[Beim besten Willen keine Werbung, sondern eine Schilderung meiner eigenen Erfahrungen, finde ich. Doch Werbung, findet die aktuelle deutsche Rechtsprechung. Details im letzten Absatz.] Eigentlich plane ich schon ewig und drei Tage einen richtig guten Service-Artikel zum Thema Buchungsportale für Familien: „Ferienunterkünfte für Familien finden: Der richtige Umgang mit mit AirBnB, booking.com und Co.“, oder so ähnlich. Ich glaube, dass viele Eltern sich nicht recht rantrauen an individuelle und günstige Buchungsmöglichkeiten für Urlaubsunterkünfte, weil sie viele Fragen haben. Was ist der Unterschied zwischen AirBnB und „normalen“ Anbietern von Ferienwohnungen? Wie funktioniert das genau? Ist AirBnB sicher? Wir haben auf unserem 10-monatigen Roadtrip durch Europa so viele Erfahrungen damit gemacht, die ich gerne weitergeben würde. Aber ich komme und komme nicht dazu, diesen Artikel fertigzustellen. Stattdessen dümpelt er als Entwurf seit Monaten in meinem Blog-Backend. Um dem Elend ein Ende zu machen und wenigstens das, was ich habe, allen Interessierten schon einmal zur Verfügung zu stellen, hau ich es jetzt einfach raus und beschränke mich auf schlechte Erfahrungen mit AirBnB, wenn man das Portal umgeht – auch wenn die entschieden nur ein kleiner Ausschnitt unserer prinzipiell guten Erfahrungen mit AirBnB sind.

Update 2019: Inzwischen gibt es diesen Artikel, wie AirBnB funktioniert.). Unser ausgiebiger AirBnB-Erfahrungsbericht steht hier:

AirBnB: Top oder Flop?

AirBnB Erfahrungen Blogparade

Dieser Artikel hier beantwortet im weiteren Verlauf die Frage, warum man niemals versuchen sollte, AirBnB zu umgehen und direkt mit dem Vermieter Geschäfte zu machen. Auch das ist ein lohnenswerter Erfahrungsbericht, und vor allem die zahlreichen Kommentare, in denen sowohl AirBnB-Nutzer als auch Vermieter von ihren sehr unterschiedlichen Erfahrungen berichten, ist lesenswert. Wer wissen möchte, ob und konkret wie AirBnB für Familien (und alle anderen) in der Praxis funktioniert und worauf man dabei achten sollte, ist mit dem obigen Beitrag sehr gut beraten.

Wie funktioniert AirBnB?

Zum allgemeinen Verständnis: AirBnB ist ein privates Vermietungsportal im Internet. Jedermann kann dort seine Wohnung (oder auch nur ein Zimmer) anbieten. Preis und Konditionen legt er (oder sie) selbst fest. Ein gewisses Maß an Sicherheit bieten die Bewertungen, die vorherige Besucher für den Anbieter hinterlassen haben (ähnlich wie bei ebay oder Couchsurfing). Bezahlt wird per Vorkasse an AirBnB, aber erst nach dem Aufenthalt wird das Geld an den Vermieter weitergeleitet, wenn der Gast keine Einsprüche erhebt.

Ursprünglich sollte es wohl eine Plattform sein, durch die auch soziale Interaktionen zwischen Mieter und Vermieter zustande kommen. In der Praxis haben wir so etwas selten erlebt. Viele Vermieter waren professionell, und häufig stand dieselbe Ferienwohnung auch bei anderen Vermietungsportalen zur Verfügung (manchmal für einen deutlich niedrigeren Preis, übrigens).

Außen pfui, innen hui: Die Wohnung in diesem Block war tatsächlich eine der schönsten auf unserer Reise.

Außen pfui, innen hui: Die Wohnung in diesem Block im kroatischen Split war tatsächlich eine der schöneren auf unserer Reise, weil die Innenausstattung prima für einen echten Familienalltag war.

Vorteil von AirBnB ist, neben der meist riesigen Auswahl, dass auch solche Mietobjekte zur Auswahl stehen, die nicht herkömmlichen Ferienunterkünften entsprechen, sondern näher am „echten Leben“ und tiefer in der Kultur des Reiselandes stecken.

Unseren 15. Jahrestag feiern wir in einem wunderschönen Ferienhaus auf dem Peloponnes vor dem Kamin mit einem zweisamen Abend - absolute Seltenheit, dafür umso schöner.

