Wer →Urlaub im Havelland macht – oder anderweitig mit Kindern oder ohne in Brandenburg unterwegs ist – sollte die hübsche Stadt nicht verpassen. Brandenburg an der Havel bietet eine tolle Mischung aus beschaulicher Kleinstadtidylle und Natur. Denn bis zum Wasser ist es nie weit. Dazu gibt es noch ein großartiges Museum, nette Cafés und immer wieder mysteriöse Waldmöpse.
Unser Ausflug nach Brandenburg an der Havel mit Kind
Wir besuchen die Stadt Brandenburg an einem wunderschönen Tag im Mai. Ein langes Wochenende verbringen wir im westlichen Havelland. Die meiste Zeit erkunden wir die Umgebung rund um die Kleinstadt Rathenow (und den tollen Optikpark dort) mit dem Fahrrad. (Einen ausführlichen Erfahrungsbericht darüber habe ich hier: →Westliches Havelland – Kurzurlaub in der Jugendherberge Milow.

Diesen Artikel empfehle ich euch quasi als weiterführende Literatur für familienfreundliche Ausflugstipps westlich von Brandenburg an der Havel.
Einen Tag aber fahren wir mit dem Auto in die regionale Metropole und gucken, was man in Brandenburg an der Havel mit Kindern unternehmen kann.
Da ich euch direkt in der Stadt keine familienfreundliche Unterkunft aus eigener Erfahrung empfehlen kann, schaut am besten auf meine vorsortierte direkt bei Booking.*
Was ist Brandenburg an der Havel für eine Stadt?
Mit knapp 74.000 Einwohnenden besitzt Brandenburg eine sympathische Größe. Die drittgrößte Stadt des Bundeslandes (nach →Potsdam und Cottbus) liegt naturnah am Wasser und so mehr oder weniger mittendrin im Havelland. Rund 70 Kilometer sind es bis →Berlin.
Die Havel ist beinahe allgegenwärtig. Im Stadtgebiet verzweigt sich der beschauliche Fluss in mehrere Seitenarme und Kanäle. Sie formen Inseln, die heute dicht bebaut sind. Immer wieder weitet sich die Havel auch zu natürlichen Seen. Zehn Stück gehören zum Stadtgebiet.
„Sind die da nicht alle rechts?“
Obwohl die Stadt so hübsch ist, ist seit der letzten Stadtverordnetenwahl 2024 die AfD stärkste Kraft. (Ja, das ist sehr zynisch formuliert. Und ja, das ist kein rein ostdeutsches Problem. Bei uns im niedersächsischen →Obernkirchen haben leider auch fast 20 Prozent ihr Kreuz bei der menschenverachtenden Problempartei gemacht. Trotzdem möchte ich nicht so tun, als sei zunehmend flächendeckender Rechtsextremismus nicht erwähnenswert.)
Als Oberbürgermeister setzte sich in der Stichwahl ein SPD-Kandidat durch. Und was wir generell nicht vergessen sollten: Knapp 24 Prozent sind nicht die Mehrheit. Auch in Brandenburg an der Havel wohnen mehr Menschen, die nicht rechtsextrem wählen, die für Demokratie einstehen. Und die haben verdient, dass wir uns ihre Heimat unbefangen anschauen, ihre Schönheit bewundern und touristische Infrastruktur nutzen, um mit den Einnahmen die zugrundeliegenden Probleme angehen zu können.
(Also klar, ein bisschen Tourismus rettet eine Region nicht. Aber er setzt vielleicht Mechanismen in Gang. Und außerdem bin ich immer sehr dafür, einen Dialog zu finden und Meinungen auszutauschen. Es gibt überall Menschen, mit denen das noch möglich ist.)
Jedenfalls: Wir erleben Brandenburg an der Havel als eine schöne, saubere, sympathische Stadt, in der wir netten Menschen begegnen. (Dass strukturelle Probleme nicht weit sind, lässt sich in den Seitenstraßen und Außenbezirken erahnen.) Im Stadtzentrum ist die Atmosphäre relaxt und angenehm.
Parken in Brandenburg an der Havel
Wir parken bei unserem Tagesausflug in der Tiefgarage der Sankt-Annen-Galerie. Das ist total zentral. Hier können wir auch gleich unser →E-Auto laden.
