Donegal mit Kindern

Donegal mit Kindern: Familienurlaub in Irlands wildem Norden

Wer Urlaub in Donegal macht, den erwarten wunderbare Natur, einsame Strände und kleine Weiler, die vom organisierten Tourismus noch so richtig in Ruhe gelassen werden. Der hohe Norden der Republik Irland ist was für Puristen, die ernsthaftes Interesse am „echten Irland“ haben. Die auf den Folklore-Kitsch verzichten können, der in belebteren Urlaubsgebieten wie Kerry und Connemara gern für die amerikanischen Touristen mit irischen Wurzeln inszeniert wird. Das heißt aber nicht, dass Donegal langweilig ist! Im Gegenteil. Auch und gerade für naturverbundene Familien hat die wilde Landschaft im Nordwesten der Insel einiges zu bieten. Hier kommen unsere Tipps für Donegal mit Kindern, alle selbst ausprobiert und geografisch geordnet.

Ein Wort vorweg

In diesem Beitrag mache ich ziemlich schamlos Werbung für meinen Reiseführer „Irland mit Kindern“ (weitere Details ganz unten im Artikel). In dem werden alle vorgestellten Ziele ebenfalls behandelt, zumeist detaillierter oder zumindest für den Urlauber nützlicher in Form von Karten, Anfahrtskoordinaten und detaillierten Wegbeschreibungen. Aber auch wer ihn nicht kaufen möchte, erfährt hier hilfreiche Informationen und Ansatzpunkte für eigene weiterführende Recherchen im Netz. Wer den Reiseführer schon hat, für den oder die ist dieser Artikel vielleicht eine gute Ergänzung zu den objektiv gehaltenen Informationen, denn hier schreibe ich frei von der Leber weg über unsere ganz persönlichen Einschätzungen und Erfahrungen bei der Recherche.

Inhaltsverzeichnis Donegal mit Kindern

  • Rund um Donegal
    • Die Stadt Donegal
    • Killybegs
    • Lough Eske
  • Slieve League: Die höchsten Klippen Europas
    • Bunglas Point
    • Pilgrim’s Path
  • Glenveagh Nationalpark
    • Glenveagh Castle and Gardens
  • Der Westen um Glencolumbkille
    • Glencolumbkille
    • Glencolumbkille Folk Museum
    • Ardara Caves
  • Inishowen: der äußerste Norden
    • Malin Head
    • Famine Folk Village
  • Unser Irland-Reiseführer für Familien
  • Noch mehr Irland mit Kindern
Donegal, Irland
Donegal!

Rund um Donegal

Die namensgebende Stadt des Countys liegt im Südwesten der Verwaltungseinheit – ist tatsächlich aber weder die größte Stadt der Region, noch der Verwaltungssitz (das ist das eher blasse Letterkenny, durch das wir immer nur durchgefahren sind). Trotzdem zieht die Kleinstadt Donegal noch die meisten Touristen an – wahrscheinlich allein schon wegen der strategisch besseren Lage, denn hier lässt sich Donegal noch ganz gut in eine umfassende Irland-Rundreise integrieren. Außerdem befinden sich in direkter Nähe einige interessante Orte.

Wir selbst haben auf unserer großen Recherche-Reise unser Basis-Quartier für Donegal ebenfalls hier bezogen, in der kleinen Ortschaft Inver westlich der Stadt. Wer den ganzen Nordwesten der Insel erkunden will, ist damit recht gut beraten, da sich hier die beiden (mehr oder weniger einzigen) großen Straßen N56 und N15 treffen, die gute Verbindungen sowohl in den Westen als auch den Norden der Insel bieten.

Donegal Strand
Unsere Unterkunft in Inver lag direkt am Strand. Ein Bade-Ziel ist Donegal freilich auch im Juli nicht, wenn man keinen Neopren-Anzug mitbringt. Aber an einem warmen Tag reicht es durchaus zum Füße-Reinhalten.

Die Stadt Donegal

Das Wort „Stadt“ ist für Donegal schon ein kleiner Euphemismus. Bei der letzten Volkszählung kam der Ort auf 2618 Einwohner. Der irische Name bedeutet „Festung der Fremden“ und spielt auf eine frühe Wikinger-Siedlung an, die die keltischen Iren hier im Mittelalter zerstörten. Seitdem gehörte die Gegend dem Clan der O’Donnells, die im 15. Jahrhundert auch die moderne Stadt Donegal gründeten.