Und manchmal ist auch einfach alles perfekt, wie in unserem Traumhaus auf dem Peloponnes.

Die Dienstleistung des Portals besteht darin, Vermieter und Mieter zusammenzuführen. Entsprechend zahlen beide einen gewissen Prozentsatz des Mietpreises als Servicegebühr.

Lohnt es sich, AirBnB zu umgehen und mit dem Vermieter einen günstigeren Preis auszuhandeln?

Ich rate ganz klar davon ab. Und zwar nicht, weil ich AirBnB und Co eine goldene Nase gönne, sondern weil wir damit bisher noch immer reingefallen sind. Wir haben uns zwei Mal darauf eingelassen, als unser Vermieter es uns anbot. Es waren jeweils deutlich schlechtere Unterkünfte als angepriesen, und weil man natürlich nur eine Bewertung abgeben kann, wenn man ordnungsgemäß über das Portal gebucht hat, konnten wir Nachreisende nicht einmal warnen.

AirBnB: Schlechte Erfahrungen

Im ersten Fall (in Griechenland) war die Unterkunft einfach nur deutlich schlechter als beschrieben, die Küchenausstattung mies (nicht einmal eine Gabel und ein Löffel für jeden in der „fully equipped kitchen“). Warmes Wasser gab es nur abends für ein paar Stunden. Da wir immer möglichst low budget unterwegs sind, passieren uns solche Reinfälle ab und zu  – aber normalerweise warnen uns die Bewertungen anderer, und wir sorgen mit unserer Referenz dafür, dass die nächsten vorgewarnt sind und selbst entscheiden können, ob sich der Mietpreis in ihrem persönlichen Preis-Leistungs-Gefüge rentiert. In Griechenland sind wir das Wagnis eingegangen, für einen vergleichsweise geringen Preis ein Überraschungsei zu bekommen – und für unser persönliches Empfinden war das ein Griff ins Klo.

Unsere Ferienwohnung mit - fast - Meerblick.

Schlechter als beschrieben, aber nun auch nicht untragbar. „Mit Meerblick“ stand im Angebot. Und wenn wir auf den Balkon gehen und uns etwas nach links über die Brüstung beugen, stimmt das auch.

AirBnB: Schlechte Erfahrungen mit Methode

Im zweiten – und mit Sicherheit letzten – Fall scheint es mir im Nachhinein eine richtige Masche gewesen zu sein. Der Vermieter war seit 2009 angemeldet und hatte in der Region Apulien eine ganze Handvoll Objekte im Angebot, aber nur eine einzige (selbstredend positive) Bewertung. Wir stellten eine offizielle Anfrage für ein nettes kleines Häuschen, das unseren Vorstellungen entsprach.

Das sei bedauerlicherweise nicht verfügbar, teilte der Vermieter uns mit, bot uns aber in derselben Nachricht eine andere Wohnung an, und zwar für einen deutlich günstigeren Preis als im Portal angegeben. Wir äußerten Interesse, fragten aber – als doch recht erfahrene Reisende nicht mehr völlig naiv – welche Leistungen dieser Preis umfasst. In der Tat sollten noch 10 Euro pro Person für Bettwäsche und Handtücher hinzukommen und Elektrizität nach Verbrauch bezahlt werden. Trotzdem war der Preis immer noch vergleichsweise günstig, und wir nahmen an (allein schon aus Mangel an Alternativen, denn inzwischen waren wir schon auf dem letzten Drücker auf der Suche).

Wie sich herausstellte, war die Wohnung in Gallipoli geschickt fotografiert. Von einer „Heizung“ zu sprechen, war ein Witz, weil sie aus zwei Klimaanlagen in den Schlafzimmern bestand, die kaum diese zwei Räume vernünftig warmpusten konnten, geschweige denn die ganze Wohnung. Die Fenster waren so schlecht eingebaut, dass die Vorhänge selbst bei geschlossenen Fenstern sanft im Wind hin und her schwangen. Wir benutzten einen Teil unserer teuren Miet-Handtücher, um die zwei Finger breiten Spalte abzudichten. Wenn wir abends am Computer in der Küche saßen (ein Wohnzimmer gab es nicht), trugen wir zwei Pullover plus Strickjacke und kuschelten uns zusätzlich in unsere Schlafsäcke. Von der Dusche wollen wir lieber gar nicht anfangen zu reden. Die Haare jedenfalls wusch ich mir im Küchenwaschbecken.

