, äh, Griechenland…“

Janis haut Silas mit einem Kissen auf den Kopf. Silas hält Janis die Faust unter die Nase. Meine Interview-Partner lassen deutlich an Ernsthaftigkeit vermissen.

Ich: „Interessiert euch das überhaupt, wo wir hinfahren?“

Janis: „Nö.“

Ich: „Wie bitte?!“

Janis: „Hauptsache Reisen. Wohin ist mir eigentlich egal.“

Silas: „Mir auch.“

Ich: „Aber ihr freut euch drauf?“

Janis: „Na klar!“

Silas: „Jupp.“

 

Worauf freut ihr euch dabei denn am meisten?

 

Silas: „Auf das Reisen an sich.“

Ich: „Aufs Autofahren?“

Silas: „Nein, auf das…“

Janis: „Auf das Abenteuer. Etwas Neues zu entdecken.“

Silas: „Genau. Das meine ich damit. Was Neues kennenlernen, was man vorher noch nicht kennt.“

 

Gibt es etwas, das ihr auf unserer Reise unbedingt tun wollt?

 

Janis: „Ins Legoland! Kommen wir da vorbei?“

Ich: „Nein. Keine Chance.“

Janis: „Ach Menno. Playmobil-Funpark?“

Ich: „Nein.“

Silas: „Aber irgendeinen Vergnügungspark wird es doch wohl geben. Können wir zu meinem Geburtstag in einen Vergnügungspark?“

Ich [resigniert]: „Mal sehen. Wenn es dein Herzenswunsch ist, wird sich wohl einer auftreiben lassen.“

Beide: „Yay!“

 

Wollt ihr ein Mitspracherecht bei der Routenplanung, oder vertraut ihr euren Eltern, dass sie ein schönes Programm auswählen?

 

Janis: „Ja, mir ist das egal, wo wir hinfahren. Hab ich doch schon gesagt.“

Silas: „Es gibt einige Gegenden, wo ich nicht so gerne hin möchte. Zumindest im Moment nicht. Auf die Krim zum Beispiel, und nach Russland.“

 

Bestimmt habt ihr auch ein paar Bedenken und vielleicht auch etwas Angst, oder?

 

Silas: „Ich habe Bedenken, dass uns vielleicht das Auto geklaut wird.“

Janis: „In Griechenland zum Beispiel. Da ist ja Wirtschaftskrise, und die Leute sind sehr arm. Die klauen vielleicht aus Not, um ihre Familie zu ernähren.“

 

Glaubt ihr, dass ihr euch viel streiten werdet, wenn ihr so lange so viel zusammen seid? Mehr als zu Hause?

 

Aufs Stichwort hin nimmt Silas Janis in den Schwitzkasten. Der wälzt sich auf seinen kleinen Bruder und hält ihn mit seinem Gewicht nieder.

Janis: „Nö.“

Silas [etwas undeutlich]: „Nicht mehr als sonst.“

 

Was, glaubt ihr, wird unterwegs anders sein als zu Hause? Woran werdet ihr euch gewöhnen müssen?

 

Silas: „Dass wir nicht zu Hause sind. Also, dass wir keinen Ort haben, wo wir immer sind, sondern immer wieder woanders. Also, hier zu Hause, da entfernen wir uns ja selten weiter als 100 Kilometer von hier. Auf der Reise sind wir einfach… auf der Reise halt.“

Janis: „Wir werden viel im Auto sitzen. Und nicht zur Schule müssen. Jedenfalls nicht in eine richtige Schule reingehen. Wir sind die einzigen Kinder in unserer Klasse, sozusagen. Und wir werden bestimmt auch viele neue Spiele kennen lernen, bei Couchsurfern und in Jugendherbergen, von denen wir jetzt noch gar nichts wissen.“

 

Was meint ihr: Werdet ihr die Schule vermissen?

 

Janis: „Ich werde sie bestimmt nicht vermissen.“

Silas: „Die Schule nicht, die Schulkameraden schon.“

Janis: „Manche. Auch nicht alle.“

 

Glaubt ihr, es wird leichter oder schwerer, unterwegs zu lernen?