Ganz ehrlich: Aus touristischer Sicht ist die Stadt Donegal weder übermäßig aufregend noch besonders sehenswert. Dreh- und Angelpunkt ist „the Diamond“, eine Art großer Verkehrskreisel mit einem kleinen Park in der Mitte. Seit dem Bau der Umgehungsstraße ist der Autoverkehr wohl stark zurückgegangen. Ohne direkte Vergleichsmöglichkeiten und als Deutsche ohnehin von Fußgängerzonen in der Innenstadt verwöhnt, fanden wir das Verkehrsgewirr schon hart an der Schmerzgrenze. Ein paar Stöberläden gibt es, und den bei Einheimischen beliebten Blueberry Tea Room können wir empfehlen (allerdings eher so als geringstes Übel, denn der Laden hat zwar hervorragenden Kuchen, man sitzt aber reichlich dunkel in einem gefliesten Schlauch, und um die Mittagszeit platzt das Café aus allen Nähten, weil offenbar halb Donegal die Mittagskarte nutzen möchte).

donegal the diamond
Da gibt’s nicht viel zu verklären: „The Diamond“ in Donegal.

Echte Sehenswürdigkeiten besitzt Donegal wenige. Mitten in der Stadt, gleich um die Ecke vom Diamond, steht Donegal Castle. Das beeindruckende steinerne Wohnhaus der O’Connells aus der Gründungszeit der modernen Stadt ist hübsch anzusehen und kann auch besichtigt werden (allerdings ist man ziemlich schnell damit durch – detaillierter habe ich darüber in dem Artikel „Herrenhäuser in Irland: 5 Highlights von Donegal bis Cork“ geschrieben). Außerdem gibt es noch das Donegal Railway Heritage Centre, das sich als Museum der 1959 stillgelegten Schmalspurbahn der Region widmet (das kennen wir allerdings nicht von innen).

donegal castle außen
Macht von außen durchaus was her: Donegal Castle.

Unser persönliches Fazit zur Stadt Donegal: Wer einen halben Urlaubstag übrig hat, kriegt ihn hier schon irgendwie rum. Ein lohnenswertes Ausflugsziel ist Donegal nicht. Als logistische Basis eignet es sich aber gut.

Killybegs

Die Kleinstadt Killybegs liegt 30 Kilometer (und damit auch gut eine halbe Stunde Fahrtzeit) westlich der Stadt Donegal. Hier ist heute noch das Zentrum der irischen Fischerei. Mindestens 60 Fischerboote jeder Größe liegen hier im Hafen. Der maritime Trubel hat nichts Aufgesetztes, sondern ist schlichte Wirtschaftskraft.

donegal killybegs hafen
Der Hafen von Killybegs. Also, ein Teil davon.

Ansonsten gibt es in dem kleinen Ort mit gut 1000 Einwohnern auch keine großen Sehenswürdigkeiten – der Hauptgrund, warum ich ihm einen eigenen Absatz widme, ist das Ahoy Café, das ich unbedingt empfehlen möchte. Hier sitzt man im Gegensatz zu vielen anderen irischen Tea Rooms ausgesprochen nett, sowohl drinnen als auch draußen. Der Blick geht (über die große Straße – beinahe unvermeidbar in Irland) auf Schiffe und Meer.

Lough Eske und die Bluestack Mountains

Nicht weit von der Stadt Donegal liegt der Lough Eske, ein großer Binnensee. Die Bluestack Mountains erheben sich rundherum und bilden eine ausgesprochen hübsche Kulisse.

lough eske donegal, Irland
Lough Eske von der Uferstraße aus gesehen.

Der Gedanke liegt nahe, dass man hier ganz wunderbare Spaziergänge und Wanderungen mit Kindern unternehmen könnte. Leider ist das in ganz Irland immer so eine Sache, die in der Praxis dann vor Hindernissen steht. Die Uferstraße führt über lange Strecken halt direkt am Ufer entlang, ohne Bürgersteig. Und auch in den Bluestack Mountains gibt es kaum befestigte Wanderwege; wenn es überhaupt welche gibt, sind sie geteert und für den Verkehr freigegeben. Von Rundwegen wollen wir lieber gar nicht erst sprechen.

Unser Reiseführer für Familien hat einen klaren Schwerpunkt auf kinderfreundliche Wandertouren in Irland. Entsprechend sind wir bei der Recherche manches Mal halb verzweifelt ob der Bedingungen vor Ort, haben aber letztlich eine schöne Auswahl an Strecken zusammengetragen. Eine kleine familientaugliche Wandertour führt auch an einem abgelegeneren Stück Ufer des Lough Eske entlang. (Mehr Infos zum Reiseführer siehe unten.)

lough eske, donegal mit kindern
Um diesen hübschen Winkel zu finden, muss man schon wissen, wo man suchen soll.