Fleißige Reisebloggerin unter widrigen Umständen.

Es war SO KALT in unserer Wohnung in Gallipoli!

Der Vermieter war sich freilich keiner Schuld bewusst. Als wir die einfachen Laken monierten, die in Italien gerne die Bettdecke ersetzen, brachte er uns tatsächlich einen Arm voll Wohnzimmerdecken, damit wir dann doch nicht erfrieren (auch hier kamen uns wieder unsere eigenen Schlafsäcke zugute). Und als wir darauf bestanden, dass im Inserat von freiem WLAN die Rede gewesen war, gab er uns am zweiten Tag einen mobilen Router, der magere 300 MB umfasste.

Schlechte Erfahrungen mit AirBnB

Eine altbackene Einrichtung finden wir jetzt gar nicht mal so schlimm, wenn dafür der Preis stimmt – und das Drumherum. Dass es in dieser Wohnung elend kalt war, die (explizit eingeforderten) Decken nach Dachboden müffelten und nicht ganz sauber waren und wir uns einfach veräppelt vorkamen, sieht man auf diesem Bild natürlich nicht.

Wenn es nicht so kalt gewesen wäre – unüblich kalt und regnerisch für Süditalien im März – dann hätte man mit den Umständen wahrscheinlich auch halbwegs leben können.

Wenn nicht, ist es in einem solchen Fall natürlich immer möglich, auf dem Absatz kehrt zu machen und die mangelhaft beschriebene Wohnung einfach nicht zu nehmen.

Aber als Familie ist so eine Forderung leichter gesagt als getan. Immerhin ist es meistens mindestens später Nachmittag, wenn wir eine Unterkunft erreichen. Als kurzfristige Alternative bleiben dann nur teure Hotels. Für Kostenbewusste und solche mit schmalem Budget bleibt nur die Möglichkeit: Augen zu und durch. Ich gehe davon aus, dass diese Leute von solchen Urlaubern wie uns leben.

Seitdem haben wir noch einige Male auf unsere Anfragen von AirBnB-Vermietern (in Italien und auch in Spanien, jeweils in beliebten Ferienregionen) zu hören bekommen, dass dieses bestimmt Objekt zwar nicht verfügbar sei, dafür aber dieses andere, besonders günstige… Da wir nie wieder darauf eingegangen sind, haben wir seitdem nur positive Erfahrungen mit AirBnB gemacht…

Unsere Wohnhöhle in der Abenddämmerung. Der erste Blick von außen zeigt gar nicht, dass sich der Großteil des Hauses im Berg befindet.

Zum Beispiel unsere Wohnhöhle in Guadix ist auch ein AirBnB-Fang, mit dem wir rundum zufrieden waren. Der erste Blick von außen zeigt gar nicht, dass sich der Großteil des Hauses im Berg befindet.

(Übrigens: Dieser Artikel ist ja nun nicht gerade eine aalglatte Werbung für das Vermietungsportal. Wenn er dich trotzdem darin bestärkt, dich dort anzumelden, würde ich mich freuen, wenn du das über diesen Link* tust. Dann bekommst du ein paar Euro gutgeschrieben, und wir auch.)

Update: Inzwischen hat Heike von Köln Format meine Idee aufgegriffen und einen ordentlichen Artikel zum Thema geschrieben. Also, so, wie man bei AirBnB Unterkünfte buchen sollte, und nicht, wie nicht. :)

Artverwandt: Vielleicht interessierst du dich auch fürs Thema Couchsurfing? Hier habe ich eine Art (kostenloses) Tutorial fürs Couchsurfing mit Kindern verfasst:

Couchsurfing mit Kindern: So klappt der „Gratis-Urlaub für Familien“

Couchsurfing mit Kindern

Couchsurfing mit Kindern – Tipps und Tricks inklusive Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Finden von Gastfamilien in ganz Europa

Transparenzhinweis: Dieser Artikel enthält den (klar beschriebenen) Affiliate-Link zu AirBnB, über den der sich Anmeldende und ich beide etwas Guthaben erhalten. Und dann habe ich noch auf eine professionelle Bloggerin verlinkt. Kurioserweise muss ich damit nach aktueller deutscher Rechtsprechung den gesamten Artikel als Werbung deklarieren.