 

Janis: „In mancher Hinsicht leichter, in mancher schwerer, denke ich.“

Ich: „Inwiefern?“

Janis: „Geometrie wird schwer, glaube ich. Kannst du das?“

Ich: „Ja, das ist kein Problem. Das kriegen wir hin.“

Janis: „Gut.“

Silas: „Ich glaube nicht, dass es schwer wird.“

Janis: „Ich glaube, es wird schneller gehen. Oder, Mama? Dann brauchen wir doch nur eine Stunde am Tag, oder?“

Ich: „Wir schauen mal, wie lange ihr braucht. So lange halt, bis ihr’s könnt. Ihr werdet jedenfalls keine sechs Stunden Unterricht absitzen müssen.“

Janis: „Yes!“

 

Was meint ihr, wen werdet ihr am meisten vermissen?

 

Janis: „Oma und Opa!“

Silas: „Ja, Oma und Opa. Und meine Freunde.“

 

Kommt ihr überhaupt ein ganzes Jahr ohne die aus?

 

Janis: „Nein.“

Silas: „Ein ganzes Jahr nicht. Aber wir fahren ja zum Glück nur elf Monate weg.“

Janis: „Genau. Elf Monate, das geht schon.“

 

Mal ganz ehrlich: Würdet ihr lieber zu Hause bleiben und ganz normal zur Schule gehen, wie alle anderen Kinder auch?

 

Janis: „Nein!“

Silas: „Auf keinen Fall.“

Janis: „Allein schon wegen der Schule.“

Ich: „Aber Schule müsst ihr ja auch unterwegs machen.“

Janis: „Ja, gut. Aber auch des Reisens wegen.“

 

Wenn alles gut geht, werdet ihr nach dem Auslandsjahr wieder in eure alte Klasse zurückkommen. Glaubt ihr, dass es einfach wird, euch wieder in die Klassengemeinschaft einzufügen?

 

Janis: „Ja, ich glaub schon.“

Silas: „Wir schenken meiner Klasse ja ein Memory-Spiel mit Fotos von mir. Dann können die mich gar nicht vergessen.“

Janis: „Ja, und ich schreibe denen ja. Und male Bilder. Silas auch.“

Silas: „Oder ich lege mir einfach wieder eine andere Frisur zu und sage, ich bin ein neues Kind, höhö…“

 

Meint ihr, ihr werdet euch sehr verändern in den Monaten auf der Reise? Werden vielleicht ganz andere Kinder aus euch?

 

Silas: „Könnte schon sein…“

Janis: „Joa…“

Silas: „Wir werden auf jeden Fall viel mehr wissen als jetzt.“

 

Versucht mal, eure Gefühle vor der Reise mit drei Wörtern zu beschreiben.

 

Silas: „Ähm… Vermissen… Spaß… Lerngierig.“

Janis: „Nichts – wie – weg! – Haha, nee, so schlimm ist es eigentlich nicht. Aber ich freu mich auf die Reise!“

 

Eine ganz ähnliche Idee hatte vor kurzem Jenny von den Weltwunderern. Sie hat ihren beiden Großen fünf Fragen zum Thema Reisen gestellt, ein Blogstöckchen daraus gemacht und auch family4travel nominiert. Da war mein Interview mit den Jungs schon im Kasten, aber ich verrate euch trotzdem, wo es schon mehr vom Reiseblogger-Nachwuchs zu lesen gibt: Nadine von PlanetHibbel und Nic von LuziaPimpinella [inzwischen offline] sind schon so weit, und und von da aus geht die Welle weiter. Ich bin diesmal ganz selbstgenügsam in meinem Packstress. MORGEN!!! geht’s los! :)

Habt ihr noch mehr Fragen an unsere Jungs? Hinterlasst sie im Kommentar!

Eisbären, Gorillas und Mammuts: Der Rostocker Zoo mit Darwineum

Der Rostocker Zoo platzt vor allem an Regentagen im Sommer aus allen Nähten, wenn der Ostseestrand den Urlaubern zu ungemütlich ist und sie „nichts Besseres zu tun haben“. Dabei ist der 1899 eröffnete Tiergarten spätestens seit der Fertigstellung des Darwineums selbst schon ein veritabler Reisegrund!

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Die Errungenschaft des 16-Stunden-Arbeitstags und ein Gebiss zur Konfirmation (in Bergen, Norwegen)

Auch wer nur ein oder zwei Tage Zeit hat für Bergen, sollte sich das Freilichtmuseum Gamle Bergen nicht entgehen lassen. Gerade für Familien ist das ein entspannter und zugleich äußerst lehrreicher Ort.