Slieve League: Klippen 600 Meter über dem Meer

Zu den absoluten Sehenswürdigkeiten in Donegal gehört Slieve League, die Klippenformation an der Südwestküste der Region. An der höchsten Stelle stürzt man hier vom Klippenrand 601 Meter hinunter ins Meer. Damit sind Slieve League nicht ganz die höchsten Klippen Europas, als die sie gerne beworben werden – Croaghaun auf Achill Island, ebenfalls in Irland, ist noch etwas höher, ebenso verschiedene Formationen in Skandinavien, aber die sind alle weniger zugänglich und deshalb touristisch uninteressant. Auch wenn Slieve League für den Rekord ein paar Meter fehlen, ist der Anblick von oben jedenfalls reichlich atemberaubend.

Wie das aber so ist bei geografischen Superlativen, bei denen es auch wirklich was zu sehen gibt, sind die Slieve-League-Klippen zumindest in der Hauptsaison böse überlaufen. Es gibt zwei probate Möglichkeiten, sie sich anzusehen: direkt über den nächstgelegenen Besucherparkplatz am Bunglas Point (Menschenmassen und Park-Chaos am Abgrund inklusive) oder quasi „hintenrum“ mit einer ausgedehnten Wandertour über den alten Pilgerweg, auf dessen Route dann auch mittelalterliche Ruinen liegen.

donegal slieve league pilgrims path
Der Bergrücken von Slieve League an den ersten unscheinbaren Ruinen der mittelalterlichen Kapelle.

Bunglas Point

Mit kleineren Kindern empfiehlt sich trotz allem der gut ausgeschilderte Bunglas Point. Sehr ratsam ist es dann allerdings, schon vor den Besuchermassen dort zu sein, um noch eine Lücke auf dem oberen Parkplatz hinter dem Schafgatter zu bekommen (möglichst vor zehn Uhr also). Leerer wird es dann erst wieder nach sechs Uhr. Wer dazwischen in der Stoßzeit kommt, muss entweder die knapp vier Kilometer auf der Teerstraße vom unteren Parkplatz hochwandern, zwischen all den Autos, die (wahrscheinlich vergeblich) versuchen, oben noch eine Lücke zu finden, oder sich als eben solches Auto zwischen all den Wanderern am Abgrund entlangschieben, nur um dann oben zwischen all den Parkenden ein halsbrecherisches Wendemanöver zu vollführen. Obwohl wir klug genug waren, selbst früh dran zu sein und oben einen ordentlichen Parkplatz zu kriegen, bin ich immer noch leicht traumatisiert von den Zuständen dort beim Runterfahren… (aber ich hab auch ausgeprägte Höhenangst).

Slieve League am Bunglas Point, Donegal, Irland
Slieve League am Bunglas Point.

Der berühmte Bunglas Point ist dann ein gut gesicherter Aussichtspunkt fast schon am höchsten Punkt der Klippen, wo man sich für Selfies am Abgrund anstellen kann. Wer mag, kann von dort aus über einen halbwegs befestigten Wanderweg noch ein Stück an den Klippen entlangwandern. Vorsicht ist allerdings bei Wind und Wetter geboten, denn so eine Böe kann einen Wanderer (besonders die kleinen) schon mal ernsthaft über die Klippe pusten.

Pilgrim’s Path

Die auf allen Ebenen nervenschonendere Annäherung über den Pilgrim’s Path ist von der Ortschaft Teelin aus ebenfalls ausgeschildert. Genaue Anfahrtskoordinaten und die Wegbeschreibung der durchaus netten (aber auch anstrengenden und eher so ab zehn Jahren geeigneten) Wanderung samt Karte gibt es in unserem Reiseführer.

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Sehr viel entspannter ist die Annäherung über den Pilgrim’s Path.

Auf dieser Seite liegt auch der legendäre „One Man’s Pass“, ein sehr schmaler Grat zum eigentlichen Gipfel Slieve League. Ich hab’s versucht, aber nicht geschafft, ihn zu überqueren, obwohl ich die Kinder schon in sicherer Entfernung zum Abgrund zurückgelassen hatte. Das ist wirklich nur was für starke Nerven.

donegal slieve league one manns pass
Auf dem Foto sieht er dann wieder überhaupt nicht mehr so dramatisch aus, dieser Halunke von One Mann’s Pass. Gut möglich, dass meine Höhenangst mich die Angelegenheit überdramatieren lassen hat. Weiter als bis hier bin ich jedenfalls nicht gekommen, und da vorne hinter der nächsten Kuppe wird es erst richtig kritisch.