Später parken wir noch einmal um auf den St.-Pauli-Kirchplatz (neben dem Archäologischen Museum). Dort ist das Parken wochentags ab 18 Uhr und sonntags ganztägig gratis. Eine Ladesäule gibt es dort auch (allerdings recht hochpreisig).

Wer einfach nur einen Parkplatz ohne Lademöglichkeit sucht, findet wahrscheinlich immer irgendwo was.
Stadtspaziergang durch Brandenburg an der Havel
An der Hauptstraße am Neustädter Markt stürzen wir uns ins Getümmel. Vom vielen Verkehr und all den Menschen sind wir im ersten Moment recht eingeschüchtert. Voll die Großstadt-Vibes! Zum Glück erledigt sich das kurz hinter dem Verkehrsknotenpunkt auch schon wieder. Im weiteren Verlauf wird die kopfsteingepflasterte Hauptstraße sehr ruhig. Nur ab und zu rattert eine Straßenbahn vorbei.

Die Hauptstraße, die von Brandenburgs (historischer) Neustadt zur Niederhavel und den Altstadtvierteln führt.
Hier ist die Innenstadt belebt, aber keineswegs überfüllt. Nette kleine Geschäfte reihen sich aneinander. Natürlich sind die üblichen Filialen der großen Ketten darunter, die deutsche Städte leicht zum Einheitsbrei werden lassen. Zwischen den irgendwie typisch preußischen Fassaden verströmt Brandenburg an der Havel aber so viel Individualität, dass das hier meinem Empfinden nach nicht geschieht.
Eine kurze Pause legen wir am Fritze-Bollmann-Brunnen ein, dessen wahre Hintergrundgeschichte hier mit rabenschwarzem Humor erzählt wird.
Wir laufen bis zur Niederhavel, über die die Jahrtausendbrücke führt. An der Uferpromenade und gegenüber am Salzhofufer sitzt gefühlt halb Brandenburg und genießt die Sonne.
Der (vielleicht) schönste Spielplatz von Brandenburg
Weiter kommen wir erst einmal nicht. Denn am Heinrich-Heine-Ufer an der Niederhavel stolpern wir schon über den richtig coolen Piratenspielplatz. Hauptattraktion ist ein großes Schiff, das sich im Ganzen hin und her schaukeln lässt. Daneben gibt es zahlreiche Balancier- und Klettermöglichkeiten. Der Spielplatz ist an diesem Brückentag gerammelt voll. (Deshalb habe ich leider auch nicht viele Fotos.) Franka findet sofort Freundinnen und würde am liebsten den ganzen Tag hier bleiben.
Altstadt und Dom
Schließlich können wir uns doch losreißen. Wir laufen hinüber auf die Altstadtinsel. Dort werfen wir einen kurzen Blick auf das Rathaus samt Roland aus dem 14. Jahrhundert. (Die mittelalterlichen Symbolfiguren für städtische Freiheit kennen wir schon aus so unterschiedlichen Städten wie →Bremen, →Nordhausen und →Dubrovnik.)
Den Aufstieg zum Marienberg mit dem netten Park sparen wir uns. Stattdessen laufen wir ganz schön weit bis zur Homeyenbrücke, um schließlich über den Domstreng aufs alte Kloster zu zu laufen. (Das ist so mittelempfehlenswert. Beim nächsten Mal würde ich vor allem mit Kindern eine andere Route wählen.) Spätestens auf der Dominsel ist es aber wieder ausgesprochen hübsch. Hier begegnen uns auch mehrere Waldmöpse – Erklärung siehe unten.
Schöne Cafés in Brandenburg an der Havel
Auf dem Mühlendamm queren wir die Näthewinde (ein weiterer Wasserlauf in Brandenburg). Da uns so langsam der Kuchenhunger dominiert, kehren wir in der Weidelounge ein. Das Restaurant bietet herzhafte Küche, aber auch Kaffee und Kuchen. Vorn im Gebäude ist ein niedlicher Teeladen. Nach hinten geht es dann über verschiedene Sitzbereiche mit ganz unterschiedlichem Charme auf die Terrasse direkt am Wasser. Dort ergattern wir an diesem schönen Tag einen Tisch. Immer wieder paddeln fröhliche Leute in Kanus vorbei. Nur ein paar Meter weiter landet ein großer Fischreiher auf dem Steg. Herrlich!