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Völklinger Hütte: fantastische Welten aus rostigem Stahl

„Und etwas außerhalb von Saarbrücken, aber auch noch sehr zu empfehlen, ist dann natürlich noch die Völklinger Hütte.“ Diesen Satz hatte uns unsere Couchsurfing-Gastgeberin Sandrine geschrieben, als wir locker per Mail das Programm für unseren Familien-Kurzurlaub in der saarländischen Landeshauptstadt planten. Der Begriff „Völklinger Hütte“ sagte mir, offen gestanden, überhaupt nichts. Ein kurzes Googeln ergab, dass es sich um ein altes Stahlwerk handelt. Klingt ja nicht so spannend, dachte ich. Oh, wie ich mich da geirrt habe! Zum Glück nämlich hatten alle alternativen Kulturprogramme montags zu, so dass wir letztlich doch im ersten Unesco-Welterbe der Industrie landeten – und einen der großartigsten Familienausflüge erlebten, an die ich mich erinnern kann.

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Dauerregen auf der Windschutzscheibe (in Røldal, Norwegen)

Zwei Urlaubs-Horror-Vorstellungen: den ganzen Tag mit kleinen Kindern im Auto sitzen und Dauerregen. In Kombination ging’s aber eigentlich.

Man könnte sagen, das Gute am Mistwetter ist, dass man nicht viel davon sieht. (You could say that the good thing about bad weather is that you don't have to see much of it...)
Man könnte sagen, das Gute am Mistwetter ist, dass man nicht viel davon sieht. (You could say that the good thing about bad weather is that you don’t have to see much of it…)

Auto-Tag. Die Kinder benehmen sich ausnehmend gut. Wir fahren nach Bergen, durch Nebel und Regen und eine Unzahl beängstigend langer Tunnel. Schlagartig fiel mir wieder ein, dass der ADAC seit Jahren die fatalen Sicherheitsmängel norwegischer Straßentunnel ankreidet. Aber sie führen ungelogen kilometerlang durch nacktes Granitgestein, natürlich ist da nichts mit Sicherheitsröhre. Wenigstens gibt es selten Gegenverkehr, so dass ein Unfall eher unwahrscheinlich ist.

Dieser hier ist zwar durchaus einer der imposanteren Wasserfälle entlang unserer Strecke, aber auch nur einer von vielen, vielen, vielen. (This one is one of the more impressive falls but then again, it's just one of many many many more.)
Dieser hier ist zwar durchaus einer der imposanteren Wasserfälle entlang unserer Strecke, aber auch nur einer von vielen, vielen, vielen. (This one is one of the more impressive falls but then again, it’s just one of many many many more.)

In Røldal haben wir eine kurze Pause gemacht und uns eine eher unspektakuläre Kirche angesehen – von außen, denn sie wollten 50 Kronen Eintritt. Dabei sind wir gründlich nass geworden (eigentlich schon in der Sekunde, als wir aus dem Auto stiegen).

Jetzt fahren wir am Hardanger Fjord entlang. Die Nebelsuppe ist so dick, dass wir teilweise das Wasser nicht sehen können, obwohl die Straße direkt am Fjord entlang führt. Dafür sehen wir viele, viele winzige Obstplantagen. Die steilen Hänge sind mit Bäumen übersät, und an allen Ästen hängen dicke Äpfel. Eine kurze Regenpause haben wir klugerweise sofort für unser mittägliches Picknick genutzt. Martin hat unser einziges Handtuch fürs Grobe auf einer Nacktschnecke platziert und die Kinder sich draufsetzen lassen.

Regenpause mit Picknick am Fjord. Was wir da noch nicht wussten: Silas sitzt gerade eine Nacktschnecke platt. (Picknick stopp in a brief moment of clear skies. What we did not know: Silas was sitting on a slug.)
Regenpause mit Picknick am Fjord. Was wir da noch nicht wussten: Silas sitzt gerade eine Nacktschnecke platt. (Picknick stopp in a brief moment of clear skies. What we did not know: Silas was sitting on a slug.)

Trotz allem bin ich froh und glücklich, denn wir haben Urlaub und sind on the road. Wir fahren vorbei an – gefühlt – tausend Wasserfällen. Manche sind so nah an der Straße, dass man glaubt, man bräuchte nur die Hand nach ihnen ausstrecken.

Diesen Eintrag meines Reisetagebuchs habe ich am 31. August 2009 verfasst.