Nicht zu empfehlen ist in meinen Augen die in vielen Reiseführern vorgeschlagene Rundwanderung, die Bunglas Point, One Man’s Pass und Pilgrim’s Path verbindet. Der Klippenweg mag für abgebrühte Wanderer machbar sein, aber fast die Hälfte der 14 Kilometer langen Tour verläuft unten im Tal auf der bürgersteiglosen und stark befahrenen Dorfstraße und zwischen dem Park-Chaos vor Bunglas Point.

Glenveagh Nationalpark

Der nördlichste Nationalpark Irlands liegt schon ein gutes Stück abseits jeder Touristenroute. Immerhin sind es „richtige“ Straßen (keine single track roads), die bis zum Besucherzentrum führen, wenn auch der Nationalpark nicht überall an jeder Kreuzung ausgeschildert ist und sich das Fahren mit Navi empfiehlt (und Achtung: GoogleMaps im Online-Betrieb ist hier und in den meisten Teilen Donegals und ganz Irlands mangels Netzabdeckung keine gute Idee).

Im Nationalpark gibt es mehrere ausgewiesene Wanderrouten. Die meisten erfordern allerdings logistische Koordination, weil es keine Rundtouren sind. Es gibt wohl Möglichkeiten, das mit Bussen zu organisieren. Das haben wir nicht ausprobiert, sondern uns auf eine schöne, familientaugliche Schleife zum Glenveagh Castle, rundherum und zurück beschränkt (alle Details, Karten, Koordinaten etc. dazu natürlich wieder im Reiseführer ;) ).

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Glenveagh Castle vom Aussichtspunkt aus (bei schönem Wetter muss das herrlich aussehen, aber na ja, es ist halt Irland…).

Ausflug zum Glenveagh Castle and Gardens

Herzstück und praktisch auch die Keimzelle des Nationalparks ist Glenveagh Castle. Die Geschichte des ungewöhnlichen Herrenhauses finde ich unheimlich interessant (und hier kann ich mich endlich in epischer Breite darüber auslassen, während ich im Reiseführer nur einen sehr kurzen Abriss schreiben konnte).

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Glenveagh Castle. Nicht mittelalterlich, sieht aber ein bisschen so aus.

Erstbesitzer und Erbauer des Anwesens war John George Adair. Der US-Millionär irischer Abstammung wollte sich 1857 in der alten Heimat gern einen Rückzugsort errichten. Aus der ursprünglich geplanten Jagdhütte in der Wildnis wurde ein opulentes Schlösschen im Stil schottischer Clan-Burgen. Mit seinen neuen Nachbarn handelte er sich viel Ärger ein, als er die armen Leute auf seinen Ländereien kurzerhand aus ästhetischen Gründen vertreiben ließ (obwohl er mit dieser Methode bei weitem nicht der erste war, in Schottland zum Beispiel war das bei den Adligen Gang und Gebe, beispielsweise beim Neubau von Iveraray Castle).

Eine Witwe mit sechs Kindern soll daraufhin einen Fluch ausgesprochen haben, dass kein Besitzer von Glenveagh Castle dieses je an eigene Kinder würde vererben können. Adair starb kinderlos, und auch der nächste Käufer, ein Harvard-Professor, kam recht bald unverheiratet unter mysteriösen Umständen ums Leben. Der dritte Besitzer, Henry McIlhenny, blieb sein Leben lang „überzeugter Junggeselle“, wie man damals sagte (wenn man eigentlich darauf anspielte, dass er ein Portrait seines Jagdaufsehers in der Galerie hängen hatte). Als er im hohen Alter verstarb, vermachte er seinen Besitz 1983 dem irischen Staat.