Wo wir gerade beim Thema sind: Auch sympathisch wirkt auf uns das Café Kaffeekännchen direkt an der Hauptstraße. Bei unserem ersten Vorbeiflanieren hatten wir noch keinen Hunger und bei einem zweiten Besuch in Brandenburg bei Regen ist die Handvoll Tische im Innenbereich besetzt. Der Kuchen dort sieht aber ebenfalls gut aus.
Und Tipp Nummer drei, vielleicht sogar mein heißester, ist das Café Pauline direkt neben dem Archäologischen Museum. Dort waren wir später bei einem zweiten Ausflug noch einmal Kaffee trinken – das das war auch richtig, richtig gut! Die Atmosphäre mit Plüschsofas unterm alten Kreuzgewölbe des Klosters gefällt uns. Eine große Auswahl Kuchen ist hausgebacken und sehr lecker. Und der absolute Hammer ist das Eis. Da kostet pro Kugel zwar zwei Euro, aber dafür stammt es aus einer lokalen Manufaktur, kommt (auch) in irren Sorten und schmeckt fantastisch. (So gutes Eis habe ich seit unserem letzten Ausflug nach →Wolfenbüttel nicht mehr gegessen.)
Archäologisches Museum im Paulikloster
Zurück in die Chronologie unseres Ausflugs nach Brandenburg an der Havel mit Kind. An jenem Tag ist nach Stadtspaziergang, Spielplatz und Café das Archäologische Museum unser letztes und das größte Highlight. Es ist ein Landesmuseum (repräsentiert also ganz Brandenburg) und zeigt Funde aus 130.000 Jahren Geschichte. Über drei Etagen sind sie in dem alten Kloster verteilt, das dafür eine perfekte Kulisse bildet.
Leider haben wir nur noch zwei Stunden Zeit – und das ist viel zu wenig! Ich habe total unterschätzt, was für Herrlichkeiten hier auf uns warten. (Ich bin studierte Historikerin mit großer Liebe für alles Prähistorische – die sich aus praktischen Zwängen im täglichen Leben viel zu selten erlaubt, diese Passion wieder hochzuholen.)
Die Ausstellung startet ganz am Anfang. Sie verfolgt die Besiedlung der Region. Ein Sahnestückchen der Dauerausstellung ist das wohl älteste erhaltene Tragenetz der Welt. Bronzezeit und Eisenzeit sind reichlich vertreten. Mich interessieren vor allem auch die slawischen Schwerpunkte (die wir bei uns in der Gegend halt nicht haben).
Archäologisches Museum Brandenburg mit Kindern
Das Archäologische Museum in Brandenburg an der Havel ist nicht unbedingt das interaktivste Familienmuseum. Aber sobald Eltern (oder andere erwachsene Begleitpersonen) sich ein bisschen mit drauf einlassen und vermitteln mögen, können Kinder hier wirklich viel lernen.
Unser Muffenpaul findet die stimmungsvolle Videoinstallation ein bisschen unheimlich und kuschelt sich vorsichtshalber eng an den Papa. Schon beim Skelett des Auerochsen ist sie aber wieder Feuer und Flamme. Auch das zu Anschauungszwecken nur halb ausgegrabene Steinzeitgrab findet sie unheimlich spannend. Sie möchte ganz genau wissen, welche Knochen zu sehen sind und wo diese bei ihr sitzen.
„Bei etwas Musik hast du Angst, aber echte Skelette findest du kein bisschen gruselig?“, frage ich meine Tochter ungläubig lachend.
Die verdreht die Augen. „Das war doch nur ein ganz normaler Mensch. Der war bestimmt nett. Oder die. Und jetzt ist er oder sie tot und macht keine unheimlichen Geräusche. Warum sollte ich da Angst haben?“
Klingt logisch. :) (Und richtig stolz bin ich immer wieder darauf, nebenbei bemerkt, wie selbstverständlich sie gendert. Da kann ich mir als altes Gewohnheitstier oft eine Scheibe abschneiden. Als im Zeitalter des generischen Maskulinum Sozialisierte sehe ich in so einem prähistorischen Knochenfund pauschal immer zuerst einen Mann. Ihr auch?)