Eine Führung durch Glenveagh Castle lohnt sich in meinen Augen unbedingt, denn das Haus ist komplett eingerichtet und steckt voller spannender Geschichten. Leider darf man im Inneren nicht fotografieren (und da ich für meinen Reiseführer keine Innen-Fotos brauchte, habe ich nicht um eine Ausnahme gebeten). Ich kann an dieser Stelle also nur schriftlich versichern, dass Einblicke in die Bibliothek, in das über und über mit Muscheln beklebte Hinterzimmer (ich weiß gar nicht mehr, wie es genannte wurde) und in das für damalige Zeiten supermoderne Badezimmer lohnenswert sind. In der Hauptsaison wird die kompetente Führung mit einem Gastauftritt der zeitgemäß gewandeten Hausherrin Cornelia Adair garniert, die uns in Rolle von ihrem Alltag zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt, als sie nach dem Tod ihres Mannes einen transatlantischen Jetset-Treff in Glenveagh Castle unterhielt.

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Glenveagh Castle mit seinen wunderbaren Gärten, gelegen mitten im gleichnamigen Nationalpark.

Absolut sehenswert darüber hinaus sind die Gärten der Anlage. Gerade der Kontrast zwischen der wilden, kargen Landschaft Donegals und den teils mediterran anmutenden Errungenschaften, die die Gärtner der Millionäre, heute die Gärtner des Office of Public Works (Irish Heritage), der Natur abgetrotzt haben, ist beeindruckend. Bunte Blumenbeete im Mauergarten, eine ganze Rosenanlage, eine beinahe mystisch anmutende Treppen-Terrasse und die 20er-Jahre-Version eines Infinity-Pools sind nur einige der Highlights. Im alten Torfschuppen gibt es ein nettes Café.

Mehr Informationen über Öffnungszeiten und Eintrittspreise des Herrenhauses sowie generell zum Nationalpark gibt es auf dessen Homepage.

Der Westen um Glencolumbkille

Der Westen Donegals ist vor allem voller Natur. Dazwischen liegen kleine Städtchen und Dörfer. Viele sind hübsch, wenn auch nicht extra für Touristen aufgehübscht. Eine Tourist Information gibt es meistens, Infotafeln über lokale Sehenswürdigkeiten fast immer. Ein Bürgersteig entlang der Hauptstraße ist dagegen nicht völlig selbstverständlich, und verkehrsberuhigte Stadtzentren wie in ganz Irland ein Fremdwort.

donegal landstraße, Irland
Ein Stück Landstraße mit ortstypischem Gegenverkehr ein kleines Stück außerhalb von Glencolumbkille.

Glencolumbkille

Unsere Station hier ist Glencolumbkille, ein verschlafenes kleines Nest – hauptsächlich deshalb, weil es hier ein schönes Freilichtmuseum und nette Möglichkeiten zum Wandern gleichermaßen gibt.

Bekannt ist Glencolumbkille – was übersetzt ungefähr bedeutet: das Tal, in dem Columbas Kirche steht – für seine alten Pilgerstationen. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war der kleine Ort eine beliebte Wallfahrtsstätte. Ein 13 Kilometer langer Rundweg führt von der Kirche in die Hügel und an den Steilklippen entlang (wir haben für unseren Reiseführer eine schöne kindertaugliche Kurzversion daraus gemacht). Teils prähistorische Standing Stones und Hügelgräber wurden dafür im 9. Jahrhundert „getauft“ und mit christlichen Symbolen geschmückt, um der „Turas“-Pilgerrunde als Stationen für bestimmte Gebete und Andachten zu dienen.

donegal glencolumbkille pilgerweg
Die (mehrmals erneuerte) Kirche von Glencolumbkille und die erste Station des „Turas“-Pilgerwegs: ein „getaufter“ Standing Stone auf einem Hügelgrab.

Als Ort selbst ist das 800-Seelen-Nest nicht weiter spannend, ehrlich gesagt. In den Sommermonaten beleben die Schüler und Studenten die Stadt, die Kurse am Gälischen Institut belegen. Glencolumbkille und Umgebung sind Gaeltacht-Gebiet, hier wird auch im Alltag noch viel Gälisch gesprochen und eben auch gelehrt (was unter anderem dazu führt, dass Ortsnamen häufig anders geschrieben werden, als man es nach dem Blick auf anglisierte Karten oder sein Navi erwartet).

Glencolumbkille Folk Village

Wirklich sehenswert ist dagegen das Freilichtmuseum am westlichen Ortsausgang. Drei Cottages aus dem 18., 19. und dem frühen 20. Jahrhundert sind hier zu sehen, dazu einen traditioneller Tante-Emma-Laden mit integriertem Pub und ein altes Schulhaus.

donegal glencolumbkille folk village 1800 cottage
So sah wohl eine typische „Küche“ in einem Cottage in Donegal um das Jahr 1800 aus.

Erst mit einer englischen Führung und dann noch mal in aller Ruhe auf eigene Faust erkunden wir die historischen Gebäude. In der alten Schule läuft in Dauerschleife ein kurzer Film über Father James McDyer, der das Museum gegründet und von vornherein gleich eine Art Sozialprojekt und Infrastrukturförderung daraus gemacht hat.

Im kleinen Café des Museums – dem einzigen in Glencolumbkille, das uns untergekommen ist – treffen sich im Sommer oft auch die Locals und die Gälisch-Schüler. Jeder, der mag, bringt sein Musikinstrument mit, und es gibt spontane Jam-Sessions und Live-Konzerte, ohne Programm, ohne Anspruch, und auch für die Musiker einfach nur aus Spaß an der Freude. Bei unserem Besuch spielen die beiden Nachbarsmädchen Maire und x (Namen im Notizbuch) auf, frisch motiviert von ihren hervorragenden Platzierungen beim regionalen Jugend-Musik-Wettbewerb.

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Die beiden Mädels sehen nicht nur wie Bilderbuch-Irinnen aus und musiziren wie junge Göttinnen, sie tragen im Gealtacht-Gebiet auch alte gälische Namen: Eimeae (12) und Muireann (11) aus Glencolumbkille (wenn ich die Schrift ihrer Mutter in meinem Notizbuch denn richtig entziffert habe…).

Dann kommt Michael, der uns schon durch die Cottages geführt hat, und zeigt uns, wie man St.-Brigid’s-Kreuze flicht. Noch heute wird in vielen Haushalten der Region die Tradition gewahrt, eins der Schilfkreuze in jeden Raum zu hängen. Die Mutter der Mädchen, mit der ich mittlerweile bei einer Tasse Tee zusammensitze, bestätigt: Auch sie fertigt jedes Jahr im Frühjahr wieder einen ganzen Schwung frischer Kreuze an. Mit etwas Übung (und modernem Tesafilm) geht das ganz leicht. Silas tut sich etwas schwerer, kriegt aber durchaus etwas Kreuzartiges zustande, das seine segnende Wirkung seitdem in unserem Auto entfaltet.

donegal brigits cross glencolumbkille folk village
Silas arbeitet konzentriert an seinem Brigid-Kreuz.

Mehr Infos zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen des Glencolumbkille Folk Museums auf dessen Homepage.

Ardara

Ein anderer möglicher Anlaufpunkt für Reisende mit mehr Zeit wäre auch Ardara, wo wir nur einen kurzen Stopp eingelegt und gemerkt haben, dass uns dort einiges Sehenswertes entgangen ist. Ardara liegt 20 Kilometer und eine gute halbe Stunde Fahrtzeit von Glencolumbkille entfernt. Direkt an der N56 ist es verkehrsgünstiger gelegen als der kleine Wallfahrtsort, viel mehr Touristen verirren sich allerdings auch nicht in die kleine Stadt mit 732 Einwohnern.

Caves of Maghera

Meiner Einschätzung nach die Hauptsehenswürdigkeit der Gegend sind die Höhlen von Maghera. Sie liegen noch mal ein gutes Stück abseits der Kleinstadt, lohnen den Abstecher aber durchaus (und auch den für irische Verhältnisse Wucherpreis von 3 Euro für den einzig möglichen Parkplatz auf Privatland).

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Hier geht’s zum wunderbaren Strand von Maghera.

An einem herrlichen Strand reihen sich mehrere begehbare Felsspalten aneinander. Achtung: Die meisten von ihnen sind nur bei Ebbe erreichbar, und wer die Tidezeiten nicht im Blick behält, kann von der Flut überrascht werden. Wir haben bei unserem Besuch eine Gruppe gesehen, die zu spät aus der großen Höhle kam und durch den zwischenzeitlich vollgelaufenen Priel ernsthaft schwimmen musste. Im Voraus nachschauen kann man die Tidezeiten in Maghera z.B. hier.

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Einer von etlichen Höhleneingängen am Strand. Mutige Forscher können sich mehrere Meter in die Spalten trauen. Diese hier ist auch immer zugänglich, selbst bei Flut.

Wie genau man zu den Höhlen kommt, ist eine unserer 60 Wander- und Entdeckertouren in unserem Reiseführer (aber in diesem Fall ist es auch ohne Reiseführer nicht schwer, ehrlich gesagt ;) ).