Vom Grab habe ich kein Bild. Aber auch vor diesem Schädel stand unser Mädchen eine ganze Weile fasziniert.
Erdschichtenmodell „Stratorama“
Unbestreitbarer Höhepunkt des Museumserlebnisses (nicht nur!) für Familien mit Kindern ist das Modell, das Archäologie per se darstellt. Ein ganz normales Haus mitten in Brandenburg an der Havel zeigt sich samt Keller und umgebendem Erdreich im Querschnitt. Auf Knopfdruck starten wir ein Hörspiel und lauschen der Begegnung des hier wohnenden Jungen mit der Archäologin, die in seinem Vorgarten gräbt. Und das ist richtig gut gemacht! Durch die Erdschichten gehen wir immer weiter in der Zeit zurück und arbeiten uns so von Spuren des Zweiten Weltkriegs durch Mittelalter und Antike bis in die Steinzeit vor.
Natürlich wären in echt unter einem einzigen Haus nicht so viele tolle Funde erhalten. „Das ist so wie Himbeersirup. Da muss man sich Wasser dazudenken“, erkennt unsere Tochter weise. Aber wie das Prinzip funktioniert, führt uns das Modell absolut hervorragend vor Augen. Allein für die vielleicht zehnminütige Vorführung hat sich der Eintritt ins Museum locker gelohnt.
Infos zu Eintrittspreisen und Öffnungszeiten gibt’s am zuverlässigsten direkt auf der Museums-Website.
Mopssuche statt Schatzsuche
Verteilt über die gesamte Stadt zieren Brandenburg an der Havel um die 20 Waldmöpse. Die fiktive Tierart – kleine Hunde mit Geweih – geht auf den Humoristen Loriot zurück. Der ist in der Stadt Brandenburg geboren. Um ihn nach seinem Tod mit einem Denkmal zu ehren, rief die Stadt einen anonymen Wettbewerb aus. Die Künstlerin Clara Danke (damals noch Walter) überzeugte die Jury mit ihren bronzenen Hundefiguren. Die Waldmöpse fanden schnell Fans, sodass sie sich spendenbasiert über die ganze Stadt ausbreiteten. Ein Rundweg plant maximal 30 Standorte – je nachdem, wie viele Aufträge für „Mops-Auswilderungen“ aus der Bevölkerung sich bei der Künstlerin noch einfinden.
Mehr Tipps für Brandenburg an der Havel mit Kindern (und ohne)
Das Stadtmuseum Brandenburg gibt an zwei Standorten Einblicke in die Lokalgeschichte. Im Stadtpalais Frey-Haus (Ritterstraße 96) wird unter anderem historisches Blechspielzeug ausgestellt. Der zweite Standort im Steintorturm widmet sich in erster Linie der Havelschifffahrt. Viele Besucher*innen kommen auch wegen der guten Aussicht über die Stadt. Einen Erfahrungsbericht hat Ulrike im Bamboo-Blog.
Das Industriemuseum Brandenburg zeigt historische Stahlherstellung und widmet sich der lokalen Fahrradmarke Brennabor.
Ein Anlaufpunkt ist noch der Museumshafen an der ehemaligen Werft, wo mehrere historische Schiffe dauerhaft vor Anker liegen.
Wer ein bisschen raus aus der Stadt möchte, findet im Freilichtmuseum Slawendorf ein schönes Ausflugsziel. Die Nachbauten mittelalterlicher Behausungen aus der slawischen Kultur stehen bei uns für nächstes Mal auf dem Wunschzettel.
Transparenz-Hinweis: Wir waren auf eigene Veranlassung und auf eigene Kosten in Brandenburg an der Havel. Alle Empfehlungen kommen von Herzen. Kommt über einen durch * markierten Affiliate-Link ein Kauf oder eine Buchung zustande, erhalte ich eine kleine Provision. So finanziert sich mein unabhängiges, werbefreies Reiseblog. Danke an alle, die diese Links nutzen!















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