Assaranca Waterfall

Eine weitere kleine Sehenswürdigkeit ganz in der Nähe ist der vielleicht zehn Meter hohe Wasserfall mit dem Namen Assaranca. Er liegt direkt an der Zufahrtstraße zu den Höhlen von Maghera. Da man direkt davor parken kann, müssen besonders Faule nicht einmal das Auto verlassen, um ihn sich anzusehen. Wer sich die 3 Euro Parkgebühr an den Höhlen sparen möchte, kann anschließend den guten Kilometer bis zum Parkplatz laufen, allerdings gibt es an der durchaus befahrenen Straße keinen Bürgersteig.

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Viel kann man drum herum nicht machen, weil es keine Wanderwege oder ähnliches in der Nähe gibt, aber einmal von unten bestaunen sollte schon drin sein am Assaranca Waterfall.

Inishowen: der äußerste Norden

Man denkt immer, Nordirland sei ja britisch – aber der nördlichste Zipfel der Insel gehört zur Republik. Das (noch?) Vereinigte Königreich beginnt in Derry/Londonderry. Alles westlich davon gehört noch zu Donegal. Der „Auswuchs“ gen Norden ist die breite Halbinsel Inishowen.

Während wir mit unserem durch „Downton Abbey“ und ansonsten eher amerikanische Filme geprägten Allerwelts-Englisch in den meisten Gegenden Irlands gut klar gekommen sind, hatten wir hier einige Schwierigkeiten, die Einheimischen zu verstehen (wenn sie denn überhaupt Englisch sprachen und nicht Gälisch). Hier ist man noch weniger als im Rest des Countys an Touristen gewöhnt – was ja per se nichts Schlechtes ist.

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Ein traditionelles Cottage in Inishowen. Die meisten Häuser sehen heute natürlich auch dort „ganz normal“ aus, und Elektrizität gibt es seit den 1970ern auch praktisch überall.

Malin Head

Ganz alleine unterwegs ist man als Urlauber aber wahrlich nicht. Der Strom der Fremden konzentriert sich allerdings auf wenige Orte. Malin Head als nördlichster Punkt Irlands ist der wichtigste. Vor allem seit einige Szenen im neuen Star-Wars-Film dort gedreht wurden, integrieren mehr und mehr Menschen den Abstecher doch in ihre Irland-Rundreise.

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Der „Juchu, ich stehe am nördlichsten Punkt Irlands“-Selfie-Stand macht überhaupt nicht so viel her, finde ich.

Das Schlechte: Die wenigen Parkplätze sind entsprechend in der Saison knackevoll, und das auch von etwa morgens um zehn bis nach sechs Uhr abends.

Das Gute: Die allermeisten Besucher bleiben wirklich nur ein paar Minuten und konzentrieren sich auf die Aussichtsplattform bei den hässlichen Baracken aus dem Zweiten Weltkrieg, von wo aus man den nördlichsten Punkt und die neu nachgespurten, aus der damaligen Zeit stammdenden Buchstaben EIRE sieht. Sie sollten deutsche Bomber auf dem Weg zu nordirischen Rüstungsbetrieben aufklären, dass sie eben noch kein Feindesland erreicht hatten, sondern die offiziell neutrale Republik überflogen. Über 60 Mal finden sich Reste dieser Buchstaben an irischen Küsten (etliche unserer Wanderrouten führen an solchen vorbei). Dass man sich ausgerechnet hier für ein Selfie damit anstellt, ist eigentlich nicht nötig.

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Silas hat einen „Schatz“ gefunden. Dass man an diesem Ort religiöser Andacht nichts räubert, sollte jedem Besucher klar sein. (Immerhin scheint es zu klappen, obwohl dieser Schrein nicht weit vom Touri-Hotspot entfernt ist).

Wer etwas mehr Zeit mitbringt, hat von hier aus die Möglichkeit einer wunderschönen kleinen Wanderung entlang der Klippen, die nicht nur zu einer tollen größtenteils ungefährlichen und kindertauglichen Kletterstelle über die Felsen zum Meer führt, sondern auch zu einer modernen Münzhort-Opferstelle als Zeichen bis heute noch starker irischer Religiösität (natürlich auch eine Tour, die wir im Reiseführer genau beschreiben).

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Eine der wunderbaren und kindertauglichen Kletterstellen ganz in der Nähe von Malin Head.

Doagh Famine Village

Selbst für die peripheren Verhältnisse von Inishowen ab vom Schuss gelegen ist das Freilichtmuseum Doagh Famine Village in Lagacurry. Der Umweg lohnt sich aber nicht nur für das Museum, sondern auch für den traumhaften Strand, der vom dortigen Parkplatz zu erreichen ist.

Strand Doagh Inishowen
Inishowen hat sehr viel sehr tollen Strand zu bieten!

Das Museum selbst ist dann ein bisschen gewöhnungsbedürftig, meiner Meinung nach aber durchaus einen Besuch wert. Bedenken sollte man lediglich, dass es sich um ein gänzlich durch das private Engagement einer Einzelperson gestemmtes Unternehmen handelt. Pat Doherty nahm das Cottage, in dem seine Mutter noch bis 1984 auf dem nackten Betonboden am Herdfeuer gestanden hatte, und integrierte nach und nach immer mehr Nebengebäude und Neubauten Marke Eigenbau in seine Ausstellung über die Lebensverhältnisse in einem der abgelegensten Winkel Irlands von Zeiten der Hungersnot bis heute. Hier ist ganz viel Herzblut im Spiel, ganz viel Wissen, aber auch eine regierungskritisch-antikapitalistische Grundüberzeugung, die man in einem staatlichen Museum so sicher nicht finden würde. In meinen Augen macht dies das Ausflugsziel noch sehenswerter.

Doagh Famine Village, Ausflugsziel Donegal
Das Doagh Famine Village ist das Herzblut-Projekt des hier geborenen Pat Doherty.

Der erste Teil der Ausstellung in den authentisch eingerichteten Wohnhäusern wird mit einer Führung besichtigt (häufig macht das der Chef selbst). Den zweiten Part besichtigt man in Eigenregie. Hier befinden sich auch die bei einheimischen Familien beliebtesten Attraktionen: die Geisterbahn (mit echten Jump-Scares, also nichts für kleine Kinder und schreckhafte Gemüter!) und der „Escape-Room“, der dem Nordirlandkonflikt gewidmet ist. Hier müssen die Besucher teils ziemlich gut versteckte Geheimtüren von einem Ausstellungsraum zum nächsten finden.

Unser Irland-Reiseführer für Familien

Ich hab ja schon ein paar Mal ganz dezent darauf hingewiesen: Es gibt da den Reiseführer „Irland mit Kindern“, den ich zusammen mit Stefanie Holtkamp geschrieben habe.

Er beinhaltet 60 kindertaugliche Wandertouren entlang der irischen Westküste sowie viele familienfreundliche Ausflugsziele, alle von uns persönlich ausprobiert. Acht dieser Touren befinden sich im County Donegal.

Der Reiseführer erscheint am 1. Mai; er kann aber bereits jetzt hier bei Amazon* vorbestellt werden.

Familien-Reiseführer Irland mit Kindern
Ein bisschen Eigenwerbung muss schon erlaubt sein… ;)  Und ich bin durchaus ein bisschen stolz auf unser Herzblut-Projekt.

Noch mehr Irland mit Kindern

Hier im Blog habe ich etliche weitere Beiträge über die grüne Insel geschrieben, die über die Informationen im Reiseführer hinausgehen und trotzdem völlig kostenlos sind.

Mehr Erfahrungen aus Donegal in anderen Reiseblogs

Ein paar Reiseblogger-Kollegen haben natürlich auch schon über Donegal geschrieben.

  • Ellen von Patotra hat Donegal bereist und war in der Gegend um Ardara noch mal intensiver unterwegs als wir.
  • Hubert vom Travellerblog zieht unter dem Titel „Donegal? Wo liegt Donegal?“ auch alle Register und hat tolle Fotos vom Sonnenuntergang bei Slieve League.
  • Andrea von Indigoblau hat gleich mehrere Artikel über Donegal (die anderen beiden übrigens auch), zum Beispiel auch einen ausführlichen über das Folk Village in Glencolumbkille.
donegal malin head wandern
Noch einmal Malin Head: Janis baut Türmchen. Das Touristen-Gewusel haben wir da hinten am Turm zurückgelassen und sind weniger Meter weiter herrlich einsam…

Transparenzhinweis: Durch meine Reiseführer-Recherche hatte ich in den genannten Museen freien Eintritt. Davon lasse ich mich in meiner Beurteilung nicht beeinflussen. Ansonsten war die Reise selbst organisiert und selbst bezahlt. Alle Links, die ich gesetzt habe, habe ich ausschließlich als Leser-Service ausgewählt und bekomme kein Geld dafür (abgesehen vom mit Sternchen gekennzeichneten Affiliate-Link für meinen eigenen Reiseführer, klar). Wenn dich interessiert, wie sich dieses Blog finanziert, lies hier

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